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Sonntag, 26. September 2021

Lampertheim, Herbst 21

Da mein Weinleseurlaub zu früh angefangen hatte musste ein Alternativprogramm her. Fremde Kühe gehen natürlich immer und so war ich auch wieder in Lampertheim, zum dritten Mal in diesem Jahr.

1. aktueller Stand: Es war gerade eine etwas ruhigere Phase, nachdem sich wegen des unbeständigen Wetters die Getreideernte und Strohbergung lange hingezogen hatte. Danach waren noch Zwischenfrüchte gedrillt worden. Am jetzigen Sonntag soll der Silomais gehäckselt werden, die Silos waren schon leer und vorbereitet. Ein Hektar soll vorerst stehen bleiben zum "Blitzen" (siehe auch Post vom 07.09.2021) bis die Silos durchsiliert sind; wobei es kein Mengele Maisblitz ist sondern ein Pöttinger MEX. Der hat eine "eingebaute Sortierfunktion": Da die Scheibenradhäcksler im Vergleich zu den Trommelhäckslern (üblich bei Selbstfahrern) kein Beschleuniger haben fliegt das Häckselgut nicht besonders weit. So landen die leichtere Teile wie Lieschblätter schon vorne auf dem Anhänger und die schwereren wie Körner und Spindeln hinten. Vorne mit mehr Rohfaser ist für das Jungvieh und hinten mit mehr Energie für die Milchkühe.
Die Zuckerrübenernte hat erst in anderen Teilen des Einzugsgebiets der Zuckerfabrik Offstein begonnen. Aufgrund des nassen Sommers werden gute Erträge erwartet. Die Blätter haben aber wegen der Hitze Anfang September arg gelitten.
 
2. Fütterung: Wenn die Maissilos leer sind wird folglich aktuell auch kein Mais gefüttert. Wobei das im Südwesten nicht so ungewöhnlich ist, dass der Mais in manchen Jahren nicht bis zur Ernte reicht. 
Gefüttert wird momentan Luzernesilage 2. Schnitt aus Wickelballen, Stroh für die Strukturversorgung, Melasseschnitzel und Milchleistungsfutter. Bei der kleinen Herde wird das Kraftfutter als Mischfutter gefüttert und nicht aus Einzelkomponenten gemischt. Da der Sieplo das viel Grobfutter nicht eingefräst und gemischt bekommt wird wieder einzeln vorgelegt.
Etwas weniger Milch geben die Kühe zwar, aber von der Körperkondition sehen sie merklich besser aus. Die Herde empfinde ich immer als recht dünn, da wird auch viel von der Genetik her reinspielen. Ist eher ungewöhnlich, denn bei viel Luzerne werden die Kühe tendenziell dünner.

3. Neues:
Einmal die Stallbeleuchtung mit LED-Röhren. Das habe ich im Juli nicht gesehen, weil es da um die Uhrzeit noch hell war. Nicht so was Komplexes wie das L4C (siehe Post vom 28.08.2021) sondern die alten Leuchtstoffröhren durch LED-Röhren ersetzt und auch die Position vom Futtertisch ein Stück weg Richtung Seitenwände verändert. Der Stall ist jetzt viel besser ausgeleuchtet, kein Vergleich zu dem wie ich ihn die letzten 13 Jahre gekannt habe.
Und der neue Grubber wurde begutachtet: Ein Kverneland Enduro 3000. Bisher wurde die nicht wendende Bodenbearbeitung mit einer 3 m V-Scheibenegge der örtlichen Maschinengemeinschaft gemacht. Da die ziemlich verschlissen war und keine Entscheidung über die Reparatur zu erwarten war ist wurde wieder zur Eigenmechanisierung. Der Grubber hat auf 3 m Arbeitsbreite 10 Zinken an drei Balken und die für Kverneland typische Steinsicherung mit den grünen Blattfedern. Dahinter gezackte Scheiben zum Einebnen und eine Dachringwalze zur Rückverfestigung. Als Schare Gänsefußschare für die flache Stoppelbearbeitung und über ein Schnellwechselsystem gegen Herzschare für die tiefere Grundbodenbearbeitung zu tauschen.
Ohne Klappung und Fahrwerk ist der recht übersichtlich.
Der John Deere 6800 ist mit seinen 5 t und 90 kW an seiner Leistungsgrenze und braucht auch das größere Frontgewicht um vorne nicht zu leicht zu werden.
Da es da auch schon dunkel war habe ich leider kein Foto davon gemacht.
Hier der Link dazu auf der Internetseite von Kverneland:

Benjamin

Sonntag, 11. Juli 2021

Lampertheim, Sommer 21

In Lampertheim bei Christian war ich jetzt in meinem Urlaub auch wieder. Und da ich dieses Jahr schon mal im Februar ihn besucht habe das Sommer 21 im Post-Titel. 
Dort ist noch alles recht ruhig, denn auch dort war der Winter sehr lange und die Vegetation immer noch hinten dran. Zudem gab es bei ihnen in den letzten Monaten viel Regen. Also der Weizen ist noch nicht reif und die Zuckerrüben mussten dieses Jahr noch nicht beregnet werden. 
 
Ich habe über die Jahre meinen Blick auf die Arbeitswirtschaft allgemein geschärft, nach dem Motto: "Was die sich mit den paar Kühen zurecht spielen, was sollen wir da mit über tausend machen?"
Aus diesem Blickwinkel ist die Lösung zum Einstreuen der Färsenbuchten in der Maschinenhalle dann doch sehr rationell: Über die gesamte Länge der Halle ist ein Heuboden eingezogen. Die Strohballen werden mit dem Teleskoplader eingelagert. Da die Ballen der BigPack 80-80 (siehe auch Post vom 04.07.2015) mit 80 x 80 x 200 cm und geschätzt knapp 200 kg recht klein und leicht sind können sie per Hand an den Schnüren gezogen und über den quadratischen Querschnitt gewälzt werden. So kann man sie zu den Abwurföffnungen über den Buchten bewegen und packenweise abwerfen:


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
 
Und unten verteilen die Rinder es dann selbst:
 


 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
Der Sieplo (siehe Post vom 23.02.2021) läuft nach einigen Anpassungen problemlos. Es werden morgens und abends je zwei Mischungen gemacht: Eine Totalmischration aus Maissilage, Stroh und Heu für Jungvieh und Trockensteher und eine Teimischration (PMR = partielle Mischration) aus Maissilage, Anwelksilage, Heu, Mineralfutter und Milchleistungsfutter für die Melkenden Kühe. Es wird nur ein Teil des Milchleistungsfutter eingemischt, der andere Teil wird wie noch bei der händischen Futtervorlage individuell zugeteilt.

Benjamin 

Dienstag, 23. Februar 2021

2 m³-Selbstfahrer

Momentan bin ich mal wieder auf Urlaub in der Alten Heimat, den Resturlaub von 2020 noch weg machen. Heute war ich nach Ewigkeiten wieder zu Besuch bei Christian in Lampertheim. Im Freien an der frischen Luft bzw. auf dem Hof mit leicht einzuhaltendem Abstand.
Dort hatten sie keine schützende Schneedecke, sodass man die Folgen des Frosts deutlich sieht: Das ganze Getreide ist jetzt gelblich-grün. Die tonigen Auenböden haben diesen Winter mal eine richtige Frostgare abbekommen und sehen nun eher aus wie Brandenburger Sand.

Mein Hauptinteresse lag diesmal auf dem neuen Futtermischer, einem Sieplo MB 1500. Einen Test dazu gab es auch in der Ausgabe 11/2020 der TopAgrar. Es ist eine Mischschaufel mit einer vertikalen Mischschnecke, beidseitigem Austrag, einer Fräse und einem Seitenverschub. Alles aus Edelstahl und hydraulisch angetrieben.

Blick in den Mischbehälter mit der Mischschnecke. Ein Messer ist dran. Auf beiden Seiten ist ein hydraulisch betätigter Schieber. Ein ganz normaler Vertikalmischer, halt mit 2 m³:

 




 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Der große Vorteil neben den kompakten Abmessungen mit denen man fast überall hinkommt ist die "Selbstfahrer"-Lösung. Alles wird mit dem Hoflader erledigt und es braucht keinen zusätzlichen Traktor wie bei einem klassischen fremdbefüllten, gezogenen Mischwagen.
Mit der Entnahmefräse wird aus dem Maissilo gefräst. Ist wie bei einem großen Selbstfahrer; hört sich auch genauso an und hinterlässt auch eine schöne Anschnitssfläche. Rückwärts aus dem Tiefsilo raus wird der Hoflader (Weidemann 2070; 4 t, 50 PS) etwas leicht auf der Hinterachse. Sowas kenne ich vom Schäffer mit dem Einstreugerät nur zu gut...

