Freitag, 2. Oktober 2020

Neue Liegeboxen

Bei meinem Bruder auf dem St.Wendelinhof der Technischen Hochschule Bingen war ich dieses Jahr noch gar nicht gewesen. Eine große Neuerung gab es dort letzte Woche, die ich zwar selbst bisher nicht gesehen habe, aber mit ausführlichen Erklärungen und gelieferten Fotos kann ich hier im Kuhblog darüber berichten.
 
Der Kuhstall wurde Ende der 1960er Jahre gebaut, damals als 40er-Anbindestall mit einem schmalen Futtertisch zwischen den Standreihen wo ein Futterband das Futter von den Hochsilos am Stallende zu den Kühen brachte. Solche Technik gab es auch in Westdeutschland! War das Allermodernste.
2001 dann wurde auf Laufstall umgebaut und es gab den ersten Melkroboter (Lely Astronaut A2). An der Längsseite des Stalls wurde ein Futtertisch mit Fressgang angebaut und aus den Anbindeständen wurden Liegeboxen. Ausgeführt als Hochtiefbox mit einer Holzbohle hinten und mit Häckselstroh eingestreut.
So sah es bisher aus:

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Ich kann mich erinnern wie wir es im Studium über Qualitätssicherung hatten und ein HACCP-Protokoll für die Milchviehhaltung abgearbeitet haben. Da wurde auch die Liegeboxenbreite vermessen und die betrug 119 cm. Doch etwas schmäler und unser Professor der auch für den Umbau zuständig gewesen war erklärte uns, dass damit auf die ganze Reihe eine Box mehr hinpasste und somit alle Kühe der Herde Platz hatten.
 
Nun waren die Liegeboxen und der Kuhkomfort nicht mehr zeitgemäß, vor allem auch weil das zuständige Veterinäramt sehr streng ist. Mit dem vieharmen Rheinhessen sind die halt arg verwöhnt und wissen gar nicht welche Zustände noch in anderen Teilen Deutschlands herrschen. Mit denen will man sich aber eigentlich auch gar nicht vergleichen...
Jedenfalls wurde die Auflage gemacht die Liegeboxen umzubauen mit flexiblen Boxenbügeln.
 
Die Hochbox war gesetzt, weil man noch das alte Betonpodest der Anbindestände hat und man das nicht für einen Umbau im laufenden Betrieb einfach mal wegstemmen und Tiefboxen hinbauen kann.
 
Bei der Hochschule als staatlicher Einrichtung muss ein ordentliches Ausschreibungsverfahren durchgeführt werden. Von drei Herstellern wurden Angebote für Matratzen und Liegeboxenbügeln eingeholt und dann mit Zustimmung des Amtstierarztes das passende ausgewählt.
 
Es wurden Doro-Flex-Bügel und ZIMsoft-Matratzen der Firma Zimmermann-Stalltechnik (Link siehe hier).

Ein Foto zur Zimmermann Doro-Box. Die "Urversion" der Doro-Box auf der LVAV Hofgut Neumühle im Versuchsabteil des Kuhstalls. Vor langer Zeit zusammen mit meiner Braunie:
 


















Doro steht für Doppelrohr, der Boxenbügel hat keinerlei Schweißstellen sondern ist aus einem einzigen Rohr gebogen und am Fuß laufen beide Rohrenden zusammen und sind vor der Bugschwelle verankert und somit aus dem Feuchtigkeitsbereich der Einstreu. Vorne ist der Bügel etwas nach hinten eingezogen, dass die "Kühe beim Liegen und Aufstehen den Kopf frei haben". Statt Nackenrohr gibt es eine flexible, kunststoffummantelte Kette. Das Rohr oben ist nur zur seitlichen Aussteifung und heute auch noch mal etwas höher ausgestellt.
Die Doro-Box war für mich seit meinen Erfahrungen auf der Neumühle die beste Liegebox, weil sie die Kuh nicht behindert sondern nur die Richtung in ihrer Bewegung vorgibt. Und zudem extrem massiv gebaut.

Die Doro-Box gibt es in den Ausführungen Doro, Doro2, Doro3, die sich in der Größe unterscheiden sowie Doro-Flex, bei der der eigentlich Bügel durch ein flexibel gelagertes Holzbrett ersetzt ist das in beide Richtungen um so 10 cm ausweichen kann wenn sich die Kuh dagegen lehnt.
 
So sieht es nun im Stall aus, durch die hohe Bauform (1,4 m) der Bügel wirkt es jetzt enger, ist es aber nicht:



















Beispielfoto für den Liegekomfort. Die ZIMsoft-Matratze ist keine Gummimatte sondern eine durchgehende Gewebebahn mit einer Schaumstoffmatratze darunter. Vorne die Bugschwelle heißt ZIMboard und ist aus Kunststoff, würde an die Recycling-Weidezaumpfähle erinnern, und hat abgerundete Kanten, dass die Kühe bequemer die Vorderbeine drüber strecken können. Die Boxen sind 125 cm breit und haben ein Liegelänge von der Hinterkante bis zur Bugschwelle von 190 cm:

Benjamin



Sonntag, 27. September 2020

Rote Laudan

Heute geht es um Farbenlehre und Familiengeschichte. Rote Laudan als Titel ist unpräzise, eigentlich muss es rotbunte Laudan-Nachfahrin heißen. Mit "Eine" und dem Bullennamen hintendran meint man umgangssprachlich eine Tochter des jeweiligen Bullen.

Laudan ist der wichtigste Bulle in der Brandenburger Zuchtgeschichte (-> siehe hier). Er hat in der Brandenburger Holsteinpopulation auch sichtbar deutliche Spuren hinterlassen: Weiße Kühe mit schwarzen Ohrspitzen sind Töchter (mittlerweile seltener), Enkelinnen und Urenkelinnen von Laudan. Das Erscheinungsbild ist charakteristisch. Laura (-> siehe hier) ist mit ihrer Fellzeichnung da die Ausnahme der Regel.
 
Die rotbunte Laudan-Nachfahrin ist Talya, eine unserer Jungkühe, wie sie nach der Kalbung erstmals beim Fiebermessen in der Frischmelkergruppe dabei war sagte ich: "Sieht aus wie eine rote Laudan." Wegen den Ohrspitzen, nur halt in rot statt schwarz und ansonsten fast ganz weiß:
 


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Im Herde haben wir dann die Abstammung nachgeschaut und tatsächlich ist in ihr Laudan drin, 5 Generationen zurück als Urururgroßvater. Zwischenzeitlich wurde aus Schwarzbunt Rotbunt und die Ohrspitzen waren nicht mehr vorhanden, kamen aber wieder durch.
 
