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Donnerstag, 29. Oktober 2026

Viertelselektives Trockenstellen

Über das selektive Trockenstellen habe ich im Kuhblog schon oft geschrieben, eine Zusammenfassung gibt es im Post vom 27.07.2023.
 
Mit viertelselektivem Trockenstellen habe ich keinerlei Erfahrung, zum Beginn des selektiven Trockenstellens war es nur ein Satz gewesen: "Auf Viertelebene ist es eine akademische Betrachtung." Damit war das Thema erledigt, aber die Welt dreht sich weiter! 

Das im obigen Post erwähnte Projekt war das Projekt Minima des Max-Rubner-Instituts und der Thünen-Istituts für ökologischen Landbau. In der ökologischen Milchviehhaltung ist die Antibiotikareduktion ein noch größeres Thema, denn der Antibiotikaeinsatz an sich verstößt schon gegen die eigenen Prinzipien.
 
In 16 Betrieben wurde das viertelselektive Trockenstellen unter wissenschaftlicher Beobachtung durchgeführt. Mit großem Erfolg: Würde ich beim selektiven Trockenstellen ein Einsparpotential von grob einem bis zwei Drittel ansetzen waren es hier 92 %! 80 % der Kühe wurden ohne Antibiotika trockengestellt, rund 13 % nur auf einem Viertel und der Rest auf 2 oder allen Vierteln. 3 Viertel kamen nicht vor, dann wurden gleich alle Viertel antibiotisch trockengestellt. 

Wichtigster Aspekt sind die BU-Proben (bakteriologische Untersuchung) aller Viertel vor dem Trockenstellen, um herauszufinden in welchen Viertel überhaupt Erreger vorhanden sind. Mit Zellzahl und Zelldifferenzierung (siehe Post vom 19.06.2022) ist man immer nur auf Kuhebene unterwegs und kann die gesunden von den kranken Vierteln nicht unterscheiden.
 
 
Das größte Hindernis sehe ich im reinen Zeitbedarf für die BU-Proben im Melkprozess. Wenn in der Altmelkergruppe dann 25 Kühe für die Beprobung vor dem Trockenstellen kommen... Deshalb habe ich in Pinnow am Karussell nie damit angefangen. In Boberow im Fischgrätenmelkstand habe ich nach zwei Jahren damit aufgehört, das war aber der mangelnden Erfolgsrate geschuldet. Weil ich war falsch an die Sache herangegangen: Von den nach Zellzahl für das Trockenstellen ohne Antibiotika möglichen Kühen habe ich Schalmtest gemacht und dann von meist 10 Kühen 7 - 8 Proben genommen. Oft waren nur in 1 oder 2 Proben Erreger nachzuweisen. Eigentlich kein Wunder, das waren ja die eutergesunden Kühe... Diese Kühe dann ohne BU nach "Aktenlage" anhand Zellzahlen, Mastitisgeschichte und später Zellzahldifferenzierung ohne Antibiotika trockenzustellen hat genauso wie schon in Pinnow funktioniert.
Daher wäre mein Ansatz nur BU-Proben von den Kühen zu nehmen, die beim bisher selektiven Trockenstellen Antibiotika bekommen hätten um das Viertel einzugrenzen. 
 
Kuhblog-Intern: Am 18. Oktober hat der Kuhblog die Zahl von 600.000 Lesern erreicht.
 
Benjamin 
 
 
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Montag, 7. September 2026

Mastitis wegzüchten

Mastitis wegzuzüchten hört sich fast zu schön an, aber die Genetik spielt dabei auch eine Rolle, wie anfällig die Kühe dafür sind. Melk-, Stall- und Futterhygiene haben einen höheren Stellenwert, aber die Zucht kann genau wie die Mastitisimpfung ein weiterer Baustein sein. 
 
Wie groß der züchterische Einfluss ist finde ich schwer zu sagen in der Praxis. Man hat Zahlen die (Tankmilch)zellzahl und den Eutergesundheitsbericht der Milchleistungsprüfung. Verbesserungen über längere Zeit schreibt man dann eher Managementmaßnahmen zu.
 
Umso interessanter ist es valide Zahlen zu bekommen: In der aktuellen Ausgabe der Blickpunkt Rind (2.2026) war einen Auswertung mit den Daten der Brandenburger Testherden (RBBplus) mit gut 30.000 Kühen dahinter.
 
