Samstag, 28. Mai 2022

Große Erfindungen - Melkmaschine - Teil 2

Über die Bestandteile der Melkmaschine:

Die Vakuumpumpe erzeugt das Vakuum um die Milch abzusaugen und die Zitzengummis zu bewegen. Meist ist es eine Drehschieberpumpe wie bei einem Kompressor-Güllefass. 
Dazu gehören ein Vakuumregelventil und ein Pufferbehälter um Schwankungen in der Vakuumhöhe z.B. durch Lufteinbrüche an den Melkzeugen auszugleichen. Sowie ein Manometer zur Kontrolle.
 
Pulsatoren, die das Vakuum quasi ein und ausschalten und sich so die Zitzengummis im Zitzenbecher bewegen . Vakuum - Zitzengummi öffnet sich und Milch fließt, Normaldruck - Zitzengummi schließt sich. Öffnen und Schließen verläuft in vier Phasen was eine Wissenschaft für sich ist. Diese vier Phasen dauern ca. 1 Sekunde, diesen Takt hört man deutlich am Klacken der Pulsatoren. Das empfinde ich als entspanndes Geräusch beim Melken weil einer ruhigen Herzfrequenz entsprechend.

Die Melkzeuge mit den Zitzengummis:
 
Zitzengummi. Die gibt es in rund, dreieckig und viereckig, in Silikon oder Gummi mit unterschiedlichen Kopfweiten. Als Monoblock, bei dem Zitzengummi und der kurze Milchschlauch zum Sammelstück aus einem Stück bestehen oder als klassischer Zitzengummi mit separatem kurzen Milchschlauch, bei denen sich dann ein Schauglas zur Kontrolle des Milchflusses dazwischen befindet.
Auf dem Foto ist ein runder Monoblock aus Gummi von DeLaval (glaube bei denen gibt es gar keine Zitzensilikone). Das Maßband daneben dient als Größenvergleich.


 



 

 

 

 

 

 

 

 

Melkzeug in Melkposition damals bei meiner simulierten Kuh (vergleiche auch Post vom 02.05.2017), weil sauber und schön ausgerichtet.

1 - Zitzenbecher, hier aus Kunststoff, weil dadurch ca. 200 g leichter, was am Tag über eine halbe Tonne ausmacht.
2 - kurzer Pulsschlauch
3 - kurzer Milchschlauch mit dem dazwischen gefügten Injektor für die Melkzeugzwischendesinfektion.
4 - Pulsverteiler zu den einzelnen Zitzenbechern
5 - Sammelstück, auch Zentrale genannt
6 - langer Milchschlauch vom Sammelstück zur Milchleitung
7 - zwei lange Pulsschlüche vom Pulsator zum Pulsverteiler
8 - Abnahmekette, häufiger eine Abnahmeschnur
9 - hier ist bei separatem Zitzengummi statt Monoblock das Schauglas


 




 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Milchleitung die zur Milchschleuse bzw. Milchabscheider führt, bei der die Milch im Vakuumstrom nach unten fällt zur Milchpumpe die sie zum Milchfilter transportiert.
Über der Milchschleuse ist das Ausdehnungsgefäß in dem die Milch bei überfließender Milchschleuse fließt, weil z.B. einfach zu viel Milch auf einmal kommt oder der Milchfilter mit zu viel Stroh und Dreck bei schlecht gereinigten Eutern verstopft ist und die Milchpumpe nicht gegen den Widerstand ankommt. Im Ausdehnungsgefäß schwimmt dann ein Ball auf und sperrt die Vakuumversorgung ab. So kann keine Milch dahin gelangen und die Piulsatoren und Vakuumpumpe verunreinigen/beschädigen. 
 
Die Spülleitung mit den Spülaufnahmen. Dabei werden zur Reinigung der Melkmaschine die Melkzeuge statt an die Euter an die Spülleitung angeschlossen und die Reinigungslösung im Kreis gemolken. Über einen Spülautomaten eird das Reinigungsprogramm abgespielt mit Vorspülen, Hauptspülen und Nachspülen. Mit saurem oder alkalischen Reinigungsmittel oder als Kochenwasserreinigung.
 
Es gibt eine Reihe weiterer Ausstattungsmöglichkeiten für Melkmaschinen. 

Automatische Melkzeugabnahme, die bei nachlassendem Milchfluss zum Melkende das Vakuum abschaltet, sodass das Melkzeug nicht mehr am Euter haften bleibt und es mit einer Schnur (oder Kette) wegzieht.

Milchmengenmessgerät, hier der linke zylindrische Behälter, der rechte ist der Probennehmer für die Milchkontrolle. Das ist das DeLaval MM15 (Milkmeter), funktioniert als "Wiegetasse" über die Gewichtskraft. Es gibt auch welche mit Infrarottechnik. Für mich ist die Milchmengenmessung schon immer Standard gewesen und das wichtigste Managementwerkzeug, weil man daraus so viel über Gesundheit und Fütterung ableiten kann.


 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tiererkennung und Melkplatzterminals. Die Tiererkennung mit Halsband/Fuß/Ohrmarkentransponder. Damit kann man die Milchleistung einer Kuh zuordnen und an den Terminals auch Informatioenn zu jeder gerade gemolkenen Kuh anzeigen lassen.

Stimulation. Es dauert ca. 45 Sekunden bis die Kuh das Oxytocin ausschüttet und die Milch in die Euterzisterne einschießt. Beim Melkkarussell ist es recht einfach weil die Kuh diese Zeit braucht vom Vormelken bis zum Ansetzender Melkzeuge zu fahren. Im Fischgräten/Side-by-Side-Melkstand kann man nicht nacheinander bei einer Kuh Vormelken, Abputzen und Ansetzen, weil dann das Melkzeug schon am Melken ist, aber noch keine Milch fließt was schädlich für das Euter ist. Also entweder mehrere Kühe nacheinander Vorbereiten oder eine Stimulation. Dabei wird die Freuquent der Pulsatoren erhöht (so 150 pro Minute) was ein flatterndes Geräusch gergibt. Die Zitzenbecher bleiben am Euter haften, aber es fließt keine Milch weil sich die Zitzengummis zu schnell öffnen und schließen. Wenn der Milchfluss einsetzt bzw. nach eine bestimmten Zeit wird auf die normale Melkpulsation umgeschalten.