Das ist ihre Abstammung, jeweils mit Schwarz- oder Rotbunt dabei und den Allelkombinationen der Fellfarbe. Dazu siehe im Post vom 06.02.2015:
Talya (RBT, rr) von Coloredo-P (RBT, rr)
  Tabea (RBT, rr) von Tableau (RBT, rr)
    Buffy (SBT, Sr) von NOG Bela R (RBT, rr)
      Zia (SBT, SS) von Zabing (SBT, SS)
        Gloria (SBT, SS) von Laudan (SBT, SS)
           Fee (SBT, SS) von Bonatus (SBT, SS)
             Filja (SBT, SS) von Tober (SBT, SS)
Über die Bullenlinien kann ich ihre Abstammung insgesamt 12 Generationen weit zurück verfolgen, darunter auch mehrfach Starbuck und Chef II als Vorfahren (vgl. Post vom 27.02.2015).
 
Erwähnenswertes beim Stammbaum: Über NOG Bela R bekam die Familie das erste rotbunte Allel, ihre Großmutter Buffy hatte somit einen Rotfaktor. Von Tableau kam dann das zweite rotbunte Allel und Tabea war damit die erste Rotbunte in der Familie.
Tableau war der wichtigste rotbunte Bulle in Deutschland in den 2010er und neben Tabea haben wir ettliche weitere seiner Töchter in der Herde. Auf seinem Herkunftsbetrieb bin ich auch schon mal gewesen (siehe Post vom 15.05.2014).
Ihre Urgroßmutter Zia ist mittlerweile in der 7. Laktation und liegt bei 64.000 kg Lebensleistung. Sie ist eine Laudan-Enkelin und über ihren Vater Zabing eine Zunder-Enkelin. Zunder war auch der Vater von Leonie, der Mutter meiner Braunie. Wie Laudans Nachfahren weiß sind, so sind die von Zunder schwarz und bei Zia hat in der Farbe Zunder über Laudan gesiegt und man erkennt, dass sie die Cousine von Braunie ist. 
 
 
Ein Gruß geht noch raus an Gusti. Er ist Kuhbauer in Südbayern und berichtet in seinem Kuhstallbau-Podcast seit einem dreiviertel Jahr über seinen aktuellen Stallbau in der ganzen Bandbreite: Genehmigung, Planung, Erschließung, Bau usw. Weitere Infos und Reinhören unter kuhstallbau.com
  
Benjamin

Donnerstag, 24. September 2020

Hornloszucht - Teil 2

Noch ein weiterer Post über die Hornloszucht, weil in der aktuellen Milchrind ein Artikel zu dem Thema ist mit interessanten Zahlen.
Wieviel Prozent der eingesetzten Besamungsbullen hornlos sind habe ich im Kuhblog ab und zu berichtet, wenn es Neuigkeiten vom RBB gab. Das letzte Mal wusste ich war im Oktober 2019. Den Post habe ich sofort gefunden (siehe hier), dass es damals 26 % waren wusste ich gar nicht mehr. Bin scheinbar irgendwann mal bei 10 - 15 % hängen geblieben.
 
In der aktuellen Milchrind waren die Zahlen zum Anteil der hornlosen Bullen, die 2019 in Deutschland eingesetzt wurden. 21,8 % der eingesetzten Holsteinbullen  (das geht nach versamten Spermaportionen) waren hornlos, bei den Schwarzbunten 18,0 % und bei den Rotbunten 46,4 %.
Das sind heterozygot Hornlose (Pp) und homozygote Hornlose (PP) zusammen, 
Die homozygoten hatten 2019 14,0 % Anteil, bei den Schwarzbunten 11,2 % und bei den Rotbunten 31,9 %. Die homozygot Hornlosen haben also mittlerweile unter den Hornlosbullen die Mehrheit, über die Jahre ist es somit gelungen zwei Hornlosallele "anzusammeln".
Im Vergleich dazu hätten die homozygoten 2010 0,0 % gehabt. und ich kann mich auch dran erinnern wie 2014 (?) die RBB ihren ersten PP-Bullen hatte, der vom Zuchtwert weit abgeschlagen war, aber wegen der homozygoten Hornlosigkeiten und damit 100 % hornlosen Kälber es in den Besamungseinsatz geschafft hatte.

Die Hornlosen Bullen haben im Zuchtwert immer hinterhergehinkt, denn mit der seltenen Hornlosigkeit rekutierten sich die hornlosen Besamungsbullen aus einer kleinerem Kreis. Und bei einer Auswahl von 20.000 statt 2 Mio. sind die Allerbesten rein statistisch dann doch deutlich schlechter. 
Mittlerweile haben die heterozygot Hornlosen (Pp) mit der großen Mehrheit der behornten Bullen (pp) gleich gezogen und die homozygot Hornlosen (PP) liegen 6 Punkte oder knapp 2 Jahre Zuchtfortschritt im Gesamtzuchtwert (RZG) dahinter. 
Also im Zuchtfortschritt sind mit den hornlosen Bullen jetzt keine großen Abstriche mehr zu machen.

Über die Typisierung der weiblichen Kälber bei KuhVision wird auch der Hornstatus ermittelt und da waren es 2019 deutschlandweit 13,2 %, im Vergleich 2012 2,1 %.
Es ist noch ein weiter Weg bis wir uns das Enthornen sparen können und alle Kälber ganz sauber ohne Hörner auf die Welt kommen, aber als ich 2008 mit den Kühen angefangen haben war Hornlosigkeit eher eine Art Kuriosität und da ist der gegenwärtige Stand ein gewaltiger Fortschritt.

Benjamin

Dienstag, 22. September 2020

Nach Guben

Am Wochenende war ich in Guben an der Neiße, im Südosten Brandenburgs. Dort war ich bisher noch nicht gewesen. 2009 in der Nachbargemeinde auf einem Betrieb, dem ersten mit mehr als 1000 Kühen den ich überhaupt gesehen habe und zufällig auch der auf dessen Maisacker vorletzte Woche das erste Wildschwein mit ASP in Deutschland gefunden wurde. Und 2017 war ich etwas weiter südlich gewesen (siehe Posts vom 14.05.2017, 16.05.2017, 18.05.2017 und 20.05.2017).
 
Der Grund waren diesmal nicht Kühe sondern was aus dem Bereich Drumherum. Mit der Jugendfeuerwehr war ich als Betreuer mit zur Landesmeisterschaft im CTIF. CTIF ist die internationale Feuerwehrorganisation, also ein Wettbewerb nach internationalen Regeln.
Der Wettbewerb umfasst zwei Disziplinen: Einmal die Hindernisübung (auf dem Foto) und dann ein 400m-Staffellauf mit Hindernissen.
Coronabedingt ruhte der gesamte Betrieb der Jugendfeuerwehr bis zu dieser Woche und das Training für die Landesmeisterschaft durfte als Einziges stattfinden.
Daher wurde dann in der Gemeinde eine Mannschaft dafür aufgestellt. Die Bedingungen waren schon erschwert: An sechs Samstagen wurde geübt, davon nur einmal davon mit der finalen Mannschaft.
Freitagnachmittag ging es los, mit den benötigten neun Startern und keinem Ersatz. Dafür wurde ich gehandelt, vom Alter her (Geburtsjahrgänge 2004 bis 2008) nicht ganz passend, könnte man aber doch noch zurechtbiegen... 
Am Samstag bei allerschönstem Sonnenschein dann der Wettkampf mit einem beeindruckenden Teamgeist und unter den den besseren Bedingungen als beim Training auf unserem Sportplatz ("Stoppelacker") wuchsen die geradezu über sich hinaus und erreichten den 3. Platz. Von den drei teilnehmenden Jugendfeuerwehren, als Neuling gegenüber den beiden anderen die seit Jahren diese Meisterschaften dominieren. Und wurden weder wegen Fehlern disqualifiziert noch deklassiert, sodass eigentlich alle bei der nächsten Meisterschaft in zwei Jahren wieder teilnehmen wollen:
 
Benjamin
 

 

Freitag, 18. September 2020

PhöniX

Für mich habe ich gestern die Corona-Pandemie für beendet erklärt. Denn das Medikament, das ein halbes Jahr nicht lieferbar war, weil einer der Grundstoffe aus China nicht mehr kam, gibt es nun wieder. Das war die einzige Einschränkung in meinem Alltag gewesen.

