Mittwoch, 19. August 2020

Mais-Sortendemo 2020

Zum Silomais als (mengenmäßig) wichtigstes Kuhfutter gibt es heute wieder einen Post. Der Mais ist auf den leichten Standorten in Brandenburg vorherrschend, auch wenn fraglich ist was man bei den heutigen Witterungsverhältnissen abändern sollte. Auf mehr verschiedene Kulturen zu setzen wäre bestimmt sinnvoll, z.B. Sorghum oder mehr tiefwurzelnde Pflanzen wie Rohrschwingel und insbesondere mein Liebling Luzerne.

Die Maissortendemo vor zwei Jahren (siehe Post vom 19.07.2018) war nicht ausgewertet worden weil bei der Trockenheit die frühreifen Sorten generell besser abschneiden (siehe auch Post vom 19.09.2018).
Beim Mais werden die Reifezahlen angegeben, einmal S für Silomaisnutzung und K für Körnermais (auch Lieschkolbenschrot, Corn-Cob-Mix). Die meisten Sorten haben beides und sind somit universell nutzbar. Die Zahlen reichen ca. von 130 bis 420, im deutschsprachigen Raum sind meist 200 - 300 üblich. Zehn Punkte entspricht in der Reife rund 3 Tage Unterschied. Die frühen Sorten wachsen und reifen schneller, brauchen also eine nicht so lange Vergetationsphase und nicht so viel Wasser, haben aber geringere Erträge. 
130er Sorten kann man nach Wintergerste Anfang Juli noch säen und kriegt die im Oktober noch vor der Weizenaussaat geerntet. 380er Sorten in Gunstlagen am Oberrhein Mitte April gesät reifen noch ab und bringen dann im Vergleich locker den doppelten Ertrag.
Für die Sortenwahl sind die Vegetationstage am Standort und das verfügbare Wasser entscheidend.
In der Sortendemo werden verschiedene Sorten nebeneinander angebaut um sie vergleichen zu können.

Wie man an der Sorten schon erkennt, ist die Demonstration von KWS angelegt:
- Benedictio KWS S230/K230; da mehrfach im Vergleich scheint das eine passende Sorte für den Standort zu sein
- KXB 9132, dem Namen nach sicher noch nicht vermarktet oder eine interne Vergleichssorte
- KWS Jaro S230/K240
- KWS Bernadino S240/ca. K230
- KWS Vitalico S240/K240
- Benedictio KWS 230/K230
- KWS Otto S240; die Kompaktheit sieht man, ist relativ kurz gewachsen
- KWS Paratico S250; hohe Verdaulichkeit, auch kurz gewachsen
- KXB 9201
- Benedictio KWS 230/K230
- Kilomeris S260, Biogasmais, da ist z.B. die Stärkeveraudlichkeit nicht so wichtig
- Benedictio KWS 230/K230
- KWS Shako S280
- KWS Kentos ca. S280
- Koletis K260, das ist eine reine Körnermaissorte 

Auf dem Foto wirkt der Bestand wellenförmig, das sind die Höhenunterschiede der einzelnen Sorten:

Benjamin



Sonntag, 16. August 2020

Neuer Schäffer

Über die Vorführung des Elektro-Hofladers hatte ich im Kuhblog berichtet (siehe Post vom 14.05.2020).
Seit nun vier Wochen ist der neue Hoflader im Einsatz und hat in dieser Zeit schon rund 40 Betriebsstunden gemacht.
Es ist ein üblicher Schäffer-Dieselhoflader, aber in der Niedrigvariante: Schäffer 2024 SLT.
Der unterscheidet sich von "normalen" 2024 dadurch, dass der Motor nach hinten verschoben ist und man nicht über sondern vor dem Motor sitzt. Man hat so auch keine Trittstufe sondern steigt gleich auf die Plattform, das ist kein klassisches "Aufsteigen" auf den Hoflader sondern eher ein "Einsteigen" wie beim Kälberauto. Und damit passt er trotz Fahrerschutzdach mit einer Gesamthöhe von 1,89 m überall in die Ställe rein. Die Außenbreite beträgt 95 cm, mit der Schaufel die er von seinem Vorgänger geerbt hat sind es 1,4 m. 
Besonders gewöhnungsbedürftig ist die Bedienung des hydaulischen Fahrantriebs. Ich bin schon geschätzt 15 Hoflader veschiedenster Größe, Fabrikat, Alter gefahren und alle hatten ein Gaspedal und ein Bremspedal oder Inchpedal. Der kleine Schäffer hat rechts Gaspedal, Bremspedal und links ein Fahrpedal. Das ist eine Wippe mit der man die Fahrtrichtung vorgibt, die Geschwindigkeit geht dann über das Gaspedal. Es gibt auch keinen Joystick mit dem Richtungsschalter sondern einen einfachen Kreuzhebel:

Benjamin


Donnerstag, 13. August 2020

Nach Berlin - Teil 2

Auch wenn wir in Berlin die meiste Zeit durch die Gegend gefahren sind musste natürlich auch etwas Sightseeing sein.

Vom Hauptbahnhof ging es über die Spree ins Regierungsviertel.
Bei der Frau Merkel vor der Haustür. Dass das Bundeskanzleramt inzwischen auch schon gut 20 Jahre alt ist sieht man, insbesondere weil große Teile der Fassade mit wildem Wein bewachsen ist. Ob der Politikbetrieb momentan Sommerferien hat weiß ich nicht, aber überall wurden Fenster geputzt, wie hier oben rechts im Bild zu sehen:



















Auf der Paul-Löbe-Allee zwischen links dem Paul-Löbe-Haus, dem Bürogebäude des Bundestags und dem Reichstag, der hier nicht im Bild ist. Sind zum Brandenburger Tor gelaufen, denn der U-Bahnhof ist geschlossen:

























Und am Brandenburger Tor, dem deutschesten aller Orte:



















Der Ausflug war schön; auch wenn es überhaupt nicht mein Fall ist, so ist doch die Massenmenschenhaltung schon in gewisser Weise faszinierend, dass das alles auch so funktioniert. Für die nächsten Jahre wird Berlin für mich aber wieder nur ein Platz zum Umsteigen oder außenrum fahren sein.

Benjamin

Montag, 10. August 2020

Nach Berlin - Teil 1

Mal wieder etwas Drumherum im Kuhblog und zwar Kuhltur.

Nach Berlin komme ich wirklich selten. Die Berliner haben hier bei uns in der Brandenburger Provinz nicht den besten Ruf, sie gelten als etwas weltfremd. Und als Landei kann ich mit der überlaufenen Großstadt auch nicht allzu viel anfangen; mir reicht es schon wenn ich alle paar Monate auf dem Weg in die Heimat am Spandauer Bahnhof umsteige.
So richtig in Berlin war ich mal 2007 von der Schule aus: Reichstag, Fernsehturm, Altes Museum und Pergamonmuseum; hohe Kultur damals. Und dann nochmal 2016 zur Demonstration (siehe Post vom 17.01.2016).

Jetzt waren am Wochenende meine Geschwister, mein Vater und die Kinder meines Bruders bei mir zu Besuch. Wenn die halbe Sippschaft schon mal da war wurde auch ein Tagesausflug nach Berlin gemacht zum Sightseeing und vor allem mit der ganzen Bandbreite der Berliner Verkehrsbetriebe rumzufahren.

