Heute geht es im Kuhblog um Kuhfutter - und zwar um Rohrschwingel.
Erstmals sah ich Rohrschwingel als Ackergras 2015, als südlich von Boberow ein halber Acker damit angesät war, die andere Hälfte war Welsches Weidelgras, die mit Abstand verbreiteste Gräserart im Ackerfutterbau. Bei der üblichen Vorsommertrockenheit in der Prignitz sah man nach dem zweiten Schnitt auf den ersten Blick die Unterschiede durch die tiefer reichenden Wurzeln des Rohrschwingels.
Und auch bei der extremen Trockenheit des letzten und jetzt auch wieder diesen Jahres zeigt sich der Rohrschwingel in einer verhältnismäßig guten Verfassung.
Die Mischung ist Greenstar Struktur II von Barenbrug aus den Niederlanden, die von Schaumann vertrieben wird. Darin sind drei verschiedene Rohrschwingelsorten enthalten. Die Vorteile von Rohrschwingel sind neben der besseren Trockentoleranz die Inhaltsstoffe: Im Vergleich zu Welschem Weidelgras mehr Faser und vor allem mehr Eiweiß, aber weniger Energie. Wobei die hohen Energiegehalte beim Weidelgras vom vielen Zucker kommen und hohe Restzuckergehalte das Nacherwärmungsrisiko am Silo erhöhen können. Beim Bestreben aus Kostengründen grundfutterlastig zu füttern ist die Kombination aus Mais (Stärke -> Energie) und Rohrschwingel (Eiweiß und Struktur) für mich sehr sinnvoll.
Noch besser wäre Luzerne, was aber nicht auf allen Standorten funktioniert.
Dieser Tage wurde der erste Schnitt gehäckselt. Der Bestand sah gut aus, sieht man auch am Glanz, was ein Merkmal der wertvollen Futtergräser ist. Die Wuchshöhe betrug aber nur 20 - 25 cm, mit der Faustformel 1 cm = 1 dt/ha Trockenmasse waren es grob geschätzt 1,5 t Trockenmasse bzw. so 4 t angewelkt Ertrag pro Hektar gewesen:
Benjamin
Samstag, 27. April 2019
Montag, 22. April 2019
Wieder nach Iden - Teil 2
Beim Tag des Milchviehhalters ging es mit zwei Vorträgen nach der Mittagspause weiter:
4. Fr. Denißen von der Landwirtschaftskammer NRW über einen Versuch zur Nass-TMR auf Haus Riswick. Angelehnt an die Komapkt-TMR nach Kristensen aus Dänemark, aber ohne das lange Einweichen und das Zermusen, weil die Annahme, dass die Kühe keine Struktur sondern nur Faser brauchen sehr gewagt ist. Daher eine normale TMR mit Wasser versetzt, wie ich auch schon dazu experimentiert habe (siehe Post vom 16.08.2018) Im Gegensatz zu meinen Versuchen wurde aus technologischen Gründen (Vertikalschneckenmischer) das Wasser zum Schluss hinzugegeben. Das waren dann zwischen 12,5 und 14,5 l Wasser pro Kuh am Tag und die gefütterten Rationen hatten einen Trockensubstanzgehalt von 37 bis 42 %.
Das Ganze mit wissenschaftlichem Versuchsdesign und die Fütterung mit den Wiegekübeln. Die Futteraufnahme und Milchleistung war in einem der beiden Durchgänge tendenziell höher. Das zusätzlich Wasser im Futter gleichen die Kühe durch weniger Saufen aus. Größter Effekt war aber die stark verminderte Selektion des Futters, die über die Schüttelbox nach bestimmten Zeitabschnitten im Tagesverlauf bestimmt wurde. Die Nacherwärmung ist bei täglicher Futtervorlage auch im Sommer kein Problem, zweitägig geht aber nicht.
Und auch nach dem Versuch wird auf Haus Riswick weiterhin Wasser in die Ration gegeben, so 5 - 6 Liter pro Kuh und Tag.
5. Hr. Engelhard über den aktuellsten Versuch in Iden zur DCAB. Darüber hatte ich schon in einem ersten Bericht gelesen und auch mit einer der Beteiigten darüber gesprochen (Gruß an die fleißigen Kuhblog-Leser!). Vor allem mit dem Hintergrund der verstärkten Fütterung von Raps durch das Gentechnikfrei nehmen die Kühe mehr Schwefel auf, der die Kationen-Anionen-Bilanz durcheinander bringen kann. Beim Versuch wurden die Kühe auf verschiedene DCAB-Level eingestellt. Einflüsse auf Futteraufnahme und Milchleistung waren nicht nachzuweisen, aber auf Stoffwechselparamter. Aus Sicherheitsgründen waren auch nur altmelkende Kühe genommen worden und nur für einige Wochen. Als Empfehlung wurde abgeleitet die DCAB als Parameter in der Rationsberechnung zu berücksichtigen, um kritische Zustände vermeiden zu können. Zudem wurde mit den parallel durchgeführten Futtermitteluntersuchungen festgestellt, dass die DCAB über die Mineralstoffgehalte aufgrund von Boden, Düngung, Wachstum usw. in einer extremen Bandbreite schwankt und erheblich von Literaturwerten abweichen können.
Benjamin
4. Fr. Denißen von der Landwirtschaftskammer NRW über einen Versuch zur Nass-TMR auf Haus Riswick. Angelehnt an die Komapkt-TMR nach Kristensen aus Dänemark, aber ohne das lange Einweichen und das Zermusen, weil die Annahme, dass die Kühe keine Struktur sondern nur Faser brauchen sehr gewagt ist. Daher eine normale TMR mit Wasser versetzt, wie ich auch schon dazu experimentiert habe (siehe Post vom 16.08.2018) Im Gegensatz zu meinen Versuchen wurde aus technologischen Gründen (Vertikalschneckenmischer) das Wasser zum Schluss hinzugegeben. Das waren dann zwischen 12,5 und 14,5 l Wasser pro Kuh am Tag und die gefütterten Rationen hatten einen Trockensubstanzgehalt von 37 bis 42 %.
Das Ganze mit wissenschaftlichem Versuchsdesign und die Fütterung mit den Wiegekübeln. Die Futteraufnahme und Milchleistung war in einem der beiden Durchgänge tendenziell höher. Das zusätzlich Wasser im Futter gleichen die Kühe durch weniger Saufen aus. Größter Effekt war aber die stark verminderte Selektion des Futters, die über die Schüttelbox nach bestimmten Zeitabschnitten im Tagesverlauf bestimmt wurde. Die Nacherwärmung ist bei täglicher Futtervorlage auch im Sommer kein Problem, zweitägig geht aber nicht.
Und auch nach dem Versuch wird auf Haus Riswick weiterhin Wasser in die Ration gegeben, so 5 - 6 Liter pro Kuh und Tag.
5. Hr. Engelhard über den aktuellsten Versuch in Iden zur DCAB. Darüber hatte ich schon in einem ersten Bericht gelesen und auch mit einer der Beteiigten darüber gesprochen (Gruß an die fleißigen Kuhblog-Leser!). Vor allem mit dem Hintergrund der verstärkten Fütterung von Raps durch das Gentechnikfrei nehmen die Kühe mehr Schwefel auf, der die Kationen-Anionen-Bilanz durcheinander bringen kann. Beim Versuch wurden die Kühe auf verschiedene DCAB-Level eingestellt. Einflüsse auf Futteraufnahme und Milchleistung waren nicht nachzuweisen, aber auf Stoffwechselparamter. Aus Sicherheitsgründen waren auch nur altmelkende Kühe genommen worden und nur für einige Wochen. Als Empfehlung wurde abgeleitet die DCAB als Parameter in der Rationsberechnung zu berücksichtigen, um kritische Zustände vermeiden zu können. Zudem wurde mit den parallel durchgeführten Futtermitteluntersuchungen festgestellt, dass die DCAB über die Mineralstoffgehalte aufgrund von Boden, Düngung, Wachstum usw. in einer extremen Bandbreite schwankt und erheblich von Literaturwerten abweichen können.
Benjamin
Mittwoch, 17. April 2019
Wieder nach Iden - Teil 1
Gestern war ich wieder mal in Iden zum 47. Tag des Milchviehhalters.
War eine schöne Fahrt in die Altmark bei allerbestem Frühlingswetter: Wolkenlos, strahlender Sonnenschein und die ganze Natur am Blühen und Ergrünen.
Zum gastgebenden Zentrum für Tierhaltung und Technik in Iden: Mittlerweile sind sie weltweit die absolute Spitze, kein anderer Betrieb hat mehr 100.000-Liter-Kühe hervorgebracht. Die genaue Zahl weiß ich gar nicht, die dürfe jeden Monat steigen, aktuell müssten es so um die 120 sein.
1. Vortrag war von Dr. Taffe von der Tierseuchenkasse Sachsen-Anhalt über systematische Eutergesundheitsverbesserung. Dass die Milchleistungsprüfung ein unerlässliches Managementinstrument ist, weil man damit von jeder Kuh den Stand der Eutergesundheit bekommt. Und über die Aussagekraft der durchschnittlichen Zellzahl der Herde, dass die nur bedingt geeigent ist, weil es hauptsächlich ein Qualitätsparameter der Molkereien ist, bei welcher Milch es Abzüge gibt.
Aussagekräftiger ist der Anteil der eutergesunden Kühe an der Herde.
Und da dreht sich in den Statistiken der Einfluss der Herdengröße um 180 Grad: Kleinere Herde = niedrigere Zellzahl, größerer Herde = höhere Zellzahl; kleinere Herde = niedrigerer Anteil eutergesunder Kühe, größerer Herde = höherer Anteil eutergesunder Kühe.
2. Vortrag war von Fr. Harms von der Landesforschungsanstalt MV über ökonomische Themen. Einmal ob alte oder junge Kühe ökonomischer sind. Vom Gedankengang her die vereinfachte Produkion mit gesunden, leistungsstarken und arbeitsextensiven Kühen und dabei die These, dass alte Kühe öfter krank sind und mehr Arbeit machen und daraus schlussfolgernd junge Kühe als Ziel.
Mit den Leistungs- und Krankheitsdaten von zwei großen Herden durchgerechnet kam dabei heraus, dass der "optimale Ersatzzeitpunkt" einer alten Kuh durch eine junge Kuh irgendwo nach dem achten Kalb liegt, weil die alten Kühe ihre Jungviehaufzuchtkosten (aktuell rechnet man mit 1.800 € pro Kuh) schon abbezahlt haben und dadurch richtig Geld verdienen.
Als zweites die Umstellung von dreimal auf zweimaliges Melken um Kosten zu sparen. Das hängt einzelbetrieblich sehr stark vom Milchpreis, dem zu erwartenden Milchrückgang und vor allem den Arbeitserledigungskosten ab. Insgesamt ist es aber vor allem eine organisatorische Frage mit der Schichteinteilung und dem Tagesablauf. Es macht keinen Sinn wenn halbe Arbeitskräfte eingespart werden. Der Milchrückgang von Umstellung von dreimaliges auf zweimaliges Melken beträgt in der Praxis nur 1 bis 6 %, andersrum ist die Leistungssteigerung 10 - 15 % weil bei dreimaligem Melken das Management ausgeklügelter wird und die Betriebe die wieder nach vielen Jahren auf zweimaliges Melken zurückgegangen sind das beibehalten haben. Aus eigener Erfahrung kann ich dazu sagen, dass als in Pinnow Anfang 2013 von dreimaligem auf zweimaliges Melken umgestellt wurde der Leistungsrückgang 3 Prozent betrug und das vorherige Niveau 2016 wieder erreicht war.
3. Vortrag war von Hr. Reimer von der RinderAllianz über die neuen Gesundheitszuchtwerte. Neben einem Abriss über die bisherigen Ergebnisse des Testherdenprogramms in den letzten Jahren und dass die Daten nun so umfangreich sind, dass damit die Zuchtwerte für Gesundheit entwickelt werden konnten, deutschlandweit und auch für genomische getestete Rinder. Und darunter fallen auch die Weiblichen, sodass es bei einem typisierten Kalb im Alter weniger Wochen schon entschieden werden kann es aufzuziehen oder lieber zu mästen, weil es z.B. einen schlechten Eutergesundheitszuchtwert hat und die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass sie häufiger mit Eutererkrankungen zu tun haben wird. Das Projekt KuhVision zur genetischen Typisierung weiblicher Rinder wächst stetig, sodass mittlerweile 12 % der aller Herdbuchkühe in Deutschland typisiert werden. Das entwickelt sich deutlich dynamischer als ich es damals zu Beginn der genomischen Typisierung 2010 eingeschätzt hatte.
Weiteres zum RZGesund im Post vom 23.03.2019 und unter www.richtigzuechten.de.
Fortetzung folgt!
Benjamin
War eine schöne Fahrt in die Altmark bei allerbestem Frühlingswetter: Wolkenlos, strahlender Sonnenschein und die ganze Natur am Blühen und Ergrünen.
Zum gastgebenden Zentrum für Tierhaltung und Technik in Iden: Mittlerweile sind sie weltweit die absolute Spitze, kein anderer Betrieb hat mehr 100.000-Liter-Kühe hervorgebracht. Die genaue Zahl weiß ich gar nicht, die dürfe jeden Monat steigen, aktuell müssten es so um die 120 sein.
1. Vortrag war von Dr. Taffe von der Tierseuchenkasse Sachsen-Anhalt über systematische Eutergesundheitsverbesserung. Dass die Milchleistungsprüfung ein unerlässliches Managementinstrument ist, weil man damit von jeder Kuh den Stand der Eutergesundheit bekommt. Und über die Aussagekraft der durchschnittlichen Zellzahl der Herde, dass die nur bedingt geeigent ist, weil es hauptsächlich ein Qualitätsparameter der Molkereien ist, bei welcher Milch es Abzüge gibt.
Aussagekräftiger ist der Anteil der eutergesunden Kühe an der Herde.
Und da dreht sich in den Statistiken der Einfluss der Herdengröße um 180 Grad: Kleinere Herde = niedrigere Zellzahl, größerer Herde = höhere Zellzahl; kleinere Herde = niedrigerer Anteil eutergesunder Kühe, größerer Herde = höherer Anteil eutergesunder Kühe.
2. Vortrag war von Fr. Harms von der Landesforschungsanstalt MV über ökonomische Themen. Einmal ob alte oder junge Kühe ökonomischer sind. Vom Gedankengang her die vereinfachte Produkion mit gesunden, leistungsstarken und arbeitsextensiven Kühen und dabei die These, dass alte Kühe öfter krank sind und mehr Arbeit machen und daraus schlussfolgernd junge Kühe als Ziel.
Mit den Leistungs- und Krankheitsdaten von zwei großen Herden durchgerechnet kam dabei heraus, dass der "optimale Ersatzzeitpunkt" einer alten Kuh durch eine junge Kuh irgendwo nach dem achten Kalb liegt, weil die alten Kühe ihre Jungviehaufzuchtkosten (aktuell rechnet man mit 1.800 € pro Kuh) schon abbezahlt haben und dadurch richtig Geld verdienen.
Als zweites die Umstellung von dreimal auf zweimaliges Melken um Kosten zu sparen. Das hängt einzelbetrieblich sehr stark vom Milchpreis, dem zu erwartenden Milchrückgang und vor allem den Arbeitserledigungskosten ab. Insgesamt ist es aber vor allem eine organisatorische Frage mit der Schichteinteilung und dem Tagesablauf. Es macht keinen Sinn wenn halbe Arbeitskräfte eingespart werden. Der Milchrückgang von Umstellung von dreimaliges auf zweimaliges Melken beträgt in der Praxis nur 1 bis 6 %, andersrum ist die Leistungssteigerung 10 - 15 % weil bei dreimaligem Melken das Management ausgeklügelter wird und die Betriebe die wieder nach vielen Jahren auf zweimaliges Melken zurückgegangen sind das beibehalten haben. Aus eigener Erfahrung kann ich dazu sagen, dass als in Pinnow Anfang 2013 von dreimaligem auf zweimaliges Melken umgestellt wurde der Leistungsrückgang 3 Prozent betrug und das vorherige Niveau 2016 wieder erreicht war.