Die positiven Folgen von Corona merkt man an den digitalen Möglichkeiten, die nun verstärkt genutzt werden.

So auch gestern Abend die gestreamte Pressekonferenz zur Gründung der PhöniXGroup. Im Vorfeld war schon groß angekündigt worden, alles recht nebulös über die Zukunft der Rinderzucht. Ich hatte gemutmaßt, dass ein gemeinsames Holstein-Zuchtprogramm für ganz Deutschland verkündet wird.

PhöniX ist der Zusammenschluss für das Zuchtprogramm und die Vermarktung der Zuchtverbände RinderAllianz (Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt), Rinderproduktion Berlin-Brandenburg (Brandenburg), Qnetics (Hessen, Thüringen), Rinder-Union West (Rheinland-Pfalz, Saarland, Nordrhein-Westfalen) und Rinderunion Baden-Württemberg. Es wurde extra gesagt, dass sie in Zukunft auch offen für weiter Kooperationspartner seien.

Die Bullen gehören weiterhin den einzelnen Verbänden, werden aber ausschließlich unter dem Namen PhöniX im ganzen Gebiet angeboten. Neben Holsteins auch Fleckvieh, Braunvieh und Fleischrassen. Insgesamt dürften es rund 50 % aller Herdbuchkühe in Deutschland sein. Erwähnt wurde extra, dass es auch in Richtung Mastanpaarungen gehen soll; dabei auch die Kapazitäten des Testherdenporgramms ProFitPlus von RBB und RinderAllianz zu nutzen. In der aktuellen Blickpunkt Rind war zu dem Thema auch ein Artikel über den Geburtsverlauf von Masthybriden, wobei Holstein x Uckermärker am besten Abschnitt. Das ist also ganz am Puls der Zeit.

Des Weiteren die Zusammenarbeit mit dem IFN in Schönow und es soll eine eigene Biotechnologie-Station für Embryotransfer und Ovu-Pick-Up aufgebaut werden, die in Nückel gehört ja der Masterrind (siehe Posts vom 06.06.2019 und 11.06.2019). Und das neue Sexing-Labor der RBW in Bad Waldsee, dazu wurde nichts gesagt aber das dürfte ein gewichtiger Grund bei den Verhandlungen gewesen sein.

Der Geschäftsbetrieb startet dann zum 1. Januar.

Auf die Zukunft des Zuchtprogramms und was für neue Ideen in der Zucht jetzt umgesetzt werden bin ich gespannt.

Internetseite der PhönixGroup (noch recht überschaubar): www.phoenix-genetics.de

Benjamin

Sonntag, 13. September 2020

100 % behornt

Die Besonderheit diese Woche war die Enthornung einer Kälbergruppe, bei der alle Kälber Hörner hatten. Das war die letzten 5 Jahre nie der Fall gewesen.
 
Enthornen habe ich auf meinem Stammbetrieb LVAV Hofgut Neumühle gelernt, das war im April 2008. Das war im Rahmen der überbetrieblichen Ausbildung einer Klasse der Landwirtschaftsschule aus Ettelbrück in Luxemburg. Da wurden dann die Kälber vom Trocken-TMR-Versuch (siehe auch Post vom 13.03.2016) genommen, die waren gerade im passenden Alter. Damals wurden die Kälber noch nicht sediert sondern in einer Enthornungsbox fixiert. Das ging sehr schnell, weil die Kälber den Kopf nicht bewegen konnten.
Wie ich nach Boberow kam hatte ich mit dem Enthornen gar nichts mehr zu tun, denn das wurde mit Kaliumhydroxid (KOH) gemacht, wo die Hornanlagen nicht verödet sondern verätzt werden. Und das nebenher beim Anlernen an den Tränkeautomat. Das mit am Abstand einfachste und schonenste Verfahren der Enthornung, aber leider mittlerweile verboten.
Stattdessen wurde 2015, mit dem Brennen der Hörner angefangen, weil das Arla für das Arlagarden vorgeschrieben hatte. Hatten das bis zum Audit hin in Pinnow aber nicht umgesetzt und dann gab es darüber eine Diskussion mit dem Auspasser aus Dänemark, der dem Auditor vom LKV Mecklenburg-Vorpommern auf die Finger schauen sollte und dieser das mit "Arla will Premium produzieren!" abwürgen wollte. Worauf mein Chef mit : " 30 Cent sind aber kein Premium" antwortete. Das ist auch das Problem von Arla, die es als einer der größten Molkereien Europas mit hunderten Millionen Euro Investitionen jedes Jahr nie aus der hinteren Hälfte beim Milchpreis herausschaffen.

Es waren bei jeder "Charge" an Kälbern zum enthornen hornlose dabei, in den letzten Jahren hat sich das bei so 25 - 30 % der Kälber eingependelt, manchmal auch nur einzelne und einmal sogar 75 %, aber nie 0 %.

Zur Vererbung der Hornlosigkeit. Als scheinbare Besonderheit ist beim Hornlosgen das Allel für Hornlosigkeit dominant und das für Hörner rezessiv. Die allermeisten Rinder weltweit haben aber Hörner. Das kommt noch von der Zucht auf Hörner, denn die brauchte es Jahrtausende lang um ein Joch daran festbinden zu können. Dieser Grund ist inzwischen weggefallen, aber fast alle Rinder hatten dann Hörner. 
Ausnahmen sind die Aberdeen Angus und Galloway, die schon seit Jahrhunderten hornlos sind, weil sie nicht auf Hörner gezüchtet wurden und sich die hornlose Variante dann durchsetzen konnte.

behornt: pp
heterozygot hornlos: Pp
homozygot hornlos: PP

pp x pp = pp
Pp x pp = 1/2 Pp, 1/2 Pp
Pp x Pp = 1/4 PP, 1/2 Pp, 1/4 pp
PP x pp = Pp
PP x Pp = 1/2 PP, 1/2 Pp
PP x PP = PP

Bei unserer Hornloszucht ist es meistens pp x Pp und auch pp x PP bei der Anpaarung von Hornlosbullen an behornte Kühe und wenn die Kuh schon hornlos ist Pp x Pp und Pp x PP. Homozygot hornlose Kühe haben noch Seltenheitswert.

