Mittwoch, 29. September 2021

Traubenlesen 2021 - Teil 1

Der Hauptgrund für meinen Weinleseurlaub war natürlich die Weinlese gewesen. Da ich mich halt in der Urlaubsplanung etwas verspekuliert hatte wurde daraus leider nur ein einziger Tag.

War ein wirklich schöner Spätsommertag. Seit meiner "aktiven" Zeit beim Traubenlesen, d.h. dass ich Traktor gefahren bin und beim Keltern geholfen habe, das war ab 2008, ging es sehr häufig nur in den frühen Morgenstunde weil es tagsüber zu warm war und die Trauben sofort begannen zu gären. Diesmal war es morgens sehr frisch und da brauchte man schon die Heizung im Grapeliner. Nachmittags waren es dann Temperaturen knapp an die 20 Grad. Bei der Weinlese ist es da als gerade am Wechsel von Sommer zu Herbst:












 
 
Die meiste Zeit saß ich auf dem Beifahrersitz. Selbst gefahren bin ich dieses Jahr nicht, da fehlte mir nach zwei Jahren Abwesenheit der Überblick über die Anzeigen und Bedienelemente. Der Grapeliner hat eine Transportgeschwindigkeit von 40 km/h und man braucht dafür die Führerscheinklasse T bzw. die alte Klasse 3 um damit auf der Straße fahren zu dürfen:














Neuerung dieses Jahr sind die Schnellverschlüsse für die Schläger die die Trauben von den Reben rütteln. Je nach Erziehungsmethode, wie die Reben an den Drahtgestellen wachsen ist die Arbeitshöhe unterschiedlich. Die unteren fünf Schläger auf jeder Seite sind festgeschraubt und darüber können noch je vier Stück werkzeuglos eingebaut werden mit speziellen Splinten:
 














 
 
So sieht die Landschaft an vielen Stellen in Rheinhessen aus: Weinberge bis zum Horizont:

Benjamin



Sonntag, 26. September 2021

Lampertheim, Herbst 21

Da mein Weinleseurlaub zu früh angefangen hatte musste ein Alternativprogramm her. Fremde Kühe gehen natürlich immer und so war ich auch wieder in Lampertheim, zum dritten Mal in diesem Jahr.

1. aktueller Stand: Es war gerade eine etwas ruhigere Phase, nachdem sich wegen des unbeständigen Wetters die Getreideernte und Strohbergung lange hingezogen hatte. Danach waren noch Zwischenfrüchte gedrillt worden. Am jetzigen Sonntag soll der Silomais gehäckselt werden, die Silos waren schon leer und vorbereitet. Ein Hektar soll vorerst stehen bleiben zum "Blitzen" (siehe auch Post vom 07.09.2021) bis die Silos durchsiliert sind; wobei es kein Mengele Maisblitz ist sondern ein Pöttinger MEX. Der hat eine "eingebaute Sortierfunktion": Da die Scheibenradhäcksler im Vergleich zu den Trommelhäckslern (üblich bei Selbstfahrern) kein Beschleuniger haben fliegt das Häckselgut nicht besonders weit. So landen die leichtere Teile wie Lieschblätter schon vorne auf dem Anhänger und die schwereren wie Körner und Spindeln hinten. Vorne mit mehr Rohfaser ist für das Jungvieh und hinten mit mehr Energie für die Milchkühe.
Die Zuckerrübenernte hat erst in anderen Teilen des Einzugsgebiets der Zuckerfabrik Offstein begonnen. Aufgrund des nassen Sommers werden gute Erträge erwartet. Die Blätter haben aber wegen der Hitze Anfang September arg gelitten.
 
2. Fütterung: Wenn die Maissilos leer sind wird folglich aktuell auch kein Mais gefüttert. Wobei das im Südwesten nicht so ungewöhnlich ist, dass der Mais in manchen Jahren nicht bis zur Ernte reicht. 
Gefüttert wird momentan Luzernesilage 2. Schnitt aus Wickelballen, Stroh für die Strukturversorgung, Melasseschnitzel und Milchleistungsfutter. Bei der kleinen Herde wird das Kraftfutter als Mischfutter gefüttert und nicht aus Einzelkomponenten gemischt. Da der Sieplo das viel Grobfutter nicht eingefräst und gemischt bekommt wird wieder einzeln vorgelegt.
Etwas weniger Milch geben die Kühe zwar, aber von der Körperkondition sehen sie merklich besser aus. Die Herde empfinde ich immer als recht dünn, da wird auch viel von der Genetik her reinspielen. Ist eher ungewöhnlich, denn bei viel Luzerne werden die Kühe tendenziell dünner.

3. Neues:
Einmal die Stallbeleuchtung mit LED-Röhren. Das habe ich im Juli nicht gesehen, weil es da um die Uhrzeit noch hell war. Nicht so was Komplexes wie das L4C (siehe Post vom 28.08.2021) sondern die alten Leuchtstoffröhren durch LED-Röhren ersetzt und auch die Position vom Futtertisch ein Stück weg Richtung Seitenwände verändert. Der Stall ist jetzt viel besser ausgeleuchtet, kein Vergleich zu dem wie ich ihn die letzten 13 Jahre gekannt habe.
Und der neue Grubber wurde begutachtet: Ein Kverneland Enduro 3000. Bisher wurde die nicht wendende Bodenbearbeitung mit einer 3 m V-Scheibenegge der örtlichen Maschinengemeinschaft gemacht. Da die ziemlich verschlissen war und keine Entscheidung über die Reparatur zu erwarten war ist wurde wieder zur Eigenmechanisierung. Der Grubber hat auf 3 m Arbeitsbreite 10 Zinken an drei Balken und die für Kverneland typische Steinsicherung mit den grünen Blattfedern. Dahinter gezackte Scheiben zum Einebnen und eine Dachringwalze zur Rückverfestigung. Als Schare Gänsefußschare für die flache Stoppelbearbeitung und über ein Schnellwechselsystem gegen Herzschare für die tiefere Grundbodenbearbeitung zu tauschen.
Ohne Klappung und Fahrwerk ist der recht übersichtlich.
Der John Deere 6800 ist mit seinen 5 t und 90 kW an seiner Leistungsgrenze und braucht auch das größere Frontgewicht um vorne nicht zu leicht zu werden.
Da es da auch schon dunkel war habe ich leider kein Foto davon gemacht.
Hier der Link dazu auf der Internetseite von Kverneland:

Benjamin

Donnerstag, 23. September 2021

Hausbau - Teil 5

Die letzten Tage war ich mal wieder auf Urlaub in der Alten Heimat. Eigentlich als Weinleseurlaub geplant wie vor zwei Jahren. (siehe auch die Posts vom 19.09.2019, 22.09.2019, 28.09.2019 und 01.10.2019) Aber ich hatte mich mit dem Zeitpunkt verspekuliert. Ich verlängere als ein freies Wochenende mit ein paar Urlaubstagen. Bei der Urlaubsplanung Anfang des Jahres entschied ich mich für das Wochenende vom 18./19. September statt dem 2./3. Oktober, weil der Haupteil der Lese als im September stattfindet. Bloß dieses Jahr war es auch da unten ein langer Winter und die ganze Vegetation recht spät.

