Donnerstag, 29. Juli 2021

Perles Abstammung - Teil 2

Perles Stammbaum 5 Generationen zurück, mehr hat auf den Screenshot nicht draufgepasst. In alle Zweige kann ich es mindestens 3 Generationen weit zurück verfolgen. Sieben Generationen weit habe ich es aufgeschrieben, das sind dann 128 Vorfahren. Weiter zurück habe ich es nicht gemacht, weil es dann extrem unübersichtlich wird. Ich schätze, dass die am weitesten zurückzuverfolgenden Äste 12 oder 13 Generationen weit reichen.

Politisch ganz inkorrekt sind blau die männlichen Vorfahren und rosa ist weiblich, Orange ist nicht divers oder wie es landwirtschaftlich heißt Zwicke sondern von der Identität her unbekannt. Das Geschlecht ist ja biologisch vorgegeben.

Perle als Ursprung des Stammbaum hat die Nr. 0, 1 sind männlich, 2 weiblich. So hat jeder Vorfahre eine Adresse im Stammbaum, ihr Muttermuttervater Kairo hat die 221 und alle deren Adresse mit 221 beginnt sind Vorfahren von Kairo und natürlich auch Perle.

Die oberste Zeile ist die Vaterlinie und ganz unten die Mutterlinie. Dort ist bei -5 Generationen die namenlose 621 die aus Sachsen zugekauft wurde.

Eine Übersicht wie viele verschiedene Vorfahren Perle in den einzelnen Generationen hat; da bin ich doch positiv überrascht, dass bis auf eine Stelle in der Vaterlinie (Urgroßvater) die Inzucht nicht gravierend auffällt:

Generation   Vorfahren   Vorfahren bekannt  verschiedene Vorfahren

-1                    2                    2                                    2
-2                    4                    4                                    4
-3                    8                    8                                    8
-4                    16                  15                                  15
-5                    32                  28                                  27
-6                    64                  52                                  46
-7                    128                94                                  75
bis -7              254                203                                159

In der 5. Generation zurück ist O-Man auf der väterlichen wie mütterlichen Seite vertreten, der an einer weiteren Stelle in der 4. Generation steht. Storm ist einmal in der 4. und zweimal in der 6. Generation. Starbuck ist innerhalb dieser 7 Generationen noch nicht so auffällig gehäuft, einmal in der 6. und dreimal in der 7. Generation.

Von den "modernen" Bullen der 2000er hat sie neben O-Man auch Shottle und Goldwin als Vorfahren vertreten, aber nicht Bookem und Planet sowie Laudan, was für eine Brandenburger Holstein halt doch schade ist.

Benjamin


 

Montag, 26. Juli 2021

Perles Abstammung - Teil 1

Über Perles Abstammung habe ich schon mal geschrieben (siehe Post vom 17.11.2020), in dem ich schrieb, dass ich ihre Väterfolge acht Generationen weit zurück verfolgen kann.

Das ist ihre Mutterlinie. Im Herde sieht man bei jedem Tier die drei letzten Generationen (Eltern, Großeltern, Urgroßeltern). Fünf Generationen zurück die Kuh auf ihrer Mutterlinie wurde mal aus Sachsen zugekauft, zu erkennen an der 14er-Ohrmarke. Zu den Ohrmarken-Nummern --> siehe hier. Acht Generationen zurück die älteste angezeigte Kuh hat eine 22er-Ohrmarke und ist damit vor der Einführung der 14 für Sachsen geboren worden.

Mehr als die drei letzten Generationen werden nicht angezeigt und so habe ich vor paar Wochen angefangen mal einen Stammbaum zu erstellen. Der wird sehr schnell sehr breit weil die Anzahl der Vorfahren sich von Generation zu Generation verdoppelt. 2^n halt. Da wird es zunehmend schwer überhaupt die richtige Position des jeweiligen Tiers im Stammbaum sicher zu bestimmen. Momentan bin ich bei acht Generationen zurück. Kein Vergleich zu dem Stammbaum den ich mal vor langer Zeit für Gisela erstellt hatte, damals habe ich irgendwie die ganzen Muttermütter der Bullen weggelassen. (siehe Post vom 28.02.2015).

Die ersten Generationen habe ich aus dem Herde bzw. die Abstammungen ihrer Mutterlinie. Für die Abstammung der einzelnen Bullen verwende ich die Bullendatenbank des vit. In der Schaue ich auch die Abstammung von neuen Bullen im Besamungseinsatz nach oder wenn ich nur eine Herdbuchnummer und keinen Namen dazu habe. Bei den einzelnen Bullen steht neben den ganzen Zuchtwerten als Erstes oben die Abstammung (Pedigree) drauf.

Hier als Beispiel der erste nachgeschaute Bulle, ihr Vater Perplex PP:
Es zeigt sich auch das Problem: Denn es sind vom Bullen nur die Eltern und Großeltern, sowie der Mutter-Mutter-Vater angegeben. Klar, das würde dann den Rahmen sprengen und die ganzen Bullen in der Abstammung kann man ebenfall nachschauen. Somit ist Renates Mutter, die Urururmutter von Perle die erste Unbekannte in ihrem Stammbaum die ich nicht herausfinden konnte.

Fortsetzung folgt!

Benjamin 

 


Freitag, 23. Juli 2021

Fettsäuren

- zur Übersicht der Fütterungsserie -> hier - 

Die Kohlenhydratverdauung im Pansen wird durch die Pansenmikroben geleistet. Und diese gehen deutlich weiter als die Verdauung bei den Monogastriern. Zunächst werden die Mehrfachzucker in Einfachzucker gespalten und dabei können die Mikroben auch die Verbindungen der Cellulose (ß-glykosidische Bindung) spalten,  was DER große evolutionäre Vorteil der Wiederkäuer ist.

Die Einfachzucker werden über mehrere Wege in kurzkettige Fettsäuren abgebaut, die dann durch die Pansenwand aufgenommen werden können.

Die Abbauwege sind nach den Endprodukten benannt:
Acetatweg; Acetat als Salz der Essigsäure (CH3COOH)
Propionatweg; Propionat als Salz der Propionsäure (C2H5COOH)
Butyratweg; Butyrat als Salz der Buttersäure (C3H7COOH)

Auf der einen Seite ist die Entstehung der einzelnen Fettsäuren abhängig vom Futter, das die für die Einzelnen Abbauwege zuständigen Mikroben bevorzugen. Beim Acetatweg ist es Rohfaser, für den Propionat und Butyratweg Stärke und Zucker. So sind die Anteile der einzelnen Fettsäuren im Pansen je nach Futter unterschiedlich.

