Montag, 30. November 2020

Perle - Teil 4

Am Donnerstag kam Perle an  den Tränkeautomat. Schließlich war sie schon 18 Tage alt und ihr Tränkeverhalten stabil; am Mittwoch, ihrem letzten kompletten Tag in der Einzelbox waren es 12,5 Liter.

Zudem muss ja beim Rein-Raus-Verfahren auch gewartet werden bis genügend Kälber für eine Gruppe zusammen gekommen sind.

Auf dem Weg in die Gruppenbox ging es wieder über die Waage und da waren es diesmal 54,2 kg. Diese starke Zunahme ist wahrscheinlich eine Messungenauigkeit bei nur zwei Einzelwerten. Und die Uhrzeit hat auch nicht ganz überein gestimmt. Bei den Kuhwaagen beim konventionellen Melken werden die Kühe auch direkt nach dem Melken gewogen um sie immer zum gleichen Zeitpunkt in ihrem Tagesablauf zu haben.

In der Einzelhaltung kommt sie damit auf 611 g Tageszunahme.

Benjamin


Freitag, 27. November 2020

Selektives Trockenstellen

Selektives Trockenstellen ist ein Verfahren bei dem kuhindividuell abhängig von der Eutergesundheit in der vorangegangenen Laktation entschieden wird ob die Kuh mit einem antibiotische Trockensteller trockengestellt wird oder nicht. Dadurch ist es möglich erhebliche Mengen Antibiotika und Kosten einzusparen.

Letzte Woche war mein Bruder zu Gast im Kuhverstandpodcast zu einem Interview über das selektive Trockenstellen (-> hier zu hören). Sehr interessant anzuhören und alles wichtige zu dem Thema zusammengefasst; meiner Meinung nach die beste Folge die Christian in den letzten dreieinhalb Jahren gemacht hat und da werden sich die kommenden an einem sehr hohen Niveau messen müssen.

Die erwähnte Anekdote von der Veranstaltung auf der ein einziger Landwirt nur selektiv trockenstellte war ich gewesen, das habe ich auch in meinem Post zum Trockenstellen erwähnt (siehe Post vom 27.02.2019). Die dort beschriebene Herangehensweise zum selektiven Trockenstellen habe ich seitdem auch nicht mehr verändert: Die Kühe die in der Laktation keine Euterentzündung hatten und in den letzten drei Milchleistungsprüfungen jeweils unter 100.000 Zellzahl bekommen kein antibiotischen Trockensteller. Die anderen abhängig vom nachgewiesenen Erreger dann mit Antibiotika. 

Benjamin

Dienstag, 24. November 2020

Perle - Teil 3

Am Sonntag wurde Perle erstmals gewogen.

Zuerst habe ich sie mit dem Jungviehwiegeband gemessen. Dabei wird vom Brustumfang das zugehörige Gewicht abgeleitet. Haupteinsatzzweck sind Färsen um die Erstbesamung rum, ob die auch das nötige Gewicht schon haben. Für ein Kalb schätzte ich es als zu ungenau ein. Und so war es auch: 90 cm Brustumfang und 70 kg Gewicht. Viel zu viel.

Daher habe ich sie zur Waage gebracht. Am Strick geführt bzw. mehr geschoben. Halfterführig wäre doch mal was und bei Perles Bedeutung eigentlich eine Selbstverständlichkeit... Das letzte Kalb das ich halfterführig gemacht habe war damals Berta (siehe Post vom 11.07.2014).  

Die Waage zeigte 49,4 kg an. Da bin ich erschrocken, das wären ja nur 3,2 kg mehr als das Geburtsgewicht. Wahrscheinlich wurde bei dem die 3 Liter Kolostrum mitgewogen bzw. nicht abgezogen. 6,2 kg Zunahme in 14 Tagen wären 443 g Tageszunahme. Zwar kein guter Wert aber realistisch.

Streicheleinheiten nach dem aufregenden Ausflug:

Benjamin


 

Freitag, 20. November 2020

RZ€ - Teil 2

Was Aktuelles zum ökonomischen Zuchtwert RZ€. Mittlerweile kucke ich fast nur noch darauf, auch wenn man erst noch ein Gefühl für die Werte bekommen muss. All die Jahre mit den RZG, da hatte man immer die Glockenkurve der Verteilung vor dem Inneren Auge und die Tiere dann gleich eingeordnet.

RZG und RZ€ korrelieren zu 70 %, denn bei beiden sind die am höchsten gewichteten Merkmale Milchleistung (RZM) und Nutzungsdauer (RZN). Beim RZG sind es 45 % RZM und 20 % RZN, beim RZ€ 41 % RZM und 27 % RZN.
Die übrigen 30 % der Varianz sind auch noch da und so habe ich aus den Zuchtwerten unserer Rinder rausgesucht, dass bei gleichem RZG der Unterschied im RZ€ bis zu 650 € betragen kann und bei gleichem RZ€ im RZG ein Unterschied von bis zu 13 Punkten (mehr als eine Standardabweichung!)
 
Durchschnittlich haben die Kuhvisions-Betriebe in Deutschland ein RZ€ von glaube 810 €, wir liegen etwas darüber mit 905 €. Und einem durchschnittlichen RZG von 118,6.
Es fällt auf, dass die Tiere sowohl mit den höchsten Zuchtwerten nach RZG als auch RZ€ fast alles Kälber sind, nur wenige Färsen und so gut wie keine Kühe. Das Beispielkalb unten ist erst zweieinhalb Monate alt. Da merkt man deutlich den Zuchtfortschritt auch innerhalb eines Jahres wenn man sich die Liste anschaut.
 
Die Zuchtwerte unseres aktuell besten Kalbs nach RZ€; nach RZG nicht, da sind noch einige darüber.
In ihrem Fall ist es die Kombination aus hohen Werten bei Milchleistung (RZM), Nutzungsdauer (RZN) und Gesundheit (GES), die zusammen schon mehr als Dreiviertel des RZ€ ausmachen:
 
Benjamin
 

 


Dienstag, 17. November 2020

Perle - Teil 2

Ein Foto von Perle gabs schon, jetzt gibt es paar Infos zu ihr.
 
Ihr Geburtsgewicht betrug ordentliche 46,2 kg. Das ist der Einfluss ihres Vaters, denn ihre Geschwister sind auch überdurchschnittlich schwer. Das Gewicht sieht man ihr auch an. Nach den Auswertungen der Landesforschungsanstalt MV ist das Gewicht (korrekt Lebensmasse) mit zwei Wochen Alter entscheidend für das weitere Wachstum und Leben. Mit diesen Geburtsgewicht hat sie schon mal gute Voraussetzungen.
 