Den Fortschritt beim Hausbau meiner Eltern habe ich auch begutachtet. Von außen sieht man auf den ersten Blick nicht so viel. Die Außenwände wurden gestrichen. Und im Hof die Anschlüsse für die Regenrohre gelegt und an der Straßenseite unter dem Gehweg der Hausanschluss mit Abwasser, Wasser und Strom. Telefon vorerst noch nicht weil die Telekom als Monopolist sehr gemütlich ist und für die Verlängerung des Kabels um einen Meter drei Monate bräuchte:


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Inneren ist die Elektroinstallation und der Estrich fertig. Im Oktober geht es an den Trockenbau für die Decken, im Badezimmer und eine Zwischenwand.

Die Straßenseite ist die Nordseite, daher sind dort die Nebenräume untergebracht und die Fassade wirkt etwas karg. Die Rückseite zeigt nach Süden und ist mit den großen Fenstern des Wohnzimmers viel ansehlicher:


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In den Hausflur kommen einige Fliesen aus dem alten Haus. Typ extra-unverwüstlich wie es damals üblich war. Hersteller ist Villeroy & Boch aus Mettlach. Die waren im Südwesten mal Marktführer, bis die wiederholten Besetzungen des Saarlandes den Handel beeinträchtigten.

Benjamin


 

Sonntag, 19. September 2021

Futterkonservierung

- zur Übersicht der Fütterungsserie -> hier -  

Futtermittel müssen auch konserviert werden, denn zumindest im Winter können sie nicht frisch verfüttert werden.

Bei der Konservierung geht es darum die ganzen Mikroben die für den Verderb sorgen das Leben schwer zu machen.

Für Lebensmitteln ist es üblich zu Kühlen oder Einzufrieren. Dadurch ist es dann zu kalt und die Lebensmittel verderben nicht mehr. Bei zig tausenden Tonnen Futter ist das aber viel zu aufwändig.

Zwei Verfahren sind in der Landwirtshhaft wichtig:

Trocknung. Es wird so viel Wasser entzogen, dass für den Verderb nicht mehr genug da ist. Klassisches Beispiel ist die Bodentrocknung von Heu durch Sonne und Wind auf dem Grünland. Daneben z.B. die künstliche Trocknung in Grünfuttertrocknungen oder die Getreidetrocknung. 

Das zweite Verfahren ist die Silierung. Hauptanteil hat daran die Milchsäuregärung durch Milchsäurebakterien, daneben noch etwas Essigsäuregärung. Zuerst muss der ganze Sauerstoff durch Verdichtung entfernt werden. Dadurch sind schon mal alle Organismen die Sauerstoff verbrauchen aus dem Rennen. In den dann anaeroben Bedingungen ("ohne Luft") müssen die Milchsäurebakterien möglichst schnell die Oberhand gewinnen. Sie verstoffwechseln den Zucker oder Stärke im Futter zu Milchsäure. Dadurch sinkt der pH-Wert so stark ab und die restlichen Mikroben können nicht mehr leben. Die Silage ist danach stabil. 

Silage hat vor allem zwei Vorteile: Kein Energieaufwand für künstliche Trocknung und ein reduziertes Wetterrisiko, weil nicht so lange Schönwetterperioden für die Ernte benötigt werden.

Die Lagerung erfolgt in Silos:
- Horizontalsilos (Fahrsilo, Silohaufen)
. Vertikalsilos (Hochsilo, Tiefsilo)
- alles andere (Wickelballen, Wickelstrang, Siloschlauch, Silotunnel...)
Dabei ist das Fahrsilo die häufigste Variante.

Bei den Einzelfuttermitteln schreibe ich dazu wie sie konserviert und gelagert werden.

Benjamin 

Donnerstag, 16. September 2021

Aktuelles von Perle

Perle ist nun etwas über zehn Monate alt. 

Im Vergleich zu den anderen Färsen ihrer Gruppe ist sie als eine der jüngsten eher klein. Und ihren "kompakten" Typ (Größe 78) sieht man neben den Hochgewachsenen immer deutlicher.

In Brunst habe ich sie noch nicht gesehen, aber da geht es in der Gruppe als schon rund.

Man unterscheidet zwischen Geschlechts- und Zuchtreife. Die Geschlechtsreife ist erreicht wenn der ganze Fruchtbarkeitszyklus abläuft und die Färse fortpflanzungsfähig ist. Die Zuchtreife dagegen erst wenn die Trächtigkeit ohne Probleme für Kuh und Kalb abläuft. 

Das ist Alles hauptsächlich gewichts- und nicht altersabhängig. Die Geschlechtsreife ist zwischen 200 und 250 kg erreicht, die Zuchtreife erst mit um die 400 kg, 60 % vom ausgewachsenen Gewicht. Bei normalem Wachstum kalben sie dann erstmals mit 90 % vom Endgewicht und sie mit vier Jahren komplett ausgewachsen. Manche Betriebe fangen schon bei 380 kg mit der Besamung an, andere wiederum mit 420 - 430 kg, wie es sich bewährt hat. Auf das Alter umgelegt sagt man landläufig ab 15 Monaten, mit der heute intensiven Aufzucht sind sie teilweise schon mit 12 bis 13 Monaten soweit. Teilweise noch früher. Damit habe ich keine Erfahrungen, aber von Kollegen habe ich gehört, dass 12 Monate vor allem eine psychologische Barriere sind und unter 10 Monaten (!) wären trotz passendem Gewicht die Eierstöcke noch nicht weit genug.

Benjamin


 

Montag, 13. September 2021

Mikeschs Geburtstag

Mikesch wurde gestern zwei Jahre alt. Ob er wirklich am 12. Geburtstag hat weiß ich nicht, meiner Erinnerung nach wurde er Mitte September geboren.
Das ist schon ein krasser Unterschied zu unseren Kälbern, da wird es meistens auf fünf Minuten genau dokumentiert. Einzige Ausnahme dabei sind die unbeobachteten Nachtkalbungen.
 
In den zwei Jahren hat sich Mikesch prächtig entwickelt. Seine drei Wurfgeschwister wurden abgegeben und er blieb damals zurück weil er ziemlich verschnupft war und auch etwas zurück geblieben. Das hatte sich aber nach einem halben Jahr rausgewachsen.
Nachdem seine Geschwister weg waren verließ in seine Mutter und er wurde vom Chefkater im Kälberstall adoptiert. Von ihm übernahm er die Fixierung auf den Mensch, sodass man ihn auch streicheln und auf den Arm nehmen kann.
So kann man ihn auf der Kälberwaage wiegen, was ich schon seit längerer Zeit nicht mehr gemacht habe, er liegt als bei so 4,5 kg.
 