Fortsetzung folt!

Benjamin
 

Donnerstag, 10. September 2020

Warntag

Momentan ist nicht viel Außergewöhnliches los, die Kollegen von der Pflanzenproduktion häckseln Mais und von der kleinen Besonderheit diese Woche schreibe ich dann im nächsten Post.
 
Heute war der deutschlandweite Warntag. Der Test der Sirenen und der digitalen Kanäle. Die Warnung der Bevölkerung über die Sirenen wurde vor der Wende als in Westdeutschland geübt, seitdem nicht mehr, sodass das fast die Hälfte der Deutschen gar nicht kennt. Da bin ich jetzt 30 Jahre alt und habe erstmals den "Fliegeralarm" gehört.
Der normale Feueralarm ist aber absolut drin, auch in Zeitalter der Piepser und Handyalarmierung. Und der wird auch regelmäßig getestet, in Rheinland-Pfalz war es einmal pro Monat komplett 3x 12 Sekunden, hier in Brandenburg einmal wöchentlich 12 Sekunden. 
Der Heulton zur Warnung ist dann eine Minute lang und entsteht dadurch, dass die Sirene immer kurz anläuft und dann wieder ausläuft.
 
Gehört habe ich den heute aber auch nur weil ich bewusst drauf geachtet habe. Die Anlage liegt ja etwas abseits am Dorfrand und dann fährt der Teleskoplader über den Hof und in einer anderen Ecke brummt der Kärcher, das ist trotz der vermeintlichen Ruhe im Stall schon ein ordentlicher Geräuschspegel im Hintergrund. 
Hätte ich den Alarm in einem normalen Fall gehört, hätte ich wie vorgesehen das Radio angeschaltet um rauszufinden was da los ist.

Aber was bei den Probealarmen für die Feuerwehr routiniert problemlos klappt ging nach der Einschätzung der Innenministeriums schief: Der Warntag war ein Misserfolg weil alle Stellen gleichzeitig alarmierten und die Netze überlasteten, sodass die Warnung nicht überall zeitnah ankam. Mein Handy blieb still, von der Feuerwehr-App hatte ich erwartet, dass da was kommt und vielleicht eine SMS von der Telekom als Netzbetreiber. Aber war gar nichts.

Ein Symbolbild dafür. Das habe ich erst nach meiner Überbleibselserie zu 25 Jahre Einheit (siehe auch Post vom 03.10.2015) aufgenommen. Ein Schild, das in der ehemaligen Werkstatt in Pinnow hängt und die Sirenensignale in den 1970ern (?) erklärt, die damals aber nicht geübt wurden:

Benjamin
 

 

Montag, 7. September 2020

Trockenstehdauer

Zum Abschluss meiner Serie über die verlängerte Laktation noch eine Auswertung über die Trockenstehdauer. 
Die Trockenstehdauer hatte ich im Datenmaterial dabei, um den Unterschied zwischen Melktagsleistung (Zwischen Kalbung und Trockenstellen) und Futtertagsleistung (bis zur nächsten Kalbung) berechnen zu können. War etwas Rechenarbeit, denn die im Herde angegebenen Melktage stimmten nicht mit dem Zeitraum zwischen Kalbung und Trockenstellen überein.
 
Bei der Trockenstehdauer war während meines Studiums vor so zehn Jahren der Trend zur reduzierten Trockenstehdauer, auf 28 Tage verkürzen bei Mehrkalbskühen war da so eine gängige Zahl. Daneben die Diskussion die Kühe durchzumelken und sich beim Verzicht auf die Biestmilch die mindestens zweimalige Futterumstellung zu sparen und die Kuh kontinuierlich wie sie es gewohnt ist weiterzufüttern.
Da kamen dann aber recht schnell Forschungsergebnisse, dass die Kühe langfristig in der Leistung abfallen weil die Erholungsphase für den Stoffwechsel fehlt.

Nach dem Trockenstellen hört mit ansteigenden Euterinnendruck die Milchbildung auf und dann beginnt der Abbau der Milch, nach einer Ruhephase beginnt die Bildung der Biestmilch für das neue Kalb. Bei null Ruhephase dauert das zwischen 30 und 35 Tagen, alles darüber verlängert die Ruhephase für das Euter. Daher war für mich immer die 35 Tage ein fixer Wert, der nicht unterschritten werden sollte.

Irgendwann mal habe ich eingeführt, dass die Jungkühe der 1. Laktation 10 Tage früher trockengestellt werden, weil denen einer längere Trockenstehzeit zugute kommt weil sie noch nicht ganz ausgewachsen sind.
Für mit Fleischrindern besamte Kühe um 4 Tage später trockenstellen, was meine ermittelte längere Tragezeit ist und für mit Zwillingen tragende Kühe (falls erkannt) ein Termin früher. Bei der kürzeren Tragezeit kommen meine Statistiken auf nur 6 Tage, aber das können die betroffenen Kühe eh gebrauchen.

Für die Auswertungen habe ich die Kühe in 5 Klassen eingeteilt, dass da jeweils ähnliche Anzahlen dahinter stehen. Kriterium ist die Trockenstehdauer, die Werte sind auf die Folgelaktation bezogen, also bei der 1. dann die 2. usw. 100-Tage-Leistung als Maß wie gut die Kühe "in Gang" gekommen sind, 305d-Leistung, Leistung pro Melktag und Leistung pro Futtertag wieder energiekorrigierte Milch.
Das Ergebnis ist ziemlich eindeutig:
 

 


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Ein Grund mehr die Laktation zu verlängern, dass man die Kühe wegen acht bis neun Wochen Trockenstehzeit nicht so früh abwürgen muss.

Benjamin

Mittwoch, 2. September 2020

Remontierungsrate vs Zuchtfortschritt

Jetzt kommt ein Post, der aus der unten stehenden Grafik entstand, die bei meinen Datenauswertungen zur verlängerten Laktation als Nebenprodukt abfiel. Mit etwas Rechnerei wurde da aber ziemlich viel daraus.

Vor paar Jahren habe ich mal überschlagen wie hoch denn der Zuchtfortschritt sein müsste, dass es sich lohnt die Remontierungsrate dafür zu erhöhen. Damals kam ich auf einen utopischen Zuchtfortschritt von 2.000 kg Jahresleistung pro Jahr. Den Rechenweg dafür weiß ich aber nicht mehr.

Der Hintergrund davon: Die Remontierungsrate ist der Anteil der Kühe die im letzten Jahr neu in die Herde gekommen sind, der Ersatz für abgegangene Kühe, egal ob freiwillig oder unfreiwillig aussortiert. Die Remontierungsrate liegt in Deutschland im Schnitt bei 32 - 33 %, also gut ein Drittel der Kühe pro Jahr. Schlechtere Betriebe kommen teilweise auf über 40 %, die besten auf unter 20 %.