Bei ihrer ersten Mahlzeit hat sie 3 Liter Biestmilch gesoffen und in ihrem ersten Lebenstag insgesamt 7 Liter. Weiterer Pluspunkt!
 
Zu ihrer Abstammung; das ist ihrer Väterfolge, die ich ganze 8 Generationen zurück verfolgen kann:
Perplex PP
  Tableau 
    Kairo
      Cavana
        NOG Tirano
          Lexikon
            Presto
              Clerus 

Perplex, Tableau und Kairo sind rotbunt, ihre Mutter und Großmutter haben beide einen Rotfaktor und sie ist jetzt rotbunt. Zur Vererbung der Farben siehe auch im Post vom 06.02.2015.
Und auch wieder Tableau in der Abstammung, der ist in der Herde als Kuhvater halt doch stärker vertreten. Auf seinem Herkunftsbetrieb bin ich schon mal gewesen (siehe Post vom 15.05.2014).

Ihr Vater Perplex PP ist ein homozygot hornloser Bulle, sodass sie auch hornlos ist. Wahrscheinlich heterozygot. Zur Vererbung der Hornlosigkeit siehe im Post vom 13.09.2020. Sie muss dann nicht enthornt werden, die behornten Kälber ihrer Gruppe werden wahrscheinlich am 9. Dezember dran sein.

Noch die Zuchtwerte von Perplex PP. Habe nur den Link zum VIT, bei CRV als Besitzer konnte ich die passende Internetseite nicht verlinken... Hervorzuheben sind neben seiner homozygoten Hornlosigkeit die hohen Inhaltsstoffe die er vererbt, die deutllich unterdurchschnittliche Größe, bei etwas mehr Stärke und Kondition (BCS). Also das Gegenteil der scharfen Schaukuh die nicht alt wird.

Fortsetzung folgt!
 
Benjamin

 

Sonntag, 15. November 2020

Perle - Teil 1

Keine Exkursionsberichte, keine Veranstaltungsberichte - da ich den Kuhblog nicht in den Lockdown schicken will habe ich nach anderen Themen gesucht.

2016 hatte ich schon mal mit einer Serie zur Kälberaufzucht angefangen. Bei der zuchthygienischen Untersuchung in Pinnow hatte ich paar Fotos gemacht, denn in den Statistiken war eine von Google weitergeleitete Suchanfrage zum Ultraschall. Da musste ich natürlich drauf reagieren. Dazu habe ich noch ein Schaubild gemalt und im Herde die Infos zur Kuh recherchiert. Das wurde einer der Posts aus den über tausend bei dem ich mich so richtig verkünstelt habe.

Und mitten beim Schreiben kam mir die Idee eine Serie daraus zu machen über das dann geborene Kalb. In der Kälberaufzucht passiert in verhältnismäßig kurzer Zeit recht viel, für die Kuhblogleser ohne Kühe digital ein Kalb aufwachsen zu sehen und für die mit Kühen der Vergleich zur eigenen Verfahrensweise und Grundlage für Erfahrungsaustausch und Diskussion. Bisschen Leserbindung durch den Fortsetzungscharakter auch noch dazu.

Bloß die Serie fiel dann sehr klein aus, denn das Kalb war ein Bulle und wurde nach 15 Tagen verkauft. Das waren die weiteren Posts:
 
Die ursprüngliche Idee habe ich jetzt wieder aufgeriffen um eine neue Serie über die Kälberaufzucht zu machen. Aus "Fehlern" lernt man und so habe ich jetzt erst mit der Geburt eines weiblichen Kalbs angefangen. Eigentlich wollte ich mir aus dem Abkalbebuch eines heraussuchen, das schonmal von Anfang an einen guten Start hin gelegt hat, dass später tolle Kälberfotos für die Posts rausspringen. Aber wie das dann so ist war eine Auswahl gar nicht nötig, denn am letzten Sonntag wurde ein rotbuntes Kalb geboren und in Brandenburg sind die rotbunten Holsteins mit nur 1 % Anteil an der Population so selten, dass die Entscheidung klar war.
 
Perle, benannt nach ihrem Vater Perplex PP:
 
Benjamin




Donnerstag, 12. November 2020

Aktuelles vom Kuhblog

Auch für den Kuhblog ist das ein schwieriges Jahr, denn mein "draußen herumziehen", bei dem ich viele Themen und Eindrücke mitnehme ist so fast komplett ausgefallen.
 
Die MeLa, das beste im September, war als eine der ersten Messen abgesagt worden.
 
Die EuroTier hätte nächste Woche stattgefunden wurde aber schon frühzeitig auf den Februar nächsten Jahres verschoben und nun komplett abgesagt.
 
Die Verbandsschau Blickpunkt Rind des RBB ist auch ausgefallen, wo gerade auf einen zweijährigen Rhythmus wegen des großen Aufwands umgestellt worden war.
Aber der RBB ist bei der Etablierung digitalen Ersatzes ganz vorne mit dabei und hat Videos zu verschiedenen Themen veröffentlicht:
- Beef on Dairy, also Mastanpaarungen, wovon auch Daten in den Testherden erfasst werden
- über den neuen Zuchtwert RZ€
- Statt der Nachzuchtpräsentation die Kühe daheim gefilmt. Töchter von Malinus der Möller GbR, dem nordwestlichsten Milchviehbetrieb Brandenburgs.
 
Vorletzte und letzte Woche war ich auf Urlaub in der alten Heimat. Da kam auch so gut wie nichts bei rum. Eigentlich wollte ich mit meinem Bruder wieder zusammen auf Exkursion, das haben wir letztmals vor mehr als drei Jahren gemacht, als er mich mal besucht hat (siehe Posts vom 19.10.2017 und 20.10.2017). Wegen Corona wurde das aber auch abgesagt, genau wie mein Besuch auf meinem Stammbetrieb Hofgut Neumühle. Da war ich in diesem Jahr bisher nur ein einziges Mal gewesen! (siehe Post vom 24.07.2020). So selten kam es die letzten 13 Jahre noch nicht vor...
Und dann hatte ich mir noch eine Erkältung eingefangen. Ich wurde auch auf Corona getestet, das war zum Glück negativ. Der Nasentupfer für Menschen ist genauso lang wie für Kühe und wie weit der rein geschoben wird... In dem Moment ging mir durch den Kopf, was wir unseren Kälbern mit der intranasalen Grippeimpfung doch zumuten und ganz still zu halten, da ist es nämlich schon manche Male schief gegangen (siehe Post vom 20.01.2015).
 
Die letzten Tage habe ich mir Gedanken gemacht über die Inhalte vom Kuhblog, wenn weitere "externe" Inhalte weggefallen sind. Eine neue interne Serie habe ich nun begonnen vorzubereiten.
 
