Posts mit dem Label Kuhblog Exkursion werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Kuhblog Exkursion werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 2. September 2025

Im Sauerland

Am Samstag war ich wieder unterwegs gewesen zum Kühe schauen, und zwar im Sauerland bei Philipp.
Ihn habe ich über den Kuhblog kennen gelernt, er ist einer der frühen Leser. Damals war er in Mecklenburg und ich in Brandenburg und ab und zu gemeinsam unterwegs als "Exkursonsteam". Vor acht Jahren ist er in seine Heimat im Sauerland zurückgekehrt.  
 
Dort ist er als Herdenmanager/Produktionsleiter auf einem Gemischtbetrieb tätig. Neben der Milchviehhaltung wird eine Biogasanlage betrieben und ein landwirtschaftliches Lohnunternehmen mit den Schwerpunkten Futterernte und Gülleausbringung.
 
Das Sauerland ist der nordöstliche Teil des Rheinischen Schiefergebirges. Entsprechend sind es Mittelgebirgsstandorte in meist 300 bis 450 m Höhe und teilweise herausfordernder Topographie. 
 
Der Jahresniederschlag beträgt 1.100 mm und ermöglicht 5 Grasschnitte. In der Gegend sind Grasanteile von 75 % des Grundfutters üblichen, bei ihnen mit 55 % aber niedriger. Es wird auch Biertreber gefüttert, der mit dem LKW des Lohnunternehmens selbst bei Veltins abgeholt wird.
 
Futtertischfoto aus der Standardperspektive, an dem man die Baugeschichte des Stalls erkennen kann. Der vordere Teil mit den Leimbindern ist der ursprüngliche Stall von 1986, an den auf drei Seiten angebaut wurde:
 


 
 




















Blick in den Melkstand, ein Doppel 10er Fischgräte mit Schnellaustrieb und ebenerdigem Eingang zur Melkgrube und entsprechend beidseitigem Rücktrieb. Das Melkhaus mit außenstehendem Milchsilo wurde 2004 neben den Stall gebaut:
 


 
 
 



















Benjamin
 
 
1506 

Donnerstag, 14. August 2025

Erbsenernte im Hunsrück

Es wurde auch Weizen geerntet, aber Erbsen hören sich aufgrund ihres vergleichweise geringen Anbauumfangs halt nach etwas Besonderem an. Zudem ist damit auch der Kuhbezug hergestellt, denn die Erbsen werden an Milchkühe verfüttert werden.
 
Am vergangenen Samstag war ich wieder unterwegs, bei meinem Studienkollegen Johannes im Hunsrück, um mal auf seinem "neuen" Mähdrescher mitzufahren. Es ist ein Claas Tucano 430 (ca. Baujahr 2009), der den Claas Dominator 88 Maxi (BJ 98) ersetzt hat, der ungefähr das Vorgängermodell drei Generationen früher war.
 
Gemäht wurden für einen Nachbarbetrieb Winterweizen und Erbsen, die als Eiweißfuttermittel für dessen Milchkühe eingesetzt werden.
 
Zuerst im Weizen mit Schwadablage des Strohs.
Die Winräder im Hintergrund sind Enercon E-82:E2 mit jeweils 2.300 kW: 
 






















Das Schneidwerk ist ein 5,4 m breites Vario-Schneidwerk (V540) der erste Generation, wo für den Rapsdrusch noch Zwischenbleche eingesetzt werden müssen. Die Varioschneidwerke waren eine bedeutende Neuerung beim Tucano, bei den Vorgängern Medion und Mega gab es nur die Classic-Schneidwerke mit fester Tischlänge. 
In den Erbsen:
 

 
 
 
 




















Benjamin
 
 
1503 

Sonntag, 10. August 2025

Septfontaines 2025 - Teil 2

Jetzt kommt der zweite Post zum Besuch bei Jeff am letzten Wochenende. Und zwar über die Melkroboter.

