Mittwoch, 24. März 2021

Fotos von Mikesch

Bevor es im nächsten Post wieder richtigen Kuhbezug gibt noch mal über das Leben im Stall statt Leben mit Kuh.
 
Von privater Tierhaltung halte ich für mich persönlich nicht so viel. Rinder geht schon mal gar nicht, weil da gibts für mich nur Holsteins und für ordentliches Arbeiten damit ist man ganz schnell in Größenordnungen von über 10.000 Stunden Aufwand im Jahr. Also hauptberuflich wie ich es auch mache.
Bei Katzen habe ich die Haltung von Stallkatzen als passende Lösung gefunden. Klar hauptsächlich zur Schadnagerbekämpfung, aber für mich hat das den Vorteil einer recht unverbindlichen Sache: Jeder ist für sich selbst verantwortlich und man begegnet sich ab und zu oder auch mal öfters. Wenn man dabei eine anhängliche Katze hat ist es natürlich besonders schön.
 
Mikesch hat sich schnell zu meinem Lieblingskater hochgearbeitet, weil schon geradezu aufdringlich. Er ist jetzt anderthalb Jahre alt und nachdem er zunächst fast nur im Kälberstall war streift er mittlerweile über die halbe Anlage. Man kann ihn rufen und er läuft auch mit einem mit. Und auf der Kälberwaage kann man ihn wiegen, entweder alleine oder man nimmt ihn auf den Arm. Der letzte Wert im Februar waren glaube ich 4,6 kg.
 
Fotografieren ist recht schwer, weil er eigentlich nie still hält:



















Und ganz dynamisch, da setzte er an um mir auf die Schulter zu springen:

Benjamin




Sonntag, 21. März 2021

Hausbau - Teil 1

Heute kommt der erste Post einer Serie über den Hausbau in der alten Heimat; ohne Kuhbezug, aber mich privat am meisten beschäftigt. Das Haus (siehe auch Posts vom 13.01.2020 und 05.01.2021) hatte ursprünglich mein Ururgroßvater um 1900 erbauen lassen, meine Mutter ist dort aufgewachsen und hat es vor fünf Jahren geerbt. Da es aber so gravierende Bauschäden hat ist ein Abriss und zeitgemäßer Neubau wirtschaftlicher als eine umfassende Sanierung.
 
Mit der Baugenehmigung hat es sich letztes Jahr verzögert und nun konnte der Abriss Anfang März endlich beginnen. 
Etwas Wehmut hatte ich schon als ich die ersten Fotos davon gesehen habe, schließlich hängen da auch für mich über 20 Jahre schöne Erinnerungen dran. Doch ist es vor allem eine Ersatzhandlung für die ganzen alten Ställe die ich schon mit dem Radlader wegschieben wollte wenn sie mal ausgedient haben... und allesamt noch in Benutzung sind.

In der heutigen Zeit mit Smartphone und Messenger ist man quasi live dabei, obwohl über 500 km entfernt in Brandenburg.

Wenn ich mir die Fotos so ankucke:
Erste Erkenntnis: Ein Haus das aus Backsteinen gebaut ist lässt sich recht einfach abreißen. Damals war Beton noch nicht so verbreitet. Mein Großvater hat später immer sehr großzügig betoniert; ich kann mich an den Abriss des Fundaments eines Maschendrahtzauns (!) 1995 erinnern, das war atombombensicher.
Zweite Erkenntnis: Die Bauschäden kamen jetzt deutlich ans Licht. 
Dritte Erkenntnis: Der gesamte Dachstuhl und die Deckenbalken sind eine Riesenmenge Holz, dafür wird nach 30 Jahren Planung doch ein Kaminhofen für das jetzige Haus angeschafft werden müssen, bisher war alles Altholz immer im Herd des alten Hauses verheizt worden.
Vierte Erkenntnis dabei: Das Pflaster im Hof, das 120 Jahre lang gehalten hat ist der Masse eines Volvo EW180C nicht gewachsen. --> Link zum Nachfolgemodell. Der ist noch mal ein Stück größer als der Fortschritt T188 (siehe auch Post vom 14.02.2015). 

Abrissfortschritt in Fotos:

1. März:




















4. März:




















11. März:




















17. März:




















Fortsetzung folgt! 

Benjamin

Freitag, 19. März 2021

Perle - Teil 12

Mittlerweile wurde Perle in unser K3-Abteil umgestallt. Zur Definition siehe Post vom 05.02.2021. Es handelt sich dabei um einen Zweiraumstall. Diese haben eine Trennung in zwei Räume: Fress- und Liegebereich. Im Fressbereich ist hier Spaltenboden, im Liegebereich Tiefstreu. Daher auch unsere umgangssprachliche Bezeichnung Stroh-Spalte. Gegenüber einem Einraumstall nur mit Tiefstreu spart es Stroh, vor allem am Fressgitter wo die Kälber viel stehen und entsprechend auch hinmachen "versumpft" es dann schneller. Auf der anderen Seite fällt sowohl Festmist als auch Gülle an.

Mit dem Wiegeband vermessen kann ich sie leider nicht, dafür ist sie mir nicht anhänglich genug geworden. Ihr Gewicht schätze ich auf so 145 kg. In ihrer Gruppe gehört sie zu den besser entwickelten Kälber. Aber wie bei den anderen auch ist ihr Fell ziemlich struppig geworden, das haben aber eigentlich alle Kälber in den alten Ställen aus den 1990ern, weil bei denen das Klima nicht ganz so gut ist.

Benjamin
 

 

Samstag, 13. März 2021

Horn absägen

Total Red - ein besonders kreativer Name für eine rotbunte Tableau-Tochter - ist ein Zweihorn. Sie war scheinbar als Kalb bei der Enthornung durchgerutscht. Das war vor meiner Zeit gewesen.
Und von Hörnern halte ich gar nichts, die sind eine züchterische Altlast aus längst vergangenen Zeiten (siehe auch dazu die Posts vom 13.09.2020 und 24.09.2020). Hörner sind eine Gefahr für den Menschen, andere Rinder und für die Rinder auch selber.
 
Ab und zu, aber gar nicht so selten wenn man das auf den geringen Anteil der Kühe mit Hörnern bezieht kommt es vor, dass die Hörner so krumm wachsen und in den Kopf hineinwachsen zu drohen. Das ist irgendwie ein Schlupfloch in der natürlichen Selektion, denn bis die Kuh an ihren eigenen Hörnern sterben würde hat sie schon eine handvoll Nachkommen.
 