Sein weißes Fell kriegt er schön sauber gehalten:
 
Benjamin
 

 

Freitag, 10. September 2021

Sonntagsfrage

In zwei Wochen steht ja die Bundestagswahl an und bezüglich der künftigen Politik allgemein und speziell für die Landwirtschaft bin ich da pessimistisch wie selten.

Also etwas Galgenhumor und ein lustige Anekdote mit Kuhbezug:

Das Datum hatte ich mir damals nicht aufgeschrieben aber es dürfte im Sommer 2017 gewesen sein. Auf dem Telefon im Stallbüro schaut man ab und zu die verpassten Anrufe nach. Meistens ist es die Verwaltung, wenn man nicht ans Handy geht weil man wieder in einem Funkloch ist wird im Büro versucht. Zurückrufen braucht man da eigentlich nicht, die melden sich wieder wenn sie was wollen.

Da wurde aber eine mir unbekannte Nummer angezeigt, noch zu einer ungewöhnlichen Uhrzeit, kurz nach zwei Uhr nachts. Auch wenn der Hof 17 Stunden am Tag besetzt ist, da mitten in der Nacht dann doch nicht. Als sich das paar Mal wiederholte mit den verpassten Anrufen nachts wurde ich neugierig wer das sein könnte. Also klassische Rückwärtssuche woher die Vorwahl stammt. Aus München und da mir niemand einfiel mit dem wir aus München Geschäftsbeziehungen haben rief ich die Nummer an. Und landete bei Infratest Dimap. Die waren sehr freundlich und als ich sagte, dass es ein geschäftlicher Telefonanschluss wäre und der nicht zu ihren Umfragen passt antworteten sie mir die Nummer wird dann aus ihrem System rausgelöscht. Das könnte bis zu 24 h dauern und wenn sie in dieser Zeit trotzdem anrufen würden bräuchte man einfach nicht ran zu gehen. Eher unwahrscheinlich bei deren üblichen Uhrzeiten.

Danach dachte ich mir, dass man doch teilweise seltsame Telefonate führt und dann habe ich mich total geärgert. Ich hätte doch sagen können: "Wir haben hier 800 Kühe und die wählen alle stramm braun weil sie Angst haben ihre Arbeitsplätze an neuseeländische Kühe zu verlieren." Und da die Wahlumfragen immer so eine Grundgesamtheit von 1200 rum haben wäre das eine Zweidrittelmehrheit. Der nächste ARD Deutschlandtrend hätte im politischen Berlin ein Erdbeben ausgelöst bei dem sich die meisten Politiker um ihre Wiederwahl besorgt vielleicht wieder auf ihre eigentlichen Aufgaben besonnen hätte.

Leider ist da nichts draus geworden. War ich auf eine solche Situation einfach zu schlecht vorbereitet.

Benjamin

Dienstag, 7. September 2021

Grünfutter

- zur Übersicht der Fütterungsserie -> hier -  

Als zweites Futtermittel kommt die ganze Gruppe dran die man landläufig unter Grünfutter versteht. Frischfutter kann man auch dazu sagen, das verdeutlicht auch den Unterschied zu konserviertem Futter (Heu, Silagen).


Ein in Bayern üblicher Begriff ist Eingrasen für das tägliche Holen von frischem Gras im Sommerhalbjahr.
Man unterscheidet dabei in die Sommerfütterung mit Frischfutter und/oder Weide und der Winterfütterung mit Heu und Silagen. Wobei es nicht ganz strikt abzugrenzen ist z.B. in der Übergangszeit.
Die ganzjährige Winterfütterung mit Silage hat sich in der Breite durchgesetzt, weil so sich die Vorteile der TMR-Fütterung besser nutzen lassen und nur die Technik für die Winterfütterung benötigt wird.

Die klassische Technik für die Sommerfütterung mit Grünfutter sind Frontmähwerk und Ladewagen; so kann das mit einem Traktor alleine erledigt werden. Meist ist die Größe des Ladewagens auch so abgestimmt dass eine Fuhre pro Fütterung reicht.

Üblich ist es Wiesen zu mähen oder Ackerfutter wie Welsches Weidelgras, Kleegras oder Luzerne. Im Extrem bei der Frischfütterung den gesamten Futterbau-Kalender durch vom ersten Gras Ende April bis hin zu Futterraps im nächsten Februar. Da kommt schon deutlich der größte Nachteil des Grünfutters zu tragen: Die nicht immer optimalen Witterungsbedingungen und dadurch Schäden an der Grasnarbe. Weitere Nachteile sind die für große Herden zu geringe Schlagkraft und die doppelte Mechanisierung.
Vorteile sind der höhere Nährstoffgehalt, da das Futter nicht anwelkt was immer Atmungsverluste bedeutet und auch Bröckelverluste z.B. bei Luzerneblättern.

Zu Grünfutter kann man die Verfütterung von frischem Zuckerrübenblatt und Weinlaub zählen, wie es beides in meiner Alten Heimat bis Anfang der 1970er Jahre üblich war 

Neben dem Eingrasen gibt es auch das Blitzen, benannt nach dem Mengele Maisblitz, einem früher in Westdeutschland weit verbreiteten einreihigen Häcksler mit denen dann täglich frischer Mais geholt wurde.

Benjamin


Samstag, 4. September 2021

Kastration

Nun habe ich wieder mit Ochsen zu tun. Nachdem es die ersten Kreuzungskälber von Uckermärker-Bullen gab (siehe auch Post vom 04.08.2021) wurde jetzt beschlossen sämtliche Kreuzungskälber, sowohl männlich wie auch weiblich und Uckermärkerkreuzungen wie Kreuzungen mit Weißblauen Belgiern zu behalten und selbst zu mästen. Nun habe ich nicht nur deutlich mehr Kälber in der Aufzucht unterzubringen sondern mit auch mit Kastration zu beschäftigen. Denn die Masttiere sollen mit den Aufzuchtfäresen auf die Koppel und da sind Ochsen nicht nur sicherer im Umgang sondern bezüglich der Zucht auch unbedenklich.

Am Mittwoch stand daher die Kastration der ersten drei Bullenkälber an. Parallel zur Enthornung, wenn die eh schon mal sediert sind. Wo das bei den Uckermärkerkreuzungen doch extra gemacht werden musste, denn ihr Vater Magnum PP ist homozygot hornlos und die Kälber entsprechend auch hornlos und mussten garn nicht enthornt werden. Zur Vererbung der Hornlosigkeit siehe auch im Post vom 13.09.2020.
Von den Kastrationszangen kannte ich nur die zur blutigen Kastration von Hengsten, weil man die auch zur Amputation von Zitzen verwenden kann. Das kommt ab und zu vor, dass eine Kuh eine so starke Verletzung einer Zitze hat und das nicht mehr zusammenwachsen kann und amputiert werden muss. 
Bei den Bullenkälbern wurde eine kneifende Kastrationszange verwendet was unblutig abläuft: Eine schwere Kneifzange mit Arretierung. Auf beiden Seiten des Hodensacks wird für jeweils 30 Sekunden der Samenleiter abgeklemmt. Das reicht aus. In den nächsten Wochen muss ich dann drauf achten, dass sich der Hodensack auch zurückbildet:

Benjamin
 

 



Dienstag, 31. August 2021

Weide

 
Als erstes Futtermittel kommt die Weide dran. 
Weide ist die einfachste Art der Rinderfütterung, denn es muss kein Futter geerntet, gelagert und vorgelegt werden. 
 