 


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Einfräsen von Luzerne- und Ackergrasanwelk aus Wickelballen. Dafür wird eine Ecke der Lagerhalle als Futterhalle genommen. Mit Handbremse und Handgas kann man dann mit der Funkfernbedienung bequem daneben stehen mit einem besseren Blickwinkel. Und Reste, die die Fräse nicht mehr kriegt kann man nach dem Aufrichten noch per Hand in den Behälter werfen:

 



 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
2 m³ sind für mich irgendwie Spielzeug, aber neben der enormen Arbeitserleichteung im Vergleich zur händischen Futtervorlage bietet es mit der Waage und den ganzen Programmiermöglichkeiten einen ordentlichen Einstieg in die TMR-Fütterung für Kleinstbetriebe. 
 
Die Milchtankstelle läuft nach wie vor sehr gut, da hat das letzte Jahr einen kräftigen Anstieg gebracht. Das merke ich auch indirekt im Kuhblog, mein zugehöriger Artikel (siehe Post vom 09.09.2017) hat es mittlerweile auf den 2. Platz der ewigen Liste der beliebtesten Posts gepackt.

Benjamin

Samstag, 1. August 2020

Wieder nach Lampertheim

Jetzt kommen noch die beiden letzten Post von meinem Urlaub in der alten Heimat im Juli.

Ich war auch wieder zur Besuch bei Christian in Lampertheim; nur so 20 km von meinen Eltern entfernt ist es halt naheliegend.

Durch die Corona-Krise hat sich der Absatz an ihrer Milchtankstelle dauerhaft erhöht. 

Der Mähdrescher war noch in der Werktstatt gewesen weil ein defektes Lager an der Schüttlerhilfe ausgetauscht werden musste. So war ich dann untere anderem dabei, wie eine der beiden Regnertrommeln umgestellt wurde.

Die Beregnung von Feldkulturen wird an Bedeutung gewinnen um Ausfälle wie in den letzten beiden Jahren abmildern zu können. Im Hessischen Ried ist die Beregnung seit Jahrzehnten üblich; nur einen Kilometer vom Rhein entfernt hat es einen hohen Grundwasserstand und als Gemüsebaugebiet ist die Infrastruktur an Brunnen vorhanden.
Beregnet werden Zuckerrüben, Mais, Luzerne und Weidelgras. Weil es natürlich ein Aufwand an Kosten und vor allem Arbeit ist nur zu den wichtigen Phasen, also eher 35 mm als Inches (vgl. Post vom 07.11.2014). 

Ausziehen des Regners. Ist eine Bauer Rainstar T61 (-> Link) mit ungefähr 400 m Rohrlänge, was für die dortigen Äcker loker ausreicht. Als Herdenmanager finde ich die Typenbezeichnung unmöglich...
Der Regner hat eine 22 mm-Düse und ein Leistung von 25 m³ pro Stunde, entspricht damit einem B-Rohr. 
Auf dem Foto war der Mais deutlich niedriger als bei uns daheim, denn erst so acht Wochen alt, der wurde Mitte Mais nach dem zweiten Grasschnitt gesät.

Und da man auf dem Foto die ganzen Stromleitungen sieht. Das sind 220 kV-Leitungen die dann über den Rhein gehen. Mit Wasser und Strom halt fragte ich, ob man da nicht aufpassen müsse. Wobei es kein Vollstrahl ist sondern stoßweise.
Bei anderen Äckern würden die Leitungen noch tiefer hängen und bei natürlichem Regen passiert auch nichts. Und ins Umspannwerk hätte er auch schon rein beregnet, wie es in die letzten Ecken des dortogen Ackers gegangen ist:




















Starten des Pumpenaggregats am Brunnen mit Starthilfe vom Traktor, denn das hat keine eigene Batterie. Die kann man sich sparen wenn man nach dem Umsetzen der Trommel eh mit dem Traktor zum Brunnen fährt um das Aggregat anzuwerfen:

Benjamin