An Stelle des alten Melkstands wurden die beiden Melkroboter installiert, links davon steht das automatische Klauenbad und der Klauenstand. Hinter den Melkroboter ist die Abkalbebox; auf die Abkalbewiese wurde der neue Kälberstall gebaut und aus dem altem Kälberstall wurde die Abkalbebox. Auf dem Dach werden Strohballen gelagert, mit denen dann die Box nachgestreut werden kann:



 
 
 


















Die Melkroboter stehen beiderseits der ehemaligen Grube des Melkstands. Der Umbau erfolgte im laufenden Betrieb. An einem Tag wurde der erste Roboter eingebaut und noch auf der verbliebenen Melkstandseite gemolken und am nächsten Tag dann der zweite Roboter. Da sich die Roboter an der gleichen Stelle wie der Melkstand vorher befindet haben sich die Wege der Kühe nicht geändert und die Umstellung lief daher sehr gut:
 


 




















 
Hinter den Robotern steht das automatische Klauenbad. Normal laufen die Kühe nach den Melkroboter direkt zum Fressgitter, dort wo gerade die linke Kuh reinschaut. Für das Klauenbad laufen sie dann gerade aus bzw. die Kühe vom anderen Roboter biegen nochmal rechts ab. Wichtig für die Entscheidung für das automatische Klauenbad war die einfache Bedienung. Das geht schnell und einfach per Knopfdruck. Zuerst wird die Wanne aus der senkrechten Parkposition nach unten geschwenkt. So ist sie wenn in einem normalen Rücktrieb genutzt wird nicht im Weg und wird auch nicht vollgeschissen. Mit einem weiteren Knopfdruck wird die Wanne befüllt, wobei das Klauenmittel aus einem Behälter im Technikraum zudosiert wird.
Wo eine Klauenbadfüllung so für 300 Kühe reicht sind das alle Melkungen eines ganzen Tags und die Kühe laufen zwei bis dreimal durch.
 



 





















Im Stallbüro die Roboteransicht im Delpro. Die viertelindividuelle Anzeige kenne ich so vom Karussell nicht. Fahrtrichtung ist links. Die hinteren Viertel geben mehr Milch, aber hier sieht man es dann mal sehr schön. Für jedes Viertel wird die erwartete und erreichte Milchmenge sowie der Milchfluss angezeigt:



 





















Benjamin
 
 

1502 

Montag, 4. August 2025

Septfontaines 2025 - Teil 1

Am Samstag habe ich einen Ausflug mit meinem Bruder und seinen Kindern zu Jeff nach Septfontaines in Luxemburg gemacht.
Wir waren dort schon mal zusammen im Juli 2022 (siehe Posts vom 07.2022 und 07.2022) gewesen und ich alleine im Juli 2019 (siehe Post vom 05.07.2019, 09.07.2019 und 13.07.2019). 
Jetzt wurden die vor drei Jahren sich im Bau befindlichen Projekte - Melkroboter und Kälberstall - in fertigem Zustand besichtigt. Mittlerweile sind sie auch seit gut drei Jahren (September 2022) in Betrieb. 
 
An der Einfahrt zum Hof steht jetzt ein Schild, habe ich extra fotografiert weil Milchviehbetrieb auf Luxemburgisch Mëllechbetrib heißt.
Im Hintergrund ist links die Futterhalle zu sehen und daneben die Rückseite des Kälberstalls:
 

 
 
 



















Eine nicht maßstabsgetreue Grundrissskizze des Kälberstalls, dass ich es nicht so umständlich beschreiben muss:



 
 





















Auf der rechten Seite stehen in vier Reihen die rollbaren Kälberboxen für die Einzelhaltung. Die Boxen haben unter der Einstreu eine gelochte Gummimatte, dass Urin nach hinten ablaufen kann. Zusätzlich haben die Standplätze ein Gefälle und hinten Rinnen, sodass der Boden im Arbeitsbereich immer trocken ist.
Links aus dem Blickwinkel des Fotos ist dann die Kälberküche: 



 
 



















Auf der linken Seite in der Gruppenhaltung sind drei Zweiflächenbuchten mit Stroheinstreu im Liegebereich und planbefestigtem Fressbereich mit Fressgittern. Die beiden hinteren Gruppen haben zusammen einen Tränkeautomaten mit jeweils einer Abrufstation. Der Tränkeautomat sind von DeLaval, also ein normaler Tränkeautomat von Förster Technik in Dunkelblau umgelabelt:
 


 
 



















Ausgestattet ist der Tränkeautomat mit der HygieneBox mit beweglich gelagerten Nuckel und SnycroFeed Schlauchpumpen, bei denen die Tränke vom Anmischbehälter zum Nuckel gepumpt wird und die Kälber nicht die ganze Schlauchlänge saugen müssen. Außerdem können damit auch an beiden Stationen gleichzeitig Kälber saufen. 


Fortsetzung folgt!
 