3. Vortrag war von Hr. Reimer von der RinderAllianz über die neuen Gesundheitszuchtwerte. Neben einem Abriss über die bisherigen Ergebnisse des Testherdenprogramms in den letzten Jahren und dass die Daten nun so umfangreich sind, dass damit die Zuchtwerte für Gesundheit entwickelt werden konnten, deutschlandweit und auch für genomische getestete Rinder. Und darunter fallen auch die Weiblichen, sodass es bei einem typisierten Kalb im Alter weniger Wochen schon entschieden werden kann es aufzuziehen oder lieber zu mästen, weil es z.B. einen schlechten Eutergesundheitszuchtwert hat und die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass sie häufiger mit Eutererkrankungen zu tun haben wird. Das Projekt KuhVision zur genetischen Typisierung weiblicher Rinder wächst stetig, sodass mittlerweile 12 % der aller Herdbuchkühe in Deutschland typisiert werden. Das entwickelt sich deutlich dynamischer als ich es damals zu Beginn der genomischen Typisierung 2010 eingeschätzt hatte.
Weiteres zum RZGesund im Post vom 23.03.2019 und unter www.richtigzuechten.de.
Fortetzung folgt!
Benjamin
Montag, 15. April 2019
Beginn Rapsblüte 2019
Es ist fast schon eine alte Tradition, dass ich im Kuhblog über den Beginn der Rapsblüte berichte. Weil der optische Höhepunkt im Pflanzenbaujahr, Raps(extraktionsschrot) ein bedeutendes Futtermittel für Milchkühe ist und an sich ist der blühende Raps sehr fotogen.
Hatte ich noch vor einer Woche geschrieben, dass endlich Frühling ist so hat er sich die letzten Tage ziemlich rar gemacht bei einstelligen Temperaturen und am Samstagmorgen schneite es sogar ein wenig.
Aber heute war die Sonne wieder da und bei 15 Grad ging es mit der Rapsblüte weiter. Der Raps blüht dieses Jahr so früh wie selten, die ersten Knospen öffneten sich schon am 30. März. Wegen den kalten Temperaturen war es dann aber ins Stocken geraten.
Der Vergleich zu den letzten Jahren, wann ich anhand der Fotos ähnliche Entwicklungsstadien als erreicht schätze:
2014: 17. April (siehe Posts vom 09.04.2014 und 25.04.2014)
2015: 2. Mai (siehe Posts vom 29.04.2015 und 08.05.2015)
2016: 1. Mai (siehe Post vom 05.05.2016)
2017: 23. April (siehe Post vom 13.04.2017)
2018: 3. Mai (siehe Post vom 09.05.2018)
Benjamin
Hatte ich noch vor einer Woche geschrieben, dass endlich Frühling ist so hat er sich die letzten Tage ziemlich rar gemacht bei einstelligen Temperaturen und am Samstagmorgen schneite es sogar ein wenig.
Aber heute war die Sonne wieder da und bei 15 Grad ging es mit der Rapsblüte weiter. Der Raps blüht dieses Jahr so früh wie selten, die ersten Knospen öffneten sich schon am 30. März. Wegen den kalten Temperaturen war es dann aber ins Stocken geraten.
Der Vergleich zu den letzten Jahren, wann ich anhand der Fotos ähnliche Entwicklungsstadien als erreicht schätze:
2014: 17. April (siehe Posts vom 09.04.2014 und 25.04.2014)
2015: 2. Mai (siehe Posts vom 29.04.2015 und 08.05.2015)
2016: 1. Mai (siehe Post vom 05.05.2016)
2017: 23. April (siehe Post vom 13.04.2017)
2018: 3. Mai (siehe Post vom 09.05.2018)
Benjamin
Mittwoch, 10. April 2019
Neumühle 1/2019
Wie ich nun ein verlängertes Wochenende in der alten Heimat gewesen bin stand auch wieder ein Besuch bei meinem Stammbetrieb Hofgut Neumühle an.
Erster Eindruck im Melkstand: Die Kühe melken alle 25 kg pro Melkzeit; das war zwar die Hochleistungsgruppe aber geschätzt liegt der Melkdurchschnitt bei 37 kg.
Im Jungviehbereich laufen jetzt zwei Braunviehfärsen zwischen den Schwarzbunten. Die wurden aus dem Allgäu angeschafft als "Anschauungsmaterial", dass es auch noch andere Rinderrassen gibt:
Nr. 413 Kanada (siehe Post vom 05.07.2016) ist mit knapp 15 Jahren und 13 Kälbern die älteste Kuh der Herde und die letzte von denen, die 2010/11 beim Luzerneversuch dabei war, über den ich meine Abschlussarbeit geschrieben habe.
Und sie hat Ende Februar als erste Kuh überhaupt auf Hofgut Neumühle die 100.000 Liter Lebensleistung geschafft!
Braunies Familie wird immer kleiner. Ihre jüngste Schwester Leonie (2.) ist im Februar abgegangen. Bleibt nur noch ihre Enkelin Mai (2.) übrig, sie soll am Wochenende zum dritten Mal kalben. Und erfreut sich bester Gesundheit, in ihrer zweiten Laktation hat sie einen wahren Start-Ziel-Sieg auf der Überholspur hingelegt: In 366 Melktagen gab sie 15.704 kg, das sind durchschnittlich 43 kg am Tag, bei mehr als ordentlichen Inhaltsstoffen von 4,51 % Fett und 3,53 % Eiweiß. Auf die 305-Tage-Leistung umgerechnet waren es 13.773 kg mit 4,36 % Fett und 3,43 %, macht 1072 Fett-Eiweiß-Kilo. Ich habe da nicht den Vergleich, aber vielleicht kommt sie damit in die rheinland-pfälzische Bestenliste.
Einen Milchzuchtwert hat sie von nur leicht überdurchschnittlichen 108, bei sogar negativer Milchmenge. Soviel wieder zum Unterschied Genotyp und Phänotyp; dass die Genetik das Eine ist, aber was die Kuh aufgrund der Fütterung und Haltungsbedingungen dann leistet das Andere.
Im Versuchsbereich ist ein kleiner Teil für Trockensteher abgegrenzt, für Versuche wo die Futteraufnahme vor der Kalbung auch erfasst wird. Daher ein Foto von ihr am Wiegetrog.
Wie die meisten der Kühe mittlerweile trägt sie drei Halsbänder. Von links:
Das grüne Halsband mit dem Gewicht unten dran ist ein ganz Normales von Kerbl, auf der anderen Seite ist der Sensor vom InnoCow.
Das schwarz-blaue ist das Halsband von Heatime für die Brunsterkennung.
Das weiße Halsband mit der Stallnummer und dem Transponder von Insentec für die Wiegetröge.
Dazu kommt noch am Vorderbein der Transponder von Nedap (in GEA-Grün) für die Erkennung im Melkstand und an den Selektionstoren.
Als Forschungskuh hat sie halt ganze vier Identitäten:
Benjamin
Erster Eindruck im Melkstand: Die Kühe melken alle 25 kg pro Melkzeit; das war zwar die Hochleistungsgruppe aber geschätzt liegt der Melkdurchschnitt bei 37 kg.
Im Jungviehbereich laufen jetzt zwei Braunviehfärsen zwischen den Schwarzbunten. Die wurden aus dem Allgäu angeschafft als "Anschauungsmaterial", dass es auch noch andere Rinderrassen gibt:
Nr. 413 Kanada (siehe Post vom 05.07.2016) ist mit knapp 15 Jahren und 13 Kälbern die älteste Kuh der Herde und die letzte von denen, die 2010/11 beim Luzerneversuch dabei war, über den ich meine Abschlussarbeit geschrieben habe.
Und sie hat Ende Februar als erste Kuh überhaupt auf Hofgut Neumühle die 100.000 Liter Lebensleistung geschafft!
Braunies Familie wird immer kleiner. Ihre jüngste Schwester Leonie (2.) ist im Februar abgegangen. Bleibt nur noch ihre Enkelin Mai (2.) übrig, sie soll am Wochenende zum dritten Mal kalben. Und erfreut sich bester Gesundheit, in ihrer zweiten Laktation hat sie einen wahren Start-Ziel-Sieg auf der Überholspur hingelegt: In 366 Melktagen gab sie 15.704 kg, das sind durchschnittlich 43 kg am Tag, bei mehr als ordentlichen Inhaltsstoffen von 4,51 % Fett und 3,53 % Eiweiß. Auf die 305-Tage-Leistung umgerechnet waren es 13.773 kg mit 4,36 % Fett und 3,43 %, macht 1072 Fett-Eiweiß-Kilo. Ich habe da nicht den Vergleich, aber vielleicht kommt sie damit in die rheinland-pfälzische Bestenliste.
Einen Milchzuchtwert hat sie von nur leicht überdurchschnittlichen 108, bei sogar negativer Milchmenge. Soviel wieder zum Unterschied Genotyp und Phänotyp; dass die Genetik das Eine ist, aber was die Kuh aufgrund der Fütterung und Haltungsbedingungen dann leistet das Andere.
Im Versuchsbereich ist ein kleiner Teil für Trockensteher abgegrenzt, für Versuche wo die Futteraufnahme vor der Kalbung auch erfasst wird. Daher ein Foto von ihr am Wiegetrog.
Wie die meisten der Kühe mittlerweile trägt sie drei Halsbänder. Von links:
Das grüne Halsband mit dem Gewicht unten dran ist ein ganz Normales von Kerbl, auf der anderen Seite ist der Sensor vom InnoCow.
Das schwarz-blaue ist das Halsband von Heatime für die Brunsterkennung.
Das weiße Halsband mit der Stallnummer und dem Transponder von Insentec für die Wiegetröge.
Dazu kommt noch am Vorderbein der Transponder von Nedap (in GEA-Grün) für die Erkennung im Melkstand und an den Selektionstoren.
Als Forschungskuh hat sie halt ganze vier Identitäten:
Benjamin
Montag, 8. April 2019
Richtiger Frühling
Wo es Mitte Februar schon frühlingshaftes Wetter gab ist der Frühling nun richtig da und es hat die letzten Tage mehrfach an der 20-Grad-Marke gekratzt:
In Brandenburg in der Nähe zur Elbe ist das Wetter nicht so stark kontinental geprägt. Und da ich jetzt in der alten Heimat war ein Vergleich zu Rheinhessen, das am Rhein gelegen zu den wärmsten und sonnigsten Gegenden Deutschlands zählt. Im Vergleich zu Brandenburg ist das Wetter doch recht ähnlich, bloß ist es im Jahresschnitt 2 Grad kühler, hauptsächlich durch kältere Winter und kühlere Sommer bedingt.
Aber wenn ich es am Entwicklungszustand des Raps vergleiche ist dieses Jahr Rheinhessen keine zwei Wochen früher dran, zumindest momentan. Die Reben sind für die Wachstumsperiode fertig geschnitten und angebunden, aber treiben noch nicht aus:
Benjamin
In Brandenburg in der Nähe zur Elbe ist das Wetter nicht so stark kontinental geprägt. Und da ich jetzt in der alten Heimat war ein Vergleich zu Rheinhessen, das am Rhein gelegen zu den wärmsten und sonnigsten Gegenden Deutschlands zählt. Im Vergleich zu Brandenburg ist das Wetter doch recht ähnlich, bloß ist es im Jahresschnitt 2 Grad kühler, hauptsächlich durch kältere Winter und kühlere Sommer bedingt.
Aber wenn ich es am Entwicklungszustand des Raps vergleiche ist dieses Jahr Rheinhessen keine zwei Wochen früher dran, zumindest momentan. Die Reben sind für die Wachstumsperiode fertig geschnitten und angebunden, aber treiben noch nicht aus:
Benjamin
Freitag, 5. April 2019
Nach Südhessen
Momentan bin ich mal wieder auf Urlaub in der alten Heimat und da war ich gestern bei meinem Studienkollegen in Südhessen auf Besuch.
Wieder die anderen Strukturen und Standortbedingungen und was sich daraus für den Betriebsalltag ergibt.
Arla hat Anfang des letzten Jahres die Milchmengenplanung von Seiten der Landwirte abgeschafft nachdem sie bemerkt hatten, dass ihre interne Mengenschätzung der Milchproduktion besser zutrifft. Ich hatte auch immer gesagt, dass es unmöglich ist auf bis zu drei Jahre im Vorraus die Produktion zu planen, weil man aus ökonomischer Sicht noch in keinster Weise weiß, wo der Milchpreis liegen wird und auch die Witterungseinflüsse (Futtersituation, Hitzestress usw.) nicht kalkulieren kann. Bei Hochwald gibt es noch diese Planungen und da wird die Milchtankstelle zu einem nicht unerheblichen Ungenauigkeitsfaktor, da die geplante Milchmenge schnell deutlich unterschritten wird wenn die Direktvermarktung gut läuft.
Die Futtersituation dort unten ist nicht ganz so angespannt wie bei uns. Als Glücksgriff hat sich erwiesen, dass letztes Jahr Kooperationen mit Gemüsebaubetrieben in der Gegend eingegangen wurden um über Flächentausch Luzerne anzubauen, die dann als Leguminose für das Greening bei deren Antrag der Ausgleichszahlungen angerechnet werden. Also eine echte Win-Win-Situation.
Es wurde auch einiges an Ackerfutter ausgesät, wie dieses Gemenge aus Welschem Weidelgras und Alexandrinerklee. Vorfrucht auf dem Acker war Weizen wie man deutlich sah, aber das ist auch kein Problem, so ist doch in Israel Weizen-GPS eines der gängigen der knappen Grobfuttermittel:
Und noch was Trauriges: Am Dienstag ist Mikesch, ihr Chef-Kater im Alter von 12 Jahren gestorben. Ein schöner Kater, von der Farbe ein Kathäuser-Einschlag und sehr verschmust. Ich kam seit Dezember 2008 regelmäßig dorthin und er war immer da; wie auf dem Foto, im September 2017 aufgenommen - abends beim Melken auf der Stallgasse:
Benjamin
Wieder die anderen Strukturen und Standortbedingungen und was sich daraus für den Betriebsalltag ergibt.
Arla hat Anfang des letzten Jahres die Milchmengenplanung von Seiten der Landwirte abgeschafft nachdem sie bemerkt hatten, dass ihre interne Mengenschätzung der Milchproduktion besser zutrifft. Ich hatte auch immer gesagt, dass es unmöglich ist auf bis zu drei Jahre im Vorraus die Produktion zu planen, weil man aus ökonomischer Sicht noch in keinster Weise weiß, wo der Milchpreis liegen wird und auch die Witterungseinflüsse (Futtersituation, Hitzestress usw.) nicht kalkulieren kann. Bei Hochwald gibt es noch diese Planungen und da wird die Milchtankstelle zu einem nicht unerheblichen Ungenauigkeitsfaktor, da die geplante Milchmenge schnell deutlich unterschritten wird wenn die Direktvermarktung gut läuft.
Die Futtersituation dort unten ist nicht ganz so angespannt wie bei uns. Als Glücksgriff hat sich erwiesen, dass letztes Jahr Kooperationen mit Gemüsebaubetrieben in der Gegend eingegangen wurden um über Flächentausch Luzerne anzubauen, die dann als Leguminose für das Greening bei deren Antrag der Ausgleichszahlungen angerechnet werden. Also eine echte Win-Win-Situation.