Bei Total Red war es nur das linke Horn fast senkrecht nach unten wuchs und knapp über dem Auge vor dem Einwachsen stand. Ihr rechtes Horn wächst waagrecht.
Das Horn wurde mit einem Sägedraht abgesägt, für den ist das Horn überhaupt kein Problem, beim Fetotom geht der auch durch Knochen (vgl. Post vom 26.08.2019). Die Hörner bestehen aus einem knöcheren Hornzapfen der aus dem Schädel wächst und darauf wächst vergleichbar mit einem Fingernagel das eigentliche Horn. Wenn Kühe sich die Hörner abstoßen ist wie das Abreißen eines Fingernagels. Die Hornspitze abzusägen ist dann wie das Nägelschneiden. Wenn das Horn mit dem Hornzapfen abbricht (siehe auch Post vom 20.02.2017) ist das eine größere Geschichte und nach dem Absägen muss die Blutung durch Veröden der Wunde gestoppt werden.
 
Benjamin 
 

 

Donnerstag, 11. März 2021

DCAB - Teil 2

Die Beachtung und Berechnung des DCABs für melkende Kühe ist noch nicht so lange ein Thema und auch nicht so breit in der Praxis vertreten. Erstmals hatte ich vor drei Jahren auf dem Herdenmanagerlehrgang zu tun (siehe Post vom 28.01.2018) und unter den Kuhblog-Lesern gibt es auch dafür Experten von denen ich einges gelernt habe (Liebe Grüße!).

Bei einem niedrigen DCAB kommen die Kühe in eine metabolische Acidose, der ganze Körper ist zu sauer. Das beeinträchtigt verschiedenste Prozesse im Körper, die Kühe "laufen nicht rund". Die "klassische" Acidose dagegen ist die Pansenacidose, wenn es bei der Verdauung zu sauer wird (Propionat-Weg) und der pH-Wert im Pansen zu stark sinkt.
Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Thematik sind noch nicht so umfangreich und es braucht dafür auch weitere Versuche. Mit abnehmendem DCAB konnten bisher zwar keine unmittelbare Schäden nachgewiesen werden, aber vor allem die Leistung sinkt.

Für melkende Kühe sollte der DCAB über +100 meq, besser +150 meq liegen. Und das kann mittlerweile schwierig werden mit der verbreiteten GVO-freien Fütterung. Sojaextraktionsschrot erhöht den DCAB, Rapsextraktionsschrot dagegen hat wegen dem hohen Schwefelgehalt einem meist negativen DCAB und senkt ihn in der Gesamtration. 
Bei unseren typischen Rationen hier im Nordosten mit mehr Maissilage und weniger Grassilage kann es dann schon mal schwer werden überhaupt über die +100 meq zu kommen.
Mit Natriumbicarbonat als Puffer - nicht nur gegen Pansenacidose - lässt sich der DCAB anheben oder auch mit Melasse.

Ganz wichtig ist auch hier wieder die Analyse der Silagen auf die Mineralstoffe, denn Boden, Pflanzenalter und die Düngung bedingen einen extrem hohe Schwankungsbreite, sodass man mit Tabellenwerten nicht rechnen kann.

Die Beachtung des DCABs ist ein weiterer Baustein in der Rationsberechnung um die Kühe bedarfsgerechter zu füttern und zwar beim Verhältnis der Mineralstoffe zueinander.

Benjamin

Sonntag, 7. März 2021

DCAB - Teil 1

Der DCAB und die Fütterung von sauren Salzen an Transitkühe war mir rein vom Begriff her aus dem Studium bekannt, näher behandelt wurde es dort aber nicht. Das war damals in Rheinland-Pfalz auch nicht so von Bedeutung. Daher war das für mich auch lange Zeit was für die absoluten Profis in den oberen Leistungsklassen. Aber seit ich in der Kuhbranche bin ist in Brandenburg die Milchleistung um über 1.000 kg pro Jahr gestiegen und damit nimmt die Bedeutung zu.
 
Die calciumreduzierte Fütterung wird schwieriger umzusetzen, da die Kühe mehr fressen, was sie auch sollen für eine gute Energieversorgung um nicht schon vor der Kalbung in eine Ketose zu rutschen. Der Calciumgehalt im Futter kann aber nicht beliebig abgesenkt werden um die Gesamt-Calciumaufnahme niedrig zu halten. 

Daher ist es zunehmend wichtiger den DCAB zu beachten. Wie der ausgeschriebene englische Namen Dietary Cation Anion Balance beschreibt ist es das Verhältnis von Kationen zu Anionen. Es sind nur die starken Kationen und Anionen von Bedeutung:
Natrium
Kalium
Chlor
Schwefel

Das ist die Formel, in der die Gehalte in g pro kg Trockenmasse eingesetzt werden:

meq = 43,5 x Na + 25,6 x K - 28,2 x Cl - 62,3 x S

meq bedeutet Milliäquivalent und ist dann in der weiteren Verwendung nur noch eine Zahl wie z.B. der RNB auch.

Gras, Klee, Luzerne und Heue haben hohe DCAB, Maissilage und Stroh weniger, Getreide um die 0, Pressschnitzel und Biertreber negativ, Raps wegen dem hohen Schwefelgehalt noch negativer, Soja dagegen wegen dem Kaliumgehalt wiederum deutlich positiv.
Die Tabellenwerte sind jedoch wenig hilfreich, da durch Standort, Witterung und Düngung die Ionengehalte extrem schwanken können. Daher sind Mineralstoffanalysen der Silagen oder Rationen nötig.
Die Berechnung des DCAB ist auch nur für die grobe Richtung, die weitere Einstellung muss über das Fütterungscontrolling erfolgen.

Für die Transitfütterung ist der DCAB auf + 100 bis + 200 meq einzustellen, besser um die + 130 bis + 150 um nicht zu schnell in den Grenzbereich zu kommen. Durch die saurere Fütterung sinkt der pH-Wert im Körper und Calcium (Ca2+) wird aus den Knochen ausgelagert und gleichzeitig mehr Calcium aus dem Futter aufgenommen. Also der gleiche Effekt wie bei der calciumarmen Fütterung, aber es kann und muss sogar mehr Calcium gefüttert werden weil die Nieren auch viel aus dem Blut in den Harn ausscheiden. Da ist es quasi Durchfluss-Calcium.

Vom Futter her sind solche Futtermittel auszuwählen, dass der DCAB sinkt. Meist wird grasarm gefüttert, weil man sonst wegen der hohen Kaliumgehalte schwer unter die +200 meq kommt. Grassilage ist meist kaliumreich da Grünland überwiegend mit Gülle gedüngt wird und die Kühe viel Grassilage bekommen und es sich dann mit der Zeit in diesem Kreislauf angereichert hat. Von der Empfehlung speziell dafür kaliumarme Grassilage von extensiv geführten Flächen zu produzieren halte ich nicht viel, weil das ein weiteres Futtermittel für die Pflanzenproduktion ist und bei Kleinbetrieben dann ein unverhältnismäßig hoher Aufwand.
 