Wir sind mit dem Berlin-Brandenburg-Ticket gefahren, wo man als Gruppe einen Tag lang den ganzen Regionalverkehr in Brandenburg und Berlin nutzen kann. Das war natürlich was Besonderes kreuz und quer rumfahren zu können. Um 2000 hatte ich mit meinen Geschwistern und meiner Mutter immer Ähnliches gemacht: Mit dem Rheinland-Pfalz-Ferienticket für 50 Mark eine Woche lang in den Sommerferien jeden Tag einen anderen Ausflug.
Die Hinfahrt war mit dem Regionalexpress der ODEG, mit dem ich auch immer nach Berlin fahre und dann ich Spandau in den ICE umsteige; von der Schaffnerin hatten sie Kinder-Fahrkarten bekommen:



















In Berlin selbst dann mit der S-Bahn, der Straßenbahn, die dort Tram genannt wird und diverse Fahrten mit der U-Bahn. Sowohl Klein- als auch Großprofil. In München und Prag bin ich schon U-Bahn gefahren gewesen, aber Berlin war dann doch aufregender. Das Kleinprofil sind die ältesten Strecken, die schon zur Kaiserzeit begonnen wurden zu bauen. Die Tunnel sind ziemlich eng und die Waggons nur 2,3 m breit, da sitzt man seitwärts unter den Fenstern entlang. Die Bahnen haben eine recht sportliche Fahrweise und die Tunnel sind sehr kurvenreich, als wenn die damals beim Bau nicht die Richtung hätten halten können. Wenn man im letzten Waggon sitzt sieht man wie der vorderste schon gefühlt zwei Kurven weiter ist. Zwischen Potsdamer Platz und Alexanderplatz:



















Eine größere Aktion war es einen typischen Berliner Doppeldeckerbus zu finden. 2007 waren die noch überall zu sehen, mittlerweile sind die schon sehr rar. Das meiste sind jetzt Gelenkbusse. Da es nur noch so wenige Doppeldeckerbusse gibt scheinen auch nicht mehr die Bäume an den Haltestellen zurückgeschnitten zu werden; die Busse haben massive Edelstahlbügel montiert, dass herabhängende Äste nicht die Frontscheibe beschädigen. Glaube das Foto war irgendwo in Berlin-Wedding:

Fortsetzung folgt!

Benjamin 

Freitag, 7. August 2020

120 Liter Kuhtrank

Zur Erstversorgung von Kuh und Kalb nach der Geburt gehört der Kuhtrank für die Kuh. 
Der Kuhtrank versorgt die Kuh nach der Kalbung mit Mineralien, Energie und Flüssigkeit. Das enthaltende Calcium oral aufgenommen ist eine sehr gute Vorsorge gegen Milchfieber und die Flüssigkeit hält nicht nur die Verdauung in Gang, wo rund um die Kalbung die Futteraufnahme am geringsten ist. Zudem sorgt die Flüssigkeitsmenge in den Mägen eine Labmagenverlagerung zu verhindern, wenn durch das gerade geborene Kalb ein Hohlraum in der Bauchhöhle hinterlassen wurde.
Beim Kuhtrank habe ich die besten Erfahrungen mit dem Milki Kuhtrank von Milkivit gemacht, den saufen die Kühe sehr gut. 
Von der Menge her heißt es so viel wie die Kuh saufen woll. Standard sind erstmal zwei 20 Liter-Eimer voll mit lauwarmem Wasser angerührt. Die 20 Liter-Eimer sind vom Handling am einfachsten, man kann sie in der Abkalbebox leicht neben das Kalb stellen oder der Kuh passend vor die Nase. Ein einzelner Maurertumpen ist da zu sperrig.
Wenn sie unter 25 Liter säuft werde ich schon nervös und bei älteren Kühen die gar nicht saufen wollen drenche ich auch schon mal den Kuhtrank, dass sie den nach der Kalbung auch definitiv haben.
Wenn sie die 40 Liter zügig wegsaufen hole ich auch einen dritten Eimer voll. Ist von Aufwand her nicht ideal, denn es ist ein recht langer Weg zwischen Kälberküche und Abkalbestall. Die absolute Luxusausführung sind da die Abkalbeboxen bei der Milchquelle Stüdenitz, wo eine auf 40 °C eingestellte Wasserleitung liegt mit Anschlüssen zum Kuhtrank anrühren oder Drenchen (vgl. Post vom 22.04.2018). 
Am Mittwoch hatte ich eine Erstkalbende (Färsenkalbung) die ganze 120 l Kuhtrank gesoffen hat. Als sie auch den dritten Eimer in einem Zug leergesoffen hatte und sich nicht groß von ihrem Kalb ablenken ließ habe ich noch einen vierten voll geholt. Und einen fünften und einen sechsten. Mehr habe ich mich dann aber nicht getraut anzubieten. 

Symbolbild für den Kuhtrank:

Benjamin

Dienstag, 4. August 2020

Sommer in der Nordpfalz

Eigentlich wollte ich noch ein Foto aus Rheinhessen im Sommer bringen, weil es genau die richtige Jahreszeit war mit den reifen Getreidefeldern. Von meinem alten Heimatdorf paar Kilometer entfernt ist eine Stelle wo von der Perspektive her dann das Getreide bis zum Horizont zu reichen scheint. Eine leere Ecke im dichtbesiedelten Rheinhessen.
Aber an dem Tag wo ich da hinlaufen wollte regnete es die ganze Zeit und trocknete dann auch nicht mehr ab und weil ich nicht über matschige Feldwege wandern wollte habe ich es ausfallen gelassen...
Trotzdem habe ich noch ein Foto vom diesjährigen Sommer, wiederum nur einige Kilometer weiter aufgenommen, im nächsten Tal, dem Zellertal. Da komme ich als entlang wenn ich zur Neumühle fahre.
Blick von Osten nach Westen zum Donnersberg. Mit 686 m der höchste Berg der Pfalz und namensgebend für den Donnersbergkreis. Ich stehe da kurz hinter der Kreisgrenze (zum Landkreis Alzey-Worms), die gleichzeitig die Grenze zwischen den Regionen Rheinhessen und Pfalz ist. 
Das Foto zeigt sehr schön die Landschaft: Im Tal fließt die Pfrimm, ein linker Zufluss des Rheins. Zu erkennen an den Bäumen. Die Dörfer liegen im Tal, an den Südhängen sind die Weinberge und die Nordhänge und auf den Hügeln Äcker. Sowie die Windräder, wovon es ähnlich viele gibt wie im westlichen Brandenburg.
Grünland gibt es keines, erst ein Stück südlich vom Donnersberg wo dann auch die Neumühle liegt.

Benjamin


Samstag, 1. August 2020

Wieder nach Lampertheim

Jetzt kommen noch die beiden letzten Post von meinem Urlaub in der alten Heimat im Juli.

Ich war auch wieder zur Besuch bei Christian in Lampertheim; nur so 20 km von meinen Eltern entfernt ist es halt naheliegend.

Durch die Corona-Krise hat sich der Absatz an ihrer Milchtankstelle dauerhaft erhöht. 

Der Mähdrescher war noch in der Werktstatt gewesen weil ein defektes Lager an der Schüttlerhilfe ausgetauscht werden musste. So war ich dann untere anderem dabei, wie eine der beiden Regnertrommeln umgestellt wurde.