Und auf der anderen Seite unterscheiden sich die Fettsäuren zudem in ihrer Verwendung durch den Stoffwechsel. Aus Acetat werden vor allem Fette gebildet und aus Propionat Glukose als Energieträger im Körper und für Laktose in der Milch.

Daraus ergibt sich ganz grob:
Rohfaser = Cellulose, wird zu Acetat, wird zum Milchfett, macht Fettprozente
Stärke wird zu Propionat, wird zu Glukose, wird zu Laktose, macht Milchmenge (da Laktose über Osmose Wasser ins Euter "zieht")

Benjamin

Dienstag, 20. Juli 2021

Kohlenhydrate und Fasern

- zur Übersicht der Fütterungsserie -> hier - 

Bei der Futtermitteluntersuchung ist heute NIRS die gängige Methode - Nachinfrarotspektroskopie, bei der vom Spektrum der Probe auf ihre Zusammensetzung geschlossen wird. Mittlerweile ist die Technik so weit , dass sie auch zur Inhaltsstoffanalyse im Prozess eingesetzt wird: Feldhäcksler, Güllefass, Futtermischwagen. Es braucht aber immer eine Kalibrierung an Referenzproben und die basieren auf der Nasschemie. Das ist die Futtermittelanalyse durch Kochen, Aufschließen usw. Im Studium hatten wir dazu ein Praktikum gemacht.

Bei der Analyse der Kohlenhydrate wird es da komplizierter, da bei manchen Analyseverfahren nicht komplett unterschieden wird, so fällt die Cellulose nicht komplett in die Rohfaser. 

Die Kohlenhydrate im Futter setzen sich aus verschiedenen Fraktionen zusammen:

- Stärke (XS), die wiederum in pansenunbeständige Stärke (uXS) und pansenbeständige Stärke (bXS) unterschieden werden können.

- Zucker (XZ)

- Rohfaser (XF) 

- NDF, neutrale Detergenzien-Faser. Was nach dem Kochen in Wasser übrig bleibt. Das sind dann Hemicellulose, Cellulose und Lignin. Für das Rind die Faser, die für die Pansenverdauung wichtig ist.

- ADF, saure (acid) Detergenzien-Faser. Was nach dem Kochen in saurer Lösung übrig. Das ist nur noch Cellulose und Lignin.

- ADL, saure (acid) Detergenzien Lignin. Dabei bleibt nur noch das Lignin übrig.

- NFC (Nicht-Faser-Kohlenhydrate; non fibre carbohydrats). Die ganzen Kohlenhydrate ohne die NDF. Also Zucker, Stärke und der "organische Rest", der weder Fett, Protein noch Faser ist.

Für die Rinderfütterung sind besonders wichtig die pansenverfügbaren Kohlehydrate Zucker und unbeständige Stärke. Dann die beständige Stärke im Dünndarm als "durchgeschleuster Energieträger" sowie Rohfaser oder NDF je nach Berechnungsmethode für die Pansenfunktion. Denn die Pansenmikroben können im Gegensatz zur Enzymausstattung der Tiere zwar Fasern verdauen, aber sie brauchen schon eine Mindestmenge davon, dass sie auch am Leben bleiben. 

Im Futter sind die Kohlenhydratfraktionen unterschiedlich verteilt. Junges Gras hat viel Zucker, Getreidekörner fast nur unbeständige Stärke, Mais auch viel beständige Stärke. Umso älter Pflanzen werden, desto mehr Fasern enthalten sie, später auch viel Lignin, landläufig als Verholzen bezeichnet. Stroh hat von den geläufigen Futtermitteln die meisten Fasern und Lignin.

Benjamin

Samstag, 17. Juli 2021

Eiche - Teil 2

Zu den nachgestellten Fotos vor meiner Eiche. 

Das älteste Foto von der Eiche, aufgenommen am 26. April 2001. Damals zu Beginn ihres vierten Jahres und bei ca. 85 cm Höhe. Aus dem Gröbsten raus und genau kann ich mich nicht mehr daran erinnern, aber in diesem Jahr dürfte das kräftige Wachstum begonnen haben. Sonst kann ich mir das zweite Foto von 2006 auch nicht erklären:





 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
So sieht es heute aus. Hatte extra die gleiche Weste an und Kappe auf wie damals. Heute bin ich ca. 30 cm größer. Seit bestimmt zehn Jahren ist die Eiche stark genug, dass meine Schwester die Hängematte drangebunden hat:
 

 


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Zweites Foto vom 22. September 2006, am Ende des neunten Jahres zusammen mit Knupsi. Inzwischen ein stattlicher Baum und der Pfahl, der die Bambusstäbe ersetzt hat wurde auch schon wieder entfernt. Da hatte ich mir im Sportunterricht den Finger angebrochen, Sport ist Mord:




 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Und so sieht es heute von dieser Seite aus. Da Knupsi nicht mehr lebt war seine Schwester Luna stattdessen dabei. Ich bin nicht geschrumpft sondern die unteren Äste wurden abgesägt, dass man noch drunter durchgehen kann. Ein solches Aststück von 25 cm Länge und 5 cm Durchmesser, abgesägt im Sommer 2008 habe ich auf meinem Schreibtisch liegen. Das müsste schon auf dem ersten Foto als einer der unteren Triebe dabei gewesen sein:

Benjamin



Mittwoch, 14. Juli 2021

Eiche - Teil 1

LuF - Land- und Forstwirtschaft. Wo ich aus Rheinhessen stamme, eines der waldärmsten Gebiete Deutschlands hatte ich nie viel mit der Forstwirtschaft zu tun.
Einzige Ausnahme ist Meine Eiche. Eine ganz normale Stieleiche (Quercus robur). Das war ein Projekt im Sachkundeunterricht der Grundschule, wirklich prägend für das weitere Leben: Im Herbst Eicheln gesammelt und dann in Blumentöpfe ausgesät. Meine Eiche lief im Januar 1998 auf; zu den Sommerferien dann mit heimgenommen und stand bei meinen Eltern in der Küche auf der Fensterbank. Vor Beginn der Heizperiode wurde sie in den Garten umgepflanzt, aber nicht so weit vom Haus weg, weil nur 17 cm groß. Das Umpflanzen an eine geeignetere Stelle haben wir verpasst, wäre aber mit der tiefen Pfahlwurzel die Eichen recht schnell ausbilden bestimmt auch schief gegangen.