Der DCAB-Bereich von 0 bis +100 meq soll gar nicht funktionieren. Ich vermute, dass ich damals vor der Nachtschicht (siehe auch Post vom 25.12.2013) mit der Ration aus Maissilage, Grassilage, Stroh und Rapsschrot genau in diesen Bereich geraten war.
Weiter runter zwischen - 100 und 0 meq ist dann die Fütterung mit sauren Salzen. Das sind Sulfat- oder Chloridsalze mit meq um die -10.000 pro kg. Da ist ein noch engmaschigeres Controlling nötig um Fehldosierungen zu vermeiden, denn Überdosierung vermindern die Futteraufnahme weil meist schlecht schmeckt und die Kühe zu sauer werden und den Appetit verlieren. 
Und es muss mehr Calcium gefüttert werden, weil sich das "Durchfluss-Calcium" erhöht.
Die Einstellung der sauren Salze wird am Harn überprüft, am besten 1-2x wöchentlich. Recht einfach mit dem pH-Wert, der um die 7 liegen sollte oder noch aussagekräftiger mit Laboranalysen zur NSBA (Netto-Säure-Basen-Ausscheidung) oder der Calciumausscheidung, dem "durchgeflossenen" Calcium.

Die Arbeit mit sauren Salzen erfordert ein hohes Niveau in der Fütterung bietet aber eine gute Möglichkeit insbesondere subklinisches Milchfieber und die damit verbunden Gesundheitsprobleme stärker zurückzudrängen.

Benjamin

Montag, 1. März 2021

Milchfieber

In letzter Zeit habe ich mich vermehrt mit dem DCAB (Dietary Cation Anion Balance) beschäftigt; mehr theoretisch, die praktische Umsetzung in der Fütterung ist eher ein mittelfristiges Projekt.
Da ich dazu im Kuhblog zwei Posts schreiben wollte kommt ein dritter noch dazu, denn nicht alle Kuhblogleser haben aus dem Stehgreif die ganzen Zusammenhänge parat wenn ich mit "Milchfieberprophylaxe" anfange.

Milchfieber ist eine Erkrankung die bei Kühen unmittelbar nach der Abkalbung auftreten kann, daher auch der präzisere Begriff Gebärparese. 
Grund dafür ist ein zu niedriger Calciumspiegel im Blut. Die Muskelfilamente brauchen für ihre Bewegungen bei der Muskelkontraktion auf molukularer Ebene Calcium. Das betrifft alle Muskeln. Wenn nach der Kalbung bei einer Kuh die Milchbildung beginnt erhöht sich sprunghaft der Calciumbedarf. Für die 5 - 10 Liter Kolostrum hatte sie über zwei Wochen Zeit, nach der Kalbung stellt der Körper aber auf zunächst so 30 Liter täglich um. Der Calciumbedarf steigt in der Größenordnung von 40 auf 110 g pro Tag. Auch wenn man calciumreich füttert (Futterkalk) kann sich der Körper nicht schnell genug auf den geänderten Bedarf einstellen und genügend Calcium aus dem Futter absorbieren. Für die Milchbildung wird das Calcium aus dem Blut entnommen bis zu wenig für die Muskeltätigkeit vorhanden ist. Als erstes sind die Muskeln der Beine betroffen und die Kuh fängt an zu schwanken und kann sich nicht mehr auf den Beinen halten bzw. wenn sie liegt nicht mehr aufstehen. Das ist dann das Festliegen, wenn es länger andauert sind zunehmend auch andere Muskeln betroffen bis hin zum Herzmuskel. Unbehandelt ist die Sterblichkeit extrem hoch.
Für das Festluegen gibt es auch andere Ursachen, aber Milchfieber ist die häufigste. 
Behandelt wird es mit einer Infusion von Calcium und Glukose, womit die Kuh meistens nach kurzer Zeit wieder aufstehen kann.

Die gängige Prophylaxemaßnahme gegen Michfieber ist die calciumarme Fütterung in der Transitphase. Mit einem speziellen Trockenstehermineralfutter, das sehr wenig Calcium enthält wir der Calciumgehalt der gesamten Ration soweit abgesenkt, dass die Kuh auf eine effizientere Calciumaufnahme trainiert ist.
Dabei läuft folgender Regelmechanismus ab: Bei niedrigem Calciumgehalt im Blut bildet die Nebenschilddrüse Parathormon, das die Mobilisierung von Calcium aus den Knochen bewirkt und in der Niere die Aktivierung von Vitamin D, das eine bessere Calciumaufnahme im Darm durch mehr Calciumtransporter in der Darmwand bewirkt.
Im Gegensatz dazu bildet bei hohem Calciumgehalt im Blut die Nebenschilddrüse Calcitonin, das die Einlagerung von Calcium in die Knochen bewirkt.
Die calciumarme Fütterung bringt die Kuh in einen leichten Calciummangel und sie ist dann in der Calciumaufnahme und der -mobilisierung so effizient dass sie zusammen mit der calciumreichen Fütterung nach der Kalbung kein Milchfieber bekommt. 
Gelernt habe ich das damals auf meinem Stammbetrieb Hofgut Neumühle, als mir das einer der Lehrlinge erklärt hat. 13 Jahre später kann ich sagen, dass das echt was fürs Leben war und sowas heute leider keiner unserer Lehrlinge hinbekommen würde...
 
Nach meiner Erfahrung klappt das am besten, wenn die Kuh 13 - 19 Tage lang vor der Kalbung so gefüttert wurde. Kürzer ist der Effekt nicht so hoch, länger verpufft er zunehmend wieder.

Mit dieser Fütterung hat man das Milchfieber gut im Griff, wenn alles mit der Fütterungs rund läuft, z.B. auch mit dem DCAB, dazu dann mehr im nächsten Post.
Die Krankheitsinzidenz von Milchfieber ist recht unterschiedlich, meist kommt es wellenweise, wenn irgendwas mit der Fütterung nicht stimmt. Erstkalbende Kühe sind extrem selten betroffen, weil sie zunächst nur verhalten mit der Milchproduktion starten. Mit dem Alter nimmt die Häufigkeit zu, weil einmal die Leistung der Kühe steigt (siehe auch Post vom 02.09.2020) und ältere Kühe im Darm weniger Calciumtransporter haben.
Ein größeres und häufigeres Problem ist das subklinische Milchfieber, das nicht ausbricht, aber die Kühe trotzdem einen Calciummangel hat mit negativen Auswirkungen z.B. auf die Pansenmuskulatur (als Folge Gefahr von Labmagenverlagerung) und die Gebärmuttermusulatur (Abgang der Nachgeburt). 

