Montag, 31. Juli 2023

Entwicklung - Kälberaufzucht

In der Kälberaufzucht hat sich die letzten zehn Jahre auch einiges getan.
 
- Kälber-Trocken-TMR. Die begleitet mich seit 15 Jahren schon in meiner ganzen Rinder-Laufbahn. In den letzten zehn Jahren hat sie sich doch schon recht weit verbreitet, von komplett selbst gemischt bis im Bigbag als Handelsware.
 
- Ad-libitum-Tränke und intensive Tränke. Vor zehn Jahren war da Dr. Kunz aus Futterkamp ein Vorkämpfer, damals noch empfohlen vier Wochen ad libitum und dann sechs Wochen eine etwas höhere Kurve als üblich. Über die Jahre wurde die Dauer der hohen Tränkemengen und auch die Gesamttränkedauer immer länger. Aktuell geht es bis vier Monate.
 
- Das Verbot von Kaliumhydroxid zum Kälberenthornen, das viel schonender war als das Sedieren und Ausbrennen. 

- Das Lex-Otte-Kinast, dass seit diesem Jahr die Bullenkälber erst mit vier Wochen verkauft werden dürfen. Ein riesiger Aufwand und Millionenverluste für die deutsche Milchviehhaltung, mit negativen Auswirkungen auf die Tiergesundheit. 
 
- Pärchenhaltung von Kälber in den ersten Lebenswochen. Was vor zehn Jahren noch undenkbar war, weil sich zwei Kälber in einem Iglu immer wieder gegenseitig mit Durchfall anstecken funktioniert inzwischen bei vielen Betrieben gut, wahrscheinlich auch weil mit moderen Tränkesystemen die Kälber bei intensiver Fütterung mehr Energie und damit ein stärkeres Immunsystem haben. Probleme sind da eher die spätere Neigung zum gegenseitigen Besaugen und dass in ein übliches Einzeliglu halt keine zwei Kälber passen nach Quadratmeter-Vorgaben.
 
Nachtrag: Das ist unser Otte-Kinast-Gedächtnisstall für die Bullenkälber in der 3. und 4. Lebenswoche: 



 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- Die muttergebunde Kälberaufzucht, was mehr ein Medienhype ist. Ich kenne keinen einzigen Milchviehbetrieb der das macht. Und was man so hört wäre eigentlich nur eine Ammenkuhhaltung mit altmelkeden Kühen praktikabel.

Benjamin

1435

Donnerstag, 27. Juli 2023

Entwicklung - Trockenstellen

Ein Bereich bei dem ich mehr meine eigene Entwicklung in den letzten zehn Jahren wahrgenommen habe als die allgemeine ist das Trockenstellen.
Prinzipiell hat sich da nicht viel verändert.
Anfang der 2010er gab es einen Trend zu verkürzten Trockenstehzeiten bis runter auf 4 Wochen, das ist inzwischen auch wieder rum.
Medikamente kann ich mich nur an einen neuen Zitzenversiegler erinnern und ansonsten häufige Lieferschwierigkeiten, auch schon vor Corona und den ganzen Lieferkettenproblemen.

Das beherrschende Thema war und ist das selektive Trockenstellen. Wie es aber als in der Presse als immer noch neues Thema behandelt wird scheint es sich doch noch nicht so weit verbreitet zu haben.

Vom Studium und meinem Stammbetrieb Hofgut Neumühle kannte ich das antibiotische Trockenstellen mit Zitzernversiegler, wie ich es dann auch in Boberow antraf.

2015 wurde für das Zertifizierungsprogramm Arlagarden von Arla das selektive Trockenstellen vorgeschrieben. Da hatte ich schon arge Bedenken, denn bei Allem was man so las war eine top Eutergesundheit die Vorraussetzung. Wir waren damals um die 300.000 Zellzahl. Ich sagte trotzig dass wenn es schief geht ich es mit Verweis auf den Tierschutz beenden werde. Das war rückblickend recht naiv mit der Annahme das Schiefgehen rechtzeitig zu bemerken. Ich hätte auch Arla beim Veterinäramt angeschwärzt, bei immer so schlechten Milchauszahlungspreisen hält sich die Loyalität halt sehr in Grenzen. 
Aber es ging nicht schief. Auch in einer Herde mit schlechter Eutergesundheit sind immer
eutergesunde Kühe, die fürs selektive Trockenstellen in Frage kommen.

So zwei Jahre lang habe ich als bei den Kühen die nach der Zellzahl für das Selektive Trockenstelln in Frage kamen Schalmtest gemacht und von den positiven Vierteln BU-Proben genommen und ins Mastitislabor ders LKV geschickt. Da es da aber nur äußerst selten ein Erregernachweis gab habe ich es aufgegeben und nur noch den Schalmtest gemacht und danach entschieden.
Der letzte Schritt in der Vorgehensweise für das Trockenstellen war die Einführung der Zellzahldifferenzierung, dass man noch einen weiteren Parameter zur Eutergesundheit hat und Kühe die unter B fallen trotzdem antibiotisch trockengstellt werden.

Allgemein hat mich in den letzten Jahren unser Tierarzt dazu gebracht den antibiotischen Trockensteller nicht als Mittel gegen Neuinfektionen in der Trockenperiode zu sehen (das macht der Zitzenversiegler). Er ist vielmehr eine Möglichkeit subklinische und chroniseh Euterentzündungen so zu behandeln wie es während der Laktation wegen den Sperrfristen nicht möglich ist.

Die Trockenstehdauer hatte ich mal auf 5,5 - 7,5 Wochen bei Mehrkalbskühen und 7 bis 9 Wochen bei Jungkühen abgesenkt, um nicht zu viel Milch durch langes Trockenstehen zu verschenken... Aber als ich mal dann mit den Daten aus 6 Jahren ausgewertet habe dass von der Leistung in der Folgelaktation her 8 bis 9 Wochen Trockenstehdauer das Optimum sind wurde es wieder verlängert.

Zukunftsthema ist das viertelindividuelle Trockenstellen. Auf der Neumühle wird das meines Wissens nach gemacht und es läuft auf Bundesebene auch ein Forschungsprojekt dazu.

Benjamin

1434

Freitag, 21. Juli 2023

Entwicklung - Zucht

Wenn ich über die Entwicklung des Fruchtbarkeitsmanagements schreibe liegt natürlich auch die Entwicklung in der Zucht nahe. Damit ist nicht der Zuchtfortschritt gemeint. In der Zucht hat sich gefühlt am meisten entwickelt, auch weil die Zucht und das Besamungswesen recht zentral organisiert sind setzen sich Neuerungen sehr schnell durch.

Wie ich vor zehn Jahren angefangen habe war die genomische Zuchtwertschätzung und die genomischen Jungbullen im Besamungseinsatz seit drei Jahren eingeführt und hatten sich durchgesetzt. Aus dem Studium hatte ich als Ziele in der Zucht mitgenommen, dass mittelfristig auch die Kühe typisiert werden und man eine Kuhlernstichprobe einführen muss für die genomischen Zuchtwertschätzung weil die Anzahl genetisch halbwegs aktueller Bullen mit Töchterzuchtwerten zu gering werden wird.