Es wurde auch einiges an Ackerfutter ausgesät, wie dieses Gemenge aus Welschem Weidelgras und Alexandrinerklee. Vorfrucht auf dem Acker war Weizen wie man deutlich sah, aber das ist auch kein Problem, so ist doch in Israel Weizen-GPS eines der gängigen der knappen Grobfuttermittel:
Und noch was Trauriges: Am Dienstag ist Mikesch, ihr Chef-Kater im Alter von 12 Jahren gestorben. Ein schöner Kater, von der Farbe ein Kathäuser-Einschlag und sehr verschmust. Ich kam seit Dezember 2008 regelmäßig dorthin und er war immer da; wie auf dem Foto, im September 2017 aufgenommen - abends beim Melken auf der Stallgasse:
Benjamin
Montag, 1. April 2019
Mal Fisch
Soweit ich mich erinnern kann habe ich im Kuhblog noch nie explizit über die Fische geschrieben, auch weil ich mit der Abteilung gar nichts zu tun habe und kein einziges Foto davon hatte.
Die Fischanlage in Pinnow steht direkt neben der Biogasanlage, von der ein Teil der Wärme für die Heizung der Becken benutzt wird. Es ist eine Indoor-Aquakultur im Kreislaufsystem, bei der das Wasser zirkuliert und durch Absetzbecken und Biofilter gereinigt wird.
Die Fische sind Afrikanische Welse; die keine Gräten haben.
Oft wird der Vergleich zum Zander gezogen, der recht häufig in Kreislaufanlagen gehalten wird. Die Welse sind aber nicht ganz so empfindich bei den Bedingungen wie Sauerstoffgehalt oder pH-Wert. Zudem können oder sogar müssen pro Wasservolumen deutlich mehr Fische gehalten werden: Denn die Welse haben ein äußerst agressives Revierverhalten, das bis hin zum Kanibalismus führt. Sind sie aber von so vielen Artgenossen umgeben können sie ihre Revieransprüche nicht mehr durchsetzen und verhalten sich friedlich. Daher müssen auch alle Welse aus einem Becken zugleich abgefischt werden, etappenweise klappt nicht, weil dann die nötige Besatzdichte unterschritten wird.
Auf dem Foto ist die Fütterung zu sehen, wo aus dem Futterautomaten intervallgesteuert Pellets gefüttert werden und sich das ganze Becken in Bewegung setzt. Normal ist die Wasseroberfläche still aber dann kommen alle Fische nach oben.
Eine vermeintliche Besonderheit dabei ist die Futterverwertung: Die Welse machen aus einem Kilo Futter mehr als ein Kilo Fleisch. Physikalisch ist das möglich weil Fleisch mehr Wasser enthält als das Futter und biologisch weil Fische wechselwarm sind und keine Energie zum Aufrechterhalten der Körpertemperatur brauchen. Diese Energie stammt nicht aus dem Futter sondern aus dem umgebenden Wasser, also von der Biogasanlage.
Ein Teil des Fisches wird über Direktvermarktung vertrieben; filetiert oder geräuchert. Der Großteil aber über die Erzeugergemeinschaft Fischgut Nord eG, die auch Fischkonserven herstellt. Denn auch wenn es mit 30 t Jahreskapazität - die nicht komplett ausgeschöpft werden - eine recht kleine Anlage ist lässt sich diese Menge im ländlichen Brandenburg nicht regional absetzen.
Benjamin
Die Fischanlage in Pinnow steht direkt neben der Biogasanlage, von der ein Teil der Wärme für die Heizung der Becken benutzt wird. Es ist eine Indoor-Aquakultur im Kreislaufsystem, bei der das Wasser zirkuliert und durch Absetzbecken und Biofilter gereinigt wird.
Die Fische sind Afrikanische Welse; die keine Gräten haben.
Oft wird der Vergleich zum Zander gezogen, der recht häufig in Kreislaufanlagen gehalten wird. Die Welse sind aber nicht ganz so empfindich bei den Bedingungen wie Sauerstoffgehalt oder pH-Wert. Zudem können oder sogar müssen pro Wasservolumen deutlich mehr Fische gehalten werden: Denn die Welse haben ein äußerst agressives Revierverhalten, das bis hin zum Kanibalismus führt. Sind sie aber von so vielen Artgenossen umgeben können sie ihre Revieransprüche nicht mehr durchsetzen und verhalten sich friedlich. Daher müssen auch alle Welse aus einem Becken zugleich abgefischt werden, etappenweise klappt nicht, weil dann die nötige Besatzdichte unterschritten wird.
Auf dem Foto ist die Fütterung zu sehen, wo aus dem Futterautomaten intervallgesteuert Pellets gefüttert werden und sich das ganze Becken in Bewegung setzt. Normal ist die Wasseroberfläche still aber dann kommen alle Fische nach oben.
Eine vermeintliche Besonderheit dabei ist die Futterverwertung: Die Welse machen aus einem Kilo Futter mehr als ein Kilo Fleisch. Physikalisch ist das möglich weil Fleisch mehr Wasser enthält als das Futter und biologisch weil Fische wechselwarm sind und keine Energie zum Aufrechterhalten der Körpertemperatur brauchen. Diese Energie stammt nicht aus dem Futter sondern aus dem umgebenden Wasser, also von der Biogasanlage.
Ein Teil des Fisches wird über Direktvermarktung vertrieben; filetiert oder geräuchert. Der Großteil aber über die Erzeugergemeinschaft Fischgut Nord eG, die auch Fischkonserven herstellt. Denn auch wenn es mit 30 t Jahreskapazität - die nicht komplett ausgeschöpft werden - eine recht kleine Anlage ist lässt sich diese Menge im ländlichen Brandenburg nicht regional absetzen.
Benjamin
Samstag, 30. März 2019
Kot-Code - Teil 3
Weitere Zeichen des Kot-Codes.
Spülung bei leichten Gebärmutterentzündung (Endometritis 1. Grades; E1) mit einer „Kräuterlösung“ (Majoran, Melisse, Ringelblume, Eukalyptus). Meist wenn zwei Wochen zuvor Prostaglandin zur Reinigung gespritzt wurde um den letzten Eiterrest rauszuspülen:
Zyste am rechten Eierstock, daher auch Eierstockzyste (Ovarialzyste, Theka-Zyste). Quasi ein „hängengebliebener Eisprung“ der eine Blase gebildet hat und den Zyklus lahmlegt. Meist ist Energiemangel im Stoffwechsel die Ursache, dass nicht alles rund läuft. Die Zyste kann mit der Hand zerdrückt werden, was aber nicht gute fachliche Art ist, da der Inhalt in den Bauchraum gelangt. Daneben gibt es die Punktierung durch die Gebärmutterwand hindurch und die hormonelle Variante, wofür dieses Zeichen steht; 3 ml GnRH:
Noch zwei Zeichen, von denen ich keine Fotos habe, da (mittlerweile) recht selten. Links für Kühe mit inaktiven Eierstöcken („garnix los“), 3 ml GnRH um die Hormonkaskade in Gang zu bringen und dazu 25 ml Provitamin A, das eine Vorstufe der ganzen Sexualhormone ist.
Rechts für Kühe mit starker Gebärmutterentzündung, die schon zweimal 7 ml Prostaglandin bekommen haben und es nicht wirkte nochmal 3,5 ml Prostaglandin, mit der selben Wirkung, aber ein anderer Wirkstoff (molekularer Unterschied):
Benjamin
Spülung bei leichten Gebärmutterentzündung (Endometritis 1. Grades; E1) mit einer „Kräuterlösung“ (Majoran, Melisse, Ringelblume, Eukalyptus). Meist wenn zwei Wochen zuvor Prostaglandin zur Reinigung gespritzt wurde um den letzten Eiterrest rauszuspülen:
Zyste am rechten Eierstock, daher auch Eierstockzyste (Ovarialzyste, Theka-Zyste). Quasi ein „hängengebliebener Eisprung“ der eine Blase gebildet hat und den Zyklus lahmlegt. Meist ist Energiemangel im Stoffwechsel die Ursache, dass nicht alles rund läuft. Die Zyste kann mit der Hand zerdrückt werden, was aber nicht gute fachliche Art ist, da der Inhalt in den Bauchraum gelangt. Daneben gibt es die Punktierung durch die Gebärmutterwand hindurch und die hormonelle Variante, wofür dieses Zeichen steht; 3 ml GnRH:
Noch zwei Zeichen, von denen ich keine Fotos habe, da (mittlerweile) recht selten. Links für Kühe mit inaktiven Eierstöcken („garnix los“), 3 ml GnRH um die Hormonkaskade in Gang zu bringen und dazu 25 ml Provitamin A, das eine Vorstufe der ganzen Sexualhormone ist.
Rechts für Kühe mit starker Gebärmutterentzündung, die schon zweimal 7 ml Prostaglandin bekommen haben und es nicht wirkte nochmal 3,5 ml Prostaglandin, mit der selben Wirkung, aber ein anderer Wirkstoff (molekularer Unterschied):
Benjamin
Dienstag, 26. März 2019
Kot-Code - Teil 2
Im Kuhblog hatte ich mal über den Kot-Code nach Mauke geschrieben (siehe Post vom 22.08.2015). Dabei werden bei den zuchthygienischen Untersuchungen (Puerperalkontrolle, Sterilitätsuntersuchung, Trächtigkeitsuntersuchung) per Ultraschall (vgl. Post vom 08.01.2016) ggf. nötige Behandlungen mit Kot auf der Kuh vermerkt. Das hat der Tierarzt sprichtwörtlich zur Hand wenn er den Schallkopf wieder aus der Kuh rauszieht.
Zuerst werden die Kühe der Reihe nach untersucht und danach behandelt und welche Kuh dann was bekommt, das wird am Kot-Code abgelesen.
Da über die Jahre Veränderungen und Optimierungen im Fruchtbarkeitsmanagement vorgenommen wurden ist der in der damaligen Form nicht mehr gültig- Außerdem wurden zur besseren Unterscheidung Zeichen abgeändert. Daher es jetzt an der Zeit das mal zu aktualisieren und zwar mit Fotos.
Brunstinduktion; 3 ml Prostaglandin um den Gelbkörper aufzulösen und die Kuh kommt danach in Brunst:
Starke Gebärmutterentzündung (Pyometra), 7 ml Prostaglandin zur Reinigung der Gebärmutter. Wirkt genauso wie die Brunstinduktion nur stärker und dabei soll der Eiter abgestoßen werden:
3 ml GnRH zur Ovulations-Synchronisation (OvSynch). Bei Kühen die keinen richtigen Zyklus haben; GnRH löst die Hormonkaskade aus und soll so den Zyklus starten:
Fortsetzung folgt!
Benjamin
Zuerst werden die Kühe der Reihe nach untersucht und danach behandelt und welche Kuh dann was bekommt, das wird am Kot-Code abgelesen.
Da über die Jahre Veränderungen und Optimierungen im Fruchtbarkeitsmanagement vorgenommen wurden ist der in der damaligen Form nicht mehr gültig- Außerdem wurden zur besseren Unterscheidung Zeichen abgeändert. Daher es jetzt an der Zeit das mal zu aktualisieren und zwar mit Fotos.
Brunstinduktion; 3 ml Prostaglandin um den Gelbkörper aufzulösen und die Kuh kommt danach in Brunst:
Starke Gebärmutterentzündung (Pyometra), 7 ml Prostaglandin zur Reinigung der Gebärmutter. Wirkt genauso wie die Brunstinduktion nur stärker und dabei soll der Eiter abgestoßen werden:
3 ml GnRH zur Ovulations-Synchronisation (OvSynch). Bei Kühen die keinen richtigen Zyklus haben; GnRH löst die Hormonkaskade aus und soll so den Zyklus starten:
Fortsetzung folgt!
Benjamin
Samstag, 23. März 2019
Aktuelles aus Güstrow
Am Dienstag vorletzter Woche war der Milchrindtag für Mecklenburg-Vorpommern in Güstrow; ich war zwar nicht dort gewesen, weil ich mittwochs in Köllitsch und zwei Tage hintereinander unterwegs ist als immer bisschen ungünstig.
Aber die Vorträge wurden veröffentlicht und die habe ich mir natürlich nachträglich durchgelesen und da war einige wirklich interessante Sachen dabei:
- Von der Landesforschungsanstalt MV über Hitzestress. Lief dazu ein Versuch auf Gut Dummerstorf, wo ich über erste Ergebnisse dazu letztes Jahr mal in der Bauernzeitung gelesen habe. Der thermoneutrale Bereich in dem es der Kuh weder zu kalt noch zu warm ist hat sich in den letzten Jahrzehnten verschoben, denn durch die steigende Milchleistung produziert der Stoffwechsel mehr Abwärme. Für den Versuch wurden die Kühe mit Pansenboli ausgestattet, die die Körperkerntemperatur gemessen haben. Dabei kam raus, dass die Kröperkerntemperatur ab 10 Grad Außentemperatur ansteigt und es der Kuh zu warm wird. Empfehlung sind daher automatisch temperaturgesteuerte Lüfter, die ab 10 Grad die Kühe kühlen.
Da merkt man, dass die Amis mit ihrer Tunnellüftung (dunkle Ställe auf Kühlschranktemperatur) gar nicht so falsch liegen.
- Ebenfalls von der Landesforschungsanstalt MV über die optimale Laktationslänge. Das alte Schema "Jedes Jahr ein Kalb" gilt schon lange nicht mehr, die letzten Jahren sind es als 405 - 410 Tage durchschnittliche Zwischenkalbezeit in Deutschland.
Die Fruchtbarkeit der Kühe hat sich "verschoben". Die sehr einprägsame Zahl, dass pro Liter Milch 500 Liter Blut durchs Euter fließen. Bei 20 Liter Milch am Tag sind es 10.000 Liter Blut, bei 40 Liter Mich sind es 20.000 Liter Blut. Die nicht nur durch das Euter fließen sondern durch die Leber und da werden auch die darin enthaltenen Hormone verstoffwechselt. Durch diese "Hormonverknappung" ist die Fruchtbarkeit bei heutigen Kühen längere Zeit nach der Kalbung eingeschränkt und daher auch die Erfolge bei frühen Besamungen schlechter. Durch eine nach hinten verlegte Besamung fällt die Laktationkurve hormonell bedingt durch die neue Trächtigkeit nicht so schnell ab und die Kuh gibt für längere Zeit Milch.
Dazu eine Beispielrechnung mit zwei Kühen, wovon eine in fünf Jahren fünfmal kalbt, die andere nur dreimal. Die zweitere gibt in gleicher Zeit mehr Milch, da sie zwar am Tag durchschnittlich weniger Milch gibt, aber dafür nicht so viele Tage trockensteht. Zudem sind die gesundheitlichen Risiken deutlich herabgesetzt, weil sie die kritische Phase nach der Kalbung nur drei statt fünfmal durchläuft.
Diese Konzepte der verlängerten Laktation ("extented lactation") wurden in den letzten Jahren schon mehrfach diskutiert und ich gehe fest davon aus, dass die Entwicklung in absehbarer Zeit auch in diese Richtung gehen wird.
- Von der RinderAllianz über die neuen Gesundheitszuchtwerte, die jetzt auch genomisch (also schon bei Kälbern) geschätzt werden können. Damit hat das ProFitplus-Testherdenprogramm von RinderAllianz und RBB nach fast 15 Jahren Datenerfassung und über 200.000 Kühen das größte der bisherigen Etappenziele erreicht.
Der neue RZGesund (RZ = Relativzuchtwert) wird aus folgenden Indices berechnet:
40 % RZEuterfit: Euterentzündungen
30 % RZKlaue: Klauenerkrankungen (9 % Mortellaro, 4,5 % Klauengeschwüre,
4,5 % Panaritium, 4,5 % Weiße-Linien-Defekt, 4,5 % Klauenrehe, 3 % Limax)
20 % RZRepro: Fruchtbarkeitsstörungen (10 % Zyklusstörungen,
5 % Gebärmutterentzündungen, 5 % Nachgeburtsverhaltung)
10 % RZMetabol: Stoffwechselerkrankungen (% % Labmagenverlagerungen,
2,5 % Milchfieber, 2,5 % Ketose).