Allgemein steigt der RZGesund der typisierten Kälber um 2 Punkte jedes Jahr an, durch die dreimalige Zuchtwertabschreibung kriegt man das so direkt nicht mit, sondern erst wenn man den Durchschnitt der Jahrgänge vergleicht.
 
Dann der Vergleich zwischen Zuchtwertklassen. Dafür werden als die ausgewerteten Kühe nach dem Zuchtwert in vier gleich große Klassen eingeteilt: Höchstes, 2., 3. und schlechtestes Viertel.
Bei der Mastitisinzidenz (Krankheitshäufigkeit) in der ersten Laktation liegen die Kühe des höchsten Viertels nach den Zuchtwerten der Typisierung als Kalb bei 24,8 %, die des schlechtesten 39,7 %. Das ist ein Unterschied des Faktors 1,6. 
Dann am Ende der ersten Laktation nach den dann aktuellen Zuchtwerten sortiert, in die auch die Eigenleistungen eingeflossen sind, liegt das höchste Viertel bei 18,2 %, das schlechteste 45,4 %. Der Faktor ist auf 2,5 gestiegen, das zeigt aber deutlich, dass sich das schon an den Zuchtwerten erst weniger Wochen alter Kälber ablesen lässt.
 
In wirtschaftliche Zahlen umgerechnet gab es ein Diagramm wieder mit den vier Zuchtwertvierteln und dazu die Nutzungsdauer und die Kosten durch Mastitis über das ganze Kuhleben.
Das höchste Viertel nach RZEuterfit lag bei 1.359 Tagen (44,7 Monate) und 383 €, das schlechteste Viertel bei 939 Tagen (30,9 m) und 892 €. 
Ich überschlage das in Cent pro kg Milch und da komme ich durch die niedrigeren Krankheitskosten und Remontierungskosten wegen der längeren Nutzungsdauer auf 5,0 Cent niedrigere Kosten für das höchste Viertel. Für das zweite Viertel sind es 3,3 Cent und für das dritte Viertel 2,2 Cent.
 
Ein riesiger Hebel für die Wirtschaftlichkeit!  
Da liegt es natürlich nahe das schlechteste Viertel auszusortieren. Wie 2016 Kuhvision begann sagte Prof. Swalve, dass ab einer Selektionsrate von 30 % Effekte zu erwarten wären. Das war mir damals schon zu viel, denn wer kauft schon aussortierte Zuchtkälber, die dem Ursprungsbetrieb zu schlecht sind?
Meine Lösung: "Qualität wird nicht sortiert sondern produziert!" Indem man die Selektion einen Schritt nach vorne verlagert bei der Selektion der potentiellen Kuhmütter. Mit Typisierung und gesextem Sperma kann man da nämlich 70 % der verfügbaren Kühe und Färsen aussortieren. Und dann mit BAP und der ausgleichenden Anpaarung theoretisch nur noch Kälber mit RZEuterfit des höchstens (und 2.) Viertels bekommen. 
 
Benjamin 
 
1539 

Montag, 20. Juli 2026

Gegen Mastitis Impfen - Teil 2

Jetzt kommt eine Fortsetzung des Posts zu Mastitisimpfung (siehe Post vom 17.06.2026). 
Denn ich habe doch ein Praxisbeispiel eines Betriebs, der seine Kühe gegen Mastitis impft. 
Ziel dabei ist es die Häufigkeit und Schwere von Mastitiden zu reduzieren.
 
Im Gegensatz zu den Impfstoff von Boehringer wird ein betriebsspezifischer Impfstoff verwendet, der auf die im Betrieb vorkommenden Varianten von St. aureus, E.Coli und Sc. uberis angepasst ist. Halbjährlich wird eine neue Charge produziert, dafür werden Erreger aus BU-Proben (bakteriologische Untersuchung) isoliert. Vorrangig aus den Proben von Kühen mit schwerer Mastitis, weil bei diesen Erreger die Impfung nicht so gut gewirkt hatte.
 