Die Beregnung von Feldkulturen wird an Bedeutung gewinnen um Ausfälle wie in den letzten beiden Jahren abmildern zu können. Im Hessischen Ried ist die Beregnung seit Jahrzehnten üblich; nur einen Kilometer vom Rhein entfernt hat es einen hohen Grundwasserstand und als Gemüsebaugebiet ist die Infrastruktur an Brunnen vorhanden.
Beregnet werden Zuckerrüben, Mais, Luzerne und Weidelgras. Weil es natürlich ein Aufwand an Kosten und vor allem Arbeit ist nur zu den wichtigen Phasen, also eher 35 mm als Inches (vgl. Post vom 07.11.2014). 

Ausziehen des Regners. Ist eine Bauer Rainstar T61 (-> Link) mit ungefähr 400 m Rohrlänge, was für die dortigen Äcker loker ausreicht. Als Herdenmanager finde ich die Typenbezeichnung unmöglich...
Der Regner hat eine 22 mm-Düse und ein Leistung von 25 m³ pro Stunde, entspricht damit einem B-Rohr. 
Auf dem Foto war der Mais deutlich niedriger als bei uns daheim, denn erst so acht Wochen alt, der wurde Mitte Mais nach dem zweiten Grasschnitt gesät.

Und da man auf dem Foto die ganzen Stromleitungen sieht. Das sind 220 kV-Leitungen die dann über den Rhein gehen. Mit Wasser und Strom halt fragte ich, ob man da nicht aufpassen müsse. Wobei es kein Vollstrahl ist sondern stoßweise.
Bei anderen Äckern würden die Leitungen noch tiefer hängen und bei natürlichem Regen passiert auch nichts. Und ins Umspannwerk hätte er auch schon rein beregnet, wie es in die letzten Ecken des dortogen Ackers gegangen ist:




















Starten des Pumpenaggregats am Brunnen mit Starthilfe vom Traktor, denn das hat keine eigene Batterie. Die kann man sich sparen wenn man nach dem Umsetzen der Trommel eh mit dem Traktor zum Brunnen fährt um das Aggregat anzuwerfen:

Benjamin


Dienstag, 28. Juli 2020

Neumühle 1/2020 - Teil 3

Was es im ersten Halbjahr 2020 im Kuhstall vom Hofgut Neumühle noch an Neuigkeiten gab.
Die Besamungsfärsen und Kühe sind jetzt mit Smartbow (-> Link) als Sensorsystem zur Brunst- und Gesundheitsüberwachung ausgestattet. Bisher war es Heatime gewesen von dem manche Kühe noch das Halsband umhaben und zwischenzeitlich auch die Vorserienmodelle von InnoCow (siehe auch Post vom 10.04.2019).
Smartbow ist eine Firma aus Österreich, die vor einiger Zeit von Zoetis übernommen wurde, die verstärkt in anderen Bereiche der Tiergesundheit expandieren. Weg vom reinen Pharmageschäft hin zu Sachen wie Gesundheitszuchtwerte oder auch Gesundheitsüberwachung.
Smartbow sind Senosoren als Ohrmarke, ca. 5 x 3 cm groß. Am Ohr befestigt ermöglicht es die Aktivtitätsüberwachung genauso wie am Halsband oder am Fuß. Und auch das Wiederkauen kann so gemessen werden: Kaut die Kuh wieder wackeln dabei die Ohren in einem sehr gleichmäßigen Rhythmus, den das System erkennen kann.
Es gab auch mal die Variante Eartag Life, dafür gab es auf der EuroTier 2016 eine Goldmedaille. Das war eine normale Ohrmarke als Tierkennzeichnung in die der Sensor integriert war. Seitdem habe ich aber nichts mehr davon gehört, wurde scheinbar nicht zu Serienreife fertigentwickelt.
So sieht die Sensorohrmarke aus: 



















Und hier bei Matilda im rechten Ohr (ganz schön voll). Die Sensoren sind immer am oberen Ohrrand nach unten gerichtet eingezogen:




















Zweite große Neuerung ist eine Fahrzeugwaage, und zwar eine LKW-Waage MOBIL von Kilomatic (-> Link). 
Bisher gabe es drei Fahrzeugwaagen auf Neumühle: Vor dem Getreidespeicher, in der Scheune vom Bullenstall und in Verängerung des Futtertischs im Schafstall (alter Kuhstall), unter der ich damals als Praktikant sauber gemacht habe. Aber alle drei nur für einen einzelnen Anhänger geeignet. Dagegen ist die neue Waage für einen ganzen Zug geeignet.
Prinzipiell ist die mobil und kann in Einzelteile zerlegt transportiert werden. Es scheint jedoch eine feste Installation werden, denn einerseits ist sie festgeschraubt und dann wird noch eine Umfahrung links auf dem Grünstreifen gebaut. Wahrscheinlich eine einfachere Lösung als eine ebenerdige Waage mit Fundamenten:

Benjamin



Sonntag, 26. Juli 2020

Neumühle 1/2020 - Teil 2

Zu Braunies Familie, die ist wieder gewachsen, auf nun drei Tiere.
Ihre Enkelin Mai hat am 10. Juli zum vierten Mal gekalbt und befand sich am 12. Juli als ich zu Besuch war noch in der Abkalbebox:




















Leistungsmäßig zeigt sie weiterhin was genetisch in den Holsteins steck, wenn man sie das nur durch gute Fütterung und Haltung ausschöpfen lässt.
In der dritten Laktation gab sie in 399 Tagen 16.537 kg Milch mit 4,62 % Fett und 3,59 % Eiweiß, das sind energiekorrigiert 17.924 kg ECM. Pro Tag sind das 44,9 kg, etwas weniger als in der 2. Laktation, da waren es 45,8 kg,
Ihre 305-Tage-Leistung lag bei 13.383 kg mit 4,46 % Fett und 3,48 % Eiweiß, energiekorrigiert 14.164 kg ECM. Und 1063 Fett-Eiweiß-Kilo.
Die 100-Tage-Leistung waren 5.056 kg mit 4,28 % Fett und 3,12 % Eiweiß, sind 5.129 kg ECM.

Bei der letzten Milchkontrolle vor dem Trockenstellen gab sie 33 kg mit 5,76 % Fett und 3,93 % Eiweiß. Und bei der letzten Wiegung wog sie 761 kg.

Nach drei Laktationen kommt sie auf eine Lebensleistung von 45.746 kg mit 4,52 % Fett und 3,55 % Eiweiß. Das sind 22,1 kg Lebenstagsleistung und 33,8 kg Futtertagsleistung seit der ersten Kalbung; wegen ihrer hohen Inhaltsstoffe nochmal energiekorrigiert 23,6 kg LTL und 36,1 kg FTL.

Ihre Tochter Matilda ist mittlerweile 15 Monate alt und in der Besamungsgruppe der Färsen:



















Das vierte Kalb von Mai war nach Matilda ihr zweites Kuhkalb und hat bisher keinen Namen, nur schon die Stallnummer 2044 zugteilt bekommen. Den Vater habe ich auch nicht nachgeschaut...
Aber im Computer stand bei Mai unter Kalbungen der Kommentar zu Erstversorgung: 3 Liter Kolostrum alleine gesoffen und dann noch 1 Liter gedrencht. Denn auch hier gilt wieder einer meiner Lieblingssprüche: Nur was man dokumentiert kann man auch managen.
Wie Braunie eine kleine Blesse auf der Stirn:




















Die Zuchtkälber bekommen nur noch eine Ohrmarke und ins andere Ohr ein Transponder, auf dem auch die Lebendohrmarkennummer steht und abgespeichert ist. 
Das ist mittlerweile auch in Rheinland-Pfalz erlaubt eine der Ohrmarken durch eine Transponder zu ersetzen. Und auch nur noch der Knopf, vergleichbar mit den Transponderohrmarken für die Tiererkennung am Melkkarussell (siehe Post vom 07.05.2015), während in Niedersachsen die Rückseite der männliche Teil der normalen Ohrmarke ist (siehe Post vom 16.06.2019) und in Luxemburg der Transponder in die normale Ohrmarke integriert (siehe Post vom 13.07.2019).

