Mastitis wegzuzüchten hört sich fast zu schön an, aber die Genetik spielt dabei auch eine Rolle, wie anfällig die Kühe dafür sind. Melk-, Stall- und Futterhygiene haben einen höheren Stellenwert, aber die Zucht kann genau wie die Mastitisimpfung ein weiterer Baustein sein.
Wie groß der züchterische Einfluss ist finde ich schwer zu sagen in der Praxis. Man hat Zahlen die (Tankmilch)zellzahl und den Eutergesundheitsbericht der Milchleistungsprüfung. Verbesserungen über längere Zeit schreibt man dann eher Managementmaßnahmen zu.
Umso interessanter ist es valide Zahlen zu bekommen: In der aktuellen Ausgabe der Blickpunkt Rind (2.2026) war einen Auswertung mit den Daten der Brandenburger Testherden (RBBplus) mit gut 30.000 Kühen dahinter.
Allgemein steigt der RZGesund der typisierten Kälber um 2 Punkte jedes Jahr an, durch die dreimalige Zuchtwertabschreibung kriegt man das so direkt nicht mit, sondern erst wenn man den Durchschnitt der Jahrgänge vergleicht.
Dann der Vergleich zwischen Zuchtwertklassen. Dafür werden als die ausgewerteten Kühe nach dem Zuchtwert in vier gleich große Klassen eingeteilt: Höchstes, 2., 3. und schlechtestes Viertel.
Bei der Mastitisinzidenz (Krankheitshäufigkeit) in der ersten Laktation liegen die Kühe des höchsten Viertels nach den Zuchtwerten der Typisierung als Kalb bei 24,8 %, die des schlechtesten 39,7 %. Das ist ein Unterschied des Faktors 1,6.
Dann am Ende der ersten Laktation nach den dann aktuellen Zuchtwerten sortiert, in die auch die Eigenleistungen eingeflossen sind, liegt das höchste Viertel bei 18,2 %, das schlechteste 45,4 %. Der Faktor ist auf 2,5 gestiegen, das zeigt aber deutlich, dass sich das schon an den Zuchtwerten erst weniger Wochen alter Kälber ablesen lässt.
In wirtschaftliche Zahlen umgerechnet gab es ein Diagramm wieder mit den vier Zuchtwertvierteln und dazu die Nutzungsdauer und die Kosten durch Mastitis über das ganze Kuhleben.
Das höchste Viertel nach RZEuterfit lag bei 1.359 Tagen (44,7 Monate) und 383 €, das schlechteste Viertel bei 939 Tagen (30,9 m) und 892 €.
Ich überschlage das in Cent pro kg Milch und da komme ich durch die niedrigeren Krankheitskosten und Remontierungskosten wegen der längeren Nutzungsdauer auf 5,0 Cent niedrigere Kosten für das höchste Viertel. Für das zweite Viertel sind es 3,3 Cent und für das dritte Viertel 2,2 Cent.
Ein riesiger Hebel für die Wirtschaftlichkeit!
Da liegt es natürlich nahe das schlechteste Viertel auszusortieren. Wie 2016 Kuhvision begann sagte Prof. Swalve, dass ab einer Selektionsrate von 30 % Effekte zu erwarten wären. Das war mir damals schon zu viel, denn wer kauft schon aussortierte Zuchtkälber, die dem Ursprungsbetrieb zu schlecht sind?
Meine Lösung: "Qualität wird nicht sortiert sondern produziert!" Indem man die Selektion einen Schritt nach vorne verlagert bei der Selektion der potentiellen Kuhmütter. Mit Typisierung und gesextem Sperma kann man da nämlich 70 % der verfügbaren Kühe und Färsen aussortieren. Und dann mit BAP und der ausgleichenden Anpaarung theoretisch nur noch Kälber mit RZEuterfit des höchstens (und 2.) Viertels bekommen.
Benjamin
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