Montag, 30. Oktober 2023

Lulu tragend!

Bei der Trächtigkeitsuntersuchung letzte Woche war meine Lulu positiv. Das ist jetzt ihre dritte Trächtigkeit.

Gekalbt hatte sie zum zweiten Mal am 17. April (siehe Post vom 18.04.2023).

Erstmals besamt wurde sie dann am 7. August mit 112 Melktagen. Ihr Tierindividueller Besamungsstart (TBS) lag da bei 33,5 kg Wochenmittel bei 104 Tagen. Also wurde die Brunst genutzt, weil sie eine doch recht flache Laktationskurve hat (vgl. Post vom 02.06.2023). 
Sie rinderte aber um und wurde am 10. September zum zweiten Mal besamt, dann aber erfolgreich. 

1. Besamung: 917594 El Toro
2. Besamung: 587537 Rambo PP
 
Damit wird das Kalb zumindest schon mal rotbunt und hornlos.
 
Ihre Fruchtbarkeitskennzahlen für die zweite Laktation (vgl. Post vom 27.05.2020): 

Freiwillige Wartezeit (FWZ) und unfreiwillige Wartezeit (uFWZ) kann man beim tierindividuellen Besamungsstart nicht berechnen:
Rastzeit (RZ): 112 Tage
Zwischenbesamungszeit (ZBZ): 34 Tage
Verzögerungszeit (VZ): auch 34 Tage, weil "nur" zwei Besamungen
Güstzeit (GZ) bzw. Zwischentragezeit (ZTZ): 146 Tage
vorraussichtliche Zwischenkalbezeit (vZKZ): 423 Tage
Besamungsindex (BI): 2,0

Am 12. Juni soll sie zum dritten Mal kalben.
Meiner Schätzung nach wird sie am 25. April trocken gestellt bei einer Tagesleistung von 18,0 kg. Mal sehen wie genau ich da bei einem halben Jahr im Vorraus liege,
 
Benjamin
 
 
1449

Freitag, 27. Oktober 2023

Milch-Luft-Wärmepumpe

Bei meinen Eltern hat jetzt die Heizsaison mit der Wärmepumpe (siehe Post vom 05.07.2022) begonnen, auch wenn die Photovoltaikanlage (siehe Post vom 12.08.2023) immer noch nicht angeschlossen ist. Nach der überbordenden Bürokratie wird die Energiewende auch durch den Personalmangel ausgebremst...
Wobei ich lieber mit der "Milch-Luft-Wärmepumpe heize", sprich der Milchkühlung.

Eine Wärmepumpe pumpt Energiemengen zwischen Medien, bei der Luft-Wasser-Wärmepumpe ist es von der Umgebungsluft in die Fußbodenheizung, beim Kühlschrank von der Luft im Innenraum in die Umgebungsluft und genauso bei der Milchkühlung von der Milch im Tank in die Umgebungsluft. 
Deshalb ist es im Kühlmaschinenraum auch immer so schön warm.
 
Bei größeren Milchmengen braucht es viel Energie um das Kühlaggregat anzutreiben. Pro Liter Milch zwar nicht mehr, aber absolut für den Hof. Mit der mehrstufigen Kühlung kann dieser Aufwand reduziert werden.

1. Stufe ist der Vorkühler mit Brunnenwasser. Es ist ein Plattenwärmetauscher; in die eine Richtung fließt die warme Milch vom Karussell kommend, in die anderen Richtung das Brunnenwasser. Das erwärmte Brunnenwasser kann z.B. für die Tränken verwendet werden, dass sie im Winter nicht einfrieren:






















2. Stufe ist die Eiswasserkühlung, diese spart keine Energie ein sondern entzerrt nur den Strombedarf. Da es sinnvoll ist den Anschlusswert für die ganze Anlange und auch den Spitzenbedarf an Strom im Tagesablauf zu senken läuft die Eiswanne zwischen den Melkzeiten. Wenn nach der Spülung keine Vakuumpumpen und Druckluftkompressor mehr laufen, läuft das Kühlaggregat und produziert Eiswasser, das bis zur Melkzeit gespeichert und dann zur Kühlung der Milch verwendet wird:























3. Stufe ist die klassische Kühlung im Milchtank mit einem Kühlaggregat. Damit werden dann die 6 °C erreicht die in der Milchgüteverordnung für tägliche Abholung vorgeschrieben sind. Das linke Kühlaggregat ist für die Eiswasserkühlung, das rechte für den Milchtank:

Benjamin
























1448

Mittwoch, 18. Oktober 2023

Glanrinder

Ein Programmpunkt beim Besuch in Würzweiler war die Fahrt über die "Ländereien".
Würzweiler liegt im Nordpfälzer Bergland, im Gegensatz zu Gundheim im Rheinhessischen Hügelland ist es dort kühler, es gibt etwas mehr Niederschlag und vor allem viel mehr Hangneigung. 
Vor fünf Jahren habe ich schon geschrieben, dass ich dort nicht wirtschaften möchte. Wenn die Feldwege mit der Steigung, den Kurven und durch den Wald mit Autos noch befahrbar scheint, würden da aber auch Lexion TerraTrac und 18,5 m-Güllefässer entlang fahren.
 
Wollte mir unbedingt die Mutterkuhherde des Nachbarn anschauen, weil mir mein Onkel nicht genau sagen konnte welche Rasse die sind.
























Es sind Glanrinder, die klassische Rinderrasse der Pfalz. Ein mittelrahmiges Dreinutzungsrind, das heute in der Mutterkuhhaltung genutzt wird.

























Benjamin

1447


Sonntag, 15. Oktober 2023

Würzweiler 2023

Gestern war ich mal wieder bei der Verwandtschaft in Würzweiler. Dort war ich das letzte Mal im Sommer 2018 zusammen mit meiner Schwester gewesen (siehe Posts vom 01.07.2018 und 02.07.2018). Jetzt mit meinem Bruder und seinen Kindern als Wochenendausflug am vermeintlich letzten warmen Tag des Jahres.

Etwas vorbereitet hatte ich mich schon um ein aktuelles Foto vom Appelbach aus dem gleichen Blickwinkel zu machen. Meine Tante hatte erzählt dass der Nachbar vom "östlichen Ufer" die Mauer renoviert und mit einem neuen Zaun versehen hatte; und da hat sie ihm das Foto aus dem Kuhblog gezeigt. Dass der frühere Zustand dokumentiert worden war.

Der Appelbach ist mittlerweile total zugewachsen und nur noch ein Rinnsal; vor fünf Jahren war damals der erste der Dürresommer gewesen. Letztes Jahr wäre er zeitweise sogar ganz trocken gefallen. Klimawandel so richtig sichtbar.
 
Das orange Kunststoffrohr gibt es noch, aber das sieht man gar nicht mehr von dieser Seite:



 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Fortsetzung folgt!
 
Benjamin

1446

Montag, 2. Oktober 2023

Kalb von Stinktier

Heute morgen hat Stinktier (siehe Post vom 04.08.2022) zum zweiten Mal gekalbt.

Es ist ein Bullenkalb von Ulmar PP, einem Speckle Park.  Das ist eine kanadische synthetische Rinderrasse aus Shorthorn und Angus. Wegen der Nutzung zur Kreuzung mit Holsteins und dem ähnlichen Alter für mich eine Art "kanadische Uckermärker".

Auf die Fellzeichnung war ich schon gespannt, weil SBT x PIN x Speckle Park. Der Pinzgauer scheint farblich verloren gegangen, einen Unterschied zu den anderen Kreuzungen sieht man nämlich nicht.


 













Nachtrag:

Ich habe im HERDE nachgeschaut für ein paar weitere Informationen zu Stinktiers erster Laktation.
Gekalbt hat sie zum ersten Mal am 01.08.2022, das sind somit 427 Tage Zwischenkalbezeit.

