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Montag, 7. September 2026

Mastitis wegzüchten

Mastitis wegzuzüchten hört sich fast zu schön an, aber die Genetik spielt dabei auch eine Rolle, wie anfällig die Kühe dafür sind. Melk-, Stall- und Futterhygiene haben einen höheren Stellenwert, aber die Zucht kann genau wie die Mastitisimpfung ein weiterer Baustein sein. 
 
Wie groß der züchterische Einfluss ist finde ich schwer zu sagen in der Praxis. Man hat Zahlen die (Tankmilch)zellzahl und den Eutergesundheitsbericht der Milchleistungsprüfung. Verbesserungen über längere Zeit schreibt man dann eher Managementmaßnahmen zu.
 
Umso interessanter ist es valide Zahlen zu bekommen: In der aktuellen Ausgabe der Blickpunkt Rind (2.2026) war einen Auswertung mit den Daten der Brandenburger Testherden (RBBplus) mit gut 30.000 Kühen dahinter.
 
Allgemein steigt der RZGesund der typisierten Kälber um 2 Punkte jedes Jahr an, durch die dreimalige Zuchtwertabschreibung kriegt man das so direkt nicht mit, sondern erst wenn man den Durchschnitt der Jahrgänge vergleicht.
 
Dann der Vergleich zwischen Zuchtwertklassen. Dafür werden als die ausgewerteten Kühe nach dem Zuchtwert in vier gleich große Klassen eingeteilt: Höchstes, 2., 3. und schlechtestes Viertel.
Bei der Mastitisinzidenz (Krankheitshäufigkeit) in der ersten Laktation liegen die Kühe des höchsten Viertels nach den Zuchtwerten der Typisierung als Kalb bei 24,8 %, die des schlechtesten 39,7 %. Das ist ein Unterschied des Faktors 1,6. 
Dann am Ende der ersten Laktation nach den dann aktuellen Zuchtwerten sortiert, in die auch die Eigenleistungen eingeflossen sind, liegt das höchste Viertel bei 18,2 %, das schlechteste 45,4 %. Der Faktor ist auf 2,5 gestiegen, das zeigt aber deutlich, dass sich das schon an den Zuchtwerten erst weniger Wochen alter Kälber ablesen lässt.
 
In wirtschaftliche Zahlen umgerechnet gab es ein Diagramm wieder mit den vier Zuchtwertvierteln und dazu die Nutzungsdauer und die Kosten durch Mastitis über das ganze Kuhleben.
Das höchste Viertel nach RZEuterfit lag bei 1.359 Tagen (44,7 Monate) und 383 €, das schlechteste Viertel bei 939 Tagen (30,9 m) und 892 €. 
Ich überschlage das in Cent pro kg Milch und da komme ich durch die niedrigeren Krankheitskosten und Remontierungskosten wegen der längeren Nutzungsdauer auf 5,0 Cent niedrigere Kosten für das höchste Viertel. Für das zweite Viertel sind es 3,3 Cent und für das dritte Viertel 2,2 Cent.
 
Ein riesiger Hebel für die Wirtschaftlichkeit!  
Da liegt es natürlich nahe das schlechteste Viertel auszusortieren. Wie 2016 Kuhvision begann sagte Prof. Swalve, dass ab einer Selektionsrate von 30 % Effekte zu erwarten wären. Das war mir damals schon zu viel, denn wer kauft schon aussortierte Zuchtkälber, die dem Ursprungsbetrieb zu schlecht sind?
Meine Lösung: "Qualität wird nicht sortiert sondern produziert!" Indem man die Selektion einen Schritt nach vorne verlagert bei der Selektion der potentiellen Kuhmütter. Mit Typisierung und gesextem Sperma kann man da nämlich 70 % der verfügbaren Kühe und Färsen aussortieren. Und dann mit BAP und der ausgleichenden Anpaarung theoretisch nur noch Kälber mit RZEuterfit des höchstens (und 2.) Viertels bekommen. 
 
Benjamin 
 
1539 

Sonntag, 30. August 2026

10 Jahre Kuhvision

Nach den Zuchtwertschätzungen erscheinen als die Zeitschriften der Zuchtverbände und Kontrollverbände passend mit den neusten Werten für ihre Bullen.
Die Wdavon ist für mich natürlich die Blickpunkt Rind von RBB/RZB und LKV BB.
Themen dieses Mal:  
 
1.) 10 Jahre Kuhvision. Vor zehn Jahren, am 1. Juli 2016 startete das Projekt Kuhvision zur Typisierung weiblicher Rinder in großem Stil. Siehe auch Post vom 04.10.2016. Mittlerweile wurden in Kuhvision und der allgemeinen Herdentypisierung 1,6 Mio. weibliche Rinder genotypisiert. Bei den Kühen sind es ein Drittel der Herdbuchkühe, Brandenburg hat mit 52 % den höchsten Anteil. Das bezeichne ich als ein etabliertes Werkzeug in der Zucht.
 
2.) 150 Jahre Herdbuchzucht in Deutschland. 1876 wurde in Fischbeck/Elbe in Sachsen-Anhalt die erste Stammzuchtgenossenschaft gegründet. Damals natürlich noch für das Deutsche Schwarzbunte Niederungsrind (DSN), der Haupt-Ursprungsrasse unserer Deutschen Holsteins.
 
3.) Synetics und Phönix haben Anfang des Jahres mit der Entwicklung eines Zuchtwerts für Kälbergesundheit begonnen. In Kanada letztes Jahr und in den USA dieses Jahr gingen schon Zuchtwerte für Kälbergesundheit an den Start, aber Deutschland hat da sehr gute Chancen aufzuschließen, denn in den Daten der Testherden von RinderAllianz und RBB gibt es 2,2 Mio. Datensätze zu Kälberkrankheiten als Grundlage. Wie üblich bei der Zuchtwertentwicklung werden dann genetische Zusammenhänge gesucht, daraus Schätzverfahren entwickelt, geprüft und wahrscheinlich zur Zuchtwertschätzung im Dezember 2027 (ZWS 2712) eingeführt.
 
4.) Podcast zur Geschichte der Rinderzucht in Brandenburg. Mit Bernd Adler, langjährigem Geschäftsführer der RBB und Dr. Anja Peters vom IFN Schönow, sie hatte ich im Herdenmanagerlehrgang als Dozentin für Fütterung. Link: https://www.rinderzucht-bb.de/unternehmen/rinderzuchtmuseum-302.html
 
Benjamin
 
1538 

Montag, 27. April 2026

Genetische Vielfalt

Die genetische Vielfalt finde ich in der Rinderzucht zu überthematisiert. Da wird oft der Eindruck erweckt, die Genetik wäre zu eng geworden und man müsste die Vielfalt erhöhen.
Zucht per se ist eine Verengung auf die gewünschte Genetik. Durch Anpaarung und Selektion sollen die für das Zuchtziel besseren Genvarianten in der Population vermehrt werden.
Es soll eine gesunde, langlebige und produktive Kuh gezüchtet werden. Es ist schließlich immer noch LandWIRTSCHAFT und es muss Geld verdient werden. Das ist bei meiner Betrachtungsweise der Milchviehhaltung als selbstfinanzierendes Hobby genauso.
 