So viel Erfahrung mit Weiden habe ich nicht, Brandenburg als "trockene Sandbüchse" ist nicht besonders gut für die Weidehaltung von Milchkühen geeignet. Eigentlich könnten da mal die Kuhblog-Leser aus Irland einen Gastbeitrag dazu schreiben...
 
Weiden sind von Wiesen zu unterscheiden, die gemäht werden. Mähweiden werden sowohl beweidet als auch gemäht. Koppel ist eine eigezäunte Parzelle der Weide, wovon es je nach System mehrere davon gibt.
Meistens sind Weiden auf Grünland, seltener auf Ackerflächen wie z.B. die Winterweiden mit Roggen für die Mutterkühe die quasi als Zwischenfrucht zwischen Getreide und Mais stehen.
International wird Grünland meist als Grasland bezeichnet, weil nicht immer grün. Wobei Grünland eine geschlossene Grasnarbe hat, wie sie z.B. bei den asiatischen Steppen fehlt.
Auf der mitteleuropäischen Weide wachsen Gräser, Klee und andere Kräuter. Es setzen sich die Pflanzen durch, die die Trittbelastung und den Verbiss am besten überstehen. Typisch sind Deutsches Weidelgras und Weißklee.

Es gibt verschiedene Weideformen:
- Standweide, bei der immer die gleiche Fläche beweidet wird
- Mähstandweide, bei der von der gleichen Fläche ein Teil beweidet wird der genügend Futter liefert und der darüber hinaus gehende Rest für Winterfutter gemäht wird. Das ist die Form der intensiven Standweite oder modern ausgedrückt Kurzrasenweide, was aber ein unpräziser Begriff ist.
- Koppelweide, bei der mehrere Koppel abwechselnd beweidet werden
- Umtriebsweide, dann mit häufigeren Weidewechseln alle paar Tagen
- Portionsweide mit Weidewechseln täglich oder halbtäglich

Dann gibt es verschiedene Anteile der Weide in der Fütterung
- Vollweide, die Kühe sind ausschließlich auf der Weide
- Ganztagesweide, bei der vor/nach dem Melken zugefüttert wird
- Halbtagesweide, bei der die Kühe zwischen zwei Melkzeiten auf der Weide sind, z.B. im Frühling/Herbst tagsüber, im Sommer nachts oder jeweils die halbe Herde
- Joggingweide, bei der die Weide nicht so viel zur Fütterung beiträgt sondern die Kühe sich eher ein bis zwei Stunden bewegen sollen. Das wurde im alten Neumühler Kuhstall bis 2009 so gemacht und hatte den Vorteil, dass man den Stall in dieser Zeit leer hatte für Einstreuen, Reparaturen u.ä.
- Auslaufweide, dass die Kühe ins Freie können.
 
Als erstes Beispiel 2008 die Joggingweide auf der Neumühle, das war aber eine Ausnahme, dass die Kühe so lange draußen blieben, denn normalerweise grasten sie nur und legten sich nicht ab. So weit ich mich erinnere wurde zwischen drei Flächen gewechselt:




 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Als zweites Beispiel die Boberower Trockensteherweide. Eine Standweide von ziemlich genau einem Hektar, die je nach Wetter von April bis November genutzt wird. Sie dient nur als Auslaufweide. Wenn das Gras überständig wird und die Kühe es nicht mehr fressen wird mal drüber gemulcht, ist meist einmal im Jahr der Fall. Man sieht auch die Reste vom Mulchen auf diesem Foto:

Benjamin


 

Samstag, 28. August 2021

L4C - Licht im Stall

L4C ist ein Lampensystem von Lely, das die TH Bingen seit Ende letzten Jahres im Stall in Betrieb hat. Bei Lely bedeutet das Kürzel "4C" immer "for cows", L4C steht für Light for cows.

LEDs sind mittlerweile in der Stallbeleuchtung Standard. Der Hauptvorteil ist die lange Lebensdauer von 50.000-60.000 Stunden. Wobei das durchgehend wäre, denn die Ein- und Ausschaltvorgänge reduzieren die Lebensdauer.

2000 hatte ich eine LED-Taschenlampe, das war aber eine blaue LED, weil die weißen damals noch nicht so lichtstark waren.
Über die Jahre ging die Entwicklung weiter.
Anfang 2014 hörte ich vom ersten Betrieb in der Prignitz der seine Stallbeleuchtung auf LED umgestellt hatte.
2016 Sah ich bei Familie Bandholz in Lübeck erstmals einen mit LEDs beleuchteten Stall (siehe Post vom 30.11.2016)
2017 wurden im Boberower Stall die kaputten Leuchtstoffröhren durch LEDs ersetzt.
2018 war es schon eine Besonderheit, dass der neue Teleskoplader noch mit Halogenscheinwerfern ausgerüstet war und nicht mit LEDs. (siehe auch Post vom 08.06.2018).
2020 sind LEDs so normal, dass einfach ein normaler Arbeitsscheinwerfer ans Milchtaxi geschraubt wurde (siehe Post vom 06.12.2020).

Beim L4C können über ein zentrales Bedienterminal alle Leuchten einzeln angesteuert werden mit Schaltzeitpunkten und Dimmung. So kann auch ein Lichtprogramm gefahren werden.
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Für melkende Milchkühe geht man von 16 Stunden hell und 8 Stunden dunkel am Tag aus. Also wie an einem Sommertag, an dem das Wildrind im Jahresverlauf für sein Kalb von einigen Monaten Alter die höchste Milchleistung hat. Für Trockensteher dagegen dann 8 Stunden hell und 16 Stunden dunkel am Tag, also ein dunkler Wintertag, ab dem das Wildrind auch trocken steht. Das ist dann im Sommer aber schwieriger zu realisieren, denn die Sonne übertrifft in ihrer Helligkeit jede Lampe. Die Kühe kommen aber doch recht gut damit zurecht, denn die ganzjährige Abkalbung auch mit Trockenstehern im Sommer hat sich seit vielen Jahrzehnten bewährt.

Im gesamten Stall sollen Beleuchtungsstärken von mindestens 80 Lux erreicht werden, in Arbeitsbereichen wie Melkstand, Klauenstand usw. 200 Lux. Als Negativbeispiel mein Fiebermessen der Frischabkalber mit Stirnlampe, weil die ersten Plätze des Fressgitters wirklich im Dunkeln liegen.

