Dienstag, 28. Juli 2020

Neumühle 1/2020 - Teil 3

Was es im ersten Halbjahr 2020 im Kuhstall vom Hofgut Neumühle noch an Neuigkeiten gab.
Die Besamungsfärsen und Kühe sind jetzt mit Smartbow (-> Link) als Sensorsystem zur Brunst- und Gesundheitsüberwachung ausgestattet. Bisher war es Heatime gewesen von dem manche Kühe noch das Halsband umhaben und zwischenzeitlich auch die Vorserienmodelle von InnoCow (siehe auch Post vom 10.04.2019).
Smartbow ist eine Firma aus Österreich, die vor einiger Zeit von Zoetis übernommen wurde, die verstärkt in anderen Bereiche der Tiergesundheit expandieren. Weg vom reinen Pharmageschäft hin zu Sachen wie Gesundheitszuchtwerte oder auch Gesundheitsüberwachung.
Smartbow sind Senosoren als Ohrmarke, ca. 5 x 3 cm groß. Am Ohr befestigt ermöglicht es die Aktivtitätsüberwachung genauso wie am Halsband oder am Fuß. Und auch das Wiederkauen kann so gemessen werden: Kaut die Kuh wieder wackeln dabei die Ohren in einem sehr gleichmäßigen Rhythmus, den das System erkennen kann.
Es gab auch mal die Variante Eartag Life, dafür gab es auf der EuroTier 2016 eine Goldmedaille. Das war eine normale Ohrmarke als Tierkennzeichnung in die der Sensor integriert war. Seitdem habe ich aber nichts mehr davon gehört, wurde scheinbar nicht zu Serienreife fertigentwickelt.
So sieht die Sensorohrmarke aus: 



















Und hier bei Matilda im rechten Ohr (ganz schön voll). Die Sensoren sind immer am oberen Ohrrand nach unten gerichtet eingezogen:




















Zweite große Neuerung ist eine Fahrzeugwaage, und zwar eine LKW-Waage MOBIL von Kilomatic (-> Link). 
Bisher gabe es drei Fahrzeugwaagen auf Neumühle: Vor dem Getreidespeicher, in der Scheune vom Bullenstall und in Verängerung des Futtertischs im Schafstall (alter Kuhstall), unter der ich damals als Praktikant sauber gemacht habe. Aber alle drei nur für einen einzelnen Anhänger geeignet. Dagegen ist die neue Waage für einen ganzen Zug geeignet.
Prinzipiell ist die mobil und kann in Einzelteile zerlegt transportiert werden. Es scheint jedoch eine feste Installation werden, denn einerseits ist sie festgeschraubt und dann wird noch eine Umfahrung links auf dem Grünstreifen gebaut. Wahrscheinlich eine einfachere Lösung als eine ebenerdige Waage mit Fundamenten:

Benjamin



Sonntag, 26. Juli 2020

Neumühle 1/2020 - Teil 2

Zu Braunies Familie, die ist wieder gewachsen, auf nun drei Tiere.
Ihre Enkelin Mai hat am 10. Juli zum vierten Mal gekalbt und befand sich am 12. Juli als ich zu Besuch war noch in der Abkalbebox:




















Leistungsmäßig zeigt sie weiterhin was genetisch in den Holsteins steck, wenn man sie das nur durch gute Fütterung und Haltung ausschöpfen lässt.
In der dritten Laktation gab sie in 399 Tagen 16.537 kg Milch mit 4,62 % Fett und 3,59 % Eiweiß, das sind energiekorrigiert 17.924 kg ECM. Pro Tag sind das 44,9 kg, etwas weniger als in der 2. Laktation, da waren es 45,8 kg,
Ihre 305-Tage-Leistung lag bei 13.383 kg mit 4,46 % Fett und 3,48 % Eiweiß, energiekorrigiert 14.164 kg ECM. Und 1063 Fett-Eiweiß-Kilo.
Die 100-Tage-Leistung waren 5.056 kg mit 4,28 % Fett und 3,12 % Eiweiß, sind 5.129 kg ECM.

Bei der letzten Milchkontrolle vor dem Trockenstellen gab sie 33 kg mit 5,76 % Fett und 3,93 % Eiweiß. Und bei der letzten Wiegung wog sie 761 kg.

Nach drei Laktationen kommt sie auf eine Lebensleistung von 45.746 kg mit 4,52 % Fett und 3,55 % Eiweiß. Das sind 22,1 kg Lebenstagsleistung und 33,8 kg Futtertagsleistung seit der ersten Kalbung; wegen ihrer hohen Inhaltsstoffe nochmal energiekorrigiert 23,6 kg LTL und 36,1 kg FTL.

Ihre Tochter Matilda ist mittlerweile 15 Monate alt und in der Besamungsgruppe der Färsen:



















Das vierte Kalb von Mai war nach Matilda ihr zweites Kuhkalb und hat bisher keinen Namen, nur schon die Stallnummer 2044 zugteilt bekommen. Den Vater habe ich auch nicht nachgeschaut...
Aber im Computer stand bei Mai unter Kalbungen der Kommentar zu Erstversorgung: 3 Liter Kolostrum alleine gesoffen und dann noch 1 Liter gedrencht. Denn auch hier gilt wieder einer meiner Lieblingssprüche: Nur was man dokumentiert kann man auch managen.
Wie Braunie eine kleine Blesse auf der Stirn:




















Die Zuchtkälber bekommen nur noch eine Ohrmarke und ins andere Ohr ein Transponder, auf dem auch die Lebendohrmarkennummer steht und abgespeichert ist. 
Das ist mittlerweile auch in Rheinland-Pfalz erlaubt eine der Ohrmarken durch eine Transponder zu ersetzen. Und auch nur noch der Knopf, vergleichbar mit den Transponderohrmarken für die Tiererkennung am Melkkarussell (siehe Post vom 07.05.2015), während in Niedersachsen die Rückseite der männliche Teil der normalen Ohrmarke ist (siehe Post vom 16.06.2019) und in Luxemburg der Transponder in die normale Ohrmarke integriert (siehe Post vom 13.07.2019).

Fortsetzung folgt!

Benjamin

Freitag, 24. Juli 2020

Neumühle 1/2020 - Teil 1

In meinem Urlaub war ich natürlich auch wieder auf meinem Stammbetrieb Hofgut Neumühle. Nach sechseinhalb Monaten wieder, eine solch lange Pause hatte es in den letzten 13 Jahren noch nicht gegeben.
Vorher hatte ich extra noch mal angerufen, ob ich überhaupt kommen darf. Das wurde auf dem kurzen Dienstweg geklärt. Mit der Kuhlänge Abstand klappt der Seuchenschutz bei uns Bauern ja gut (vgl. Post vom 08.05.2020). 
Die Coronazeit haben sie bisher gut überstanden, die Mannschaft wurde zur Sicherheit in feste Teams ohne Kontakt zueinander unterteilt. Der überbetriebliche Ausbildungsbetrieb ruht noch bis Ende Juli.

Es gab so viele Veränderungen, dass ich nicht alle komplett nachvollzogen habe. Zudem blieb nicht so viel Zeit zum Quatschen weil der leitende Ingenieur im Kuhstall zeitig fertig werden wollte, denn bei ihm daheim stand das Mähen der Triticale an. Er macht privat halt noch so 150 ha Ackerbau im Nebenerwerb.
Jetzt im Nachgang habe ich meine ganzen Fotos durchgeschaut und mir für den nächsten Besuch halbwegs eine Liste gemacht, bei was ich alles nachfragen will.