Es gibt eine hypothetische perfekte Kuh, die an jedem einzelnen Genort sie beste Variante trägt. 
Dazu muss es an allen Genorten noch reinerbig sein, dass es durch die Rekombination nicht wieder schlechter wird.
 
Dann kommt noch die Inzucht(gefahr) hinzu, das ist schon fast eine archaische Angst. Zu diesem Thema siehe die Posts vom 23.04.2021 und 26.04.2021. Mit der Herdbuchzucht seit dutzenden Generationen und den Anpaarungsprogrammen kann man das sehr gut unter Kontrolle halten.
 
In zwei Fällen ist die genetische Vielfalt im Alltag trotzdem wichtig:
1. Risikostreuung gegen unerwartete Einflüsse wie Krankheiten (z B. BTV oder LSD). Dass im Extremfall nicht alle auf einmal dahingerafft werden.
2. Zum Wegzüchten von Erbfehlern, wie es z.B. beim Cholesterin Defizit Haplotyp gelungen ist.
 
Die genetische Vielfalt sehe ich als strategische Reserve dreifach gesichert:
1. Über die Genotypisierung ist bekannt, wo welche Gene in der Population vorhanden sind und dann bei Bedarf über Besamung,  ET usw.  verbreitet werden können.
2. Eingefrorenes Sperma von Bullen seit den 1950er Jahren.
3. Hunderte Rinderrassen weltweit, auf die man zur Einkreuzung zurückgreifen kann. 

Benjamin


1525 

Donnerstag, 9. April 2026

Zuchtwertschätzung April 2026

Heute veröffentlichte das VIT die Zuchtwertschätzung der Deutschen Holsteins für April 2026 (ZWS2604).

Meine traditionelle Zuchtwertentwicklung für 823192 Hype. 

Bei den Zuchtwertabschreibungen gibt es keine Überraschungen.

Hype hat seit der letzten Zuchtwertschätzung tatsächlich noch einmal 18 Töchter in der Milchleistungsprüfung dazu bekommen, auch noch von zwei weiteren Betrieben. Weitere Töchter in der Exterieureinstufung kamen aber nicht mehr hinzu: 
















Benjamin


1523

Mittwoch, 1. April 2026

31. Sunrise Sale

Noch ein Nachtrag vom März: Am Freitag vorletzter Woche fand in Karow die 31. Sunrise Sale statt. Die Sunrise Sale ist immer im März die jährliche Elite-Jungvieh-Auktion der RinderAllianz. Die RSH ist auch daran beteiligt; das ist historisch bedingt, weil die RSH Mitgesellschafter der damaligen RMV war.

Elite deshalb, weil nur Nachzucht mit den allerhöchstens Zuchtwerten versteigert wird. Das hat nicht direkt was mit der Milchproduktion zu tun und auch nicht mit der normalen Zucht zur Reproduktion. Man kann mit ungefähr 8 ct/kg Milch an Remontierungskosten rechnen; ganz grob 2.400 € Aufzuchtkosten bei 30.000 kg Lebensleistung. Bei den durchschnittlich erzielten knapp 12.000 € müssten alle 150.000 Liter-Kühe werden, was rein statistisch keine schaffen dürfte.  
Das Ziel ist die Zucht an der Spitze der Population, aus der die nächste Generation der Besamungsbullen hervorgeht. Direkt als Kälber dieser Tiere oder als spätere Nachfahren. So war Nr. 1066 Karibic, die Großmutter (Muttermutter) von Hype auf der Sunrisesale ersteigert worden.
Üblicherweise werden die Färsen im Embryotransfer eingesetzt, da dürften auch dieses Jahr einige auf die Biotechnologiestation in Schmergow gehen, wo von ihnen mit Embryotransfer und Ovum-Pickup/In-Vitro-Fertilisation Embryonen gewonnen werden. Zur Vorgängerstation in Nückel siehe die Posts vom 06.06.2019 und 11.06.2019.
 
Die Auktion und das Geschehen drum herum interessieren mich nicht, ich war auch noch nie dort gewesen. Stattdessen die Zahlen dahinter: Wie hoch die Zuchtwerte der zu versteigernden Tiere sind und von welchem Betrieben sie stammen. 

Der Katalog umfasste 52 Nummern, nicht nur Holsteins Schwarzbunt und Rotbunt sondern auch Jersey, Braunvieh und Angler Rotvieh. Es waren Kälber und Färsen im Alter von 2 bis 10 Monaten sowie einige Embryonenpakete aus der In-Vitro-Ferlisation dabei. In den letzten Jahren ist es deutlich internationaler geworden, neben Betrieben aus dem RinderAllianz-Gebiet waren die Mehrzahl aus dem übrigen Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz und Italien. Darunter bekannte Namen aus dem Nordosten: Schwarzbuntzucht Fischbeck, Griepentrog Steinhagen, Gut Jürgenstorf und Landgenossenschaft Pröttlin.

Der durchschnittliche Zuschlag bei der Versteigerung betrug knapp 12.000 €, was ein neuen Rekord bedeutete bei der Sunrise Sale, der höchste erzielte Preis 58.000 €, der zweithöchste 56.000 €.

Benjamin

 

1522 

Sonntag, 7. Dezember 2025

Zuchtwertschätzung Dezember 2025

Diese Woche wurde die Zuchtwertschätzung Dezember 2025 für die Deutschen Holsteins veröffentlicht. Im April 2023 hatte ich geschrieben, dass ich Hype schon länger als für den Zuchteinsatz abgeschlossen einstufe und ich seine weitere Zuchtwertentwicklung nur noch von der Basisabschreibung beeinflusst sehe. Sein züchterischer Einsatz ist nicht mehr der Besamungseinsatz sondern auf der weiblichen Seite über seine Töchter, Enkelinnen, Urenkelinnen und Ururenkelinnen als Muttervater, Muttermuttervater usw.
 