Und dann gibt es doch nicht wenige Leute die meinen, dass man nicht unter 30 % Remontierungsrate gehen sollte, weil man sonst nicht genügend junge Kühe und damit die neueste Genetik bekommt. Ich beziehe das jetzt auf die Milchleistung, weil die mit 45 % am Gesamtzuchtwert die höchste Gewichtung hat und zudem gut nachvollziehbar ist.
 
Da sind dann aber gleich mehrere Denkfehler auf einmal dabei:
- der Zuchtfortschritt ist auch bei der Leistung vvergleichweise gering, man sagt als 70 - 80 kg pro Jahr. Wenn man durch eine bewusst hohe Remontierungsrate das Durchschnittsalter senken will kommen da nur wenige Monate raus. Eine Herde mit 35 % Remontierungsrate dürfte gegenüber einer mit 25 % geschätzte 10 Monate im Durchschnitt jünger sein. [Rechenformel siehte unten] Das wären knapp 65 kg Mehrleistung.
- Die hohe Remontierungsrate ist viel teurer. Geschätzt wird die Herde mit einer um einen Prozentpunkt höheren Remontierungsrate um gut einen Monat im Durchschnitt jünger. 1 Monat jünger wären 6,5 kg mehr Jahresleistung. Mal 15 ct (Milcherlös minus Futterkosten was die Kuh zusätzlich für die Mehrleistung fressen muss) sind rund 1 € pro Kuh und Jahr mehr.  1 % Remontierungsrate sind pro Kuh der Herde 1 % einer neuen Jungkuh mehr pro Jahr, bei Aufzuchtkosten der Größenordnung von 2.000 € sind das 20 € Zusatzkosten. Also äußerst unwirtschaftlich.
- Die schärfere Selektion auf der Kuhseite. Mit einer niedrigeren Remontierungsrate und weniger benötigten Jungkühen hat man mehr Auswahlmöglichkeit welche Kühe man zur Zucht der nächsten Generation nehmen möchte. Wenn man bei einer hohen Remontierungsrate 3/4 der Kühe braucht und nur auf das schlechteste Viertel verzichten kann, dann bei einer niedrigen auf die schlechtere Hälfte. Die Kuhseite kann dann deutlich mehr zum Zuchtfortschritt beitragen.
- Der physiologische Leistungsanstieg mit dem Alter der Kühe. Die Leistung steigt die ersten Jahre im Leben einer Kuh an. Dazu ist die Grafik. In der ersten Laktation geben die Kühe im Schnitt die wenigste Milch. Sie sind noch nicht ausgewachsen und können daher weniger fressen. Sie wachsen auch nach der ersten Kalbung noch weiter und sind erst im Alter von so vier Jahren komplett ausgewachsen. Da sie dann mehr fressen können geben sie auch mehr Milch. Die meisten Kühe erreichen dann zwischen der 3. und 5. Laktation ihre höchste Leistung, bei den 100.000-Liter Kühen eher in der 6. oder 7., das sind da die Langstreckenläufer. Bei Tina war es übrigens auch die 7.
Mit einer niedrigeren Remontierungsrate werden die Kühe älter (bzw. mit älteren Kühe ist die Remontierungsrate niedriger, hängt ja zusammen) und mehr Kühe der Herde sind dann in den Laktationen mit der höchsten Leistung. Somit ist dann auch die Durchschnittsleistung der Herde höher. 

Wieder als Ergebnis: Es gibt keinen Grund die Remontierungsrate hoch zu halten. Das Ziel muss so niedrig wie möglich sein, dass die Kühe möglichst alt werden.

Die Grafik; die durchschnittliche energiekorrigierte 305-Tage-Leistung für die Laktationen 1 - 7, darüber waren einfach zu wenige Kühe:






 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Meine Rechenformel:
1 / % Remontierungsrate = Nutzungsdauer der abgegangenen Kühe in Jahren
2/3 der Nutzungsdauer abgegange Kühe = durchschnittliche Nutzungsdauer lebende Kühe
+ Erstkalbealter = Durchschnittsalter lebende Kühe

Benjamin

Mittwoch, 26. August 2020

Verlängerte Laktation - Teil 4

Ein weiterer Post was bei meinem "Datamining" zur Zwischenkalbezeit und Rastzeit rausgekommen ist.
Es geht um die Rastzeit in der ersten Laktation, weil Erstkalbskühe eine bessere Persistenz haben als Mehrkalbskühe, also mit der Milchleistung nicht so stark abfallen mit der Zeit. Auf der anderen Seite, dass Kühe in der zweiten Laktation deutlich mehr Milch geben (hauptsächlich weil älter und schwerer) und dann die Kuh möglichst schnell zum zweiten Mal kalben sollte. Dazu gab es eine kleine Diskussion auf der diesjährigen Milchtour (siehe Post vom 18.02.2020).

Wieder zu bedenken dabei ist, dass ich als Datengrundlage ist eine durchschnittliche Herde bei der gar nicht gewartetet wurde habe, lange Rastzeiten sind nur die über 100 Tage.
Für die langfristigen Auswirkungen habe ich nur Kühe genommen die schon zum 4. Mal gekalbt hatten, sodass ich die ersten drei Laktation zusammenfassen konnte.
In der 2. und 3. Laktation jeweils die 100-Tage-Leistung in kg energiekorrigierter Milch als Maß, wie gut sie in die neue Laktation gestartet ist. Dazu die Güstzeit in Tagen bis sie wieder tragend war und der Besamungsaufwand wie viele Spermaportionen es für die neue Trächtigkeit gebraucht hat, als Vergleich wie es mit der Fruchtbarkeit in diesem "Gleich anfangen"-System gelaufen ist. 
Über alle Laktationen wieder Leistung pro Melktag und pro Futtertag inklusive Trockenstehzeit. Noch alle Futtertage über die drei Laktationen und die gesamte Milchmenge:











 
Die mit 80 - 90 Tagen Rastzeit waren genau wie nur auf die erste Laktation alleine betrachtet (siehe Post vom 30.06.2020) in der Leistung die beste Gruppe. 
Die Gruppe über 100 Tage Rastzeit ist zwar um 1,2 kg pro Futtertag schlechter, macht in den drei Laktationen aber 140 Tage mehr Nutzungsdauer und 2.215 kg mehr Lebensleistung. Da die hauptsächlichen Krankheiten bei den Kühe recht kurz nach der Kalbung kommen und nicht bei den Altmelker, wo diese mehr Tage herkommen kann man daraus folgern, dass zwar die Leistung pro Tag niedriger ist, aber die Krankheitskosten und Remontierungskosten (Abschreibung der Kuh) pro kg Milch geringer. 

Nochmal auf die Rastzeit in der 2. Laktation berechnet. Waren Kühe die fünfmal gekalbt haben und die 2. bis 4. Laktation zusammengefasst: 











Die Kühe mit einer Rastzeit unter 50 Tagen haben die höchste Leistung; wie man an der Güstzeit in der 3. und 4. Laktation auch sieht werden die scheinbar immer schnell tragend, also dass ihre Fruchtbarkeit generell zeitiger anfängt.
Und auch hier zeigt sich, dass die Kühe mit 80 - 100 Tagen Rastzeit aus den drei Laktationen mehr machen.