Die Braunviecher sind jetzt Kühe. Bin etwas verspätet angekommen, weil ich wegen der gesperrten Autobahnabfahrt einen Umweg fahren musste. Und wie ich in den Melkstand komme kucken auf der anderen Seite aus dem Vorwartehof die beiden Braunvieh rein (siehe auch Post vom 10.04.2019). 
Beim Melken sind sie mir nicht direkt aufgefallen, beim Side-by-Side sieht man nur die Beine und die sind genau wie bei den Holsteins weiß. Aber ich dachte mir noch, dass die beiden letzten Kühe der Reihe von der Form her schlecht melkbare Euter haben. Wie die dann rausgelaufen sind habe ich erst gesehen, dass es die Braunvieh waren.
Frage an die Kuhblogleser die einen besseren Vergleich zwischen Holstein und Braunvieh haben: Sind die Braunvieh da von den Eutern im Schnitt schlechter? Die Fleckvieh sind ja berüchtigt dafür, da weiß ich von einem Betrieb, der seinen Melkroboter (Lely Astronaut A3) wieder rausgeworfen hat, weil das gar nicht ging.
Sie haben die Stallnummern 1700 (Martina, auf dem Foto) und 1800 (Pamela) bekommen. Das Zählsystem für die Stallnummer auf Neumühle ist das recht weit verbreitete mit den ersten beiden Ziffern für das Geburtsjahr und die beiden letzten die fortlaufende Nummer für die Zuchtkälber. (z.B. Leonie 402 = 2. in 2004, Braunie 740 = 40. in 2007, Lara 922 = 22. in 2009 usw.)
Als Zukaufstiere mussten die beiden irgendwie noch einsortiert werden, daher wurde aus November 2017 1700 und Januar 2018 1800.
Vielleicht sah man es wegen der Farbe nur so gut: Der Buddy-Effekt. Sie standen beide zusammen im Vorwartehof, nebeneinander im Melkstand und dann auch wieder zusammen im Stall. Bloß auf dem Foto waren sie nicht gemeinsam am Fressen.

Fortsetzung folgt!

Benjamin


Dienstag, 21. Juli 2020

In Eifel und Hunsrück

Mitte Juli fand meine Tour durch Rheinland-Pfalz zu einer sehenswerten Jahreszeit statt. In Rheinhessen war schon der Großteil der Wintergerste geerntet, auf den Höhen von Hunsrück und Eifel dagegen braucht der Weizen noch bis mindestens Mitte August.

Das Hauptziel war ein Besuch bei Florian in Prüm. Im Studium war er mein Sitznachbar gewesen - wir hatten damals eine recht strenge Sitzordnung in unseren Vorlesungsräumen. Nach dem Studium hatte ich ihn letztmals im Sommer 2014 getroffen (siehe Post vom 15.07.2014) und jetzt nach fast genau sechs Jahren wieder; eine viel zu lange Zeit!
Was er so aus der Eifel erzählt hat: Im Eifelkreis Bitburg-Prüm, der Milchviehhochburg in Rheinland-Pfalz ist der Stallbaumboom wie auch anderswo in Deutschland rum. Die allermeisten der Stallbauprojekte als nach dem Ende der Milchquote der jahrzehntelang Investitionsstau abgebaut wurde sind abgeschlossen. Jetzt gibt es schon einige Betriebe zwischen 300 und 500 Kühen, die aber nicht mehr weiter wachsen dürften, da die Flächenkonkurrenz extrem hoch wäre. Das sind auch hochspezialisierte Milchviehbetriebe mit hohem Viehbesatz, sind bei uns in Brandenburg 0,5 - 1,0 Großvieheinheiten (GV) pro Hektar üblich sind es in Rheinland-Pfalz eher 1,0 und bei diesen Betrieben eher 2,0, teilweise auch etwas darüber. Das sind grob gesagt Betriebe mit mehr Kühen als Hektar. Da wird dann ausschließlich Futter angebaut, keine Marktfrüchte für den Verkauf. 
Von seiner Arbeit als Berater hat er nach Jahren die Erfahrung gemacht, dass extensives Grünland nicht funktioniert weil es zum Verbuschen neigt. Die Betriebe die sich bei der Grünlandbewirtschaftung Mühe geben, auf den pH-Wert achten (also Kalkung), bei der Düngung auch die Spurennährstoffe, Striegeln und Nachsäen würden alle Schnitte mit hohen Energiegehalten ernten. Nur die Quantität hängt vom verfügbaren Wasser ab. Bei der Sortenzusammensetzung der Grassamenmischungen empfiehlt er hauptsächlich später Sorten, weil die frühen zu schnell überständig werden.

Auf dem Rückweg bin noch bei Johannes in Kappel vorbei, das liegt auf dem Weg. Das war was besonderes, denn bisher hatte ich ihn immer in den Sommern der ungeraden Jahre besucht. (Dazu im Kuhblog Posts vom 20.08.2013, 06.07.2015, 17.07.2017, 20.07.2019)
Hatten es über die Entwicklung der Biogasanlage über die Jahre hinweg und wann was auf dem Hof gebaut/umgebaut wurde, denn die letzten zehm Jahre ist kein Jahr ohne Baustelle vergangen. Aktuell ist eine Erweiterung des Wohnhauses dran, wo wir im künftigen Wohnzimmer saßen.
Letztes Jahr hatten wir es schon über die künftige Sämaschine. Da wurde ein Case-IH Optum 300 angeschafft und für den soll auch eine neue Drillmaschine gekauft werden. Aktuell sind das zwei 3m-Kreiseleggenkombinationen von Amazone. 
Zunächst war der Favorit eine angebaute 5m-Kombination aus Lemken Zirkon 12/500 K und Solitair 9/500 K. Als letztens eine solche beim bekannten Landmaschinenhändler verkauft wurde hat er die mal probehalber angebaut und ist auf die Waage gefahren. Mit leeren Saatgutbehälter und 1,5 t Frontballast war der Optum schon bei 18,2 t; 18 t ist glaube die zulässige Gesamtmasse. Mit vollem Saatgutbehälter bei Wenden am Anhang sind dann auch mal 20 t auf der Hinterachse und daher die Entscheidung zu einer angehängten Drillmaschine, dann aber mit 6 m.
Die Kombination Zirkon/Solitair gibt es auch als angebaute Variante in 6 m Arbeitsbreite. Voll wiegt die fast 7 t, da frage ich mich an welchem Traktor die gefahren werden soll, vor allem weil es die auch schon seit mindestens Mitte der 2000er gibt, wo bei 250 kW Schluss war.
Wir haben über die Alternativen bei den angehängten Sämaschinen diskutiert und waren uns bei Variante 2 einig.
1. Horsch Pronto 6 KR; das Fahrwerk ist während der Saat komplett ausgehoben; aber unwendig.
2. Lemken Zirkon 12 KA + Solitair 9/600 KA. Ist fast die gleiche Kombination wie in Boberow, da ist es aber keine Kreiselegge sondern eine schwere Kurzscheibenegge, eine Heliodor 9/600 KUA. Das Fahrwerk läuft hinter der Walze mit, bei leerem Saatgutbehälter ohne Druck, bei vollem mit ca. 2 t Last.
3. Lemken Compact-Solitair 9 KK. Die Last wird auf dem Reifenpacker über die ganze Breite verteilt und dahinter ist nochmal die eigentliche Walze. Voll fast 13 t schwer und 30.000 € teurer als Zirkon + Solitair.
Hat richtig Spaß gemacht, weil so eine Diskussion haben wir letztmals vor neuen Jahren im agrartechnischen Planungsseminar gemacht. War zwar eine sehr umfangreiche Rechnerei aber doch nicht mit so viel Praxisbezug.

Ein toller Tag, die Wiederholung merke ich mir schon mal für das nächste Jahr vor.

Benjamin
 

Mittwoch, 15. Juli 2020

Hochmoselbrücke

Langsam geht mein Urlaub zu Ende und jetzt kommen die Posts was ich so alles gemacht habe.
Erster Programmpunkt war die Tour in die Eifel und den Hunsrück zu meinen ehemaligen Studienkollegen.
Da hatte ich mich gefreut auf dem Weg endlich über die neue Hochmoselbrücke zu fahren, aber es war dann doch eine Enttäuschung.
Über die Mosel gibt es viele Dutzend Brücken, aber fast alle sind unten im Tal von Ufer zu Ufer; bis auf drei: Die A8 bei Schengen (erwähnt im Post vom 05.07.2019), die A61 bei Koblenz und jetzt die B50, mit über 150 m mit Abstand die Höchste.
Schon seit den 1970ern geplant sollte sie das Rhein-Main-Gebiet mit Lüttich verbinden. Jahrzehntelang war es im Hunsrück nur eine zweispurige Bundesstraße und man musste die Serpentinen ins Moseltal hinunter und wieder rauf fahren.
Die Hochmoselbrücke/Hochmoselübergang war dann der Plan einer Brücke über das Tal mit Anschlussstraßen, das bedeutendste Infrastrukturprojekt der 2010er in Rheinland-Pfalz. Seit der Inbetriebnahme im letzten Herbst ist bis auf so 10 km die gesamte Strecke vierspurig und man spart gut eine halbe Stunde Fahrzeit.
Für mich war die Erstbefahrung was Besonderes nach so vielen Jahren des Wartens, das wird bestimmt ähnlich sein wenn man irgendwann auf der A14 über die Elbe fahren kann.
Der gesamte neue Streckenteil ist vierspurig (gelbe Autobahn) und was besonders auffällt komplett mit Wildzäunen eingezäunt. Das wirkt schon ein wenig wie ein Tunnel.
Von der Brücke selbst bekommt man nicht so viel mit, natürlich ist sie beschildert und fällt auch auf, aber bei den Leitplanken und dem seitlichen Windschutz kann man nicht nach unten kucken und sieht von der Mosel und ihrem Tal rein gar nichts. Und der nahegelegene Parkplatz mit dem Aussichtspunkt auf die Brücke ist noch nicht fertiggestellt. Wie in Mecklenburg einfach mal anhalten um ein Foto zu machen (vgl. Post vom 31.12.2017) ging auch nicht. 
Nun hoffe ich das Foto nächstes Jahr nachliefern zu können; das haben wir nämlich so halbwegs ausgemacht, dass ich nicht noch mal sechs Jahre bis zum nächsten Besuch warten werde.