Seit der Zuchtwertschätzung im August sind gerade noch 6 Töchter neu in der Leistungsprüfung hinzugekommen. Was mich aber erstaunt, dass da zwei neue Betriebe dabei sind, die noch gar keine Hype-Töchter hatten.
Die Töchterzahl wird vielleicht noch die 4.600 knacken und damit doch mehr als ich 2016 geschätzt hatte mit 2.500 - 3.000. Ich hatte auch damals gesagt, dass es unwahrscheinlich ist, dass er es in den Wiedereinsatz als töchtergeprüfter Bulle schaffen wird. Im Dezember 2020 bekam er seinen Töchterzuchtwert, die Besamungen danach sind dann Wiedereinsatz, also die Kälber ab September 2021 geboren und als melkende Jungkuh ab der Zuchtwertschätzung Dezember 2023 als Tochter eingeflossen. Das schätze ich sind ungefähr 170 der 4.581 Töchter und damit nur knapp 4 %, die Übrigen sind alle aus dem Einsatz als genomischer Bulle.
 
Sein Gesamtzuchtwert (RZG) liegt bei 118, bei seiner Typisierung im Juni 2016 waren es 160 gewesen. In knapp 10 Jahren sind 42 Punkte abgeschrieben worden. Das sind seitdem auch gut drei Rindergenerationen Zuchtfortschritt gewesen. 
  
 


























Benjamin


1513

Dienstag, 21. Oktober 2025

Zwillingsträchtigkeiten vermeiden - Teil 3

Hier gehts zu den ersten beiden Teilen: -- > Teil 1 ; -- > Teil 2 
 
Bei meinen Überlegungen zur Vermeidung von Zwillingsträchtigkeiten habe ich ganz auf einen stabilen Stoffwechselzustand zur Besamung gesetzt. Der Genetik habe ich wenig beibemessen, auch wenn in meinen Abkalbelisten mehrere Kühe mit zwei Zwillingskalbungen und eine sogar mit dreien dabei ist. Von Zucht auf oder gegen Zwillingsträchtigkeiten habe ich nur einmal im Zuchtziel des SMR gelesen, da dürfte es aber mehr der Wunsch nach mehr Kälbern gewesen sein. Waren damals halt andere Zeiten, wo auch überlegt wurde beim Embryotransfer gleich zwei Embryonen einzusetzen...
Insgesamt war ich aber einer genetischen Bearbeitung von Zwillingsträchtigkeiten eher abgeneigt, aus "Zuchtwertsparsamkeit". Je mehr Merkmale man ins Zuchtziel aufnimmt umso geringer fällt der Zuchtfortschritt aus, weil man immer weniger scharf selektieren kann. 
 
In der letzten Ausgabe der Rind und Wir war zu dem Thema ein Artikel vom VIT. Mit ihrem großen Datenschatz aus der deutschen Milchkontrolle und Herdbüchern haben sie die Grundlage für umfangreiche Berechnungen. 2015 zum 50-jährigen Jubiläum des Rechenzentrums in Verden hieß es: "VIT - wo sich 100 Millionen Tiere treffen". Mittlerweile dürften es 110 Millionen sein.
 
Erstmal ging es über Behauptung es gäbe zunehmend mehr Zwillingsgeburten. Da stellte sich nach der Analyse sämtlicher Abkalbungen von 2000 bis 2024 heraus dass da nicht der Fall ist. Also gab es auch keine Tendenzen durch die Zucht, sowohl positiv durch züchterische Bearbeitung als auch negativ durch Korrelationen zu beabeiteten Merkmalen.
 
Die Häufigkeit der Zwillingsgeburten war in der Auswertung deutlich geringer als bei meinem Datenmaterial: Für die erste Kalbung 0,9 gegenüber 1,6 % und ab der zweiten Kalbung 3,8 zu 4,9 %.
Man hat sich dann auf die Zwillingshäufigkeit ab der zweiten Kalbung konzentriert, da diese bei gut Zweidrittel aller Kalbungen 90 % der Zwillingskalbungen ausmachen.
 
Mit Genomweiter Assoziationsanalyse wurde ein Zuchtwert für die Zwillingshäufigekeit entwickelt. Die Erblichkeit (Heritabilität) ist wie bei Fruchtbarkeitsmerkmalen allgemein sehr gering, aber die Streuung in der Population recht groß. Zur Darstellung solcher werden als die Bullen in Gruppen zu je einem Viertel nach Zuchtwert rangiert eingeteilt. Und da haben dann die Töchter des Viertels mit den höchsten Zuchtwerten eine mehr als zweieinhalb mal so hohe Zwillingshäufigkeit wie die des Viertels mit den niedrigsten Zuchtwerten.
Korrelationen von Zwillingshäufigkeit zu anderen Merkmalen gäbe es kaum und dann eher positive.
 
Es besteht demnach die Möglichkeit auch mit der Zucht auf weniger Zwillingskalbungen hinzuarbeiten.
 
Benjamin 
 
 
 
1509

Mittwoch, 2. Juli 2025

Geburtsnachweis Rind

Im Post über die Stallkarte (siehe Post vom 22.03.2025) hatte ich geschrieben, dass vorne die Abstammung aufgeklebt wird. Das ist der Geburtsnachweis und nicht der Abstammungsnachweis wie ich immer dazu sage. Die kommen monatlich mit dem Milchleistungsprüfbericht für die im letzten Monat geborenen Zuchtkälber um die Stallkarten anlegen zu können. 
 
Das ist exemplarisch der Geburtsnachweis von Perle (siehe Post vom 15.11.2020), mit ihrer volldigitalen Akte in HERDE ohne separate Stallkarte wurde der nie gebraucht.
 

 
 















Ganz oben links steht die Betriebsnummer vom Geburtsbetrieb, die ich wie die ganzen nicht öffentlich bekannten Ohrmarkennummern unkenntlich gemacht habe.
Oben rechts steht das Ausstellungsdatum, das ist als wenn bei der nächsten Milchkontrolle die Daten berechnet werden und dann auch die neusten Geburtsnachweise. 
 
Im oberen Kästchen steht die Rasse. 01 SBT ist schwarzbunt obwohl Perle rotbunt ist, richtig wäre 02 RBT. Das wurde falsch gemeldet. HERDE blendet automatisch schwarzbunt vor,wenn die Mutter schwarztbunt ist und der Vater schwarzbunt oder rotbunt, da schwarzbunt dominant ist. Zur Vererbung der Farben siehe Post vom 06.02.2015.
In der Mitte sind Geburtsdatum, Name, Geschlecht und die Herdbuchklasse (Herdbuch A).
Rechts steht die Ohrmarkennummer und darunter der Strichcode ist verschlüsselt auch die Ohrmarkennummer in der 15-stelligen Form (siehe Post vom 26.07.2019). 

Darunter die drei Spalten sind die Abstammung drei Generationen zurück:
1. Eltern, Vater (V) und Mutter (M)
2. Großelterm: VV, VM, MV, MM
3. Urgroßeltern: VVV, VVM, VMV, VMM, MVV, MVM, MMV, MMM 
 
Hier gehts zu Perles Abstammung: Post vom 29.07.2021.
 