Zwischendesinfektion der Zitzenbecher nach jeder Kuh um Übetragungen von Krankheitserregern von Kuh zu Kuh zu vermeiden. Da gibt es verschiedene Systeme, Backflush das über den langen Milchschlauch das Sammelstück und die Zitzenbecher durchspült und bei Airwash von DeLaval mit deutlich weniger Wasser in die kurzen Milchschläuche einspritzt.

Automatische Dippsysteme, die beim Abnehmen der Melkzeuge die Zitzen gleich dippen. Ausführlicher im Post vom 14.03.2019.

Benjamin

Dienstag, 24. Mai 2022

Große Erfindungen - Melkmaschine - Teil 1

Jetzt kommen die letzten Folgen der Miniserie über die großen Erfindungen für die Milchkuhhaltung.

Das Melken ist die grundlegende und auch heute noch zeitlich umfangreichste Arbeit in der Milchproduktion. Daher ist die Melkmaschine die wichtigste Erfindung.

Beim Handmelken sind der Melkleistung biologische Grenzen gesetzt. Einmal die Oxytocinausschüttung im Gehirn, wenn die Kuh nach dem Vormelken die "Milch laufen lässt" analog dem Säugen des Kalbes. Das wirkt nur so 7 bis 8 Minuten, ungefähr was ein Kalb an Zeit für eine Mahlzeit braucht.
Beim Handmelken muss der Melker die Kuh in dieser Zeit ausgemolken haben. Früher bei den Zootechnikern war das Ausbildungsziel 1 kg pro Minute,das war schon ambitioniert und für mich persönlich sehe ich es als unerreichbar an. Einerseits habe ich "nur" Vormelken gelernt und nie auf Leistung und andererseits sind die Euter der heutigen Kühe auf das Melken mit der Melkmaschine gezüchtet mit deutlich kürzeren und dünneren Zitzen, die schwerer von Hand zu melken sind.
 
Die Melkmaschine kann deutlich schneller melken, auf allen vier Strichen gleichzeitig und mit entsprechender Auslegung auch so schnell wie die Kuh die Milch hergibt. Im Testherdenprogramm wird für die Melkbarkeit (RZD) bei Erstkalbskühen nach 50 Tagen rum das Minutengemelk erfasst, das liegt meist um die 2,5 kg/min. Bei älteren Kühen mit höherer Leistung können es auch 4 - 5 kg/min sein. Das wurde züchterisch so bearbeitet als man die Melkmaschinen zur Verfügung hatte.
Und die Melkmaschine kann mehrere Kühe gleichzeitig melken, der größte Melkstand den ich bisher gesehen habe hatte 100 Plätze.
 
Melkmaschinen wurden schon Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt, mit allen möglichen Verfahren wie man versuchte die Milch aus der Kuh zu bekommen. Wovon viele nicht erfolgreich waren und auch nicht der Gesundheit der Kuh zuträglich.
Irgendwann setzte sich das bis heute verwendete Saugmelkverfahren durch, bei dem die Bewegung beim Handmelken bzw. die Zunge des saugenden Kalbs nachgeahmt wird.
Die Zitze wird in den Zitzenbecher aus Stahl oder Kunststoff gesteckt. Im Zitzenbecher ist der Zitzengummi (aus Gummi oder Silikon) Über die Pulsation im Melkbecherzwischenraum mit Unterdruck (ca. 40 kPa bzw. 0,6 bar absolut) und Normaldruck bewegt sich der Zitzengummi und führt an der Zitze eine Melkbewegung aus. Im Innenraum des Zitzengummis bzw. im fortführenden Milchschlauch liegt auch der Unterdruck an und saugt die ermolkene Milch ab.
In den 1950er bis 1970er Jahren verbreiteten sich die Melkmaschinen, was für Arbeitserleichterung und einen Produktivitätssprung sorgte. 
Das kann man leicht ausrechnen: Bei ca. 35 Mrd. kg Milch die die deutschen Kühe im Jahr geben wären bei trainierten Handmelkern 500 Mio. Arbeitsstunden nötig, macht knapp 300.000 Melker, die aber ausschließlich melken und die es bei Weitem nicht gibt. In Zeiten vor der Melkmaschine gab es einfach genug Leute für das Handmelken.

Benjamin

Freitag, 20. Mai 2022

Schalmtest

Die letzten Tage habe ich viele Schalmtests gemacht bei Kühen die in der letzten Milchkontrolle sehr hohe Zellzahlen hatten aber keine akuten Euterentzündungen.

Der Schalmtest heißt auch California Mastitis Test, kurz CMT, was eine schöne Abkürzung ist. Kann man gut auf eine voruntersuchte Kuh mit Fettstift draufschreiben "CMT iO".

Beim Schalmtest reagieren die Zellen in der Milch mit der Testflüssigkeit und anhand der Reaktion kann man die Zellzahl abschätzen. Nicht in absoluten Zahlen sondern in relativen Größenordnungen.

Zuerst wird die Kuh vorgemolken, um wie beim normalen Melken den Dreck aus den Strichkanäle rauszuspülen. Dann wird jedes Viertel auf die Schalmtestplatte gemolken, mit der Testflüssigkeit versehen und geschwenkt, dass es sich vermischt und reagiert.

Das Ergebnis unterteile ich in meiner Arbeit in vier Stufen:
CMT 0 = nur Farbänderung durch die Testflüssigkeit.
CMT + = Schlierenbildung, leicht erhöhte Zellzahl
CMT ++ = wird zäh, stark erhöhte Zellzahl
CMT +++ = verklummt, das sind Millionen Zellen und sieht man aber meist schon beim Vormelken.

Benjamin


Montag, 16. Mai 2022

Umfrage zum RZRobot

Vor 7 Jahren, zur Zuchtwertschätzung Dezember 2014 (ZWS 1412) führte der Deutsche Holstein-Verband (DHV) als Dachorganisation der Holsteinzucht in Deutschland den RZRobot ein. Der Relativzuchtwert Robotereignung berechnet für Besamungsbullen die Tauglichkeit der Töchter für automatische Melksysteme.