Benjamin

Sonntag, 12. Juli 2020

Unboxing

Nun bin ich endlich mal wieder auf Urlaub in der alten Heimat und ziehe im Südwesten umher. Bevor die fachlichen Posts kommen ein nicht so ganz ernst gemeinter.

Hatte eine Bestellung an Klamotten zu meinen Eltern schicken lassen, weil ich eh nicht daheim wäre wenn ein Paket gebracht wird. So kann ich es als "Rückfracht" aus dem Urlaub mitnehmen und gleich noch eine Sammelbestellung daraus machen.
Firma dürfte bekannt sein, die die halbe deutsche Landwirtschaft einkleidet. Die haben auch die Größen im Angebot die ich brauche.

Heute morgen habe ich dann ein Unboxing veranstaltet. In Zeiten von Social Media muss ich als Blogger das natürlich dokumentieren und meinen Leser zeigen. 
Also der Post ist jetzt etwas im Stil von dem über mein Arbeitsmaterial in den Taschen (siehe Post vom 23.12.2019).

Das Ganze war eine Ersatzinvestition. 

- Zweite Socken. In den Gummistiefeln habe ich Filzsohlen und immer ein zweites Paar Socken. So kann ich den ganzen Tag bequem laufen und 10 - 15 km sind kein Problem. Wenn man das gewohnt ist schwitzt man im Sommer auch nicht. Außer letztes Jahr als ich mal Treiber war mit der entsprechenden Lauferei und bei 35 Grad, da wurde es dann doch zu warm.

- Gürtel. 3 Stück für Arbeitsmontur daheim, Arbeitsmontur auswärts und Zivilkleidung. Die Strechgürtel mit Koppelschloss muss man nicht noch mit Extralöchern versehen, dass sie passen.

- 2 Paar Arbeitshandschuhe. Vor allem fürs Enthornen, Arbeitsschutz halt. Die bisherigen haben mittlerweile zu viele Löcher.

- T-Shirts für die Zivilkleidung. In schwarz, für die Arbeit sind grün. Da halte ich es wie meine Schwester: „Ich bin kein Grufti, aber Schwarz ist ein schöne Farbe.“ Dezent, lange farbecht und gibts auch in XS.

Benjamin


Montag, 6. Juli 2020

Steinfrucht mit Fell

Da hatten wir letzte Woche mal wieder was mit Seltenheitswert: Und zwar eine Steinfrucht mit Fell.
Mumien hatte ich schon mal gehabt (siehe Post vom 10.12.2013), wo ein Fetus abstirbt und nicht resorbiert oder abgestoßen wird.
Die Steinfrucht entsteht früher und ist dann undifferenziert und eigentlich nur ein Klumpen.
Das Besondere an diesem Fall ist aber die Nabelschnur und vor allem das Fell. Von der Haarlänge her ist es bis zum Schluss versorgt worden.
Es waren Zwillinge, das eine Kalb wurde ganz normal geboren und dann kam die Steinfrucht noch hinterher. 
Meine Erklärung dazu: Der eine Embryo ist bei einer Größe von vielleicht 10 cm abgestorben und wurde aber noch weiter versorgt und es wurden Gewebeschichten außenrum gebildet, inklusive Haut und Fell.
Die Natur hat immer wieder Überraschungen parat:

Benjamin

 

Donnerstag, 2. Juli 2020

Kaiserschnitt

Gestern habe ich mal wieder einen Kaiserschnitt mitgemacht, das ist zum Glück recht selten. Ich schätzte das auf eine von 1.000 bis 1.500 Kalbungen. Zusammen mit der Fetotomie (siehe auch Post vom 26.08.2019) gibt es dafür beim Melden der Kalbung den Kalbeverlauf "4 OP", was noch eine Stufe höher ist als "3 schwer".

Erstmals von einem Kaiserschnitt habe ich im Herbst 1995 mitbekommen, da hatte die Cousine meiner Mutter einen Fall. Sie waren die letzten in der Familie (glaube bis 2003) die vor mir Kühe hatten. Waren aber nur eine Handvoll und da war der Kaiserschnitt ein Jahrhundertereignis.

Für mich war es jetzt der fünfte Kaiserschnitt. 
Der vierte im November 2018 war gut ausgegangen und darüber habe ich im Kuhblog berichtet (siehe Post vom 24.11.2018). Kuh Nr. 1053 hatte einen chronischen Scheidenvorfall und konnte auf natürlichem Weg nicht kalben. 

Die drei ersten waren "Notkaiserschnitte" gewesen.
Der erste war im September 2014 bei Kuh Nr. 1048 die hochtragend an einem Leberschaden verendet ist. Die sterbende Kuh wurde aufgeschnitten um das Kalb noch zu retten. Es waren weibliche Zwillinge, eines war tot, das andere überlebte nur wenige Stunden.
Der zweite war im Februar 2016 bei Kuh 1231. Eine Para-TB-positive Kuh, tragend von Delgado, einem weißblauen Belgier. Die hatte eine Gebärmutterverdrehung, wo die Gebärmutter samt Kalb darin verdreht und der Gebärmutterhals abgeschnürt ist. War auch die erste gewesen die ich mitbekommen habe. Das Kalb mitsamt der Gebärmutter wieder richtig hinzudrehen klappte noch mit dem Gyn-Stick (-> Link), aber das Kalb war dann zu groß. Da nach drei Stunden die Kuh dermaßen abgekämpft war blieb als Ausweg nur noch sie einzuschläfern und auch da den Kaiserschnitt an der sterbenden Kuh zu machen. Es war ein großes Bullenkalb von geschätzt 55 kg (die Kälberwaage gabs noch nicht), das ich M14329 AGB Deiko nannte und sich prächtig entwickelte.
Vom dritten Kaiserschnitt kenne ich nur noch den Namen vom Kalb: Sigrun. Das war im Frühjahr 2017. Eine ziemlich kranke, aber hochtragende Kuh, wo wir nicht wussten ob sie es noch bis zur Kalbung schafft. Daher der Plan mit 270 Tragetagen einen Kaiserschnitt zu machen. Danach wurde die Kuh eingeschläfert, weil sie wahrscheinlich an den Folgen der Operation sowieso gestorben wäre. Damals hatten wir es auch über das Zunähen der toten Kuh. Weil die "offen" nicht in die Tierkörperbeseitigung darf. Denn das liefe dann unter einer Sektion im Stall und die sind nicht erlaubt, weil nur unter hygienischen Bedingungen zugelassen für die gerichtliche Verwendbarkeit der Ergebnisse. Hat zwar überhaupt keinen Zusammenhang aber der deutsche Auflagenwahn halt. Sigrun überlebt leider auch nur einen Tag.

Jetzt der fünfe Kaiserschnitt gestern bei Kuh Nr. 1314 Baleika zur zweiten Kalbung. Es war eine Zwillingsträchtigkeit, die auch per Ultraschall erkannt und in unseren Akten vermerkt worden war. Die beiden Kälber waren aber schon tot und zudem für Zwillinge recht schwer mit 36 und 35 kg. Bei der Kalbung gibt es drei Kräfte: Die Wehen der Gebärmutter, die Bauchpresse der Bauchmuskulatur und die Eigenbewegung des Kalbes. Die Eigenbewegung der Kälber fiel weg und dann gab es eine "Vorfahrtverletzung": Ein Kalb Rückwärts in Steißlage und das andere Kalb darunter in normaler Vorderendlage und steckten im Becken der Kuh fest. Es schaute nur ein Stück vom Schwanz raus. 
Unser Tierarzt ist momentan in Urlaub (in Rheinhessen!) und da rief ich den Vertretungs-TA an, der auch recht schnell vor Ort war und nach kurzer Begutachtung sich für den Kaiserschnitt entschied. Ich habe dabei den Vet-Assi gemacht.