Die ersten Jahre ist sie eher verhalten gewachsen, dann aber rasant. 2005 gab es die ersten vier Eicheln, 2007 und 2008 habe ich im Garten und dem Gewächshaus meines Großvaters in größerem Stil kleine Eichen aufgezogen. Die gingen im Herbst 2009 in einen Wald im Saargau an der Grenze zu Luxemburg in die Wiederaufforstung.

Vor paar Wochen habe ich auf meinem alten Computer viele Fotos von den Eiche aus den 2000er Jahren gefunden und wollte jetzt einige davon während meines Urlaubs in der Alten Heimat nachstellen.
 
Geschätzte Höhe um die 9 Meter, der größte Baum im Garten.
 

 


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Blick von unten in die Krone. Im Gegensatz zu dicht stehenden Bäumen in Wald wächst sie als Solitär eher in die Breite als die Höhe. Die Krone überspannt mittlerweile einen Großteil des Gartens und Teile des unbebauten Nachbargrundstücks, bestimmt 100 m²:





















Fortsetzung folgt!

Benjamin

Sonntag, 11. Juli 2021

Lampertheim, Sommer 21

In Lampertheim bei Christian war ich jetzt in meinem Urlaub auch wieder. Und da ich dieses Jahr schon mal im Februar ihn besucht habe das Sommer 21 im Post-Titel. 
Dort ist noch alles recht ruhig, denn auch dort war der Winter sehr lange und die Vegetation immer noch hinten dran. Zudem gab es bei ihnen in den letzten Monaten viel Regen. Also der Weizen ist noch nicht reif und die Zuckerrüben mussten dieses Jahr noch nicht beregnet werden. 
 
Ich habe über die Jahre meinen Blick auf die Arbeitswirtschaft allgemein geschärft, nach dem Motto: "Was die sich mit den paar Kühen zurecht spielen, was sollen wir da mit über tausend machen?"
Aus diesem Blickwinkel ist die Lösung zum Einstreuen der Färsenbuchten in der Maschinenhalle dann doch sehr rationell: Über die gesamte Länge der Halle ist ein Heuboden eingezogen. Die Strohballen werden mit dem Teleskoplader eingelagert. Da die Ballen der BigPack 80-80 (siehe auch Post vom 04.07.2015) mit 80 x 80 x 200 cm und geschätzt knapp 200 kg recht klein und leicht sind können sie per Hand an den Schnüren gezogen und über den quadratischen Querschnitt gewälzt werden. So kann man sie zu den Abwurföffnungen über den Buchten bewegen und packenweise abwerfen:


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
 
Und unten verteilen die Rinder es dann selbst:
 


 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
Der Sieplo (siehe Post vom 23.02.2021) läuft nach einigen Anpassungen problemlos. Es werden morgens und abends je zwei Mischungen gemacht: Eine Totalmischration aus Maissilage, Stroh und Heu für Jungvieh und Trockensteher und eine Teimischration (PMR = partielle Mischration) aus Maissilage, Anwelksilage, Heu, Mineralfutter und Milchleistungsfutter für die Melkenden Kühe. Es wird nur ein Teil des Milchleistungsfutter eingemischt, der andere Teil wird wie noch bei der händischen Futtervorlage individuell zugeteilt.

Benjamin 

Donnerstag, 8. Juli 2021

Hausbau - Teil 4

Aktuell bin ich auf Urlaub in der Alten Heimat und da stand als Erstes gestern die Begutachtung des Hausbaus meiner Eltern auf dem Plan. Wie ich über meinen letzten Besuch geschrieben hatte (siehe Post vom 08.04.2021) ist mittlerweile der Rohbau fertig. Es wurde gestern der Grundputz aufgetragen und im Inneren ist die gesamte Elektrik verlegt.

Blick von der Straßenseite:


 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Blick von der Rückseite:


 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und Blick aufs Dach, wenn schon mal ein Gerüst dasteht:

Benjamin


 

Montag, 5. Juli 2021

Milchharnstoff

 
Im Pansen entsteht beim Proteinabbau Ammoniak, der von den Pansenmikroben unter Energieaufwand in Mikrobenprotein umgewandelt wird. Steht nicht genügend Energie zur Verfügung wird der Ammoniak in der Leber zu Harnstoff umgewandelt, der über den Speichel wieder in den Pansen zurückgeführt und auch über die Milch und den Urin ausgeschieden wird. Somit kann man anhand des Harnstoffgehalts in der Milch eine Aussage über den Stand der Proteinverdauung im Pansen treffen. Vorteil dabei ist auch, dass der Harnstoff kuhindiviudell bei der Milchleistungsprüfung und bei der Milchgüte bei der Milchabholung regelmäßig gemessen wird. Daraus kann man das auf das Mittel der Herde beziehen.
 
Der Harnstoffgehalt wird in ppm (parts per Million, entspricht 0,0001 %) angegeben. Eine Mindestmenge Harnstoff soll trotzdem in der Milch vorhanden sein, denn wenn sämtliches Protein im Pansen in Mikrobenprotein umgewandelt wird ist eigentlich schon wieder zu wenig vorhanden. Als untere Grenze zum Proteinmangel gelten 150 ppm (= 0,015 %), nach oben zum Proteinüberschuss 300 ppm (= 0,03 %), wobei die Tendenz zu einer deutlich niedrigeren oberen Grenze geht, weil man so effizienter wird. Denn wenn weniger Stickstoff über den Harnstoff in der Milch ausgeschieden wird so dann auch weniger im Urin.
 