Für die Kuhblogleser mit Kühen kann ich Fachliteratur empfehlen:
"DLG - Kompakt: Erfolgreiche Milchfieberprophylaxe" ISBN 978-3-7690-3162-1 und
"Fütterungsempfehlungen für Milchkühe im geburtsnahen Zeitraum" ISBN 978-3-7690-0821-0
Mit dem zweiten habe ich damals in meiner Nachtschicht die Transitfütterung wieder auf die Reihe bekommen (siehe auch Post vom 25.12.2013).

Benjamin

Freitag, 26. Februar 2021

Bilanz vom Winter

Ging es letzte Woche innerhalb von zwei Tagen vom tiefsten Winter in den Frühling waren es heute dann mit einstelligen Plusgraden wieder normale Temperaturen für Ende Februar.
Jetzt ziehe ich mal eine Bilanz vom "richtigen" Winter dieses Jahr.
Es war 9 Tage lang Dauerfrost, morgens als zwischen -12 und -16 °C und nachmittags zwischen -4 und -8 °C. Die Durchschnittstemperatur dürfte so um die -9 °C gelegen haben. Ein Kälterekord war das bei weitem nicht, die liegen hier in Brandenburg so um die -25 °C. Das außergewöhnliche war eher die Dauer von 9 Tagen.
In meinem Umfeld schätzt man das ein, dass das ein Winter war wie er so alle 10 Jahre vorkommt.
 
Meine Gedanken dazu:
- Die Produktion ist weitergelaufen. Alle Tieren haben zu fressen und saufen bekommen und die Kühe wurde allesamt zweimal täglich gemolken. An der Milchleistung hat man gar nichts gemerkt.
- Die Mitschieber sind nicht festgefroren. Die liefen rund um die Uhr. Aber es hat sich nach und nach Gülleeis gebildet, das die Abwurfschächte teilweise verstopft hat.
- Auf den Spaltenböden ist der Kot festgefroren, aber an wärmeren Nachmittagen auch wieder getaut.
- Die meisten Tränken sind nicht eingefroren mit Kreislaufsystem oder am Rücklauf der Milchvorkühlung sowie solche mit genügend Tieren dran. Die Einzeltränken (Schalentränken u.ä.) sind dagegen zum größten Teil eingefroren. Gab dabei auch einige Frostschäden.
- Um die betroffenen Gruppen zu versorgen (aus Bottichen) ist das Milchtaxi eine große Erleichterung. Das hatte ich nämlich noch nicht als letztmals Tränken eingefroren sind (siehe auch Post vom 08.04.2018).
- Die Melktechnik ist mit den Heizgebläsen nicht eingefroren.
- Im Kälberstall stand die Luft weil bei den über Tagen geschlossenen Curtains der Luftaustausch zu gering war.

Fazit:
- Es lohnt sich in unseren Breiten nicht die Anlagen frostsicherer zu bauen. Ein solches 10-Jahres-Ereignis muss ein Stall nur 3 bis 5 Mal in seiner Nutzungsdauer aushalten. Und das hat ja ohne große Probleme geklappt. Für Jahrhundertwinter gerüstet zu sein bedeutet dann einen unverhältnismäßig hohen Aufwand.
- Aber in jedem Winter bei normalem Frost ist die Reinigung von Kälberiglus ein Problem. Da macht eine beheizte Fläche schon Sinn. (vgl. Post vom 21.02.2018).
- Hitzestress ist viel problematischer, wenn man bedenkt, dass jetzt keine Kühe gefroren haben, aber ihnen das halbe Jahr zu heiß ist. (Siehe auch Posts vom 26.05.2018, 23.03.2019 und 07.05.2019)

Lesetipp zu Thema: In der Elite Impulse 2/2020 war ein Bericht über die Milchproduktion in Alberta, im Winter bei bis zu - 40°C und dann das Jungvieh draußen!

Benjamin

Dienstag, 23. Februar 2021

2 m³-Selbstfahrer

Momentan bin ich mal wieder auf Urlaub in der Alten Heimat, den Resturlaub von 2020 noch weg machen. Heute war ich nach Ewigkeiten wieder zu Besuch bei Christian in Lampertheim. Im Freien an der frischen Luft bzw. auf dem Hof mit leicht einzuhaltendem Abstand.
Dort hatten sie keine schützende Schneedecke, sodass man die Folgen des Frosts deutlich sieht: Das ganze Getreide ist jetzt gelblich-grün. Die tonigen Auenböden haben diesen Winter mal eine richtige Frostgare abbekommen und sehen nun eher aus wie Brandenburger Sand.

Mein Hauptinteresse lag diesmal auf dem neuen Futtermischer, einem Sieplo MB 1500. Einen Test dazu gab es auch in der Ausgabe 11/2020 der TopAgrar. Es ist eine Mischschaufel mit einer vertikalen Mischschnecke, beidseitigem Austrag, einer Fräse und einem Seitenverschub. Alles aus Edelstahl und hydraulisch angetrieben.

Blick in den Mischbehälter mit der Mischschnecke. Ein Messer ist dran. Auf beiden Seiten ist ein hydraulisch betätigter Schieber. Ein ganz normaler Vertikalmischer, halt mit 2 m³:

 




 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Der große Vorteil neben den kompakten Abmessungen mit denen man fast überall hinkommt ist die "Selbstfahrer"-Lösung. Alles wird mit dem Hoflader erledigt und es braucht keinen zusätzlichen Traktor wie bei einem klassischen fremdbefüllten, gezogenen Mischwagen.
Mit der Entnahmefräse wird aus dem Maissilo gefräst. Ist wie bei einem großen Selbstfahrer; hört sich auch genauso an und hinterlässt auch eine schöne Anschnitssfläche. Rückwärts aus dem Tiefsilo raus wird der Hoflader (Weidemann 2070; 4 t, 50 PS) etwas leicht auf der Hinterachse. Sowas kenne ich vom Schäffer mit dem Einstreugerät nur zu gut...

 


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Einfräsen von Luzerne- und Ackergrasanwelk aus Wickelballen. Dafür wird eine Ecke der Lagerhalle als Futterhalle genommen. Mit Handbremse und Handgas kann man dann mit der Funkfernbedienung bequem daneben stehen mit einem besseren Blickwinkel. Und Reste, die die Fräse nicht mehr kriegt kann man nach dem Aufrichten noch per Hand in den Behälter werfen:

 



 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
2 m³ sind für mich irgendwie Spielzeug, aber neben der enormen Arbeitserleichteung im Vergleich zur händischen Futtervorlage bietet es mit der Waage und den ganzen Programmiermöglichkeiten einen ordentlichen Einstieg in die TMR-Fütterung für Kleinstbetriebe. 
 