Also: Fortsetzung folgt!
 
Benjamin

Sonntag, 8. November 2020

Eutergesundheitsbericht - Teil 2

Nun zur zweiten und dritten Seite des Eutergesundheitsberichts.

Hier noch mal der Link zur Podcastfolge im Kuhverstand

Die ganze zweite Seite des Eutergesundheitsberichts nehmen die Kennzahlen zur Trockenstehphase ein. 
Während des Trockenstehen besteht die Möglichkeit das subklinische Euterentzündungen, also erhöhte Zellzahlen, ausheilen auch mit der Unterstützung durch einen antibiotischen Trockensteller (siehe auch Post vom 27.02.2019). Aber es besteht auch die Möglichkeit, dass sich die Kuh während des Trockenstehens mit einem Eutererreger infiziert. Dies kommt am häufigsten in den Tagen vor der Kalbung vor, wenn sich der Kreatinpropf der während des Trockenstehens den Strichkanal verschließt auflöst und Keime eindringen können und es gleichzeitig die "Spülwirkung" des Melkens noch nicht gibt. Außerdem Infektionen im Zeitraum zwischen der Kalbung und der ersten Milchkontrolle, das sind als zwischen 5 und 33 Tage (in Sonderfällen mehr). Dass die Infektion schon beim Trockenstellen selber durch Schmutzeintrag mit dem Trockensteller oder Zitzenversiegler herrührt ist von geringerer Bedeutung.
Letzte Milchkontrolle vor dem Trockenstellen > 100.000 Zellen, erste Milchkontrolle nach der Kalbung < 100.000 Zellen -> Ausheilung.
Letzte Milchkontrolle vor dem Trockenstellen < 100.000 Zellen, erste Milchkontrolle nach der Kalbung > 100.000 Zellen -> Neuinfektion.
 


 

 

 

 

 

 

 

Die Zahlen noch mal im Einzelnen, mit dem 12-Monats-Durchschnitt und dem Vergleich zum oberen Viertel: 


 

 

 

 

 

 

  

 
Die Effizienz der Trockenperiode in den letzten zwölf Monaten. Da haben wird im Podcast nicht drüber gesprochen. 
Dafür werden die Kühe in vier Gruppen aufgeteilt:
Nicht geheilt in der TP: Letzte Milchkontrolle vor dem Trockenstellen > 100.000 Zellen, erste Milchkontrolle nach der Kalbung > 100.000 Zellen.
Neuinfiziert in der TP: Letzte Milchkontrolle vor dem Trockenstellen < 100.000 Zellen, erste Milchkontrolle nach der Kalbung > 100.000 Zellen.
Geheilt in TP: Letzte Milchkontrolle vor dem Trockenstellen > 100.000 Zellen, erste Milchkontrolle nach der Kalbung < 100.000 Zellen.
Eutergesund geblieben: Letzte Milchkontrolle vor dem Trockenstellen < 100.000 Zellen, erste Milchkontrolle nach der Kalbung < 100.000 Zellen.
In Brandenburg haben wir da Prozent-Angaben und alle Balken zusammen ergeben dann 100 %:
 







 
Die Mastitisrate 1. Laktation bezieht sich nur auf die erste Milchkontrolle nach der 1. Kalbung, mit welcher Zellzahl die Kuh in ihre Laufbahn startet.
Hier ist auch sind die Hauptinfektionsmöglichkeiten vor und nach der Kalbung. Mein erwähntes Beispiel aus Boberow mit der Trennung der Abkalbebuchten von Kühen und Färsen. Der Hauptgrund war das wegen der Eutergesundheit gewesen, der Anlass aber glaube doch einfach zu viele Tiere und die mussten dann irgendwie aufgeteilt werden:










 
Die chronisch Euterkranken sind Kühe, die zwar meistens keine akuten Euterentzündungen haben aber dann eigentlich doch schon häufiger als die Durchschnittskuh der Herde und auch nicht die beste Eutergesundheit. Zumindest werden sie so definiert, dass sie in drei Milchkontrollen hintereinander über 700.000 Zellen hatten. Da könnte man meinen, dass das doch schnell der Fall ist, aber die 1 bis 2 % Anteil beim oberen Viertel finde ich da schon als normal.
Darunter werden die betroffenen Kühe aufgelistet und die kennt man dann eigentlich schon, weil die in der Regel nicht einfach nur hohe Zellzahlen haben sondern meist mehrfach oder langwierig euterkrank waren:
 











 

Benjamin

Mittwoch, 4. November 2020

Eutergesundheitsbericht - Teil 1

Bisher habe ich hier im Kuhblog wenig über Eutergesundheit geschrieben, weil man im Alltag dann doch am meisten in Form von Euterkrankheiten damit zu tun hat. Und mit Krankheiten schlägt man sich gefühlt den halben Tag rum, auch wenn da die Wahrnehmung zum Glück doch recht verzerrt ist.

Wichtige Kennzahl für die Eutergesundheit ist die Zellzahl. Sie wird in 1.000 pro ml Milch angegeben. Da die Zellen nur wenige Mikrometer groß und mit bloßem Auge nicht sichtbar sind, lässt sich eine Veränderung an der Milch auch erst bei Zellzahlen im Millionenbereich feststellen. Die Zellen sind einmal Drüsenzellen aus dem Euter, die dieses beim kontinuierlichen Erneuerungsprozess abstößt und der Großteile weiße Blukörperchen des Immunsystems. Daher kann man von der Zellzahl auf die Eutergesundheit schließen, was
gerade an Abwehrreaktionen stattfindet.
Und da man die Zellzahl in großem Stil bei der Milchleistungprüfung mit hunderte Proben pro Stunde im Labor routinemäßig bestimmen kann hat sie diese Bedeutung.

Es gibt viele Einflüsse auf die Zellzahl und unabhänigig ob eine klinische Euterentzündung vorliegt ist die Grenze von 100.000 Zellen/ml definiert: Darunter ist die Kuh eutergesund, darüber euterkrank.

Die durchschnittliche Zellzahl bezieht sich auf die ganze Herde, diese wird von den Millionären, also Kühen mit hohen Zellzahlen, meist über 1.000.000 nach oben verzerrt.
Daher hatte Christian die Idee mit der Median-Kuh (-> Link). Der Zellzahl-Median einer Herde lässt dann aber den Anteil der Millionäre unbeachtet, da er deren Einfluss verringert.
Bei meinem Beispiel umfasst eine Herde 50 Kühe, wovon 48 eine Zellzahl von 100.000 haben und zwei von 1.000.000. Die durchschnittliche Zellzahl beträgt 136.000 und die Median-Zellzahl 100.000. Beide Zahlen haben eine recht geringe Aussagekraft, wohingegen der Eutergesundheitsbericht der Milchkontrolle viel mehr bietet. Daher war ich im Kuhverstand-Podcast zu Gast und wir haben darüber diskutiert (-> Link).