Eine Übersicht über den Stand der gesamten Herde gibt die 9-Felder-Tafel. Nach ihrem Milcheiweiß- und Milchharnstoffgehalt in der Milchleistungdprüfung nach wird jede Kuh als Punkt eingetragen. Es ergibt sich eine Punktewolke, von der die meisten Punkte im mittleren Feld liegen sollten.
Die x-Achse mit dem Harnstoffgehalt zeigt an wie viel Protein im Pansen zur Verfügung steht; zu wenig, passend oder zu viel.
Auf der y-Achse ist der Milcheiweißgehalt, der aus der verfügbaren Energie im Pansen resultiert. Wenig Energie = wenig Mikrobenprotein kann gebildet werden = niedriger Eiweißgehatlt; viel Energie = viel Mikrobenprotein kann gebildet werden = hoher Eiweißgehalt:
 
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Da die 9-Felder-Tafel schon Anfang der 1990er Jahre entwickelt wurde passt sie nicht mehr immer zu den deutlich gestiegenen Milchleistungen. So liegt eine Kuh mit einer Tagesleistung von 60 kg Milch nicht selten unterhalb von 3,2 % Eiweiß ohne einen Energiemangel im Pansen zu haben. So wurde 2016 von der Landesforschungsanstalt Mecklenburg-Vorpommern die 6-Felder-Tafel entwickelt, bei der der absolute Eiweißgehalt durch den Fett-Eiweiß-Quotient ersetzt ist. Mit dem FEQ, dem Verhältnis von Milcheiweiß zu Milchfett lässt sie besser die Energieversorgung beurteilen als mit dem reinen Eiweißgehalt. Die Grenze ist ein FEQ von 1,4, darunter ist eine ausgeglichene Energieversorgung darüber ein Mangel, weil normal Milchfett und -zucker gebildet wird, aber zu wenig Eiweiß. Z.B. 2,9 % Eiweiß, 3,7 % Fett, FEQ =  1,28; kein Energiemangel. 3,6 % Eiweiß, 5,3 % Fett, FEQ = 1,47, Energiemangel. Die oberste Zeile ist weggefallen, weil man alleine aus den Milchinhaltsstoffen nur noch schwer einen Energieüberschuss ableiten kann.
 
Benjamin 



Freitag, 2. Juli 2021

Perle - Teil 14

Mal wieder ein aktuelles Foto von Perle. Sie ist nun knapp 8 Monate alt. In der alten Einteilung nach Aufzuchtabschnitten (siehe auch Post vom 05.02.2021) ist sie damit in der Färsenproduktion, JR1 (Jungrind).

In ihrer Gruppe gehört sie zu den eher kleineren, ihre Zuchtwerte Größe 78 und BCS 111 (siehe Post vom 11.01.2021) sieht man an ihrem mittlerweile doch ausgeprägterem kompakten Typ schon. Ihr Gewicht würde ich mal auf 240 kg schätzen.

Das struppige Fell ist bei ihr noch nicht ganz rausgewachsen. Sie hat aber eine lustige Frisur bekommen. Die geht schon ein wenig in die Richtung die einer Jungkuh, die bei uns Tingeltangel-Bob genannt wird.

Benjamin
 


Dienstag, 29. Juni 2021

Statistiken 8. Kuhblog-Jahr

Ein Rückblick auf die Statistiken im 8. Kuhblog-Jahr.

Die beliebtesten Posts:
 
Auf den Kuhblog weitergeleitete Suchbegriffe die ich dann zu Posts zuordnen konnte:
- "Preis Doro Liegebox" - zu den neuen Doro-Liegeboxen auf dem St. Wendelin-Hof der TH Bingen (siehe Post vom 02.10.2020). Den Preis kenne ich nicht; die Doro-Box gibt es in verschiedensten Ausführungen dazu bestimmt auch Mengenrabatte ob 30 oder 3.000; zumindest gehört sie aber zu den teureren Boxenbügeln weil extrem massiv gebaut.
- "Kühe Drenchen" - die Posts zum Drenchen: 10.05.2019, 13.05.2019 und 16.05.2019
- "wie Kalb rausziehen" - Post vom 17.08.2017 und der Post über den neuen Geburtshelfer (17.01.2018). Über Geburtshilfe schreibe ich wenig im Kuhblog, weil ich das für ein sehr heikles Thema halte wenn sich dafür jemand aus dem Internet Informationen holen will.

Weitergleitete Suchbegriffe die ich nicht zuordnen konnte:
- "Deutz-Fahr Tandemschwinge Ladewagen" - bei uns wird das Gras gehäckselt
- "Hansano Registriernummer" - 2014 habe ich mal Hansa-Milch (siehe Post vom 01.06.2014) geschrieben als damalige Genossenschaft, vor paar Jahre aber komplett in der Arla Amba aufgegangen. Hansano ist nur noch eine Marke, bei der die Kunden einfach nicht einverstanden waren die sterben zu lassen.
- "Verschissene Euter" - hat man ab und zu bei Spalten-/Gangliegern, die kommen aber nicht in den Kuhblog weil das unfair gegenüber den 99,5 % der Kühe wäre die sich ordentlich in die Boxen legen und sauber bleiben.
 
Und zwei Suchanfragen waren genau umgekehrt Anlass dazu passende Posts zu schreiben:
- "Drencherschlauch für Kälbereimer": Post vom 19.01.2021
- "Pläne für Abkalbeboxen" : Posts vom 29.03.2021 und 31.03.2021

Benjamin

Samstag, 26. Juni 2021

8 Jahre Kuhblog

Heute gibt es wieder ein kleines Jubiläum, denn vor genau acht Jahren ist der Kuhblog gestartet! Dass dieses Projekt so lange laufen würde dachte ich damals noch gar nicht, 2014 nach einem Jahr rum sagte ich mir, dass ich langfristig die Aktivität nach und nach reduzieren will und vielleicht 2020 oder 2021 nach 1000 Posts aufhören. 
Das ist heute mittlerweile der 1.278. Post und der 1.000. ist schon zweieinhalb Jahre her (siehe Post vom 18.11.2018).
Das achte Jahr war für den Kuhblog nicht leicht, weiterhin die ganze Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie haben mein übliches Themengebiet eingeengt: Keine Veranstaltungen draußen mehr und keine Exkursionen mehr. Auf ganze vier kleinere Besuche auf Betrieben von Bekannten bin ich gekommen.
Auf alternative Themen bin ich umgeschwenkt mit Perles Serie zur Kälber/Jungviehaufzucht (siehe Post vom 15.11.2020) und der Fütterungsserie (siehe Post vom 06.05.2021) .
Vom Blog selbst gab es paar Veränderungen im Hintergrund: Mit der neuen Benutzeroberfläche (siehe auch Post vom 21.10.2020) und den Labels unter den Posts. Und relativ neu die terminierte Veröffentlichung um 18:00 möglichst alle drei Tage, nachdem ich die zugehörige Funktion entdeckt habe. Damit will ich mehr Kontinuität und Planbarkeit für die Leser erreichen.