Damit ergibt sich jetzt die Möglichkeit gesunde Kühe zu züchten, oder wie es in der Werbung genannt wird: "RZ - richtig züchten."
Benjamin
Aber die Vorträge wurden veröffentlicht und die habe ich mir natürlich nachträglich durchgelesen und da war einige wirklich interessante Sachen dabei:
- Von der Landesforschungsanstalt MV über Hitzestress. Lief dazu ein Versuch auf Gut Dummerstorf, wo ich über erste Ergebnisse dazu letztes Jahr mal in der Bauernzeitung gelesen habe. Der thermoneutrale Bereich in dem es der Kuh weder zu kalt noch zu warm ist hat sich in den letzten Jahrzehnten verschoben, denn durch die steigende Milchleistung produziert der Stoffwechsel mehr Abwärme. Für den Versuch wurden die Kühe mit Pansenboli ausgestattet, die die Körperkerntemperatur gemessen haben. Dabei kam raus, dass die Kröperkerntemperatur ab 10 Grad Außentemperatur ansteigt und es der Kuh zu warm wird. Empfehlung sind daher automatisch temperaturgesteuerte Lüfter, die ab 10 Grad die Kühe kühlen.
Da merkt man, dass die Amis mit ihrer Tunnellüftung (dunkle Ställe auf Kühlschranktemperatur) gar nicht so falsch liegen.
- Ebenfalls von der Landesforschungsanstalt MV über die optimale Laktationslänge. Das alte Schema "Jedes Jahr ein Kalb" gilt schon lange nicht mehr, die letzten Jahren sind es als 405 - 410 Tage durchschnittliche Zwischenkalbezeit in Deutschland.
Die Fruchtbarkeit der Kühe hat sich "verschoben". Die sehr einprägsame Zahl, dass pro Liter Milch 500 Liter Blut durchs Euter fließen. Bei 20 Liter Milch am Tag sind es 10.000 Liter Blut, bei 40 Liter Mich sind es 20.000 Liter Blut. Die nicht nur durch das Euter fließen sondern durch die Leber und da werden auch die darin enthaltenen Hormone verstoffwechselt. Durch diese "Hormonverknappung" ist die Fruchtbarkeit bei heutigen Kühen längere Zeit nach der Kalbung eingeschränkt und daher auch die Erfolge bei frühen Besamungen schlechter. Durch eine nach hinten verlegte Besamung fällt die Laktationkurve hormonell bedingt durch die neue Trächtigkeit nicht so schnell ab und die Kuh gibt für längere Zeit Milch.
Dazu eine Beispielrechnung mit zwei Kühen, wovon eine in fünf Jahren fünfmal kalbt, die andere nur dreimal. Die zweitere gibt in gleicher Zeit mehr Milch, da sie zwar am Tag durchschnittlich weniger Milch gibt, aber dafür nicht so viele Tage trockensteht. Zudem sind die gesundheitlichen Risiken deutlich herabgesetzt, weil sie die kritische Phase nach der Kalbung nur drei statt fünfmal durchläuft.
Diese Konzepte der verlängerten Laktation ("extented lactation") wurden in den letzten Jahren schon mehrfach diskutiert und ich gehe fest davon aus, dass die Entwicklung in absehbarer Zeit auch in diese Richtung gehen wird.
- Von der RinderAllianz über die neuen Gesundheitszuchtwerte, die jetzt auch genomisch (also schon bei Kälbern) geschätzt werden können. Damit hat das ProFitplus-Testherdenprogramm von RinderAllianz und RBB nach fast 15 Jahren Datenerfassung und über 200.000 Kühen das größte der bisherigen Etappenziele erreicht.
Der neue RZGesund (RZ = Relativzuchtwert) wird aus folgenden Indices berechnet:
40 % RZEuterfit: Euterentzündungen
30 % RZKlaue: Klauenerkrankungen (9 % Mortellaro, 4,5 % Klauengeschwüre,
4,5 % Panaritium, 4,5 % Weiße-Linien-Defekt, 4,5 % Klauenrehe, 3 % Limax)
20 % RZRepro: Fruchtbarkeitsstörungen (10 % Zyklusstörungen,
5 % Gebärmutterentzündungen, 5 % Nachgeburtsverhaltung)
10 % RZMetabol: Stoffwechselerkrankungen (% % Labmagenverlagerungen,
2,5 % Milchfieber, 2,5 % Ketose).
Damit ergibt sich jetzt die Möglichkeit gesunde Kühe zu züchten, oder wie es in der Werbung genannt wird: "RZ - richtig züchten."
Benjamin
Samstag, 16. März 2019
Nach Kuhsdorf
Wie ich in Schönhagen war sind wir spontan nach Kuhsdorf gefahren, wo die dortige Milchviehanlage seit einigen Jahren zur PBK gehört. Ich war dort bisher noch nicht gewesen.
Die Anlage wird als reiner Altmelkerstandort betrieben. In Schönhagen ist die Hauptanlage und in Kuhsdorf stehen die Altmelker, die allesamt tragend sind und im letzten Laktationsdrittel. Ist von der Arbeitswirtschaft sehr rationell: Grob gesagt Füttern und Melken; keine Abkalbumgen, keine Kälber, keine Besamungen, keine Trächtigkeitsuntersuchungen sowie in diesem fortgeschrittenem Laktationsstadium sehr wenige Kranke und Lahme.
Die Herde ist dadurch extrem ruhig, weil keine Kühe rindern und dadurch Unruhe stiften und nur zweimal am Tag jemand in den Stall kommt um sie zum Melken zu holen.
Gefüttert wird mit einer Bandfütterung (Unteneinzugsband). Dadurch entfällt auch das laute Anschieben mit dem Hoflader. Nachmittags kommt der Mischwagen aus Schönhagen und liefert das Futter an, was da nicht aufs Futterband passt wird im Futtethaus für den nächsten Morgen abgekippt.
Diese Ruhe und Stressfreiheit schlägt sich in der Leistung nieder: 26 kg am Tag bei 4,2 % Fett und 3,8 % Eiweiß bei einer für Altmelker extrem guten Zellzahl von 120.000.
Der Stall ist ein L203 mit mittigem Futterband und auf beiden Seiten zwei gegenständigen Liegeboxenreihen und wandseitigem Laufgang:
Der zweite Kuhstall ist ebenfalls ein L203 in dem früher Trockensteher und Jungvieh standen und jetzt saniert wird um mehr Kapazität für melkende Kühe zu schaffen. Gerade wurde der Trog betoniert, denn dieser Stall enthält ebenfalls ein Futterband, macht ja keinen Sinn mehrere verschiedene Systeme parallel zu betreiben.
Eine neue Zwischendecke wurde auch eingezogen, die wäre nötig, nicht als Dämmung sondern als Dampfsperre, dass vom Wasserdampf im Atem der Kühe nicht in ganzen Nägel in den Dachbindern wegrosten:
Und noch ein Foto vom Melkstand. Ein Doppel-10er-Fischgräte von DeLaval mit HC150-Melkzeugen, wie sie früher auch in Boberow waren (vgl. Post vom 01.09.2015). Momentan wird aber auf Westfalia-Technik umgebaut und ADF-Dipp-Melkzeuge, dass es die gleiche Technik ist wie in Schönhagen. So hängen nun Zeit MPC und Metatron einträchtig nebeneinander:
Benjamin
Die Anlage wird als reiner Altmelkerstandort betrieben. In Schönhagen ist die Hauptanlage und in Kuhsdorf stehen die Altmelker, die allesamt tragend sind und im letzten Laktationsdrittel. Ist von der Arbeitswirtschaft sehr rationell: Grob gesagt Füttern und Melken; keine Abkalbumgen, keine Kälber, keine Besamungen, keine Trächtigkeitsuntersuchungen sowie in diesem fortgeschrittenem Laktationsstadium sehr wenige Kranke und Lahme.
Die Herde ist dadurch extrem ruhig, weil keine Kühe rindern und dadurch Unruhe stiften und nur zweimal am Tag jemand in den Stall kommt um sie zum Melken zu holen.
Gefüttert wird mit einer Bandfütterung (Unteneinzugsband). Dadurch entfällt auch das laute Anschieben mit dem Hoflader. Nachmittags kommt der Mischwagen aus Schönhagen und liefert das Futter an, was da nicht aufs Futterband passt wird im Futtethaus für den nächsten Morgen abgekippt.
Diese Ruhe und Stressfreiheit schlägt sich in der Leistung nieder: 26 kg am Tag bei 4,2 % Fett und 3,8 % Eiweiß bei einer für Altmelker extrem guten Zellzahl von 120.000.
Der Stall ist ein L203 mit mittigem Futterband und auf beiden Seiten zwei gegenständigen Liegeboxenreihen und wandseitigem Laufgang:
Der zweite Kuhstall ist ebenfalls ein L203 in dem früher Trockensteher und Jungvieh standen und jetzt saniert wird um mehr Kapazität für melkende Kühe zu schaffen. Gerade wurde der Trog betoniert, denn dieser Stall enthält ebenfalls ein Futterband, macht ja keinen Sinn mehrere verschiedene Systeme parallel zu betreiben.
Eine neue Zwischendecke wurde auch eingezogen, die wäre nötig, nicht als Dämmung sondern als Dampfsperre, dass vom Wasserdampf im Atem der Kühe nicht in ganzen Nägel in den Dachbindern wegrosten:
Und noch ein Foto vom Melkstand. Ein Doppel-10er-Fischgräte von DeLaval mit HC150-Melkzeugen, wie sie früher auch in Boberow waren (vgl. Post vom 01.09.2015). Momentan wird aber auf Westfalia-Technik umgebaut und ADF-Dipp-Melkzeuge, dass es die gleiche Technik ist wie in Schönhagen. So hängen nun Zeit MPC und Metatron einträchtig nebeneinander:
Benjamin
Donnerstag, 14. März 2019
Wieder nach Schönhagen
Am letzten Wochenende war ich mal wieder bei der PBK Rinderzucht Schönhagen. Eigentlich einziger Grund für den Besuch war Grete, was das Akronym für Gerät zur Reinigung von Tränkeeimern ist (www.grete10.de), die Eimerwaschmaschine.
Sehr viele Arbeiten in der Rinderhaltung lassen sich (teil)automatisieren oder in Abläufen sehr rationell gestalten, außer das Säubern der Tränkeeimer. Eine Lösung erhoffte ich mir damals vom Besuch bei der Aardema Calf Ranch in Idaho. Wenn die immerhin die weiblichen Kälber von 28.000 Kühen aufziehen werden die die Eimer nicht so umständlich wie wir sauber machen dachte ich mir. Die hatten aber Nuckelflaschen und schrubbten die mit Toilettenbürsten (siehe Post vom 19.10.2014). Das war aber auch noch vor dem Mauerbau, ob sie heute noch die Arbeitskräfte dafür haben weiß ich nicht.
Die Idee der Tränkeeimerwaschmaschine blieb bestehen und wurde von anderen Leuten umgesetzt und 2016 auf der Eurotier präsentiert, was für mich eindeutig das Messe-Highlight war (siehe Post vom 23.11.2016).
Bei der PBK wurde letztes Jahr die Kälberaufzucht auf Ad-libitum-Tränke umgestellt (siehe Posts vom 20.03.2018 und 16.04.2018). Da stellte sich dann die Frage wie die ganzen Eimer saubergemacht werden sollen. Denn vorher bekamen die Kälber 3x am Tag 2 Liter und hatten daher so einen Hunger, dass sie die 2 Liter in einem Zug aussoffen und der Eimer für 5 Boxen weiter wieder genommen werden konnte. Für die dann zehnmal so viele Eimer wurde Grete angeschafft.
Jetzt behalten die Kälber ihren Eimer den ganzen Tag, zweimal wird getränkt mit angesäuerter (1,5 ml Ameisensäure pro Liter) Vollmilch, so dass morgens bevor die Eimer sauber gemacht werden noch ca. 1 Liter übrig bleiben soll. Das sind dann 8 bis 15 Liter Milch pro Kalb und Tag.
Grete braucht für 10 Eimer 15 - 20 Minuten, bei so 50 Eimern dauert das entsprecht, läuft aber nebenher neben den anderen Arbeiten im Kälberstall. Auf das größere Nachfolgemodell "Grete 20" wird schon gewartet, mal sehen ob es das irgendwann geben wird:
Detailfoto; man sieht die Reinigungsdüsen und an den Gestellen vorne die Stifte, in denen die Eimer eingehängt werden, hinten die halbkreisförmigen Fassungen sind für die Schrauben der Nuckel. Davor die Welle mit den Rollen melkt die Nuckel während dem gesamten Reinigungsvorgang aus. Das Ergbenis kann sich mehr als sehen lassen; ich habe bei einem der Eimer den Nuckel abgeschraubt und da waren vor dem Ventil minimale Reste der angekästen Milch von der Säure, die man auch beim Handwaschen nur durch langes Einweichen wegbekommen würde:
Wo ich schon mal da war wurden auch die anderen Neuerungen begutachtet.
An der Biogasanlage die Gärrestetrocknung für die Boxeneinstreu. Der Gärrest wird von einem separator abgepresst und kommt dann in einen Trocknungscontainer, dieser hat einen gelochten Schubboden, der das Material langsam voranfördert und von unten mit Heißluft durchströmt wird. Diese wird von dem 250kW-Wärmetauscher auf dem rechten Anhänger produziert, der das Heißwasser des Blockheizkraftwerks in Heißluft umwandelt. Ist das gleiche Prinzip wie auch Hackschnitzeltrocknungen funktioneren (siehe auch Post vom 17.07.2017). In der Folienhalle wird der getrocknete Gärrest zwischengelagert:
Dann das ADF-System im Melkkarussell. Dies sind Melkzeuge mit integrierter Dippfunktion und Zwischendesinfektion, sodass alle Arbeiten auf der Nachmelkstrecke (Abnahme, Dippen, Zwischendesinfizieren) automatisiert sind. ADF war der erste Hersteller von solchen Melkzeugen; danach kam GEA mit dem Apollo, mit dem ich es immer vergleiche, weil das auf den IQ-Melkzeugen basiert, mit dem ich seit nunmehr fast 10 Jahren ab und zu auf meinem Stammbetrieb Hofgut Neumühle melke (siehe auch Post vom 22.05.2016). Mittlerweile gibt es von Boumatic auch das e-DIP.
Gedippt wird mit iodhaltigem Dippmittel und zwischendesinfiziert mit Peressigsäurelösung, 500 ppm Konzentration, normal wären 1.500 ppm, dafür sind aber mehr Spülstöße eingestellt.
Die Melkzeuge sind die normalen Classic von Westfalia, umgerüstet auf die ADF-Melkbecher und oben auf dem Sammelstück sitzt unter dem Vakuumverteiler ein zweiter für Dippmittel und Desinfektionslösung, die beide durch den dünnen Schlauch in den Zitzenbecher gehen, vor bzw. nach der Abnahme vom Euter. Die kurzen Milchschläuche sind besonders weich, dass auch alle richtig abknicken und das Melkzeug in dieser Position für die Zwischendesinfektion hängt:
Von weiteren Neuerungen habe ich keine Fotos: Einmal gibt es im Kälberstall mit den Gruppen am Tränkeautomaten eine Schlauchlüftung (Tube) und im Haupt-Kuhstall wurden die Gruppeneinteilung geändert, dass nicht mehr so viel Hektik ist, wenn ständig kleine Gruppen zum Melken geholt werden.
Fortsetzung folgt!