Zwar kann ich mich gar nicht erinnern, aber im August 2013 muss die Zuchtwertschätzung gewesen sein bei der die allerersten genomischen Bullen ihre ersten Töchterzuchtwerte bekommen haben. 

Für die Kuhlernstichprobe wurde im Projekt Kuh-L die Machbarkeit demonstriert, bei dem auch Pröttliner Kühe dabei waren. Die Kuhlernstichprobe wurde dann glaube ich 2018 als Basis der Genotypisierung eingeführt.

Seit Herbst 2016 gabs das Projekt KuhVision bei dem im größeren Stil Kühe genotypisiert wurden und die Strukturen für eine umfangreichere Datenerhebung geschaffen wurden, die es bei den Testherden von RinderAllianz und RBB ja schon gab. Nach Abschluss von KuhVision wird es von den Zuchtorganisationen als HerdScan im normalen Leistungsangebot fortgeführt.

Neue Zuchtwerte gab es über die Jahre viele:
Zuerst töchtergeprüfte anhand der Daten aus den Testherden: KalbungPlus zum Kalbeverlauf, KlauePlus für Klauengesundheit und MastitisPlus für Eutergesundheit.
Den Zuchtwert für Dermatitis Digitalis (Mortellaro).
Als großer Meilenstein die genomischen Gesundheitszuchterte.
Später zusätzlich den Zuchtwert für Kälberfitness.
Den ökonomischen Zuchtwert RZ€.
Die Überarbeitung des Gesamtzuchtwerts RZG.
Und als letzte Neuerung den Persistenzzuchtwert im April.
Die nächsten Zuchtwerte für Eignung zur ökologischen Milchproduktion (im August 2023) und für Futtereffizienz (2024) stehen in den Startlöchern. 
 
Der Anteil an hornlosen Bullen und folglich dann auch hornlosen Kälbern und Kühen hat stetig zugenommen. Vor zehn Jahren gab es einige heterozygote (Pp) Bullen, die aber von den Zuchtwerten nicht mithalten konnten, aber im Laufe der Zeit aufgeschlossen haben. Dann gab es die ersten homozygoten (PP) Bullen, die auch wieder einen Rückstand hatten. Über die Jahre ist der Anteil und das genetische Niveau der hornlosen Bullen immer weiter angestiegen. Von den Zuchtwerten ist mittlerweile kein Unterschied mehr zu den gehörnten Bullen. Die homozgoten werden inzwischen deutlich häufiger eingesetzt, weil sie zu 100 % hornlose Kälber machen. Der Anteil der Besamungen mit honlosen Bullen dürfte bei an die 40 % liegen (Rotbunt deutlich mehr).

Mastanpaarungen mit Fleischrinder haben zugenommen, ist aber genuso wie gesextes Sperma im einstelligen Prozent-Bereich geblieben.
A2A2 als Kasein-Haplotyp ist eine Nische geblieben.
Dominant Rotbunt (VRC) war nur eine Episode.
 
Benjamin

1433

Montag, 17. Juli 2023

Entwicklung - Fruchtbarkeit

Wie sich in den letzten zehn Jahren die Arbeit und das Management rund um die Fruchtbarkeit entwickelt haben. Die Fruchtbarkeit hat sich nicht groß verändert, die Kennzahlen sind trotz der rund 1.000 kg Leistungsanstieg über die Jahre recht konstant geblieben. Die Annahme das Fruchtbarkeit und Leistung gegenläufig sind wurde widerlegt. Eigentlich ist es logisch, weil auch auf Fruchtbarkeit gezüchtet wird und die gute Fruchtbarkeit sich quasi delbst selektiert und sich in der Population stärker durchsetzt.
 
Bei der Fruchtbarkeit fallen mit zwei Entwicklungen ein: Die verlängerte Laktation und der verringerte Hormoneinsatz.
 
Von der verlängerten Laktation habe ich 2016 erstmals gehört und seitdem damit rumexperimentiert und auch die Wartezeiten ein gutes Stück ausgedehnt.
2013 habe ich mit sportlichen 40 Tagen freiwilliger Wartezeit angefangen, wenn auch ich damals schon besonders "leistungsstarke" Kühe mal einen Zyklus laufen ließ. Heute sind leistungsschwache Kühe die Ausnahme, die schon vor 80 Laktationstagen erstmals besamt werden.
Das Gleiche mit den Sterilitätsuntersuchungen, da waren 65 Tage in Milch und noch nicht besamt das Kriterium. Weil es eh fast immer mehr Kühe für die Zuchthygiene waren als an die 38 nutzbaren Fressgitterplätze passen war selten eine unter 75 Tagen dabei.
Jetzt sind Sterilitäten "richtige" Fruchtbarkeitsprobleme, weil bis 100 - 120 Tage in Milch die allermeisten schon mehrere Brunsten hatten oder besamt wurden.
In der Milchviehbranche würde ich die verlängerte Laktation nicht als breit etablert bezeichnen, aber sie ist bekannt und viele wenden sie an. Oder haben ihre pauschale Wartezeit ein Stück verlängert. Die Einstellung "Jedes Jahr ein Kalb" und die Kühe möglichst schnell wieder tragend zu bekommen hört man kaum noch.

Mit der verlängerten Laktation hängt auch zum Teil der verringerte Hormoneinsatz zusammen. Wie viele Kühe als angespritzt wurden, Behandungen von Anöstrien, das Programm mit den Spiralen alle zwei Wochen nach der Steri... Wobei ich nie mit den strikten OvSynchs zu tun  hattte, da gabs ja einige Betriebe die die gesamte Fruchtbarkeit nach amerikanischem Modell komplett mit der Spritze gemacht haben.
Ein Aha-Erlebnis war Ende 2017 auf dem Herdenmanagerlehrgang, dass man die Spiralen doch gar nicht bräuchte wenn man die Grundlagen der Fruchtbarkeitsprobleme angehe. Und die haben sich mit dem längeren Warten fast komplett aufgelöst.
Und letztes Jahr sagte der Besamungstechniker, wir wären die Letzten in der Gegend die Kühe überhaupt anspritzen würden.
 
Noch was Internes: Heute Abend gibt es den 350.000. Kuhblog-Leser.
 
Benjamin

1432

Donnerstag, 13. Juli 2023

Entwicklung - Fütterung

Zur Entwicklung der Fütterung allgemein in den letzten zehn Jahren fallen mir vier Punkte ein: Kompakt-TMR, Shredlage, GVO-freie Fütterung und Rohfaser.