Das neunte Kuhblog-Jahr beginnt dann am nächsten Dienstag mit den aktuellen Statistiken.

Benjamin


Dienstag, 22. Juni 2021

Pansensynchronisation

Bei der Pansensynchronisation kommt noch eine zeitliche Komponente zur Proteinverdauung im Pansen hinzu. 

Mit dem RNB kann man eine Ration ausgeglichen bei der Protein- und Kohlehydratversorgung im Pansen gestalten. Aber er sagt dann noch nicht aus, ob es auch zu jeder Zeit ausgeglichen ist, ob ständig das richtige Verhältnis von Protein zu Kohlehydraten für die Pansenmikroben vorliegt.
So kann teilweise Proteinmangel herrschen und die Bildung von Mikrobenprotein ist verringert, andererseits kann zu einer anderen Zeit Energiemangel herrschen und es muss dann vermehrt Harnstoff ausgeschieden werden.

Es wird zwischen Abbaubarkeit und Abbauraten sowohl bei Kohlehydraten als auch Protein unterschieden. 

Abbaubarkeit ist im Gesamten, dabei ist die Spannweite bei Protein größer als bei Kohlehydraten. Hohe Abbaubarkeit bei Kohlehydraten haben vor allem Getreide (Stärke), niedrige z.B. Stroh (Cellulose) und Körnermais (pansenbeständige Stärke). Beim Protein hohe Abbaubarkeit bei Gras/Grassilage, niedrige bei Biertreber und Rapsextraktionsschrot (UDP). 

Die Abbauraten sind pro Zeiteinheit, das wird unterteilt in sehr schnell, schnell, mittel und langsam.Bei den Futtermittel korreliert es mit der jeweiligen Abbaubarkeit. Das ist nicht überraschend, denn im Gegensatz zu einer Biogasanlage ist die Verweildauer im Pansen im Stundenbereich recht gering und da kann von einem Futtermittel mit geringer Abbaurate auch nicht so viel abgebaut werden.

Für die Ration werden in den Abbauklassen langsam, mittel, schnell und sehr schnell aus Tabellenwerten (oder Analysewerten) der jeweiligen Futtermittel die abbaubaren Mengen an Kohlehydraten und Protein berechnet.

Dabei soll dann in jeder Abbauklassen 32 g Stickstoff pro kg abbaubarer Kohlehydraten im Pansen vorliegen. Es wird mit 16 % Stickstoff im Protein gerechnet; das unterscheidet sich zwar zwischen verschiedenen Proteinen, aber nur im Promillebereich.
Je nachdem wieviel g Stickstoff pro kg abbaubaren Kohleydraten in den einzelnen Abbauklassen vorliegt ist es dann mehr oder weniger asynchron. Entweder zu wenig Protein/zuviel Energie g N/kg < 32 oder zu viel Protein/zu wenig Energie g N/kg > 32. 
Entsprechend sollte dann die Ration angepasst werden.

Benjamin

Samstag, 19. Juni 2021

THI

Aus aktuellem Anlass geht es um Hitzestress bei den Milchkühen.

THI steht für Temperature Humidity Index, auf deutsch Temperatur-Luftfeuchtigkeits-Index. Denn neben der Temperatur hat auch die Luftfeuchtigkeit einen Einfluss, ob die Kuh durch Schwitzen sich kühlen kann. Man kennt es selbst, dass trockene Hitze leichter zu ertragen ist als schwüle Hitze.

So berechnet sich der THI:
THI = 0,8 *  Temp. + Luftf. * (Temp - 14,4) + 46,4
Temperatur in °C und die Luftfeuchte von 0,0 (0 %) bis 1,0 (100 %).
 
Es ergeben sich dann 5 THI-Bereiche
bis 68: kein Hitzestress
69 - 71: leichter Hitzestress, die Kühe stehen mehr um von mehr Luft umstrichen zu
  werden und die Milchleistung beginnt schon zu sinken
72 - 79: starker Hitzestress, die Kühe saufen deutlich mehr und die Milchleistung sinkt weiter
80 - 89: sehr starker Hitzestress, die Kühe beginnen zu Hecheln und der Pansen reduziert 
  seine Tätigkeit um weniger Wärme zu produzieren
ab 90: die Kühe können ihre Körperwärme nicht mehr regulieren, das ist dann tödlich

Habe den aktuellen THI mal ausgerechnet, wie viel es tatsächlich ist. Und doch mehr als erwartet. Am Verhalten der Kühe merkt man es deutlich: Alle Tränken belagert, um die Verdunstungskälte über dem Wasser auszunutzen und es wird im Stall unübersichtlich weil viel mehr kühe auf den Gängen und in den Boxen stehen.

Mit den Wetterdaten vom Bayer Agrarwetter für die letzten 24 h:

18:00 33 °C 30 % 78 THI
19:00 32 °C 35 % 78 THI
20:00 30 °C 32 % 75 THI
21:00 27 °C 46 % 74 THI
22:00 26 °C 42 % 72 THI
23:00 26 °C 43 % 72 THI
00:00 25 °C 47 % 71 THI
01:00 24 °C 54 % 71 THI
02:00 23 °C 58 % 70 THI
03:00 20 °C 63 % 66 THI
04:00 18 °C 76 % 64 THI
05:00 17 °C 81 % 62 THI
06:00 20 °C 76 % 67 THI
07:00 22 °C 59 % 68 THI
08:00 25 °C 58 % 73 THI
09:00 25 °C 61 % 73 THI
10:00 28 °C 54 % 76 THI
11:00 30 °C 53 % 79 THI
12:00 32 °C 50 % 81 THI
13:00 34 °C 45 % 82 THI
14:00 34 °C 39 % 81 THI
15:00 34 °C 39 % 81 THI
16:00 33 °C 41 % 80 THI
17:00 32 °C 47 % 80 THI

Das ist für das freie Feld, nicht im Stall, dort ist zwar Schatten aber die Dächer mit den Wellfaserplatten haben eine Speicherfunktion: Tagsüber heizen die sich auf und geben die Wärme nachts wieder ab. 

Zusammenfassung: Kühlung mit Lüftern und Kuhduschen als Lösung.