Melkroboter gibt es nun seit 30 Jahren und haben sich in der Landwirtschaft etabliert Wieviel Prozent der Kühe mit Robotern gemolken werden weiß ich nicht, aber seit vielen Jahren werden mehr Melkanlagen mit Roboter als mit konventionellen Melksystemen gebaut (Anzahl, nicht Kapazität). Und wie der Umstieg von Handmelken auf Melkmaschinen neue Anforderungen an die ideale Kuh stellte so sind es beim Melkroboter wieder andere. Dies ist vor allem das Ansetzen der Zitzenbecher, denn der Melker ist da bei der Erkennung und Korrekturbewegungen extrem leistungsstark.
Damals war ich aber schon der Auffassung dass Melkroboter nicht nur die Zukunft sein werden sondern auch robotertaugliche Kühe im Melkstand leichter zu melken sind. Mein Maßstab ist da das Euter bei dem man die Zitzenbecher blind ansetzen kann weil sich die Zitzen dort befinden wo man sie erwartet.

Den Weg andersrum kann man auch gehen, als Beispiel das Milchgut Görlsdorf die für ihr Melkkarussell jahrzehntelang leicht melkbare Kühe gezüchtet haben und davon extrem beim Umstieg auf das Roboterkarussell profitierten (siehe auch Post vom 04.06.2018).

So ist der RZRobot aus Einzelzuchtwerten zusammengesetzt:






 
 
 
 
 
 
Melkbarkeit (RZD) ist der Milchfluss pro Minute, denn wenn die Kühe schneller Melken kann der Roboter am Tag mehr Kühe bedienen.
Fundament ist der Exterieurkomplex als Hilfsmerkmal wie gut die Kühe zu Fuß sind, denn sie müssen ja selbstständig zum Melken laufen und werden nicht abgeholt.
 
Jetzt will der BRS (Bundesverband Rind und Schwein, in dem der DHV aufgegangen ist) den RZRobot überarbeiten und macht hierfür eine Umfrage unter Landwirten mit Melkroboter bzw. Perspektive auf Melkroboter.


Meine Hauptverbesserungsvorschläge sind die Exterieurmerkmale Fundament und Euter durch die zeitgemäßen und genaueren Gesundheitszuwerte RZKlaue und RZEuterfit zu ersetzen und die Mindestanforderung von 100 Punkten RZRobot für die Veröffentlichung aufzuheben. Denn "ohne RZRobot" ist eine große Masse an Bullen von RZRobot 70 bis 99 und einer mit 98 oder 99 käme schon in Frage wenn er andere Stärken hat.

Benjamin

Donnerstag, 12. Mai 2022

Wieder was Neues

In der Milchviehhaltung in mittleren bis großen Maßstäben kriegt man doch über die Jahre einige seltene Sachen mit.
 
Diese Woche war es eine Kuh die in der Milchleistung stark eingebrochen war und wir keine Ursache dafür finden konnten. Sie wurde bei der Trächtigkeitsuntersuchung unserem Tierarzt mit vorgestellt und er hatte schnell eine Diagnose: Gebärmutterverdrehung. Da war ich etwas ungläubig weil die Kuh erst 180 Tage tragend war. Das ist dann eine Torsio uteri ante partum - Verdrehung der Gebärmutter vor der Geburt. Mit meinen verbleibenden Lateinkenntnissen kann ich mit dem Begriff etwas anfangen.
Gebärmutterverdrehungen sind meist ein Geburtsproblem und recht selten, kann mich gut an eine 2015 erinnern, das war zwar bei den Umständen zum Glück kein traumatisches aber sehr prägendes Erlebnis.
Aus Interesse habe ich mal reingefasst und rektal konnte ich nur ertasten, dass was Hartes drin ist, ob das die Verdrehung selber war kann ich nicht sagen. Rektalisieren habe ich im März 2011 auf der Neumühle gelernt um Kotproben für den Luzerneversuch zu nehmen. Mehr als "Füllstand" Enddarm und Kotkonsistenz kann ich da nicht bestimmen.
Vaginal (Handschuh gereinigt!) war es eindeutig, nicht gerade zum Muttermund hin sondern hat zwischendrin ein Knick nach rechts weg gemacht.

Aufdrehen geht in dem Stadium nicht und das Kalb ist bereits tot weil die ganzen Blutgefäße abgeschnürt sind. Da das Kalb aber noch "frisch" war konnte die Kuh noch geschlachtet werden, dafür braucht es aber ein veterinärmedzinisches Begleitschreiben mit der Diagnose weil sie nahe an der rechtlichen Grenze vom zweiten zum dritten Trächtigkeitsdrittel war.

Mittlerweile bin ich nach "8.000 Kuhjahren Erfahrung" soweit, dass ich solche Ereignisse als schlimm aber glücklicherweise recht selten einordne.

Benjamin

Montag, 9. Mai 2022

Rapsblüte 2022

Wie jedes Jahr gibt es im Kuhblog ein Foto von der Rapsblüte.

Und auch wie jedes Jahr zur Bedeutung des Raps: Die wichtigste Ölfrucht im deutschsprachigen Raum und nach Gras die zweitwichtigste Proteinquelle in der Rinderfütterung.

Eigentlich dachte ich dass dieses Jahr nach dem nicht übermäßige strengen aber dafür sehr langem Winter mit Nachtfrösten bis weit in den April hinein die Blüte sehr spät ist. Wie ich aber jetzt nachgeschaut habe wann es in den letzten Jahren als soweit war ist der 7./8. Mai gar nicht so selten; letztes Jahr war es nach dem ebenfalls langen Winter um den 11. Mai rum.

Gestern am Sonntag, den 8. Mai. Bei dem tollen Wetter ist es eindeutig eines der besseren Rapsblütenfotos geworden:

Benjamin
 

 

Donnerstag, 5. Mai 2022

Neues Fressgitter

Auf dem St. Wendelinhof der TH Bingen gab es jetzt für die melkenden Kühe ein neues Fressgitter. 
 
Die Modernisierung im Kuhstall läuft seit nunmehr fast zwei Jahren. Im Herbst 2020 gab es neue Liegeboxenbügel und Kuhmatratzen (siehe Post vom 02.10.2020) und  kurz darauf die Stallbeleuchtung (siehe Post vom 28.08.2021). Das Fressgitter hatte sich so verzögert weil die Montage nicht dierekt von der Technischen Hochschule beauftragt wurde sondern über den Landesbetrieb für Immobilien lief.