Benjamin
Sehr viele Arbeiten in der Rinderhaltung lassen sich (teil)automatisieren oder in Abläufen sehr rationell gestalten, außer das Säubern der Tränkeeimer. Eine Lösung erhoffte ich mir damals vom Besuch bei der Aardema Calf Ranch in Idaho. Wenn die immerhin die weiblichen Kälber von 28.000 Kühen aufziehen werden die die Eimer nicht so umständlich wie wir sauber machen dachte ich mir. Die hatten aber Nuckelflaschen und schrubbten die mit Toilettenbürsten (siehe Post vom 19.10.2014). Das war aber auch noch vor dem Mauerbau, ob sie heute noch die Arbeitskräfte dafür haben weiß ich nicht.
Die Idee der Tränkeeimerwaschmaschine blieb bestehen und wurde von anderen Leuten umgesetzt und 2016 auf der Eurotier präsentiert, was für mich eindeutig das Messe-Highlight war (siehe Post vom 23.11.2016).
Bei der PBK wurde letztes Jahr die Kälberaufzucht auf Ad-libitum-Tränke umgestellt (siehe Posts vom 20.03.2018 und 16.04.2018). Da stellte sich dann die Frage wie die ganzen Eimer saubergemacht werden sollen. Denn vorher bekamen die Kälber 3x am Tag 2 Liter und hatten daher so einen Hunger, dass sie die 2 Liter in einem Zug aussoffen und der Eimer für 5 Boxen weiter wieder genommen werden konnte. Für die dann zehnmal so viele Eimer wurde Grete angeschafft.
Jetzt behalten die Kälber ihren Eimer den ganzen Tag, zweimal wird getränkt mit angesäuerter (1,5 ml Ameisensäure pro Liter) Vollmilch, so dass morgens bevor die Eimer sauber gemacht werden noch ca. 1 Liter übrig bleiben soll. Das sind dann 8 bis 15 Liter Milch pro Kalb und Tag.
Grete braucht für 10 Eimer 15 - 20 Minuten, bei so 50 Eimern dauert das entsprecht, läuft aber nebenher neben den anderen Arbeiten im Kälberstall. Auf das größere Nachfolgemodell "Grete 20" wird schon gewartet, mal sehen ob es das irgendwann geben wird:
Detailfoto; man sieht die Reinigungsdüsen und an den Gestellen vorne die Stifte, in denen die Eimer eingehängt werden, hinten die halbkreisförmigen Fassungen sind für die Schrauben der Nuckel. Davor die Welle mit den Rollen melkt die Nuckel während dem gesamten Reinigungsvorgang aus. Das Ergbenis kann sich mehr als sehen lassen; ich habe bei einem der Eimer den Nuckel abgeschraubt und da waren vor dem Ventil minimale Reste der angekästen Milch von der Säure, die man auch beim Handwaschen nur durch langes Einweichen wegbekommen würde:
Wo ich schon mal da war wurden auch die anderen Neuerungen begutachtet.
An der Biogasanlage die Gärrestetrocknung für die Boxeneinstreu. Der Gärrest wird von einem separator abgepresst und kommt dann in einen Trocknungscontainer, dieser hat einen gelochten Schubboden, der das Material langsam voranfördert und von unten mit Heißluft durchströmt wird. Diese wird von dem 250kW-Wärmetauscher auf dem rechten Anhänger produziert, der das Heißwasser des Blockheizkraftwerks in Heißluft umwandelt. Ist das gleiche Prinzip wie auch Hackschnitzeltrocknungen funktioneren (siehe auch Post vom 17.07.2017). In der Folienhalle wird der getrocknete Gärrest zwischengelagert:
Dann das ADF-System im Melkkarussell. Dies sind Melkzeuge mit integrierter Dippfunktion und Zwischendesinfektion, sodass alle Arbeiten auf der Nachmelkstrecke (Abnahme, Dippen, Zwischendesinfizieren) automatisiert sind. ADF war der erste Hersteller von solchen Melkzeugen; danach kam GEA mit dem Apollo, mit dem ich es immer vergleiche, weil das auf den IQ-Melkzeugen basiert, mit dem ich seit nunmehr fast 10 Jahren ab und zu auf meinem Stammbetrieb Hofgut Neumühle melke (siehe auch Post vom 22.05.2016). Mittlerweile gibt es von Boumatic auch das e-DIP.
Gedippt wird mit iodhaltigem Dippmittel und zwischendesinfiziert mit Peressigsäurelösung, 500 ppm Konzentration, normal wären 1.500 ppm, dafür sind aber mehr Spülstöße eingestellt.
Die Melkzeuge sind die normalen Classic von Westfalia, umgerüstet auf die ADF-Melkbecher und oben auf dem Sammelstück sitzt unter dem Vakuumverteiler ein zweiter für Dippmittel und Desinfektionslösung, die beide durch den dünnen Schlauch in den Zitzenbecher gehen, vor bzw. nach der Abnahme vom Euter. Die kurzen Milchschläuche sind besonders weich, dass auch alle richtig abknicken und das Melkzeug in dieser Position für die Zwischendesinfektion hängt:
Von weiteren Neuerungen habe ich keine Fotos: Einmal gibt es im Kälberstall mit den Gruppen am Tränkeautomaten eine Schlauchlüftung (Tube) und im Haupt-Kuhstall wurden die Gruppeneinteilung geändert, dass nicht mehr so viel Hektik ist, wenn ständig kleine Gruppen zum Melken geholt werden.
Fortsetzung folgt!
Benjamin
Sonntag, 10. März 2019
Nach Köllitsch - Teil 2
Über weitere Vorträge in Köllitsch auf der Tagung "Digitaliserung in der Rinderhaltung":
- Von der Firma Procilon über Daten- und IT-Sicherheit, dass man sich auch damit beschäftigen sollte. Obwohl ein recht trockenes Thema war es sehr anschaulich vorgetragen.
- CattleData über ihr Kuhüberwachungssystem. Hatte darüber vor so 2 Jahren mal in der TopAgrar gelesen und war von den Konzept angetan: Die Kühe haben RFID-Transponderohrmarken. Vergleichbar mit denen von Allflex (Siehe Post vom 07.05.2015), aber nicht mit Niederfrequenz sondern Hochfrequenz und lassen sich daher über so 10 m Entfernung erkennen. Mit mehreren Antennen wird da ein Kuhortungssystem daraus aus dem alles abgeleitet wird:
Die Kuh bewegt sich viel -> ist brünstig.
Die Kuh ist immer mit den gleichen Kühen zusammen -> ist brünstig.
Die Kuh bewegt sich wenig -> ist lahm.
Die Kuh steht am Futtertisch -> Futteraufnahme.
Die Kuh ist in der Liegebox -> Liegezeit.
Fast null Technik an der Kuh und die Transponder kosten 6,90 €; im Vergleich zu den
DeLaval-Wackel-Aktikvitätsmesser mit 98 € und nach 10 Jahren sind die kaputt weil
die Batterien leer ist...
- Förster Technik über das Smart Calf System, über das ich schon mehrfach im Kuhblog
geschrieben habe (siehe Posts vom 23.11.2016; 30.03.2018; 22.05.2018; 03.11.2018). Einmal das Cloud-Computing um denzentral mitten zwischen den Kälbern auf alle Daten zugreifen zu können und andererseits in Zukunft die Anbindung an das Herdenmanagementprogramm, dass die Daten aus der Kälberaufzucht nicht für den Lebenslauf der Kuh verloren gehen.
- Urban mit einer aus den USA importierten und eingedeutschten App zum Monitoring der Kälbergesundheit, die an die Tränekautomaten angeschlossen ist. Daneben das Fieberthermometer VitalControl für das es auf der EuroTier eine Silbermedaille gab. Damit kann nicht nur die Temperatur gemessen werden sondern es hat auch einen integrierten Transponderleser für die Halsbänder und man kann auch weitere Sachen zu den Kälbern eingeben, wie z.B. das Gewicht bei Wiegungen und alles an den Tränkeautomat gekoppelt. Dabei wurde auch explizit auf die Empfehlungen der LFA Mecklenburg-Vorpommern zum Wiegen von Jungvieh als Managementmaßnahme hingewiesen (vgl. Post vom 26.01.2019).
- DSP Agrosoft. Mit HERDE Plus kann immer mehr Technik und Programme gekoppelt werden, aufgeteilt in die Bereiche Datenbanken (Milchkontrolle, HIT...), Melktechnik,
Brunst-/Gesundheitsüberwachung und Fütterungstechnik. Dabei werden die von diesen gelieferten Daten und Alarme nicht weiter verrechnet sondern nur integriert und stehen in allen Anwendungen zur Verfügung.
Daneben die neuen Hardware-Entwicklungen Cow Body Scan (CBS; siehe Post vom 01.12.2018) zur automatischen Konditions- und Lahmheitserkennung und Space Data Milking (SDM), einem Kuhortungssystem.
Für Herde selbst ist eine App in Entwicklung, die den vollen Umfang der Datenerfassung
inklusive der Klauenpflege bietet sowie die Version von Herde mobil für Android, weil
sie damals mit iOS auf das falsche Pferd gesetzt hatten, dass sich die Herdenmanager
alle I-Phones anschaffen. Das werden dann zum jetzigen Herde mobil 8 Jahre Fortschritt sein. Darauf bin ich jetzt schon gespannt.
Benjamin
- Von der Firma Procilon über Daten- und IT-Sicherheit, dass man sich auch damit beschäftigen sollte. Obwohl ein recht trockenes Thema war es sehr anschaulich vorgetragen.
- CattleData über ihr Kuhüberwachungssystem. Hatte darüber vor so 2 Jahren mal in der TopAgrar gelesen und war von den Konzept angetan: Die Kühe haben RFID-Transponderohrmarken. Vergleichbar mit denen von Allflex (Siehe Post vom 07.05.2015), aber nicht mit Niederfrequenz sondern Hochfrequenz und lassen sich daher über so 10 m Entfernung erkennen. Mit mehreren Antennen wird da ein Kuhortungssystem daraus aus dem alles abgeleitet wird:
Die Kuh bewegt sich viel -> ist brünstig.
Die Kuh ist immer mit den gleichen Kühen zusammen -> ist brünstig.
Die Kuh bewegt sich wenig -> ist lahm.
Die Kuh steht am Futtertisch -> Futteraufnahme.
Die Kuh ist in der Liegebox -> Liegezeit.
Fast null Technik an der Kuh und die Transponder kosten 6,90 €; im Vergleich zu den
DeLaval-Wackel-Aktikvitätsmesser mit 98 € und nach 10 Jahren sind die kaputt weil
die Batterien leer ist...
- Förster Technik über das Smart Calf System, über das ich schon mehrfach im Kuhblog
geschrieben habe (siehe Posts vom 23.11.2016; 30.03.2018; 22.05.2018; 03.11.2018). Einmal das Cloud-Computing um denzentral mitten zwischen den Kälbern auf alle Daten zugreifen zu können und andererseits in Zukunft die Anbindung an das Herdenmanagementprogramm, dass die Daten aus der Kälberaufzucht nicht für den Lebenslauf der Kuh verloren gehen.
- Urban mit einer aus den USA importierten und eingedeutschten App zum Monitoring der Kälbergesundheit, die an die Tränekautomaten angeschlossen ist. Daneben das Fieberthermometer VitalControl für das es auf der EuroTier eine Silbermedaille gab. Damit kann nicht nur die Temperatur gemessen werden sondern es hat auch einen integrierten Transponderleser für die Halsbänder und man kann auch weitere Sachen zu den Kälbern eingeben, wie z.B. das Gewicht bei Wiegungen und alles an den Tränkeautomat gekoppelt. Dabei wurde auch explizit auf die Empfehlungen der LFA Mecklenburg-Vorpommern zum Wiegen von Jungvieh als Managementmaßnahme hingewiesen (vgl. Post vom 26.01.2019).
- DSP Agrosoft. Mit HERDE Plus kann immer mehr Technik und Programme gekoppelt werden, aufgeteilt in die Bereiche Datenbanken (Milchkontrolle, HIT...), Melktechnik,
Brunst-/Gesundheitsüberwachung und Fütterungstechnik. Dabei werden die von diesen gelieferten Daten und Alarme nicht weiter verrechnet sondern nur integriert und stehen in allen Anwendungen zur Verfügung.
Daneben die neuen Hardware-Entwicklungen Cow Body Scan (CBS; siehe Post vom 01.12.2018) zur automatischen Konditions- und Lahmheitserkennung und Space Data Milking (SDM), einem Kuhortungssystem.
Für Herde selbst ist eine App in Entwicklung, die den vollen Umfang der Datenerfassung
inklusive der Klauenpflege bietet sowie die Version von Herde mobil für Android, weil
sie damals mit iOS auf das falsche Pferd gesetzt hatten, dass sich die Herdenmanager
alle I-Phones anschaffen. Das werden dann zum jetzigen Herde mobil 8 Jahre Fortschritt sein. Darauf bin ich jetzt schon gespannt.
Benjamin
Freitag, 8. März 2019
Nach Köllitsch - Teil 1
Am Mittwoch war ich mal in eine ganz andere Richtung unterwegs und zwar nach Sachsen zum Lehr- und Versuchsgut Köllitsch zum Fachtag Bau und Technik "Digitalisierung in der Rinderhaltung". Ich war erstmals in Köllitsch und das Gut hat auch eine beeindruckende Größe.
Digitalisierung und Landwirtschaft 4.0, wie es immer mehr an Bedeutung gewinnt und eines der großen Themen der nächsten Jahre sein wird. Vorneweg das Schlusswort, das es schön zusammengefasst hat: "Die Digitalisierung ist alternativlos, sie wird kommen, wird auch nicht 100% aller Kühe erfassen und auch nicht ganz in der Form die wir uns heute vorstellen, aber sie wird kommen."
Zuerst ging es über die Förderprogramme des Landes Sachsen zur Digitalisierung.
Danach gab es einen Übersichtsvortrag von der Firma Fodjan über Digitalisierung in der Landwirtschaft. Über Umsetzung von Innovationen in der Praxis und dass die Digitalisierung nicht zum Selbstzweck werden darf. Die Möglichkeiten der Vernetzung wie etwa den Einfluss von Kraftfutterchargen über viele Betriebe hinweg auf die Milchleistung erfassen zu können. Und neue Geschäftsmodelle mit mehr Dienstleistung als Produkte, dass die Pharmaindustrie z.B. keine Medikamente mehr verkauft sondern gesunde Kühe. Wo der Ansatz bei der Technik auch interessant wäre: Statt einem Melkkarussell einen vollen Milchtank zu kaufen.
Dann vom Landesamt für Landwirtschaft und Geologie eine Zusammenfassung der Trends vom letztjährigen Eurotier-"Special - Digital Farming". Die großen Trends sind Arbeitseffizienz, Produktsicherheit sowie die Vernetzung.
Als zweiter Teil stellten die großen Melktechnikfirmen ihre Digitalisierungslösungen vor:
1) DeLaval mit Delpro als Software, wie es auch in Pinnow auf dem Karussell läuft. Als zentrales Programm zur Vernetzung, wo alle Daten von Sensoren zusammenlaufen, bis hin zur Milchleistungsprüfung und HIT-Datenbank. Und es in der Ebene zwischen Datenverwaltung und Entscheidungsfindung stehen soll. Wo ich das insgesamt kritisch sehe sich so sehr an einen Technikanbieter zu binden, da hätte man beim Kauf des nächsten Karussells nicht mehr viel Auswahl. Als einer der Sensoren, deren Daten vernetzt werden können wurde die BCS-Kamera genannt, wo es sich bei dem gezeigten Beispielbetrieb um die Agrargenossenschaft Karstädt handelte.
2) GEA mit ihren Cloud-Anwendungen in 365FarmNet. Als Zugeständnis an den Internetempfang in deutschen Kuhställen ist die Handy-Version offlinefähig, sodass die Daten übertragen werden sobald Empfang vorhanden ist. Zumindest für unsere Strukturen ist es unnötig alle Daten des vernetzten Betriebs - Technik, Ackerbau, Tierhaltung - auf einem einzigen Startbildschirm darstellen zu können.