Benjamin

Mittwoch, 16. Juni 2021

Kolostrumversorgung

Letztens haben wir eine Überprüfung der Kolostrumversorgung der Kälber gemacht. Das hat unser Tierarzt mitgebracht,; es war eine Werbeaktion eines Arzneimittelherstellers, die auch einen Mutterschutzimpfstoff im Angebot haben den wir neben einem anderen verwenden. Namen nenne ich hier keine, aber manch einer der Kuhblogleser wird es aus dem Kontext herauslesen wer das war. Denen ging es vor allem darum Daten aus der Praxis zu bekommen, welchen Einfluss die Mutterschutzimpfung (siehe auch Post vom 14.12.2019) auf die Kolostrumversorgung der Kälber hat.

Zur Bedeutung von Kolostrum und Immunglobulinen: Rinder haben eine evolutionär recht alte "Bauform" der Plazenta. So können zwar die ganzen Nährstoffe vom Blutkreislauf der Kuh in den des Kalbs wechseln, aber keine Antikörper des Immunsystems. Kälber haben daher kein angeborenes Immunsystem und müssen nach der Geburt eigentlich mit dem erworbenen bei Null anfangen. Die Natur hat dafür jedoch den Trick mit dem Kolostrum: Als erste Milch nach der Kalbung hat die Kuh vorher so drei Wochen Zeit Antikörper darin einzulagern. Das geht soweit, dass teilweise mehr als 10 % des Kolostrums aus Antikörpern besteht und die Kühe generell nach der Kalbung eine Immunsupression, ein geschwächtes Immunsystem haben weil sie so viele Antikörper hergegeben haben.

Das Kalb bekommt mit dem Kolostrum quasi eine Schluckimpfung. Der größte Anteil der Antikörper ist das Immunglobulin G, ein Makromolekül aus zig tausenden Atomen. Dass das Kalb das auch aufnehmen kann ist die Darmwand nach der Geburt besonders durchlässig. Um keine Krankheitserreger eindringen zu lassen reduziert sich die Durchlässigkeit aber sehr schnell, nach 24 h ist sie schon stark eingeschränkt und nach 48 h nicht mehr vorhanden. Daher ist die erste Mahlzeit auch die Allerwichtigste im gesamten Leben. Wie viel Liter innerhalb wie viel Stunden habe ich mir irgendwann nicht mehr gemerkt sondern: So viel so schnell wie möglich!
Die besten Erfahrungen habe ich gemacht wenn die Kälber zwischen 30 und 45 Minuten alt sind. Bis dahin ist die Atmung stabil und sie liegen in Brustlage und saugen gut. Danach fangen sie dann meistens an mit Aufstehversuchen und haben keine Geduld mehr beim Saufen.

Die Mutterschutzimpfung bewirkt wie jede Impfung eine verstärkte Bildung von Antikörpern, in diesem Fall gegen die wichtigsten Durchfallerreger Rotaviren, Coronaviren und Colibakterien. Also eine verbesserte Schluckimpfung für die Kälber.

Es wurden Blutproben von fünf Kälbern genommen und ins Labor der Ludwig-Maximilians-Universität in München geschickt. Dort wurde das Blutserum abgetrennt und darin der Gehalt an Immunglobulin G gemessen. Damit kann man eine Aussage treffen, wie gut die Kolostrumversorgung war und wie viele Antikörper zum Schluss im Kalb angekommen sind.

Es waren fünf Kälber 24 bis 72 h nach dem ersten Kolostrum und ich habe sie schon für mich rangiert, wer wie viel und wie schnell gesoffen hatte und meine Prognosen wer wahrscheinlich die beste Versorgung hat. Favorit war Kalb Nr. 2 gewesen, Nr. 4 eher so im Mittelmaß. Das Ergebnis hat mich schon überrascht, aber absolut im positiven Sinne. Ich sehe in der ganzen Kolostrumversorgung noch so viel Verbesserungspotenzial, aber es war tatsächlich keines unterversorgt:


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Benjamin

Sonntag, 13. Juni 2021

RNB

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 - zur Proteinverdauung im Pansen -> hier -

RNB ist die ruminale Stickstoffbilanz. Sie gibt an ob bei der Proteinverdauung im Pansen Stickstoff fehlt oder zu viel vorhanden ist. Angegeben wird die RNB in g Stickstoff pro kg Futtertrockenmasse.

Die einzelnen Futtermittel haben eine negative oder postive RNB, je nach Gehalt an Protein und Kohlehydraten.
Die RNB wird aber immer auf die ganze Ration bezogen, da die Futtermittel im Pansen zusammenwriken. In der gesamten Ration soll die RNB möglichst ausgeglichen sein, allenfalls leicht positiv. Zwischen 0 und 1, dass bei 20 kg Trockenmasseaufnahme z.B. ein Stickstoffüberschuss von 0 bis 20 g im Pansen vorliegt.
 
Je nach Inhaltsstoffen schwankt die RNB bei den einzelnen Futtermitteln stark, grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass die proteinreichen Futtermittel (Gras, Extraktionsschrote, Biertreber...) positive RNB haben und die energierreichen (Maissilage, Getreide...) negative.

Paar Beispiele mit Tabellenwerten, ohne jegliche weitere Gesichtspunkte in der Rationsgestaltung.

Grassilage RNB + 6,6
da fehlt nun Energie, um den überschüssigen Stickstoff aus dem pansenverdaulichen Protein für die Bildung von Mikrobenprotein zu nutzen.
könnte man dazu nehmen:
Gerstenschrot RNB - 6,4
Verhältnis 1 : 1, wäre ein RNB von 0,2; aber nicht sinnvoll, weil mehr Gerste als die Kuh verträgt

Maissilage RNB - 8,5
mit dem hohen Gehalt an pansenunbeständiger Stärke fehlt den Mikroben dann Protein im Pansen
dazu passt
Rapsextraktionsschrot RNB + 25,7
Verhältnis 3 : 1 wäre ein RNB von + 0,05.
 
Würde man wie in einer üblichen Mischration alle vier Komponenten zusammennehmen, z.B.  je 8 kg Gras und Maissilage und je 2 kg Gersten- und Rapsschrot wäre es eine RNB von + 1,2. Durch Verschieben der Anteile der Futterkomponenten kann man die RNB dann absenken.