Die Milchtankstelle läuft nach wie vor sehr gut, da hat das letzte Jahr einen kräftigen Anstieg gebracht. Das merke ich auch indirekt im Kuhblog, mein zugehöriger Artikel (siehe Post vom 09.09.2017) hat es mittlerweile auf den 2. Platz der ewigen Liste der beliebtesten Posts gepackt.

Benjamin

Sonntag, 21. Februar 2021

Euterinjektoren anwärmen

Mal ein Thema über das ich im Kuhblog schreibe weil es gut zum "Mehrwert" für die Leser passt. Es geht um das Anwärmen von Euterinjektoren bei niedrigen Temperaturen.
Wie üblich bei Medikamententhemen nenne ich aus rechtlichen Gründen keine Präparatnamen und verweise auf "Lesen sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Tierarzt." Ich gebe zwar auch keine Gewähr auf die Inhalte aber für die zeitsparende Recherche von Beipackzetteln habe ich in der Favoritenliste des Browsers (neben RBB, VIT usw) auch Imedikament.

Hintergrund war vorletzte Woche bei den frostigen Temperaturen, dass beim Trockenstellen die Euterinjektoren extrem zäh waren und eine meiner Kolleginnen meinte, man sollte die doch in warmes Wasser legen. Worauf ich antwortete, dass man das nicht machen soll. Für mich ist das Stand des Wissens, das jeder Landwirt oder Tierwirt haben muss. "Das haben wir schon immer so gemacht!" Das ist die vollendete Ausformulierung der Betriebsblindheit. Und da ich nicht die genauen Hintergründe dazu wusste um es schlüssig erklären zu können habe ich mich darum gekümmert.
"Man muss nicht Alles wissen, man muss nur wissen wo es steht." Ganz meinem Selbtverständnis entspricht das zwar nicht, aber ich muss in solch einem Fall halt wissen wer es weiß. Deshalb habe ich mich an einen der Kuhblogleser (Gruß nach KH!) gewandt, der mir das im Detail erklärt und weitergehende Literatur geschickt hat; u.a. auch Untersuchungen des Max-Rubner-Instituts über Auswirkungen falscher Antibiotikaanwendungen.

Die Euterinjektoren sollen nicht in Wasser gelegt werden, denn ungeöffnet sind sie fast ganz steril, mit dem Wasser können aber Keime eindringen. Da bei Euterbehandlungen die Hygiene extrem wichtig ist und Kontaminationen möglichst zu vermeiden sind also sehr leicht- und unsinnig.
Zudem ist die Lagertemperatur einzuhalten, wenn es zu warm wird (auch durch ein Wasserbad!) kann sich das Medikament entmischen. Das kann die Wirksamkeit herabsetzen und auch die Ausscheidung von Rückständen in der Milch deutlich verlängern. Das gleiche gilt wenn die Injektoren Frost ausgesetzt waren. 
Die Injektoren im Winter neben die Heizung zu stellen oder im Sommer bei sehr dünnflüssigen Präparaten in den Kühlschrank wie ich es schon oft gemacht habe funktioniert wenn der Temperaturbereich für die Lagerung eingehalten wird.
 
Zusammengefasst: Lagertemperatur im Beipackzettel nachlesen, im Originalkarton bei der entsprechenden Temperatur aufbewahren, nicht in Wasser legen und sauber arbeiten.

Benjamin

Montag, 15. Februar 2021

Marktforschung

Am Freitag habe ich an einer Videokonferenz zur Marktforschung teilgenommen. War eine Marktforschungsfirma aus Hamburg, die das im Auftrag eines Agrarchemieunternehmens durchgeführt hat. Waren ganze vier Teilnehmer, hätte da deutlich mehr erwartet, die Kontakte und Verbindungen sind doch eigentlich das Kapital dieser Branche. Also ich hätte selbst bestimmt 20 Teilnehmer zusammenbekommen.

Neben mir war es noch ein weiterer Milchbauer aus Brandenburg, den ich gut kenne und zwei Mutterkuhhalter aus Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Es ging um den Einsatz von Ureaseinhibitoren in Ställen. Urease ist ein Enzym, das Harnstoff in Ammoniak und Kohlendioxid umwandelt. Und somit Ammoniakemissionen und Stickstoffverluste verursacht. Die Ureaseinhibitoren werden schon bei Harnstoff als Dünger eingesetzt um den Abbau im Boden zu verlangsamen und die Nährstofffreisetzung an das Pflanzenwachstum anzupassen. Im Stall sollen rund 40% reduziert werden können. Ich sehe vor allem die Erschließung eines neuen Marktes...

Folgende Punkte ergaben sich in der Diskussion:

1. Relevanz: Wie hoch sind die Ammoniakemissionen im Stall überhaupt. Sind bei der Güllelagerung oder der Gülleausbringung nicht viel größere Ansatzpunkte? Bei Schieberentmistung auf planbefestigten Böden ist die Gülle innerhalb kurzer Zeit im Kanal (bzw. Biogasanlage).

2. Wirtschaftlichkeit. Können so viele Stickstoffverluste reduziert werden, dass es sich über den somit höheren Düngewert rechnet?

3. Technische Umsetzbarkeit. Die vorgeschlagene Variante eines Roboters der durch den Stall fährt und die Flüssigkeit mit dem Inhibitor versprüht ist bestimmt schlecht umsetzbar. Eine Konstruktion am Mistschieber die dann hintendran sprüht für den nächsten fallenden Kuhfladen würde den harten Stallalltag nicht lange überstehen.

Danach gab es noch einige Fragen zu gewünschten Vertriebswegen, Werbung und Informationsbereitstellung.

Es wurde auch gefragt, was für einen Ruf die Chemiefirmen haben. Im Gegensatz zu den Traktoren gibt es da halt keine "Markenfetischisten". Das sind die Geschäftsbeziehungen vor allem durch wirtschaftliche Gründe bedingt. Bei mir ist das unabhängig davon als gebürtiger Rheinhesse bei der BASF was Besonderes, wo auch mein Urgroßvater "bei der Anilin" gearbeitet hat. Und Bayer hat für mich einen Ruf sich mit der Übernahme von Monsanto ziemlich gedämlich angestellt zu haben, wo die als Erzfeind der globalen Empörungsindustrie ein Pulverfass sind.

Zusammenfassend würde ich sagen, dass das Projekt einen Dämpfer bekommen hat. Wenn es bis zur Marktreife kommt berichte ich im Kuhblog darüber.