Fortsetzung folgt!

Benjamin

Freitag, 24. Juli 2020

Neumühle 1/2020 - Teil 1

In meinem Urlaub war ich natürlich auch wieder auf meinem Stammbetrieb Hofgut Neumühle. Nach sechseinhalb Monaten wieder, eine solch lange Pause hatte es in den letzten 13 Jahren noch nicht gegeben.
Vorher hatte ich extra noch mal angerufen, ob ich überhaupt kommen darf. Das wurde auf dem kurzen Dienstweg geklärt. Mit der Kuhlänge Abstand klappt der Seuchenschutz bei uns Bauern ja gut (vgl. Post vom 08.05.2020). 
Die Coronazeit haben sie bisher gut überstanden, die Mannschaft wurde zur Sicherheit in feste Teams ohne Kontakt zueinander unterteilt. Der überbetriebliche Ausbildungsbetrieb ruht noch bis Ende Juli.

Es gab so viele Veränderungen, dass ich nicht alle komplett nachvollzogen habe. Zudem blieb nicht so viel Zeit zum Quatschen weil der leitende Ingenieur im Kuhstall zeitig fertig werden wollte, denn bei ihm daheim stand das Mähen der Triticale an. Er macht privat halt noch so 150 ha Ackerbau im Nebenerwerb.
Jetzt im Nachgang habe ich meine ganzen Fotos durchgeschaut und mir für den nächsten Besuch halbwegs eine Liste gemacht, bei was ich alles nachfragen will.

Die Braunviecher sind jetzt Kühe. Bin etwas verspätet angekommen, weil ich wegen der gesperrten Autobahnabfahrt einen Umweg fahren musste. Und wie ich in den Melkstand komme kucken auf der anderen Seite aus dem Vorwartehof die beiden Braunvieh rein (siehe auch Post vom 10.04.2019). 
Beim Melken sind sie mir nicht direkt aufgefallen, beim Side-by-Side sieht man nur die Beine und die sind genau wie bei den Holsteins weiß. Aber ich dachte mir noch, dass die beiden letzten Kühe der Reihe von der Form her schlecht melkbare Euter haben. Wie die dann rausgelaufen sind habe ich erst gesehen, dass es die Braunvieh waren.
Frage an die Kuhblogleser die einen besseren Vergleich zwischen Holstein und Braunvieh haben: Sind die Braunvieh da von den Eutern im Schnitt schlechter? Die Fleckvieh sind ja berüchtigt dafür, da weiß ich von einem Betrieb, der seinen Melkroboter (Lely Astronaut A3) wieder rausgeworfen hat, weil das gar nicht ging.
Sie haben die Stallnummern 1700 (Martina, auf dem Foto) und 1800 (Pamela) bekommen. Das Zählsystem für die Stallnummer auf Neumühle ist das recht weit verbreitete mit den ersten beiden Ziffern für das Geburtsjahr und die beiden letzten die fortlaufende Nummer für die Zuchtkälber. (z.B. Leonie 402 = 2. in 2004, Braunie 740 = 40. in 2007, Lara 922 = 22. in 2009 usw.)
Als Zukaufstiere mussten die beiden irgendwie noch einsortiert werden, daher wurde aus November 2017 1700 und Januar 2018 1800.
Vielleicht sah man es wegen der Farbe nur so gut: Der Buddy-Effekt. Sie standen beide zusammen im Vorwartehof, nebeneinander im Melkstand und dann auch wieder zusammen im Stall. Bloß auf dem Foto waren sie nicht gemeinsam am Fressen.

Fortsetzung folgt!

Benjamin


Dienstag, 21. Juli 2020

In Eifel und Hunsrück

Mitte Juli fand meine Tour durch Rheinland-Pfalz zu einer sehenswerten Jahreszeit statt. In Rheinhessen war schon der Großteil der Wintergerste geerntet, auf den Höhen von Hunsrück und Eifel dagegen braucht der Weizen noch bis mindestens Mitte August.

Das Hauptziel war ein Besuch bei Florian in Prüm. Im Studium war er mein Sitznachbar gewesen - wir hatten damals eine recht strenge Sitzordnung in unseren Vorlesungsräumen. Nach dem Studium hatte ich ihn letztmals im Sommer 2014 getroffen (siehe Post vom 15.07.2014) und jetzt nach fast genau sechs Jahren wieder; eine viel zu lange Zeit!
Was er so aus der Eifel erzählt hat: Im Eifelkreis Bitburg-Prüm, der Milchviehhochburg in Rheinland-Pfalz ist der Stallbaumboom wie auch anderswo in Deutschland rum. Die allermeisten der Stallbauprojekte als nach dem Ende der Milchquote der jahrzehntelang Investitionsstau abgebaut wurde sind abgeschlossen. Jetzt gibt es schon einige Betriebe zwischen 300 und 500 Kühen, die aber nicht mehr weiter wachsen dürften, da die Flächenkonkurrenz extrem hoch wäre. Das sind auch hochspezialisierte Milchviehbetriebe mit hohem Viehbesatz, sind bei uns in Brandenburg 0,5 - 1,0 Großvieheinheiten (GV) pro Hektar üblich sind es in Rheinland-Pfalz eher 1,0 und bei diesen Betrieben eher 2,0, teilweise auch etwas darüber. Das sind grob gesagt Betriebe mit mehr Kühen als Hektar. Da wird dann ausschließlich Futter angebaut, keine Marktfrüchte für den Verkauf. 
Von seiner Arbeit als Berater hat er nach Jahren die Erfahrung gemacht, dass extensives Grünland nicht funktioniert weil es zum Verbuschen neigt. Die Betriebe die sich bei der Grünlandbewirtschaftung Mühe geben, auf den pH-Wert achten (also Kalkung), bei der Düngung auch die Spurennährstoffe, Striegeln und Nachsäen würden alle Schnitte mit hohen Energiegehalten ernten. Nur die Quantität hängt vom verfügbaren Wasser ab. Bei der Sortenzusammensetzung der Grassamenmischungen empfiehlt er hauptsächlich später Sorten, weil die frühen zu schnell überständig werden.

