Posts mit dem Label Deutsche Holstein werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Deutsche Holstein werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 27. September 2020

Rote Laudan

Heute geht es um Farbenlehre und Familiengeschichte. Rote Laudan als Titel ist unpräzise, eigentlich muss es rotbunte Laudan-Nachfahrin heißen. Mit "Eine" und dem Bullennamen hintendran meint man umgangssprachlich eine Tochter des jeweiligen Bullen.

Laudan ist der wichtigste Bulle in der Brandenburger Zuchtgeschichte (-> siehe hier). Er hat in der Brandenburger Holsteinpopulation auch sichtbar deutliche Spuren hinterlassen: Weiße Kühe mit schwarzen Ohrspitzen sind Töchter (mittlerweile seltener), Enkelinnen und Urenkelinnen von Laudan. Das Erscheinungsbild ist charakteristisch. Laura (-> siehe hier) ist mit ihrer Fellzeichnung da die Ausnahme der Regel.
 
Die rotbunte Laudan-Nachfahrin ist Talya, eine unserer Jungkühe, wie sie nach der Kalbung erstmals beim Fiebermessen in der Frischmelkergruppe dabei war sagte ich: "Sieht aus wie eine rote Laudan." Wegen den Ohrspitzen, nur halt in rot statt schwarz und ansonsten fast ganz weiß:
 


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Im Herde haben wir dann die Abstammung nachgeschaut und tatsächlich ist in ihr Laudan drin, 5 Generationen zurück als Urururgroßvater. Zwischenzeitlich wurde aus Schwarzbunt Rotbunt und die Ohrspitzen waren nicht mehr vorhanden, kamen aber wieder durch.
 
Das ist ihre Abstammung, jeweils mit Schwarz- oder Rotbunt dabei und den Allelkombinationen der Fellfarbe. Dazu siehe im Post vom 06.02.2015:
Talya (RBT, rr) von Coloredo-P (RBT, rr)
  Tabea (RBT, rr) von Tableau (RBT, rr)
    Buffy (SBT, Sr) von NOG Bela R (RBT, rr)
      Zia (SBT, SS) von Zabing (SBT, SS)
        Gloria (SBT, SS) von Laudan (SBT, SS)
           Fee (SBT, SS) von Bonatus (SBT, SS)
             Filja (SBT, SS) von Tober (SBT, SS)
Über die Bullenlinien kann ich ihre Abstammung insgesamt 12 Generationen weit zurück verfolgen, darunter auch mehrfach Starbuck und Chef II als Vorfahren (vgl. Post vom 27.02.2015).
 
Erwähnenswertes beim Stammbaum: Über NOG Bela R bekam die Familie das erste rotbunte Allel, ihre Großmutter Buffy hatte somit einen Rotfaktor. Von Tableau kam dann das zweite rotbunte Allel und Tabea war damit die erste Rotbunte in der Familie.
Tableau war der wichtigste rotbunte Bulle in Deutschland in den 2010er und neben Tabea haben wir ettliche weitere seiner Töchter in der Herde. Auf seinem Herkunftsbetrieb bin ich auch schon mal gewesen (siehe Post vom 15.05.2014).
Ihre Urgroßmutter Zia ist mittlerweile in der 7. Laktation und liegt bei 64.000 kg Lebensleistung. Sie ist eine Laudan-Enkelin und über ihren Vater Zabing eine Zunder-Enkelin. Zunder war auch der Vater von Leonie, der Mutter meiner Braunie. Wie Laudans Nachfahren weiß sind, so sind die von Zunder schwarz und bei Zia hat in der Farbe Zunder über Laudan gesiegt und man erkennt, dass sie die Cousine von Braunie ist. 
 
 
Ein Gruß geht noch raus an Gusti. Er ist Kuhbauer in Südbayern und berichtet in seinem Kuhstallbau-Podcast seit einem dreiviertel Jahr über seinen aktuellen Stallbau in der ganzen Bandbreite: Genehmigung, Planung, Erschließung, Bau usw. Weitere Infos und Reinhören unter kuhstallbau.com
  
Benjamin

Donnerstag, 24. September 2020

Hornloszucht - Teil 2

Noch ein weiterer Post über die Hornloszucht, weil in der aktuellen Milchrind ein Artikel zu dem Thema ist mit interessanten Zahlen.
Wieviel Prozent der eingesetzten Besamungsbullen hornlos sind habe ich im Kuhblog ab und zu berichtet, wenn es Neuigkeiten vom RBB gab. Das letzte Mal wusste ich war im Oktober 2019. Den Post habe ich sofort gefunden (siehe hier), dass es damals 26 % waren wusste ich gar nicht mehr. Bin scheinbar irgendwann mal bei 10 - 15 % hängen geblieben.
 
