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Bisher hatte ich aus Gründen der Übersichtlichkeit nur die letzten 5 Generationen dargestellt. Diesmal wollte ich da einen Fortschritt machen und die - 6 Generation (dann 64 Vorfahren) dazunehmen. Bloß werden da die bekannten Vorfahren wenige. Ich nehme immer für die Abstammung der Bullen die Bullendatenblätter vom VIT, worauf die Eltern, Großeltern und der Urgroßvater auf der mütterlichen Linie (Muttermuttervater, MMV) stehen. Aber die gibt es bei den alten Bullen nur für die, die in Deutschland auch einen Töchterzuchtwert geschätzt bekommeb haben. Und da sind dann mir aus den Abstammungen altbekannte Namen nicht dabei.
Braunie ist geschätzt genetisch eine Generation älter als Gisela und 4 Generationen älter als Perle und noch aus vorgenomischer Zeit stammend. Damals war das Generationsintervall bestimmt doppelt so hoch als heute und fünf Generationen zurück ist man schon tief in den 1970ern. Da war die Zucht noch nicht so international, die deutschen Holsteins gab es noch nicht und nur ab und zu wurden Söhne und Enkel der bedeutenden Bullen aus Nordamerika in die Schwarzbunten eingekreuzt.
Benjamin
1460
Eine Neuerung die ich zuvor auch noch nicht gesehen habe war das CalfRail DUO von Förster Technik, das die Neumühle seit letztem Frühjahr hat.
Das CalfRail ist erstmal der normale Tränkeautomat an dem nicht für die Gruppenhaltung Tränkestationen mit Nuckel in die die Kälber laufen angeschlossen sind sondern ein Roboterarm mit Nuckel der von Iglu zu Iglu (bzw. Box) mit den Kälbern in Einzelhaltung fährt.
Das CalfRail DUO ist die neuste Variante mit zwei Nuckeln, bei dem zwei Kälber in Pärchenhaltung parallel saufen können.
Benjamin
1459
Auf der Neumühle habe ich natürlich auch Braunies Familie besucht.
Die Glanrinder habe ich auch besucht. Schließlich habe ich bei der Herde meine Kuhlaufbahn begonnen, noch vor der Holsteins. Die sind momentan in der Winterstallhaltung. Der Hauptstall der Mutterkuhherde ist ein Offenfront-Tretmiststall, wie er in Rheinland-Pfalz weit verbreitet ist:
Benjamin
1457
Heute früh war ich auf meinem Stammbetrieb LVAV Hofgut Neumühle zum Jahresendbesuch. Braunies Familie besuchen, die Neuerungen begutachten und fachsimpeln. Dort sind sie ja absolute Profis beim BCS, das sie nicht nur zum Fütterungscontrolling machen sondern regelmäßig über alle Kühe. Und dabei kemnen sie die individuellen Eigenheiten der Kühe, wie die Erstlaktierende die mit 40 kg Leistung bei BCS 2,0 immer schlecht aussieht. So haben wir auf dem Futtertisch gestanden und spaßeshalber ganz unsachlich von vorne die fressenden Kühe eingestuft. Was ohne Anspruch auf sinnvoll nutzbare Ergebnisse doch erstaunlich gut funktioniert.
Eine Überraschung gabs für mich mit dem Abschluss des Milchkontrolljahrs 2022/23. Zur Leistungsentwicklung wie ich sie so in Erinnerung habe: 2005 gab es mal 10.000 kg, 2007 (also 2008 zu meiner Praktikumszeit) 9.300, 2010 zu Zeiten meiner Bachelorarbeit fiel es wegen dem Q-Fieber auf 8.500 und stieg in den 2010ern wieder deutlich an. 2016 waren es rund 11.500 kg, wo die Kennzahlen der Jahresauswertung jahrelang vor dem Melkstand aushingen.
Jetzt sind es glatt 12.500 kg mit 3,83 % Fett und 3,45 % Eiweiß, macht 910 FEK. Bei der letzten Milchkontrolle war es ein Melkdurchschnitt von 40,8 kg mit 3,91 % Fett und 3,65 % Eiweiß. Die Zellzahl war durchschnittlich bei 128.000 und was wichtiger für die Eutergesundheit ist bei 77 % der Kühe unter 100.000.