Benjamin

Dienstag, 30. Juni 2020

Verlängerte Laktation - Teil 3

In diesem Post geht es um die Ergebnisse einer mittelgroßen Auswertung die ich gemacht habe um rückblickend Schlüsse zur verlängerten Laktation ziehen zu können.

Mit den Daten aus Herde habe ich von über 700 Kalbunegn von Mehrkalbskühen mir die vorherige Laktation angeschaut. Wann die Kuh zum ersten Mal besamt wurde, wie oft, wie die Leistung war usw. Da gibt es schon einiges her. Bisschen Rechenarbeit war es aber auch, denn da scheint irgendwo ein Fehler drin zu sein, denn die Laktationsdauer in Melktagen von der Kalbung bis zum Trockenstellen passt nie wenn man vom jeweiligen Datum ausgeht... Ob dann aber die angegebene 305-Tage-Leistung stimmt weiß ich nicht; zumindest habe ich es bei allen Kühen dann gleich berechnet.

Erstmal der Einfluss der Zwischenkalbezeit. 305-Tage-Leistung zum Vergleich der Persistenz, wie lange die Kuh ihre Leistung "hoch hält". Bei schnell wieder tragenden Kühen sollte hormonell bedingt die 305-Tage-Leistung niedriger sein. Alles ist in ECM (energiekorrigierte Milch) gerechnet um unterschiedliche Fett- und Eiweißgehalte auszugleichen.
MT ist pro Melktag, also was eine melkende Kuh zwischen Kalbung und Trockenstellen an Milch gibt; im MLP-Bericht der Melkdurchschnitt.
FT ist pro Futtertag, da ist auch die Trockenstehzeit mitgezählt, ökonomisch betrachtet was es an Milch pro Stallplatz gibt. Im MLP-Bericht der Stallschnitt.

Einmal alle Laktationen zusammen, dann für die 1. Laktation (Zwischenkalbezeit zwischen 1. und 2. Kalb), 2. Laktation und ab 3. Laktation zusammengefasst, weil es da pro Lakation dann immer weniger Kühe sind. Die Aufteilung der Klassen an Zwischenkalbezeit habe ich so gemacht, dass hinter jeder ähnlich viele Kühe stehen:


















Das Ergebnis hat mich schon erstaunt. Die 305-Tage-Leistung steigt an mit zunehmender Zwischenkalbezeit, aber die Melktags- und Futtertagsleistung sinken, wenn die Kühe später trocken gestellt werden. Maximal 380 Tage Zwischenkalbezeit, da wären wir wieder bei jedes Jahr ein Kalb. Ungeachtet der gesundheitlichen Vorteile.

Dann nach der Rastzeit unterteilt, mit wieviel Tagen nach der Kalbung die Kühe erstmals wieser besamt werden. VZ ist die Verzögerungszeit zwischen erster und erfolgreicher Besamung. BA ist der Besamungsaufwand, wieviel Spermaportionen für eine Trächtigkeit gebraucht werden. In diesem Fall nicht der Besamungsindex, weil da zählen auch die Kühe mit rein die nie trächtig werden und im Datenmaterial nicht enthalten waren. EBE ist der Erstbesamungserfolg, wie viel Prozent der Kühe mit der ersten Besamung schon tragend waren:














Das Ergebnis ist dann ein ganz anderes wie bei der Zwischenkalbezeit: Die Rastzeit hat abgesehen von den sehr langen nur einen geringen Einfluss auf die Zwischenkalbezeit. Und so gut wie gar keinen auf die Leistung. Unter 50 Tagen Rastzeit ist die Leistung schlecht oder aber bei leistungsschwachen Kühen die Fruchtbarkeit gut, dass sie schon brünstig werden. Über 100 Tage Rastzeit sind nicht von Nachteil, wobei das eher die hochleistenden Kühe gewesen sein dürfen denen ich etwas mehr Zeit gegeben habe.

Die Schlussfolgerung daraus: Sich schrittweise an die verlängerte Laktation rantasten.

Fortsetzung folgt!

Benjamin


Sonntag, 28. Juni 2020

Statistiken - Spezial

Wie schon angekündigt das Spezial zu den Statistiken über die ich noch nie was geschrieben habe.

Bisher hatte ich es bei den Statistiken nur über Leserzahlen, die beliebtesten Posts und Suchbegriffe.
Die Gesamtleserzahl beläuft sich aktuell auf knapp 244.000.
Bei den beliebtesten Posts hat sich nicht viel getan und die interessantesten Suchbegriffe schreibe ich weiterhin mit bis ich mal wieder eine längere Liste zusammen habe.

Bei den Statistiken gibt es des Weiteren eine Rubrik Zugriffsquellen mit verweisenden URLs und verweisenden Webseiten. Der Großteil macht da Google aus mit allen möglichen Länderversionen. Dann der Kuhblog selbst mit den Verlinkungen zwischen den Posts. Agrartechnik-im-Einsatz und Facebook ebenfalls durch Verlinkungen. Google Plus seinerzeit war nur ganz selten vertreten. Unter dem ganzen Rest fällt ab und zu eine Abmahnfirma negativ auf, die systematisch das Internet nach Plagiaten durchforscht, ein recht unseriöses Geschäftsmodell...

Und dann die Rubrik Publikum. Einmal die Herkunftsländer der Leser. Die häufigsten sind Deutschland, Italien, USA, Russland und Österreich. Das hat sich in den Jahren stark gewandelt. Anfangs waren die USA und Russland auf den Plätzen zwei und drei. 2014 und 2015 während dem Höhepunkt der Ukraine-Krise merkte man was im Internet los war und die Zugriffe aus der Ukraine kamen zwischenzeitlich bis auf den zweiten Platz und ist heute noch in der "ewigen Statistik" auf Platz zehn.
Italien hat in den letzten beiden Jahren kräftig zugelegt und sich bis auf den zweiten Platz vorgeschoben.

Bei den Zugriffen nach Browser und Betriebssystem sieht man im Verlauf der Jahre vor allem die Verschiebung von PCs zu Smartphones. 
Die häufigsten Browser sind Firefox, Chrome, Safari und Internet Explorer. Der Internet Explorer war 2013 noch mit Abstand der häufigste Browser und liegt seit längerer Zeit bei konstanten 6 %.
Nacn Betriebssystem sind die häufigsten Windows, Android und iPhone, die anderen haben nur marginale Anteile. Windows ist nach wie vor mit 60 % das häufigste Betriebssystem, aber die Smartphones haben über die Jahre kontinuierlich dazugewonnen.

Das war jetzt größtenteils aus der Erinnerung geschrieben, denn die Statistiken in den einzelnen Bereichen lassen sich in den Kategorien Heute, Woche, Monat und Gesamte Zeit anzeigen. Wobei halt die gesamte Zeit der Durchschnitt der sieben Jahre ist, aber rückblickend erkennt man da schon so manche Entwicklung.

Damit genug Data-Mining im Kuhblog, jetzt geht es wieder mit Kuhbezug weiter.

Benjamin

Freitag, 26. Juni 2020

7 Jahre Kuhblog

Wie die Zeit vergeht! Heute wird der Kuhblog sieben Jahre alt.
Wie und wo ich den allerersten Post (siehe hier) des Kuhblogs geschrieben habe daran kann ich mich noch ganz genau erinnern. Es war an einem Mittwochmorgen und samstags dann ging es in den Nordosten.
Im Gegensatz dazu kann ich mich bei den allermeisten anderen Posts so gut wie gar nicht an das wie sondern an das wann erinnern. Und vor allem die Fotos. Das sind mittlerweile an die 1.900 Stück und oft ist der Gedanke "Da hattest Du doch schon mal ein Foto dazu". Die Treffergenauigkeit der Erinnerung ist meist auf den Monat genau.
Wie im ersten Post geschrieben war mein Bruder im Sommer 2012 für drei Monate auf einem Milchviehbetrieb in Ostontario gewesen. Da war vorher das Interesse des Umfelds an Berichten so groß, sodass er die Idee für den Blog hatte. Aus heutiger Sicht recht unscheinbar und rudimentär aber interessant alle paar Tage mitzulesen.
Als ich ein Jahr später nach Brandenburg ging war die Situation ähnlich, aus rheinhessischer Sicht war da der Unterschied zu Ontario nicht allzu groß...
Der Schwerpunkt hat sich über die Jahre aber hin zu den Kuhthemen verlagert, da habe ich zwischen den Agrarbloggern meine Nische gefunden.