Benjamin

Donnerstag, 10. Juni 2021

Sonnenfinsternis 2021

Die letzte Sonnenfinsternis war schon über sechs Jahre her; siehe Post vom 20.03.2015.

Dieses Mal war es wieder eine partielle Sonnenfinsternis, sodass von hier im Nordosten Deutschlands aus gesehen der Mond nur einen Teil der Sonne verdeckte. Ingesamt dauerte die Finsternis rund zwei Stunden. Die Maximale Verdeckung gegen 12:30 Uhr MESZ waren um die 14 % am oberen Rand der Sonne. Unterschiede vom Sonnenlicht her das die Erde erreichte waren nicht zu bemerken.

Im Gegensatz zum letzten Mal habe ich ein halbwegs brauchbares Foto hinbekommen, das war um 11:50, deutlich vor der maximalen Verdeckung:

Benjamin


 

 


Montag, 7. Juni 2021

Roggenblüte

Über die Rapsblüte schreibe ich im Kuhblog jedes Jahr. Über die Roggenblüte noch nie. Im Vergleich zum Raps natürlich unscheinbarer, aber von außen zu sehen, denn im Gegensatz zu den anderen Getreidearten öffnet der Roggen zur Blüte seine Ährchen und die Pollen werden durch die Luft übertragen.

Roggen ist vom Anbauumfang her die wichtigste Getreideart in Brandenburg; 5 % der gesamten Roggenernte weltweit wächst hier. Auf dem Märkischen Sand (oder auch Karnickelsand oder 18er-Sandboden...) spielt er seine Stärke der Robustheit gegenüber strengen Wintern und Trockenheit aus.

Und die Brandenburger Kuh frisst Roggenschrot; dazu mehr in späteren Post der Fütterungsserie über Energie-Kraftfutter.

Weizenähren stehen in Reih und Glied, über die Grannen der Gerste laufen im Wind die Wellen und Roggen tanzt mit den unterschiedlich langen Halmen:

Benjamin

















Freitag, 4. Juni 2021

Proteinverdauung im Pansen

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Eine Besonderheit bei den Wiederkäuern ist die Proteinverdauung im Pansen. Denn auch den Großteil der Proteine bauen die Pansenmikroben ab und auch die NPN - Nicht-Protein Stickstofferverbindungen, die z.B. schon bei Proteinabbauprozessen in der Silage entstanden sind.

Die Mikroben zerlegen es in die einzelnen Aminosäuren und das meiste auch noch weiter zu Ammoniak als einfachste Stickstoffverbindung. Daraus bilden sie dann neue Proteine, in ihrer Gesamtheit Mikrobenprotein genannt. Dafür brauchen sie aber Energie und daher ist in der Rinderfütterung auch das Verhältnis von verdaulichen Kohlehydraten zu Proteinen im Pansen so wichtig.

Was die Mikroben nicht schaffen ist das  pansenunverdauliche Protein (UDP), auch (Pansen)Durchflussprotein genannt, das zusammen mit dem Mikrobenprotein das nXP ausmacht, das im Darm verfügbare Protein. nXP = nutzbares Rohprotein am proxymalen Duodenum = Beginn Dünndarm. 

Wenn für die Bildung von Mikrobenprotein aus Ammoniak nicht genügend Energie zur Verfügung steht bildet die Leber als zentrales Stoffwechselorgan daraus Harnstoff, um den giftigen Ammoniak aus dem Körper zu schaffen. Das findet ständig statt, entscheidend ist dann der Umfang.
Der Harrnstoff wird im Urin, in der Milch und mit dem Speichel ausgeschieden. Daher ist der Milchharnstoffgehalt ein guter Indikator für die Proteinverdauung im Pansen. Über den Harnstoff im Speichel kommt der zurück in den Pansen und wird quasi recycelt. Das heißt dann ruminohepatischer Kreislauf, in dem Wort stecken Pansen und Leber drin.

UDP ist gegenüber dem Mikrobenprotein effizienter, einmal weil die Bildung von Mikrobenprotein im Pansen verfügbare Kohlenhydrate und Proteine braucht, was im normalen Fütterungsbereich aber auch leicht erreichbar ist. Andererseits ist die Kapazität der Leber nicht unbegrenzt groß und bei zu viel Ammoniak kann es zur Lebervergiftung kommen. Mit dem UDP kann somit zusätzliches Protein am Pansen "vorbeigeschleust" werden. Die UDP-Gehalte sind abhängig von den eingesetzten Futtermitteln und es gibt auch speziell behandelte Futtermittel, z.B. pansengeschützter Raps bei dem die Proteinverdaulichkeit im Pansen herabgsetzt wurde, dass dann mehr als UDP statt Mikrobenprotein im Dünndarm ankommt.

Grobe Skizze dazu:








Benjamin

Dienstag, 1. Juni 2021

Endlich geimpft!

Endlich bin ich auch Corona-geimpft. Weil ich mit Fortschreiten der Herdenimmunität auf Lockerungen hoffe und ich endlich wieder draußen rumziehen kann für Veranstaltungen und Exkursionen und dann im Kuhblog auch darüber berichten. Die ganzen Online-Veranstaltungen sind zwar fachlich ein super Ersatz bzw. auch Ergänzung aber halt nicht zu 100 %.

Über die Corona-Impfung habe ich schon viele Witze gemacht, ist es als Mutterschutzimpfung für unsere Kühe und Färsen absolut alltäglich (siehe auch Post vom 14.12.2019). 

Seit Beginn der Corona-Pandemie haben wir bei den Rindern in der Zwischenzeit schon locker vierstellige Zahlen verimpft. 
Damals hieß es, dass die Entwicklung eines Impfstoffes für das Human-Corona gut anderthalb Jahre dauer würde. Für mich soweit kein Problem, denn in der Landwirtschaft denkt man eh in längeren Zeitspannen, im Pflanzenbau von Jahr zu Jahr, in der Rinderhaltung eher 1 (Zwischenkalbezeit) bis 2 (Erstkalbealter) Jahre.
Die Impfstoffe gab es schon nach einem dreiviertel Jahr, die Impfungen aber ziehen sich ja...
Da die Landwirtschaft jetzt in die dritte Priorisierungsgruppe fällt hat nun unser Betrieb eine interne Impfung für alle Mitarbeiter (auf freiwilliger Basis) organisiert.
Als gebürtiger Rheinhesse hatte ich schon lange den Comirnaty ins Auge gefasst, weil BioNTech halt aus Mainz kommt. Aber Janssen braucht nur einmal geimpft zu werden, also "Single Shot" und dann noch vor Ort mal schnell zwischendurch - besser geht es gar nicht!