Fortsetzung folgt!
1456
Im Kuhblog bin ich ja sehr unpolitisch unterwegs, aber nun zum dritten Mal mache ich es trotzdem.
Und zwar wegen den Plänen der deutschen Bundesregierung die Agrardieselrückvergütung abzuschaffen und die Kfz-Steuer auf land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge auszudehnen.
Die Agrardieselrückvergütung dient dazu die Wettbewerbsverzerrungen für die Landwirtschaft durch die hohe Energiesteuer auf Diesel zu verringern. Die 44 ct/l Energiesteuer müssen beim Kauf voll mit bezahlt werden und davon können zum Beginn des nächsten Jahres auf Antrag 21 ct/l zurückerstattet.
Für land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge muss keine Kfz-Steuer bezahlt werden, da sie nur selten auf öffentlichen Straßen fahren.
Die Rückvergütung soll jetzt abgeschafft und die Kfz-Steuer ausgedehnt werden um Geld für die Löcher im Bundeshaushalt zu bekommen.
Wie viele andere habe ich kein Verständnis dafür, dass gerade die Landwirtschaft für die Verschwendungssucht unserer Politiker aufkommen soll.
Benjamin
1455
In den letzten Wochen ging eine Meldung rum, dass Naturland den Kraftfuttereinsatz in der Milchkuhfütterung seiner Mitgliedsbetriebe halbieren will (-> Link).
Nach der ersten Verwunderung über die dünne Argumentation und bewusste Falschinformationen dabei dachte ich, das könnt was für die Fütterungsserie im Kuhblog (hier zur Übersicht) sein.
Benjamin
1454
Andererseits haben die Kälber geringere Geburtsgewichte, grob gesagt 30 statt 40 kg, womit sie schon einen Entwicklungsnachteil haben für Zucht wie Mast. Und als letzter Punkt noch die Zwicken (siehe Post vom 12.05.2023).
Die "amerikanische Methode" wäre die Kälber abzuspritzen. Das sehe ich kritisch, neben der ethischen Problematik ist es vor Allem die folgenden Fruchtbarkeitsprobleme. Da hat man die Kuh endlich tragend und dann induziert man einen Abort; dann ziehen sich oft folgende Gebärmutterentzündungem lange hin bis die Kuh wieder sauber ist und zum Schluss wird es eng sie wieder tragend zu bekommen. Nicht anhand der Laktationstage sondern der Milchleistung zum Trockenstellen, der damit verbundenen Verfettungsgefahr und den Folgen in der nächsten Laktation.
Für sinnvoller halte ich das bewusste Management der Zwillingskühe und noch mehr die Vermeidung von Zwillingsträchtigkeiten.
Einen Ansatz sehe ich in der verlängerten Laktation. Zwillingsträchtigkeiten entstehen bei Mehrfachovulationen, wo beim Eisprung mehrere Eizellen gleichzeitig ovulieren. Normalerweise bilden die Follikel Hormone, die die Reifung der anderen auf den Eierstöcken unterdrücken. Wenn jetzt aufgrund der hohen Leistung die Follikel zu wenig Energie oder Hormone abbekommen läuft das nicht mehr richtig ab: Keines wird so stark, dass es alle anderen unterdrücken kann.
Daher die Besamung im Laktationsverlauf hinter den Leistungspeak schieben, wenn die Kuh nicht mehr in der negativen Energiebilanz ist und der Zyklus wieder rund läuft.
Benjamin
1453
Heute morgen hat Stinktier (siehe Post vom 04.08.2022) zum zweiten Mal gekalbt.
Es ist ein Bullenkalb von Ulmar PP, einem Speckle Park. Das ist eine kanadische synthetische Rinderrasse aus Shorthorn und Angus. Wegen der Nutzung zur Kreuzung mit Holsteins und dem ähnlichen Alter für mich eine Art "kanadische Uckermärker".
Auf die Fellzeichnung war ich schon gespannt, weil SBT x PIN x Speckle Park. Der Pinzgauer scheint farblich verloren gegangen, einen Unterschied zu den anderen Kreuzungen sieht man nämlich nicht.