3) Lely. Mit der langen Erfahrung im Robotermelken natürlich weit fortgeschritten mit der Digitalisierung. Mittlerweile sind weltweit 31.000 Melkroboter von Lely in Betrieb, davon noch fast 2000 Astronaut A2, die schon 15 - 20 Jahre alt sind. Der Fokus bei Lely liegt auf der Bedienerfreundlichkeit, die Komplexität in den Hintergrund treten zu lassen und es bis hin zu Entscheidungshilfen mit "Ja" und "Nein" zu reduzieren. Dass auch 12-jährige Kinder Melkroboter bedienen können. Niederländisch-pragmatisch halt.
Als sehr interssantes Beispiel ein momentanes Projekt zur selbstlernenden Milchflussoptimierung am Melkroboter: Bei jeder Melkzeit wird die Milchflusskurve der individuellen Kuh optimiert, um die Euterschonung und Melkgeschwindigkeit zur erhöhen. Mit allen verfügbaren Parametern wie Zwischenmelkzeit, Gemelkgröße, Vakuumhöhe, Pulsationsfrequenz, Phasenverhältnis der Pulsation, Abnahmezeitpunkt der Zitzenbecher. Was man alleine wegen der riesigenn Datenmengen niemals "per Hand" machen könnte.
4) Lemmer Fullwood. Eigentlich nichts zur Digitalisierung konkret sondern die Vorstellung des Konzepts Batch-Milking 4.0, wo die Kühe zu festen Melkzeiten zu mehreren Roboter getrieben und von diesen gemolken werden. Als Praxisbeispiel von der Agrar Flämingland Blönsdorf, die seit einem Jahr in ihrem vollautomatischen Kuhstall 470 Kühe in einem Melkzentrum mit 12 Robotern melken. Dazu Fütterungs- und Einstreuroboter, sodass nur noch eine Arbeitskraft pro Schicht benötigt wird.
Fortsetzung folgt!
Benjamin
Digitalisierung und Landwirtschaft 4.0, wie es immer mehr an Bedeutung gewinnt und eines der großen Themen der nächsten Jahre sein wird. Vorneweg das Schlusswort, das es schön zusammengefasst hat: "Die Digitalisierung ist alternativlos, sie wird kommen, wird auch nicht 100% aller Kühe erfassen und auch nicht ganz in der Form die wir uns heute vorstellen, aber sie wird kommen."
Zuerst ging es über die Förderprogramme des Landes Sachsen zur Digitalisierung.
Danach gab es einen Übersichtsvortrag von der Firma Fodjan über Digitalisierung in der Landwirtschaft. Über Umsetzung von Innovationen in der Praxis und dass die Digitalisierung nicht zum Selbstzweck werden darf. Die Möglichkeiten der Vernetzung wie etwa den Einfluss von Kraftfutterchargen über viele Betriebe hinweg auf die Milchleistung erfassen zu können. Und neue Geschäftsmodelle mit mehr Dienstleistung als Produkte, dass die Pharmaindustrie z.B. keine Medikamente mehr verkauft sondern gesunde Kühe. Wo der Ansatz bei der Technik auch interessant wäre: Statt einem Melkkarussell einen vollen Milchtank zu kaufen.
Dann vom Landesamt für Landwirtschaft und Geologie eine Zusammenfassung der Trends vom letztjährigen Eurotier-"Special - Digital Farming". Die großen Trends sind Arbeitseffizienz, Produktsicherheit sowie die Vernetzung.
Als zweiter Teil stellten die großen Melktechnikfirmen ihre Digitalisierungslösungen vor:
1) DeLaval mit Delpro als Software, wie es auch in Pinnow auf dem Karussell läuft. Als zentrales Programm zur Vernetzung, wo alle Daten von Sensoren zusammenlaufen, bis hin zur Milchleistungsprüfung und HIT-Datenbank. Und es in der Ebene zwischen Datenverwaltung und Entscheidungsfindung stehen soll. Wo ich das insgesamt kritisch sehe sich so sehr an einen Technikanbieter zu binden, da hätte man beim Kauf des nächsten Karussells nicht mehr viel Auswahl. Als einer der Sensoren, deren Daten vernetzt werden können wurde die BCS-Kamera genannt, wo es sich bei dem gezeigten Beispielbetrieb um die Agrargenossenschaft Karstädt handelte.
2) GEA mit ihren Cloud-Anwendungen in 365FarmNet. Als Zugeständnis an den Internetempfang in deutschen Kuhställen ist die Handy-Version offlinefähig, sodass die Daten übertragen werden sobald Empfang vorhanden ist. Zumindest für unsere Strukturen ist es unnötig alle Daten des vernetzten Betriebs - Technik, Ackerbau, Tierhaltung - auf einem einzigen Startbildschirm darstellen zu können.
3) Lely. Mit der langen Erfahrung im Robotermelken natürlich weit fortgeschritten mit der Digitalisierung. Mittlerweile sind weltweit 31.000 Melkroboter von Lely in Betrieb, davon noch fast 2000 Astronaut A2, die schon 15 - 20 Jahre alt sind. Der Fokus bei Lely liegt auf der Bedienerfreundlichkeit, die Komplexität in den Hintergrund treten zu lassen und es bis hin zu Entscheidungshilfen mit "Ja" und "Nein" zu reduzieren. Dass auch 12-jährige Kinder Melkroboter bedienen können. Niederländisch-pragmatisch halt.
Als sehr interssantes Beispiel ein momentanes Projekt zur selbstlernenden Milchflussoptimierung am Melkroboter: Bei jeder Melkzeit wird die Milchflusskurve der individuellen Kuh optimiert, um die Euterschonung und Melkgeschwindigkeit zur erhöhen. Mit allen verfügbaren Parametern wie Zwischenmelkzeit, Gemelkgröße, Vakuumhöhe, Pulsationsfrequenz, Phasenverhältnis der Pulsation, Abnahmezeitpunkt der Zitzenbecher. Was man alleine wegen der riesigenn Datenmengen niemals "per Hand" machen könnte.
4) Lemmer Fullwood. Eigentlich nichts zur Digitalisierung konkret sondern die Vorstellung des Konzepts Batch-Milking 4.0, wo die Kühe zu festen Melkzeiten zu mehreren Roboter getrieben und von diesen gemolken werden. Als Praxisbeispiel von der Agrar Flämingland Blönsdorf, die seit einem Jahr in ihrem vollautomatischen Kuhstall 470 Kühe in einem Melkzentrum mit 12 Robotern melken. Dazu Fütterungs- und Einstreuroboter, sodass nur noch eine Arbeitskraft pro Schicht benötigt wird.
Fortsetzung folgt!
Benjamin
Sonntag, 3. März 2019
Ausgekugelte Hüfte
Beim Vergleich von vierstelligen Kuhzahlen zu zwei- oder dreistelligen bekommt man einfach viel mehr mit. Darunter sind auch sehr seltene Sachen.
Weil ich damals ein Foto davon gemacht habe: Eine Kuh mit ausgekugeltem Hüftgelenk. Nr. 1652 aus der Pinnower Herde. Wie sie das hinbekommen hatte ist nicht klar, zumindest wurde sie raussortiert weil in der Milchleistung zurück gegangen. Soweit vom Ablauf ganz normal, weil vielleicht eine Verdauungsstörung oder Lungenentzündung, was man von außen nicht auf Anhieb sieht.
Aber es gab eine ziemliche Überraschung:
Sie schwankte stark, weil sie auf dem betroffenen Bein natürlich nicht richtig auftreten konnte und es war mehr als verwunderlich, dass sie so tapfer unauffällig in der Gruppe mit zum Karussell marschiert war und das vermutlich anderthalb Tage lang. Eine absolute Kämpfernatur. Von solchen zähen Kühen wünscht man sich viel mehr.
Leider hat es nicht geholfen...
Nach der Diagnose war mein Kommentar: "Tja, Tamme Hanken ist tot..." Das wieder einzurenken war keine Option gewesen, rein medizinisch geht das, aber ob man es auch hinbekommt und vor allem ob es nicht kurz darauf wieder rausspringt.
Sie musste dann notgeschlachtet werden, weil in dem Zustand auch nicht transportfähig zum Schlachthof.
Blick von hinten: Das gesamte Becken hängt schief. Rechts wie es aussehen muss mit Hüftbeinhöcker vone und Sitzbeinhöcker hinten. Links ist dazwischen eine Beule zu sehen, wo der Oberschenkelkopf komplett frei nach oben drückt:
Benjamin
Weil ich damals ein Foto davon gemacht habe: Eine Kuh mit ausgekugeltem Hüftgelenk. Nr. 1652 aus der Pinnower Herde. Wie sie das hinbekommen hatte ist nicht klar, zumindest wurde sie raussortiert weil in der Milchleistung zurück gegangen. Soweit vom Ablauf ganz normal, weil vielleicht eine Verdauungsstörung oder Lungenentzündung, was man von außen nicht auf Anhieb sieht.
Aber es gab eine ziemliche Überraschung:
Sie schwankte stark, weil sie auf dem betroffenen Bein natürlich nicht richtig auftreten konnte und es war mehr als verwunderlich, dass sie so tapfer unauffällig in der Gruppe mit zum Karussell marschiert war und das vermutlich anderthalb Tage lang. Eine absolute Kämpfernatur. Von solchen zähen Kühen wünscht man sich viel mehr.
Leider hat es nicht geholfen...
Nach der Diagnose war mein Kommentar: "Tja, Tamme Hanken ist tot..." Das wieder einzurenken war keine Option gewesen, rein medizinisch geht das, aber ob man es auch hinbekommt und vor allem ob es nicht kurz darauf wieder rausspringt.
Sie musste dann notgeschlachtet werden, weil in dem Zustand auch nicht transportfähig zum Schlachthof.
Blick von hinten: Das gesamte Becken hängt schief. Rechts wie es aussehen muss mit Hüftbeinhöcker vone und Sitzbeinhöcker hinten. Links ist dazwischen eine Beule zu sehen, wo der Oberschenkelkopf komplett frei nach oben drückt:
Benjamin
Mittwoch, 27. Februar 2019
Trockenstellen - Teil 2
Medikamentelles Trockenstellen ist ein heikles Thema, weil es sich um die präventive Gabe von Antibiotika handelt und das ist im Tierbereich als generell BÖSE eingestuft. Was die Bauern natürlich nicht davon abhält ordentlich zu arbeiten und trotzdem die meisten Kühe mit Antibiotika trockenzustellen; in Deutschland dürften das dreiviertel der Milchkühe sein.
Dafür gibt es gute Gründe:
- Die "Reinigungswirkung" des Melkens fällt weg, beim Vormelken werden die ganzen Keime und Erreger, die über den Zitzenkanal ins Euter einwandern wollen rausgemolken. Die es schon weiter geschafft haben werden von der Melkmaschine mit herausgemolken und in der Molkerei wegpasteurisiert. Dieser Effekt fällt beim Trockenstehen weg und zudem ist die sich noch im Euter befindliche Restmilch bei angenehmen 38 °C ein idealer Nährboden. Erst nach einiger Zeit bildet sich ein Keratinpropf der die Zitzen recht gut abschließt.
- Kurz vor der Abkalbung öffnen sich die Zitzen aber wieder und bieten wieder eine Eintrittspforte und dann ist schon die Biestmilch da.
- Die Trockenstehzeit bietet die Möglichkeit subklinische Euterentzündungen auszuheilen. Das sind kleinere Entzündungsprozesse die unterschwellig ablaufen, ohne die Milch zu verändern oder die Kuh krank zu machen. Diese können dann mit Antibiotika behandelt werden, wenn eh nicht gemolken wird und so auch keine Milch wegen der Behandlung weggeschüttet werden muss.
Dafür gibt es drei Verfahrensweisen: Die häufigste - alle Kühe mit Antibiotika trockenstellen, zweitens alle Kühe ohne Antibiotika trockenstellen und drittens das Selektive Trockenstellen, die Entscheidung ob Antibiotika oder doch nicht und wenn ja welches kuhindividuell zu treffen.
Erstmal ein kleiner Exkurs zu den Zellzahlen. Die Zellzahl ist die Anzahl der Zellen die in einem Milliliter Milch enthalten sind. Dabei handelt es sich um weiße Blutkörperchen (Leukozyten) die mit der Milch ausgeschieden werden. Das hängt von Entzündungsprozessen im Euter ab. Und da immer irgendwo welche stattfinden sind auch immer Zellen in der Milch. Das Niedrigste, dass ich gesehen habe waren 5.000 Zellen pro ml, normal ist es im fünfstelligen Bereich, wo man es auch an der Milch nicht merkt, da die Zellen nur einige Mikrometer groß sind. Bei krankmachenden Euterentzündungen geht es meist über 1 Million, wo man schon Flocken in der Milch sehen kann und die Obergrenze der Laborgeräte sind 10 Millionen.
Das Selektive Trockenstellen hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen, vor allem auch weil Einsparung möglich sind gegenüber der generellen Verwendung von Antibiotika. Zunächst war ich da sehr zurückhaltend, hatte ich wegen der nicht allzu guten Eutergesundheit meiner Kühe Bedenken damit in die falsche Richtung zu gehen.
Dann kam Arla mit dem Arlagarden und da ist das vorgeschrieben, halt zum Greenwashing "wir verwenden wenig Antibiotika", ganz egal wie es den Kühen dabei ergeht... Erst einmal wurde es ignoriert, aber dann beim Audit 2015 (siehe Post vom 05.06.2015) unter sofort abzuändern aufgelistet und dann beim nächsten trockenstellen umgesetzt und seitdem optimiert.
Bei der Winterveranstaltung 2016 von Schaumann gab es auch eine Vortrag zum selektiven Trockenstellen (Gruß an Dr. Steinbeck!) und damals war ich von den über 30 anwesenden Bauern (erst) der Einzige der das gemacht hat.
Das aktuelle Schema:
- Bei Kühen die in den letzten drei Milchleistungsprüfungen (= Monate) vor dem Trockenstellen stets unter 100.000 Zellen pro ml Milch hatten wird ein Schalmtest (California Mastitis Test = CMT) gemacht. Bei diesem verklebt die Testflüssigkeit die Zellen in der Milch und wird dickflüssig, die Nachweißgrenze ist bei so 200.000 Zellen. Der Test wird für jedes Euterviertel gemacht und ist er bei einem positiv wird die Kuh antibiotisch trockengestellt. Ist er auf allen Vierteln negativ wir die Kuh ohne Antibiotika trockengestellt.
- Kühe die in einer der letzten drei Milchleistungsprüfungen mindestens einmal mehr als 100.000 Zellen pro ml Milch hatten werden antibiotisch trockengestellt.
- Kühe die seit der letzten Kalbung eine Euterentzündung hatten werden antibiotisch trockengestellt und das Medikament auf den nachgewiesenen Erreger angestimmt.
- Kühe die schon einmal an dem Erreger Staphylococcus aureus - ein ganz hartnäckiger Keim, der sich abkapseln und "schlummern" kann - erkrankt waren werden immer mit einem Medikament gegen diesen Erreger trockengestellt.
Die Antibiotika sind von pastöser Konsistenz und werden in die Zitzen eingespritzt und danach in jede Zitze noch interner Zitzenversiegler, der die Zitze von innen zuklebt, sodass viel weniger Keime eindringen können. Nach dem Abkalben wird der Zitzenversiegler wieder rausgemolken. Vom internen Zitzenversiegler bin ich absolut überzeugt, der trägt das Meiste dazu bei, dass die Kühe gut über die Trockenstehphase kommen.
So sieht es auf wenn der interne Zitzenversiegler nach der Abkalbung herausgemolken wird. Und wenn man das nicht ordentlich per Hand macht kommt alles in die Biestmilch und setzt sich unten im Eimer ab, aber unbedenklich für das Kalb:
Insgesamt hat das selektive Trockenstellen dazu geführt, dass gut ein Drittel der Kühe ohne Antibiotika trockengestellt werden.