Hier sind jetzt die Bullenkarten vom VIT für ihre männlichen Vorfahren verlinkt. Wenn man sich die Zuchtwerte anschaut haben die in den letzten knapp fünf Jahren mit den Zuchtfortschritt sehr stark abgenommen wenn man sie mit denen vergleicht, die damals auf dem Geburtsnachweis standen.
 
MMV: 922475 Kairo  
 
 
Benjamin
 

1497

Dienstag, 8. April 2025

ZWS 2504

Letzte Woche wurde die diesjährige April-Zuchtwertschätzung veröffentlicht.
Was Neues gab es auch: Keine Neugewichtung für Zuchtwerte oder ganz neue Zuchtwerte sondern eine große Umstellung in der Zuchtwertschätzung selbst.
Bisher waren verschiedene Zuchtwerte (töchtergeprüft, pedigree, genomisch) separat berechnet worden und dann zum Schluss in einen Einzigen zusammengefasst.
Jetzt wurde das Single-Step-Verfahren eingeführt, in dem alle Informationen direkt in einem einzelnen Schritt verrechnet werden. Da dann für diesen Zuchtwert mehr Informationen vorliegen steigt die Sicherheit der Zuchtwertschätzung. Bei den Gesundheitszuchtwerten (RZGesund) sogar um 14 %. Da die Sicherheit der Zuchwerte ein Faktor für den Zuchtfortschritt ist wird dieser ansteigen wie vor 15 Jahren als mit der Einführung der genomischen Zuchtwertschätzung der Faktor Selektionsintensität zunahm.
 
Hier die genaue Erklärung beim VIT: --> Link
 
Mein Vergleich der Zuchtwertentwicklung von Hype. Da ist jetzt die Zuchtwertabschreibung und die Veränderungen durch das Single-Step-Verfahren beides enthalten. Die höhere Sicherheit bei den Gesundheitszuchtwerten sieht man gleich:



 























Benjamin
 

 
1488 

Donnerstag, 12. Dezember 2024

ZWS 2412

Letzte Woche wurde die Dezemberzuchtwertschätzung der Deutschen Holsteins für 2024 (ZWS 2412) veröffentlicht.
Es war mal "nur" eine Zuchtwertschätzung ohne die Einführung neuer Zuchtwerte. Davon gab es bei den letzten Zuchtwertschätzungen einige:
August 2023 RZÖko - Zuchtwert für ökologische Milchviehhaltung
April 2024 RZFE - Zuchtwert Futtereffizienz
August 2024 RZRobot - Überarbeitung Zuchtwert Robotereignung mit neuen Merkmalen und Gewichtungen
 
Aber es fand nun zum zweiten Mal die Zuchtwertabschreibung im 4-Monats-Rhythmus statt. Da die Abschreibungen nicht veröffentlicht werden habe ich mich wieder meinem Trick bedient die jeweiligen Zuchtwerte von Hype zu vergleichen. Mit seinen mittlereweile über 4.500 Töchtern und einer Sicherheit von 99 % in den wichtigsten Zuchtwerten kommen bei ihm die Änderungen nicht mehr durch weitere Töchterinformationen sondern durch die Abschreibung zustande.
Ich habe schon mehrfach geschrieben, dass Hype züchterisch "durch" ist, jetzt werden schon mehr seiner Enkelinnen als seine Töchter in den Herden sein.
Seit der letzten Zuchtwertschätzung im August sind noch einmal 15 Töchter in der Milchleistungsprüfung dazu gekommen und 3 mit Exterieureinstufung.
Erkenntnis: Die Abschreibungen fallen niedriger aus als im August, der Zuchtfortschritt scheint über das Jahr nicht gleichmäßig verteilt zu sein: 
 
 
 
Benjamin


1483


Samstag, 17. August 2024

Neuer RZRobot

Zur Zuchtwertschätzung im August wurde jetzt der RZRobot, der Zuchtwert speziell für robotertaugliche Kühe überarbeitet. Der war im August 2014 eingeführt worden (dachte das wäre länger her gewesen...) und jetzt sind die Erfahungen aus zehn Jahren Arbeit damit eingeflossen.

Schwerpunkte waren damals der Zellzahlzuchtwert (RZS), da Betriebe mit Melkrobotern tendenziell höhere Zellzahlen hatten. Dann der Milchfluss (RZD), als wichtigster Faktor für die Leistungsfähigkeit der Melkroboter wie schnell die Kuh leer ist und Exterieurmerkmale, allgemein das Fundament, dass die Kuh gut freiwillig zum Roboter laufen kann und die Euterform mit gut zu findenden Zitzen.

Ohne Melkroboter hatte der RZRobot nie für mich eine größere Bedeutung, bei guten Werten war das eher ein Bonus, denn auch roboterzaugliche Kühe lassen sich im koventionellen Melkstand besser melken. Mein Anspruch dabei ist immer, dass man das Melkzeug blind ansetzen kann, weil man keine Zitzen suchen muss, denn die sind dort wo man sie erwartet.

Präsentation vom VIT zur Überarbeitung des RZRobot:

Das sind die neuen Merkmale bzw. ihre Gewichtung:



 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Es fand jetzt die erste Zuchtwertabschreibung bei einer Augustzuchtwertschätzung (vgl. Post vom 17.04.2024) statt. Eigentlich wollte ich jetzt nicht extra die Abschreibung der einzelnen Zuchtwerte anhand derer von Hype ermitteln, aber als ich drüber geschaut habe waren die dann teilweise schon ordentlich. Deswegen wurde es ja auch auf die Abschreibung dreimal im Jahr umgestellt....

  
Benjamin
 
 
1475

Mittwoch, 17. April 2024

ZWS 2404

Vor zwei Wochen wurde die Zuchtwertschätzung April 2024 veröffentlicht.
Die erste große Änderung ist die Einführung des Zuchtwerts für Futtereffizient (RZFE).
Die zweite Änderung ist die Umstellung der Basisabschreibung von einmal jährlich im April zu allen vier Monaten bei jeder Zuchtwertschätzung, also April, August und Dezember. Die nächste Basisabschreibung wird damit schon im August stattfinden.
 
Die Entwicklung der Zuchtwerte von Hype im Vergleich zum letzten April:
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Benjamin
 

1465

Donnerstag, 18. Januar 2024

Abstammung Braunie

Ein schon seit Jahren geplanter Post war über die Abstammung meiner Braunie (offiziell hieß sie München).
Ihren Vater Montagne wusste ich und ihren Muttervater Zunder. Mehr aber nicht und da macht eine schön dargestellte Abstammung keinen Sinn wenn schon von Anfang an ein Viertel fehlt.
Wie ich zwischen den Jahren auf der Neumühle war habe ich endlich mal im HERDE nachgeschaut wie weit man ihre Abstammung zurückverfolgen kann. Ihre Mutter Leonie ist die letzte ihrer Mutterlinie die noch im Computer vorhanden ist und davon drei Generationen zurück, die im HERDE unter Abstammung ausgewiesen sind.
 