Kompakt-TMR. Das war 2014 rum ein Trend aus Dänemark. Zunächst war ich da skeptisch, weil mehr Wasser in der Mischung die Nacherwärmung fördern würde. Heute sehe ich das Problem durch instabilen Silagen und mangelnde Futterhygiene bedingt.
Bei der Kompakt-TMR ist es das Ziel das eigentliche Konzept der TMR mit jedem Bissen eine ausgewogene Ration zu fressen durch die Verminderung der Futtetselektion zu erreichen. Einmal die Verringerung der Partikellänge auf unter eine halbe Maulbreite, bei der Rinder nicht selektieren können. Und andererseits das Kraftfutter durch Wasserzugabe an das Grundfutter zu "kleben" damit die Kühe es nicht herausschütteln und separat fressen können.
Das Kraftfutter wird mehrere Stunden lang eingeweicht, Melasseschnitzel sogar 24 Stunden lang und die fertige Ration noch eine viertel Stunde nachgemischt. 
Dieses lange Einweichen machte es für uns schon uninteressant, weil wir ja mehrere Mischwagenladungen am Tag füttern. Mittlerweile halte ich das auch einfach für Show.
Mit Wasser in die TMR zu geben fingen wir wie gefühlt der gesamte Nordosten Anfang 2017 an, nachdem im September 2016 bei heißem Spätsommerwetter der Mais vertrocknet war. Dann hatte man in der Maissilage lauter leichte, trockene Blätter die sich schlecht untermischen bzw. leicht selektieren ließen.
Das Wasser wurde dann zum Einstellen der Trockensubstanz und damit einem weiteren Faktor für die Kontinuität in der Fütterung beibehalten.

Shredlage war auch ein regelrechter Hype, um den es mittlerweile wieder ruhig geworden ist. Ursprünglich wurde das System von einigen Bauern aus den USA entwickelt; ein spezieller Cracker für den Feldhäcksler, der nicht nur die Maiskörner aufbricht sondern auch Blätter und Stängel auffasert. Bei für Maissilage sehr großen Häcksellängen (so 25 mm) gibt es trotzdem gute Verdaulichkeit und höhere Strukturwirkung, was als Vorteil für maisbetonte Rationen ohne zusätzliche Rohfaserkomponente gesehen wurde. Das Erfolgsgeheimnis der Shredlage vermutete ich einzig und allein in den ordentlich gecrackten Körnern. Dazu passt dass mir ein Bekannter mal erzählte er hätte die Originalstudie zur Shredlage gelesen und da wäre ein Jaguar mit Shredlage-Cracker mit einer Hesston Field Queen verglichen worden. Das ist ein Häcksler aus den 1970ern ohne Cracker und damit das Ergebnis natürlich klar.
Claas als Weltmarktführer für Feldhäcksler kaufte die Technologie 2016 auf und bietet sie seitdem als Ausstattungsvariante bei den Crackern an. 
Eigene Erfahrungen mit Shredlage habe ich eigentlich nicht. Wir hatten zwar 2017 ein Silo voll Maissilage von einem Lohnunternehmer mit Shredlage-Häcksler häckseln lassen. Aber das wurde dann auf allen Anlagen verfüttert und auch den Biogasanlagen um genügend Vorschub zu bekommen und da konnte man gar nichts vergleichen und wegen der kurzen Dauer auch keine Vorher-Nachher-Effekte.

GVO-freie Fütterung; darum ist es leider nicht still geworden. Vor 10 Jahren gab es das zwar schon, war aber die Ausnahme. Seit so 5 Jahren ist es eigentlich Standard und nur wenige Molkereien verzichten darauf.
Ich halte das Alles für Etiketten-Schwindel. GVO sind gentechnisch veränderte Organismen. GVO-frei bzw. das mittlerweile beliebte OGT - Ohne Gentechnik - bezieht sich ausschließlich auf die Futterpflanzen der Kühe, dass da keine gentechnisch veränderten dabei sind.  
Das hängt mit der "German Angst" vor Grüner Gentechnik zusammen, Rote (Medizin) und Weiße (Industrie) Gentechnik sind auf gesellschaftlicher Breite akzeptiert.
Der Lebensmittelhandel sah das als Möglichkeit mit einem vermeintlichen Mehrwert Gewinn zu machen, der natürlich weg war als es alle gemacht haben.
Insgesamt ist es eine reine Zertifizierungssache, dass nicht nur keine GVO enthalten sind sondern das es auch zertifiziert ist um die GVO-Freiheit belegen zu können. Ein riesiges Geschäft das nur aus Papier besteht und mittlerweile keine Wertschöpfung ergbringt; außer für die Zertifizierungsindustrie halt.
Knackpunkt ist Sojaextraktionsschrot, da in Süd- und Nordamerika viele gentechnisch verändert glyphosatresistente Sojabohnen in bodenschonenden und wassersparenden Direktsaatsystemen angebaut werden und dann bei zu den anderen Sojabohnen dazugekippt werden. Das stört ja auch niemanden, bis auf manche Europäer halt. Soja(schrot) ohne GVO-Anteil muss dann extra erfasst, transportiert usw. werden um als GVO-frei zertifiziert zu werden und ist entsprechend teuer. Daher die Absicht nicht GVO-frei zertifiziertes Soja durch andere Eiweißträger zu ersetzen. Nach Versuchen mit pansengeschütztem Rapsextraktionsschrot und blauen Lupinen sind wir um Schluss wieder bei Sojaschrot gelandet. Dann GVO-frei zertifiert, geringere Mengen und dafür mehr Rapsextraktionsschrot.

Bedeutung der Faser, was eigentlich schon die Zusammenfassung für diesen Post sein könnte. 
Weil ich die Bedeutung der Faser in der Rinderfütterung viel wichtiger ansehe als vor 10 Jahren.
Abgesehen von den Kälbern wird nicht das Rind gefüttert sondern sein Pansen. In der Fütterung des Pansens gibt es Eckpunkte die eingehalten werden müssen. Bei der Versorgung mit Faser ist die Menge von der Körpermasse abhängig. Eine schwere Kuh braucht mehr Faser als eine leichtere. Bei gleicher Körpermasse kommt eine Kuh die mehr frisst mit einem geringeren Fasergehalt im Futter aus weil sie in der Summe dann genügend Faser frisst.  
Nicht die relative Faser ist entscheidend sondern die absolute!
 
Benjamin 

1431

Sonntag, 9. Juli 2023

Entwicklung - Fütterungsgruppen

Meine Entwicklung zu Fütterungsgruppen in den letzten 10 Jahren.
Im Studium habe ich sowohl das Berechnen von Teil- als auch Totalmischrationen gelernt, die Teilmischrationen waren damals in Rheinland-Pfalz vorherrschend.
Wie ich nach Brandenburg kam gabs dann TMR mit Leistungsgruppen. Nicht klassisch mit der Aufteilung in Frischmelker-, Hochleistungs- und Altmelkergruppe sondern viergeteilt mit einer zusätzlichen mittleren Leistungsgruppe. 
Die melkenden Kühe also mit vier veschiedenen Rationen, die sich hauptsächlich im Kraftfutteranteil und -zusammensetzung unterschieden.
 