Auf dem Rückweg bin noch bei Johannes in Kappel vorbei, das liegt auf dem Weg. Das war was besonderes, denn bisher hatte ich ihn immer in den Sommern der ungeraden Jahre besucht. (Dazu im Kuhblog Posts vom 20.08.2013, 06.07.2015, 17.07.2017, 20.07.2019)
Hatten es über die Entwicklung der Biogasanlage über die Jahre hinweg und wann was auf dem Hof gebaut/umgebaut wurde, denn die letzten zehm Jahre ist kein Jahr ohne Baustelle vergangen. Aktuell ist eine Erweiterung des Wohnhauses dran, wo wir im künftigen Wohnzimmer saßen.
Letztes Jahr hatten wir es schon über die künftige Sämaschine. Da wurde ein Case-IH Optum 300 angeschafft und für den soll auch eine neue Drillmaschine gekauft werden. Aktuell sind das zwei 3m-Kreiseleggenkombinationen von Amazone. 
Zunächst war der Favorit eine angebaute 5m-Kombination aus Lemken Zirkon 12/500 K und Solitair 9/500 K. Als letztens eine solche beim bekannten Landmaschinenhändler verkauft wurde hat er die mal probehalber angebaut und ist auf die Waage gefahren. Mit leeren Saatgutbehälter und 1,5 t Frontballast war der Optum schon bei 18,2 t; 18 t ist glaube die zulässige Gesamtmasse. Mit vollem Saatgutbehälter bei Wenden am Anhang sind dann auch mal 20 t auf der Hinterachse und daher die Entscheidung zu einer angehängten Drillmaschine, dann aber mit 6 m.
Die Kombination Zirkon/Solitair gibt es auch als angebaute Variante in 6 m Arbeitsbreite. Voll wiegt die fast 7 t, da frage ich mich an welchem Traktor die gefahren werden soll, vor allem weil es die auch schon seit mindestens Mitte der 2000er gibt, wo bei 250 kW Schluss war.
Wir haben über die Alternativen bei den angehängten Sämaschinen diskutiert und waren uns bei Variante 2 einig.
1. Horsch Pronto 6 KR; das Fahrwerk ist während der Saat komplett ausgehoben; aber unwendig.
2. Lemken Zirkon 12 KA + Solitair 9/600 KA. Ist fast die gleiche Kombination wie in Boberow, da ist es aber keine Kreiselegge sondern eine schwere Kurzscheibenegge, eine Heliodor 9/600 KUA. Das Fahrwerk läuft hinter der Walze mit, bei leerem Saatgutbehälter ohne Druck, bei vollem mit ca. 2 t Last.
3. Lemken Compact-Solitair 9 KK. Die Last wird auf dem Reifenpacker über die ganze Breite verteilt und dahinter ist nochmal die eigentliche Walze. Voll fast 13 t schwer und 30.000 € teurer als Zirkon + Solitair.
Hat richtig Spaß gemacht, weil so eine Diskussion haben wir letztmals vor neuen Jahren im agrartechnischen Planungsseminar gemacht. War zwar eine sehr umfangreiche Rechnerei aber doch nicht mit so viel Praxisbezug.

Ein toller Tag, die Wiederholung merke ich mir schon mal für das nächste Jahr vor.

Benjamin
 

Mittwoch, 15. Juli 2020

Hochmoselbrücke

Langsam geht mein Urlaub zu Ende und jetzt kommen die Posts was ich so alles gemacht habe.
Erster Programmpunkt war die Tour in die Eifel und den Hunsrück zu meinen ehemaligen Studienkollegen.
Da hatte ich mich gefreut auf dem Weg endlich über die neue Hochmoselbrücke zu fahren, aber es war dann doch eine Enttäuschung.
Über die Mosel gibt es viele Dutzend Brücken, aber fast alle sind unten im Tal von Ufer zu Ufer; bis auf drei: Die A8 bei Schengen (erwähnt im Post vom 05.07.2019), die A61 bei Koblenz und jetzt die B50, mit über 150 m mit Abstand die Höchste.
Schon seit den 1970ern geplant sollte sie das Rhein-Main-Gebiet mit Lüttich verbinden. Jahrzehntelang war es im Hunsrück nur eine zweispurige Bundesstraße und man musste die Serpentinen ins Moseltal hinunter und wieder rauf fahren.
Die Hochmoselbrücke/Hochmoselübergang war dann der Plan einer Brücke über das Tal mit Anschlussstraßen, das bedeutendste Infrastrukturprojekt der 2010er in Rheinland-Pfalz. Seit der Inbetriebnahme im letzten Herbst ist bis auf so 10 km die gesamte Strecke vierspurig und man spart gut eine halbe Stunde Fahrzeit.
Für mich war die Erstbefahrung was Besonderes nach so vielen Jahren des Wartens, das wird bestimmt ähnlich sein wenn man irgendwann auf der A14 über die Elbe fahren kann.
Der gesamte neue Streckenteil ist vierspurig (gelbe Autobahn) und was besonders auffällt komplett mit Wildzäunen eingezäunt. Das wirkt schon ein wenig wie ein Tunnel.
Von der Brücke selbst bekommt man nicht so viel mit, natürlich ist sie beschildert und fällt auch auf, aber bei den Leitplanken und dem seitlichen Windschutz kann man nicht nach unten kucken und sieht von der Mosel und ihrem Tal rein gar nichts. Und der nahegelegene Parkplatz mit dem Aussichtspunkt auf die Brücke ist noch nicht fertiggestellt. Wie in Mecklenburg einfach mal anhalten um ein Foto zu machen (vgl. Post vom 31.12.2017) ging auch nicht. 
Nun hoffe ich das Foto nächstes Jahr nachliefern zu können; das haben wir nämlich so halbwegs ausgemacht, dass ich nicht noch mal sechs Jahre bis zum nächsten Besuch warten werde.

Benjamin

Sonntag, 12. Juli 2020

Unboxing

Nun bin ich endlich mal wieder auf Urlaub in der alten Heimat und ziehe im Südwesten umher. Bevor die fachlichen Posts kommen ein nicht so ganz ernst gemeinter.

Hatte eine Bestellung an Klamotten zu meinen Eltern schicken lassen, weil ich eh nicht daheim wäre wenn ein Paket gebracht wird. So kann ich es als "Rückfracht" aus dem Urlaub mitnehmen und gleich noch eine Sammelbestellung daraus machen.
Firma dürfte bekannt sein, die die halbe deutsche Landwirtschaft einkleidet. Die haben auch die Größen im Angebot die ich brauche.

Heute morgen habe ich dann ein Unboxing veranstaltet. In Zeiten von Social Media muss ich als Blogger das natürlich dokumentieren und meinen Leser zeigen. 
Also der Post ist jetzt etwas im Stil von dem über mein Arbeitsmaterial in den Taschen (siehe Post vom 23.12.2019).

Das Ganze war eine Ersatzinvestition. 

- Zweite Socken. In den Gummistiefeln habe ich Filzsohlen und immer ein zweites Paar Socken. So kann ich den ganzen Tag bequem laufen und 10 - 15 km sind kein Problem. Wenn man das gewohnt ist schwitzt man im Sommer auch nicht. Außer letztes Jahr als ich mal Treiber war mit der entsprechenden Lauferei und bei 35 Grad, da wurde es dann doch zu warm.

- Gürtel. 3 Stück für Arbeitsmontur daheim, Arbeitsmontur auswärts und Zivilkleidung. Die Strechgürtel mit Koppelschloss muss man nicht noch mit Extralöchern versehen, dass sie passen.

- 2 Paar Arbeitshandschuhe. Vor allem fürs Enthornen, Arbeitsschutz halt. Die bisherigen haben mittlerweile zu viele Löcher.

- T-Shirts für die Zivilkleidung. In schwarz, für die Arbeit sind grün. Da halte ich es wie meine Schwester: „Ich bin kein Grufti, aber Schwarz ist ein schöne Farbe.“ Dezent, lange farbecht und gibts auch in XS.