Benjamin 
 
 
1501 

Sonntag, 20. August 2023

1250 Jahre Hawei - Teil 2

Noch ein paar Fotos von letztem Sonntag aus Hangen-Weisheim, die mein Bruder aufgenommen hat. Wieder kein Kuhbezug, aber für mich als Agraringenieur aus technischer Sicht interessant und agrarhistorisch bezüglich der Entwicklung im Südwesten die ich von Mitte der 1990er bis Mitte der 2010er direkt mitbekommen habe.
Ich beziehe mit zu einem Teil auf die Erzählungen meines Großvaters.

Erstmal noch ein Blick von der Maus auf einen Teil der ausgestellten Maschinen - ca. der Hälfte. Im Vordergrund der charakteristische Gegengewichtsarm der Maus:
























Mähbinder mit dem die Garben für das Handdreschen gemäht wurden. Die Mähbinder mit Zapfwellenantrieb waren die letzte Entwicklungsstufe der Mähbinder und nur eine kurze Zeit lang Ende der 1940er und in den 1950er Jahren im Gebrauch. Vor dem 2. Weltkrieg gab es nicht viele Traktoren und wahrscheinlich noch weniger mit Zapfwelle. Mit der Währungsreform 1948 kam erst die Wirtschaft wieder in Schwung und es gab mehr Traktoren. Dann kamen auch langsam schon die Mähdrescher auf. Weder vom Traktor noch dem Mähbinder weiß ich den genauen Typ, der Traktor müsste ein Deutz 2-Zylinder sein wie ihn auch mein Großvater damals hatte (24 PS, Bj 1957).
























Dann als nächster Entwicklungsschritt die Mähdrescher. Ein Lanz von Mitte der 1950er, Selbstfahrer mit Absackstand. An Mähdrescher mit Absackstand kann ich mich nicht erinnern, die waren zu meiner Zeit bereits ausgestorben. Die ältesten waren von Anfang der 1970er Jahre. Gezogene Mähdrescher gab es noch viele bis Anfang der 2000er. Vor allem die (Deutz-)Fahr M66TS warn in den kleinen Strukturen weit verbreitet. Und in meiner Straße gab es einen Betrieb der mit zwei Claas Garant mähte, im Komplex gezogen von Deutz-Fahr D 5207 und AgroPrima 4.51. Die wurden 2002 rum durch einen Claas Dominator 48 ersetzt:













Heute üblich sind mittelgroße Mähdrescher wie dieser New Holland CR960 aus den 2000ern. Der wurde aber gebraucht aus einer anderen Gegend gekauft. In den letzten 10 Jahren hat da ein deutliches Größenwachstum auch über 200 kW und 6 m Arbeitsbreite hinaus stattgefunden, sehr oft über Gebrauchtmaschinen aus größer strukurierten Gebieten:

Benjamin















1439

Donnerstag, 17. August 2023

1250 Jahre Hawei

Hawei ist die umgangssprachliche Kurzform von Hangen-Weisheim, drei Dörfer weiter gelegen von meinem alten Heimatdorf.

Die Dörfer in Rheinhessen sind deutlich früher erstmals erwähnt worden als die in der Prignitz im 12. und 13. Jahrhundert (siehe auch Post vom 11.05.2016). Dort war es meistens in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts, als die Dörfer in Schenkungsurkunden an das südhessische Kloster Lorsch genannt wurden. 
So auch Hangen-Weisheim im Jahre 773. 
 
Am letzten Wochende gab es ein großes Jubiläumsfest. Neben dem üblichen Bierzelt und Imbiss auch Kunsthandwerkermarkt und ein Bauernfest rund um die landwirtschaftliche Tradition. Der in Rheinhessen übliche Schwerpunkt des Weinbaus nicht, da ist es im August noch zu früh. Und die Viehhaltung auch nicht, die ist in den 1970ern aufgegeben worden und vor der flächendeckenden Einführung von Melkmaschinen sind da nur Mistgabeln übergeblieben die in der Weiterverwendung aufgebraucht wurden. Also keinerlei Kuhbezug.

Dafür Landmaschinen in großen Mengen: Oldtimer ab 1950, fast alles was noch fahren konnte, Youngtimer und moderne Maschinen, dazu von den Lohnunternehmern und dem Landtechnikhandel.