Mit den Daten war nur ganz am Anfang des Bereichs der verlängerten Laktation/Zwischenkalbezeit/Freiwillige Wartezeit gekratzt, aber die Ergebnisse machen doch Mut allgemein mehr in diese Richtung zu versuchen.

Benjamin

Montag, 24. August 2020

RZ€

Mit der Zuchtwertschätzung im August wurde jetzt der Ökonomische Zuchtwert RZ€ eingeführt, auf den ich schon seit fünf Jahren gewartetet hatte.
Im August 2015 wurden die auf den Daten der Testherdenprogramme von RinderAllianz und RBB basierten Zuchtwerte für töchtergeprüfte Bullen eingeführt: KalbungPlus anhand der Geburtsverläufe und Geburtsgewichte, MastitisPlus anhand der Eutererkrankungen und KlauePlus anhand von Klauenerkrankungen. Damals war auch ein Zuchtwert nach ökonomischen Kriterien in Planung.
Im August 2018 kam der genomische Zuchtwert für die "Mortellaroresistenz" DDcontrol, dessen Entwicklung ich seit 2015 doch recht gut mitverfolgen konnte (siehe auch Post vom 31.05.2018).
Im April 2019 kamen dann die genomische Gesundheitszuchtwerte des RZGesund, der größte Durchbruch seit der Einführung des genomischen Zuchtwertschätzung im April 2010. (Siehe auch Post vom 23.03.2019).
Im August 2019 kam noch ein genomischer Zuchtwert für die Kälbergesundheit (RZKälberfit) hinzu.
Zum Ökönomischen Zuchtwert hat man über die Jahre von diversen Studien der Landesforschungsanstalt in Dummerstorf gelesen aber nun kam die Umsetzung von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen  mit ihrem Datenmaterial aus den Betriebszweigauswertungen, die vom VIT in Verden dann in den Zuchtwert eingebaut wurden.

Der Zuchtwert RZ€ ist ein Zuchtwert der die ökonomischen Auswirkungen der Zucht beachtet, also was eine Kuh an Geld einbringt und auf der anderen Seite an Geld kostet. Zuchtziel ist eine möglichst wirtschaftliche Kuh. Der Zuchtwert wird nicht in Standardabweichungen angegeben sondern in €, die die Töchter in einem durchschnittlichen Kuhleben mit drei Jahren in Milch über dem Durchschnitt aller aktuellen Kühe liegen. Dabei ist zu beachten, dass jeweils die Hälfte des Erbguts von Mutter und Vater kommen. Hat der Bulle einen RZ€ von + 1.500 € kommen davon bei der Tochter 750 an.
In den RZ€ fließen ein, wieder ökonomisch gewichtet, was besonders Geld bringt bzw. kostet:
41 % RZM (Milchleistung)
27 % RZN (Nutzungsdauer -> Remontierungskosten)
16 % RZGesund (Gesundheit)
7 % RZR (Fruchtbarkeit)
6 % RZKälberfit (Kälbergesundheit)
3% RZKm/d (Kalbeverlauf)
Im Gegensatz zum Gesamtzuchtwert RZG sind die funktionellen Merkmale dadurch deutlich stärker gewichtet und das Exterieur (RZE) ist komplett rausgefallen, weil das keinen direkten Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit hat, sondern nur indirekt z.B. auf die Nutzungsdauer, die aber ja schon direkt einfließt (vgl. Post vom 12.05.2020).
 
Sehr gefreut hat mich das gute Abschneiden der Brandenburger Besamungsbullen in den neuen Toplisten für den RZ€. Obwohl die Brandenburger Holsteinpopulation nur knapp 5 % der gesamten deutschen ausmacht sind in den Top 10 sowohl bei den töchtergeprüften Bullen als auch den genomisch geprüften Jungbullen jeweils zwei aus Brandenburg vertreten. 

Weitere Informationen unter richtigzuechten.de

Benjamin
 
 
Nachtrag: 
Ein Video der RBB, in dem Dr. Rensing vom VIT den RZ€ erklärt: 
Und die von Dr. Rensing erwähnten Aufstellung der Grenzgewinne für die einzelnen Merkmale: 

Mittwoch, 19. August 2020

Mais-Sortendemo 2020

Zum Silomais als (mengenmäßig) wichtigstes Kuhfutter gibt es heute wieder einen Post. Der Mais ist auf den leichten Standorten in Brandenburg vorherrschend, auch wenn fraglich ist was man bei den heutigen Witterungsverhältnissen abändern sollte. Auf mehr verschiedene Kulturen zu setzen wäre bestimmt sinnvoll, z.B. Sorghum oder mehr tiefwurzelnde Pflanzen wie Rohrschwingel und insbesondere mein Liebling Luzerne.

Die Maissortendemo vor zwei Jahren (siehe Post vom 19.07.2018) war nicht ausgewertet worden weil bei der Trockenheit die frühreifen Sorten generell besser abschneiden (siehe auch Post vom 19.09.2018).
Beim Mais werden die Reifezahlen angegeben, einmal S für Silomaisnutzung und K für Körnermais (auch Lieschkolbenschrot, Corn-Cob-Mix). Die meisten Sorten haben beides und sind somit universell nutzbar. Die Zahlen reichen ca. von 130 bis 420, im deutschsprachigen Raum sind meist 200 - 300 üblich. Zehn Punkte entspricht in der Reife rund 3 Tage Unterschied. Die frühen Sorten wachsen und reifen schneller, brauchen also eine nicht so lange Vergetationsphase und nicht so viel Wasser, haben aber geringere Erträge. 
130er Sorten kann man nach Wintergerste Anfang Juli noch säen und kriegt die im Oktober noch vor der Weizenaussaat geerntet. 380er Sorten in Gunstlagen am Oberrhein Mitte April gesät reifen noch ab und bringen dann im Vergleich locker den doppelten Ertrag.
Für die Sortenwahl sind die Vegetationstage am Standort und das verfügbare Wasser entscheidend.
In der Sortendemo werden verschiedene Sorten nebeneinander angebaut um sie vergleichen zu können.