Bisher war das ein Schwedenfressgitter mit Fangvorrichtung gewesen (siehe auch Post 20.07.2019), das stammte von 2001 als der Stall von Anbindestall auf Laufstall mit Melkroboter umgebaut worden war. Der Vorteil vom Schwedenfressgitter ist die Eignung für Kühe mit Hörnern, da sie den Kopf nicht "durchfädeln" müssen. Nachteil ist die untenliegende Verriegelungsstange die damit deutlich schmutzanfälliger ist.

Das ist das neue Fressgitter. Genauer ein Sicherheits-Selbstfangfressgitter. Selbstfang ist der Mechanismus mit dem sich die Kühe selber Einfangen wenn sie den Kopf durchstecken. Bei der entsprechenden Halsweite können sie nicht mehr raus, weil der Kopf hinter den Ohren breiter ist.
Sicherheit bedeutet die Kuh kann den Kopf oben und unten rausziehen wenn das Gitter geöffnet wird, so kann eine gestürtzte Kuh den Kopf rausziehen ohne Aufstehen und den Kopf bis zur oberen Öffnung heben zu müssen.
Dann kommt noch der Einfädelschutz dazu und zwar unten das Blech und über dem Schanier der gebogene Stab die verhindern dass sich Kühe mit dem Halsband im Gitter verfangen können.
Das Gitter ist geschweißt und die senkrechten Rohre sind geschraubt, so kann man die Halsweite auf die Herde einstellen. Wenn Kühe mit dickerem Hals sich nicht einfangen oder solche mit kleinem Kopf rausschlüpfen können. Beides zugleich in der Herde kommt bei Kühen eigentlich nicht vor.
 
Hersteller ist die Firma Agritubel aus Frankreich, Typ ist Fiabilis.
 
Benjamin



Sonntag, 1. Mai 2022

Nach Diera

Diese Woche war ich bei einer Veranstaltung des IVM (Interessenverband Milcherzeuger) und zwar eine Exkurion zur Milchhof Diera KG in Diera bei Meißen in Nordsachsen.

Landschaftlich bei strahlendem Sonnenschein und beginnender Rapsblüte sehr reizvoll, mit dem Weinanbau an der Elbe und auf der gegenüberliegenden Elbseite die Lommatzscher Pflege, ein Ackerbaugebiet mit Lössböden hat es mich schon an meine alte Heimat in Rheinhessen erinnert; aber halt mit Kühen.

Der Milchhof Diera ist recht bekannt (z.B. hier ein Artikel in der Elite); mit einer Jahresleistung von knapp 13.000 kg pro Kuh bzw. 968 Fett-Eiweiß-Kilo der zweitbeste Betrieb in Sachsen. Also ein Name den man kennt.
Entstanden ist der Betrieb nicht als LPG-Nachfolger sondern als Wiedereinrichter durch drei Familien in einer GbR und später von zwei der Familien in eine KG umgewandelt.
Der Betrieb ist über die letzten 30 Jahre schrittweise gewachsen, sodass der Hof deutlich breiter als lang ist mit vier Ställen mit fünf Futtertischen und insgesamt 25 Liegeboxenreihen nebeneinander.

Der neuste Stall von 2021 ist der Reprostall für Trockensteher und Abkalber. Auf der einen Seite des Hauptreibewegs der alle vier Ställe verbindet drei Reihen Liegeboxen für die Trockensteher und auf der anderen Seite zehn Abkalbeboxen.
Jede der Abkalbeboxen ist für sechs Kühe vorgesehen mit Platz für bis zu acht bei Abkalbespitzen. In den ersten beiden Boxen werden die gerade abgekalbten Kühe gesammelt bis sie in die Frischmelkergruppe können oder auch mal eine Kuh die nicht über das Karussell (Lemmer Fullwood 50er Außenmelker mit Inline-Milk-Analyser) gehen kann.

Von der Konzeption her die Umsetzung meiner perfekten Abkalbebox (siehe auch Posts vom 29.03.2021 und 31.03.2021). Von der Traufseite her voll befahrbar zum Ausmisten; zwischen zwei Boxen sind abwechselnd massive Mauern (rechts zu sehen) oder Abtrennungen mit integriertem Fangplatz für Geburtshilfe (links). Im Fressbereich ist durchgehend eine Rohrmelkanlage über dem Fressgitter und unten am Barren eine Sprühleitung um den Laufgang anzufeuchten dass sich kein Schmierfilm bildet. Im Fressgang sind keine Zwischentore sondern Hubschranken, das vereinfacht das Umstellen zwischen den Boxen:
 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Besonderheiten des Betriebs:
- Alle Liegeboxen als Tiefboxen die mit Strohpellets eingestreut werden. Vor dem Einstreuen werden die Pellets eingeweicht, quellen dann auf und zerbröseln. Von der Optik liegt das irgendwo zwischen feinem, sehr trockenem Gärrest, Sonnenblumenschalen und Sand.
- Alle Ställe sind mit Fressgittern ausgerüstet. Das ist bei der Herdengröße schon ungewöhnlich aber aus der Geschichte des Betriebs entstanden, dass immer mit Fressgittern gearbeitet und nie ein Selektionsbereich benötigt/gebaut wurde.
- Im Sommerhalbjahr wird Frischfutter gemäht und einmal am Tag in die Ration eingemischt und nicht sparat gefüttert um den Effekt der TMR nicht zunichte zu machen. Ursprünglich mal aus Futtermangel begonnen ist es heute auch wegen der positiven Effekte auf die Fruchtbarkeit (Art Flushfütterung).
- Ein kleiner Teil der Herde sind Jerseys, die genau wie die Altmelker nur zwei statt dreimal täglich gemolken werden und die Milch wird separat erfasst und unter einer eigenen Lieferantennummer an die Molkerei verkauft.
- Die tragenden Färsen sind auf einen Zweigbetrieb 45 km weit entfernt ausgelagert.
- Eine Milchtankstelle am Melkhaus. Original Dieraer Kuhmilch.
- Als Detail ist mir der intensive Einsatz von Karabinerhaken für verschiedenste Anwendungen aufgefallen wie verbiegesichere Sturmhaken an den Stalltoren und jerseytaugliche Lecksteinhalter.