Der Eutergesundheitsbericht wurde glaube 2015 deutschlandweit vom DLQ (Deutscher Verband für Leistungs- und Qualitätsprüfungen) unter der Marke Die Milchkontrolle eingeführt. --> Hier eine Erklärung
Wie im Podcast erwähnt sind die Eutergesundheitsberichte in Deutschland auch nicht einheitlich.
-> die schleswig-holsteinische Variante
-> die thüringer Variante, die identisch mit der brandenburger Variante und der der meisten anderen LKVs ist; und auf die sich auch die nachfolgende Abschnitte beziehen, weil ich die halt kenne.
Die Grafiken sind aus einem Beispielbericht des LKV Weser-Ems; in Niedersachsen gibt es mehrere LKVs.

Zunächst die erste Seite:
 
Erster Teil ist ein Balkendiagramm über die letzten 13 Monate, mit der Unterteilung in Kühe der 1. Laktation und Kühe ab der 2. Laktation. Da die Kühe in der 1. Laktation fast immer niedrigere Zellzahlen haben und zudem ihr Anteil in den Herden auch unterschiedlich ist. An diesem Diagramm kann man Trends über die Monate erkennen.
 

 


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Zweiter Teil ist der Anteil der Zellzahlklassen. Die Kühe werden in vier Zellzahlklassen unterteilt: Bis 100.000, 100.000 bis 200.000, 200.000 bis 400.000 und über 400.000 Zellzahl. Hier gibt es den Vergleich zu den Vormonaten und zum oberen Viertel der Betriebe. Mehr als die Hälfte bis hin zu über Dreiviertel der Kühe sollten in der ersten Zellzahlklasse sein  und nur jeweils paar Prozent in den beiden letzten.
Mit die wichtigste Zahl im Eutergesundheitsbericht ist der fett gedruckte Antei der eutergesunden Kühe unter 100.000 Zellen:
 

 
 


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Dritter Teil ist die Neuinfektionsrate während der Laktation, unabhängig von tatsächlichen Eutererkrankungen. Dabei werden die Kühe betrachtet die in der letzten Milchleistungsprüfung unter 100.000 Zellen lagen und in der aktuellen über 100.000 und damit von eutergesund zu euterkrank geworden sind. Wieder Balkendiagramm über die letzten Monate und daneben zum Vergleich Balken für das obere Viertel der Betriebe.
Des Weiteren eine Aufschlüsselung der Neuinfektionen auf die Laktationsabschnitte 0 - 100, 100 - 200, 200 - 300 und ab 300 Laktationstage (= nach der Kalbung).
 

 
 



 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Fortsetzung folgt!
 
Benjamin

Samstag, 31. Oktober 2020

Kuhblog zum Hören

Letzte Woche hatte Christian vom Kuhverstand (-> Link) in seinem Podcast eine Folge über die „Mediankuh“ (-> gibt es hier zu hören). Da der Mittelwert bei der Herdenzellzahl wegen der Millionäre die das verzerren nicht so aussagekräftig ist hatte er die Idee stattdessen den Median zu verwenden. Ich schrieb ihm darauf eine Feedback-E-Mail und meinte recht provokant, dass das alles nicht viel taugt und der Eutergesundheitsbericht der Milchkontrolle viele brauchbare Kennzahlen hergibt.

Darüber haben wir diskutiert und nun eine „Crossoverfolge“ zwischen Kuhverstand-Podcast und Kuhblog zum Thema Eutergesundheitsbericht gemacht. Einmal zum Hören und einmal zum Lesen.

Hier im Kuhblog wird der erste Teil am späten Mittwochabend veröffentlicht; es gibt dann noch einen zweiten Post, weil das für einen zu umfangreich ist.

Benjamin 

Mittwoch, 28. Oktober 2020

Ostpaket

Im 31. Jahr der Deutschen Einheit und meinem 8. Jahr in Brandenburg ist das Ost-West für mich nur noch für lustige Anekdoten da. 

Eine davon war jetzt das Ostpaket. Da habe ich meiner Familie einige Gläser Nudossi mitgebracht, weil das im Weste so gut wie nicht erhältlich ist. Weil das besser schmeckt als andere Nuss-Nougat-Cremes, was vom deutlich höheren Anteil an Haselnüssen kommt. Früher waren die Haselnüsse halt in Deutschland verfügbar während Kakao für Devisen importiert werden musste. 

Benjamin



Sonntag, 25. Oktober 2020

Tränkeaufnahme stabil

Vor gut einem halben Jahr hatte ich die Tränkekurve am Tränkeautomat angepasst. Kurz nachdem ich im Kuhblog darüber geschrieben hatte (siehe Post vom 26.03.2020). Mit den 747 kg Milch über die ganze Tränkeperiode war ich zufrieden. Dennoch hatte ich den Eindruck, dass die Kälber nach dem Absetzen weniger gut weiterwachsen. Als Ursache vermutete ich das zu rasche Abtränken. Zwar war die Kurve eingestellt von 20 Liter am 58. Tag über 5 Wochen lang auf 2 Liter am 93. Tag abzutränken. Da die wenigsten Kälber aber die 20 Liter gesoffen haben waren es eher nur die letzten 2,5 Wochen von so 11 Liter an abwärts. 

Daher habe ich die Kurve geändert, ab dem 51. Tag mit 14 Liter beginnend über 6 Wochen lang auf 2 Liter am 93. Tag. Da ist das eigentliche Abtränken dann tatsächlich 4 bis 5 Wochen lang und nicht so "steil". Da die Abtränkkurve früher und flacher einsetzt hatte ich erwartet, dass die Kälber insgesamt weniger Milch saufen, was sie durch eine parallel stärker ansteigend Futteraufnahme ausgleichen sollten.

Wenn ich beim Absetzen die Kälber vom Tränkeautomaten abmelde zeigt der einzeln die verbrauchte Menge Milchpulver an. Das rechne ich nebenher zusammen und habe für die letzten 163 Kälber jetzt die neue Aufnahmemenge: 750 statt 747 kg. Also gleich geblieben und die weniger Milch aus der Abtränkphase in die davor liegende ad-libitum-Phase verschoben, wo sie zudem für die metabolische Programmierung wertvoller sind.

Für die weitere Entwicklung nach dem Absetzen fehlt mir natürlich optisch der Vergleich und gewogen werden sie da nicht... Eine ordentliches Ergebnis habe ich da also nicht.