Wie man an der Sorten schon erkennt, ist die Demonstration von KWS angelegt:
- Benedictio KWS S230/K230; da mehrfach im Vergleich scheint das eine passende Sorte für den Standort zu sein
- KXB 9132, dem Namen nach sicher noch nicht vermarktet oder eine interne Vergleichssorte
- KWS Jaro S230/K240
- KWS Bernadino S240/ca. K230
- KWS Vitalico S240/K240
- Benedictio KWS 230/K230
- KWS Otto S240; die Kompaktheit sieht man, ist relativ kurz gewachsen
- KWS Paratico S250; hohe Verdaulichkeit, auch kurz gewachsen
- KXB 9201
- Benedictio KWS 230/K230
- Kilomeris S260, Biogasmais, da ist z.B. die Stärkeveraudlichkeit nicht so wichtig
- Benedictio KWS 230/K230
- KWS Shako S280
- KWS Kentos ca. S280
- Koletis K260, das ist eine reine Körnermaissorte 

Auf dem Foto wirkt der Bestand wellenförmig, das sind die Höhenunterschiede der einzelnen Sorten:

Benjamin



Sonntag, 16. August 2020

Neuer Schäffer

Über die Vorführung des Elektro-Hofladers hatte ich im Kuhblog berichtet (siehe Post vom 14.05.2020).
Seit nun vier Wochen ist der neue Hoflader im Einsatz und hat in dieser Zeit schon rund 40 Betriebsstunden gemacht.
Es ist ein üblicher Schäffer-Dieselhoflader, aber in der Niedrigvariante: Schäffer 2024 SLT.
Der unterscheidet sich von "normalen" 2024 dadurch, dass der Motor nach hinten verschoben ist und man nicht über sondern vor dem Motor sitzt. Man hat so auch keine Trittstufe sondern steigt gleich auf die Plattform, das ist kein klassisches "Aufsteigen" auf den Hoflader sondern eher ein "Einsteigen" wie beim Kälberauto. Und damit passt er trotz Fahrerschutzdach mit einer Gesamthöhe von 1,89 m überall in die Ställe rein. Die Außenbreite beträgt 95 cm, mit der Schaufel die er von seinem Vorgänger geerbt hat sind es 1,4 m. 
Besonders gewöhnungsbedürftig ist die Bedienung des hydaulischen Fahrantriebs. Ich bin schon geschätzt 15 Hoflader veschiedenster Größe, Fabrikat, Alter gefahren und alle hatten ein Gaspedal und ein Bremspedal oder Inchpedal. Der kleine Schäffer hat rechts Gaspedal, Bremspedal und links ein Fahrpedal. Das ist eine Wippe mit der man die Fahrtrichtung vorgibt, die Geschwindigkeit geht dann über das Gaspedal. Es gibt auch keinen Joystick mit dem Richtungsschalter sondern einen einfachen Kreuzhebel:

Benjamin


Donnerstag, 13. August 2020

Nach Berlin - Teil 2

Auch wenn wir in Berlin die meiste Zeit durch die Gegend gefahren sind musste natürlich auch etwas Sightseeing sein.

Vom Hauptbahnhof ging es über die Spree ins Regierungsviertel.
Bei der Frau Merkel vor der Haustür. Dass das Bundeskanzleramt inzwischen auch schon gut 20 Jahre alt ist sieht man, insbesondere weil große Teile der Fassade mit wildem Wein bewachsen ist. Ob der Politikbetrieb momentan Sommerferien hat weiß ich nicht, aber überall wurden Fenster geputzt, wie hier oben rechts im Bild zu sehen:



















Auf der Paul-Löbe-Allee zwischen links dem Paul-Löbe-Haus, dem Bürogebäude des Bundestags und dem Reichstag, der hier nicht im Bild ist. Sind zum Brandenburger Tor gelaufen, denn der U-Bahnhof ist geschlossen:

























Und am Brandenburger Tor, dem deutschesten aller Orte:



















Der Ausflug war schön; auch wenn es überhaupt nicht mein Fall ist, so ist doch die Massenmenschenhaltung schon in gewisser Weise faszinierend, dass das alles auch so funktioniert. Für die nächsten Jahre wird Berlin für mich aber wieder nur ein Platz zum Umsteigen oder außenrum fahren sein.

Benjamin

Montag, 10. August 2020

Nach Berlin - Teil 1

Mal wieder etwas Drumherum im Kuhblog und zwar Kuhltur.

Nach Berlin komme ich wirklich selten. Die Berliner haben hier bei uns in der Brandenburger Provinz nicht den besten Ruf, sie gelten als etwas weltfremd. Und als Landei kann ich mit der überlaufenen Großstadt auch nicht allzu viel anfangen; mir reicht es schon wenn ich alle paar Monate auf dem Weg in die Heimat am Spandauer Bahnhof umsteige.
So richtig in Berlin war ich mal 2007 von der Schule aus: Reichstag, Fernsehturm, Altes Museum und Pergamonmuseum; hohe Kultur damals. Und dann nochmal 2016 zur Demonstration (siehe Post vom 17.01.2016).

Jetzt waren am Wochenende meine Geschwister, mein Vater und die Kinder meines Bruders bei mir zu Besuch. Wenn die halbe Sippschaft schon mal da war wurde auch ein Tagesausflug nach Berlin gemacht zum Sightseeing und vor allem mit der ganzen Bandbreite der Berliner Verkehrsbetriebe rumzufahren.

Wir sind mit dem Berlin-Brandenburg-Ticket gefahren, wo man als Gruppe einen Tag lang den ganzen Regionalverkehr in Brandenburg und Berlin nutzen kann. Das war natürlich was Besonderes kreuz und quer rumfahren zu können. Um 2000 hatte ich mit meinen Geschwistern und meiner Mutter immer Ähnliches gemacht: Mit dem Rheinland-Pfalz-Ferienticket für 50 Mark eine Woche lang in den Sommerferien jeden Tag einen anderen Ausflug.
Die Hinfahrt war mit dem Regionalexpress der ODEG, mit dem ich auch immer nach Berlin fahre und dann ich Spandau in den ICE umsteige; von der Schaffnerin hatten sie Kinder-Fahrkarten bekommen:



















In Berlin selbst dann mit der S-Bahn, der Straßenbahn, die dort Tram genannt wird und diverse Fahrten mit der U-Bahn. Sowohl Klein- als auch Großprofil. In München und Prag bin ich schon U-Bahn gefahren gewesen, aber Berlin war dann doch aufregender. Das Kleinprofil sind die ältesten Strecken, die schon zur Kaiserzeit begonnen wurden zu bauen. Die Tunnel sind ziemlich eng und die Waggons nur 2,3 m breit, da sitzt man seitwärts unter den Fenstern entlang. Die Bahnen haben eine recht sportliche Fahrweise und die Tunnel sind sehr kurvenreich, als wenn die damals beim Bau nicht die Richtung hätten halten können. Wenn man im letzten Waggon sitzt sieht man wie der vorderste schon gefühlt zwei Kurven weiter ist. Zwischen Potsdamer Platz und Alexanderplatz:



















Eine größere Aktion war es einen typischen Berliner Doppeldeckerbus zu finden. 2007 waren die noch überall zu sehen, mittlerweile sind die schon sehr rar. Das meiste sind jetzt Gelenkbusse. Da es nur noch so wenige Doppeldeckerbusse gibt scheinen auch nicht mehr die Bäume an den Haltestellen zurückgeschnitten zu werden; die Busse haben massive Edelstahlbügel montiert, dass herabhängende Äste nicht die Frontscheibe beschädigen. Glaube das Foto war irgendwo in Berlin-Wedding:

Fortsetzung folgt!