Ein Foto mit gleich drei der Besonderheiten: Jerseys im Fressgitter und TMR mit eingemischtem Grünfutter:
 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Noch einmal vielen Dank an Hrn. Schlunke für die tolle Führung!
 
Benjamin

Mittwoch, 27. April 2022

Agra 2022 - Teil 2

Das Schöne an der Agra ist die Kombination aus Tierhaltung und Pflanzenbau, es gibt beides zu sehen.

Bei den Mähdreschern habe ich ausschließlich Bandschneidwerke (Draper) gesehen, man hatte fast den Eindruck es gebe keine Schneckenschneidwerke mehr. Da wollten alle Hersteller zeigen dass sie mittlerweile welche im Angebot haben. Mal abgesehen von John Deere mit einem 45 Fuß (13,7 m) am X9 waren die anderen für die Mähdreschergrößen aus Platzgründen als die schmalsten Ausführungen.
Hier ein Case-IH AxialFlow mit einem MacDon FlexDraper von 9 m. Das hat einen flexiblen Messerbalken der sich der Bodenkontur anpassen kann für Kulturen mit tiefem Fruchtansatz wie Sojabohnen oder Erbsen:
 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Nach zweieinhalb Jahren Messepause waren sehr viele Maschinen für mich neu, die hatte ich noch nicht live gesehen sondern nur auf Fotos. Besonders fiel mir das bei dem aktuellen "Gesicht" der Case-Traktoren auf. 
Richtig überrascht war ich darüber dass die neue Dammann ProfiClass Tridem ausgestellt war, die erste Anhängespritze mit Tridem-Fahrwerk und 20.000 l Fassinhalt. Von der hatte ich bisher nicht mal Fotos gesehen sondern nur CAD-Grafiken. Und dann steht man vor dem Riesenteil. Dieses Exemplar wird beim Agro-Team Unseburg in der Magdeburger Börde zum Einsatz kommen:
 

 
 
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Ein Nachtrag noch zum vorletzten Post: Blick in einen Sgariboldi Gulliver 6014. Das ist ein selbstfahrender Fräsmischwagen, ein Paddelmischer mit integriertem Strohhäcksler und Behälterdeckel. Oben links im Bild sieht man das Förderband das von der Fräse (bzw. Strohhäcksler) kommt. Sgariboldi hat eigentlich auf jeder Messe an einem der ausgestellten Mischwagen eine Plattform stehen, dass man reinschauen kann.

Benjamin
 

 

Sonntag, 24. April 2022

Agra 2022 - Teil 1

Am Freitag war ich auf der diesjährigen Agra in Leipzig. Die fand letztmals 2019 statt und damals war ich nicht dort weil es wegen der Arbeitseinteilung nicht geklappt hatte. So ist es halt mit Kühen, die brauchen 365 Tage im Jahr Betreuung. Letztmals war ich also 2017 dort, auch schon wieder 5 Jahre her...

Und die letzte Messe überhaupt die ich besucht habe war die Agritechnica 2019 (siehe auch Posts vom 27.11.0219 und 30.11.2019). Nach zweieinhalb Jahren "Endlich wieder Messe!" wie es letztens die DLG geschrieben hatte.

In den Hallen waren einige Flächen frei, wahrscheinlich genauso zur Seuchenprophylaxe wie die aufgedrehte Lüftung, die merkte man deutlich. 

Zur aktuellen Stimmung in der Landwirtschaft fiel mir vor allem auf, dass die Vertreter der (Mineral-)Futterfirmen der Meinung waren, dass die Milchpreise ja so kräftig gestiegen wären.
Zwar waren im März die Milchpreise im Durchschnitt so + 35% zum Vorjahr, aber:
Kraftfutter + 55 %
Diesel + 50 % 
Mineraldünger + 100 - 200 %
Es ist aktuell nur eine abartig hohe Inflation und man kann nur hoffen, dass die EZB mal den Arsch hochkriegt...
 
Bei der Tierausstellung war nach der langen Zeit der Geruch der Holzhackschnitzel ungewohnt und auch dass die Rinder auf der Agra immer noch angebunden gezeigt werden, auf der Mela sind sie seit 2015 freilaufend (siehe Post vom 14.09.2015).
Im Tierschauring wurden hier Fleischrinder verschiedener Rassen gezeigt. Leider kein gutes Foto habe ich vom Limousin-Deckbullen Famos vom LVG Köllitsch, wo wie auf eine Lebendmasse von 1.200 kg geschätzt haben; aber dann wurde gesagt, dass er 1.580 kg wiegt:
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Die Aufstellung der verschiedenen Schafrassen; in der Mitte der Reihe sieht man ein Lamm entlang rennen, die waren frei laufend bei ihren Mutten dabei. Bei Kälbern kann man sowas nicht machen, die müsste man dann auf dem Freigelände einfangen...
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Fortsetzung folgt!
 
Benjamin

Donnerstag, 21. April 2022

Große Erfindungen - Futtermischwagen

Die zweite große Erfindung ist der Futtermischwagen als Mechanisierung für die Futtervorlage. 
Je nach Ausführung kann der Futtermischwagen das Futter aus dem Silo bzw. Lager aufnehmen, die einzelnen Komponenten mischen, zum Stall transportieren und entlang der Futtertischs ausdosieren.
Neben der Mechanisierung ergeben sich die Möglichkeiten der TMR-Fütterung: Alle Futterkomponenten zusammen, dass die Kuh nicht wählen kann und mit jedem Bissen das richtige Verhältnis der Nährstoffe zueinander fristt. Das vermeidet Schwankungen des pH-Werts im Pansen durch ungleichmäßige Stärkeaufnahme, was die Pansenmikroben beeinträchtigt (Subklinische Pansenacidose - SARA).
 