In der aktuellen Milchrind waren die Zahlen zum Anteil der hornlosen Bullen, die 2019 in Deutschland eingesetzt wurden. 21,8 % der eingesetzten Holsteinbullen  (das geht nach versamten Spermaportionen) waren hornlos, bei den Schwarzbunten 18,0 % und bei den Rotbunten 46,4 %.
Das sind heterozygot Hornlose (Pp) und homozygote Hornlose (PP) zusammen, 
Die homozygoten hatten 2019 14,0 % Anteil, bei den Schwarzbunten 11,2 % und bei den Rotbunten 31,9 %. Die homozygot Hornlosen haben also mittlerweile unter den Hornlosbullen die Mehrheit, über die Jahre ist es somit gelungen zwei Hornlosallele "anzusammeln".
Im Vergleich dazu hätten die homozygoten 2010 0,0 % gehabt. und ich kann mich auch dran erinnern wie 2014 (?) die RBB ihren ersten PP-Bullen hatte, der vom Zuchtwert weit abgeschlagen war, aber wegen der homozygoten Hornlosigkeiten und damit 100 % hornlosen Kälber es in den Besamungseinsatz geschafft hatte.

Die Hornlosen Bullen haben im Zuchtwert immer hinterhergehinkt, denn mit der seltenen Hornlosigkeit rekutierten sich die hornlosen Besamungsbullen aus einer kleinerem Kreis. Und bei einer Auswahl von 20.000 statt 2 Mio. sind die Allerbesten rein statistisch dann doch deutlich schlechter. 
Mittlerweile haben die heterozygot Hornlosen (Pp) mit der großen Mehrheit der behornten Bullen (pp) gleich gezogen und die homozygot Hornlosen (PP) liegen 6 Punkte oder knapp 2 Jahre Zuchtfortschritt im Gesamtzuchtwert (RZG) dahinter. 
Also im Zuchtfortschritt sind mit den hornlosen Bullen jetzt keine großen Abstriche mehr zu machen.

Über die Typisierung der weiblichen Kälber bei KuhVision wird auch der Hornstatus ermittelt und da waren es 2019 deutschlandweit 13,2 %, im Vergleich 2012 2,1 %.
Es ist noch ein weiter Weg bis wir uns das Enthornen sparen können und alle Kälber ganz sauber ohne Hörner auf die Welt kommen, aber als ich 2008 mit den Kühen angefangen haben war Hornlosigkeit eher eine Art Kuriosität und da ist der gegenwärtige Stand ein gewaltiger Fortschritt.

Benjamin

Freitag, 18. September 2020

PhöniX

Für mich habe ich gestern die Corona-Pandemie für beendet erklärt. Denn das Medikament, das ein halbes Jahr nicht lieferbar war, weil einer der Grundstoffe aus China nicht mehr kam, gibt es nun wieder. Das war die einzige Einschränkung in meinem Alltag gewesen.

Die positiven Folgen von Corona merkt man an den digitalen Möglichkeiten, die nun verstärkt genutzt werden.

So auch gestern Abend die gestreamte Pressekonferenz zur Gründung der PhöniXGroup. Im Vorfeld war schon groß angekündigt worden, alles recht nebulös über die Zukunft der Rinderzucht. Ich hatte gemutmaßt, dass ein gemeinsames Holstein-Zuchtprogramm für ganz Deutschland verkündet wird.

PhöniX ist der Zusammenschluss für das Zuchtprogramm und die Vermarktung der Zuchtverbände RinderAllianz (Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt), Rinderproduktion Berlin-Brandenburg (Brandenburg), Qnetics (Hessen, Thüringen), Rinder-Union West (Rheinland-Pfalz, Saarland, Nordrhein-Westfalen) und Rinderunion Baden-Württemberg. Es wurde extra gesagt, dass sie in Zukunft auch offen für weiter Kooperationspartner seien.

Die Bullen gehören weiterhin den einzelnen Verbänden, werden aber ausschließlich unter dem Namen PhöniX im ganzen Gebiet angeboten. Neben Holsteins auch Fleckvieh, Braunvieh und Fleischrassen. Insgesamt dürften es rund 50 % aller Herdbuchkühe in Deutschland sein. Erwähnt wurde extra, dass es auch in Richtung Mastanpaarungen gehen soll; dabei auch die Kapazitäten des Testherdenporgramms ProFitPlus von RBB und RinderAllianz zu nutzen. In der aktuellen Blickpunkt Rind war zu dem Thema auch ein Artikel über den Geburtsverlauf von Masthybriden, wobei Holstein x Uckermärker am besten Abschnitt. Das ist also ganz am Puls der Zeit.

Des Weiteren die Zusammenarbeit mit dem IFN in Schönow und es soll eine eigene Biotechnologie-Station für Embryotransfer und Ovu-Pick-Up aufgebaut werden, die in Nückel gehört ja der Masterrind (siehe Posts vom 06.06.2019 und 11.06.2019). Und das neue Sexing-Labor der RBW in Bad Waldsee, dazu wurde nichts gesagt aber das dürfte ein gewichtiger Grund bei den Verhandlungen gewesen sein.

Der Geschäftsbetrieb startet dann zum 1. Januar.

Auf die Zukunft des Zuchtprogramms und was für neue Ideen in der Zucht jetzt umgesetzt werden bin ich gespannt.

Internetseite der PhönixGroup (noch recht überschaubar): www.phoenix-genetics.de

Benjamin