Mein Fütterungsberater hat mich lange versucht dazu zu überreden die mittlere Leistungsgruppe und Hochleistungsgruppe mit der gleichen Ration zu füttern. Er hatte damit Erfahrung bei mehreren Kleinbetrieben die aus arbeitswirtschaftlichen Gründen nur eine Ration fütterten. Und die Kühe würden im Laktationsverlauf ihre Futteraufnahme auch der Leistung anpassen. 
Grund dagegen war bei uns dass sich kein arbeitswirtschaftlicher Vorteil ergab, weil beide Gruppen eh eine eigene Ladung vom Mischwagen ergeben. Sowie die Vermeidung von Luxuskonsum von teurem Kraftfutter (20 Liter-Kuh) und Verfettungsgefahr. 
 
Vor drei Jahren wurden sie dann doch gleich gefüttert und nur noch zusätzlich die Altmelkergruppe. Hauptgrund war die Einsparung der monatlichen Gruppensortierung mit der damit verbundenen Arbeit und vor allem dem Stress für die Kühe. 
Seit einem dreiviertel Jahr werden alle melkenden Kühe mit der gleichen Ration gefüttert und es funktioniert tatschlich ohne Verfettung. Die durchschnittiche Leistung ist angestiegen, weil der Leistungseinbruch beim Umstellen in die Altmelkergruppe entfällt und die Tagesleistung zum Trockenstellen ist ebenfalls angestiegen. So wurde das Thema tierindividueller Besamungsstart jetzt wichtiger um da nicht zu hoch zu kommen bzw. die Laktationskurve zu früh abwürgen zu müssen.

Benjamin

1430

Freitag, 30. Juni 2023

Entwicklung - Jungkuhgruppe

In einer Jungkuhgruppe sind nur Kühe in der ersten Laktation. Es wird auch der Begriff Färsengruppe verwendet, der aber fachlich falsch ist. Färsengruppen sind Gruppen von Besamungsfärsen oder tragenden Färsen. Eine Färse ist ein geschlechtsreifes weibliches Rind das noch nicht gekalbt hat, eine Kuh hat schon mindestens einmal gekalbt Der Übrgang von Färse zur Kuh findet mit der ersten Kalbung in der Abkalbebucht statt, wie einer meiner Professoren mal sagte: "Kuhwerdung".
Nach der Laktationsnummer kann man die Kühe in Jungkühe (1.) und Mehrkalbskühe (ab 2.) einteilen. Dann gibt es noch Altkühe, wo der Begriff gar nicht definiert ist. Ab der 4. oder 5. Laktation würde ich mal sagen. Die PBK Schönhagen hat z.B. auch eine "Oma-Gruppe" für Kühe ab der 5. Laktation (siehe Post vom 09.02.2016)

Über Jungkuhgruppen hatten wir es im Studium nicht, auch weil in den kleinen Strukturen im Südwesten es unüblich ist die Herde in mehrere Gruppen zu unterteilen. Erstmals sah ich das bei der Besichtigung eines Großbetriebs in Mecklenburg 2012.

Damit beschäftigt habe ich mich erstmals damit als auf mein Stammbetrieb LVAV Hofgut Neumühle mit einer extra Jungkuhgruppe gute Erfahrungen gemacht hatte. 
Bei der Gruppensortierung in Boberow habe ich dann die Jungkühe von der Frischmelkergruppe aus in die mittlere Leistungsgruppe umgestellt und die Mehrkalbskühe vorrangig in die Hochleistungsgruppe. Das zeigt schon die Problematik: Die Platzverhältnisse müssen zur Alterstruktur der Herde passen. Und es kommen noch weitere Kriterien dazu wie Besamungsgruppe und Trächtigkeit. Und den Jungkühen nur weil sie halt eine mittlere Leistung haben pauschal die mittlere Ration zu geben ist auch nicht so toll. Damals wollte ich aber nicht auf die gleiche Ration gehen, weil ich das als Luxus-Kraftfuttergabe für die mittleren Mehrkalbskühe ansah.

Die Lösung war dann wieder alle Laktationen zusammen und die beiden Gruppen Hochleistung und Mittel nach BCS (siehe Post vom 25.06.2017) einzuteilen, also Kühe die die volle Energiekonzentration bekommen und solche die schon etwas reduziert werden um hintenraus in der Laktation nicht zu verfetten.

Belastbare und ausgwertete Erfahrungen zu Jungkuhgruppen habe ich nicht, aber das sind Vor- und Nachteile:
Vorteile: 
- Weniger Verdrängung und Stress für die Jungkühe durch hochrangige Mehrkalbskühe (mein Fütterungsberater nennt die "Big Mamas").
- Jungkühe kommen alle in einer Gruppe zum Melken, die restlichen Gruppen sind ruhigere Mehkalbskühe.
Nachteile:
- Möglicherweise bringen Mehrkalbskühe in einer gemischten Gruppe Ruhe rein und die Jungkühe schaukeln sich mit ihrer Nervosität nicht auf. 
- nie passende Platz- bzw. Kuhzahl für die scharfe Trennung nach Laktationsnummer.

Benjamin

1429

Montag, 26. Juni 2023

10 Jahre Kuhblog

Heute wird der Kuhblog 10 Jahre alt!
Meine damaligen Beweggründe habe ich im allerersten Post beschrieben (siehe Post vom 26.06.2013). Die Idee zum Blog hatte ich einige Tage vorher, wie mir bezüglich dem "Auswandern" die E-Mail-Problematik bewusst wurde.
Der Kuhblog hat es trotz anderer Planungen (siehe im Post vom 19.11.2018) auf über 1.400 Posts und mittlerweile knapp 350.000 Leser gepackt.
In dieser Zeit hat sich einiges verändert, weniger, aber dafür längere und umfangreichere Posts, weniger Alltägliches und mehr Kuhthemen.
Wenn ich frühe Posts lese und mich daran erinnere was ich damals so gemacht habe wird mir bewusst wie ich mich doch fachlich in den letzten Jahren verändert habe.
Darüber wird es im Kuhblog in der nächsten Zeit gehen.

Benjamin 
 
1428

Donnerstag, 22. Juni 2023

Management-Award 2023

Dass es mal mit dem Kuhblog weitergeht.
Am vorletzten Wochenende fand in Alsfeld die German Dairy Show statt. Zum zweiten Mal nach 2019; 2021 war wegen Corona ausgefallen. 2019 war in Oldenburg gewesen wie zuvor als die DHV-Schau. DHV war der Deutsche Holstein-Verband, der im BRS (Bundesverband Rind und Schwein) aufgegangen ist. Und da Oldenburg ziemlich am A... der Welt liegt wurde das jetzt nach Alsfeld verlegt, das ist von den ganzen Standorten der Zuchtverbände der am zentralsten liegt.
 