Das Impfschema:
- einmal im Monat wird bei den Färsen, die 70 bis 100 Tage tragend sind mit der Grundimmunisierung begonnen.
- drei Wochen später werden diese Färsen zur TU2 (nur die Tragenden) ein zweites Mal geimpft um die Grundimmunisierung abzuschließen.
- Jede Woche werden die jeweiligen Kühe beim Trockenstellen geimpft und dazu die Färsen, die noch sechs Wochen bis zum vorraussichtlichen Kalbetermin haben.
- einmal im Monat werden die Kühe geimpft, die vor 5 - 6 Monaten gekalbt haben.
 
So wird ab den niedertragenden Färsen ungefähr halbjährlich geimpft. 
 
Benjamin
 
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Mittwoch, 17. Juni 2026

Gegen Mastitis impfen

Am gestrigen Dienstag nahm ich an einem Webinar zum Thema Mastitisimpfung teil. Der Post kommt erst heute, weil es Abends um 19:30 Uhr stattfand, dass die Einzelbauern nach dem Melken teilnehmen können. Und da es bis 21:00 Uhr ging reichte es natürlich nicht für die Veröffentlichungs-Uhrzeit um 20:00.
 
Für mich mal wieder ein theoretischer Ausflug zu den Kühen und auch etwas Neues dabei, von Mastitisimpfungen hatte ich zwar schon oft gehört, aber weder eigene Erfahrungen noch mich näher damit beschäftigt. 
 
Veranstalter war Boehringer Ingelheim. Die jetzt auch einen Mastitis-Impfstoff im Angebot haben. Für mich doch fast naheliegend, das sie im Rinderreich stark bei Impfstoffen und Eutermedikamenten aufgestellt sind. Gleich zu Beginn der Hinweis auf das Heilmittelwerbegesetzt und man solle sich bei näheren Fragen zum Impfstoff an seinen Tierarzt wenden. Da verweise ich auf die Internetseite, wo es die Packungsbeilage mit den entsprechenden Informationen gibt.
 
Es gab zwei Vorträge zu Mastitis:
 
1. Dr. Exner von Boehringer über die Mastitisimpfung; "Mastitis-Prävention anders denken"
 
Mastitis ist das Haupteinsatzgebiet von Antibiotika in der Milchviehhaltung und der ökonomisch bedeutenste Krankheitskomplex. 
 
Wobei die verminderte Milchleistung den größten Anteil ausmacht. Das beginnt schon bei 50.000 Zellen/ml, also niedriger als die 100.000, die in Deutschland die Grenze für eutergesund sind und erst recht die internationalen 200.000. 
Dazu der Zellzahlrechner von Boehringer: https://www.vetmedica.de/mastitis-zellzahlrechner  
wie viel Milch und Geld durch erhöhte Zellzahelen (= subklinische Mastitis) verloren geht. Die genaue Formel dahinter habe ich nicht ermittelt. Aber es wird einfach auf 305 Melktage hochgerechnet und nach Laktationsnummer und Zellzahl Verluste an Milch angesetzt, gestaffelt von 0 % bei unter 50.000 Zellen bis 9 % bei Mehrkalbs-Multimillionären.
 
Die Eutergesundheit der deutschen Kühe verbessert sich langsam. Die aktuellen Zahlen des nationalen Tierwohlmonitorings (Q-Check): https://q-check.org/monitoring/ 
 
Die Mastisimpfung gibt es gegen verschiedene Erreger, entsprechend muss der Leitkeim im Betrieb bekannt sein.
Sie ist keine Therapie und kein Allheilmittel sondern ein weiterer Baustein für die Vorbeugung. Was zu weniger und leichter verlaufenden Mastitiden führen kann, die Zellzahl senken und den mit Mastitis verbundenen Stress für Kuh und Mensch.
 
Die Impfung soll vor Hochrisikophasen für Mastitiden erfolgen, nicht einmal die ganze Herde komplett, sondern am besten immer in der Trockenstehphase, dass der Impfschutz für die Frühlaktation besteht.
 
In den USA wären Impfungen gegen E. coli weit verbreitet, als Schwelle gilt dort, wenn im Jahr 1 % der Herde an schweren Coli-Mastitiden erkrankt. Diese Inzidienz kann ich nicht recht einschätzen, weil der Großteil der Coli-Mastitiden bei normalen Erreger-Nachweis entdeckt werden. Aber von der Häufigkeit könnte es hinkommen bei den Fällen, in denen die Melker gleich kommen um Bescheid zu sagen, dass man schon parat steht wenn die Kuh vom Karussell läuft.
Dass allein ein bis zwei vermiedene Todesfälle schon sehr viel Impferei bezahlen können. 