Bei der intensiven Tränke wachsen die Kälber stärker auseinander, aber zum Vorteil der gut Entwickelten! 

Solche Kälber machen einfach Spaß: Gesund und unhandlich.
88 Tage alt und wird übermorgen abgesetzt. 
 
Benjamin



Mittwoch, 21. Oktober 2020

Neues Blogger

Manche werden es bemerkt haben, dass seit gut zwei Monaten unter den Posts Labels drunter stehen. Das ist die auffälligste Änderung bei der neuen Benutzeroberfläche von Blogger. Dass die Fotos jetzt in der Größe frei skalierbar sind kriegt man eher nicht mit, weil ich mich meistens an der bisherigen Größe orientiere.
Seit ich 2013 mit dem Kuhblog angefangen habe wurde am Programm nichts verändert. Letztes Jahr habe ich gelesen, dass es da Neuerungen geben soll, weil veraltet und Google Marktanteile verloren hätte. Mir war das das ziemlich egal, weil ich mich dran gewöhnt hatte und alles lief.
Im Frühjahr konnte man sich die neue Benutzeroberfläche anschauen und ab Juni alternativ verwenden. Habe ich aus Gewohnheit nicht gemacht. Wie man auf dem untenstehenden Foto sieht ist es für die Verwendung auf Handys optimiert worden. War es vorher ganz und gar nicht, wobei es trotzdem ging; wieviele Posts ich schon im Zug geschrieben habe... 
Auf einem Computer sieht es so leer aus, da hatte man bei der alten Benutzeroberfläche die doppelte Anzahl an Posts im Überblick. Dazu jetzt die Bildchen und Symbole, ich gehöre da irgendwie noch zu den mehr Textfixierten - maximaler Informationsgehalt auf einen Blick. 
Anfang September wurde endgültig auf die neue Benutzeroberflächen umgeschaltet und ich hatte vergessen von der alten einen Screenshot zu Erinnerung bzw. hier zum Vergleich zu machen.
Das mit den Labels ist eine schöne Sache, müsste ich mich mal dransetzen und für die vorherigen Posts auch machen. Das wäre mit den über 1200 Posts eine ordentliche Datenbank. Hashtag nennt Google das nicht und ich auch nicht, bei mir ist die "gelbe Raute" eine schnelle und gut sichtbare Markierung mit Fettstift hinten auf einer Kuh wenn man sie für was Spezielles in der Gruppe wiederfinden will.
 
Die neue Benutzeroberfläche wie ich sie als Startmenü von Blogger sehe:
 
Benjamin 
 

 

Sonntag, 18. Oktober 2020

Erstkontakt Smartbow

Noch ein Nachtrag zu meinem Besuch in Rodenwalde.
Dort hatte ich meinen Erstkontakt mit Smartbow, bisher hatte ich es auf Hofgut Neumühle bloß an den Ohrmarken gesehen (siehe auch Post vom 28.07.2020).
Smartbow ist ein Überwachungssystem für Rinder das auf Ohrmarken basiert. Die Firma kommt aus Österreich und wurde zwischenzeitlich von Zoetis übernommen. Wie 2018 auf dem Praxisseminar in Werneuchen Hrn. Fasching von der Höheren Bundes-Lehr- und Forschungsanstalt (HBLFA) Raumberg-Gumpenstein (vergleiche Post vom 30.03.2018) erklärte war die Herangehensweise bei der Entwicklung doch recht interessant: Bei den kleinen Betrieben dort in Österreich, häufig auch Milchviehhaltung im Nebenerwerb, wo die Kühe oft nur zweimal täglich zum Melken gesehen werden ist die Tierbeobachtung sehr lückenhaft und daher der Ansatz einer Automatisierung. Wo bei uns es eher darum geht eine 24 h-Überwachung zu ermöglichen um auch wirklich alles mitzubekommen.
Die Ohrmarken haben drei Funktionen: Einmal die Aktvitätsmessung, dann die Wiederkauüberwachung und die Überwachung. War zu meinen Studienzeiten die Wiederkaumessung noch ein größerer Aufwand mit den Kauhalftern die in einem dünnen Schlauch die Bewegung der Luft bei den Kaubewegungen maßen ist das Prinzip bei Smartbow fast schon bestechend einfach: Das Wiederkauen ist extrem gleichmäßig und die Sensorohrmarken erkennen das rhythmische Wackeln der Ohren dabei und können es so auch vom Fressen unterscheiden oder wenn sich die Kuh bewegt. 
Die Ortung erfolgt über die Triangulation der Ohrmarken im Raum durch die Antennen die im Stall angebracht sind. Die sehen aus wie WLAN-Router und sind in einem Raster an den Pfosten angebracht.
Die Brunsterkennung funktioniert sehr gut und so wurde nach einigen Wochen mit der Brunstbeobachtung aufgehört weil das System eine so hohe Trefferquote hat.
Bei der Wiederkauüberwachung war sehr interessant die Kurven zu sehen, von der Darstellung sind die ähnlich wie die Aktivitätskurve der Brunstüberwachung. Dann gibt es noch eine Kurve für die Futteraufnahme die auch mit der Ortung unterscheiden kann an welchem Futtertisch die Kuh gefressen hat.
Die Ortung im Stall konnte ich leider nicht erleben, weil das eine Online-Anwendung ist und bei schlechtem Handyempfang nicht funktioniert... Man könnte die Kuh aber auf so 10 m genau findet, was in einer Gruppe von 150 Kühen schon eine deutliche Erleichterung ist. Am Computer konnte ich mir aber noch die "Verfolgungsfunktion" ansehen, wo die letzten 24 h aufgezeichnet werden wo die Kuh umherlief. Ein großer Knäuel, wo man mit einem Schieberegler den Standort zur jeweilgen Uhrzeit rausfinden kann.
Zweitkontakt wird hoffentlich bei meinem nächsten Besuch auf Hoftgut Neumühle sein, wo ich auch paar Screenshots zur Veranschaulichung machen will.

Benjamin

Montag, 12. Oktober 2020

Schwänze scheren

Diese Woche ist wieder die Firma Findeisen Klauenpflege bei uns zur Bestandsklauenpflege. Da ist dann bisschen mehr los und entsprechend war es davor am Wochenende richtig ruhig, sodass ich die Zeit genutzt habe einige Ecken im Stall mal wieder sauber zu machen und auch in größerem Stil Schwänze zu scheren. Die Stammleser des Kuhblogs wissen, dass ich das gerne mache und ich würde es sogar als eine meiner Lieblingsbeschäftigungen bezeichnen, hat auch was Entspannendes dabei.

Lange habe ich die Schwänze mit einer Schafschere geschnitten und dann vor gut drei Jahren auf eine Akkuschermaschine umgestellt (siehe auch Posts vom 08.09.2017 und 07.01.2018). 