Waren bei der DHV-Schau nur Holsteins Schwarzbunt und Rotbunt gewesen, hat man das bei der German Dairy Show auf alle bedeutenden Milchviehrassen in Deutschland ausgeweitet, als eine Schau für alle Rassen: Holstein Schwarz- und Rotbunt, Braunvieh, Milchfleckvieh, Angler/Rotvieh und Jersey.
 
Und da es Milchbauern wie mich gibt, die dem ganzen Schauwesen nichts abgewinnen können wurde der Management-Award eingeführt, um Betriebe mit Spitzenergebnissen auszuzeichen. Nicht nur auf reine Milchkilo bezogen sondern allgemein die Kennzahlen, die für ein exzellentes Management stehen.
2019 hab ich mich sehr drüber gefreut, dass der Management-Award nach Brandenburg ging an die Agrargenossenschaft Uckro, die jahrelang die höchste Lebensleistung erreichten und regelmäßig in der Liste der neuen 100.000-Liter-Kühe vertreten sind.
 
Dieses Jahr ging ich fest davon aus, dass dem Proporz wegen ein Betrieb aus Westdeutschland ausgezeichnet wird.
Aber die Verleihungskriterien wurden verändert: Für Braunvieh, für Milchfleckvieh und Holstein in drei Größenklassen bis 100, 100 - 500 und über 500 Kühe. Kriterien waren erreichte Lebenstagsleistung (LTL) und die Anzahl der 100.000-Liter-Kühe.
 
Über 500 Kühe hat die Milchproduktion Meyendorf aus dem Bördekreis in Sachsen-Anhalt gewonnen. Zumindest der Name sagte mir was. Nach den Indexpunkten die der LKV Sachsen-Anhalt anhand verschiedener Kennzahlen für die Hofschilder für Spitzenbetriebe vergibt der drittbeste Betrieb im Land und der beste über 500 Kühe. Der beste überhaupt ist (traditionell) die LLG Iden.
Die Zahlen der MP Meyendorf im Milchkontrolljahr 2021/22:
807,2 Kühe
896 FEK Jahresleistung
52.123 kg Lebensleistung abgegangene Kühe
51,5 Monate Nutzungsdauer
22,6 kg Lebenstagsleistung
 
Im Kontrolljahr 2021/22 erreichten 10 Kühe die 100.000-Liter Lebensleistung; und eine Kuh mit einer Lebensleiszung von 10.000 Fett+Eiweiß-Kilo.

Also wirklich eine Herde die die Auszeichnung verdient hat.

Benjamin
 
1427

Donnerstag, 8. Juni 2023

Zwangspause

Ob es eine richtige Zwangspause wird kann ich nicht sagen, zumindest bin ich in einer Situation wie ich sie im Blog noch nicht hatte. Für die Idaho-Exkursion 2014 hatte ich eine Pause angekündigt; doch dann gab es im Bus neben der primitiven Klimaanlage auch WLAN und diese Pause fiel damit aus. Dann natürlich die Blogpause letztes Jahr aus freien Stücken und jetzt zumindest die starke Rücknahme der Posthäufigkeit.
 
Die Stammleser werden es sicher bemerkt haben, dass es mitten drin bei der Raps-Webcam nicht weiter ging.
Der Grund ist nämlich Folgender: Ich habe aktuell arge gesundheitliche Probleme, bin nicht arbeitsfähig und damit auch nicht daheim.
Der Post über die TU2 hatte ich schon einige Wochen "in der Pipeline" und das Aktuelle über Lulu ging per Fernzugriff auf die Daten, den ich eh mache wenn ich sie nicht täglich sehen kann.

In nächster Zeit wird es wahrscheinlich weniger zu lesen geben im Kuhblog, zumindest kein alltäglichen Bezug sondern allgemeine Kuhthemen und Theoretisches.
Weil einschlafen lassen ist irgendwie keine Option, so knapp vor dem 10-Jährigen Jubiläum und in meiner Situation will ich dieses Hobby nicht aufgeben.
 
Benjamin 

1426

Freitag, 2. Juni 2023

Was macht Lulu?

Was macht meine Lieblingskuh Lulu momentan? Sie gibt Milch, wenn auch nicht so fleißig. Gestern waren es 36,8 kg, bisher ist sie in der Laktation nicht über die 40 kg gekommen. Das ist bei ihr genetisch bedingt, sie ist eine Kreuzungskuh F3 aus Holstein und Milchfleckvieh (3/16 Fleckvieh). Die können eigentlich nur groß und schwer sein.
 
Am 17. April hat sie zum zweitenMal gekalbt, am 18. kam sie vom Abkalbestall in die Kolostrumgruppe, in denen sich die Kühe während der Kolostralmilchsperre befinden solange die Milch nicht Verkauf werden darf und an die Kälber verdrängt wird (Mischkolostrum). Am 22. wurde sie in Gr. 1 ("Auffanggruppe") umgestellt in die die Kühe zunächst nach dem Ende der Kolostralmilchsperre kommen wenn die Milch als reif gilt.

Die ersten sieben Tage nach der Kalbung bekam sie täglich Fieber gemessen, was immer in Ordnung war. Einmal die Frühwarnfunktion der Körpertemperatur und auch um die Kühe komplett zu sehen und nicht nur von hinten auf dem Karussell.

Am 5. Mai war sie zur Puerperalkontrolle (PK), das gehört zu den zuchthygienischen Untersuchungen (ZHU). Das Puerperium ist die Rückbildung der Gebärmutter von Kälbergröße auf Faustgröße; das soll in 30 Tagen abgeschlossen sein. Bei der Puerperalkontrolle wird nach ca. 3 Wochen nachgeschaut ob es sich richtig entwickelt und nicht eine der diversen Gebörmutterentzündungen. Bei Lulu war da auch alles in Ordnung. Sie kam dann von der Selektion nicht zurück in Gr.1 sondern in Gr. 9, ihrer finalen Gruppe wo sie bis ins nächste Jahr bleiben soll wenn sie als tragende Kuh in die Altmelkergruppe wechselt. 

Momentan schaue ich täglich nach Ihrer Milchmenge und die Brunstbeobachtung. Zur Besamung ist sie noch zu früh, aber man muss jede Brunst erfassen, ganz nach dem Mitto "nur was man dokumentiert kann man auch managen". Man weiß dann dass der Zyklus schon in Gang gekommen ist und bei einer Brunst sieht man ob es zeitlich zu letzten (+/- 21 Tage) passt oder man noch mal genauer nachschauen muss. 
Lulu war bisher noch nicht in Brunst.
 