2. Dr. Scheu, Tierärztin auf meinem Stammbetrieb Hofgut Neumühle
"Mastitiskontrolle anders denken"
 
Dabei ging es gar nicht um die Mastitisimpfung sondern um Mastitis und Prophylaxe allgemein, denn der Fokus würde viel zu sehr auf der Therapie liegen.  
Sie zitierte viel Grundlegendes zur Mastitis von Prof. Krömker, dem deutschen "Euterpabst".
Eutergesundheit ist eine strategische Risikoanalyse, ein kontinuierlicher Prozess und vor allem im Handeln eine Kontinuität wichtig, also wie immer bei Kühen.
 
Vier Beispiele zur Eutergesundheit von der Neumühle:
1) Die Aureussanierung. Da erinnere ich mich z.B. daran, dass es im Melkstand für die Aureus-Gruppe zum Schluss einen extra Dippbecher gab, der auch mit einem gelben Fesselband markiert war.
2) Fütterungseinfluss auf das Immunsystem und damit die Eutergesundheit. Bei einem Fütterungsversuch, bei dem die Kühe im Bereich subklinischer Pansenacidose (SARA) lagen verdoppelten sich die Coli-Mastitiden.
3) Liegeboxenpflege, weil Kühe die meisten Zeit liegen und damit das Euter Umweltkeimen ausgesetzt ist. Wobei auf Neumühle in den Tiefboxen unten drin mit Pferdemist als Grundmatratze gearbeitet wird und darauf Kalk-Stroh-Gemisch. 
4) Kontinuierliche Überwachung als nach dem Wechsel der Melkbecherhülsen von Stahl auf Kunststoff die Einstellungen nicht mehr passten und die Hyperkeratosen an den Zitzen zunahmen. 
 
Benjamin

1530

Sonntag, 19. Juni 2022

Zelldifferenzierung

Die Zelldifferenzierung ist ein Analyseverfahren das der LKV mittlerweile im Rahmen der Milchkontrolle routinemäßig anwendet.

Dabei wird die Zellen in der Milch noch einmal differenziert um neben der Zellzahl an sich noch weitere Rückschlüsse auf die Eutergesundheit zu ziehen.

Es wird unterschieden in Makrophagen sowie Granulozyten und Lymphozyten. Die Makrophagen sind die Fresszellen die überall im Körper die erste unspezifische Immunabwehr gegen eindringende Erreger stellen. Im Euter machen sie die übliche Abwehr und erst bei größeren Infektion kommen die spezialisierten Granulozyten und Lymphozyten dazu, die die Euterenzündung als sichtbaren Teil ausmachen und in ihrer großen Anzahl für die Flocken in der Milch sorgen.

Mit der Zelldifferenzierung wird dieses Verhältnis zueinander ermittelt, angegeben im DSCC (Difference Somatic Dell Count), also Zellzahldifferenz. Das ist eine Prozentzahl wieviel % der Zellzahl Granulozyten und Lymphozyten sind. Über 65 gilt es als Entzündungsprozess.

Der DSCC wird in unter und über 65 % unterteil und die Zellzahl in unter und über 200.000, weil das der international üblichere Wert für eutergesunde Kühe ist als die 100.000 in Deutschland. Angesichts der Bandbreite der möglichen Zellzahlen bei Euterentzündungen ist dieser Unterschied aber nicht besonders relevant.
Es ergeben sich vier Felder:
A (grün): Zellzahl unter 200.000, DSCC unter 65%: eutergesunde Kühe
B (orange): Zellzahl unter 200.000, DSCC über 65 %:  beginnende Entzündungen
C (rot): Zellzahl über 200.000, DSCC über 65 %: akute Entzündung
D (blau): Zellzahl über 200.000, DSCC unter 65 %, abklingende Entzündung, chronische Mastitis, bei der mehr Makrophagen anwesend sind.
 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
In der praktischen Anwendung kann man damit ableiten wo eine Kuh im Prozess einer Euterentzündung bei der Milchkontrolle ist.
Das finde ich schon etwas schwierig, da von den Kühen mit über 200.000 Zellen der Großteil in Feld C landet und von denen unter 200.000 auch ein Teil in Feld B. Da erscheint gut ein Viertel der Kühe als beginnend/momentan/abklingen/chronisch euterkrank. 