Ihre Väterfolge, die ich nur 4 Generationen zurück verfolgen kann:
 
Montagne 669753
 - Zunder 820416
   - Lentini RF 135508
     - Balance 741290
 
Ihre Abstammung im Stil derer die ich schon für Perle (siehe Post vom 29.07.2021) und Gisela (siehe Post vom 28.01.2022) gemacht habe: 1 und blau sind männliche Vorfahren, 2 und rosa weibliche, bei Orange ist das Geschlecht zwar bekannt aber das individuelle Tier nicht:
 



Bisher hatte ich aus Gründen der Übersichtlichkeit nur die letzten 5 Generationen dargestellt. Diesmal wollte ich da einen Fortschritt machen und die - 6 Generation (dann 64 Vorfahren) dazunehmen. Bloß werden da die bekannten Vorfahren wenige. Ich nehme immer für die Abstammung der Bullen die Bullendatenblätter vom VIT, worauf die Eltern, Großeltern und der Urgroßvater auf der mütterlichen Linie (Muttermuttervater, MMV) stehen. Aber die gibt es bei den alten Bullen nur für die, die in Deutschland auch einen Töchterzuchtwert geschätzt bekommeb haben. Und da sind dann mir aus den Abstammungen altbekannte Namen nicht dabei.

Braunie ist geschätzt genetisch eine Generation älter als Gisela und 4 Generationen älter als Perle und noch aus vorgenomischer Zeit stammend. Damals war das Generationsintervall bestimmt doppelt so hoch als heute und fünf Generationen zurück ist man schon tief in den 1970ern. Da war die Zucht noch nicht so international, die deutschen Holsteins gab es noch nicht und nur ab und zu wurden Söhne und Enkel der bedeutenden Bullen aus Nordamerika in die Schwarzbunten eingekreuzt.

Benjamin 

1460

Samstag, 5. August 2023

RZÖko

Mit der August-Zuchtwertschätzung wurde ein neuer Zuchtwert eingeführt, der RZÖko - Relativzuchtwert für ökologisch wirtschaftende Milchviehbetriebe.
 
Der Zuchtwert war schon länger in Arbeit, ich kann mich da an eine Anekdote aus den Kreisen der RinderAllianz 2017 erinnern. Da hatten Vertreter der Zuchtverbände ein Treffen mit Öko-Funktionären bezüglich einem Ökozuchtwert. Die Berücksichtigung der Hornlosigkeit wegen dem Enthornungsverbot war da wichtig bis die Hörner-Fanatiker dagegen schossen und manch einer hatte von deren Existenz gar nicht gewusst.

Von der Einstellung "am liebsten negativer Milchzuchtwert" hatte ich auch mal gehört, was das zentrale Problem der ökologischen Milchproduktion trifft: Die bedarfsgerechte Ernährung der Milchkuh. 
Das fängt mit der nicht bedarfsgerechten Düngung der Futterpflanzen an durch den Verzicht auf schnell verfügbare Mineraldünger. Die dann so großgehungerten Pflanzen haben niedrigen Futterwert und die Kühe können daraus auch nicht so viel machen, wenn sie zu wenig Energie und Eiweiß bekommen. Das sieht man schön an den niedrigen Milchinhaltsstoffen die die Öko-Kühe erreichen. Solch dünne Milch ist eigentlich nur bei Herdenleistungen über 12.000kg üblich.

Prinzipiell war ich dem RZÖko aufgeschlossen gegenüber, in eine so viel andere Richtung dürfte der nicht gehen. Mit der Milch rückwärts züchten will ich aber doch nicht...
Der RZÖko ist dem RZ€ sehr ähnlich, Nutzungsdauer (RZN) und Gesundheit (RZGesund) sind stärker gewichtet. Der RZM ist nicht drin, dafür Fett-kg und Eiweiß-kg bei gleichzeitiger negativen (!) Gewichtung der Milchmenge. Das ist der Versuch züchterisch die futterbedingt niedrigen Inhaltsstoffe anzuheben.
Töchterfruchtbarkeit (RZR) und Kälberfitness fallen raus und dafür kommt der BCS rein, auch wieder um züchterisch die futterbedingt schlechte Kondition zu verbessern.
 
Die Zusammensetzung des RZÖko:
 


 
 
Zum Vergleich die Zusammensetzung des RZ€:
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Benjamin
 
1436

Freitag, 21. Juli 2023

Entwicklung - Zucht

Wenn ich über die Entwicklung des Fruchtbarkeitsmanagements schreibe liegt natürlich auch die Entwicklung in der Zucht nahe. Damit ist nicht der Zuchtfortschritt gemeint. In der Zucht hat sich gefühlt am meisten entwickelt, auch weil die Zucht und das Besamungswesen recht zentral organisiert sind setzen sich Neuerungen sehr schnell durch.

Wie ich vor zehn Jahren angefangen habe war die genomische Zuchtwertschätzung und die genomischen Jungbullen im Besamungseinsatz seit drei Jahren eingeführt und hatten sich durchgesetzt. Aus dem Studium hatte ich als Ziele in der Zucht mitgenommen, dass mittelfristig auch die Kühe typisiert werden und man eine Kuhlernstichprobe einführen muss für die genomischen Zuchtwertschätzung weil die Anzahl genetisch halbwegs aktueller Bullen mit Töchterzuchtwerten zu gering werden wird.

Zwar kann ich mich gar nicht erinnern, aber im August 2013 muss die Zuchtwertschätzung gewesen sein bei der die allerersten genomischen Bullen ihre ersten Töchterzuchtwerte bekommen haben. 

Für die Kuhlernstichprobe wurde im Projekt Kuh-L die Machbarkeit demonstriert, bei dem auch Pröttliner Kühe dabei waren. Die Kuhlernstichprobe wurde dann glaube ich 2018 als Basis der Genotypisierung eingeführt.

Seit Herbst 2016 gabs das Projekt KuhVision bei dem im größeren Stil Kühe genotypisiert wurden und die Strukturen für eine umfangreichere Datenerhebung geschaffen wurden, die es bei den Testherden von RinderAllianz und RBB ja schon gab. Nach Abschluss von KuhVision wird es von den Zuchtorganisationen als HerdScan im normalen Leistungsangebot fortgeführt.