Benjamin


Montag, 6. Juli 2020

Steinfrucht mit Fell

Da hatten wir letzte Woche mal wieder was mit Seltenheitswert: Und zwar eine Steinfrucht mit Fell.
Mumien hatte ich schon mal gehabt (siehe Post vom 10.12.2013), wo ein Fetus abstirbt und nicht resorbiert oder abgestoßen wird.
Die Steinfrucht entsteht früher und ist dann undifferenziert und eigentlich nur ein Klumpen.
Das Besondere an diesem Fall ist aber die Nabelschnur und vor allem das Fell. Von der Haarlänge her ist es bis zum Schluss versorgt worden.
Es waren Zwillinge, das eine Kalb wurde ganz normal geboren und dann kam die Steinfrucht noch hinterher. 
Meine Erklärung dazu: Der eine Embryo ist bei einer Größe von vielleicht 10 cm abgestorben und wurde aber noch weiter versorgt und es wurden Gewebeschichten außenrum gebildet, inklusive Haut und Fell.
Die Natur hat immer wieder Überraschungen parat:

Benjamin

 

Donnerstag, 2. Juli 2020

Kaiserschnitt

Gestern habe ich mal wieder einen Kaiserschnitt mitgemacht, das ist zum Glück recht selten. Ich schätzte das auf eine von 1.000 bis 1.500 Kalbungen. Zusammen mit der Fetotomie (siehe auch Post vom 26.08.2019) gibt es dafür beim Melden der Kalbung den Kalbeverlauf "4 OP", was noch eine Stufe höher ist als "3 schwer".

Erstmals von einem Kaiserschnitt habe ich im Herbst 1995 mitbekommen, da hatte die Cousine meiner Mutter einen Fall. Sie waren die letzten in der Familie (glaube bis 2003) die vor mir Kühe hatten. Waren aber nur eine Handvoll und da war der Kaiserschnitt ein Jahrhundertereignis.

Für mich war es jetzt der fünfte Kaiserschnitt. 
Der vierte im November 2018 war gut ausgegangen und darüber habe ich im Kuhblog berichtet (siehe Post vom 24.11.2018). Kuh Nr. 1053 hatte einen chronischen Scheidenvorfall und konnte auf natürlichem Weg nicht kalben. 

Die drei ersten waren "Notkaiserschnitte" gewesen.
Der erste war im September 2014 bei Kuh Nr. 1048 die hochtragend an einem Leberschaden verendet ist. Die sterbende Kuh wurde aufgeschnitten um das Kalb noch zu retten. Es waren weibliche Zwillinge, eines war tot, das andere überlebte nur wenige Stunden.
Der zweite war im Februar 2016 bei Kuh 1231. Eine Para-TB-positive Kuh, tragend von Delgado, einem weißblauen Belgier. Die hatte eine Gebärmutterverdrehung, wo die Gebärmutter samt Kalb darin verdreht und der Gebärmutterhals abgeschnürt ist. War auch die erste gewesen die ich mitbekommen habe. Das Kalb mitsamt der Gebärmutter wieder richtig hinzudrehen klappte noch mit dem Gyn-Stick (-> Link), aber das Kalb war dann zu groß. Da nach drei Stunden die Kuh dermaßen abgekämpft war blieb als Ausweg nur noch sie einzuschläfern und auch da den Kaiserschnitt an der sterbenden Kuh zu machen. Es war ein großes Bullenkalb von geschätzt 55 kg (die Kälberwaage gabs noch nicht), das ich M14329 AGB Deiko nannte und sich prächtig entwickelte.
Vom dritten Kaiserschnitt kenne ich nur noch den Namen vom Kalb: Sigrun. Das war im Frühjahr 2017. Eine ziemlich kranke, aber hochtragende Kuh, wo wir nicht wussten ob sie es noch bis zur Kalbung schafft. Daher der Plan mit 270 Tragetagen einen Kaiserschnitt zu machen. Danach wurde die Kuh eingeschläfert, weil sie wahrscheinlich an den Folgen der Operation sowieso gestorben wäre. Damals hatten wir es auch über das Zunähen der toten Kuh. Weil die "offen" nicht in die Tierkörperbeseitigung darf. Denn das liefe dann unter einer Sektion im Stall und die sind nicht erlaubt, weil nur unter hygienischen Bedingungen zugelassen für die gerichtliche Verwendbarkeit der Ergebnisse. Hat zwar überhaupt keinen Zusammenhang aber der deutsche Auflagenwahn halt. Sigrun überlebt leider auch nur einen Tag.

Jetzt der fünfe Kaiserschnitt gestern bei Kuh Nr. 1314 Baleika zur zweiten Kalbung. Es war eine Zwillingsträchtigkeit, die auch per Ultraschall erkannt und in unseren Akten vermerkt worden war. Die beiden Kälber waren aber schon tot und zudem für Zwillinge recht schwer mit 36 und 35 kg. Bei der Kalbung gibt es drei Kräfte: Die Wehen der Gebärmutter, die Bauchpresse der Bauchmuskulatur und die Eigenbewegung des Kalbes. Die Eigenbewegung der Kälber fiel weg und dann gab es eine "Vorfahrtverletzung": Ein Kalb Rückwärts in Steißlage und das andere Kalb darunter in normaler Vorderendlage und steckten im Becken der Kuh fest. Es schaute nur ein Stück vom Schwanz raus. 
Unser Tierarzt ist momentan in Urlaub (in Rheinhessen!) und da rief ich den Vertretungs-TA an, der auch recht schnell vor Ort war und nach kurzer Begutachtung sich für den Kaiserschnitt entschied. Ich habe dabei den Vet-Assi gemacht.

Benjamin

Dienstag, 30. Juni 2020

Verlängerte Laktation - Teil 3

In diesem Post geht es um die Ergebnisse einer mittelgroßen Auswertung die ich gemacht habe um rückblickend Schlüsse zur verlängerten Laktation ziehen zu können.

Mit den Daten aus Herde habe ich von über 700 Kalbunegn von Mehrkalbskühen mir die vorherige Laktation angeschaut. Wann die Kuh zum ersten Mal besamt wurde, wie oft, wie die Leistung war usw. Da gibt es schon einiges her. Bisschen Rechenarbeit war es aber auch, denn da scheint irgendwo ein Fehler drin zu sein, denn die Laktationsdauer in Melktagen von der Kalbung bis zum Trockenstellen passt nie wenn man vom jeweiligen Datum ausgeht... Ob dann aber die angegebene 305-Tage-Leistung stimmt weiß ich nicht; zumindest habe ich es bei allen Kühen dann gleich berechnet.

Erstmal der Einfluss der Zwischenkalbezeit. 305-Tage-Leistung zum Vergleich der Persistenz, wie lange die Kuh ihre Leistung "hoch hält". Bei schnell wieder tragenden Kühen sollte hormonell bedingt die 305-Tage-Leistung niedriger sein. Alles ist in ECM (energiekorrigierte Milch) gerechnet um unterschiedliche Fett- und Eiweißgehalte auszugleichen.
MT ist pro Melktag, also was eine melkende Kuh zwischen Kalbung und Trockenstellen an Milch gibt; im MLP-Bericht der Melkdurchschnitt.
FT ist pro Futtertag, da ist auch die Trockenstehzeit mitgezählt, ökonomisch betrachtet was es an Milch pro Stallplatz gibt. Im MLP-Bericht der Stallschnitt.