Die Leistungen in ihrer ersten Laktation:
100 Tage    2.280 kg    3,95 % Fett, 90 Fett-kg    3,46 % Eiweiß, 79 Eiweiß-kg    169 FEK
200 Tage    4.296 kg    4,19 % Fett, 180 Fett-kg  3,61 % Eiweiß, 155 Eiweiß-kg  335 FEK
305 Tage    6.166 kg    4,30 % Fett  265 Fett-kg  3,70 % Eiweiß, 228 Eiweiß-kg  493 FEK
332 Tage    6.625 kg    4,30 % Fett  285 Fett-kg  3,71 % Eiweiß, 246 Eiweiß-kg  531 FEK
(gesamt) 
 
Zumindest nach den Inhaltsstoffen ist es eine Dreiteilung auf die drei Laktationsabschnitte.
 
Beim LKV Bayern habe ich nachgeschaut welches Lesistungsniveau die Pinzgauer überhaupt haben. Bayern deshalb weil die als einziger Verband Pinzgauer erfassen. Reinrassige Pinzgauer liegen bei durchschnittlich um 5.200 kg Jahresleistung, Schwarzbunte in Bayern bei 9.500 kg. Beide bei ziemlich "normalen" Inhaltsstoffen. Das sind aber die Zahlen über alle Laktationen hinweg.
Da dürfte Stinktier im Mittelfeld von Kreuzungen in der ersten Laktation liegen.
 
Der Heterosiseffekt bei Kreuzungen ist ja eher bei den Fitnessmerkmalen, aber da hatte sie einmal ein Rusterholzsches Sohlengeschwür und eine Gelbkörperzyste mit der sie dann eine Woche dauerbrünstig war.
 
Besamt wurde sie dreimal:
1. am 06.10. mit Rum, einem Bullen der Rasse Pustertaler Schecken (vgl. Post vom 15.09.2019), dass auf so eine besondere Kuh auch ein besonderer Bulle kommt.
Wegen dem tierindividuellen Besamungsstart (TBS) wurde die Brunst gleich genutzt: 0,557 x 66 Tage + 5,7 x 22 kg - 101 = 61 Tage freiwillige Wartezeit. Davon wurde sie aber nicht tragend...
2. am 18.11. mit Sportsman, einem rotbunten Holstein
3. erfolgreich am 16.12. mit Ulmar PP.
  
Benjamin
 
 
1445

Freitag, 22. September 2023

Milchdichte

Mal nicht über Kuhblog-Statistik sondern Kuh-Statistik. Mit Milchdichte meine ich nicht die physikalische Dichte von Milch (ca. 1,03 g/cm³) sondern Milchproduktion auf die jeweilige Landfläche bezogen.

Letztens habe ich einen Podcast von TopAgrar gehört und da wurde gesagt Wisconsin wäre der milchreichste Bundesstaat der USA. Schlechter Journalismus, weil das stimmt gar nicht. Das war vielleicht mal vor langer Zeit so, aber ich kenne nur Kalifornien als Bundesstaat mit der höchsten Milchproduktion. Aber das verbindet man mehr mit Hollywood und Silicon Valley und wenn Landwirtschaft mit Obst- und Weinbau. Dabei hat Kalifornien eine Milchproduktion vergleichbar mit Neuseeland. An dritter Stelle kommt Idaho, vor neun Jahren als ich dort auf Exkursion war überraschte das auch, weil man Idaho mit Kartoffelanbau verbindet. Da steht sogar "famous potatoes" auf den Kennzeichen. Und Wisconsin als "dairy state" und der jährlichen World Dairy Expo, da gibt es halt wirklich nichts anderes als Milchvieh. Auch wenn dieser Eindruck verzerrt ist.

Es gibt so schöne Übersichtsgrafiken, die alle paar Jahre von Progressive Dairy, quasi der amerikanischen Elite, veröffentlicht werden (-> Link). Mit der Fülle an Informationen kann ich mich stundenlang beschäftigen. Daraus die Daten für den Vergleich zu Deutschland. Die Kühe pro Einwohner habe ich reziprok in Einwohner pro Kuh umgerechnet. Alles auf die gesamte Landfläche bezogen, der Anteil der Landwirtschaftlichen Nutzfläche unterscheidet sich gar nicht so viel: In Deutschland 46 %, in den USA 43 %.