Neue Zuchtwerte gab es über die Jahre viele:
Zuerst töchtergeprüfte anhand der Daten aus den Testherden: KalbungPlus zum Kalbeverlauf, KlauePlus für Klauengesundheit und MastitisPlus für Eutergesundheit.
Den Zuchtwert für Dermatitis Digitalis (Mortellaro).
Als großer Meilenstein die genomischen Gesundheitszuchterte.
Später zusätzlich den Zuchtwert für Kälberfitness.
Den ökonomischen Zuchtwert RZ€.
Die Überarbeitung des Gesamtzuchtwerts RZG.
Und als letzte Neuerung den Persistenzzuchtwert im April.
Die nächsten Zuchtwerte für Eignung zur ökologischen Milchproduktion (im August 2023) und für Futtereffizienz (2024) stehen in den Startlöchern. 
 
Der Anteil an hornlosen Bullen und folglich dann auch hornlosen Kälbern und Kühen hat stetig zugenommen. Vor zehn Jahren gab es einige heterozygote (Pp) Bullen, die aber von den Zuchtwerten nicht mithalten konnten, aber im Laufe der Zeit aufgeschlossen haben. Dann gab es die ersten homozygoten (PP) Bullen, die auch wieder einen Rückstand hatten. Über die Jahre ist der Anteil und das genetische Niveau der hornlosen Bullen immer weiter angestiegen. Von den Zuchtwerten ist mittlerweile kein Unterschied mehr zu den gehörnten Bullen. Die homozgoten werden inzwischen deutlich häufiger eingesetzt, weil sie zu 100 % hornlose Kälber machen. Der Anteil der Besamungen mit honlosen Bullen dürfte bei an die 40 % liegen (Rotbunt deutlich mehr).

Mastanpaarungen mit Fleischrinder haben zugenommen, ist aber genuso wie gesextes Sperma im einstelligen Prozent-Bereich geblieben.
A2A2 als Kasein-Haplotyp ist eine Nische geblieben.
Dominant Rotbunt (VRC) war nur eine Episode.
 
Benjamin

1433

Mittwoch, 12. April 2023

RZPersistenz

Bei der Zuchtwertschätzung letzte Woche wurden einige neue Merkmale/Zuchtwerte eingeführt bzw. erstmals veröffentlicht. 
Auf der einen Seite drei neue Exterieurmerkmale: Rippenstruktur, Vorderbeinstellung und Euterbalance sowie auf der anderen Seite der RZPersistenz. 
Die Rippenstruktur ist Nachfolger des Milchcharakters. Milchcharakter beschrieb die Ausprägung des Widerrists, ob spitz nach oben oder rund und breit. Die Rippenstruktur beschreibt jetzt die Rippen ob flach oder gewölbt. Für mich ist das beides tief im 19. Jahrhundert als man anhand von Körpermerkmalen die Leistungsfähigkeit von Kühen ableiten wollte und das hat meiner Meinung nach nichts in der modernen Zucht verloren!
Vorderbeinstellung ist die Ausrichtung der Vorderbeine zueinander, ob parallel oder X-beinig.
Euterbalance ist für mich mal ein sinnvolles Exterieurmerkmal, es beschreibt die Ausrichtung des Euterbodens. Ideal ist parallel zum Boden, dann gibt es bei größeren Hintervierteln von vorne nach hinten abfallend und bei größeren Vordervierteln von vorne nach hinten ansteigend. Und diese Kühe machen in ihrer starken Ausprägung in Verbindung mit hohen Hintereutern und starken Zentralbändern vor allem bei Jungkühen in Side-by-Side-Melkständen und Außenmelkerkarussellen bei der Melkbarkeit Probleme. Beim PR3100HD ohne jede Möglichkeit der Melkzeugpositionierung neigen dann die hinteren Zitzenbecher zum Abfallen.

An den RZPersistenz habe ich hohe Erwartungen. RZ heißt Relativzuchtwert, Persistenz ist das Vermögen der Kuh die Milchleistung lange aufrechtzuerhalten. Mit niedriger Persistenz fällt die Milchleistung schnell ab, mit hoher bleibt sie lange hoch. Mein Paradebeispiel ist da natürlich Gabi die eine so gute Persistenz hatte dass sie auf über 1.100 Melktage kam (siehe Post vom 07.02.2018). 
Und genau das ist der riesige Vorteil einer guten Persistenz: Wenn die Kuh lange viel Milch gibt muss sie nicht wieder so schnell kalben um die Milchleistung wieder auf ein hohes Niveau zu heben. Also ganz im Sinne der verlängerten Laktation.
Wie ich mich mit dem Thema Ende 2016 erstmals intensiver auseinander setzte las ich einiges an Literatur aus den 1990ern/frühen 2000ern und da wurden eigentlich zwei Faktoren für eine gute Persistenz genannt: Einsatz vom BST - also Wachstumshormon - was in Europa ja eh ausscheidet und dreimaliges Melken, was wir auch nicht haben, aber theoretisch möglich ist.
Ich habe dann auf die Variante gesetzt kuhindividuell die freiwillige Wartezeit leistungsabhängig anzupassen, um bei Kühen mit hoher Persistenz die Laktation auszudehnen und solche mit niedriger Persistenz rechzeitig tragend zu bekommen.
Die Zucht auf Persistenz ist jetzt eine Möglichkeit den Kühen eine höhere Persistenz zu geben und die Laktation weiter verlängern zu können.

Züchterisch wird die Milchleistung, Fett- und Eiweißleistung vom 305. - 400. Laktationstag beachtet was beim Milchzuchtwert nicht der Fall ist. Dort geht es nur bis zum 305. Tag, als dem lange etablierten Vergleichsmaß für die Jahresleistung. Der RZPersistenz unterscheidet dann überspitzt gesagt ob die Kuh nach 305 Tagen weitermarschiert oder sich bald selbst trockenstellt.
 
Video des VIT zum RZPersistenz: https://www.youtube.com/watch?v=gOHboFbiQyk

Benjamin

1408

Sonntag, 9. April 2023

ZWS 2304

Am Dienstag gab es die aktuelle Zuchtwertschätzung für die Holsteins. Die wird im April, August und Dezember jeweils am 1. Dienstag des Monats veröffentlicht. Im April gibt es immer die Basisanpassung dazu, um den jährlichen Zuchtfortschritt einzuberechnen. Die Zuchtwerte beziehen sich immer auf das Populationsmittel, das gleich 100 gesetzt ist. Da fließen nicht alle Kühe ein sondern die drei Jahrgänge die ungefähr der 2. bis 4. Laktation entsprechen und um die 60% aller Kühe ausmachen. So hat man keine Ausreißer dabei, so sind die 100.000 Liter-Kühe mit ihrer Leistung und Langlebigkeit ja leider nicht repräsentativ für die Population. Die Basis bilden jetzt die Geburtsjahrgänge 2017 bis 2019.
Was man so zu lesen bekam war natürlich über die neuen/alten Spitzenbullen, über die Basisabschreibung selber kaum was. Außer dass sie bei den schwarzbunten Holsteins - 4,9 Punkte im RZG betrug und bei den Rotbunten - 4,1. Das rührt daher dass die Rotbunten nur ein Neuntel der Tierzahl haben und so die Selektionsintensität für die Auswahl der allerbesten Bullenmütter und -väter geringer ausfällt und damit auch der Zuchtfortschritt.