Die Quasten an den Schwänzen wachsen gefühlt extrem schnell. Haare sind wie die Klauen Stoffwechselprodukte und unsere Kühe als Marathon- bis Ultramarathonläufer haben einen entsprechenen Stoffwechsel und da wächst es schnell.
So großen Nutzen haben die Haare für die modernen Kühe nicht: Ein wärmendes Fell brauchen sie in unseren Breiten nicht (siehe auch Post vom 07.05.2019), der Schutz vor Sonne und Regen ist die Aufgabe des Stalldachs, auch wenn sie auf die Weide können ziehen sie das trotzdem bei extremen Wetter vor (siehe auch Post vom 08.03.2017). Ohne Haare kann es einer Kuh auch gut gehen (Beispiel im Post vom 09.04.2018).
Und wenn die Kuh ihren Schwanz zum Verjagen von Fliegen braucht hat man eigentlich schon ein Problem: Mit dem Stallklima, der Gülle oder dem Mist. 

Lange Kuhschwänze und dazu noch auch dreckig und verschissen, wenn er aus der Liegebox auf den Laufgang hängt, sind nervig: Beim Melken im Gesicht, bei Side-by-Side-Melkständen oder Außenmelkerkarussellen immer im Weg und als Herdenmanager bei der Arbeit an der Kuh um die Ohren. 
Die extremsten Exemplare nenne ich Klapperschlange, da ist dann so viel Kot schon angetrocknet, dass die Kühe mit ihrem Schwanz rasseln können. 
 
Neben dem Arbeitskomfort gibt es die gesundheitlichen Aspekte: Wenn die Kuh mit einem dreckigen Schwanz umher wedelt ist schnell der restliche Körper auch dreckig und vor allem das Euter, womit die Gefahr von Euterkrankheiten ansteigt. 
Ein langer Schwanz wird auch leichter vom Gülleschieber mitgenommen und wenn zu viele Haare und Dreck davor sind sieht man Verletzungen so gut wie gar nicht. Die meisten Kühe für Schwanzamputationen findet man beim Schwänzescheren. Samone war da eine Ausnahme (siehe Post vom 09.01.2016).
Also alles gute Gründe das Schwänzscheren zum ordentlichen Herdenmanagement zu zählen und wenn die Kühe tragend sind und so monatelang nicht ins Fressgitter kommen dann auch mit einem Eimer in den Gruppen unterwegs. 
War erfolgreich:

Benjamin

 


 

 

Dienstag, 6. Oktober 2020

Wieder auf Exkursion

An meinem freien Wochenende war ich nun endlich mal wieder auf Exkursion. Und zwar beim Milchhof Rodenwald, wo ich letztmals vor ziemlich genau zwei Jahren gewesen war (siehe Post vom 13.10.2018). 
Genau wie vor zwei Jahren war es auch diesmal von der Vegetation ein deutlicher Unterschied zwischen uns in Brandenburg und dort im äußerstes Westen Mecklenburgs. Da stand nämlich noch einiges an Mais und der war auch nicht verdorrt sondern normal abgereift.
 
Letztes Mal war mit der Hauptgrund für meinen Besuch gewesen sich mal die Zitzenbürsten im Betrieb anzusehen. Man ist weiterhin sehr angetan davon und sie hätten einen großen Anteil an der verbesserten Eutergesundheit, weil die Zitzen sauberer sind und die außen drauf sitzenden Keime besser entfernt werden. Des weiteren käme noch ein Effekt hinzu durch den Wechsel der Zitzengummis von Boumatic zu Milkrite (zu erkennen an den blauen Kunststoffzitzenbechern). Damit ist die Zizuenkondition (Hyperkeratose usw.) besser geworden.
Auf beiden Melkstandseiten wurden oben die Kabinette um 10 cm nach Innen versetzt, dass die über die letzten Jahre größer gewordenen Kühe bei Reinlaufen und Stehen mehr Platz haben:

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Nur eine Woche nach meinem letzten Besuch gab es ein neues Mischwagengespann. Ein Valtra T234 Active mit einem Trioliet Solomix 3-4600 mit 46 m³. Der Traktor hängt die ganze Zeit vor dem Mischwagen und ist auch entsprechend dafür ausgerüstet: Straßenreifen, keine Fronthydraulik und von der Heckhydraulik auch nur die Hubzylinder. Trotz nur der einen Aufgabe ein echtes Stundenmonster: In den knapp 2 Jahren schon 4.700 Betriebsstunden. Auf dem Foto kommt es nicht so rüber, aber 46 m³ sind schon eine Menge, vergleichbar mit einem Tridem-Häckselwagen. Wenn täglich die Kraftfutterkomponenten (Kraftfutter, Mineralfutter, Stroh und Wasser dass es nicht staubt) vorgemischt werden, dass es beim Beladen der einzelnen Mischungen schneller geht, sind das dann so 25 t Zuladung. Das Vorgängergespann, ein John Deere 6930 (mit rund 29.000 h) und einem Trioliet mit 28 m³ (?) ist weiterhin im Betrieb, da der große Mischwagen nicht in die älteren Jungviehställe passt und als Reserve.
Das größte Mischwagengespann das ich bisher gesehen habe, damals die in Idaho waren auch nicht größer, allenfalls die Traktoren etwas schwerer:
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Fortsetzung folgt!
 
Benjamin

Freitag, 2. Oktober 2020

Neue Liegeboxen

Bei meinem Bruder auf dem St.Wendelinhof der Technischen Hochschule Bingen war ich dieses Jahr noch gar nicht gewesen. Eine große Neuerung gab es dort letzte Woche, die ich zwar selbst bisher nicht gesehen habe, aber mit ausführlichen Erklärungen und gelieferten Fotos kann ich hier im Kuhblog darüber berichten.
 
Der Kuhstall wurde Ende der 1960er Jahre gebaut, damals als 40er-Anbindestall mit einem schmalen Futtertisch zwischen den Standreihen wo ein Futterband das Futter von den Hochsilos am Stallende zu den Kühen brachte. Solche Technik gab es auch in Westdeutschland! War das Allermodernste.
2001 dann wurde auf Laufstall umgebaut und es gab den ersten Melkroboter (Lely Astronaut A2). An der Längsseite des Stalls wurde ein Futtertisch mit Fressgang angebaut und aus den Anbindeständen wurden Liegeboxen. Ausgeführt als Hochtiefbox mit einer Holzbohle hinten und mit Häckselstroh eingestreut.
So sah es bisher aus:

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Ich kann mich erinnern wie wir es im Studium über Qualitätssicherung hatten und ein HACCP-Protokoll für die Milchviehhaltung abgearbeitet haben. Da wurde auch die Liegeboxenbreite vermessen und die betrug 119 cm. Doch etwas schmäler und unser Professor der auch für den Umbau zuständig gewesen war erklärte uns, dass damit auf die ganze Reihe eine Box mehr hinpasste und somit alle Kühe der Herde Platz hatten.
 