Benjamin

Montag, 8. Februar 2021

Perle - Teil 11

Fest eingeplant hatte ich auch die Tränkekurve von Perle zu veröffentlichen. Also das, was sie während ihrer Tränkephase gesoffen hat. Das habe ich bisher noch nie für ein Kalb individuell berechnet, immer für mehrere Kälber im Durchschnitt.
Die bisherige Zielgröße waren 750 kg Tränke mit einer Trockenmasse von 101 kg. Siehe auch Posts vom 26.03.2020 und 25.10.2020.

Bevor ich die Kurve berechnet habe bin ich davon ausgegangen, dass Perle die Tränkemenge nicht ganz geschafft hat, weil sie als drittjüngstes Kalb in der Gruppe eine ganze Woche jünger war als der Durchschnitt. Da alle die gleiche Abtränkkurve haben und die weniger Tränkephase von der Ad-libitum-Phase abgezogen wird kann das schon durchaus 80 Liter Unterschied ausmachen. Ihre Tageszunahmen waren ja ziemlich im Mittel (siehe auch Post vom 02.02.2021).

Der Wert ist mit einer hohen Unsicherheit behaftet, die Bestimmung der Tränkemenge ist bei der Eimertränke sehr ungenau. Beim Tränkeautomat ist das noch eine alte Stand-Alone-Version. Als Vorteil kann der für sich alleine laufen, als Nachteile hängt der in keinem Netzwerk und man muss die Werte täglich dran ablesen, sodass mir einige fehlen. Habe ich zuviel Urlaub gemacht...
 


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Nach einer Woche hatte sie einen Einbruch in der Tränkemenge und in der vierten Woche nochmal, das war nachdem sie an den Tränkeautomat umgestallt war und den Lernstress hatte zum Nuckel hinlaufen zu müssen. Hat bei ihr länger gedauert als so üblich.
Die grüne Kurve ist die Mengenbegrenzung der Abtränkkurve, die sie dann fünf Wochen bis auf einen halben Liter voll ausgeschöpft hat.
 
Sie hat  in den 86 Tagen geschätzte 688 l gesoffen mit einer enthaltenen Trockenmasse von 95,3 kg.

Benjamin

Freitag, 5. Februar 2021

Perle - Teil 10

Am Dienstag wurde Perle abgesetzt und in das nächste Stallabteil gebracht. Und wie es sich für ein Lieblingskalb gehört lief sie ganz vorbildlich nach leichtem Anschieben auf den Kälberanhänger und als erste auch beim Absteigen wieder runter.
Wir betreiben die Automatenabteile im Kälberstall nach dem Rein-Raus-Prinzip. Einer meiner Lehrlinge sah in dem Begriff mal eine anzügliche Doppeldeutigkeit... In der Langversion heißt es Alles-rein-Alles-raus-Prinzip. Alle Tiere der Gruppe werden auf einmal ein- und später auf einmal ausgestallt. Das hat den hygienisch großen Vorteil, dass man so Infektionsketten unterbrechen kann, weil keine neuen Tiere dazu kommen oder Tiere in andere Gruppen gehen und man nach dem Ausstallen komplett Ausmisten, Saubermachen und Desinfizieren kann. Das Gegenteil ist die dynamische Gruppe, in der ein Kommen und Gehen herrscht: Jüngere Kälber kommen hinzu und ältere gehen raus. In unserer Größenordnung hat das Rein-Raus-Prinzip dazu den Vorteil, dass man nicht dreimal die Woche Kälber absetzen muss sondern nur so alle zwei Wochen eine komplette Gruppe mit einem routinierten Ablauf von Ausstallen, Ausmisten, Kärchern, Desinfizieren, neu Einstreuen, Einstallen.
 
Der Nesting Score ist zwar für kleine Kälber (-> siehe auch hier), aber hier sieht man es auch schön, vielleicht 2,5, bloß dass man halt bei einem Kalb von gut 110 kg natürlich die Beine besser sieht:


 

 

 

 

 

 

 

 

 
  
 
Jetzt ohne Halsband, man ist schließlich ein großes Kalb, das keine Milch mehr braucht. Bisschen verwackelt weil hinter mir einige sehr durstige Kälber standen, die an meine Kapuze und Kappe wollten. Perle ist das zwar Alles recht egal und sie liegt da und kaut wieder, aber fast alle anderen Kälber ihrer Gruppe brüllen wenn jemand in den Stall kommt, derart vermissen sie die Milch. Dabei kann man denken, dass das langsame Abtränken über 6 Wochen hinweg von 14 auf 2 Liter zu abrupt war. Gerne würde ich das Abtränken noch länger ziehen, bloß dann bliebe von den rund 13 Wochen Gesamttränkedauer nicht viel übrig. Der Trend geht von 14 zu 18 Wochen, aber da fehlt uns wie vielen anderen Betrieben der Platz dafür. In den 1990er wurden Kälberställe arg knapp bemessen. Wahrscheinlich mit der berüchtigten Frühentwöhnung mit bereits 8 Wochen und einer abartig hohen Totgeburtenrate/Kälbersterblichkeit gerechnet und dass es im Mittel reicht und nicht auch in den Spitzen.
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Jetzt ist sie in unserem K2-Bereich. 
Das ist ein alter Fachbegriff, in der DDR wurden die Kälber, Färsen und Kühe in Produktionsstufen und -abschnitte eingeteilt. Landesweit einheitlich und so wussten alle sofort welches Alter gemeint ist und nicht so ein regionales Wirrwarr wie heutzutage.
Es fing mit K0 an, was auch heute noch ein weit verbreiteter Begriff für die "Iglukälber" ist. Das sind die Kälber bis 14 Tage Alter, also die übliche Einzelhaltung.
K1 geht bis 12 Wochen Alter, also grob drei Monate und die Tränkephase.
K2 geht bis 17 Wochen Alter, also bis vier Monate alt, die abgesetzten Kälber.
K3 dann bis 26 Wochen Alter, also bis sechs Monate.
Danach folgt die Stufe Färsenproduktion mit den Abschnitten JR1 bis JR4 bis zur hochtragenden Färse.

Quelle: KLEIBER et al. (1980): Verfahren der Milchproduktion. VEB Deutscher Landwirtschaftsverlag, Berlin.
 
Benjamin
 

 
 
 

Dienstag, 2. Februar 2021

Perle - Teil 9

Heute wurde Perle abgesetzt.

Gestern haben wir sie so zwischendurch mal noch gewogen, weil ich doch ihr Gewicht wissen wollte. Kann man halt nicht so genau schätzen wie man es gerne hätte.

Sie wog 106 kg, da sie noch ihr Halsband anhatte muss man das natürlich abziehen. Sind somit 105,5 kg. Dabei geht die Waage aber nur in 0,5 kg Schritten, was ich schon relativ ungenau finde, bei allen anderen sind 0,1 kg Auflösung üblich.