1. Kalifornien, 1.722.000 Kühe; 18,97 Mio. kg Milch; 39.538.000 Einwohner; 423.970 km²
    44.744 kg Milch/km²; 4,06 Kühe/km²; 480 kg Milch/Einwohner; 23,0 Einwohner/Kuh

2. Wisconsin, 1.272.000 Kühe; 14,47 Mio. t Milch; 5.894.000 Einwohner; 169.639 km²
    85.299 kg Milch/km²; 7,5 Kühe/km²; 2.455 kg Milch/Einwohner; 4,63 Einwohner/Kuh

3. Idaho, 656.000 Kühe; 7,55 Mio. t Milch; 1.839.000 Einwohner; 216.466 km²
    34.878 kg Milch/km²; 3,03 Kühe/km²; 4.105 kg Milch/Einwohner; 2,8 Einwohner/Kuh

4. Texas, 646.000 Kühe, 7,5 Mio. t Milch; 29.146.000 Einwohner; 695.621 km²
    10.782 kg Milch/km²; 0,93 Kühe/km²; 257 kg Milch/Einwohner; 45,12 Einwohner/Kuh

5. New York, 624.000 Kühe; 7,11 Mio. t Milch; 20.216.000 Einwohner; 149.299 km²
    47.623 kg Milch/km²; 4,18 Kühe/km²; 352 kg Milch/Einwohner; 32,4 Einwohner/Kuh

USA gesamt: 9.402.000 Kühe; 102,81 Mio. t Milch; 333.288.000 Einwohner; 9.525.067 km²
    10.794 kg Milch/km²; 0,99 Kühe/km²; 308 kg Milch/Einwohner; 35,4 Einwohner/Kuh

Zum Vergleich Deutschland:

1. Bayern, 1.071.000 Kühe; 8,11 Mio. t Milch; 13.369.000 Einwohner; 70.542 km²
   114.967 kg/km²; 15,18 Kühe/km²; 607 kg Milch/Einwohner; 12,5 Einwohner/Kuh

2. Niedersachsen, 799.000 Kühe; 7,21 Mio. t Milch; 8.140.000 Einwohner; 47.710 km²
   151.121 kg Milch/km²; 16,75 Kühe/km²; 886 kg Milch/Einwohner; 10,19 Einwohner/Kuh

3. Nordrhein-Westfalen, 379.000 Kühe; 3,61 Mio. t Milch; 18.139.000 Einwohner; 34.110 km²
   105.834 kg Milch/km²; 11,11 Kühe/km²; 199 kg Milch/Einwohner; 47,86 Einwohner/Kuh

4. Schleswig-Holstein, 351.000 Kühe; 3,08 Mio. t Milch; 2.953.000 Einwohner; 15.800 km²
   194.937 kg Milch/km²; 22,22 Kühe/km²; 1.043 kg Milch/Einwohner; 8,41 Einwohner/Kuh

Die NBL zusammen, 630.000 Kühe; 6,25 Mio. t Milch; 16.653.000 Einwohner; 105.861 km²
    59.040 kg/km²; 5,95 Kühe/km²; 375 kg Milch/Einwohner; 26,43 Einwohner/Kuh

Deutschland gesamt, 3.755.000 Kühe; 32,53 Mio. t Milch; 84.359.000 Einwohner; 357.588 km²
    90.971 kg Milch/km²; 10,5 Kühe/km²; 386 kg Milch/Einwohner; 22,47 Einwohner/Kuh

Auf die Fläche bezogen rangiert da Wisconsin auf dem Niveau von Deutschland gesamt.
Die Unterschiede sind in der Ausrichtung der Landwirtschaft bedingt: In den USA kommen auf 406 Mio. Hektar 93 Mio Rinder, davon sind 10 % Milchkühe, in Deutschland auf knapp 17 Mio Hektar 11 Mio. Rinder, davon sind 35 % Milchkühe. In den USA macht die Milch 10 % der landwirtschaftlichen Produktion aus, in Deutschland um die 25 %.