Als Schluss habe ich aber daraus nach mehreren Monaten Datensammeln gezogen das Schema des selektiven Trockenstellens (siehe auch Post vom 27.02.2019) anzupassen. Drei Mal unter 100.000 Zellen ist der Versuch eine stabile eutergesunde Kuh zu definieren. Wenn ich stattdessen eine Kuh aus dem Feld A nehme ist sie nach der Zelldifferenzierung eutergesund. Mit der Zellzahlgrenze von 200.000 dabei ergibt sich gegenüber den 3x 100.000 Zellen eine Einsparung von antibiotischem Trockenstellen von noch einmal einem Drittel. Bedenken habe ich dabei keine, denn wenn man sich die Zellzahlverläufe der Kühe anschaut sehen die in Ordnung aus, aber oft die 100.000 Grenze nicht alle drei Mal erreicht.

Benjamin

Freitag, 20. Mai 2022

Schalmtest

Die letzten Tage habe ich viele Schalmtests gemacht bei Kühen die in der letzten Milchkontrolle sehr hohe Zellzahlen hatten aber keine akuten Euterentzündungen.

Der Schalmtest heißt auch California Mastitis Test, kurz CMT, was eine schöne Abkürzung ist. Kann man gut auf eine voruntersuchte Kuh mit Fettstift draufschreiben "CMT iO".

Beim Schalmtest reagieren die Zellen in der Milch mit der Testflüssigkeit und anhand der Reaktion kann man die Zellzahl abschätzen. Nicht in absoluten Zahlen sondern in relativen Größenordnungen.

Zuerst wird die Kuh vorgemolken, um wie beim normalen Melken den Dreck aus den Strichkanäle rauszuspülen. Dann wird jedes Viertel auf die Schalmtestplatte gemolken, mit der Testflüssigkeit versehen und geschwenkt, dass es sich vermischt und reagiert.

Das Ergebnis unterteile ich in meiner Arbeit in vier Stufen:
CMT 0 = nur Farbänderung durch die Testflüssigkeit.
CMT + = Schlierenbildung, leicht erhöhte Zellzahl
CMT ++ = wird zäh, stark erhöhte Zellzahl
CMT +++ = verklummt, das sind Millionen Zellen und sieht man aber meist schon beim Vormelken.

Benjamin


Sonntag, 8. November 2020

Eutergesundheitsbericht - Teil 2

Nun zur zweiten und dritten Seite des Eutergesundheitsberichts.

Hier noch mal der Link zur Podcastfolge im Kuhverstand. 

Die ganze zweite Seite des Eutergesundheitsberichts nehmen die Kennzahlen zur Trockenstehphase ein. 
Während des Trockenstehen besteht die Möglichkeit das subklinische Euterentzündungen, also erhöhte Zellzahlen, ausheilen auch mit der Unterstützung durch einen antibiotischen Trockensteller (siehe auch Post vom 27.02.2019). Aber es besteht auch die Möglichkeit, dass sich die Kuh während des Trockenstehens mit einem Eutererreger infiziert. Dies kommt am häufigsten in den Tagen vor der Kalbung vor, wenn sich der Kreatinpropf der während des Trockenstehens den Strichkanal verschließt auflöst und Keime eindringen können und es gleichzeitig die "Spülwirkung" des Melkens noch nicht gibt. Außerdem Infektionen im Zeitraum zwischen der Kalbung und der ersten Milchkontrolle, das sind als zwischen 5 und 33 Tage (in Sonderfällen mehr). Dass die Infektion schon beim Trockenstellen selber durch Schmutzeintrag mit dem Trockensteller oder Zitzenversiegler herrührt ist von geringerer Bedeutung.
Letzte Milchkontrolle vor dem Trockenstellen > 100.000 Zellen, erste Milchkontrolle nach der Kalbung < 100.000 Zellen -> Ausheilung.
Letzte Milchkontrolle vor dem Trockenstellen < 100.000 Zellen, erste Milchkontrolle nach der Kalbung > 100.000 Zellen -> Neuinfektion.
 