Nun waren die Liegeboxen und der Kuhkomfort nicht mehr zeitgemäß, vor allem auch weil das zuständige Veterinäramt sehr streng ist. Mit dem vieharmen Rheinhessen sind die halt arg verwöhnt und wissen gar nicht welche Zustände noch in anderen Teilen Deutschlands herrschen. Mit denen will man sich aber eigentlich auch gar nicht vergleichen...
Jedenfalls wurde die Auflage gemacht die Liegeboxen umzubauen mit flexiblen Boxenbügeln.
 
Die Hochbox war gesetzt, weil man noch das alte Betonpodest der Anbindestände hat und man das nicht für einen Umbau im laufenden Betrieb einfach mal wegstemmen und Tiefboxen hinbauen kann.
 
Bei der Hochschule als staatlicher Einrichtung muss ein ordentliches Ausschreibungsverfahren durchgeführt werden. Von drei Herstellern wurden Angebote für Matratzen und Liegeboxenbügeln eingeholt und dann mit Zustimmung des Amtstierarztes das passende ausgewählt.
 
Es wurden Doro-Flex-Bügel und ZIMsoft-Matratzen der Firma Zimmermann-Stalltechnik (Link siehe hier).

Ein Foto zur Zimmermann Doro-Box. Die "Urversion" der Doro-Box auf der LVAV Hofgut Neumühle im Versuchsabteil des Kuhstalls. Vor langer Zeit zusammen mit meiner Braunie:
 


















Doro steht für Doppelrohr, der Boxenbügel hat keinerlei Schweißstellen sondern ist aus einem einzigen Rohr gebogen und am Fuß laufen beide Rohrenden zusammen und sind vor der Bugschwelle verankert und somit aus dem Feuchtigkeitsbereich der Einstreu. Vorne ist der Bügel etwas nach hinten eingezogen, dass die "Kühe beim Liegen und Aufstehen den Kopf frei haben". Statt Nackenrohr gibt es eine flexible, kunststoffummantelte Kette. Das Rohr oben ist nur zur seitlichen Aussteifung und heute auch noch mal etwas höher ausgestellt.
Die Doro-Box war für mich seit meinen Erfahrungen auf der Neumühle die beste Liegebox, weil sie die Kuh nicht behindert sondern nur die Richtung in ihrer Bewegung vorgibt. Und zudem extrem massiv gebaut.

Die Doro-Box gibt es in den Ausführungen Doro, Doro2, Doro3, die sich in der Größe unterscheiden sowie Doro-Flex, bei der der eigentlich Bügel durch ein flexibel gelagertes Holzbrett ersetzt ist das in beide Richtungen um so 10 cm ausweichen kann wenn sich die Kuh dagegen lehnt.
 
So sieht es nun im Stall aus, durch die hohe Bauform (1,4 m) der Bügel wirkt es jetzt enger, ist es aber nicht:



















Beispielfoto für den Liegekomfort. Die ZIMsoft-Matratze ist keine Gummimatte sondern eine durchgehende Gewebebahn mit einer Schaumstoffmatratze darunter. Vorne die Bugschwelle heißt ZIMboard und ist aus Kunststoff, würde an die Recycling-Weidezaumpfähle erinnern, und hat abgerundete Kanten, dass die Kühe bequemer die Vorderbeine drüber strecken können. Die Boxen sind 125 cm breit und haben ein Liegelänge von der Hinterkante bis zur Bugschwelle von 190 cm:

Benjamin



Sonntag, 27. September 2020

Rote Laudan

Heute geht es um Farbenlehre und Familiengeschichte. Rote Laudan als Titel ist unpräzise, eigentlich muss es rotbunte Laudan-Nachfahrin heißen. Mit "Eine" und dem Bullennamen hintendran meint man umgangssprachlich eine Tochter des jeweiligen Bullen.

Laudan ist der wichtigste Bulle in der Brandenburger Zuchtgeschichte (-> siehe hier). Er hat in der Brandenburger Holsteinpopulation auch sichtbar deutliche Spuren hinterlassen: Weiße Kühe mit schwarzen Ohrspitzen sind Töchter (mittlerweile seltener), Enkelinnen und Urenkelinnen von Laudan. Das Erscheinungsbild ist charakteristisch. Laura (-> siehe hier) ist mit ihrer Fellzeichnung da die Ausnahme der Regel.
 
Die rotbunte Laudan-Nachfahrin ist Talya, eine unserer Jungkühe, wie sie nach der Kalbung erstmals beim Fiebermessen in der Frischmelkergruppe dabei war sagte ich: "Sieht aus wie eine rote Laudan." Wegen den Ohrspitzen, nur halt in rot statt schwarz und ansonsten fast ganz weiß:
 


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Im Herde haben wir dann die Abstammung nachgeschaut und tatsächlich ist in ihr Laudan drin, 5 Generationen zurück als Urururgroßvater. Zwischenzeitlich wurde aus Schwarzbunt Rotbunt und die Ohrspitzen waren nicht mehr vorhanden, kamen aber wieder durch.
 
Das ist ihre Abstammung, jeweils mit Schwarz- oder Rotbunt dabei und den Allelkombinationen der Fellfarbe. Dazu siehe im Post vom 06.02.2015:
Talya (RBT, rr) von Coloredo-P (RBT, rr)
  Tabea (RBT, rr) von Tableau (RBT, rr)
    Buffy (SBT, Sr) von NOG Bela R (RBT, rr)
      Zia (SBT, SS) von Zabing (SBT, SS)
        Gloria (SBT, SS) von Laudan (SBT, SS)
           Fee (SBT, SS) von Bonatus (SBT, SS)
             Filja (SBT, SS) von Tober (SBT, SS)
Über die Bullenlinien kann ich ihre Abstammung insgesamt 12 Generationen weit zurück verfolgen, darunter auch mehrfach Starbuck und Chef II als Vorfahren (vgl. Post vom 27.02.2015).
 