Einmal alle Laktationen zusammen, dann für die 1. Laktation (Zwischenkalbezeit zwischen 1. und 2. Kalb), 2. Laktation und ab 3. Laktation zusammengefasst, weil es da pro Lakation dann immer weniger Kühe sind. Die Aufteilung der Klassen an Zwischenkalbezeit habe ich so gemacht, dass hinter jeder ähnlich viele Kühe stehen:


















Das Ergebnis hat mich schon erstaunt. Die 305-Tage-Leistung steigt an mit zunehmender Zwischenkalbezeit, aber die Melktags- und Futtertagsleistung sinken, wenn die Kühe später trocken gestellt werden. Maximal 380 Tage Zwischenkalbezeit, da wären wir wieder bei jedes Jahr ein Kalb. Ungeachtet der gesundheitlichen Vorteile.

Dann nach der Rastzeit unterteilt, mit wieviel Tagen nach der Kalbung die Kühe erstmals wieser besamt werden. VZ ist die Verzögerungszeit zwischen erster und erfolgreicher Besamung. BA ist der Besamungsaufwand, wieviel Spermaportionen für eine Trächtigkeit gebraucht werden. In diesem Fall nicht der Besamungsindex, weil da zählen auch die Kühe mit rein die nie trächtig werden und im Datenmaterial nicht enthalten waren. EBE ist der Erstbesamungserfolg, wie viel Prozent der Kühe mit der ersten Besamung schon tragend waren:














Das Ergebnis ist dann ein ganz anderes wie bei der Zwischenkalbezeit: Die Rastzeit hat abgesehen von den sehr langen nur einen geringen Einfluss auf die Zwischenkalbezeit. Und so gut wie gar keinen auf die Leistung. Unter 50 Tagen Rastzeit ist die Leistung schlecht oder aber bei leistungsschwachen Kühen die Fruchtbarkeit gut, dass sie schon brünstig werden. Über 100 Tage Rastzeit sind nicht von Nachteil, wobei das eher die hochleistenden Kühe gewesen sein dürfen denen ich etwas mehr Zeit gegeben habe.

Die Schlussfolgerung daraus: Sich schrittweise an die verlängerte Laktation rantasten.

Fortsetzung folgt!

Benjamin


Sonntag, 28. Juni 2020

Statistiken - Spezial

Wie schon angekündigt das Spezial zu den Statistiken über die ich noch nie was geschrieben habe.

Bisher hatte ich es bei den Statistiken nur über Leserzahlen, die beliebtesten Posts und Suchbegriffe.
Die Gesamtleserzahl beläuft sich aktuell auf knapp 244.000.
Bei den beliebtesten Posts hat sich nicht viel getan und die interessantesten Suchbegriffe schreibe ich weiterhin mit bis ich mal wieder eine längere Liste zusammen habe.

Bei den Statistiken gibt es des Weiteren eine Rubrik Zugriffsquellen mit verweisenden URLs und verweisenden Webseiten. Der Großteil macht da Google aus mit allen möglichen Länderversionen. Dann der Kuhblog selbst mit den Verlinkungen zwischen den Posts. Agrartechnik-im-Einsatz und Facebook ebenfalls durch Verlinkungen. Google Plus seinerzeit war nur ganz selten vertreten. Unter dem ganzen Rest fällt ab und zu eine Abmahnfirma negativ auf, die systematisch das Internet nach Plagiaten durchforscht, ein recht unseriöses Geschäftsmodell...

Und dann die Rubrik Publikum. Einmal die Herkunftsländer der Leser. Die häufigsten sind Deutschland, Italien, USA, Russland und Österreich. Das hat sich in den Jahren stark gewandelt. Anfangs waren die USA und Russland auf den Plätzen zwei und drei. 2014 und 2015 während dem Höhepunkt der Ukraine-Krise merkte man was im Internet los war und die Zugriffe aus der Ukraine kamen zwischenzeitlich bis auf den zweiten Platz und ist heute noch in der "ewigen Statistik" auf Platz zehn.
Italien hat in den letzten beiden Jahren kräftig zugelegt und sich bis auf den zweiten Platz vorgeschoben.

Bei den Zugriffen nach Browser und Betriebssystem sieht man im Verlauf der Jahre vor allem die Verschiebung von PCs zu Smartphones. 
Die häufigsten Browser sind Firefox, Chrome, Safari und Internet Explorer. Der Internet Explorer war 2013 noch mit Abstand der häufigste Browser und liegt seit längerer Zeit bei konstanten 6 %.
Nacn Betriebssystem sind die häufigsten Windows, Android und iPhone, die anderen haben nur marginale Anteile. Windows ist nach wie vor mit 60 % das häufigste Betriebssystem, aber die Smartphones haben über die Jahre kontinuierlich dazugewonnen.

Das war jetzt größtenteils aus der Erinnerung geschrieben, denn die Statistiken in den einzelnen Bereichen lassen sich in den Kategorien Heute, Woche, Monat und Gesamte Zeit anzeigen. Wobei halt die gesamte Zeit der Durchschnitt der sieben Jahre ist, aber rückblickend erkennt man da schon so manche Entwicklung.

Damit genug Data-Mining im Kuhblog, jetzt geht es wieder mit Kuhbezug weiter.

Benjamin

Freitag, 26. Juni 2020

7 Jahre Kuhblog

Wie die Zeit vergeht! Heute wird der Kuhblog sieben Jahre alt.
Wie und wo ich den allerersten Post (siehe hier) des Kuhblogs geschrieben habe daran kann ich mich noch ganz genau erinnern. Es war an einem Mittwochmorgen und samstags dann ging es in den Nordosten.
Im Gegensatz dazu kann ich mich bei den allermeisten anderen Posts so gut wie gar nicht an das wie sondern an das wann erinnern. Und vor allem die Fotos. Das sind mittlerweile an die 1.900 Stück und oft ist der Gedanke "Da hattest Du doch schon mal ein Foto dazu". Die Treffergenauigkeit der Erinnerung ist meist auf den Monat genau.
Wie im ersten Post geschrieben war mein Bruder im Sommer 2012 für drei Monate auf einem Milchviehbetrieb in Ostontario gewesen. Da war vorher das Interesse des Umfelds an Berichten so groß, sodass er die Idee für den Blog hatte. Aus heutiger Sicht recht unscheinbar und rudimentär aber interessant alle paar Tage mitzulesen.
Als ich ein Jahr später nach Brandenburg ging war die Situation ähnlich, aus rheinhessischer Sicht war da der Unterschied zu Ontario nicht allzu groß...
Der Schwerpunkt hat sich über die Jahre aber hin zu den Kuhthemen verlagert, da habe ich zwischen den Agrarbloggern meine Nische gefunden.

Im nächsten Post gibt es mal wieder Statistiken, aber keine aktuellen sondern die bisher unveröffentlichten.

Benjamin

Montag, 22. Juni 2020

Krummer Fuß

Fehlbildungen bei Kälbern kommen ab und zu vor.
Recht "häufig" ist die Verkürzung der Beugesehnen an den Vorderklauen, wo das Kalb die Beine nicht ganz durchstrecken kann und wackelig auf den Klauenspitzen steht. Das kriegt man aber mit Streckübungen meistens wieder hin.
Dann gibt es auch Stummelschwänze oder einen ganz fehlenden Schwanz wie damals bei Michi (siehe Post vom 14.10.2013). 
Glaube zweimal hatte ich schon ein Kalb mit offener Bauchdecke und Uwe hatte schon mal ein Kalb mit insgesamt acht Beinen. Die waren zum Glück aber allesamt tot gewesen und mussten nicht leiden.