Benjamin

1444

Donnerstag, 14. September 2023

Mythos Eiweißlücke - Teil 2

Zum Eiweißertrag pro Hektar habe ich mit Ertragsdaten vom Statistischen Bundesamt und dem BMEL sowie den Eiweißgehalten aus der Gruber Tabelle der LfL berechnet:
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Da liegt Soja auch unter deutschen Bedingungen bei den Druschfrüchten ganz vorne.
Wovon ich keine Ertragsdaten habe sind Ackerfutter (Ackergräser, Klee, Luzerne); da könnten dann schon 1.500 - 2.00 kg Protein/ha stehen.

Woher die typische Brandenburger Milchkuh (melkend) ihr Eiweiß bekommt. Von importiertem Soja und Raps kommt man so auf 20 % der Gesamtmenge. Bei Trockenstehern und Jungvieh kommt fast alles aus dem Grundfutter:
 


 


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Benjamin

1443

Samstag, 9. September 2023

Mythos Eiweißlücke - Teil 1

Letztens hatte ich eine Diskussion über den Eiweißertrag, dass Protigrain einen höheren Eiweißertrag pro ha hätte als Soja. Dem habe ich zugestimmt; obwohl es gar nicht stimmt, wie ich später nachgerechnet habe. Weil ich den Durchschnittsertrag von Weizen überschätzt und von Soja unterschätzt hatte.

Protigrain bleibt bei der Produktion von Bioethanol aus Getreide - Weizen, Gerste, Roggen, Mais - übrig. Die Stärke wird von der Hefe in Ethanol und CO2 umgewandelt, übrig bleiben Faser und Eiweiß. Das Eiweiß wurde von den Hefen zwar größtenteils umgebaut, aber neues können sie keines produzieren. 
Also was auf einem Hektar Weizen, dem am meisten dafür verwendeten Getreide, an Eiweiß wächst findet sich dann im Protigrain wieder:
 
75 dt/ha (Durchschnittsertrag Weizen) x 12,1 % Eiweiß = 908 kg/ha Eiweiß

zum Vergleich Sojabohnen:

25 dt/ha (Durchschnittsertrag Soja) x 37,4 % Eiweiß = 935 kg/ha Eiweiß

Es ging dann weiter zur Eiweißlücke, einem grünen Märchen, dass die Nutztiere in Deutschland ausschließlich Sojaschrot fressen, der aus Brasilien importiert und dafür Regenwald abgeholzt wird. Dass das nicht stimmen kann merkte man ja letztes Jahr, als die Tiere nur noch Brotweizen gefressen haben sollen...
Es gibt diese Eiweißlücke schon ein Stück weit, wobei man sich schon fragen muss warum Exporte und Importe im Agrarbereich schlimm sein sollen, bei Erdöl, Erdgas und Autos aber nicht.
 
Im Studium haben wir das mal ausgerechnet, die Zahlen sind zwar mittlerweile 15 Jahre alt, an die Zahlen kann ich mich nur noch halbwegs erinnern, aber so viel hat sich auch nicht daran geändert.
Mit Abstand wichtigstes Eiweißfutter ist Gras, dann Maissilage, große Mengen kommen auch aus dem Getreide, weitere Nebenprodukte (Protigrain, Biertreber, Rübenschnitzel), alles bei dem die Kohlenhydrate genutzt werden und Eiweiß übrig bleibt.
Importiertes Eiweiß ist zum Schluss dann so 20 %.

Recht einfach sind die Grundfuttermittel:

28 Mio. Trockenmasse Gras x 14 % Eiweiß = 2,9 Mio. t Eiweiß
 
19 Mio. Trockenmasse Maissilage x 8,2 % Eiweiß = 1,5 Mio. t Eiweiß

dagegen mit den Zahlen vom OVID die klassischen Eiweißfuttermittel:
 
Sojachrot 3,2 Mio. t, sowohl Import von Sojabohnen als auch Sojaschrot; wobei 2/3 des in Deutschland gepressten Sojaschrots wieder exportiert wird. 40 % der Gesamtmenge stammt aus Brasilien.
 