Zur Geschichte des Futtermischwagens: Da sind verschiedene Entwicklungen ineinander geflossen. Wie die Siloblockschneider mit Verteilvorrichtungen oder Querförderbänder an Ladewagen für Frischgrasfütterung.
Wie ich 2015 zum Grünen Wochenende in Iden war (siehe auch Post vom 14.09.2015) sprach ich im Agraneum (-> Link hier) mit einem pensionierten Wissenschaftler, der mir erzählte wie er Ende der 1960er am damaligen Institut für Rinderproduktion Iden-Rohrbeck der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR einen Futtermischwagen entwickelt hat. Auf einem IFA W50 montiert wurden darin Silage und Kraftfutter gemischt. Zu einer Serienfertigung kam es aus politischen Grüden nicht, denn es wurde auf stationäre Fütterungssysteme gesetzt, wie die Überkopf-Bänderfütterung in den 1930er Anlagen (siehe auch Post vom 25.08.2016). 
In Deutschland verbreiteten sich die Mischwagen dann in den 1990ern wie in den Neuen Ländern die Anbindeställe (wie die L203, siehe Post vom 09.01.2017) mit Bandfütterung auf Boxenlaufställe mit Futtertischen umgebaut wurden und in den Alten Ländern zunehmend größere Ställe gebaut wurden.

Futtermischwagen lassen sich nach mehreren Kriterien unterscheiden. Traktorgezogen oder Selbstfahrer, Selbstbefüller mit Fräse oder Schneidschild und Fremdbefüller und nach dem Mischsystem. Die meisten sind Vertikalschneckenmischer, die eine bis vier kegelförmige Mischschnecken haben, dann Horizontalschneckenmischer mit einer, zwei (parallel), drei (eine unten, zwei oben) oder vier (zwei unten, zwei oben) horizontale Mischschnecken und seltenere Bauformen wie Passelmischer mit einer horizontalen Paddelwelle, Haspelmischer oder Kettenmischer, die eine umlaufende Kette mit Mitnehmerleisten wie bei einem Kratzboden haben.
 
Der Mischwagen, den mein Stammbetrieb LVAV Hofgut Neumühle von 2003 bis 2009 hatte: RMH CS. Ein selbstfahrender Fräsmischwagen mit (vier) horizonzalen Mischschnecken. Horizontalmischwagen erkennt man an der kastigen Mischwanne, Vertikalmischer sind trichterförmig:
 

 


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Keenan easi-Feeder 115, 11,5 m³ Haspelmischer, gezogener Fremdbefüller:
 

 


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Wiegecomputer sind heute eigentlich Standard und es gibt viele weitere Zusatzausstattungen wie Strohgebläse zum Einstreuen oder -häcksler um Langstroh zu zerkleinern oder den NIRS-Sensor (-> siehe hier) um den Futtermischwagen nicht nach Frischmasse sondern nach tatsächlichen Nährstoffen zu beladen.

Benjamin

Sonntag, 17. April 2022

Große Erfindungen - Hoflader

Diese Mini-Serie beruht auf einer Aussage meines Bruders vor so anderthalb Jahren was er denn für die wichtigsten Erfindungen für die Arbeit in der heutigen Milchkuhhaltung hält. Und da stimmte ich ihm sofort zu und auch später fielen mir keine wichtigeren Erfindungen ein.

Erste Erfindung ist der Hoflader für die Erleichterung der körperlichen Arbeit im Stall: Ausmisten, Einstreuen, Futter ranschieben, Fegen, Transportarbeiten und auch Füttern in kleinerem Maßstab; wobei das Beispiel Pinnow mit dem Beladen des Mischwagens für knapp 800 Kühe mit einem höheren Arbeitszeiteinsatz ein großer Maßstab ist.
Kurzum der Hoflader ist eine Mischung aus motorisierter Schubkarre und motorisierter Forke. Eine kompakte Motormaschine für den Indoor-Einsatz.

Die Bedeutung des Hofladers verdeutlichen auch die Aussagen zweier Berusfkollegen, einmal "Hätten wir viel früher anschaffen sollen!" und "Nach der Aufgabe der Landwirtschaft haben wir bis auf den Hoflader alle Maschinen verkauft."
In meiner landwirtschaftlichen Zeit über die letzten 14 Jahre hatte ich zu 99 % einen Hoflader zur Verfügung und da wird man bisweilen kreativ für was man den alles verwenden kann: Als nicht arbeitsschutzkonforme Hubbühne, zum Einfangen von ausgebüxten Färsen oder zum Löschwassertransport (vgl. Post vom 22.07.2014).

Geschichtlich würde ich die Entwicklung des Hofladers in einen ostdeutschen und westdeutschen Entwicklungszweig aufteilen.
Der ostdeutsche Zweig setzte schon sehr früh auf Frontladertraktoren mit den Geräteträgern RS08 und RS09 die später von den Zetor 5211 abgelöst wurden und der Fortschritt Stallarbeitsmaschine HT 140, sie speziell für die Stallarbeit entwickelt war. Die scheinen aber vergleichsweise selten gewesen zu sein, ich habe bisher nur eine einzige in außerlandwirtschaftlicher Verwendung gesehen.
Beim westdeutschen Zweig kam es erst Anfang der 1970er Jahre zu Entwicklungen, allen voran der Weidemann Hoftrac als Urtyp der heutigen Hoflader. Ein kleiner knickgelenkter Radlader mit beosnders kompakten Abmessungen.
 
Der Urahn des Weidemann Hoftrac 2013 auf der Agritchnica bei der Sonderausstellung "Meilensteine der Landtechnik" des Deutschen Landwirtschaftsverlags:
 

 



















Die allermeisten Hoflader sind Knicklenker mit hydrostatischem Allradantrieb. Im Hinterwagen sitzt der Motor und oben drauf der Fahrer, auf dem Vorderwagen ist der hydraulische Hubarm. Die Motorleistung liegt zwischen 15 und 50 kW, die Einsatzmasse zwischen 1,5 und 4 t. Die Übergänge zu Radladern sind fließend, wobei Hoflader deutlich kompakter gebaut sind. 
Die Knicklenkung hat gegenüber der Achsschenkellenkung eines Frontladertraktors den Vorteil sich "um die Ecke biegen" zu können was das Manöverieren auf engem Raum und das seitliche Verschieben des Werkezeugs sehr erleichtert.
 