Und ich rechne häufig bei ihr den Tierindividuellen Besamungsstart (TBS) aus. Das Konzept stammt aus dem Projekt VerLak. Dass nicht im Rahmen der verlängerten freiwilligen Wartezeit die Wartezeit bis zur ersten Besamung pauschal nach oben gesetzt wird sondern für jede einzelne Kuh individuell.
Wir haben zunächst grob die Tagesmilchmenge mal zwei als Tage freiwillige Wartezeit genommen. Weil der berechnete TBS abschreckend hohe Zahlen ergab. Aber der geht nach simulierten Laktationskurven mit der üblichen angenommenen Persistenz von um -0,1 kg am Tag. Bei Kühen mit steiler abfallenden Kurven rückt der Besamungsstart nach vorne, bei Kühe mit flacheren Kurven nach hinten.
Da wir in letzter Zeit viele Kühe mit an und über 30 kg Milch zum Trockenstellen hatten sind wir zur Kenntnis gekommen dass diese Kühe trotzdem zu früh besagt worden waren und wir doch mehr in Richtung TBS arbeiten wollen.

Die Formel ist für Mehrkalbskühe 0.557 x Laktationstage + 5,8 x 7-Tage-Mittel Milch - 149. Dafür soll nach dem Ende des Projekts eine App veröffentlicht werden und ich habe es als mit Excel ausgerechnet aber es ist viel einfacher im Stall schnell auf dem Handy, wenn man das eh im der Hand hat um die Kuh im Herde Mobil nachzuschauen. 

Lulu liegt momentan beim TBS:
0,557 x 46 + 5,8 x 34,5 - 149 = 77 Tage. Ihre Kurve ist halt sehr niedrig und sie sollte doch zeitig wieder tragend werden. Ihr aktueller TBS liegt sogar unter der mittlerweile weit verbreiteten pauschalen Wartezeit von 80 Tagen.

Benjamin


1425

Samstag, 27. Mai 2023

TU2

Zur TU2, nachdem ich einen Post versprochen habe, weil die Drillinge in der TU2 nicht entdeckt worden waren.

Das ist ein Teil vom Herdenmanagement den ich noch nie im Kuhblog behandelt habe, auch weil wir das noch nicht so lange machen.
Die klassische Trächtigkeitsuntersuchung (TU) machen wir als zwischen dem 35. und 42. Tag  nach der Besamung. (dpi - days post insemination). Das hat den Vorteil dass einerseits die meisten der Frühaborte nach zunächst doch erfolgreicher Befruchtung schon rum sind und bei nicht erfolgreicher Befruchtung die Kuh bei laufendem Zyklus um den 42. Tag wieder in Brunst kommt und dann meist einige Tage davor ist.

Weitere Trächtigkeitsuntersuchungen werden in der Zwischenzeit nicht mehr gemacht. Spätaborte finden wir doch recht zuverlässig, sowohl Fruchtabgänge wo man Nachgeburt sieht als auch rindernde Kühe die eigentlich tragend sein sollen. Es gibt aber auch nicht selten Kühe die "aufs Kalb rindern", die bei brünstigen Kühen "aus Spaß mitrammeln".

Die TU2 machen wir als wöchentlich mittwochs bei den Kühen die am Donnerstag die folgende Woche trockengestellt werden sollen. 
Wichtig ist die Bestätigung der Trächtigkeit, ob es nicht einen unbemerkten Spätabort gab. Eine leere Kuh trockenzustellen macht ja keinen Sinn, denn die kann man ja noch weitermelken bzw. wenn sie noch genug Milch hat (mehr als 25 - 28 kg) für die Besamung reaktivieren. Das kommt in ca. 1 % der Fälle vor, die Hälfte geht wieder in die Besamung, die andere wird noch abgemolken und geht ein paar Monate später zur Schlachtung.
 
Die 2. Trächtigkeitsuntersuchung erfolgt nicht mit Ultraschall sondern per Hand rektal-manuell. Weil Ultraschall sieht in dem Trächtigkeitsstadium nichts mehr. Dabei wird nach Zwillingsträchtigkeiten gesucht, ob welche bei der TU1 nicht entdeckt wurden bzw. ob bei bekannten Zwillingsträchtigkeiten noch beide da sind und nicht einer in der Zwischenzeit abgestorben. Weil bei Zwillingen werden die Kühe eine Woche früher trockengedtellt, da die Tragedauer eine Woche kürzer ist. Das ist Im HERDEplus so hinterlegt, das gabs früher im Herde W nicht, da gab es auch nicht den Befund Mehrlingsträchtigkeit. Die 7 Tage entsprechen auch meiner Erfahrung aus der ewigen Abkalbeliste, wo man dagegen landläufig als von zwei Wochen liest.
Man fühlt auch in welchem Gebärmutterhorn das Kalb liegt, das ist vom Bedeutung bei einem Kaiserschnitt. Das schreibe ich aber nicht auf, die Dokumentation ist mir dann doch zu aufwändig, wenn man das nur alle paar Jahre braucht. Natürlich wäre das die professionelle Goldrand-Lösung die der Benjamin als gerne anstrebt...

Und wenn die Kühe schon mal im Fressgitter stehen werden die Schwänze geschoren dass die für die Trockenstehzeit ordentlich sind, der BCS für das Fütterungscontrolling bestimmt und ggf. Kühe die Lahmheiten zeigen nochmal zur Klauenpflege geschickt

Benjamin

 

 

1424

Montag, 22. Mai 2023

U-Boot auf dem Rhein

Was in meiner alten Heimat abgeht. Letzte Woche wurde ein U-Boot auf dem Rhein transportiert das mal im Technik-Museum Sinsheim ausgestellt werden soll.
Es handelt sich um ein U-Boot der Klasse 206 aus den 1970er Jahren, das bis Anfang der 2010er im Einsatz bei der Deutschen Marine war.

Von der Vorgänger-Klasse 205 aus den 1960ern ist ein Boot im Technikmuseum Speyer ausgestellt und eines im Deutschen Marinemuseum in Wilhelmshaven. Beide habe ich schon besichtigt und das U-Boot am Marine-Ehrenmal in Laboe aus dem zweiten Weltkrieg, das ungefähr doppelt so groß ist. 
 
Mein Vater hat dieses Foto vom linken Rheinufer aus aufgenommen mit dem ehemaligen Atomkraftwerk in Biblis im Hintergrund. "Zweimal museumsreife Technik". Das Atomkraftwerk ist ein ähnliches Baujahr und ging auch in einem ähnlichen Zeitraum außer Betreieb. Ursprünglich waren es vier Kühltürme, zwei davon wurden Anfang des Jahres abgerissen. Die waren sehr selten in Betrieb, ich kann mich als an zwei (diese beiden Verbliebenen) in heißen Sommern erinnern, wenn das Wasser im Rhein nicht zu Kühlung reichte. Alle vier gleichzeitig habe ich nie gesehen.

Was mir auf dem Foto aufgefallen ist wie heruntergekommen das ganze Kraftwerk ist, halt fast 50 Jahre alt und seit der Stilllegung wird nur noch Sicherheitsrelevantes gemacht.
Und wie klein das U-Boot doch ist, klar 400 t sind gar nichts im Vergleich zu den Frachtschiffen auf dem Rhein, die sind bei 2.000 - 8.000 t. Interessant finde ich auch die Konstruktion des Ruders und den Ring um den Propeller, weil das ganz anders ist als bei der Klasse 205 und ich noch nie Fotos davon gesehen hatte. Einerseits weil normalerweise unter Wasser und andererseits Verschlusssache wegen den möglichen Rückschlüssen auf die Geräuschsentwicklung. Wobei man davon ausgehen kann dass das kein Original-Propeller ist.