3,2 Mio t Sojaschrot x 44 % Eiweiß = 1,4 Mio. t Eiweiß
 
Rapsschrot 4,1 Mio. t; etwas über die Hälfte des in Deutschland verarbeiteten Raps wird importiert, bilanziell ein Drittel des Rapsschrots exportiert.
 
4,1 Mio. t Rapsschrot x 34,4 % Eiweiß = 1,4 Mio. t Eiweiß; davon bilanziell 0,6 Mio. t Import.
 
Zu Getreide und Nebenproduktn habe ich jetzt keine Zahlen, schätze ich mal auf 3 Mio. t, bilanziell kein Import.
 
Fleisch und Milch werden dann zu einem Teil exportiert und das ist dann die Veredlung.
 
Fortsetzung folgt!
 
Benjamin
 
1442

Mittwoch, 6. September 2023

Neumühle 1/2023

Am vergangenen Sonntag war ich mal wieder auf meinem Stammbetrieb LVAV Hofgut Neumühle.
Als nächstes steht dort die Maisernte an, normalerweise ist das meist Mitte September. Ob dieses Jahr die Maissilage bis zum Durchsilieren der neuen Ernte reicht kann ich nicht einschätzen. Es kam schon vor dass das nicht der Fall war und bei manchen Betrieben in Rheinland-Pfalz ist das prinzipiell so. 
 
Frühstück einer der Versuchsgruppen an den frisch gefüllten Wiegetrögen. Die werden morgens ausgekippt und dann frisch gefüttert. Dafür muss es auch immer ein Futtermischwagen mit Förderband sein. Ein Rückwiegen des Restfutters erübrigt sich mit den Wiegetrögen, da erfolgt es kuhindividuell:
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Eine Neuerung ist die LED-Beleuchtung im Stall. Vorher waren es die orangen Natriumdampflampen, gut zu erkennen auf dem 2. Foto im Post vom 29.12.2013. Die Energieeinsparung ist trotzdem sinnvoll, auch wenn auf dem Dach die Photovoltaikanlage mit geschätzten 500 kW Leistung ist. Auch vorher war es damit schon ein Plus-Energie-Stall:
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Eine weitere Neuerung ist das zweite Milchtaxi. Bisher war es ein Holm&Laue Milchtaxi 4.0 mit 80 l, jetzt ist ein Urban MilkShuttle 100 l hinzugekommen. Steht die Milchkammer gut voll und Betriebe mit zweien kenne ich nicht viele.
 
Benjamin
 
1441

Dienstag, 29. August 2023

Mal Feldtag

Heute war ich auf einem Feldtag bzw. Feldabend der Raiffeisen. Entsprechend der Jahreszeit ging es um Bodenbearbeitung auf einem Stoppelacker.

Die Traktoren waren ausschließlich Valtras; Serien G, N, T und Q; A war keiner dabei. Dazu Anbaugeräte von Lemken, Güttler und Alpego sowie Anhänger von Reisch und Rudolph.

Auf dem Acker beim Stoppesturz, von links:
- Valtra T235 mit Güttler Super Maxx 50-7 BIO, einem 7-balkigem Federzinkengrubber
- Valtra T215 Direct mit einem fünffurchigem Lemken Jewel 8 M V U, einem Volldrehpflug und alles hydraulisch: Arbeitsbreitenverstellung (Variopflug), Steinsicherung, Einstellung von Seitenneigung und Vorderfurchenbreite. Das ist eigentlich Vollausstattung und braucht bestimmt 250 ha pro Jahr Auslastung.
- Valtra Q305 mit einem Alpego Skat S2 7-300 Tiefenlockerer, 3 m breit und bis zu 65 cm tief, wobei dafür die 220 kW nicht ausreichen.
- Valtra T195 mit Lemken Karat 10/300, einem Grubber schlechthin. 3-balkig, 3 m Arbeitsbreite und Flügelschare.
- Valtra Q305 mit einer Lemken Rubin 10/600 KUA, einer aufgesattelten 6m-Kurzscheibenegge. Ist das Nachfolgemodell der Boberower Kurzscheibenegge (vgl. Post vom 21.04.2018):