Benjamin
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

Mittwoch, 25. August 2021

Futtereinteilung

 - zur Übersicht der Fütterungsserie -> hier - 

Jetzt geht es in der Fütterungsserie zu den einzelnen Futtermitteln.

Erstmal ein Überblick, wie die Futtermittel eingeteilt werden können.
Grundfutter (GF) - wie der Name schon sagt die Grundlage der Ernährung. Rein vom 
Stoffwechsel her könnte eine Rind ausschließlich von diesen leben, auch wenn die Zusammensetzung meist nicht dem genauen Bedarf entspricht. Unterscheidungsmerkmal zum Kraftfutter sind der höhere Rohfasergehalt und der (meist) geringere Energiegehalt.
Beispiele für Grundfutter: Silagen (Gras, Mais...), Heu, Stroh
Kraftfutter (KF) - bringt zusätzliche Leistung. Typischerweise trocken mit 85 - 90 % Trockensubstanz. Das Rind kann nicht alleine davon leben, weil die nötige Rohfasermenge für die Pansenfermentation fehlt. Oder bei Getreide ist zu viel  Stärke enthalten.
Beispiele für Kraftfutter: Getreide, Körnermais, Sojaextraktionsschrot
Saftfutter - passt nicht so in das Raster von Grund- und Kraftfutter. Meist feuchter als Kraftfutter, aber auch so energiereich. Üblicherweise sind es Nebenprodukte aus der Nahrungsmittelverarbeitung.
Beispiele für Saftfutter: Zuckerrübenschnitzel, Biertreber, Schlempe, Kartoffeln

Ein weiteres Unterscheidungskriterium ist der "Schwerpunkt" der Nährstoffe: Energie oder Protein. 
Energiereiches GF: Maissilage
Proteinreiches GF: Gras, Luzerne, Klee
Energiereiches KF: Getreide, Körnermais, Sojaextraktionsschrot
Proteinreiches KF: Rapsextraktionsschrot, Sojaextraktionsschrot
Saftfutter sind meist proteinreich, weil das Protein übrig bleibt wenn die Stärke oder Zucker verarbeitet wird, wie beim Biertreber oder der Schlempe.

Benjamin

Sonntag, 22. August 2021

Energie

- zur Übersicht der Fütterungsserie -> hier - 

In der Rinderfütterung ist Energie neben Protein und Faser der dritte wichtige Parameter in der Versorgung und Berechnung.

Es gibt verschiedene Arten der Energieberechnung:

GE - Gesamtenergie; der Brennwert der im Bombenkaloriemeter bestimmt wird.

DE - Verdauliche Energie, da wird die Energie abgezogen die mit dem Kot ausgeschieden wird. Die einzige Tierart für die damit gerechnet wird sind Pferde.

ME - Metabolisierbare Energie; da wird die Energie die über Urin und Methan ausgeschieden wird noch abgezogen. ME wird für Kälber, Aufzucht- und Mastrinder verwendet und auch im Schweinebereich.

NE - Netto-Energie. Da werden noch die Energieverluste die bei der Umwandlung in Wärme anfallen abgezogen. In Deutschland wird nur für Milchkühe damit gerechnet (in den Niederlanden auch für Mastschweine). Für Milchkühe ist es NEL - Netto-Energie Laktation. Dabei wird auch der Erhaltungsbedarf mitgerechnet obwohl dieser gar nichts mit dem Milchgeben zu tun hat. Aber es wäre zu kompliziert den Bedarf in ME für Erhaltung und NEL für die Milch aufzuteilen und man müsste die Ration und die Futteraufnahme alles zweigleisig rechnen.

Für die Verdauliche Energie wird der Bennwert des Kots bestimmt das habe ich im Studium gemacht. Beim Hammeltest mit Hammeln als Modelltiere für Wiederkäuer. Futter und Kot werden immer gewogen und der Kot dann gefriergetrocknet, gemahlen und auch der Brennwert bestimmt, womit man dann ausrechnen kann wieviel Energie verdaulich war. Die Gefriertrocknung entfernt nicht nur das Wasser sondern reduziert als Nebeneffekt auch den Geruch deutlich.

Für die metabolisierbare Energie muss die Energieabgabe über den Urin und das Methan bestimmt werden. Das erfolgt in einer Respirationskammer, in der z.B. eine Kuh komplett von der Umwelt abgekapselt ist und man auch den Gasaustausch erfassen kann.

Ich rechne immer mit der NEL, das ist halt drin und die wichtigsten Größen (Energiegehalt Gras, Mais usw.) hat man im Kopf und dann kann man schnell mal überschlagen, wie viel ein Kuh für ihre Milchleistung denn fressen muss oder ob eine Ration überhaupt funktionieren würde. Ähnlich meinen Beispielrechnungen im Post vom 03.02.2020.

Benjamin


Donnerstag, 19. August 2021

Aktuelles vom Mais

Die Kuhblogleser sind sehr interessiert am aktuellen Stand beim Mais. In den letzten Wochen ist der Post über die Maisblüte (siehe hier) in den Zugriffsstatistiken immer vorne dabei.

Wir haben nun das beste Maisjahr seit vier (!) Jahren, letztmals stand der Mais 2017 so gut, als es um die 1.000 mm Jahresniederschlag gab.

Beim Mais zählt nicht die Länge der gesamten Pflanze sondern die Dicke der Kolben. Und da sieht es doch besser aus als all die letzten Jahre, sodass man das gar nicht mehr gewohnt ist. Üblich war ja leider der OK-Mais - ohne Kolben. Ertragsmäßig kann ich das schlecht schätzen, würde aber vom oberen Ende der normalen 10 - 12 t TM/ha ausgehen:

Benjamin


 

Montag, 16. August 2021

Monensin

- zur Übersicht der Fütterungsserie -> hier - 
- zum Kohlehydratabbau zu Fettsäuren -> hier -

Monensin ist ein antibiotischer Leistungsförderer der in den Kohlehydratabbau im Pansen eingreift. Sämtliche antibiotische Leistungsförderer wurden 2006 in der EU verboten. So gab es Ende der 2000er Jahre zu meinen Studienzeiten einen regelrechten Hype um probiotische Mittel. Da habe ich auch 2010 in den Semesterferien bei einem Kälberversuch auf meinem Stammbetrieb LVAV Hofgut Neumühle geholfen, bei dem die Kälber Kraftfutter mit einem probiotischen Wirkstoff bekamen.
Vereinfacht erklärt hauen Antibiotika unerwünschte Mikroben weg während Probiotika sie mit anderen Mikroben verdrängen (z.B. im Darm).

Monensin wirkt gegen die Mikroben die Kohlenhydrate auf dem Acetatweg verstoffwechseln. Durch die geringere Konkurrenz wird der Propionatweg gefördert, der für die Verdauung effizienter ist, weil keine Futterenergie durch Methanbildung verloren geht. Es steht also mehr Energie zur Verfügung, die dann ich Milch- oder Fleischleistung umgesetzt werden kann.