Im nächsten Post gibt es mal wieder Statistiken, aber keine aktuellen sondern die bisher unveröffentlichten.

Benjamin

Montag, 22. Juni 2020

Krummer Fuß

Fehlbildungen bei Kälbern kommen ab und zu vor.
Recht "häufig" ist die Verkürzung der Beugesehnen an den Vorderklauen, wo das Kalb die Beine nicht ganz durchstrecken kann und wackelig auf den Klauenspitzen steht. Das kriegt man aber mit Streckübungen meistens wieder hin.
Dann gibt es auch Stummelschwänze oder einen ganz fehlenden Schwanz wie damals bei Michi (siehe Post vom 14.10.2013). 
Glaube zweimal hatte ich schon ein Kalb mit offener Bauchdecke und Uwe hatte schon mal ein Kalb mit insgesamt acht Beinen. Die waren zum Glück aber allesamt tot gewesen und mussten nicht leiden.

Am Samstag gab es nun ein ziemlich missgebildetes Kalb, das zwar lebte, aber nicht lebensfähig war. Im Maul hatte es eine doppelte Gaumenspalte, sodass es nicht saufen konnte und die beiden Hinterfüße waren total verformt (siehe auf dem Foto). Beim linken Fuß war der Mittelfußknochen um 90 Grad nach außen gedreht und der rechte Fuß war vom Fersengelenk in eine total falsche Richtung gewachsen, sodass der nicht seitlich am Bauch lag sondern hinten quer. Trotz dem Bein das sich nicht richtig strecken ließ wurde es ohne Probleme geboren.
Bei einem Kalb das weder saufen noch aufstehen kann ist die Prognose gleich null und des musste eingeschläfert werden. Das kommt immer mal wieder mal vor und es gehört zum Leben auch dazu, aber da war es besonders schwer: Es war aufmerksam und muhte weil es Hunger hatte. Und laut unserem Tierarzt hat es dann tapfer gegen den Tod angekämpft...

Benjamin


Samstag, 20. Juni 2020

Sonnenwende

Auch nach all den Jahren habe ich mich nicht vollständig an die langen Sommertage hier im Norden gewöhnt. Im Vergleich zu Rheinhessen ist es ungefähr eine Stunde länger hell und da Brandenburg weiter östlich liegt ist der Großteil dieser Stunde davon morgens eher hell.
Heute ist die diesjährige Sommersonnenwende, um 23:43 Uhr steht die Sonne am nördlichsten, dann irgendwo über dem Nordost-Pazifik, bei uns ist es dann doch schon dunkel.
Im Juni wird es gefühlt nicht dunkel, die Dunkelheit verschläft man meistens; außer man schreibt mitten in der Nacht Blogartikel oder ist am längsten Tag des Jahres mal wirklich die ganze Hellphase über wach.
Hell wurde es gegen vier Uhr, um 4:47 ging die Sonne auf:



















Den Tag über sah man heute die Sonne so gut wie gar nicht, es war bewölkt und regnete sogar.

Um 21:37 ging die Sonne unter, nach dem trüben Tag richtig farbenprächtig:



















Um 22:30 war es dann dunkel.

Wie Kühe auf die langen Tage ragieren oder in ihrem Tagesrhythmus gestört werden weiß ich gar nicht. Sie schlafen nur ein bis zwei Stunden am Tag, die allermeiste Zeit liegen sie da und kauen wieder. Die schlafende Kuh erkennt man an der Körperhaltung; entweder ausgestreckt auft der Seite liegend oder in Brustlage und den Kopf an die Seite angelegt und dabei auch mehr oder weniger mit Maul, Augen und Füßen zuckend (REM-Schlaf).
Andererseits leben die Moschusochsen, die zwar Ziegenartige sind, aber in der Lebensweise den Wildrindern ähnlich, nördlich des Polarkreises ohne Schlafstörungen im monatelangen Polartag.

Benjamin

Montag, 15. Juni 2020

Verlängerte Laktation - Teil 2

Am Anfang meiner Kuhlaufbahn war für mich eine niedriger Zwischenkalbezeit schon wichtig, auch wenn ich es nicht so verbissen gesehen habe wie andere Leute. Da folgte ich der damals recht geläufigen Faustformel: 400 Tage bei 10.000 kg Jahresleistung, pro 1.000 kg Unterschied 10 Tage. Also für 9.000 - 9.500 kg 390 - 395 Tage, tatsächlich waren es um die 410. Was ich auf die schlechte Brunsterkennungsrate zurück führte mit dem alten, engen Stall, den doch nicht allergenausten Aktivitätsmessern und auch durch die Bestandsgröße bedingte geringe Anwesenszeit im Stall.
Dass es Sinn macht, die Zwischenkalbezeit nach der Leistung auszurichten haben vor etlichen Jahren Dr. Römer und Dr. Boldt von der Landesforschunganstalt MV schon anhand der Daten der ProFit-Testherden der RinderAllianz nachgewiesen (u.a. in TopAgrar 12/2015).
Mit der freiwilligen Wartezeit hatte ich mich eigentlich gar nicht beschäftigt, die lag bei 40 Tagen, um bei der schlechten Brunsterkennungsrate nix zu verpassen. Nach 65 Tagen kamen die Kühe schon zur Sterilitätsuntersuchung, wo ich aber schnell das bei Kühen über 40 Liter Leistung auf 100 Tage ausgedehnt habe. Und da zur Trächtigkeits-/Sterilitätsuntersuchung eigentlich immer die Fressgitterplätze zu wenige waren wurden als erstes die frühsten Steris auf den nächsten Termin geschoben.

Wirklich einen Anstoß gab es dann als mein Bruder im Oktober 2016 auf dem Thüringisch-Sächsischen Fütterungskolloquium in Laasdorf gewesen war und mir von einem Vortrag vorn Prof. Kaske von der Universität Zürich erzählte. Dieser hatte bei der Agrargesellschaft Ruppendorf in Sachsen eine Studie durchgeführt, bei der die Herde in drei Gruppen mit 40, 120 und 180 Tagen freiwillige Wartezeit eingeteilt wurde. Und dabei hatte die Gruppe mit 180 Tagen die beste Fruchtbarkeit und Leistung.
Diese Studie brachte die ganze Diskussion über verlängerte Zwischenkalbezeiten in Deutschland in Schwung und es wurde in der Presse in den Jahren darauf oft darüber berichtet. In der Bauernzeitung, der TopAgrar (5/2019) und auch in der Milchrind, da aber recht ablehnend, kein Wunder, dahinter stehen ja die Zuchtverbände, die viel Sperma verkaufen und viele Zuchttiere vermarkten wollen.

Ich suchte daraufhin mir Literatur, wo ich merkte, dass das Thema gar nicht mehr so neu ist, da gab es schon Ende der 1990er Studien dazu. Mein Hauptfazit daraus war jedoch, dass man ohne dreimaliges Melken die nötige Persistenz der Milchleistung über durchschnittlich 400 und mehr Tage nicht hinkriegt. Mittlerweile denke ich da anders drüber, wieder als Beispiel Gabis über 1.100 Melktage (siehe Post vom 07.03.2018).

Anfang Januar 2017 fing ich dann als Projekt für das neue Jahr einen kleinen Versuch dazu in Boberow an, weil ich in der Herde den besten Überblick hatte. Die Kühe mit ungeraden Halsbandnummern blieben bei 40 Tagen freiwilliger Wartezeit, die mit geraden Halsbandnummern bekamen eine individuell verlängerte. Da wählte ich die Formel: Tage freiwillige Wartezeit = 2x Spitzenleistung in kg. Am 40. Tag nach der Kalbung schaute ich die bisherige Spitzenleistung im Alpro nach und legte daran in freiwillge Wartezeit fest. Die reichte bei durchschnittlich 85 Tagen bei den einzelnen Kühen von 46 bis 109 Tagen. 
Insgesamt hatte ich 112 Kühe in dem Versuch bis ich ihn nach gut vier Monate vorzeitig abbrach weil ich das Gefühl hatte, dass ich die Kühe mit 100 und mehr Tagen freiwilliger Wartezeit nicht mehr rechtzeitig tragend bekomme.
Aus heutiger Sicht hätte ich besser vorher die Daten der Herde analysiert und daran das Versuchsdesign ausgerichtet.

Dazu mehr im nächsten Post der Serie.

Fortsetzung folgt!