Die Aufgabe des Herdenmanagements dabei ist neben dem Heraussuchen welche Kühe zum Trockenstellen dran sind auch festzulegen welche Kuh was bekommt. Dafür habe ich die Listen in HERDE so weit voreingestellt; außer die Zellzahlen muss man noch bei jeder Kuh nachkucken.
Benjamin
Dafür gibt es gute Gründe:
- Die "Reinigungswirkung" des Melkens fällt weg, beim Vormelken werden die ganzen Keime und Erreger, die über den Zitzenkanal ins Euter einwandern wollen rausgemolken. Die es schon weiter geschafft haben werden von der Melkmaschine mit herausgemolken und in der Molkerei wegpasteurisiert. Dieser Effekt fällt beim Trockenstehen weg und zudem ist die sich noch im Euter befindliche Restmilch bei angenehmen 38 °C ein idealer Nährboden. Erst nach einiger Zeit bildet sich ein Keratinpropf der die Zitzen recht gut abschließt.
- Kurz vor der Abkalbung öffnen sich die Zitzen aber wieder und bieten wieder eine Eintrittspforte und dann ist schon die Biestmilch da.
- Die Trockenstehzeit bietet die Möglichkeit subklinische Euterentzündungen auszuheilen. Das sind kleinere Entzündungsprozesse die unterschwellig ablaufen, ohne die Milch zu verändern oder die Kuh krank zu machen. Diese können dann mit Antibiotika behandelt werden, wenn eh nicht gemolken wird und so auch keine Milch wegen der Behandlung weggeschüttet werden muss.
Dafür gibt es drei Verfahrensweisen: Die häufigste - alle Kühe mit Antibiotika trockenstellen, zweitens alle Kühe ohne Antibiotika trockenstellen und drittens das Selektive Trockenstellen, die Entscheidung ob Antibiotika oder doch nicht und wenn ja welches kuhindividuell zu treffen.
Erstmal ein kleiner Exkurs zu den Zellzahlen. Die Zellzahl ist die Anzahl der Zellen die in einem Milliliter Milch enthalten sind. Dabei handelt es sich um weiße Blutkörperchen (Leukozyten) die mit der Milch ausgeschieden werden. Das hängt von Entzündungsprozessen im Euter ab. Und da immer irgendwo welche stattfinden sind auch immer Zellen in der Milch. Das Niedrigste, dass ich gesehen habe waren 5.000 Zellen pro ml, normal ist es im fünfstelligen Bereich, wo man es auch an der Milch nicht merkt, da die Zellen nur einige Mikrometer groß sind. Bei krankmachenden Euterentzündungen geht es meist über 1 Million, wo man schon Flocken in der Milch sehen kann und die Obergrenze der Laborgeräte sind 10 Millionen.
Das Selektive Trockenstellen hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen, vor allem auch weil Einsparung möglich sind gegenüber der generellen Verwendung von Antibiotika. Zunächst war ich da sehr zurückhaltend, hatte ich wegen der nicht allzu guten Eutergesundheit meiner Kühe Bedenken damit in die falsche Richtung zu gehen.
Dann kam Arla mit dem Arlagarden und da ist das vorgeschrieben, halt zum Greenwashing "wir verwenden wenig Antibiotika", ganz egal wie es den Kühen dabei ergeht... Erst einmal wurde es ignoriert, aber dann beim Audit 2015 (siehe Post vom 05.06.2015) unter sofort abzuändern aufgelistet und dann beim nächsten trockenstellen umgesetzt und seitdem optimiert.
Bei der Winterveranstaltung 2016 von Schaumann gab es auch eine Vortrag zum selektiven Trockenstellen (Gruß an Dr. Steinbeck!) und damals war ich von den über 30 anwesenden Bauern (erst) der Einzige der das gemacht hat.
Das aktuelle Schema:
- Bei Kühen die in den letzten drei Milchleistungsprüfungen (= Monate) vor dem Trockenstellen stets unter 100.000 Zellen pro ml Milch hatten wird ein Schalmtest (California Mastitis Test = CMT) gemacht. Bei diesem verklebt die Testflüssigkeit die Zellen in der Milch und wird dickflüssig, die Nachweißgrenze ist bei so 200.000 Zellen. Der Test wird für jedes Euterviertel gemacht und ist er bei einem positiv wird die Kuh antibiotisch trockengestellt. Ist er auf allen Vierteln negativ wir die Kuh ohne Antibiotika trockengestellt.
- Kühe die in einer der letzten drei Milchleistungsprüfungen mindestens einmal mehr als 100.000 Zellen pro ml Milch hatten werden antibiotisch trockengestellt.
- Kühe die seit der letzten Kalbung eine Euterentzündung hatten werden antibiotisch trockengestellt und das Medikament auf den nachgewiesenen Erreger angestimmt.
- Kühe die schon einmal an dem Erreger Staphylococcus aureus - ein ganz hartnäckiger Keim, der sich abkapseln und "schlummern" kann - erkrankt waren werden immer mit einem Medikament gegen diesen Erreger trockengestellt.
Die Antibiotika sind von pastöser Konsistenz und werden in die Zitzen eingespritzt und danach in jede Zitze noch interner Zitzenversiegler, der die Zitze von innen zuklebt, sodass viel weniger Keime eindringen können. Nach dem Abkalben wird der Zitzenversiegler wieder rausgemolken. Vom internen Zitzenversiegler bin ich absolut überzeugt, der trägt das Meiste dazu bei, dass die Kühe gut über die Trockenstehphase kommen.
So sieht es auf wenn der interne Zitzenversiegler nach der Abkalbung herausgemolken wird. Und wenn man das nicht ordentlich per Hand macht kommt alles in die Biestmilch und setzt sich unten im Eimer ab, aber unbedenklich für das Kalb:
Insgesamt hat das selektive Trockenstellen dazu geführt, dass gut ein Drittel der Kühe ohne Antibiotika trockengestellt werden.
Die Aufgabe des Herdenmanagements dabei ist neben dem Heraussuchen welche Kühe zum Trockenstellen dran sind auch festzulegen welche Kuh was bekommt. Dafür habe ich die Listen in HERDE so weit voreingestellt; außer die Zellzahlen muss man noch bei jeder Kuh nachkucken.
Benjamin
Sonntag, 24. Februar 2019
Trockenstellen - Teil 1
Jetzt kommt der erste Post über das Trockenstellen. Hab das kurzerhand auf zwei Posts aufgeteilt, denn wie ich es fertig geschrieben hatte war es viel zu lang geworden - ist mir auch noch nicht passiert.
Das Trockenstellen bzw. das Trockenstehen gehört zum Jahresablauf der Milchkuh dazu. Vor dem nächsten Kalben werden sie zur Erholung in den "Urlaub" geschickt.
Der Hintergrund dafür:
Die Erholung des Stoffwechsels, die Kuh ist stoffwechseltechnisch ein 350-Tage-Ultramarathonläufer und da braucht es auch eine Phase der Erholung.
Die Regeneration des Euters und der Bildung der Biestmilch für das Kalb. Das Euter geht in eine Ruhephase, die noch enthaltene Milch wird resorbiert und danach mit der Einlagerung der Antikörper und Abwehrstoffe in die sich bildende Biestmilch begonnen. Das alles zusammen dauert ungefähr 30 - 35 Tage und gibt damit die Mindestdauer des Trockenstehens vor.
Es gab auch schon Forschungstendenzen des "Durchmelkens", dass die Kuh nicht trockengestellt wird sondern die ganze Zeit gemolken und zwischendrin dann kalbt. Der Gedanke dabei ist, dass die Kuh mit der zweimaligen Futterumstellung zum Trockenstellen und dann nach der Kalbung nicht belastet wird und es für den Pansen und die gesamte Verdauung mit der in der Fütterung immer wichtigen Koninuität weiterläuft. Die Nachteile überwiegen dabei aber, sodass es sich nicht durchsetzen konnte: Über mehrere Jahre fällt die Leistung der Kühe ab, weil die Erholung doch fehlt, trotz der Kontinuität für den Stoffwechsel. Und vor allem wird beim täglichen Melken keine Biestmilch gebildet, die von elementarer Bedeutung für die Immunisierung und Gesundheit des Kalbes ist.
Daher also das Trockenstehen.
Das Trockenstellen ist an sich ein einfacher Vorgang: Die Kuh wird nicht mehr gemolken. Ist vergleichbar mit dem Wildrind, das im Herbst wenn das Futter knapp wird sein Kalb absetzt. Zudem kommt es manchmal vor, dass sich hochtragende Kühe von alleine Trockenstellen und keine Milch mehr geben, vor allem die, bei denen die letzte Kalbung schon länger her ist (> 400 Tage) und nicht die höchste Milchleistung hatten.
Die Milchbildung in den Drüsenzellen ist abhängig vom Druck im Euter, wenn schon viel Milch gebildet ist steigt der Druck und die Neubildung wird dadurch weniger, das ist ein kontinuierlicher, linearer Prozess. Beim Trockenstellen steigt der Druck soweit an bis nichts mehr gebildet wird. Aus gleichem Grund geben Kühe die dreimal statt zweimal am Tag gemolken werden mehr Milch, weil bei nur 8 h Zwischenmelkzeit statt 12 h die Stunden mit druckbedingt niedrigerer Milchproduktion wegfallen.
Bei Kühen die 15 Liter Milch am Tag geben ist das einfacher als welche die noch bei fleißigen 35 Liter liegen. Gängig ist solche Kühe "abzubremsen", indem man sie in die Altmelkergruppe mit nicht so energiereichem Futter stellt und sie die für die hohe Milchleistung nötige Energie nicht mehr aufnehmen können. Nur einmal am Tag zu melken und über die längeren Zwischenmelkzeiten (24 h) die Milchbildung zu verringern dehnt eher die Belastung des Euters über längere Zeit aus. Und das Wasser knapp halten, dass gar nicht so viel Milch gebildet werden kann geht halt überhaupt nicht. Dafür gibt es Möglichkeiten über den Mineralstoffwechsel anzusetzen z.B. mit Bovikalc dry.
Zur Dauer des Trockenstehens. Früher waren es mal zwei Monate. Daher stammt auch die 305-Tage Leistung als standardisiertes Vergleichsmaß für die Milchleistung. Jedes Jahr ein Kalb (365 Tage) minus 2 Monate (60 Tage) sind 305 Tage Milchgeben. Natürlich sind diese Zahlen nicht mehr aktuell - so liegen wir in Deutschland seit vielen Jahren bei durchschnittlich knapp 410 Tagen Zwischenkalbezeit.
Landläufig sagt man 6 bis 8 Wochen lang trockenstehen.
Mit folgenden Trockenstehdauern beim Trockenstellen alle zwei Wochen habe ich gute Erfahrungen gemacht:
Mehrkalbskühe - also die Kühe die vor dem dritten Kalb und mehr sind - 37 bis 50 Tage vor dem errechneten Kalbetermin.
Jungkühe - die vor dem zweiten Kalb sind - 10 Tage mehr weil sie noch nicht ganz ausgewachsen sind für eine längere Erholungsphase. Sind dann 47 bis 60 Tage vor dem errechneten Kalbetermin.
Dazu kommen noch die Kühe die sehr wenig Milch haben (unter 10 - 12 kg), wo man die Verfettungsgefahr abwägen muss, entweder energieärmere Trockensteherration oder energiereichere Altmelkerration und bisschen Milch geben und zum Melken laufen. Aber nicht mehr als 90 - 100 Tage lang Trockenstehen, weil sie dann doch den Kühen die die Erholung nötiger haben zu viel Platz wegnehmen.
Fortsetzung folgt!
Benjamin
Das Trockenstellen bzw. das Trockenstehen gehört zum Jahresablauf der Milchkuh dazu. Vor dem nächsten Kalben werden sie zur Erholung in den "Urlaub" geschickt.
Der Hintergrund dafür:
Die Erholung des Stoffwechsels, die Kuh ist stoffwechseltechnisch ein 350-Tage-Ultramarathonläufer und da braucht es auch eine Phase der Erholung.
Die Regeneration des Euters und der Bildung der Biestmilch für das Kalb. Das Euter geht in eine Ruhephase, die noch enthaltene Milch wird resorbiert und danach mit der Einlagerung der Antikörper und Abwehrstoffe in die sich bildende Biestmilch begonnen. Das alles zusammen dauert ungefähr 30 - 35 Tage und gibt damit die Mindestdauer des Trockenstehens vor.
Es gab auch schon Forschungstendenzen des "Durchmelkens", dass die Kuh nicht trockengestellt wird sondern die ganze Zeit gemolken und zwischendrin dann kalbt. Der Gedanke dabei ist, dass die Kuh mit der zweimaligen Futterumstellung zum Trockenstellen und dann nach der Kalbung nicht belastet wird und es für den Pansen und die gesamte Verdauung mit der in der Fütterung immer wichtigen Koninuität weiterläuft. Die Nachteile überwiegen dabei aber, sodass es sich nicht durchsetzen konnte: Über mehrere Jahre fällt die Leistung der Kühe ab, weil die Erholung doch fehlt, trotz der Kontinuität für den Stoffwechsel. Und vor allem wird beim täglichen Melken keine Biestmilch gebildet, die von elementarer Bedeutung für die Immunisierung und Gesundheit des Kalbes ist.
Daher also das Trockenstehen.
Das Trockenstellen ist an sich ein einfacher Vorgang: Die Kuh wird nicht mehr gemolken. Ist vergleichbar mit dem Wildrind, das im Herbst wenn das Futter knapp wird sein Kalb absetzt. Zudem kommt es manchmal vor, dass sich hochtragende Kühe von alleine Trockenstellen und keine Milch mehr geben, vor allem die, bei denen die letzte Kalbung schon länger her ist (> 400 Tage) und nicht die höchste Milchleistung hatten.
Die Milchbildung in den Drüsenzellen ist abhängig vom Druck im Euter, wenn schon viel Milch gebildet ist steigt der Druck und die Neubildung wird dadurch weniger, das ist ein kontinuierlicher, linearer Prozess. Beim Trockenstellen steigt der Druck soweit an bis nichts mehr gebildet wird. Aus gleichem Grund geben Kühe die dreimal statt zweimal am Tag gemolken werden mehr Milch, weil bei nur 8 h Zwischenmelkzeit statt 12 h die Stunden mit druckbedingt niedrigerer Milchproduktion wegfallen.
Bei Kühen die 15 Liter Milch am Tag geben ist das einfacher als welche die noch bei fleißigen 35 Liter liegen. Gängig ist solche Kühe "abzubremsen", indem man sie in die Altmelkergruppe mit nicht so energiereichem Futter stellt und sie die für die hohe Milchleistung nötige Energie nicht mehr aufnehmen können. Nur einmal am Tag zu melken und über die längeren Zwischenmelkzeiten (24 h) die Milchbildung zu verringern dehnt eher die Belastung des Euters über längere Zeit aus. Und das Wasser knapp halten, dass gar nicht so viel Milch gebildet werden kann geht halt überhaupt nicht. Dafür gibt es Möglichkeiten über den Mineralstoffwechsel anzusetzen z.B. mit Bovikalc dry.
Zur Dauer des Trockenstehens. Früher waren es mal zwei Monate. Daher stammt auch die 305-Tage Leistung als standardisiertes Vergleichsmaß für die Milchleistung. Jedes Jahr ein Kalb (365 Tage) minus 2 Monate (60 Tage) sind 305 Tage Milchgeben. Natürlich sind diese Zahlen nicht mehr aktuell - so liegen wir in Deutschland seit vielen Jahren bei durchschnittlich knapp 410 Tagen Zwischenkalbezeit.
Landläufig sagt man 6 bis 8 Wochen lang trockenstehen.