Hersteller von Hofladern gibt es viele in Deutschland und im Ausland. In einer Umfrage der Bauernzeitung letztes oder vorletztes Jahr hatte Weidemann mit gut 50 % den höchsten Anteil, gefolgt von Schäffer mit 15 %. Wenn ich so überschlage bin ich bisher 18 verschiedene Hoflader gefahren, davon 14 Schäffer, 3 Weidemann und 1 Giant.
Der Erste in dieser langen Reihe: Ein Schäffer 3045. Im April 2008 auf meinem Stammbetrieb LVAV Hofgut Neumühle.Mit dem bin ich so viel gefahren, dass ich zwischenzeitlich vergessen hatte beim Autofahren die Kupplung zu treten... Später wurde der mit einem Fahrerschutzdach nachgerüstet wie es heute Vorschrift ist:



 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
In den 2000er Jahren kamen Teleskop-Hoflader auf, bei denen die Schwinge der Hubarms durch einen Teleskoparm ersetzt ist und so mehr Hubhöhe ermöglicht, vor allem beim Ballenstapeln.
Als Beispiel der Schäffer in Pinnow, den ich als oberes Ende bei der Größe von Hofladern einsortieren würde:
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
In die gleiche Richtung gehen kompakte Teleskoplader in klassischer Bauform mit Seitenmotor und Allradlenkung. Solch einen kleinen Teleskoplader bin ich noch nicht gefahren und schätze die Übersicht bei den klassischen Hofladerarbeiten als schlechter ein.
Das Foto ist 2012 auf einem Hof in NRW entstanden, wo ich erstmals so einen Teleskoplader gesehen habe:
 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Dann gibt es noch die Kompaktlader (Englisch Skid Loader; "Bobcat") mit Panzerlenkung. In Nordamerika sind die weit verbreitet, 2014 in Idaho kann ich mich nicht dran erinnern aber laut Uwe waren das 2015 in Wisconsin ähnliche Schlüsselmaschinen wie bei uns die Hoflader.
In den Videos von Jan Kielstra und Eric Weaver sieht man deren vielfältigen Einsatz,
Ich selbst bin noch keinen Kompaktlader gefahren und habe auch noch keinen im landwirtschaftlichen Einsatz gesehen, mir fallen gerade mal drei Höfe in Deutschland ein von denn ich das weiß.

Fortsetzung folgt!

Benjamin

Mittwoch, 13. April 2022

ZWS 2204

ZWS 2204 ist die Abkürzung für Zuchtwertschätzung April 2022, die letzte Woche veröffentlicht wurde. Intern beim VIT glaube ich ist die Zuchtwertschätzung tagesaktuell, für die große Öffentlichkeit gibt es im April, August und Dezember die Veröffentlichungen an denen sich das Spermaangebot der Zuchtorganisationen dann ausrichtet.

Es war jetzt die fünfte bei der Hype (siehe auch Posts vom 08.08.2016 und 09.08.2017) als töchtergeprüfter Bulle (siehe auch Post vom 03.12.2020) dabei war mit inzwischen über 3.000 Töchtern! Davon sind bis auf 16 alle aus Deutschland. Und für die Exterieureinstufung fast 1.000 Töchter, ausschließlich aus Deutschland. 
Entsprechend sind auch die Sicherheiten der Schätzung det einzelnen Zuchtwerte fast alle auf über 90 % gestiegen.
In der Spalte der Milchzuchtwerte rechts unter PM (Probemelken = Milchleistungsprüfung) sieht man, dass jetzt auch schon welche in der 2. Laktation sind. 
 
Unter den neuen Bullen habe ich natürlich auch geschaut was es da Interessantes gibt. Bei RZ€ > 2.000 (für Wirtschaftlichkeit), hornlos (um sich mittelfristig das Enthornen zu sparen), mittlere Größe und positiver BCS (um im Typ gegenzusteuern) blieben nicht viele übrig. Dabei ist mir Star P wegen seines Züchters ins Auge gesprungen: Die Diehl GbR aus Erzenhausen. Ist quasi in meiner alten Heimat und einer der besten Betriebe in Rheinland-Pfalz:
 
Benjamin

Samstag, 9. April 2022

Erste Blüten

Der Krokus ist ein Cheater, aber für mich sind die ersten Blüten anderer Arten ein wichtigeres Zeichen für den beginnenden Frühling. 
Die letzten beiden Wochen kam der Winter noch einmal zurück. Schnee im April ist nicht außergwöhnlich aber kommt auch nicht jedes Jahr vor. So ist das Wetter momentan kalt und regnerisch.
 
Die ersten Blüten dieser Saison:
 
Für den Kuhblog habe ich die deutschen und lateinischen Namen recherchiert, weil ich nur die umgangssprachlichen kenne.
 
Gelbe Narzisse, Narcissus pseudonarcissus. Auf Rheinhessisch Oschderglogge, nach dem hochdeutschen Osterglocke, weil sie um Ostern rum blühen.
 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Gewöhnlicher Löwenzahn, Taraxum sect. Ruderalia. Auf Rheinhessisch Ajerpitsch, was ins Hochdeutsche übersetzt "Eierpfütze" bedeutet, weil die gelben Blüten an die Eidotter aufgeschlagener Eier erinnern. Löwenzahn hat zwar einen hohen Futterwert aber auf Wiesen bringt er mengenmäßig nicht viel Ertrag und kann sich in lückigen Beständen breit machen. Und hat die berühmte Anspruchslosigkeit an den Boden, da reicht feuchter Dreck in einer Fuge:

Benjamin
 

 

Dienstag, 5. April 2022

Zur Kälberaufzucht

In den letzten zwei Jahren war ich nur auf zwei Veranstaltungen gewesen: Im Oktober vom Besamungsverein und auf dem Besamerstammtisch. Heute war ich endlich mal wieder unterwegs und zwar bei einer Veranstaltung der Landwirteakademie von MSD. Ich war beim Präsenzteil, es gab aber auch eine Online-Übertragung; dieses Hybrid-Format ist vielleicht eine positive Folge von Corona.
Thema war die Kälberaufzucht: "Heute Prinzessin - morgen Königin! Was beeinflusst die Kälbergesundheit?" Im Thema schon verdeutlicht, dass wir längst von dem Großhungern weg sind.

1. Vortrag "Parasitäre Durchfallerreger beim Kalb" von Prof. Daugschies von  der Uni Leipzig. Noch einmal detailiert auf Kokzidien und Kryptosporidien eingegangen. Wenn man die einmal hat kriegt man sie nie wieder los, kann sie aber vor allem durch Hygiene und Management klein halten. 