Weltweit gesehen ist Monensin in der Rinderfütterung von Bedeutung. Neben diskutierten Varianten wie Zusatz von ätherischen Ölen, Algen oder Impfungen gegen Methanbildner sehe ich in Monensin auch eine Möglichkeit den Methanausstoß von Rindern zu senken. Ob gewollt oder durchsetzbar ist eher unwahrscheinlich.

Benjamin

Freitag, 13. August 2021

Methan


Auf molekularer Ebene unterscheiden sich die Abbauprozesse der Kohlenhydrate durch die Pansenmikroben. Beim Propionatweg wird Wasserstoff benötigt, beim Acetatweg wird dagegen Wasserstoff frei. Und da gasförmiger Wasserstoff wegen der Explosionsgefahr nie gut ist wird von den Methanbildnern Kohlenstoff drangehängt und es entsteht so Methan (CH4). Das ist der gleiche Prozess wie in einer Biogasanlage, wobei diese darauf ausgerichtet ist und beim Wiederkäuern das Methan ein Stoffwechselprodukt ist das nicht weiter genutzt wird. Durch die Pansenmotorik wird das Gas ausgestoßen, Ruktus nennt sich der Vorgang und ist ein geräuschloses Rülpsen.
Wenn eine Kuh ganz flach auf der Seite liegt, wenn sie z.B. nicht aufstehen kann funktioniert der Ausstoß des Methans nicht mehr und die Kuh gast dann auf, der Pansen ist dann prall mit Methan (und auch CO2) gefüllt. Dann muss die Kuh auf den Bauch gedreht oder durch die Bauchdecke der Pansen angestochen werden mit einem Trokar, wie er auch für das Toggeln einer Labmagenverlagerung verwendet wird (siehe auch Post vom 18.11.2019).

Methan ist ja ein Treibhausgas. In der Wirkung 20 bis 30 mal so stark wie CO2. Aber es sammelt sich nicht auf Ewigkeiten in der Atmosphäre an sondern reagiert mit Sauerstoff zu CO2 und Wassersdampf. Zudem ist das Methan der Rinder (bzw. aller Wiederkäuer) nicht fossil wie das Leckgas aus der Öl- und Gasförderung. Der darin erhaltene Kohlenstoff wurde von den Futterpflanzen als CO2 zuvor der Atmosphäre entnommen. 

Benjamin

Dienstag, 10. August 2021

Masthybriden

Im letzten Post hatte ich über die INRA 95 als Rasse für Anpaarungen an Milchkühen geschrieben. Heute ein dritter Post zu dem Thema.
 
Noch mal die Ausgangssituation für die Mastanpaarungen: Es kommen mehrere Sachen auf einmal zusammen. Durch bessere Aufzuchterfolge (niedrigere Totgeburtenrate, geringere Kälberverluste) stehen immer mehr Kälber für die Nachzucht zur Verfügung, gleichzeitig durch die längere Nutzungsdauer werden weniger neue Kühe benötigt. Ein Auweg ist die verlängerte Laktation um die Gesamtzahl der Kälber zu verringern. Hinzu kommt die geringere Mastfähigkeit der Holsteinbullen/färsen im Vergleich zu Fleischrindern und daher auch niedrigere Kälberpreise. Die Holsteins sind als milchbetontes Zweinutzungsrind seit Jahrhunderten auf hohe Milchleistung gezüchtet, was auch absolut sinnvoll ist sich auf wenige Merkmale zu beschränken und sich nicht noch in Fleischleistungszucht zu verzetteln. Da bietet sich dann die Erzeugung von Masthybriden an: Die Mutter ist absolut auf Milch ausgerichtet, der Vater absolut auf Fleisch und das Kalb liegt in der Mastleistung im guten Mittelfeld dazwischen.

Ein Foto das ich vor drei Jahren auf meinem Stammbetrieb LVAV Hofgut Neumühle aufgenommen habe, in dem Tretmiststall in dem ich 2008 so richtig Hoflader fahren gelernt habe. Links ein reinrassiger Holsteinbulle, rechts eine Kreuzung Holstein x Weißblauer Belgier. Beide dürften ein knappes Jahr alt gewesen sein:
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Die Problematik ist aber, dass die Weißblauen Belgier zwar schöne Kreuzungskälber machen aber den Kühen dann doch mehr zusetzen. Belastbare Zahlen habe ich keine, aber gefühlt sind die Kühe mit Belgier-Kalbungen unter den Problemtieren überrepräsentiert.
Dazu eine Tabelle, die letztes Jahr in der Blickpunkt Rind veröffentlicht wurde mit den Daten aus mehreren Zehntausend Kalbungen:
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Also der Ansatz auf alternative Rassen auszuweichen; erstmal ein Überblick über Rassen die auf Holstein für Masthybriden eingekreuzt werden:
 
Fleischrassen mit denen ich mehr oder weniger Kreuzungserfahrung habe.
Weiß-Blaue Belgier; halt der Standard in Deutschland
Uckermärker; die Fleischrinderrasse schlechthin hier im Nordosten, wo auch Herden umgestellt werden, z.B. in Lentzke (siehe auch Post vom 03.05.2019)
Fleischfleckvieh; in der Mutterkuhhaltung recht stark weil hohe Milchleistung und dadurch schwere Absetzer, die aber in der Endmast zurückfallen. Auch in der Kreuzung kommt noch viel von der ursprünglichen Zweinutzung durch. Meine Erfahrung mit dem Fleckviehbullen Samson war, dass die Kälber extrem stur waren und tagelang kaum saufen wollten.
Charolais

weitere Rassen die sich im Kreuzungseinsatz befinden:
INRA 95, weil leichtkalbiger als die Weiß-Blauen Belgier
Angus, auch wegen Leichtkalbigkeit, z.B. bei Benninghoff Milch-Energie (siehe Post vom 16.06.2019)
Piemonteser, war vor längerer Zeit mal bei Braunvieh recht häufig
Limousin
Hereford
British Blue, ist ein Projekt der Rinderunion Baden-Württemberg
Wagyu, für spezielle Vermarktungswege wegen der Fleischqualität mit dem hohen intramuskulären Fettanteil
Chianina, habe ich einmal ein Kreuzungskalb gesehen.         

Von Kreuzungen mit Blonde d' Aquitaine habe ich noch nichts gehört aber würde die auch in die Liste mit aufnehmen.

Mein längerfristiger Plan wäre eine eigene Rassenprüfung zu machen, welche sich denn am besten eignet: Befruchtung, Kalbeverlauf, Kälbergesundheit, Kälberwachstum, Gesundheit der Kühe. 
Die Vermarktungsmöglichkeiten sind natürlich auch wichtig, da fällt Wagyu für den breiten Einsatz gleich raus. Bei den anderen Rassen haben es wahrscheinlich die "mittleren" Rassen Angus, Limousin und Hereford schwer; Chianina ist auch zu speziell. 
Laut einem meiner Viehhändler gehen die Kreuzungen mit Weißblauen Belgiern halt immer, die beste Alternative wären INRA 95 und Uckermärker gehen auch noch.
Andererseits hatte es mein Bruder in seiner Thüringer Zeit geschafft dort die Uckermärkerkreuzungen als neue "Rasse" zu etablieren, noch oberhalb der Belgierkreuzungen.