Benjamin

Donnerstag, 11. Juni 2020

Verlängerte Laktation - Teil 1

Jetzt kommt eine kleine Serie die ich schon einige Zeit vor mir herschiebe, weil sie nach und nach doch unfangreicher wurde als zunächst geplant.
Und zwar über die verlängerte Laktation bei Milchkühen.
Seit knapp vier Jahren beschäftige ich mich damit und ab und zu habe ich im Kuhblog auch darüber schon etwas geschrieben und vor allem ist es mittlerweile auch im "Mainstream" der Kuhbauern angekommen.

Die Laktation ist die Zeitspanne in der eine Kuh nach der Kalbung Milch gibt. Bei der Milchkuh beginnt sie mit der Kalbung und endet mit dem Trockenstellen vor der nächsten Kalbung.
Seit Alters her war dabei die Regel "jedes Jahr ein Kalb". Das orientierte sich am Jahresrhythmus des Wildrindes, das dem Vegetationsverlauf folgt. Im Frühjahr werden die Kälber geboren, sodass die Kühe sie in der Zeit säugen wenn das meiste Futter wächst. Wenn im Herbst das Futter knapp wird werden die Kälber abgesetzt und alle Rinder müssen für sich alleine zusehen wie sie über den Winter kommen.
Bei der Rinderhaltung war es für Jahrtausende genauso, wo dann wegen den knappen Futtervorräten für den Winter vorher viele Rinder geschlachtet wurden und quasi in geräucherter/gepökelter Form heim kamen.
Seit der Einführung der Silierung im 19. Jahrhundert wurden die Futtervorräte für den Winter immer größer und heute reichen sie mit der TMR-Fütterung für das ganze Jahr.
Früher und auch heute noch in den niederschlagsreichen Regionen mit ganzjähriger Weidehaltung (Irland, Neuseeland) fordert die Ausrichtung auf den Vegetationsverlauf eine Zwischenkalbezeit von 365 Tagen.
Und mit der Trockenstehzeit von grob überschlagenen 2 Monaten kommt man damit auf die 305-Tage-Leistung als die standardisierte Zeitspanne zum Vergleich zwischen einzelnen Kühen.

Jetzt kommt die Biologie der Kuh ins Spiel. Ganz früh lernt man in der Ausbildung/Studium die Zahl von 500 Liter Blut die für die Bildung eines Liters Milch durch das Euter fließen müssen. Dieses Blut fließt auch durch die Leber als zentrales Stoffwechselorgan, die dabei alles Mögliche abbaut, so auch die darin enthaltenen Sexualhormone die für die Fruchtbarkeit zuständig sind. Daher die Aussage, dass hochleistende Milchkühe ihre Brunsten nicht so lange und deutlich zeigen. 
Da gibt es den "amerikanischen Weg" durch die Injektion der jeweiligen Hormone die Brunsten zu verstärken und den "israelischen Weg" mit Sensortechnik die brünstigen Kühe trotzdem zu finden. Wo ich ganz klar die zweite Variante vorziehe.
Die verlängerte Laktation ist eine weitere Möglichkeit. Einfach zu warten, bis die Milchleistung etwas abgefallen ist und die Fruchtbarkeit besser läuft.

Zweiter Punkt ist die Negative Energiebilanz (NEB). Nach der Kalbung steigt die Milchleistung der Kuh an, entsprechend dem Bedarf des wachsenden Kalbes. Die Futteraufnahme steigt auch an, aber nicht ganz so schnell und so entsteht die negative Energiebilanz, wo die Kuh mehr Energie mit der Milch abgibt als sie mit dem Futter aufnimmt. Die Kuh mobilisiert dann Körperfett. Nach einer gewissen Zeit kommt das wieder ins Gleichgewicht und die Kuh setzt dann wieder Fett an. Aber das ist von Kuh zu Kuh sehr unterschiedlich wie lange und stark ausgeprägt die NEB ist.
Dabei stellt die Kuh die Fruchtbarkeit, die auch Energie braucht hinten an. Das aktuelle Kalb ist dann wichtiger als das nächste.

Dritter Punkt ist die Persistenz. Eine hohe Persistenz ist gegeben wenn die Milchleistung der Kuh über die Zeit nur langsam abfällt, ihre Laktationskurve nach der Laktationsspitze langgestreckt verläuft. Da gibt es unter anderem genetische Ursachen und auch hormonelle. Denn bei einer erneuten Trächtigkeit reduziert diese die Milchleistung. Da ist dann das künftige Kalb wichtiger als das aktuelle. Über die Zeit nimmt die Leistung immer stärker ab bis die Kuh sich teilweise selber trockenstellt. Ohne Trächtigkeit kann die Laktationskurve sehr langgestreckt verlaufen, mein gern zitiertes Beispiel ist dafür Gabi, die nach der Kalbung über drei Jahre lang Milch gab (siehe Post vom 07.03.2018).

Vierter Punkt ist die Milchleistung zum Trockenstellen. Bei den heutigen Milchleistungen liegen die Kühe nach 300 Melktagen oft noch bei 25 bis 30 Liter und mehr Milch pro Tag. Zum Trockenstellen müssen sie von dieser Leistung auf null Liter abgebremst werden, was eine hohe Belastung für das Euter ist (vgl. Post vom 24.02.2019). Das Trockenstellen könnte nach hinten verschoben werden, z.B. auf die Leistung von 15 Liter; was aber nur geht wenn die Trächtigkeit noch nicht so weit fortgeschritten ist. Das ist die erste Grafik unten.

Fünfter Punkt ist das Krankheitsrisiko. Kühe sind nach der Kalbung am anfälligsten für Krankheiten. Wegen der negativen Energiebilanz ist das Immunssystem schwächer dazu kommen die Umstellungen für den Stoffwechsel nach der Kalbung mit der Gefahr von Krankheiten wie Milchfieber, Ketose (siehe Post vom 12.08.2019) und Labmagenverlagerung (siehe Post vom 10.11.2019). Dann die Fruchtbarkeitskrankheiten die nach der Geburt auftreten können wie Nachgeburtsverhaltung oder Gebärmutterentzündungen. Zusammen genommen sind die meisten Krankheiten der Kühe innerhalb der ersten 30 Tage nach der Kalbung und damit auch das höchste Risiko abzugehen, d.h. wenn sie die ersten 30 Tage gut übersteht schafft sie es höchstwahrscheinlich auch zur nächsten Kalbung. Wenn man diese riskante Phase(n) im Leben einer Kuh reduziert weil sie seltener in diese kommt wird sie wahrscheinlich auch länger leben.

Als sechster Punkt noch für die gesamte Rinderproduktion gesehen die Reduzierung der Kälber. Über die letzten Jahre ist der Bedarf an Kälber für die Nachzucht als Ersatz für die abgegangen Kühe durch ansteigende Nutzungsdauer und reduzierte Aufzuchtverluste gesunken. Das sieht man vor allem bei der zunehmenden Anpaarung mit Fleischrinderbullen, wovon auch die weiblichen Kälber gemästet werden. Es werden zunehmend mehr Kälber aus der Milchproduktion in die Rindermast "verschoben". Auch wenn ich wegen der Wolfsproblematik mit einem starken Rückgang der Mutterkuhhaltung rechne werden irgendwann mehr Kälber anfallen als die Rindermast nachfragt. Durch die Verlängerung der Laktation kann da die Anzahl der Kälber angepasst werden.

Alle Punkte zusammengefasst sprechen für eine Verlängerung der Laktation. Auf der Grafik unten sie die beiden unteren Reihen der Vergleich von Laktationskurven einer Kuh. Das ist nur beispielhaft, dass niemand das ausmisst und Zahlen darauf ableitet "der Benjamin hat aber gesagt"... Die orangenen Kurven ist eine Kuh die in fünf Jahren jedes Jahr einmal kalbt und eine hohe Jahresleistung erreicht weil sie fünf Laktationsspitzen mitnimmt. Die grünen Kruven sind von einer Kuh die dagegen nur dreimal in fünf Jahren kalbt, aber trotzdem auf die gleiche Milchleistung (oder sogar noch mehr) kommt weil die Laktationskurven länger gestreckt sind und der Anteil der Trockenstehphasen vor der jeweils nächsten Kalbung - in der sie keine Milch gibt - geringer ist:

Fortsetzung folgt!