Von einem Lohnunternehmer ein John Deere S680i mit 9 m-Zürn-PowerFlow-Schneidwerk und als Besonderheit ein angebauter Zwischenfruchtstreuer mit Verteilgestänge, wo direkt nach der Mahd das Saatgut ausgebracht und dann mit dem Stoppelsturz eingearbeitet wird. Eine interessante Lösung, weil in der Gegend Zwischenfrüchte eigentlich erst mit den Greeningvorschriften aufkamen und die klassische Streutechnik nicht vorhanden ist:



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nur ein Teil der ausgestellten Maschinen, in der mittleren Reihe die Youngtimer, darunter in Rheinhessen natürlich die Dexheimer. In der vorderen Reihe Neumaschinen von der Raffeisen und da musste natürlich auch ein Fendt Ideal 7 (Singlerotor) dabei sein, der sonst als Vorführer läuft:



 

 

 

 

 

 

 

 

 


Rheinhessen gilt als Land der Reben und Rüben. Und wenn schon kein Weinbau vertreten war dann der Zuckerrübenanbau. Rechts ein Ropa Tiger 6 eines Lohnunternehmers, was eher unüblich ist weil die meisten Rübenvollernter in Rodegemeinschaften laufen. Die Kombination 3-Achser mit sechsreihigem Rodeaggregat ist dagegen üblich. In der kleinstrukturierten Landschaft kann die Schlagkraft von Neunreihern nicht ausgeschöpft werden und sind zudem im Transport zu unhandlich. Den 3-Achser mit 45 m³-Bunker braucht es dann um bei allen Feldern ohne Abfahrer einmal hoch und runter zu kommen.
Links eine fabrikneue Ropa Maus 6, die hatte ich noch nicht mal auf der Messe gesehen. Die kommt dann im September in der Abfuhrgemeinschaft zu ihrem Ersteinsatz:
 

 



 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Vorführung im Handdreschen mit Dreschflegeln. Die Garben wirken recht kompakt, weil bei modernen und eingekürzten Weizensorten die Halme sehr kurz und stabil sind. Anschließend wurde nicht geworfelt sondern mit einer Windfege gereinigt, die rechts im Bild zu erkennen ist. Davon habe ich kein Foto gemacht wegen Kinderarbeit und von der Arbeitssicherheit her:

Benjamin 


 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1438

Montag, 15. Mai 2023

Zum Abschied nach Bingen

Am Donnerstag war ich während meinem Urlaub in der alten Heimat mal wieder und zum letzten Mal zu Besuch auf dem St. Wendelinhof der TH Bingen.
Dorthin habe ich schon enge Beziehungen, natürlich während des Studiums, dann beim Ferkelaufzuchtversuch im Fach Versuchswesen, beim Hammeltest im Praxissemester und seit 2018 wo mein Bruder dort Betriebsleiter ist.

Nun wird im August die Tierhaltung eingestellt. Einmal die ungewisse Zukunft des Betriebs; das war schon 2010 zu meinen Studienzeiten ein Thema: Querulanten-Nachbarn und mit dem geplanten neuen Betriebsgelände abseits der Stadt ging es nicht voran. Nach so vielen Jahren wurde jetzt der Neubau komplett abgesagt, weil es das Land geschafft hat die Investitionssumme auf unglaubliche 32 Mio. (!!!) € aufzublähen. Dazu läuft der Pachtvertrag der aktuellen Hofstelle, die seit 1990 von der FH/TH bewirtschaftet wird in 2 Jahren aus. Der Besitzer ist eine kirchliche Stiftung, die jetzt eher am Wert des Grundstücks interessiert ist - in bester Wohnlage, eine Seite mit Blick über die Stadt und das Rheintal und die andere Seite über ganz Rheinhessen.
Dazu kommt der ständige Ärger mit der übermächtigen Personalvertretung die nicht verstehen wollen dass Tiere 7 Tage pro Woche versorgt werden müssen. 
Aus dieser Gemengelage heraus wurde beschlossen die Milchviehhaltung aufzugeben (Schweine und Schafe dann zwangsläufig auch) und in Zukunft nur noch Ackerbau zu betreiben. Das ist natürlich ganz im Sinne der Landesregierung.
 
Kühe und Jungvieh wurden inzwischen verkauft. Das zuständige Veterinäramt legt die schwammige Formulierung des Transportverbots hochtragender Rinder auf das letzte Trächtigkeitsdrittel aus. So müssen diese Färsen und Kühe noch abkalben und danach die Kälber noch vier Wochen (Lex Otte-Kinast) dableiben.
 
Am Donnerstag waren noch 18 melkende Kühe da. Erkenntnisse dabei: Wenn der Roboter nur noch mit 30 % Auslastung läuft müssen überproportional weniger Kühe geholt werden, es ist kaum noch Boxenpflege nötig, die Kühe sind spürbar sauberer da nicht so viel Mist auf den Gängen. Und was mir aufgefallen ist, weil man normal sowas halt nicht dieht: Auch bei einem Fressplatzverhältnis von 2 : 1 gibt es Rangeleien am Futtertisch.
 