 

 

 

 

 

 

 

Die Zahlen noch mal im Einzelnen, mit dem 12-Monats-Durchschnitt und dem Vergleich zum oberen Viertel: 


 

 

 

 

 

 

  

 
Die Effizienz der Trockenperiode in den letzten zwölf Monaten. Da haben wird im Podcast nicht drüber gesprochen. 
Dafür werden die Kühe in vier Gruppen aufgeteilt:
Nicht geheilt in der TP: Letzte Milchkontrolle vor dem Trockenstellen > 100.000 Zellen, erste Milchkontrolle nach der Kalbung > 100.000 Zellen.
Neuinfiziert in der TP: Letzte Milchkontrolle vor dem Trockenstellen < 100.000 Zellen, erste Milchkontrolle nach der Kalbung > 100.000 Zellen.
Geheilt in TP: Letzte Milchkontrolle vor dem Trockenstellen > 100.000 Zellen, erste Milchkontrolle nach der Kalbung < 100.000 Zellen.
Eutergesund geblieben: Letzte Milchkontrolle vor dem Trockenstellen < 100.000 Zellen, erste Milchkontrolle nach der Kalbung < 100.000 Zellen.
In Brandenburg haben wir da Prozent-Angaben und alle Balken zusammen ergeben dann 100 %:
 







 
Die Mastitisrate 1. Laktation bezieht sich nur auf die erste Milchkontrolle nach der 1. Kalbung, mit welcher Zellzahl die Kuh in ihre Laufbahn startet.
Hier ist auch sind die Hauptinfektionsmöglichkeiten vor und nach der Kalbung. Mein erwähntes Beispiel aus Boberow mit der Trennung der Abkalbebuchten von Kühen und Färsen. Der Hauptgrund war das wegen der Eutergesundheit gewesen, der Anlass aber glaube doch einfach zu viele Tiere und die mussten dann irgendwie aufgeteilt werden:










 
Die chronisch Euterkranken sind Kühe, die zwar meistens keine akuten Euterentzündungen haben aber dann eigentlich doch schon häufiger als die Durchschnittskuh der Herde und auch nicht die beste Eutergesundheit. Zumindest werden sie so definiert, dass sie in drei Milchkontrollen hintereinander über 700.000 Zellen hatten. Da könnte man meinen, dass das doch schnell der Fall ist, aber die 1 bis 2 % Anteil beim oberen Viertel finde ich da schon als normal.
Darunter werden die betroffenen Kühe aufgelistet und die kennt man dann eigentlich schon, weil die in der Regel nicht einfach nur hohe Zellzahlen haben sondern meist mehrfach oder langwierig euterkrank waren:
 











 

Benjamin

Mittwoch, 4. November 2020

Eutergesundheitsbericht - Teil 1

Bisher habe ich hier im Kuhblog wenig über Eutergesundheit geschrieben, weil man im Alltag dann doch am meisten in Form von Euterkrankheiten damit zu tun hat. Und mit Krankheiten schlägt man sich gefühlt den halben Tag rum, auch wenn da die Wahrnehmung zum Glück doch recht verzerrt ist.

Wichtige Kennzahl für die Eutergesundheit ist die Zellzahl. Sie wird in 1.000 pro ml Milch angegeben. Da die Zellen nur wenige Mikrometer groß und mit bloßem Auge nicht sichtbar sind, lässt sich eine Veränderung an der Milch auch erst bei Zellzahlen im Millionenbereich feststellen. Die Zellen sind einmal Drüsenzellen aus dem Euter, die dieses beim kontinuierlichen Erneuerungsprozess abstößt und der Großteile weiße Blukörperchen des Immunsystems. Daher kann man von der Zellzahl auf die Eutergesundheit schließen, was
gerade an Abwehrreaktionen stattfindet.
Und da man die Zellzahl in großem Stil bei der Milchleistungprüfung mit hunderte Proben pro Stunde im Labor routinemäßig bestimmen kann hat sie diese Bedeutung.

Es gibt viele Einflüsse auf die Zellzahl und unabhänigig ob eine klinische Euterentzündung vorliegt ist die Grenze von 100.000 Zellen/ml definiert: Darunter ist die Kuh eutergesund, darüber euterkrank.