Benjamin
 

 






















1423

Donnerstag, 18. Mai 2023

Trinamix

Wie ich bei meinem Bruder in Bingen war habe ich auch das Trinamix begutachtet. Trinamix ist eine Tochterfirma der BASF und da wurde der Kontakt zu einer Absolventin hergestellt und das Gerät organisiert um es für Analysen im Versuchswesen einzusetzen. 
Es handelt sich um ein NIRS, also Nahinfrarot-Spektrometer. Die Technik ist schon lange etabliert, klassisch zur Futtermittelanalyse in Laboren, recht häufig schon in Auswurfkrümmern von Feldhäckslern zur Ertragskartierung, seltener bei Gülletechnik zur nährstoffbasierten Ausbringung und auch in Futtermischwagen zum Beladen nach Trockenmasse bzw. Nährstoffen.

Trinamix ist ein handliches NIRS für echte "on-farm"-Anwendungen. Da gibt es alle erdenklichen Anwendungen: Silagen, fertige TMR, Futterreste, Reifegrad und Anwelkverlauf bei der Ernte usw. Da wird man sehr kreativ bzgl. Möglichkeiten die vorher rein theoretisch möglich waren, aber viel zu teuer und aufwändig. Was das Gerät kostet bzw. die einzelne Messung weiß ich nicht. Natürlich habe ich da Vermutungen in diese Richtung, aber die werde ich hier nicht reinschreiben. Auch scheint es noch nicht in Serienproduktion zu sein.
Anwendungsgebiete sehe ich als eigenes Gerät bei Großbetrieben in der ganzen Bandbreite und als Dienstleistung (Siloproben, Rationskontrolle etc.) für Kleinst- und Kleinbetriebe.

Das eigentliche Gerät wird per Bluetooth mit einem Handy gekoppelt, das als Benutzeroberfläche dient und den Kontakt zur Cloud herstellt. Also ein deutsches Problem mal wieder: Gute Internetabdeckung nötig. 
Das Gerät braucht 10 Messpunkte aus denen dann ein Mittelwert errechnet wird. An der Siloanschnittsfläche funktioniert es nicht so richtig, was wahrscheinlich an fehlenden Kalibrierungskurven liegt. 
Die prakische Anwendung ist daher in einem Eimer Silage zehnmal zu messen. Ich sehe da großes Potential dafür, aber es dürfte noch ein paar Jahre dauern bis zur richtigen Praxistauglichkeit.
 
Herdenmanagerspielzeug:
 
Benjamin
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Montag, 15. Mai 2023

Zum Abschied nach Bingen

Am Donnerstag war ich während meinem Urlaub in der alten Heimat mal wieder und zum letzten Mal zu Besuch auf dem St. Wendelinhof der TH Bingen.
Dorthin habe ich schon enge Beziehungen, natürlich während des Studiums, dann beim Ferkelaufzuchtversuch im Fach Versuchswesen, beim Hammeltest im Praxissemester und seit 2018 wo mein Bruder dort Betriebsleiter ist.

Nun wird im August die Tierhaltung eingestellt. Einmal die ungewisse Zukunft des Betriebs; das war schon 2010 zu meinen Studienzeiten ein Thema: Querulanten-Nachbarn und mit dem geplanten neuen Betriebsgelände abseits der Stadt ging es nicht voran. Nach so vielen Jahren wurde jetzt der Neubau komplett abgesagt, weil es das Land geschafft hat die Investitionssumme auf unglaubliche 32 Mio. (!!!) € aufzublähen. Dazu läuft der Pachtvertrag der aktuellen Hofstelle, die seit 1990 von der FH/TH bewirtschaftet wird in 2 Jahren aus. Der Besitzer ist eine kirchliche Stiftung, die jetzt eher am Wert des Grundstücks interessiert ist - in bester Wohnlage, eine Seite mit Blick über die Stadt und das Rheintal und die andere Seite über ganz Rheinhessen.
Dazu kommt der ständige Ärger mit der übermächtigen Personalvertretung die nicht verstehen wollen dass Tiere 7 Tage pro Woche versorgt werden müssen. 
Aus dieser Gemengelage heraus wurde beschlossen die Milchviehhaltung aufzugeben (Schweine und Schafe dann zwangsläufig auch) und in Zukunft nur noch Ackerbau zu betreiben. Das ist natürlich ganz im Sinne der Landesregierung.
 
Kühe und Jungvieh wurden inzwischen verkauft. Das zuständige Veterinäramt legt die schwammige Formulierung des Transportverbots hochtragender Rinder auf das letzte Trächtigkeitsdrittel aus. So müssen diese Färsen und Kühe noch abkalben und danach die Kälber noch vier Wochen (Lex Otte-Kinast) dableiben.
 
Am Donnerstag waren noch 18 melkende Kühe da. Erkenntnisse dabei: Wenn der Roboter nur noch mit 30 % Auslastung läuft müssen überproportional weniger Kühe geholt werden, es ist kaum noch Boxenpflege nötig, die Kühe sind spürbar sauberer da nicht so viel Mist auf den Gängen. Und was mir aufgefallen ist, weil man normal sowas halt nicht dieht: Auch bei einem Fressplatzverhältnis von 2 : 1 gibt es Rangeleien am Futtertisch.
 
Die letzten tragenden Färsen auf der Trockensteherweide, das Foto habe ich nur ausgwählt weil die rechte so schön gepullert hat:
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Das Mischwagengespann; der Agrotron M620 Profiline ist Baujahr 2008, der kam paar Wochen bevor ich angefangen habe zu studieren. Der Mischwagen ist ein BvL V-Mix Fill, ein selbstladender Einschnecken-Vertikalmischer mit 8 m³. Der wirkt aber mit dem Schneidschild und der Ladewanne hinten dran deutlich größer.



 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Bei einem halb belegten Stall verlieren sich die Kühe darin:
 
Benjamin 



 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Freitag, 12. Mai 2023

Was ist eine Zwicke?

Wo ich in den letzten Wochen es öfters über Zwicken hatte und angekündigt habe dass ich mal einen Post darüber schreiben werde. 

Eine Zwicke ist das weibliche Kalb eines Zwillingspärchens. Zwicke ist ein umgangssprachlicher Begriff, den ich so in Rheinland-Pfalz gelernt habe und in Brandenburg auch verwendet wird. Einen hochdeutschen Begriff gibt es scheinbar nicht dafür, in Zeitschriften wird oft "weibliche Zwillingskälber" geschrieben, was fachlich nicht richtig ist denn nicht jedes weibliche Zwillingskalb ist auch eine Zwicke. Im Englischen ist der Begriff dafür "freemartin".