Am Samstag gab es nun ein ziemlich missgebildetes Kalb, das zwar lebte, aber nicht lebensfähig war. Im Maul hatte es eine doppelte Gaumenspalte, sodass es nicht saufen konnte und die beiden Hinterfüße waren total verformt (siehe auf dem Foto). Beim linken Fuß war der Mittelfußknochen um 90 Grad nach außen gedreht und der rechte Fuß war vom Fersengelenk in eine total falsche Richtung gewachsen, sodass der nicht seitlich am Bauch lag sondern hinten quer. Trotz dem Bein das sich nicht richtig strecken ließ wurde es ohne Probleme geboren.
Bei einem Kalb das weder saufen noch aufstehen kann ist die Prognose gleich null und des musste eingeschläfert werden. Das kommt immer mal wieder mal vor und es gehört zum Leben auch dazu, aber da war es besonders schwer: Es war aufmerksam und muhte weil es Hunger hatte. Und laut unserem Tierarzt hat es dann tapfer gegen den Tod angekämpft...

Benjamin


Samstag, 20. Juni 2020

Sonnenwende

Auch nach all den Jahren habe ich mich nicht vollständig an die langen Sommertage hier im Norden gewöhnt. Im Vergleich zu Rheinhessen ist es ungefähr eine Stunde länger hell und da Brandenburg weiter östlich liegt ist der Großteil dieser Stunde davon morgens eher hell.
Heute ist die diesjährige Sommersonnenwende, um 23:43 Uhr steht die Sonne am nördlichsten, dann irgendwo über dem Nordost-Pazifik, bei uns ist es dann doch schon dunkel.
Im Juni wird es gefühlt nicht dunkel, die Dunkelheit verschläft man meistens; außer man schreibt mitten in der Nacht Blogartikel oder ist am längsten Tag des Jahres mal wirklich die ganze Hellphase über wach.
Hell wurde es gegen vier Uhr, um 4:47 ging die Sonne auf:



















Den Tag über sah man heute die Sonne so gut wie gar nicht, es war bewölkt und regnete sogar.

Um 21:37 ging die Sonne unter, nach dem trüben Tag richtig farbenprächtig:



















Um 22:30 war es dann dunkel.

Wie Kühe auf die langen Tage ragieren oder in ihrem Tagesrhythmus gestört werden weiß ich gar nicht. Sie schlafen nur ein bis zwei Stunden am Tag, die allermeiste Zeit liegen sie da und kauen wieder. Die schlafende Kuh erkennt man an der Körperhaltung; entweder ausgestreckt auft der Seite liegend oder in Brustlage und den Kopf an die Seite angelegt und dabei auch mehr oder weniger mit Maul, Augen und Füßen zuckend (REM-Schlaf).
Andererseits leben die Moschusochsen, die zwar Ziegenartige sind, aber in der Lebensweise den Wildrindern ähnlich, nördlich des Polarkreises ohne Schlafstörungen im monatelangen Polartag.

Benjamin

Montag, 15. Juni 2020

Verlängerte Laktation - Teil 2

Am Anfang meiner Kuhlaufbahn war für mich eine niedriger Zwischenkalbezeit schon wichtig, auch wenn ich es nicht so verbissen gesehen habe wie andere Leute. Da folgte ich der damals recht geläufigen Faustformel: 400 Tage bei 10.000 kg Jahresleistung, pro 1.000 kg Unterschied 10 Tage. Also für 9.000 - 9.500 kg 390 - 395 Tage, tatsächlich waren es um die 410. Was ich auf die schlechte Brunsterkennungsrate zurück führte mit dem alten, engen Stall, den doch nicht allergenausten Aktivitätsmessern und auch durch die Bestandsgröße bedingte geringe Anwesenszeit im Stall.
Dass es Sinn macht, die Zwischenkalbezeit nach der Leistung auszurichten haben vor etlichen Jahren Dr. Römer und Dr. Boldt von der Landesforschunganstalt MV schon anhand der Daten der ProFit-Testherden der RinderAllianz nachgewiesen (u.a. in TopAgrar 12/2015).
Mit der freiwilligen Wartezeit hatte ich mich eigentlich gar nicht beschäftigt, die lag bei 40 Tagen, um bei der schlechten Brunsterkennungsrate nix zu verpassen. Nach 65 Tagen kamen die Kühe schon zur Sterilitätsuntersuchung, wo ich aber schnell das bei Kühen über 40 Liter Leistung auf 100 Tage ausgedehnt habe. Und da zur Trächtigkeits-/Sterilitätsuntersuchung eigentlich immer die Fressgitterplätze zu wenige waren wurden als erstes die frühsten Steris auf den nächsten Termin geschoben.

Wirklich einen Anstoß gab es dann als mein Bruder im Oktober 2016 auf dem Thüringisch-Sächsischen Fütterungskolloquium in Laasdorf gewesen war und mir von einem Vortrag vorn Prof. Kaske von der Universität Zürich erzählte. Dieser hatte bei der Agrargesellschaft Ruppendorf in Sachsen eine Studie durchgeführt, bei der die Herde in drei Gruppen mit 40, 120 und 180 Tagen freiwillige Wartezeit eingeteilt wurde. Und dabei hatte die Gruppe mit 180 Tagen die beste Fruchtbarkeit und Leistung.
Diese Studie brachte die ganze Diskussion über verlängerte Zwischenkalbezeiten in Deutschland in Schwung und es wurde in der Presse in den Jahren darauf oft darüber berichtet. In der Bauernzeitung, der TopAgrar (5/2019) und auch in der Milchrind, da aber recht ablehnend, kein Wunder, dahinter stehen ja die Zuchtverbände, die viel Sperma verkaufen und viele Zuchttiere vermarkten wollen.

Ich suchte daraufhin mir Literatur, wo ich merkte, dass das Thema gar nicht mehr so neu ist, da gab es schon Ende der 1990er Studien dazu. Mein Hauptfazit daraus war jedoch, dass man ohne dreimaliges Melken die nötige Persistenz der Milchleistung über durchschnittlich 400 und mehr Tage nicht hinkriegt. Mittlerweile denke ich da anders drüber, wieder als Beispiel Gabis über 1.100 Melktage (siehe Post vom 07.03.2018).

Anfang Januar 2017 fing ich dann als Projekt für das neue Jahr einen kleinen Versuch dazu in Boberow an, weil ich in der Herde den besten Überblick hatte. Die Kühe mit ungeraden Halsbandnummern blieben bei 40 Tagen freiwilliger Wartezeit, die mit geraden Halsbandnummern bekamen eine individuell verlängerte. Da wählte ich die Formel: Tage freiwillige Wartezeit = 2x Spitzenleistung in kg. Am 40. Tag nach der Kalbung schaute ich die bisherige Spitzenleistung im Alpro nach und legte daran in freiwillge Wartezeit fest. Die reichte bei durchschnittlich 85 Tagen bei den einzelnen Kühen von 46 bis 109 Tagen. 
Insgesamt hatte ich 112 Kühe in dem Versuch bis ich ihn nach gut vier Monate vorzeitig abbrach weil ich das Gefühl hatte, dass ich die Kühe mit 100 und mehr Tagen freiwilliger Wartezeit nicht mehr rechtzeitig tragend bekomme.
Aus heutiger Sicht hätte ich besser vorher die Daten der Herde analysiert und daran das Versuchsdesign ausgerichtet.

Dazu mehr im nächsten Post der Serie.

Fortsetzung folgt!

Benjamin