Die durchschnittliche Zellzahl bezieht sich auf die ganze Herde, diese wird von den Millionären, also Kühen mit hohen Zellzahlen, meist über 1.000.000 nach oben verzerrt.
Daher hatte Christian die Idee mit der Median-Kuh (-> Link). Der Zellzahl-Median einer Herde lässt dann aber den Anteil der Millionäre unbeachtet, da er deren Einfluss verringert.
Bei meinem Beispiel umfasst eine Herde 50 Kühe, wovon 48 eine Zellzahl von 100.000 haben und zwei von 1.000.000. Die durchschnittliche Zellzahl beträgt 136.000 und die Median-Zellzahl 100.000. Beide Zahlen haben eine recht geringe Aussagekraft, wohingegen der Eutergesundheitsbericht der Milchkontrolle viel mehr bietet. Daher war ich im Kuhverstand-Podcast zu Gast und wir haben darüber diskutiert (-> Link).

Der Eutergesundheitsbericht wurde glaube 2015 deutschlandweit vom DLQ (Deutscher Verband für Leistungs- und Qualitätsprüfungen) unter der Marke Die Milchkontrolle eingeführt. --> Hier eine Erklärung
Wie im Podcast erwähnt sind die Eutergesundheitsberichte in Deutschland auch nicht einheitlich.
-> die schleswig-holsteinische Variante
-> die thüringer Variante, die identisch mit der brandenburger Variante und der der meisten anderen LKVs ist; und auf die sich auch die nachfolgende Abschnitte beziehen, weil ich die halt kenne.
Die Grafiken sind aus einem Beispielbericht des LKV Weser-Ems; in Niedersachsen gibt es mehrere LKVs.

Zunächst die erste Seite:
 
Erster Teil ist ein Balkendiagramm über die letzten 13 Monate, mit der Unterteilung in Kühe der 1. Laktation und Kühe ab der 2. Laktation. Da die Kühe in der 1. Laktation fast immer niedrigere Zellzahlen haben und zudem ihr Anteil in den Herden auch unterschiedlich ist. An diesem Diagramm kann man Trends über die Monate erkennen.
 

 


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Zweiter Teil ist der Anteil der Zellzahlklassen. Die Kühe werden in vier Zellzahlklassen unterteilt: Bis 100.000, 100.000 bis 200.000, 200.000 bis 400.000 und über 400.000 Zellzahl. Hier gibt es den Vergleich zu den Vormonaten und zum oberen Viertel der Betriebe. Mehr als die Hälfte bis hin zu über Dreiviertel der Kühe sollten in der ersten Zellzahlklasse sein  und nur jeweils paar Prozent in den beiden letzten.
Mit die wichtigste Zahl im Eutergesundheitsbericht ist der fett gedruckte Antei der eutergesunden Kühe unter 100.000 Zellen:
 

 
 


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Dritter Teil ist die Neuinfektionsrate während der Laktation, unabhängig von tatsächlichen Eutererkrankungen. Dabei werden die Kühe betrachtet die in der letzten Milchleistungsprüfung unter 100.000 Zellen lagen und in der aktuellen über 100.000 und damit von eutergesund zu euterkrank geworden sind. Wieder Balkendiagramm über die letzten Monate und daneben zum Vergleich Balken für das obere Viertel der Betriebe.
Des Weiteren eine Aufschlüsselung der Neuinfektionen auf die Laktationsabschnitte 0 - 100, 100 - 200, 200 - 300 und ab 300 Laktationstage (= nach der Kalbung).
 

 
 



 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Fortsetzung folgt!
 
Benjamin

Samstag, 31. Oktober 2020

Kuhblog zum Hören

Letzte Woche hatte Christian vom Kuhverstand (-> Link) in seinem Podcast eine Folge über die „Mediankuh“ (-> gibt es hier zu hören). Da der Mittelwert bei der Herdenzellzahl wegen der Millionäre die das verzerren nicht so aussagekräftig ist hatte er die Idee stattdessen den Median zu verwenden. Ich schrieb ihm darauf eine Feedback-E-Mail und meinte recht provokant, dass das alles nicht viel taugt und der Eutergesundheitsbericht der Milchkontrolle viele brauchbare Kennzahlen hergibt.

Darüber haben wir diskutiert und nun eine „Crossoverfolge“ zwischen Kuhverstand-Podcast und Kuhblog zum Thema Eutergesundheitsbericht gemacht. Einmal zum Hören und einmal zum Lesen.

Hier im Kuhblog wird der erste Teil am späten Mittwochabend veröffentlicht; es gibt dann noch einen zweiten Post, weil das für einen zu umfangreich ist.

Benjamin