Benjamin 

Freitag, 7. August 2020

120 Liter Kuhtrank

Zur Erstversorgung von Kuh und Kalb nach der Geburt gehört der Kuhtrank für die Kuh. 
Der Kuhtrank versorgt die Kuh nach der Kalbung mit Mineralien, Energie und Flüssigkeit. Das enthaltende Calcium oral aufgenommen ist eine sehr gute Vorsorge gegen Milchfieber und die Flüssigkeit hält nicht nur die Verdauung in Gang, wo rund um die Kalbung die Futteraufnahme am geringsten ist. Zudem sorgt die Flüssigkeitsmenge in den Mägen eine Labmagenverlagerung zu verhindern, wenn durch das gerade geborene Kalb ein Hohlraum in der Bauchhöhle hinterlassen wurde.
Beim Kuhtrank habe ich die besten Erfahrungen mit dem Milki Kuhtrank von Milkivit gemacht, den saufen die Kühe sehr gut. 
Von der Menge her heißt es so viel wie die Kuh saufen woll. Standard sind erstmal zwei 20 Liter-Eimer voll mit lauwarmem Wasser angerührt. Die 20 Liter-Eimer sind vom Handling am einfachsten, man kann sie in der Abkalbebox leicht neben das Kalb stellen oder der Kuh passend vor die Nase. Ein einzelner Maurertumpen ist da zu sperrig.
Wenn sie unter 25 Liter säuft werde ich schon nervös und bei älteren Kühen die gar nicht saufen wollen drenche ich auch schon mal den Kuhtrank, dass sie den nach der Kalbung auch definitiv haben.
Wenn sie die 40 Liter zügig wegsaufen hole ich auch einen dritten Eimer voll. Ist von Aufwand her nicht ideal, denn es ist ein recht langer Weg zwischen Kälberküche und Abkalbestall. Die absolute Luxusausführung sind da die Abkalbeboxen bei der Milchquelle Stüdenitz, wo eine auf 40 °C eingestellte Wasserleitung liegt mit Anschlüssen zum Kuhtrank anrühren oder Drenchen (vgl. Post vom 22.04.2018). 
Am Mittwoch hatte ich eine Erstkalbende (Färsenkalbung) die ganze 120 l Kuhtrank gesoffen hat. Als sie auch den dritten Eimer in einem Zug leergesoffen hatte und sich nicht groß von ihrem Kalb ablenken ließ habe ich noch einen vierten voll geholt. Und einen fünften und einen sechsten. Mehr habe ich mich dann aber nicht getraut anzubieten. 

Symbolbild für den Kuhtrank:

Benjamin

Dienstag, 4. August 2020

Sommer in der Nordpfalz

Eigentlich wollte ich noch ein Foto aus Rheinhessen im Sommer bringen, weil es genau die richtige Jahreszeit war mit den reifen Getreidefeldern. Von meinem alten Heimatdorf paar Kilometer entfernt ist eine Stelle wo von der Perspektive her dann das Getreide bis zum Horizont zu reichen scheint. Eine leere Ecke im dichtbesiedelten Rheinhessen.
Aber an dem Tag wo ich da hinlaufen wollte regnete es die ganze Zeit und trocknete dann auch nicht mehr ab und weil ich nicht über matschige Feldwege wandern wollte habe ich es ausfallen gelassen...
Trotzdem habe ich noch ein Foto vom diesjährigen Sommer, wiederum nur einige Kilometer weiter aufgenommen, im nächsten Tal, dem Zellertal. Da komme ich als entlang wenn ich zur Neumühle fahre.
Blick von Osten nach Westen zum Donnersberg. Mit 686 m der höchste Berg der Pfalz und namensgebend für den Donnersbergkreis. Ich stehe da kurz hinter der Kreisgrenze (zum Landkreis Alzey-Worms), die gleichzeitig die Grenze zwischen den Regionen Rheinhessen und Pfalz ist. 
Das Foto zeigt sehr schön die Landschaft: Im Tal fließt die Pfrimm, ein linker Zufluss des Rheins. Zu erkennen an den Bäumen. Die Dörfer liegen im Tal, an den Südhängen sind die Weinberge und die Nordhänge und auf den Hügeln Äcker. Sowie die Windräder, wovon es ähnlich viele gibt wie im westlichen Brandenburg.
Grünland gibt es keines, erst ein Stück südlich vom Donnersberg wo dann auch die Neumühle liegt.

Benjamin


Samstag, 1. August 2020

Wieder nach Lampertheim

Jetzt kommen noch die beiden letzten Post von meinem Urlaub in der alten Heimat im Juli.

Ich war auch wieder zur Besuch bei Christian in Lampertheim; nur so 20 km von meinen Eltern entfernt ist es halt naheliegend.

Durch die Corona-Krise hat sich der Absatz an ihrer Milchtankstelle dauerhaft erhöht. 

Der Mähdrescher war noch in der Werktstatt gewesen weil ein defektes Lager an der Schüttlerhilfe ausgetauscht werden musste. So war ich dann untere anderem dabei, wie eine der beiden Regnertrommeln umgestellt wurde.

Die Beregnung von Feldkulturen wird an Bedeutung gewinnen um Ausfälle wie in den letzten beiden Jahren abmildern zu können. Im Hessischen Ried ist die Beregnung seit Jahrzehnten üblich; nur einen Kilometer vom Rhein entfernt hat es einen hohen Grundwasserstand und als Gemüsebaugebiet ist die Infrastruktur an Brunnen vorhanden.
Beregnet werden Zuckerrüben, Mais, Luzerne und Weidelgras. Weil es natürlich ein Aufwand an Kosten und vor allem Arbeit ist nur zu den wichtigen Phasen, also eher 35 mm als Inches (vgl. Post vom 07.11.2014). 

Ausziehen des Regners. Ist eine Bauer Rainstar T61 (-> Link) mit ungefähr 400 m Rohrlänge, was für die dortigen Äcker loker ausreicht. Als Herdenmanager finde ich die Typenbezeichnung unmöglich...
Der Regner hat eine 22 mm-Düse und ein Leistung von 25 m³ pro Stunde, entspricht damit einem B-Rohr. 
Auf dem Foto war der Mais deutlich niedriger als bei uns daheim, denn erst so acht Wochen alt, der wurde Mitte Mais nach dem zweiten Grasschnitt gesät.

Und da man auf dem Foto die ganzen Stromleitungen sieht. Das sind 220 kV-Leitungen die dann über den Rhein gehen. Mit Wasser und Strom halt fragte ich, ob man da nicht aufpassen müsse. Wobei es kein Vollstrahl ist sondern stoßweise.
Bei anderen Äckern würden die Leitungen noch tiefer hängen und bei natürlichem Regen passiert auch nichts. Und ins Umspannwerk hätte er auch schon rein beregnet, wie es in die letzten Ecken des dortogen Ackers gegangen ist:




















Starten des Pumpenaggregats am Brunnen mit Starthilfe vom Traktor, denn das hat keine eigene Batterie. Die kann man sich sparen wenn man nach dem Umsetzen der Trommel eh mit dem Traktor zum Brunnen fährt um das Aggregat anzuwerfen:

Benjamin