Zwicken treten bei Zwillingspärchen auf bzw. jetzt bei den Drillingen, wenn in einer Trächtigkeit sowohl ein weibliches wie auch ein männliches Kalb sind. Die Häufigkeit von Pärchen ist gefühlt bei fast allen Trächtigkeiten, aber da es bei den Kühen auch Zwillingsschwestern gibt bei denen auch "Zwilling" auf die Stallkarte geschrieben wird und im Herde bei den MKZ ("Mehrlingskennzeichen") öfter ww für weibliche Zwillinge vorkommt dürfte die Häufigkeit für Pärchen doch um die 50 % liegen. Dann Zwillingsschwestern und Brüder je 25 %. Da muss ich mal die Abkalbestatistik über viele Jahre auswerten.

Zwicken sind meist unfruchtbar, schätzen würde ich es auf 97 %. Gefühlt ist einmal im Jahr eine dabei die dann doch fruchtbar ist. Die erkennt man an der Ohrmarkennummer, weil die gar nicht passt und halt zur damaligen Serie der Ohrmarken für die Bullenkälber gehört.
Die Ursache der Unfruchtbarkeit liegt in der Embryonalentwicklung. Erstmal sind alle Embryonen weiblich und haben die Müller-Gänge aus denen sich später die weiblichen Geschlechtsorgane entwickeln. Die männlichen Embryonen bilden dann das Anti-Müller-Hormon um ihre Müller-Gänge zurückzubilden. Da beim Rind aber die embryonalen Blutkreisläufe nicht vollständig voneinander getrennt sind bekommt der weibliche Embryo auch Anti-Müller-Hormon ab und die Entwicklung der Geschlechtsorgane wird gestört. 
Daher treten die Zwicken auch nur bei Pärchen auf.
 
Die Ausprägung der Unfruchtbarkeit ist ganz unterschiedlich. Es geht von fruchtbar bis hin zu Zwittern wie auf dem Foto unten, die zwichen weiblich und männlich liegen. Die meisten sind äußerlich weiblich und die Geschlechtsorgane sind nur teilweise ausgebildet; nur ein Eierstock, keine Eierstöcke, keine Gebärmutterhörner usw. 
Es gibt auch seltene Fälle von "versteckten Zwicken" wie ich sie als nenne: Weibliche Färsen die Symptome von Zwicken haben, obwohl keinen Zwillingsbruder. Wenn man im Herde dann nachrecherchiert stellte sich heraus, dass bei der Mutter zur TU Zwillinge diagnostiziert wurden, aber zur TU2 nicht mehr. Zwichenzeitlich war das männliche Kalb abgestorben und resorbiert worden, das weibliche aber schon zur Zwicke geworden.
 
Zwicken laufen bei uns in der Jungviehaufzucht bei ihrer Altersgruppe mit. Sie sind als Mastkälber nur zu Spottpreisen (10- 20 €...)  verkäuflich, weil als Zwillingskälber haben sie einen Gewichtsnachteil und als weibliche Kälber schlechtere Mastzunahmen; das können die Viehhändler und Rindermäster runterrechnen. 
Sie bleiben bis zum Alter von 17 - 18 Monaten, wenn sie Glück haben und fruchtbar sind wurden sie bei einer zwischenzeitlichen Brunst besamt, andernfalls werden sie als Schlachtfärse mit rund 500 kg verkauft. In der Schlachtkörperklassifizierung und Abrechnung laufen sie als normale Färsen.

Symbolfoto einer Zwicke, ein ausgeprägterer Fall, dass man von den außen auch was sieht. Hier ist die Scham um ca. 30 cm tiefer gelegt:



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Benjamin

 

 

1420

Mittwoch, 10. Mai 2023

Bienenstöcke

Bienen gelten als wichtigste Bestäuber,  wobei sie als Vektoren für Kulturpflanzen eine sehr untergeordnete Rolle spielen. Raps ist die einzige der bedeutenden Kulturen die von Insekten bestäubt werden, wo Bienen nicht die wichtigsten davon sind.

Aber Raps ist trotzdem eine sehr wichtige Tracht und es gibt dann davon den Rapshonig.

Mit dem Rapsacker neben der Milchviehanlage bietet sich es natürlich an. Unser ehemaliger Vorsitzender ist Hobbyimker, der als Rentner von Kühe auf Bienen umgestiegen ist. Dieser Standort wäre attraktiv, neben dem Raps sind die Büsche im Hintergrund und die Obstbäume in der Nähe als Tracht geeignet. Und natürlich ist ein Agraringeneur von Vorteil, wo viele Imker grünem Blödsinn anhängen.

Benjamin


 












1419

Sonntag, 7. Mai 2023

Raps-Webcam 23/5

Der Raps ist jetzt in der Vollblüte. Optisch die schönste Jahreszeit mit den ganzen sattgelben Äckern. 

Wuchshöhe 120 - 150 cm, BBCH 65.

Benjamin
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Freitag, 5. Mai 2023

Abgebrochene Ohrstanze

Die abgebrochene Ohrstanze war schon vor drei Wochen, aber mit der Drillingskalbung hat sich ein wahrscheinlich noch selteneres Ereignis dazwischen geschoben. 

In knapp 10 Jahren, mit so 10.500 Jahren Kuherfahrung (Jahre x durchschnittliche Kuhzahl) und vielleicht 4.500 eingezogenen Ohrmarkenpaaren ist mir erstmals eine Ohrstanze abgebrochen. Selten kommt es vor dass die Stanze schief gedrückt wird und dann nicht mehr zu verschließen geht. Aber abgebrochen ist noch nie eine.

Allgemein zu den Ohrmarken und den Ohrmarkenzangen siehe Post vom 26.07.2019.

Die Ohrstanzen sind zum Nachweis von BVD (Bovine Virus-Diarrhoe), einer bedeutenden Tierseuche. Da der Hauptinfektionsweg die Übertragung auf ungeborene Kälber ist müssen seit 2011 in Deutschland alle neugeborenen Kälber über die Ohrstanzen untersucht werden. Später wurde auch die Impfung verboten, dass man auch Tiere mit Impfmarkern langfristig los wird. Die Sanierung ist weit vorangeschritten, bis auf 3 Bundesländer (die üblichen Verdächtigen NRW, NS, SH) ist Deutschland BVD-frei. Bis die Anerkennung für komplett BVD-frei erfolgt und vor allem die Ohrstanzen wegfallen wird es noch einige Jahre dauern. Mit Vorschriften einführen ist man ja immer viel schneller als beim Abbau.

Benjamin 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1417

Dienstag, 2. Mai 2023

Raps-Webcam 23/4

Die Rapsblüte schreitet voran. Am letzten Mittwoch waren erstmals die blühenden Rapsäcker in der Weite der Landschaft deutlich zu erkennen und seit Donnerstag duftet der Webcam-Rapsacker nach Blüten.

Wuchshöhe 100 - 110 cm, BBCH 63.

Benjamin
 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1416