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nochmal Grubber und Kurzscheibenegge. Auf dem Foto sieht man nicht wie die Reifen mit Erde geworfen haben, denn der Schlupf war etwas zu hoch nachdem es mittags noch mal geregnet hatte. Nicht optimale Bedingungen für die Stoppelbearbeitung:



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nur vorgestellt aber nicht vorgeführt wurde das Sägespann. Eine 3 m mechanische Drillmaschine. Als Traktor ein Valtra N155, mit einem Güttler Avant 30-45 als Frontpacker, Kreiselegge Lemken Zirkon 8/300 mit Trapezpackerwalze und der Lemken Saphir 9. Da habe ich das Foto gemacht, weil wir im Studium im Fach Praktische Landtechnik sas Vorgängermodell Saphir 7 als Anschauungsobjekt hatten. Damals bot Lemken als einziger Hersteller parallelogrammgeführte Doppelscheibenschare bei einer mechanische Drillmaschine an. Das ist eine Ausführung mit 15 cm Reihenabstand, ohne Nachzumessen daran zu erkennen, dass unten am Säkasten 4 Schieber fehlen. Also nur 20 Ausgänge gegenüber den 24 bei 12,5 cm Reihenabstand:



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Einen Valtra der A-Serie habe ich vermisst, weil das der Nachfolger vom Futter-Trecker ist. Der kleinste ausgestellte Traktor war ein Valtra G125, auch der einzige ohne schwarze Felgen. Mit Frontlader G4L und einer Güttler Mayor 640, die Prismenwalze in der Anhängeversion:

Benjamin 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1440

Sonntag, 20. August 2023

1250 Jahre Hawei - Teil 2

Noch ein paar Fotos von letztem Sonntag aus Hangen-Weisheim, die mein Bruder aufgenommen hat. Wieder kein Kuhbezug, aber für mich als Agraringenieur aus technischer Sicht interessant und agrarhistorisch bezüglich der Entwicklung im Südwesten die ich von Mitte der 1990er bis Mitte der 2010er direkt mitbekommen habe.
Ich beziehe mit zu einem Teil auf die Erzählungen meines Großvaters.

Erstmal noch ein Blick von der Maus auf einen Teil der ausgestellten Maschinen - ca. der Hälfte. Im Vordergrund der charakteristische Gegengewichtsarm der Maus:
























Mähbinder mit dem die Garben für das Handdreschen gemäht wurden. Die Mähbinder mit Zapfwellenantrieb waren die letzte Entwicklungsstufe der Mähbinder und nur eine kurze Zeit lang Ende der 1940er und in den 1950er Jahren im Gebrauch. Vor dem 2. Weltkrieg gab es nicht viele Traktoren und wahrscheinlich noch weniger mit Zapfwelle. Mit der Währungsreform 1948 kam erst die Wirtschaft wieder in Schwung und es gab mehr Traktoren. Dann kamen auch langsam schon die Mähdrescher auf. Weder vom Traktor noch dem Mähbinder weiß ich den genauen Typ, der Traktor müsste ein Deutz 2-Zylinder sein wie ihn auch mein Großvater damals hatte (24 PS, Bj 1957).
























Dann als nächster Entwicklungsschritt die Mähdrescher. Ein Lanz von Mitte der 1950er, Selbstfahrer mit Absackstand. An Mähdrescher mit Absackstand kann ich mich nicht erinnern, die waren zu meiner Zeit bereits ausgestorben. Die ältesten waren von Anfang der 1970er Jahre. Gezogene Mähdrescher gab es noch viele bis Anfang der 2000er. Vor allem die (Deutz-)Fahr M66TS warn in den kleinen Strukturen weit verbreitet. Und in meiner Straße gab es einen Betrieb der mit zwei Claas Garant mähte, im Komplex gezogen von Deutz-Fahr D 5207 und AgroPrima 4.51. Die wurden 2002 rum durch einen Claas Dominator 48 ersetzt:













Heute üblich sind mittelgroße Mähdrescher wie dieser New Holland CR960 aus den 2000ern. Der wurde aber gebraucht aus einer anderen Gegend gekauft. In den letzten 10 Jahren hat da ein deutliches Größenwachstum auch über 200 kW und 6 m Arbeitsbreite hinaus stattgefunden, sehr oft über Gebrauchtmaschinen aus größer strukurierten Gebieten:

Benjamin















1439

Donnerstag, 17. August 2023

1250 Jahre Hawei

Hawei ist die umgangssprachliche Kurzform von Hangen-Weisheim, drei Dörfer weiter gelegen von meinem alten Heimatdorf.