Benjamin

Samstag, 6. Juni 2020

Tote Drillinge

Kein schöner Anlass, aber doch mit extremen Seltenheitswert, sodass ich einen Post darüber schreibe.
Heute habe ich meine erste Drillingsgeburt mitbekommen, alle drei Kälber - allesamt weibliche - wurden aber tot geboren.
Rinder sind in der Regel Einzelgeburten, Zwillinge kommen auch vor und sind gar nicht mal so selten. Ich habe mal in meinen Statistiken nachgeschaut und über die Jahre waren ungefähr 4 %, also jede 25. Kalbung eine Zwillingskalbung. Dabei vermehrt bei älteren Kühen: Bei Erstkalbenden unter 2 % und ab der 5. Kalbung um die 6 %.
Für Drillinge kann ich jetzt mangels Fällen keine Zahlen nennen, da es aber so viele Jahre gedauert hat schätze ich es auf eine von 5.000 bis 10.000 Kalbungen. Also 0,01 - 0,02 %.
Totgeburten sind bei Zwillingen schon häufiger, bei Drillingen fast schon üblich. Drillinge allesamt lebend über die ersten Wochen zu kriegen, das gibt dann eine Meldung in der Bauernzeitung und lebende Vierlinge deutschlandweit auch in den allgemeinen Medien, sowas kommt nur alle paar Jahre mal vor.
Bei uns waren sie aber alle drei tot.
Love stand zu ihrer 4. Kalbung an, mit 268 Tragetagen rund anderthalb Wochen vor dem eigentlichen Termin. Das erste Kalb lag schon falsch, nur der Kopf kam raus und die Vorderbeine waren nach hinten umgeschlagen. Meine Kollegin konnte es aber per Hand rausziehen. Weil das so klein war (nur 27 kg später gewogen) machte ich noch einen Kontrollgriff in die Gebärmutter, fühlte aber kein weiteres Kalb. Die müssen extrem tief drin gelegen haben. Nach drei Stunden kam das zweite Kalbe und musste rückwärts rausgezogen werden (Hinterendlage) und wiederum eine Stunde später dann noch das dritte (Steißlage).
Zusammen hatten sie 85 kg. 27, 30 und 28 kg. Vom Gewicht hätte ich spontan Drillinge leichter eingeschätzt; sie kommen damit an leichte Zwillinge heran.
Und gleich drei tote Kälber im Kadaverhaus liegen zu haben ist wirklich nicht schön...

Benjamin

Nachtrag:
Die Drillinge waren natürlich das Thema und da haben wir am Sonntag in der Frühstückspause mal recherchiert.
An lebende Vierlinge kann ich mich mal Ende der 1990er in Schleswig-Holstein erinnern, das war damals eine Rotbunte mit drei Färsen- und einem Bullenkalb. Aber es gab auch gerade vor zwei Wochen wieder welche in Baden-Württemberg: --> siehe hier
Die Pressesprecherin des Landesbauernverbands nennt da eine Wahrscheinlichkeit von einer von elf Millionen Kalbungen. In der Größenordnung hätte ich es auch eingeschätzt, zwischen 10 und 20 Millionen bei ca. 4 Millionen Kalbungen in Deutschland pro Jahr und alle paar Jahre mal.
Fünflinge gabe es mal 2011 auf der Agrofarm Lüssow, drei lebend und zwei tot: --> siehe hier
Und lebende Fünflinge 2013 in Baden-Würtemberg: --> siehe hier
Unser Tierarzt meinte, dass er noch nie lebende Drillinge hatte und ich darauf, dass das bestimmt so wahrscheinlich wie eine 10-Tonner-Kuh (10.000 kg Fett + Eiweiß Lebensleistung) ist. "Hier vielleicht, in Iden nicht." "Da ist das noch seltener als eine 200.000-Liter-Kuh." (vergleiche Post vom 05.09.2018)

Donnerstag, 4. Juni 2020

Ad-libitum-Webinar

Heute habe ich am Webinar zur Ad-libitum-Tränke vom Kuhverstand teilgenommen. 
Kuhverstand (--> Internetseite) ist das Unternehmen von Christian Völkner; am besten kann man es als Beratung im digitalen Zeitalter beschreiben. Neben dem Kuhverstand-Podcast gibt es unter anderem auch die Webinare zu verschiedenen Themen.

Mit Webinaren hatte ich noch gar keine Erfahrung, um Videokonferenzen bin ich in den letzten Monaten auch drum herum gekommen, Homeoffice geht nun mal im Kuhstall nicht.
War eine sehr produktive Arbeitsatmosphäre, das schätze ich auch sehr, wie ich z.B. unterwegs war beim Herdenmanagerlehrgang bei den Testherdentagungen, auf der Landwirtschaftsakademie usw; wenn die "Kuhmenschen" zusammen sind ist immer ein reger Austausch da.
Es war ein Dutzend Teilnehmer, bis nach Tirol und mit unterschiedlichstem Stand bei der ad-libitum-Tränke; da gehörte ich zu den Fortgeschrittenen.

Referentin war Konstanze aus der Nähe von Rendsburg, die seit 2011 mit ad-libitum-Tränke arbeitet, ein großer Fan davon ist und über die Jahre viele Erfahrungen gesammelt und vor allem optimiert hat. Sowohl die Ansätze als auch die Ergebnisse waren sehr interessant und beeindruckend.
Ihr Hauptgrund ist die Arbeitszeiteinsparung, weil die ad-libitum getränkten Kälber gesünder sind und daher weniger Betreuung brauchen. Die anderen Sachen sind eher nachrangig, wo auch der Spaßfaktor dazu zählt den muntere, frohwüchsige Kälber bieten.

Die Kälber sind drei Wochen lang in Iglus und bekommen täglich 14 Liter. Zuchtkälber alleine, Mastkälber je nach Iglusgröße zu zweit oder zu dritt. Die Zuchtkälber deshalb alleine weil da viele so enge Freundschaften fürs Leben geschlossen haben, dass sie sich dann gegenseitig leernuckeln. Das habe ich auch von anderen Leute schon gehört.
Von drei Wochen Alter sind die Kälber dann am Tränkeautomat, wo sie ebenfalls 14 Liter bekommen. Das ist dann Vollmilch mit zusätzlichen 30 g Milchpulver pro Liter. Von 50 bis 105 Tagen Alter werden sie langsam abgetränkt.

Durchschnittlich werden 1.098 g Tageszunahmen erreicht. Nach oben geht es schon Richtung Mastbullenniveau. Mit dreieinhalb Monaten 190 kg! (1.405 g/Tag). Oder nach drei Wochen schon über 70 kg. Das sind die Kälber die ich als "unhandlich" bezeichne.

Was auch schon von anderen Betrieben übernommen wurde ist die "Ad-libitum-Ampel" zur Dokumentation der aufgenommenen Tränkemenge zwischen den Mitarbeitern. Das ist schnell und übersichtlich notiert und ist eine gute Frühwarnung für aufziehende Krankheiten. 
Von den 7 l Tränkemenge:
- weniger als 2 l Rest = grün
- 2 - 5 l Rest = gelb
- mehr als 5 l Rest = rot 

Für mich dazu gelernt habe ist die Sicherstellung der Wasserversorgung, mehrmals am Tag das Wasser austauschen und vom Geburtstag an, noch vor dem Milcheimer. Damit lernen die Kälber schnell ihren Flüssigkeitsbedarf zu Regeln und dehydrieren bei Durchfall nicht.
Der Tränkeautomat ist in der Portionsgröße auf 5,5 Liter beschrä;nkt, dass die in der Eimertränke ad-libitum gewöhnten Kälber im Saufen nicht abgewürgt werden und dann nicht wieder kommen, also den Umstellungsstress nicht mit machen müssen.

Das Webinar war kurzweilig und lehrreich; mal sehen wenn wieder was angeboten wird das mir zusagt.

Als Symbolbild noch ein besonders sattes Ad-libitum-Kalb, das war bei Sebastian in Gressow:

Benjamin




Sonntag, 31. Mai 2020

Fruchtbarkeitskennzahlen - Teil 2

Nun zum zweiten Teil der Fruchtbarkeitskennzahlen, die nicht in den Zeitstrahl passen.