Erwähnenswertes beim Stammbaum: Über NOG Bela R bekam die Familie das erste rotbunte Allel, ihre Großmutter Buffy hatte somit einen Rotfaktor. Von Tableau kam dann das zweite rotbunte Allel und Tabea war damit die erste Rotbunte in der Familie.
Tableau war der wichtigste rotbunte Bulle in Deutschland in den 2010er und neben Tabea haben wir ettliche weitere seiner Töchter in der Herde. Auf seinem Herkunftsbetrieb bin ich auch schon mal gewesen (siehe Post vom 15.05.2014).
Ihre Urgroßmutter Zia ist mittlerweile in der 7. Laktation und liegt bei 64.000 kg Lebensleistung. Sie ist eine Laudan-Enkelin und über ihren Vater Zabing eine Zunder-Enkelin. Zunder war auch der Vater von Leonie, der Mutter meiner Braunie. Wie Laudans Nachfahren weiß sind, so sind die von Zunder schwarz und bei Zia hat in der Farbe Zunder über Laudan gesiegt und man erkennt, dass sie die Cousine von Braunie ist. 
 
 
Ein Gruß geht noch raus an Gusti. Er ist Kuhbauer in Südbayern und berichtet in seinem Kuhstallbau-Podcast seit einem dreiviertel Jahr über seinen aktuellen Stallbau in der ganzen Bandbreite: Genehmigung, Planung, Erschließung, Bau usw. Weitere Infos und Reinhören unter kuhstallbau.com
  
Benjamin

Donnerstag, 24. September 2020

Hornloszucht - Teil 2

Noch ein weiterer Post über die Hornloszucht, weil in der aktuellen Milchrind ein Artikel zu dem Thema ist mit interessanten Zahlen.
Wieviel Prozent der eingesetzten Besamungsbullen hornlos sind habe ich im Kuhblog ab und zu berichtet, wenn es Neuigkeiten vom RBB gab. Das letzte Mal wusste ich war im Oktober 2019. Den Post habe ich sofort gefunden (siehe hier), dass es damals 26 % waren wusste ich gar nicht mehr. Bin scheinbar irgendwann mal bei 10 - 15 % hängen geblieben.
 
In der aktuellen Milchrind waren die Zahlen zum Anteil der hornlosen Bullen, die 2019 in Deutschland eingesetzt wurden. 21,8 % der eingesetzten Holsteinbullen  (das geht nach versamten Spermaportionen) waren hornlos, bei den Schwarzbunten 18,0 % und bei den Rotbunten 46,4 %.
Das sind heterozygot Hornlose (Pp) und homozygote Hornlose (PP) zusammen, 
Die homozygoten hatten 2019 14,0 % Anteil, bei den Schwarzbunten 11,2 % und bei den Rotbunten 31,9 %. Die homozygot Hornlosen haben also mittlerweile unter den Hornlosbullen die Mehrheit, über die Jahre ist es somit gelungen zwei Hornlosallele "anzusammeln".
Im Vergleich dazu hätten die homozygoten 2010 0,0 % gehabt. und ich kann mich auch dran erinnern wie 2014 (?) die RBB ihren ersten PP-Bullen hatte, der vom Zuchtwert weit abgeschlagen war, aber wegen der homozygoten Hornlosigkeiten und damit 100 % hornlosen Kälber es in den Besamungseinsatz geschafft hatte.

Die Hornlosen Bullen haben im Zuchtwert immer hinterhergehinkt, denn mit der seltenen Hornlosigkeit rekutierten sich die hornlosen Besamungsbullen aus einer kleinerem Kreis. Und bei einer Auswahl von 20.000 statt 2 Mio. sind die Allerbesten rein statistisch dann doch deutlich schlechter. 
Mittlerweile haben die heterozygot Hornlosen (Pp) mit der großen Mehrheit der behornten Bullen (pp) gleich gezogen und die homozygot Hornlosen (PP) liegen 6 Punkte oder knapp 2 Jahre Zuchtfortschritt im Gesamtzuchtwert (RZG) dahinter. 
Also im Zuchtfortschritt sind mit den hornlosen Bullen jetzt keine großen Abstriche mehr zu machen.

Über die Typisierung der weiblichen Kälber bei KuhVision wird auch der Hornstatus ermittelt und da waren es 2019 deutschlandweit 13,2 %, im Vergleich 2012 2,1 %.
Es ist noch ein weiter Weg bis wir uns das Enthornen sparen können und alle Kälber ganz sauber ohne Hörner auf die Welt kommen, aber als ich 2008 mit den Kühen angefangen haben war Hornlosigkeit eher eine Art Kuriosität und da ist der gegenwärtige Stand ein gewaltiger Fortschritt.

Benjamin

Dienstag, 22. September 2020

Nach Guben

Am Wochenende war ich in Guben an der Neiße, im Südosten Brandenburgs. Dort war ich bisher noch nicht gewesen. 2009 in der Nachbargemeinde auf einem Betrieb, dem ersten mit mehr als 1000 Kühen den ich überhaupt gesehen habe und zufällig auch der auf dessen Maisacker vorletzte Woche das erste Wildschwein mit ASP in Deutschland gefunden wurde. Und 2017 war ich etwas weiter südlich gewesen (siehe Posts vom 14.05.2017, 16.05.2017, 18.05.2017 und 20.05.2017).
 
Der Grund waren diesmal nicht Kühe sondern was aus dem Bereich Drumherum. Mit der Jugendfeuerwehr war ich als Betreuer mit zur Landesmeisterschaft im CTIF. CTIF ist die internationale Feuerwehrorganisation, also ein Wettbewerb nach internationalen Regeln.
Der Wettbewerb umfasst zwei Disziplinen: Einmal die Hindernisübung (auf dem Foto) und dann ein 400m-Staffellauf mit Hindernissen.
Coronabedingt ruhte der gesamte Betrieb der Jugendfeuerwehr bis zu dieser Woche und das Training für die Landesmeisterschaft durfte als Einziges stattfinden.
Daher wurde dann in der Gemeinde eine Mannschaft dafür aufgestellt. Die Bedingungen waren schon erschwert: An sechs Samstagen wurde geübt, davon nur einmal davon mit der finalen Mannschaft.
Freitagnachmittag ging es los, mit den benötigten neun Startern und keinem Ersatz. Dafür wurde ich gehandelt, vom Alter her (Geburtsjahrgänge 2004 bis 2008) nicht ganz passend, könnte man aber doch noch zurechtbiegen... 
Am Samstag bei allerschönstem Sonnenschein dann der Wettkampf mit einem beeindruckenden Teamgeist und unter den den besseren Bedingungen als beim Training auf unserem Sportplatz ("Stoppelacker") wuchsen die geradezu über sich hinaus und erreichten den 3. Platz. Von den drei teilnehmenden Jugendfeuerwehren, als Neuling gegenüber den beiden anderen die seit Jahren diese Meisterschaften dominieren. Und wurden weder wegen Fehlern disqualifiziert noch deklassiert, sodass eigentlich alle bei der nächsten Meisterschaft in zwei Jahren wieder teilnehmen wollen:
 
Benjamin