Die Dörfer in Rheinhessen sind deutlich früher erstmals erwähnt worden als die in der Prignitz im 12. und 13. Jahrhundert (siehe auch Post vom 11.05.2016). Dort war es meistens in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts, als die Dörfer in Schenkungsurkunden an das südhessische Kloster Lorsch genannt wurden. 
So auch Hangen-Weisheim im Jahre 773. 
 
Am letzten Wochende gab es ein großes Jubiläumsfest. Neben dem üblichen Bierzelt und Imbiss auch Kunsthandwerkermarkt und ein Bauernfest rund um die landwirtschaftliche Tradition. Der in Rheinhessen übliche Schwerpunkt des Weinbaus nicht, da ist es im August noch zu früh. Und die Viehhaltung auch nicht, die ist in den 1970ern aufgegeben worden und vor der flächendeckenden Einführung von Melkmaschinen sind da nur Mistgabeln übergeblieben die in der Weiterverwendung aufgebraucht wurden. Also keinerlei Kuhbezug.

Dafür Landmaschinen in großen Mengen: Oldtimer ab 1950, fast alles was noch fahren konnte, Youngtimer und moderne Maschinen, dazu von den Lohnunternehmern und dem Landtechnikhandel.

Von einem Lohnunternehmer ein John Deere S680i mit 9 m-Zürn-PowerFlow-Schneidwerk und als Besonderheit ein angebauter Zwischenfruchtstreuer mit Verteilgestänge, wo direkt nach der Mahd das Saatgut ausgebracht und dann mit dem Stoppelsturz eingearbeitet wird. Eine interessante Lösung, weil in der Gegend Zwischenfrüchte eigentlich erst mit den Greeningvorschriften aufkamen und die klassische Streutechnik nicht vorhanden ist:



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nur ein Teil der ausgestellten Maschinen, in der mittleren Reihe die Youngtimer, darunter in Rheinhessen natürlich die Dexheimer. In der vorderen Reihe Neumaschinen von der Raffeisen und da musste natürlich auch ein Fendt Ideal 7 (Singlerotor) dabei sein, der sonst als Vorführer läuft:



 

 

 

 

 

 

 

 

 


Rheinhessen gilt als Land der Reben und Rüben. Und wenn schon kein Weinbau vertreten war dann der Zuckerrübenanbau. Rechts ein Ropa Tiger 6 eines Lohnunternehmers, was eher unüblich ist weil die meisten Rübenvollernter in Rodegemeinschaften laufen. Die Kombination 3-Achser mit sechsreihigem Rodeaggregat ist dagegen üblich. In der kleinstrukturierten Landschaft kann die Schlagkraft von Neunreihern nicht ausgeschöpft werden und sind zudem im Transport zu unhandlich. Den 3-Achser mit 45 m³-Bunker braucht es dann um bei allen Feldern ohne Abfahrer einmal hoch und runter zu kommen.
Links eine fabrikneue Ropa Maus 6, die hatte ich noch nicht mal auf der Messe gesehen. Die kommt dann im September in der Abfuhrgemeinschaft zu ihrem Ersteinsatz:
 

 



 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Vorführung im Handdreschen mit Dreschflegeln. Die Garben wirken recht kompakt, weil bei modernen und eingekürzten Weizensorten die Halme sehr kurz und stabil sind. Anschließend wurde nicht geworfelt sondern mit einer Windfege gereinigt, die rechts im Bild zu erkennen ist. Davon habe ich kein Foto gemacht wegen Kinderarbeit und von der Arbeitssicherheit her:

Benjamin 


 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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