Sie hatte ein Geburtsgewicht von 43,2 kg, damit sind das in 85 Tagen eine Zunahme von 62,3 kg oder 733 g Tageszunahme. So toll ist das zwar nicht, aber liegt in unserem Durchschnitt und auch dem der Holsteinpopulation allgemein. Im Testherdenprogramm erfassen wir zwar nicht die Absetzgewichte, aber bei den Betrieben die es machen wird das dann auf 80 Tage standardisiert und da hätten die Kälber so um die 100 kg.

Benjamin


 

Sonntag, 31. Januar 2021

Wieder richtiger Winter

Dieser Winter ist mal wieder ein "richtiger" geworden. Am Freitag Mittag sollte es anfangen zu schneien, mit vorhergesagter Niederschlagsmenge und -wahrscheinlichkeit hatte ich auf 10 cm geschätzt. Nachmittags fing es mit feinen Flocken an, dann wurde es irgendwann dunkel und Samstagfrüh waren es tatsächlich 10 cm. Soviel auf einmal gab es zu meiner Brandenburger Zeit noch nicht und laut meinen Nachbarn letztmals 2011. 

Die 10 cm waren doppelt so viel wie die letzten drei Winter zusammen:
2018/19 - einmal 1 cm
2019/20 - nix liegen geblieben
2020/21 - bisher 4x 1 cm
An so 5 cm kann ich mich paarmal erinnern, u.a. am 05.01.2017 (siehe auch Post vom 06.01.2017) und am 27.02.2018.
 
Da es Mittags 1 Grad waren sind die geräumten und gestreuten Flächen noch getaut und abgetrocknet und man hat nicht tagelang mit Schneematsch zu tun.
Heute früh waren es dann -12 Grad, ungemütlich beim Arbeiten, in den Zeiten des Klimawandels ist man einfach nichts mehr gewohnt. Gingen noch fast alle Tränken und die Mistschieber waren auch nicht festgefroren.

Da denkt man an die 1930er Anlagen, alles unter einem Dach und mit Warmluftheizung. Natürlich mit Braunkohle, war schließlich der Energieträger schlechthin und die DDR hat zeitweise die Hälfte der weltweiten Förderung gemacht. Den Geschichten nach sind zusammen mit dem Notstrom  die Anlagen im legendären Jahrhundertwinter 1978/79 bei wochenlangen Stromausfall fast normal weitergelaufen. Hatte natürlich seinen Preis mit der Ausstattung, auf heutige Preise umgerechnet kostete der Stallplatz über 14.000 €; ob da die Hochsilos und Güllelagunen mit dabei waren weiß ich nicht, aber das ist jetzt eher nicht so wichtig.   

Ansonsten: Bei dem Wetter muss natürlich Gülleneujahr morgen ausfallen, mal sehen wann es stattdessen losgehen kann.

Auch wenn ich beruflich von Schnee und Frost wegen dem damit verbundenen Ärger nichts halte, privat macht es dann doch Spaß in den Weiten der Brandenburger Landschaft spazieren zu gehen:

Benjamin 













Donnerstag, 28. Januar 2021

Fuchs am Tränkeautomat

Heute geht es mal um eine Kuriosität und zwar nicht bei mir sondern bei meinem Bruder in Bingen und das ist auch schon eine Weile her, war Anfang Dezember.

Füchse gibt es natürlich auch hier in Brandenburg (siehe auch Posts vom 26.03.2016 und 13.04.2016) und sie haben eine wichtige Funktion bei der Schadnagerbekämpfung und zwar außerhalb der Anlagen auf den Wiesen und Feldern. In den Anlagen sind die Katzen zuständig (Schadnagerbekämpfungsbrigade), wobei ab und zu auch mal ein Fuchs über den Hof läuft.

Der St. Wendelinhof der TH Bingen liegt am Stadtrand von Bingen, auf der einen der stadtabgewandten Seite schließen sich die Weinberge an, das nördliche Ende des größten deutschen Weinanbaugebiets Rheinhessen. Zur Stadt hin ist ein bewaldter Abhang, die äußerste Kante des Rheintals, wären da keine Bäume könnte man quer drüberblicken zum Niederwalddenkmal mit der Germania.

Für einen Fuchs ist die Umgebung ländlich genug und so kommt der ab und an auf dem Hof vorbei und geht in den Kälberstall. Zu diesem Zeitpunkt waren gerade zwei Kälber in der Buchte am Tränkeautomaten. Also wenig Trubel und der Fuchs ist auf den Geschmack der Milch gekommen... Blöd nur, dass er am Nuckel nicht saugen kann und der Tränkeautomat für ihn auch nichts anmischt (kein Halsband!). Und dann hat er den ganzen Nuckel zerbissen. Dass es der Fuchs gewesen ist wussten sie daher, dass er schon öfters auf den Futtertisch gekackt hatte. Der Nuckel wäre auch so zugerichtet gewesen wie es nur ein Fleischfressergebiss hinkriegt. Ein Foto davon gibt es leider nicht. Wäre ja auch zu schön gewesen für den Kuhblog, als Alleinstellungsmerkmal im Internet.
Wenn Kälber einen Nuckel zerfressen dann meist von der Spitze weg oder er reißt seitlich auf. Das kommt meist bei Kälber vor die schon abgesetzt sind und dann ständig zum Tränkeautomat laufen ob sie vielleicht doch noch was bekommen. Daher setze ich die Kälber einer Automatengruppen auch alle gleichzeitig ab. 

Das hat der Fuchs mehrere Nächte hintereinander gemacht. Zwei Kälber und täglich ein neuer Nuckel!

Lösungsansätze:
- Transponderhalsband für den Fuchs. Das bisschen was der säuft ist billiger als ein neuer Nuckel. Nachteil: Der kann immer noch nicht richtig am Nuckel saugen und zudem ist das Halsband mit 500 g zu schwer für ihn.
- Ablenkungsfütterung mit einer Schale Milch.
- Endlich ein Tor am Eingang des Kälberstall, dass man ihn einfach aussperren kann.
Variante drei wurde umgesetzt.

Benjamin

Freitag, 22. Januar 2021

Perle - Teil 8

Jetzt kommt noch die letzte Folge von Perle während ihrer Tränkephase.
Sie liegt bei 6,5 Liter täglicher Tränkeaufnahme. Damit hat sie seit dreieinhalb Wochen seit die Tränkekurve während des Abtränkens unter 12 Liter gefallen ist Tag für Tag immer ihr Tränkeanrecht voll ausgeschöpft.
Die Festfutteraufnahme läuft auch gut, man sieht sie regelmäßig beim Wiederkauen.
 