NR56 - Non-return-Rate nach 56 Tagen. Mit Non-return, also nicht zurückkommen sind die Kühe/Färsen gemeint, die bis 56 Tagen nach der 1. Besamung nicht wieder besamt wurden und damit wahrscheilich tragend geworden sind. Wegen der unterschiedlichen Fruchtbarkeit von Färsen und Kühen werden die im Milchkontrollbericht separat ausgewiesen. Durchschnitt in Brandenburg bei Kühen 50,5 % und bei Färsen 71,3 %.
NR90 - Non-return-Rate nach 90 Tagen. Nach 90 Tagen ist die Trächtigkeit relativ sicher, die gefährliche Zeit der Frühaborte ist vorbei. Und auch eine Kuh die nicht aufgenommen hat setzt auch nicht mal eben so lange im Zyklus aus, dass sie erst nach mehr als 90 Tagen wieder brünstig wird. BB für Kühe 42,2 %, für Färsen 66,5 %.
BI - Besamungsindex. Wie viele Besamungen nötig sind für eine Trächtigkeit zu erreichen. Dabei werden auch die Besamungen von den Kühen/Färsen mitgezählt die nicht tragend werden. Auch hier wieder die Unterteilung in Kühe und Färsen. In BB bei Kühen 2,4, bei Färsen 1,6.
Remontierungsrate. Remontierung ist in der Tierhaltung der Ersatz von abgegangenen Zuchttieren durch neue, auf die Milchkühe bezogen sind es die abkalbenden Färsen. Dabei ist die Remontierungsrate die Zahl der Färsenabkalbungen durch den Durchschnittsbestand im Jahr. In BB 35,7 %.
BNR - Brunstnutzungsrate. Wieviel der zur Besamung anstehenden Tiere (Kühe wie Färsen) innerhalb von 21 Tagen (= 1 Zyklus) besamt wurden. Man fängt an nach dem Ablauf der freiwilligen Wartezeit zu zählen. Die Brunstnutzungsrate ist besonders von der Brunstbeobachtung abhängig, dass man auch die brünstigen Kühe findet. 
TREB - Trächtigkeitsrate aus Erstbesamungen. Anteil der Kühe die von der 1. Besamung tragend geworden sind.
PR - Pregnancy Rate. PR = BNR x TREB. Anteil der Kühe die innerhalb von 21 Tagen tragend geworden sind. Einen deutschen Begriff gibt es dafür nicht (vgl. Post vom 13.02.2018). Ziel sind über 20 %. Ganz so zufrieden bin ich mit der Kennzahl nicht. Die Amerikaner reiten auf der Zahl rum, alle Kühe möglichst schnell nach der Kalbung wieder tragend zu kriegen; aber man kann da mit Hormonen ziemlich "cheaten". So hatte damals die Sunridge Dairy (siehe Post vom 16.10.2014) 32 %. Mit Brunstsynchronisierung ist das kein Problem. Anfang 2016 hatte ich mal die ganzen Fruchtbarkeitskennzahlen für Boberow ausgrechnet als Paulin das im Studium hatte. Die Pregnancyrate lag da bei nur 16 %, vor allem weil die Brunstnutzungsrate so schlecht war.
Das es in der heutigen Zeit nicht mehr darum geht die Kühe möglichst schnell tragend zu kriegen ist es vielmehr ein Maß dafür wie schnell es nach dem Ablauf der (individuellen) freiwilligen Wartezeit gelingt. "Zahl für termingerechte Trächtigkeit".

Benjamin

Mittwoch, 27. Mai 2020

Fruchtbarkeitskennzahlen - Teil 1

Endlich hat die Berufsschule wieder angefangen und ich muss als Ausbilder unseren Lehrlingen nicht mehr bei ihren Hausaufgaben helfen. Weil das war teilweise sehr ernüchternd die Diskrepanz zwischen dem was ein Landwirt/Tierwirt am Ende seiner Ausbildung können sollte und was nach knapp zwei oder sogar drei Jahren erst da ist.

Eine Aufgabe ging um Fruchtbarkeitskennzahlen bei Rindern und da habe ich zur Veranschaulichung schnell einen Zeitstrahl aufgemalt. Den gibt es jetzt für den Kuhblog in schöner und doppelter Ausführung (für Kühe und Färsen). Es sind nämlich ein ganzer Haufen der Fruchtbarkeitskennzahlen, mit denen man so um sich wirft, meistens nicht alltäglich aber wenigstens einmal im Monat wenn vom LKV der Bericht von der Milchleistungsprüfung kommt in dem die meisten ausgewiesen sind.


Erstes Bild für die Kühe:





















FWZ  - Freiwillige Wartezeit. Die Zeitspanne die man nach der Kalbung eine Kuh nicht besamt, bis der Stoffwechsel und der Zyklus rund laufen. Eine fruchtbare Kuh ist meist um die 4 Wochen nach der Kalbung das erste Mal wieder brünstig. Die FWZ haben die meisten Betriebe bei 60 oder 80 Tagen.
uFWZ - unfreiwillige Wartezeit. Wenn die freiwillige Wartezeit abgelaufen ist muss man noch bis zur nächsten Brunst warten für die erste Besamung. Bei einer Zykluslänge von 21 Tagen beim Rind wären es dann theoretisch 10,5 Tage wenn man alle Brunsten erwischen würde (zur Brunstnutzungsrate im nächsten Post).
RZ - Rastzeit. Zeit von der Kalbung bis zur ersten Besamung. RZ = FWZ + uFWZ. Liegt in Brandenburg bei durchschnittlich 73 Tagen.
ZBZ - Zwischenbesamungszeit. Da nicht immer gleich die erste Besamung erfolgreich ist und die Kuh wieder brünstig wird ist die ZBZ die durchschnittliche Zeit zwischen den einzelnen Besamungen. 21 Tage wären ein Zyklus, 42 Tage zwei Zyklen, 63 Tage drei Zyklen. Kuhindividuell trifft es nicht zu, aber im Durchschnitt kann man ableiten, ob eher die nächste Brunst erwischt oder verpasst wird. In BB 40 Tage.
VZ - Verzögerungszeit. Die Zeit zwischen erster Besamung und erfolgreicher Besamung. Wird die Kuh gleich bei der ersten Besamung tragend ist VZ = 0. Teilweise kann es deutlich über die 100 Tage gehen. In BB 75 Tage.
GZ/ZTZ - Güstzeit oder Zwischentragezeit. Die Zeit von der Kalbung bis zur nächsten Trächtigkeit.  GZ/ZTZ = RZ + VZ. In BB 138 Tage.
ZKZ - Zwischenkalbezeit. Die Zeit zwischen einer und der nächsten Kalbung. In BB 410 Tage. Die alte Regel 365 Tage für jedes Jahr ein Kalb ist überholt und die Tendenz geht zur Verlängerung der Zwischenkalbezeit. Dazu werden ich noch mal (definitiv) mehrere Posts schreiben.

Tragedauer ist keine Kennzahl. Aber wenn man die Tragedauer auf die GZ draufzählt kommt man auf die vZKZ - vorraussichtliche Zwischenkalbezeit. Die Tragedauer beträgt bei Holsteins mit einer Schwankungsbreite von meist rund zwei Wochen um die 280 Tage.
Trockenstehdauer ist ebenfalls keine Kennzahl, beträgt meist um die 8 Wochen vor der nächsten Kalbung.

Zweites Bild für die Färsen:





















Zur Zulassung zur Zucht gibt es keine Kennzahl, ist aber vergleichbar mit der FWZ bei den Kühen. Die erfolgt wenn die Färse schwer genug ist für die Zucht, je nach Betrieb zwischen 380 und 430 kg, so zwischen knapp 12 und 16 Monaten Alter.
EBA - Erstbesamungsalter. Das Alter in dem die Färse dann zum ersten Mal besamt wird. In BB Durchschnitt 16 Monate. 
Bei den Färsen gibt es aucg ZBZ und VZ. Die Zwischenbesamungszeit ist mit 39 Tagen in der selben Größenordnung. Die VZ deutlich geringer mit rund 1 Monat, weil die Färsen eine bessere Fruchtbarkeit haben und daher mehr eine VZ = 0.
FKA - Färsenkonzeptionsalter. Konzeptions ist die Befruchtung; das Alter in dem die Färsen tragend werden. FKA = EBA + VZ. In BB 17 Monate.
EKA - Erstkalbealter, wann die Färse zum ersten Mal kalbt und zur Kuh wird. Für mich die wichtigste Fruchtbarkeitskennzahl, weil sehr aussagekräftig über den Erfolg und Wirtschaftlichkeit der Jungviehaufzucht, auch wenn da etwas die Intensität (z.B. Weide) reinspielt. Ziel sind bei Holsteins 24 Monate. In BB im Durchschnitt 26 Monate. Die Bandbreite beträgt da zwischen den Betrieben von unter 23 bis über 29 Monaten, auf das Einzeltier bezogen gibt es noch größere Unterschiede.

Fortsetzung folgt!

Benjamin