Jetzt mal wieder "Kuhblog interaktiv": Liebe Leser, welche Erfahrungen habt ihr mit Fleischrassen in der Kreuzung? Schreibt es als Kommentar drunter oder per E-Mail an kuhblog(at)gmail.com. Oder für die Insider auch mit Signal oder WhatsApp.
 
Benjamin

Samstag, 7. August 2021

INRA 95

Weiter zu den Masthybriden. INRA 95 ist eine französische Fleischrinderrasse. Für mich vereinfacht gesagt "französische Uckermärker". Da von der Geschichte, der Bedeutung und ein Stück weit der Genetik ähnlich. Gesehen habe ich aber bisher weder reinrassige noch Kreuzungen. Die Bedeutung in Deutschland ist als Fleischrasse zur Anpaarung mit Holsteins für Masthybriden. 
 
INRA 95 wurde Ende der 1960er Jahre in Frankreich unter de Leitung des damaligen INRA gezüchtet. INRA heißt Institut national de la recherche agronomique. Mit meinen nicht vorhandenen Französischkenntnissen übersetze ich das mal mit "Nationalem Agrarforschungsinstitut". In Deutschland am ehesten mit der ehemaligen Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR zu vergleichen.
Hauptzweck war die Erstellung einer synthetischen Rasse als Kreuzungspartner für Milchkühe. Also ähnlich dem Genotyp 67/Uckermärker.

Ursprungsrassen der INRA 95:
größter Anteil 
Charolais (Zentralfrankreich),
dann  
Blonde d' Aquitaine (Südfrankreich),
Weiß-Blaue Belgier (Belgien),
sowie kleinere Anteile von
Maine Anjou (Westfrankreich),
Limousin (Zentralfrankreich),
Piemonteser (Nordwestitalien).
 
In kleinerem Maßstab werden die INRA 95 in Frankreich und Belgien als Mutterkühe gehalten sowie auf vielen französischen Besamungsstationen für die Anpaarung von Milchkühen.
 
Die RUW (Rinder Union West, unter anderem in Rheinland-Pfalz) importiert auch INRA 95-Sperma aus Frankreich.
Davon hat mein Bruder einige Portionen für Mastanpaarungen eingesetzt und die ersten Kühe sind daraus tragend und werden Anfang Dezember kalben. 
 
Fortsetzung folgt!
 
Benjamin

Mittwoch, 4. August 2021

Wieder Uckermärker

Aus aktuellem Anlass gibt es eine Mini-Serie zum Thema Masthybriden, denn heute hatte ich mal wieder nach einigen Jahren ein Kreuzungskalb Holstein x Uckermärker. Hatten die längere Zeit nicht im Besamungseinsatz und da habe ich mich auf den Ersten besonders gefreut und das Geburtsdatum ist bis auf wenige Tage genau bekannt, sodass ich die Serie vorbereiten konnte.
Die sind jetzt Fleischrind-Testbullen die in den Testherden von RBB und RinderAllianz eingesetzt werden um genau wie bei den Holsteins schnell Nachkommen mit guter Datengrundlage zu bekommen für die Zuchtwertschätzung. Bei den Fleischrindern für die Kreuzungseingnung und werden dann mit dem Label "Beef on Dairy"  ausgewiesen. Wir müssen dafür auch das Verkaufgewicht mit 2 Wochen erfassen. Dieses Testprogramm war schon bei der Vorstellung der Phönix-Group letztes Jahr angekündigt worden (siehe auch Post vom 18.09.2020).

Masthybriden, also die Gebrauchskreuzung von Milchrind mal Fleischrind, dass das Kalb bessere Fleischleistung bekommt als ein reinrassiges Holstein hatte ich erstmals im Frühjahr 2009 in Südbrandenburg gesehen. Das waren auch Holstein x Uckermärker. Im Südwesten für mich damals völlig unbekannt.

In den letzten Jahren haben die Mastanpaarungen deutlich zugenommen, einerseits steigt die Nutzungsdauer unserer Kühe langsam aber stetig in den letzten Jahrzehnten und andererseits verringern sich die Aufzuchtverluste (ad libitum-Tränke usw.) Also werden über die gesamte Population weniger neue Kühe benötigt, aber es gebe noch mehr. Der Export von Zuchtvieh ist kaum eine Möglichkeit, denn auch wenn die Zuchtverbände das immer hoch halten sind das keine 100.000 pro Jahr, also vielleicht so 5 %. 

Neben der verlängerten Laktation sind dann Masthybriden eine mittlerweile weit verbreitete Möglichkeit die Nachzucht zu verringern, denn sowohl die männlichen als auch die weiblichen Kälber gehen in die Rindermast.

War heute früh ein Bullenkalb von 52 kg, Mutter ist Gandhi, die zum fünften Mal kalbte. Vater ist Magnum PP von der RBB. Typisch für die Uckermärkerkreuzungen sind die starke Streuung in der Fellfärbung der Kälber; da kommen wieder die beiden Ursprungsrassen Fleckvieh und Charolais nach so vielen Generationen in Reinzucht wieder durch. Sie reicht von "sehr blassem" Fleckvieh bis komplett grau wie Charolais-Kreuzungen.

Fortsetzung folgt!

Benjamin


 


Sonntag, 1. August 2021

Was zum Hören

Heute mal weniger Inhalt sondern eine Empfehlung zum Hören mit Kuhbezug.

Das Netzwerk Fokus Tierwohl hat jetzt einen Podcast gestartet, einerseits eine gute Möglichkeit für den als Ziel gesetzten Wissenstransfer von der Forschung in die Praxis, bieten sich Podcasts doch ideal für das Traktorfahren an. Außerdem freue ich mich darüber, denn in den neuen Medien dominiert nach wie vor bei der Landwirtschaft ganz stark der Pflanzenbau, dass es da auch mehr zur Tierhaltung gibt.

In der ersten Folge geht es um Hitzestress bei Milchkühen, wo ich mich auch schon intensiver mit beschäftigt habe. Einer der Teilnehmer ist Hr. Tober von der Landesforschungsanstalt MV, von dem ich schon viele Berichte gelesen und auch schon einen Vortrag gehört habe (siehe auch Post vom 07.05.2019).

Hier der Link --> Hitzestress bei Rindern - Fokus Tierwohl (fokus-tierwohl.de)

Benjamin

Donnerstag, 29. Juli 2021

Perles Abstammung - Teil 2

Perles Stammbaum 5 Generationen zurück, mehr hat auf den Screenshot nicht draufgepasst. In alle Zweige kann ich es mindestens 3 Generationen weit zurück verfolgen. Sieben Generationen weit habe ich es aufgeschrieben, das sind dann 128 Vorfahren. Weiter zurück habe ich es nicht gemacht, weil es dann extrem unübersichtlich wird. Ich schätze, dass die am weitesten zurückzuverfolgenden Äste 12 oder 13 Generationen weit reichen.