Im Verwaltungsgebäude wurde ein Impfzentrum eingerichtet: Vor der Tür Bierbänke und auf den Fluren Stühle als Wartebereich, in einem der Büros die Impfungen und im Konferenzraum der Nachwartebereich. Top organisiert und lief dann im 3-Minuten-Takt.

Eigentlich hatte ich auf eine Ampulle spekuliert als Andenken, wenn ich irgendwann mal von den "Corona-Zeiten damals" erzählen kann. Aber gab es leider nicht, die Spritzen waren schon aufgezogen.
Also für den Blog nur ein Foto vom Aufkleber im Impfpass:

Benjamin


 

Donnerstag, 27. Mai 2021

Verschluss

Gusty ist in der 4. Laktation und steht aktuell trocken, in 3 Wochen soll sie zum 5. Mal kalben.
 
Jetzt hatte sie einen Scheidenvorfall (Prolaps Vaginae), wobei die Scheide auf "links" ein Stück weit rausgedrückt wird. Das ist quasi die kleine Variante des Gebärmuttervorfalls (Prolaps Uteri; siehe Posts vom 28.08.2014, 09.07.2016 und 24.11.2019). Beim Gebärmuttervorfall ist es aber lebensgefährlich, weil die ganzen Blutgefäße abgedrückt werden und zudem extreme Verletzungsgefahr besteht. Beim Scheidenvorfall ist nur die Verletzungsgefahr wenn eine andere Kuh direkt drauftritt. Der Vorfall geht auch nur bis zum Gebärmutterhals, was dann rauskuckt ist ungefähr so groß wie ein Volleyball. 
 
Bisher hatte ich in meiner Laufbahn zwei Scheidenvorfälle mitbekommen: Einmal im Sommer 2013 bei einer nicht tragenden Kuh, die deswegen später auch wegging und vor genau zweieinhalb Jahren ein schwerwiegender Fall (siehe Post vom 24.11.2018), bei dem dann ein Kaiserschnitt notwendig war.
 
Bei Gusty war es schon einige Zeit gewesen, dass man immer wieder mal ein Stück sah, wurde aber am Wochenende schlimmer. Die letzten Tage war es dann nicht, trotzdem hat unser Tierarzt gestern sicherheitshalber einen Verschluss gemacht. 
Dafür wird die Kuh unter Epiduralanästhesie gesetzt. Das wird zwischen die Schwanzwirbel in den Rückenmarkskanal gespritzt und wirkt auf das Rückenmark. Dadurch gibt es eine lokale Betäubung und die Kuh spürt von der Maßnahme nichts. Das gleiche wird beim Gebärmuttervorfall gemacht und bei der Schwanzamputation (siehe Post vom 09.01.2016).
 
Durch beide Schamlippen werden zwei Löcher gestochen und mit einem sterilen Band - vergleichbar mit einem Schnürsenkel - zusammengebunden.
Wenn sie anfängt zu kalben muss der Verschluss natürlich wieder aufgeschnitten werden, dass es nicht ausreißt. Das sollte dann eigentlich problemlos verlaufen, die nicht problemlose Ausnahme wäre der letzte Fall damals gewesen.

Benjamin



Montag, 24. Mai 2021

XP, XF usw.

- zur Übersicht der Fütterungsserie -> hier - 

In der Rinderfütterung hat man es viel mit mit Abkürzungen zu tun, die genau definiert sind und man so bei der Rationsgestaltung oder Futtermittelanalysen einen gemeinsamen Nenner hat, der allgemein verständlich ist. Als Beispiel bei Vorträgen über Fütterungsversuchen die Angaben der Rationsparameter.

Mal eine Auswahl; es gibt aber noch weitere:

TS - Trockensubstanz
XA - Rohasche; Mineralstoffe und Sand
om - organische Masse; da wird die Rohasche rausgerechnet
 
XL - Rohfett

XF - Rohfaser
sXF - strukturwirksame Rohfaser; z.B. die Faser von Heu und die von Gerstenschrot nicht
NDFom - neutrale Detergenzien Faser der organischen Masse; wenn in neutralerLösung gekocht wurde, dabei lösen sich bestimmte Inhaltsstoffe (Protein, Zucker, Stärke...)
peNDF - pyhsikalische NDF, NDF mal den Anteil der Partikel größer 8 mm (Schüttelbox), was im Pansen zur Bild der Schwimmschicht beiträgt
ADFom - Saure Detergenzien Faser (a für acid) der organischen Masse; wenn in saurer Lösung gekocht wurde, da löst sich mehr als in neutraler
SW - Strukturwert 
 
XZ - Rohzucker
XS - Rohstärke
bXS - beständige Rohstärke, die im Pansen nicht verdaut wird
uXS - unbeständige Rohstärke, die im Pansen verdaut wird
 
XP - Rohprotein, wird aus dem Gesamtstickstoffgehalt berechnet
UDP - pansenunverdauliches Protein
nXP - nutzbares Rohprotein; "nutzbares Rohprotein am proximalen Duodenum", der Satz schlechthin aus dem Studium. Das ist UDP plus das von den Pansenmikroben gebildete Mikrobenprotein
RNB - ruminale Stickstoffbilanz; Verhältnis von Stickstoff zu Energie bei der Pansenverdauung
NPN - Nicht-Protein-Stickstoff, wie Ammonium das beim Proteinabbau im Silo entsteht
 
GE - Gesamtenergie, wenn es im Bombenkalorimeter verbrannt wird
ME - Metabolisierbare Energie, damit wird für Kälber, Mastrinder und Schweine gerechnet
NEL - Nettoenergie Laktation, Energie für die Milchbildung, darin ist der "Wirkungsgrad" mit eingerechnet; für Milchkühe
HFT - Hohenheimer Futterwert Test; dabei wird die Gasbildung von Pansenmikroben gemessen, ein Wert für die Verdaulichkeit
 
GF - Grundfutter
KF - Kraftfutter
TMA bzw. DMI - Trockenmasseaufnahme bzw. dry matter intake
 
Benjamin