Einem Trick habe ich mich dann bedient um die Abschreibungen der einzelnen Teilzuchtwerte grob zu ermitteln. (siehe Übersicht unten) Natürlich habe ich mir die Zuchtwertentwicklung von Hype (siehe Post vom 09.08.2017) angeschaut. Ich war erstaunt dass er noch mal um über 300 Töchter in der MLP zugelegt hat und auch von vielen Betrieben die bisher noch gar keine Hype-Töchter hatten. Ihn führe ich schon länger als in der Zucht "durch": Im Mai 2016 geboren, war er im August 2017 als neuer genomischer Testbulle abei und ging im September 2017 in den Ersteinsatz.Von Sommer 2018 bis Anfang 2020 wurden (zumindest bei uns) die Töchter geboren. Im Dezember 2020 bekam er seine erste Zuchtwertschätzung als töchtergrprüfter Bulle. Seine Töchter sind jetzt in der 2. und 3. Laktation und die ersten seiner Enkelinnen in der 1. Laktation.
Von 3.900 auf 4.200 Töchtern ergeben sich keine großen Änderungen mehr in den Zuchtwerten, allenfalls beim machen Teilzuchtwerten eine um 1 oder. 2 % höhere Sicherheit. Nach seiner mittlerweile achten Zuchtwertschätzung als töchtergeprüfter Bulle kann man die Zuchtwertänderungen also weitgehend der Basisanpassung zuschreiben.
 

 


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Das ist seine aktuelle Bullenkarte beim VIT, beim Schreiben des Posts Stand ZWS 2304: 
 
Benjamin
 
 
1407

Montag, 16. Mai 2022

Umfrage zum RZRobot

Vor 7 Jahren, zur Zuchtwertschätzung Dezember 2014 (ZWS 1412) führte der Deutsche Holstein-Verband (DHV) als Dachorganisation der Holsteinzucht in Deutschland den RZRobot ein. Der Relativzuchtwert Robotereignung berechnet für Besamungsbullen die Tauglichkeit der Töchter für automatische Melksysteme.

Melkroboter gibt es nun seit 30 Jahren und haben sich in der Landwirtschaft etabliert Wieviel Prozent der Kühe mit Robotern gemolken werden weiß ich nicht, aber seit vielen Jahren werden mehr Melkanlagen mit Roboter als mit konventionellen Melksystemen gebaut (Anzahl, nicht Kapazität). Und wie der Umstieg von Handmelken auf Melkmaschinen neue Anforderungen an die ideale Kuh stellte so sind es beim Melkroboter wieder andere. Dies ist vor allem das Ansetzen der Zitzenbecher, denn der Melker ist da bei der Erkennung und Korrekturbewegungen extrem leistungsstark.
Damals war ich aber schon der Auffassung dass Melkroboter nicht nur die Zukunft sein werden sondern auch robotertaugliche Kühe im Melkstand leichter zu melken sind. Mein Maßstab ist da das Euter bei dem man die Zitzenbecher blind ansetzen kann weil sich die Zitzen dort befinden wo man sie erwartet.

Den Weg andersrum kann man auch gehen, als Beispiel das Milchgut Görlsdorf die für ihr Melkkarussell jahrzehntelang leicht melkbare Kühe gezüchtet haben und davon extrem beim Umstieg auf das Roboterkarussell profitierten (siehe auch Post vom 04.06.2018).

So ist der RZRobot aus Einzelzuchtwerten zusammengesetzt:






 
 
 
 
 
 
Melkbarkeit (RZD) ist der Milchfluss pro Minute, denn wenn die Kühe schneller Melken kann der Roboter am Tag mehr Kühe bedienen.
Fundament ist der Exterieurkomplex als Hilfsmerkmal wie gut die Kühe zu Fuß sind, denn sie müssen ja selbstständig zum Melken laufen und werden nicht abgeholt.
 
Jetzt will der BRS (Bundesverband Rind und Schwein, in dem der DHV aufgegangen ist) den RZRobot überarbeiten und macht hierfür eine Umfrage unter Landwirten mit Melkroboter bzw. Perspektive auf Melkroboter.


Meine Hauptverbesserungsvorschläge sind die Exterieurmerkmale Fundament und Euter durch die zeitgemäßen und genaueren Gesundheitszuwerte RZKlaue und RZEuterfit zu ersetzen und die Mindestanforderung von 100 Punkten RZRobot für die Veröffentlichung aufzuheben. Denn "ohne RZRobot" ist eine große Masse an Bullen von RZRobot 70 bis 99 und einer mit 98 oder 99 käme schon in Frage wenn er andere Stärken hat.

Benjamin

Mittwoch, 13. April 2022

ZWS 2204

ZWS 2204 ist die Abkürzung für Zuchtwertschätzung April 2022, die letzte Woche veröffentlicht wurde. Intern beim VIT glaube ich ist die Zuchtwertschätzung tagesaktuell, für die große Öffentlichkeit gibt es im April, August und Dezember die Veröffentlichungen an denen sich das Spermaangebot der Zuchtorganisationen dann ausrichtet.

Es war jetzt die fünfte bei der Hype (siehe auch Posts vom 08.08.2016 und 09.08.2017) als töchtergeprüfter Bulle (siehe auch Post vom 03.12.2020) dabei war mit inzwischen über 3.000 Töchtern! Davon sind bis auf 16 alle aus Deutschland. Und für die Exterieureinstufung fast 1.000 Töchter, ausschließlich aus Deutschland. 
Entsprechend sind auch die Sicherheiten der Schätzung det einzelnen Zuchtwerte fast alle auf über 90 % gestiegen.
In der Spalte der Milchzuchtwerte rechts unter PM (Probemelken = Milchleistungsprüfung) sieht man, dass jetzt auch schon welche in der 2. Laktation sind. 
 
Unter den neuen Bullen habe ich natürlich auch geschaut was es da Interessantes gibt. Bei RZ€ > 2.000 (für Wirtschaftlichkeit), hornlos (um sich mittelfristig das Enthornen zu sparen), mittlere Größe und positiver BCS (um im Typ gegenzusteuern) blieben nicht viele übrig. Dabei ist mir Star P wegen seines Züchters ins Auge gesprungen: Die Diehl GbR aus Erzenhausen. Ist quasi in meiner alten Heimat und einer der besten Betriebe in Rheinland-Pfalz:
 
Benjamin

Donnerstag, 10. März 2022

Generationsintervall

Zuchtfortschritt gibt es mit jeder Generation wenn die Gene neu gewürfelt werden; mit der Vorraussetzung, dass die Eltern besser sind als der Populationsdurchschnitt.
Mit dem Generationsintervall kommt noch eine zeitliche Komponente hinzu, wie oft Zuchtfortschritt stattfindet.