Die letzten tragenden Färsen auf der Trockensteherweide, das Foto habe ich nur ausgwählt weil die rechte so schön gepullert hat:
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Das Mischwagengespann; der Agrotron M620 Profiline ist Baujahr 2008, der kam paar Wochen bevor ich angefangen habe zu studieren. Der Mischwagen ist ein BvL V-Mix Fill, ein selbstladender Einschnecken-Vertikalmischer mit 8 m³. Der wirkt aber mit dem Schneidschild und der Ladewanne hinten dran deutlich größer.



 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Bei einem halb belegten Stall verlieren sich die Kühe darin:
 
Benjamin 



 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1421
 

Mittwoch, 13. Juli 2022

Wieder nach Septfontaines - Teil 1

Von Rheinhessen sind es so zweieinhalb Stunden nach Luxemburg, sodass ich am Samstag Jeff in Septfontaines besucht habe. Vor drei Jahren war ich schon einmal bei ihm gewesen (Siehe Posts vom 05.07.2019, 09.07.2019 und 13.07.2019).

War ich damals positiv überrascht was er nach seiner Zeit bei uns in Pinnow an Optimierungen schon umgesetzt hatte merkt man die Entwicklung nach drei weiteren Jahren deutlich. Die Herde ist auf 120 Kühe angewachsen und in Richtung Generationswechsel sind sie momentan am Stallumbau auf Melkroboter. Sie setzen voll auf Automatisierung, dass in Zukunft für die normale Stallarbeit morgens/abends statt drei nur noch eine Person benötigt werden soll.

Da der Kälberstall der ursprünglich für die Kälber von 50 Kühen gebaut worden war total überlastet ist wird ein neuer Kälberstall anstelle der bisherigen Abkalbekoppel ein neuer Kälberstall gebaut. Die Kühe kalben dann ganzjährig im Stall.
 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
In der Mitte gibt es einen Stichfuttertisch, links drei Gruppenboxen, davon die beiden hinteren mit einem Förster-Tränkeautomat. Rechts dann ein Standfläche für die rollbaren Kälberboxen. 20 Stück wurden angeschafft und stehen (nur teilweise genutzt) aktuell in der Futterhalle.
Jeff hatte den Umzug in den neuen Pinnower Kälberstall mit gemacht und wurde von der damals zur Auswahl stehenden Rollboxen inspiriert. Wir sind da auf das CalfTel-Pen-System mit den zerlegbaren Boxen gegangen, weil keine der ausprobierten Rollboxen überzeugen konnte

Die Boxen sind im Inneren nahtlos ohne jegliche Ritzen verarbeitet und sind hinten einen Spalt weit offen, dass die Jauche abfließen kanne. Unter der Einstreu ist eine perforierte Gummimatte zur Drainage. Die Boxen sollen nach dem Ausstallen zum Misthaufen gefahren, dort ausgemistet und dann außerhalb des Stall gereinigt werden um keine Keime auf die anderen Kälber zu schleudern. Bullenkälber zum Verkauf und kranke Kälber für den Tierarzt können auch aus dem Stall gerollt werden, um die wichtigsten Überträger von Krankheiten - Vierhhändler und Tierarzt - von den gesunden Kälber fernzuhalten.

Pfächtig entwickelte und sehr lebhafte Kälber!
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
2018 waren zwei neue Fahrsilos direkt gegenüber der Futterhalle gebaut worden. Jetzt kommen noch drei weitere dazu, weil die alten Silos hinter dem Kuhstall vom Amt her (vergleichbar mit der Unteren Wasserbehörde in Deutschland) nicht mehr zulässig sind.
 


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Der Mischwagen (Tatoma  12 m³-Einschnecken-Vertikalmischer) war nach so 13 Jahren total verschlissen und wurde durch einen Siloking ersetzt (18 m³-Zweischnecken-Vertikalmischer). Rückblickend wäre 20 m³ vielleicht doch besser gewesen, aber für das Rückwärtsfahren auf den Futtertischen sollte das Gespann nicht zu lang werden.

Fortsetzung folgt!

Benjamin

Sonntag, 1. Mai 2022

Nach Diera

Diese Woche war ich bei einer Veranstaltung des IVM (Interessenverband Milcherzeuger) und zwar eine Exkurion zur Milchhof Diera KG in Diera bei Meißen in Nordsachsen.