2. Vortrag "Und immer wieder Neugeborenendurchfall..." von Dr. Stoll von MSD. Eigentlich ein Rundumschlag über gute Koloestrumversorgung: Hohe Qualität, große Menge, schnell, sauber ermolken und die Messung des IgG-Gehalts. 
Die Empfehlung der Ad-Libitum-Tränke (machen ja längst nicht alle) und die Vertränkung der Transitmilch die vom Zweitgemelk bis zur verkehrsfähigen reifen Milch nach dem 5. Tag anfällt und weiterhin eine positive Wirkung hat.
Für die Mutterschutzimpfung gibt es auch Impfstoffe gegen Rindergrippe, bisher kannte ich nur die für Durchfallerreger (siehe Post vom 14.12.2019). Ist das gleiche Prinzip, dass die Kuh geimpft wird, sie bildet Antikörper die ins Kolostrum eingelagert werden und das Kalb dann als Schluckimpfung bekommt.

3. Vortrag war Aktuelles vom LKV. Über den Jahresabschluss der Kontrolljahrs 2020/21. In den Neuen Bundesländern waren noch knapp über 600.000 Kühe in der Milchkontrolle. Die Zahl ist weiter stark gefallen. 2012/13 waren es noch rund 750.000 gewesen. Im Gegensatz zu den alten Ländern fallen da die Kühe nicht raus weil die Milchkontrolle aufgegeben wird sondern die ganze Milchproduktion.
Neuerungen gibt es bei den Abgangsgründen, da wurde neu "agressives Verhalten in der Herde" (= auf Mann gehen) und "agressives Verhalten beim Melken" (= ständig Melkzeug abtreten) eingeführt. Bisher konnte man das nämlich nur unter "Sonstiger Abgangsgrund" eingeben wenn deswegen eine Kuh rausgeflogen ist. Im Herde gibt es das aber noch nicht, wahrscheinlich dann im nächsten Update.
Neue Berechnungen sind Q-Check für Tierwohlmonitoring, für das Daten aus der HIT-Tierdatenbank, der Milchgüte der Molkereien und der Milchkontrolle zusammengeführt werden mit Kennzahln für Eutergesundheit, Stoffwechselstabilität (Fett-Eiweiß-Quotient) und Tierverlusten.
Zwei Anwendungen die die aktuellen Milchanalysegeräte können und in den Umfang der Milchkontrolle aufgenommen wurden: Einmal das Ketosemonitoring (zur Ketose siehe auch die Posts vom 12.08. und 14.08.2019) anhand des Betahydroxybutyrats in der Milch und die Zellzahldifferenzierung, bei der die Zellen in der Milch differenziert werden können und man daraus schließen kann in welchem Stadium der Entzündung es gerade ist, da die Milchkontrolle eine Momentaufnahme ist.

4. Vortrag "Mit Vollgas in die Zukunft - gibt es Konzepte in der Milchviehhaltung, die überzeugen?" von Dr. Römer von der Landesforschungsanstalt Mecklenburg-Vorpommarn. Diesen Vortrag habe ich in ähnlicher Form schon mal 2020 in Iden gehört (siehe Post vom 13.03.2020).
Als Nachfolgeprojekte finden jetzt in Zusammenarbeit der ganzen Versuchsanstalten und Landwirtschaftskammern einmal "Gesamtbetriebliches Haltungskonzept Rind" und "Ställe der Zukunft" statt bei dem drei Konzeptställe unter jeweils einem der drei Kriterien Tierwohl, Emissionsminderung und Ökonomie optimiert und gebaut werden sollen um Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

Benjamin

Freitag, 1. April 2022

Stalljubiläum

Und schon wieder ein Kapitel der Geschichte "Wie schnell doch die Zeit vergeht": Heute hatte ich mein 14. Stalljubiläum. Kuhjubiläum ist es keines, denn ich habe mit Kälbern angefangen.

Am 1. April 2008 begann ich in meinem Stammbetrieb Hofgut Neumühle mit dem Vorpraktikum für das Agrarstudium. Das waren drei Monate lang ein Großteil der tierischen Erzeugung: Kälberaufzucht, Bullenmast, Mutterkuhhaltung, Schafhaltung, Milchkühe, Ferkelproduktion und Schweinemast. 

Angefangen habe ich damals beim im Kuhblog oft erwähnten Kälber-Fütterungsversuch zur Kälber-Trocken-TMR mit Luzerneheu. Das waren 40 Fleckvieh-Bullenkälber von 38 verschiedenen Betrieben aus Baden-Württemberg die auf einer Kälberauktion gekauft worden waren. Die Gesundheitssituation war für mich als Praktikant intensiv-lehrreich.

Es sind noch immer Kälber, die Farbe ist teilweise noch dieselbe, aber schon seit fast 12 Jahren ausschließlich Holsteins:

Benjamin 


Montag, 28. März 2022

Vor 25 Jahren

Schon so lange her... Das Foto ist heute vor genau 25 Jahren von meinem Vater aufgenommen worden. Das hatte ich vor einige Zeit auf meinem alten Laptop wieder entdeckt.

2012 schickte er mir das, nachdem er das analoge Foto digitalisiert hatte: "Als Bild hab ich ein Foto drangehängt das ich vor ziemlich genau 15 Jahren geschossen habe, Weisst du was das ist??"
"Natürlich weiß ich was das für ein Foto ist. [...] Kann mich noch daran erinnern, weil ich mich drüber geärgert hab, denn in der Nacht davor, wie ich gekuckt hab, sah man den nicht so gut."


Das Foto zeigt den Kometen Hale-Bopp. Der bedeutenste Komet des 20. Jahrhunderts und auch der einzige den ich bisher gesehen habe. 
Mein Vater mit seinem Interesse an Astronomie hat mich da schon geprägt: Die Sonnenfinsternis 1999, wo wir ins Elsass gefahren sind, weil es dort als totale Sonnenfinsternis zu sehen war, den Venustransit 2004, Mondfinstenisse, Überflüge der ISS und Besuche im Planetarium Mannheim.
Über zwei Sonnenfinternisse zu Kuhblog-Zeiten habe ich berichtet: Siehe Posts vom 20.03.2015 und 10.06.2021

Benjamin