Sie ist die Drittjüngste in ihrer Gruppe, das fällt aber nicht auf. Die Gruppe ist außergewöhnlich homogen im Wachstum, die Kälber haben alle schön glattes Fell und an den Proportionen der Köpfe sieht man wie sie mittlerweile von kleinen Kälber immer mehr zu Jungrindern werden.
 
Benjamin
 
 

 














Dienstag, 19. Januar 2021

Kälberdrencher

Noch ein Nachtrag zur Jahresstatistik.
Eine Suchanfrage, die ich auf eine ungewöhnliche Art und Weise einem Post zuordnen konnte war "Drencherschlauch für Kälbereimer". Zurückverfolgt findet man nämlich wenn man das bei Google sucht bei den Fotos ganz vorne die über das Drenchen aus den Posts vom 13.05.2019 und 16.05.2019.
Mein erster Gedanke dazu: Naheliegend; das Kolostrum mit einem Nuckeleimer zu vertränken und wenn das Kalb nicht genügend säuft den Drencher anschließen und den Rest noch drenchen. Zweiter Gedanke: Zu unhandlich. Den Tränkeeimer einem saufenden Kalb hinzuhalten ist schon schwierig, Kolostrum bei einem noch liegenden Neugeborenen (wenn es schon steht ist es eigentlich zu alt...) noch schwieriger und dann auch noch drenchen. Würde ich so nicht machen. Wir verwenden für das Kolostrum 3-l-Nuckelflaschen mit Griff (siehe Post vom 16.04.2014; die sind von GEWA)
 
Da bin ich im Kuhblog sehr "kundenorientiert" und daher nun ein Post dazu inklusive Foto über den Drenchschlauch am Kälbereimer.
 
Der Drencher hängt in der Kälberküche und wird eigentlich nur für Kälber verwendet, die gar nicht ihr Kolostrum saufen wollen. 
Ist ein Soft-Drencher, -> Video dazu
 
Das ist eine stümperhafte Fotomontage, einmal wie normal verwendet mit der kleineren 2l-Flasche und einmal zur Demonstration am Nuckeleimer angeschraubt statt des normalen Nuckels. 
 
Benjamin
 


Freitag, 15. Januar 2021

Jahresstatistik 2020

Jetzt kommt noch die Jahresstatistik 2020 vom Kuhblog. Mit dem neuen Blogger (siehe Post vom 21.10.2020) sind die Statistiken feiner geworden. Da kann man besser sehen was der Datenkrake so alles gesammelt hat.

Die beliebtesten Posts 2020 waren:
 
Die beliebtesten Posts waren fast alle aus dem Jahr 2020, erst auf Platz 13 kommt ein Älterer:
Da es für jeden Post jetzt eine eigene Aufrufstatistik gibt kann man nachvollziehen wann und wie oft die gelesen wurden. Die meisten Zugriffe sind in den ersten beiden Monaten nach Veröffentlichung, dann wenn der Post noch auf der Startseite vom Blog steht.

Die "Ewige Liste" der beliebtesten Posts hat sich auch etwas verschoben:
 
Nicht weit dahinter kommen zwei Dauerbrenner, die in den wöchentlichen Statistiken häufig aufgeführt sind:
Mit manchen Posts treffe ich scheinbar genau das Interesse der Kuhblogleser.
 
Und noch Suchbegriffe 2020 die ich Posts zuordnen konnte:
- "DeLaval Delpro Mu486 manual"; sagt mir gar nichts, dürfte eine Programmversion sein, bezieht sich auf den Post vom 10.03.2016
- "Milchhof Fischer Kaaks" - Posts vom 07.05.2016 und 08.05.2016
- "Milchkontrolle im Karussell" - Post vom 23.06.2015 
- "Röhrenfetotom Thygesen" - Post vom 26.08.2019; hat sich also gelohnt, dass ich die genaue Bezeichnung recherchiert hatte.
- "3,28 Mega Joule Kuh" und "Berechnung Erhaltungsbedarf Kälber", Post vom 03.02.2020; zu der ganzen Energiethematik könnte ich auch noch was schreiben, also mal vorgemerkt!
- "Inbetriebnahme Milchmengenmessgerät MM15" und "Eichung MM15", Post vom 24.12.2015; von der Inbetriebnahme weiß ich gar nicht wie das funktioniert und von der jährlichen Eichung durch den Landekontrollverband im Detail auch nicht und ich habe auch nie darüber geschrieben, nur erwähnt, dass dieser Typ in Boberow verbaut ist.

Die "Ewige Liste" der beliebtesten Suchanfragen ist weiterhin gleich geblieben:
- "Wieviel frisst eine Kuh pro Tag", dazu habe ich mittlerweile eine ganze Serie geschrieben; Posts vom 10.12.201508.09.2019, 30.01.2020, 03.02.2020
 
Benjamin

Montag, 11. Januar 2021

Perle - Teil 7

Zu Perle fehlten bisher in der Serie ihre genomischen Zuchtwerte.

Naja, so toll sind die nicht...

Das Wichtigste: Größe von 78 und BCS von 110 haben wirklich Seltenheitswert und sind ein guter Gegensatz zur immer noch gegebenen Tendenz zu größeren und dünneren Kühen (Schautyp) durch den starken amerikanischen/kanadischen Einfluss in der Holsteinzucht.
Des Weiteren deutlich positive Inhaltsstoffe und bis auf Dermatitis Digitalis Gesundheitszuchtwerte über 100.

Und ganz wichtig bei der Zucht ist der Grundsatz: Genotyp ungleich Phänotyp. Genotyp ist die Genetik und Phänotyp was zum Schluss draus wird, wie sich der Genotyp unter den Umwelteinflüssen ausprägen kann. Da sieht es bei Perle gut aus, dass sie vor allem in den wichtigen ersten Monaten viel mitnehmen kann. Stichwort metabolische Programmierung, wo das Wachstum der wichtigen Organe noch durch Zellvermehrung und nocht nicht durch Zellwachstum entsteht. Bisher säuft sie ordentlich, an Silvester rum ist sie bei 11,5 Liter in den limitierenden Bereich der Tränkekurve gekommen. In der Woche lag sie bei um die 80 Liter Tränkeaufnahme. Jetzt ist sie mitten im Abtränken bei 9 Liter. Wenn man sieht was für ein kräftiges, glattes Kalb sie geworden ist muss ich dran denken, dass sie bei der von mir immer als schlechtes Beispiel der Frühentwöhnung mit acht Wochen schon vor einer Woche abgesetzt worden wäre.

Perles Zuchtwerte, ein Screenshot aus dem Netrind vom vit: 

Benjamin