Mit folgenden Trockenstehdauern beim Trockenstellen alle zwei Wochen habe ich gute Erfahrungen gemacht:
Mehrkalbskühe - also die Kühe die vor dem dritten Kalb und mehr sind - 37 bis 50 Tage vor dem errechneten Kalbetermin.
Jungkühe - die vor dem zweiten Kalb sind - 10 Tage mehr weil sie noch nicht ganz ausgewachsen sind für eine längere Erholungsphase. Sind dann 47 bis 60 Tage vor dem errechneten Kalbetermin.
Dazu kommen noch die Kühe die sehr wenig Milch haben (unter 10 - 12 kg), wo man die Verfettungsgefahr abwägen muss, entweder energieärmere Trockensteherration oder energiereichere Altmelkerration und bisschen Milch geben und zum Melken laufen. Aber nicht mehr als 90 - 100 Tage lang Trockenstehen, weil sie dann doch den Kühen die die Erholung nötiger haben zu viel Platz wegnehmen.
Fortsetzung folgt!
Benjamin
Donnerstag, 21. Februar 2019
Ohrmarken einziehen
Ein Schnappschuss vom Ohrmarkeneinziehen bei den Kälbern.
Als erstes wird die Anwesenheitskontrolle gemacht, ob alle als neugeboren aufgeschriebenen Kälber auch da sind und ihren jeweiligen Müttern zugeordnet. Als zweites und wichtigster Punkt die Geschlechtskontrolle; beim stehenden Kalb zwischen die Hinterbeine gegriffen, beim liegenden Kalb ein Hinterbein hochgehoben und dazwischen geschaut. Weil nach dem Geschlecht die Ohrmarkenserie (unterschiedliche für weibliche und männliche) ausgewählt wird und auch nur die weiblichen Zuchtkälber die Ohrstanzen für die Genotypisierung (KuhVision) bekommen. Außerdem ist es recht aufwändig nachträglich eine Geschlechtsänderung in allen offiziellen Dokumenten zu machen. Drittens werden die Ohrmarken den neuen Kälbern zugeordnet und eingezogen.
Und ab und zu liegt auch mal eine Katze zwischen den Kälbern im Stroh:
"Schwarzbunt - weiblich!".
Benjamin
Als erstes wird die Anwesenheitskontrolle gemacht, ob alle als neugeboren aufgeschriebenen Kälber auch da sind und ihren jeweiligen Müttern zugeordnet. Als zweites und wichtigster Punkt die Geschlechtskontrolle; beim stehenden Kalb zwischen die Hinterbeine gegriffen, beim liegenden Kalb ein Hinterbein hochgehoben und dazwischen geschaut. Weil nach dem Geschlecht die Ohrmarkenserie (unterschiedliche für weibliche und männliche) ausgewählt wird und auch nur die weiblichen Zuchtkälber die Ohrstanzen für die Genotypisierung (KuhVision) bekommen. Außerdem ist es recht aufwändig nachträglich eine Geschlechtsänderung in allen offiziellen Dokumenten zu machen. Drittens werden die Ohrmarken den neuen Kälbern zugeordnet und eingezogen.
Und ab und zu liegt auch mal eine Katze zwischen den Kälbern im Stroh:
"Schwarzbunt - weiblich!".
Benjamin
Montag, 18. Februar 2019
Lungenendoskopie - Teil 3
Grund für die Lungenspülprobe war der Erregernachweis.
Im März letzten Jahres ist eine Novelle der Tierärztlichen Hausapothekenverordnung (TÄHAV) in Kraft getreten. Deren Ziel ist es Antibiotika in der Tiermedizin einzusparen. Einmal durch die tierärztliche Untersuchungspflicht vor jedem Antibiotikaeinsatz und beim Einsatz "höherwertiger" Antibiotika der Erregernachweis und das Resistogramm dazu, um nachzuweisen, ob das Antibiotika in dem Fall auch wirkt. Was auf den ersten Blick alles sinnvoll erscheint, sehe ich nach knapp einem Jahr als Bürokratiemonster, das die medizinische Versorgung der Tiere verschlechtert hat. Die Hemmschwelle ist gesunken, es ohne Antibiotika "versuchen zu wollen", und der zeitliche Verzug bis zur Untersuchung durch den Tierarzt. Was oft ein Abnicken der "bäuerlich-handwerklichen" Diagnosestellung ist und die Kuh einen halben Tag mit Entzündungshemmer hingehalten wurde.
Bei Euterentzündungen ist der Erregernachweis über Milchproben des betroffenen Euterviertels recht geläufig, vor allem wenn man die selektive Therapie auf die einzelnen Keime zugeschnitten macht. Bei Gebärmutterentzündungen kommt man relativ leicht an den Eiter ran, bei schlimmen Fällen könnte man sogar einen Becher drunterhalten. Bei Lungenentzündungen dagegen ist es um einiges schwerer, weil der Eiter in der Lunge sitzt.
Das wurde aus den Bronchien herausgepült, die ursprünglich klare Spülflüssigkeit ist trüb vom ganzen Eiter. In einem Probenröhrchen geht das ins Labor und wird auf Platten angezüchtet, wo dann anhand der gewachsenen Bakterien der oder eher die Erreger nachgewiesen werden und an aufgebrachten verschiedenen Antibiotika, ob gegen diese resistent oder sensibel:
Und diesmal habe ich auch halbwegs erfolgreich versucht durch das Okular zu fotografieren. Das ist recht schwierig, da die Kamera nicht recht einen Punkt zum Fokussieren findet. Als Bestes kam dieses Foto dabei raus; Blick in die Bronchien einer Kuh:
Benjamin
Im März letzten Jahres ist eine Novelle der Tierärztlichen Hausapothekenverordnung (TÄHAV) in Kraft getreten. Deren Ziel ist es Antibiotika in der Tiermedizin einzusparen. Einmal durch die tierärztliche Untersuchungspflicht vor jedem Antibiotikaeinsatz und beim Einsatz "höherwertiger" Antibiotika der Erregernachweis und das Resistogramm dazu, um nachzuweisen, ob das Antibiotika in dem Fall auch wirkt. Was auf den ersten Blick alles sinnvoll erscheint, sehe ich nach knapp einem Jahr als Bürokratiemonster, das die medizinische Versorgung der Tiere verschlechtert hat. Die Hemmschwelle ist gesunken, es ohne Antibiotika "versuchen zu wollen", und der zeitliche Verzug bis zur Untersuchung durch den Tierarzt. Was oft ein Abnicken der "bäuerlich-handwerklichen" Diagnosestellung ist und die Kuh einen halben Tag mit Entzündungshemmer hingehalten wurde.
Bei Euterentzündungen ist der Erregernachweis über Milchproben des betroffenen Euterviertels recht geläufig, vor allem wenn man die selektive Therapie auf die einzelnen Keime zugeschnitten macht. Bei Gebärmutterentzündungen kommt man relativ leicht an den Eiter ran, bei schlimmen Fällen könnte man sogar einen Becher drunterhalten. Bei Lungenentzündungen dagegen ist es um einiges schwerer, weil der Eiter in der Lunge sitzt.
Das wurde aus den Bronchien herausgepült, die ursprünglich klare Spülflüssigkeit ist trüb vom ganzen Eiter. In einem Probenröhrchen geht das ins Labor und wird auf Platten angezüchtet, wo dann anhand der gewachsenen Bakterien der oder eher die Erreger nachgewiesen werden und an aufgebrachten verschiedenen Antibiotika, ob gegen diese resistent oder sensibel:
Und diesmal habe ich auch halbwegs erfolgreich versucht durch das Okular zu fotografieren. Das ist recht schwierig, da die Kamera nicht recht einen Punkt zum Fokussieren findet. Als Bestes kam dieses Foto dabei raus; Blick in die Bronchien einer Kuh:
Benjamin
Freitag, 15. Februar 2019
Lungenendoskopie - Teil 2
Zum alltäglichen Herdenmanagement gehört es zwar nicht direkt, aber zum Gesundheitsmanagement im weiteren Sinne: Lungenendoskopie zur Entnahme einer Lungenspülprobe (siehe Post vom 24.09.2018). Warum das jetzt gemacht wurde gibt es im nächsten Post zu lesen.
Beim letzten Mal war es auf der anderen Seite vom Nachwartehof gewesen, wo man die Außenmauer als bequeme Abstellfläche für das Material hat. Auf dieser Seite würde sich die Mauer vom Rücktrieb anbieten, aber die vorbeilaufenden Kühe werfen alles runter. Daher schnell paar der Tröge für das Lockfutter genommen; bloß die schwimmen auf der Flutwelle weg wenn geflusht wird... es ist zum Glück nichts dabei kaputt gegangen!
Die Kuh war trotz der Sedierung nicht so kooperativ und musste festgehalten werden. Das Foto hat natürlich keinen Geruch, aber es stank richtig wenn sie ausatmete und hustete. Das lässt auf den Erreger Trueperella pyogenes schließen, der einen charakteristischen Geruch hat. Die Kuhblogleser die das kennen wissen wovon ich spreche:
Eine Nahaufnahme vom Einführen des Endoskops über die Nase. Hier sieht man was für eine komplexe Feinmechanik das ist: In diesem dünnen Strang sind zwei Glasfaserbündel als Lichtwellenleiter, einer zum Durchkucken mit dem Okular und einer für die Beleuchtung, die Lichtquelle dafür ist auf dem oberen Foto der graue Kasten unten links. Dazu der Arbeitskanal über den der Katheter für die Spüllösung eingeschoben wird und zwei Bowdenzüge für die Steuerung der Endoskopspitze nach links/rechts und oben/unten:
Fortsetzung folgt!
Benjamin
Beim letzten Mal war es auf der anderen Seite vom Nachwartehof gewesen, wo man die Außenmauer als bequeme Abstellfläche für das Material hat. Auf dieser Seite würde sich die Mauer vom Rücktrieb anbieten, aber die vorbeilaufenden Kühe werfen alles runter. Daher schnell paar der Tröge für das Lockfutter genommen; bloß die schwimmen auf der Flutwelle weg wenn geflusht wird... es ist zum Glück nichts dabei kaputt gegangen!
Die Kuh war trotz der Sedierung nicht so kooperativ und musste festgehalten werden. Das Foto hat natürlich keinen Geruch, aber es stank richtig wenn sie ausatmete und hustete. Das lässt auf den Erreger Trueperella pyogenes schließen, der einen charakteristischen Geruch hat. Die Kuhblogleser die das kennen wissen wovon ich spreche:
Eine Nahaufnahme vom Einführen des Endoskops über die Nase. Hier sieht man was für eine komplexe Feinmechanik das ist: In diesem dünnen Strang sind zwei Glasfaserbündel als Lichtwellenleiter, einer zum Durchkucken mit dem Okular und einer für die Beleuchtung, die Lichtquelle dafür ist auf dem oberen Foto der graue Kasten unten links. Dazu der Arbeitskanal über den der Katheter für die Spüllösung eingeschoben wird und zwei Bowdenzüge für die Steuerung der Endoskopspitze nach links/rechts und oben/unten:
Fortsetzung folgt!
Benjamin
Dienstag, 12. Februar 2019
Fiebermessen
Nach meinen ganzen "Auswärts-Berichten" vom Januar geht es nun mit der schon zu Jahresbeginn angekündigten Serie aus dem Alltag des Herdenmanagements weiter.
Als erstes Thema das tägliche Fiebermessen für die frisch abgekalbten Kühen in den ersten zehn Tagen nach der Kalbung ("freshcow management"). Die Körpertemperatur ist ein sehr geeignetes Frühwarnsignal bei der Gesundheitsüberwachung. Das Rind als evolutinär klassisches Beutetier lässt sich keinerlei Schwäche anmerken solange es nur kann. Und wenn die Kuh erstmal die Ohren hängen lässt ist es schon fast zu spät.
Daher wird bei den frischabgekalbten Kühen zehn Tage lang nach der Kalbung und ggf. auch länger täglich die Temperatur gemessen und die Entwicklung der Milchleistung verfolgt. Zudem hat es den Vorteil jede Kuh auch täglich zu sehen für die anderen Merkmale zur Gesundheitsüberwachung: Aufmerksamkeit, Pansenfüllung, Nachgeburtsabgang, Verschissen bei Durchfall usw.
"Hinten drauf" auf der Kuh werden mit Fettstift Markierungen aufgemalt. Damit sieht man auf einen Blick alle wichtigen Informationen über den Verlauf der letzten Tage, da muss man nicht erst im Computer oder im Handy nachschauen. Die klassische Vier-Farben-Methode ist doch recht bekannt und verbreitet, ich habe nach eigenen Erfahrungen und der von Bekannten einige Punkte daran optimiert (siehe auch Post vom 03.09.2016), der letzte Schritt war vor einem halben Jahr zur Einführung der Ketose-Messung, dazu folgen hier im Kuhblog aber noch mal extra Posts.
Das wichtigste sind die roten Striche für Schwergeburt, Nachgeburtsverhaltung oder Milchfieber, dass man den nicht reibungslosen Start gleich im Hinterkopf hat, z.B. um bei Fieber Ursachen wie Gebärmutterentzündung oder Geburtsverletzungen in Betracht zu ziehen. Die Grenze von 39,3 °C als Fieber ist bewusst niedrig angesetzt, quasi bei erhöhter Temperatur schon mal einen orangen Strich als "Ausrufezeichen" zu machen.
Das ist das aktuelle Schema:
So sehen die Markierungen dann auf den Kühen aus, wobei ich hier für das Foto "gecheatet" habe und nochmal alle Striche nachgezogen, denn die verblassen recht schnell:
Benjamin
Als erstes Thema das tägliche Fiebermessen für die frisch abgekalbten Kühen in den ersten zehn Tagen nach der Kalbung ("freshcow management"). Die Körpertemperatur ist ein sehr geeignetes Frühwarnsignal bei der Gesundheitsüberwachung. Das Rind als evolutinär klassisches Beutetier lässt sich keinerlei Schwäche anmerken solange es nur kann. Und wenn die Kuh erstmal die Ohren hängen lässt ist es schon fast zu spät.
Daher wird bei den frischabgekalbten Kühen zehn Tage lang nach der Kalbung und ggf. auch länger täglich die Temperatur gemessen und die Entwicklung der Milchleistung verfolgt. Zudem hat es den Vorteil jede Kuh auch täglich zu sehen für die anderen Merkmale zur Gesundheitsüberwachung: Aufmerksamkeit, Pansenfüllung, Nachgeburtsabgang, Verschissen bei Durchfall usw.
"Hinten drauf" auf der Kuh werden mit Fettstift Markierungen aufgemalt. Damit sieht man auf einen Blick alle wichtigen Informationen über den Verlauf der letzten Tage, da muss man nicht erst im Computer oder im Handy nachschauen. Die klassische Vier-Farben-Methode ist doch recht bekannt und verbreitet, ich habe nach eigenen Erfahrungen und der von Bekannten einige Punkte daran optimiert (siehe auch Post vom 03.09.2016), der letzte Schritt war vor einem halben Jahr zur Einführung der Ketose-Messung, dazu folgen hier im Kuhblog aber noch mal extra Posts.
Das wichtigste sind die roten Striche für Schwergeburt, Nachgeburtsverhaltung oder Milchfieber, dass man den nicht reibungslosen Start gleich im Hinterkopf hat, z.B. um bei Fieber Ursachen wie Gebärmutterentzündung oder Geburtsverletzungen in Betracht zu ziehen. Die Grenze von 39,3 °C als Fieber ist bewusst niedrig angesetzt, quasi bei erhöhter Temperatur schon mal einen orangen Strich als "Ausrufezeichen" zu machen.
Das ist das aktuelle Schema:
So sehen die Markierungen dann auf den Kühen aus, wobei ich hier für das Foto "gecheatet" habe und nochmal alle Striche nachgezogen, denn die verblassen recht schnell:
Benjamin
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