Montag, 27. April 2026

Genetische Vielfalt

Die genetische Vielfalt finde ich in der Rinderzucht zu überthematisiert. Da wird oft der Eindruck erweckt, die Genetik wäre zu eng geworden und man müsste die Vielfalt erhöhen.
Zucht per se ist eine Verengung auf die gewünschte Genetik. Durch Anpaarung und Selektion sollen die für das Zuchtziel besseren Genvarianten in der Population vermehrt werden.
Es soll eine gesunde, langlebige und produktive Kuh gezüchtet werden. Es ist schließlich immer noch LandWIRTSCHAFT und es muss Geld verdient werden. Das ist bei meiner Betrachtungsweise der Milchviehhaltung als selbstfinanzierendes Hobby genauso.
 
Es gibt eine hypothetische perfekte Kuh, die an jedem einzelnen Genort sie beste Variante trägt. 
Dazu muss es an allen Genorten noch reinerbig sein, dass es durch die Rekombination nicht wieder schlechter wird.
 
Dann kommt noch die Inzucht(gefahr) hinzu, das ist schon fast eine archaische Angst. Zu diesem Thema siehe die Posts vom 23.04.2021 und 26.04.2021. Mit der Herdbuchzucht seit dutzenden Generationen und den Anpaarungsprogrammen kann man das sehr gut unter Kontrolle halten.
 
In zwei Fällen ist die genetische Vielfalt im Alltag trotzdem wichtig:
1. Risikostreuung gegen unerwartete Einflüsse wie Krankheiten (z B. BTV oder LSD). Dass im Extremfall nicht alle auf einmal dahingerafft werden.
2. Zum Wegzüchten von Erbfehlern, wie es z.B. beim Cholesterin Defizit Haplotyp gelungen ist.
 
Die genetische Vielfalt sehe ich als strategische Reserve dreifach gesichert:
1. Über die Genotypisierung ist bekannt, wo welche Gene in der Population vorhanden sind und dann bei Bedarf über Besamung,  ET usw.  verbreitet werden können.
2. Eingefrorenes Sperma von Bullen seit den 1950er Jahren.
3. Hunderte Rinderrassen weltweit, auf die man zur Einkreuzung zurückgreifen kann. 

Benjamin


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