Landschaftlich bei strahlendem Sonnenschein und beginnender Rapsblüte sehr reizvoll, mit dem Weinanbau an der Elbe und auf der gegenüberliegenden Elbseite die Lommatzscher Pflege, ein Ackerbaugebiet mit Lössböden hat es mich schon an meine alte Heimat in Rheinhessen erinnert; aber halt mit Kühen.

Der Milchhof Diera ist recht bekannt (z.B. hier ein Artikel in der Elite); mit einer Jahresleistung von knapp 13.000 kg pro Kuh bzw. 968 Fett-Eiweiß-Kilo der zweitbeste Betrieb in Sachsen. Also ein Name den man kennt.
Entstanden ist der Betrieb nicht als LPG-Nachfolger sondern als Wiedereinrichter durch drei Familien in einer GbR und später von zwei der Familien in eine KG umgewandelt.
Der Betrieb ist über die letzten 30 Jahre schrittweise gewachsen, sodass der Hof deutlich breiter als lang ist mit vier Ställen mit fünf Futtertischen und insgesamt 25 Liegeboxenreihen nebeneinander.

Der neuste Stall von 2021 ist der Reprostall für Trockensteher und Abkalber. Auf der einen Seite des Hauptreibewegs der alle vier Ställe verbindet drei Reihen Liegeboxen für die Trockensteher und auf der anderen Seite zehn Abkalbeboxen.
Jede der Abkalbeboxen ist für sechs Kühe vorgesehen mit Platz für bis zu acht bei Abkalbespitzen. In den ersten beiden Boxen werden die gerade abgekalbten Kühe gesammelt bis sie in die Frischmelkergruppe können oder auch mal eine Kuh die nicht über das Karussell (Lemmer Fullwood 50er Außenmelker mit Inline-Milk-Analyser) gehen kann.

Von der Konzeption her die Umsetzung meiner perfekten Abkalbebox (siehe auch Posts vom 29.03.2021 und 31.03.2021). Von der Traufseite her voll befahrbar zum Ausmisten; zwischen zwei Boxen sind abwechselnd massive Mauern (rechts zu sehen) oder Abtrennungen mit integriertem Fangplatz für Geburtshilfe (links). Im Fressbereich ist durchgehend eine Rohrmelkanlage über dem Fressgitter und unten am Barren eine Sprühleitung um den Laufgang anzufeuchten dass sich kein Schmierfilm bildet. Im Fressgang sind keine Zwischentore sondern Hubschranken, das vereinfacht das Umstellen zwischen den Boxen:
 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Besonderheiten des Betriebs:
- Alle Liegeboxen als Tiefboxen die mit Strohpellets eingestreut werden. Vor dem Einstreuen werden die Pellets eingeweicht, quellen dann auf und zerbröseln. Von der Optik liegt das irgendwo zwischen feinem, sehr trockenem Gärrest, Sonnenblumenschalen und Sand.
- Alle Ställe sind mit Fressgittern ausgerüstet. Das ist bei der Herdengröße schon ungewöhnlich aber aus der Geschichte des Betriebs entstanden, dass immer mit Fressgittern gearbeitet und nie ein Selektionsbereich benötigt/gebaut wurde.
- Im Sommerhalbjahr wird Frischfutter gemäht und einmal am Tag in die Ration eingemischt und nicht sparat gefüttert um den Effekt der TMR nicht zunichte zu machen. Ursprünglich mal aus Futtermangel begonnen ist es heute auch wegen der positiven Effekte auf die Fruchtbarkeit (Art Flushfütterung).
- Ein kleiner Teil der Herde sind Jerseys, die genau wie die Altmelker nur zwei statt dreimal täglich gemolken werden und die Milch wird separat erfasst und unter einer eigenen Lieferantennummer an die Molkerei verkauft.
- Die tragenden Färsen sind auf einen Zweigbetrieb 45 km weit entfernt ausgelagert.
- Eine Milchtankstelle am Melkhaus. Original Dieraer Kuhmilch.
- Als Detail ist mir der intensive Einsatz von Karabinerhaken für verschiedenste Anwendungen aufgefallen wie verbiegesichere Sturmhaken an den Stalltoren und jerseytaugliche Lecksteinhalter.

Ein Foto mit gleich drei der Besonderheiten: Jerseys im Fressgitter und TMR mit eingemischtem Grünfutter:
 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Noch einmal vielen Dank an Hrn. Schlunke für die tolle Führung!
 
Benjamin