In den Zuchtfortschritt fließt die Abweichung der Eltern zum Populationsmittel ein, z.B. die Milchzuchtwerte + 725 kg, + 1283 kg usw. 
Das wir mit der Selektionsintensität verrechnet, das ist der Anteil der Tiere die für die Erstellung der nächsten Generation eingesetzt werden. Umso höher desto niedriger ist der Anteil an der Population und so gentisch besser können die Tiere sein wenn man immer die besten "von der Spitze her" nimmt.
Über die Standardnormalverteilung werden da die Zuchtwerte berechnet, an denen man sie htzum wieviel besten Teil der Population diese Weret gehören. Hier habe ich grob die Relativzuchtwerte (RZ, z.B. Milch, Nutzungsdauer usw., die berechnen sich statistisch alle gleich). Die erste Zahl ist der Mindestzuchtwert den das Tier erreichen müsste, die zweite der durchschnittliche über alle selektierten Tiere.

Kühe/Färsen: 100 % alle Tiere werden für die Remontierung eingesetzt; RZ 0 / RZ 100
Kühe/Färsen: 25 % besten Tiere mit gesextem Sperma; RZ 108 /  RZ 114
Kühe/Färsen: 5 % besten Tiere über Embryotransfer; RZ 120 / RZ 124

Bullen: 1 % besten Tiere als Deckbullen; RZ 128 / RZ 131
Bullen: 0,1 % besten Tiere als Besamungsbullen; RZ 137 / RZ 139
Bullen: 0,01 % besten Tiere als Besamungsbulle; RZ 145 / RZ 147

Mit Relativzuchtwerten bis über 160 die es bei den Bullen gibt sieht man wie stark die Selektion ist, das sind dann von den Millionen Holsteins weltweit die Allerbesten.
 
Dann fließt die Sicherheit der Zuchtwertschätzung mit ein. Bei der genomischen Zuchtwertschätzung die einzig auf dem Genom der Tiere beruht liegt die Sicheheit im Schnitt bei knapp über 70 %, bei den Einzelmerkmalen von unter 40 bis 80 %.

Als Beispiel der Bulle Canitz, den wir im Testherdenprogramm aktuell im Einsatz haben:
Und zum Vergleich Laudan mit Sicherheiten in allen Zuchtwerten von durchgehend 99 %. Da stehen aber auch über 80.000 Töchter dahinter, die mit der Töchterzuchtwertschätzung eingeflossen sind.   

Das Generationsintervall ist das durchschnittliche Alter der Eltern bei der Geburt der nächsten Generation. Es kommt dann dazu, wie lange es dauert bis der Zuchtfortschritt umgesetzt werden kann. 
Am Beispiel hätte Canitz jetzt versamt einen Milchzuchtwert von + 1804 kg mal 73 % Sicherheit durch 1,92 Jahre Generationsintervall (Kalb am 13.12.2022 geboren). Wären 686 kg/Jahr Zuchtfortschritt von ihm, davon fließt aber nur die Hälfte ein, weil die Mutter die andere Hälfte beisteuert.
Für Laudan wären es + 46 kg mal 99 % Sicherheit durch 24,17 Jahre Generationsintervall = 2 kg/Jahr. Dabei ist aber zu bedenken, das da 24 Jahre Zuchtfortschritt der gesamten Population dazwischen liegen, mittlerweile sind unsere Kälber meistens seine Ururenkelinnen, da hat nicht nur einmal sondern schon viermals Zuchtfortschritt stattgefunden.

Das Generationsintervall fließt wieder von beiden Seiten, Mutter wie Vater ein und das unterscheidet sich schon stark.
 
Allgemein zu den Bullen, auch als Kuhväter
Die allermeisten Bullen (80 - 85 %) sind die genomisch getesteten Jungbullen, die mit etwas über einem Jahr in den Ersteinsatz gehen und dann ein bis zwei Jahren lang eingesetzt werden. Bei der Geburt der Kälber sind sie dann knapp zwei bis vier Jahre alt.
Bei den töchtergeprüften Bullen dauert es deutlich länger bis sie in den breiten Wiedereinsatz kommen. Etwas über ein Jahr in den Testeinsatz, neun Monate Tragezeit der Kälber, dann zwei Jahre Erstabkalbealter der Töchter bis sie Milch geben und man überhaupt eine vererbbare Milchleistung des Bullen kennt. Bis genügend Töchter abgekalbt haben und drei Monate in Milch sind für eine sichere Zuchtwertschätzung ist der Bulle inzwischen gut vier Jahre alt. Im Wiedereinsatz sind es noch mal neun Monate bis zu Geburt der Kälber und dann noch eine Zeit lang in der Besamung verwendet sind es so um die 6 Jahre Generationsintervall.

Bei den Bullenvätern ist es noch eine krassere Verkürzung. Früher waren die Bullenväter nicht die allerneusten töchtergeprüften Bullen sondern welche die schon einige Töchter mehr hatten. Sieht man schön in den Stammbäumen, da ist in den Bullenlinien meist ein 7-Jahre-Takt drin gewesen. Heute wird das erste verfügbare Sperma der Jungbullen für die allerhöchsten Anpaarungen verwendet wie im Embryotransfer. Da ist das Generationsintervall unter zwei Jahren.

Bei den Bullenmütter hat es sich auch stark verkürzt, waren es früher die besten Kühe, die sich meist über zwei Laktationen bewährt hatten und dann nach dem dritten Kalb in den Embryotransfer gingen. Bis diese Kälber von den Trägertieren dann ausgetragen, so waren sie 5 bis 6 Jahre alt.
Heute sind die Bullenmütter fast ausnahmslos Färsen mit hohen Zuchtwerten und da ist das Generationsontervall um und auch deutlich unter zwei Jahren.

Bei den Kuhmüttern hängt es von der Kalbenummer ab. Von einer Färse ist es das Erstkalbealter, um die zwei Jahre. Bei einer Zweitkalbskuh meist etwas über drei, beim dritten Kalb Richtung viereinhalb usw. Da gibt es mit die größten Einflussfaktoren, wie z.B. gesextes Sperma bei Färsen einzusetzen oder aber auch bei Kühen oder die Nutzungsdauer auf dem Betrieb was die Anteile der Kalbenummern schon stark verschieben kann.

Mit der genomischen Zuchtwertschätzung hat sich das Generationsintervall auf der Bullenseite (Bullenväter, Bullenmütter) stark reduziert und dadurch ist der Zuchtfortschritt angestiegen. Da haben alle Zuchtwerte 2010 einen Knick nach oben gemacht.

Benjamin