Politisch ganz inkorrekt sind blau die männlichen Vorfahren und rosa ist weiblich, Orange ist nicht divers oder wie es landwirtschaftlich heißt Zwicke sondern von der Identität her unbekannt. Das Geschlecht ist ja biologisch vorgegeben.

Perle als Ursprung des Stammbaum hat die Nr. 0, 1 sind männlich, 2 weiblich. So hat jeder Vorfahre eine Adresse im Stammbaum, ihr Muttermuttervater Kairo hat die 221 und alle deren Adresse mit 221 beginnt sind Vorfahren von Kairo und natürlich auch Perle.

Die oberste Zeile ist die Vaterlinie und ganz unten die Mutterlinie. Dort ist bei -5 Generationen die namenlose 621 die aus Sachsen zugekauft wurde.

Eine Übersicht wie viele verschiedene Vorfahren Perle in den einzelnen Generationen hat; da bin ich doch positiv überrascht, dass bis auf eine Stelle in der Vaterlinie (Urgroßvater) die Inzucht nicht gravierend auffällt:

Generation   Vorfahren   Vorfahren bekannt  verschiedene Vorfahren

-1                    2                    2                                    2
-2                    4                    4                                    4
-3                    8                    8                                    8
-4                    16                  15                                  15
-5                    32                  28                                  27
-6                    64                  52                                  46
-7                    128                94                                  75
bis -7              254                203                                159

In der 5. Generation zurück ist O-Man auf der väterlichen wie mütterlichen Seite vertreten, der an einer weiteren Stelle in der 4. Generation steht. Storm ist einmal in der 4. und zweimal in der 6. Generation. Starbuck ist innerhalb dieser 7 Generationen noch nicht so auffällig gehäuft, einmal in der 6. und dreimal in der 7. Generation.

Von den "modernen" Bullen der 2000er hat sie neben O-Man auch Shottle und Goldwin als Vorfahren vertreten, aber nicht Bookem und Planet sowie Laudan, was für eine Brandenburger Holstein halt doch schade ist.

Benjamin


 

Montag, 26. Juli 2021

Perles Abstammung - Teil 1

Über Perles Abstammung habe ich schon mal geschrieben (siehe Post vom 17.11.2020), in dem ich schrieb, dass ich ihre Väterfolge acht Generationen weit zurück verfolgen kann.

Das ist ihre Mutterlinie. Im Herde sieht man bei jedem Tier die drei letzten Generationen (Eltern, Großeltern, Urgroßeltern). Fünf Generationen zurück die Kuh auf ihrer Mutterlinie wurde mal aus Sachsen zugekauft, zu erkennen an der 14er-Ohrmarke. Zu den Ohrmarken-Nummern --> siehe hier. Acht Generationen zurück die älteste angezeigte Kuh hat eine 22er-Ohrmarke und ist damit vor der Einführung der 14 für Sachsen geboren worden.

Mehr als die drei letzten Generationen werden nicht angezeigt und so habe ich vor paar Wochen angefangen mal einen Stammbaum zu erstellen. Der wird sehr schnell sehr breit weil die Anzahl der Vorfahren sich von Generation zu Generation verdoppelt. 2^n halt. Da wird es zunehmend schwer überhaupt die richtige Position des jeweiligen Tiers im Stammbaum sicher zu bestimmen. Momentan bin ich bei acht Generationen zurück. Kein Vergleich zu dem Stammbaum den ich mal vor langer Zeit für Gisela erstellt hatte, damals habe ich irgendwie die ganzen Muttermütter der Bullen weggelassen. (siehe Post vom 28.02.2015).

Die ersten Generationen habe ich aus dem Herde bzw. die Abstammungen ihrer Mutterlinie. Für die Abstammung der einzelnen Bullen verwende ich die Bullendatenbank des vit. In der Schaue ich auch die Abstammung von neuen Bullen im Besamungseinsatz nach oder wenn ich nur eine Herdbuchnummer und keinen Namen dazu habe. Bei den einzelnen Bullen steht neben den ganzen Zuchtwerten als Erstes oben die Abstammung (Pedigree) drauf.

Hier als Beispiel der erste nachgeschaute Bulle, ihr Vater Perplex PP:
Es zeigt sich auch das Problem: Denn es sind vom Bullen nur die Eltern und Großeltern, sowie der Mutter-Mutter-Vater angegeben. Klar, das würde dann den Rahmen sprengen und die ganzen Bullen in der Abstammung kann man ebenfall nachschauen. Somit ist Renates Mutter, die Urururmutter von Perle die erste Unbekannte in ihrem Stammbaum die ich nicht herausfinden konnte.

Fortsetzung folgt!

Benjamin 

 


Freitag, 23. Juli 2021

Fettsäuren

- zur Übersicht der Fütterungsserie -> hier - 

Die Kohlenhydratverdauung im Pansen wird durch die Pansenmikroben geleistet. Und diese gehen deutlich weiter als die Verdauung bei den Monogastriern. Zunächst werden die Mehrfachzucker in Einfachzucker gespalten und dabei können die Mikroben auch die Verbindungen der Cellulose (ß-glykosidische Bindung) spalten,  was DER große evolutionäre Vorteil der Wiederkäuer ist.

Die Einfachzucker werden über mehrere Wege in kurzkettige Fettsäuren abgebaut, die dann durch die Pansenwand aufgenommen werden können.

Die Abbauwege sind nach den Endprodukten benannt:
Acetatweg; Acetat als Salz der Essigsäure (CH3COOH)
Propionatweg; Propionat als Salz der Propionsäure (C2H5COOH)
Butyratweg; Butyrat als Salz der Buttersäure (C3H7COOH)

Auf der einen Seite ist die Entstehung der einzelnen Fettsäuren abhängig vom Futter, das die für die Einzelnen Abbauwege zuständigen Mikroben bevorzugen. Beim Acetatweg ist es Rohfaser, für den Propionat und Butyratweg Stärke und Zucker. So sind die Anteile der einzelnen Fettsäuren im Pansen je nach Futter unterschiedlich.

Und auf der anderen Seite unterscheiden sich die Fettsäuren zudem in ihrer Verwendung durch den Stoffwechsel. Aus Acetat werden vor allem Fette gebildet und aus Propionat Glukose als Energieträger im Körper und für Laktose in der Milch.

Daraus ergibt sich ganz grob:
Rohfaser = Cellulose, wird zu Acetat, wird zum Milchfett, macht Fettprozente
Stärke wird zu Propionat, wird zu Glukose, wird zu Laktose, macht Milchmenge (da Laktose über Osmose Wasser ins Euter "zieht")

Benjamin