Sonntag, 3. Februar 2019

Übers Futtersparen

Der Bericht über die diesjährige Winterveranstaltung der Firma Schaumann zu Themen der Fütterung und Tiergesundheit.

Der erste Vortrag von Dr. Gorniak von Schaumann war zur aktuellen Situation in der Milchviehfütterung: Der Mangel an Silage nach der großen Dürre letztes Jahr. Die Grassilage ist zwar in der Qualität gut, aber halt zu wenig. Bei der Maissilage kommen neben der geringen Menge niedrige Stärkegehalte und eine schlechtere Stärkeverdaulichkeit hinzu.
Dazu der Einsatz von Schaumann Rumivital, einem Wirkstoff der im Pansen den Aufschluss der Zellwände im Futter fördert und somit die Verdaulichkeit erhöht. 
Der Ausgleich der fehlenden Stärke sollte nicht durch Körnermais erfolgen, was naheliegend wäre die fehlenden Körner der Maissilage einfach dazuzugeben. Problem dabei ist der hohe Anteil an beständiger Stärke im Körnermais, die nicht im Pansen sondern erst im Dünndarm verdaut werden kann. Der Dünndarm der Kuh kann aber max. 1,2 kg beständige Stärke (bXS) am Tag verdauen, der Rest kommt hinten wieder raus. Daher die fehlende Stärke der Maissilage durch Getreide ersetzen, was wiederum begrenzt ist, dass nicht zu viel unbeständige Stärke im Pansen verdaut wird und den pH-Wert zu stark absenkt. In dem Fall könnte pansenbeständiges Futterfett genommen werden. Also alles nicht so einfach und zudem habe ich selber Anfang 2017 mit der 2016er Maissilage die verdorrt war und ähnliche Probleme machte keine gute Erfahrungen mit Rumivital und Futterfett gemacht. Konnte die schlechte Maissilage bei weitem nicht ausgleichen.
Dann der Ersatz  von Nebenprodukten mit besonders zu beachtenden Inhaltsstoffen, z.B. die Mineralstoffe (DCAB), ein Thema das man auch wegen der GVO-freien Fütterung kennt. (vgl. Post vom 15.05.2018).
Und noch der Ersatz von Silage durch Stroh (für Faser) und Getreide (für Energie), dabei wegen der hohen Trockensubstanz das "Binden" mit Melasse oder Wasser, wo es wieder um die Wasserzugabe geht (siehe Post vom 16.08.2018).

Hrn. Puckhaber von der Milchhof Gut Bandelstorf kenne ich noch aus seiner Zeit als Berater bei Schaumann, aber seit zwei Jahren ist er selbst Kuhbauer. Er berichtete über die Umstellung auf Robotermelken und den kontinuerlichen Leistungsanstieg seiner Kühe von 9.000 auf 12.000 kg Jahresleistung, vom Mittelmaß in die Spitzengruppe der Milchviehbetriebe in Mecklenburg-Vorpommern. Für mich ist er einer der Vetreter der "kompromisslosen Konsequenz" im tagtäglichen Management, wo er es fomuliert: "Nicht das Maximale leisten, sondern möglichst wenig verlieren". Was dann auch scheinbar auf den ersten Blick skurrile Auswirkungen hat: Nach dem Grashäckseln werden sämtliche Wiesen mit dem Striegel abgefahren um Grasreste zusammenzuharken, dass diese nicht den Folgeschnitt verunreinigen. Oder die Tränkekälber kriegen im Winter allesamt Kälberdecken, weil es günstiger ist die Kälber zu isolieren, statts Milch vom Wachstum fürs "Heizen abzuzweigen".

Prof. Müller von der FU Berlin referierte über die neusten Erkenntnisse zur Klauengesundheit. Über eine britische Studie, die Häufigkeiten und Entwicklung von Lahmheiten in verschiedenen Herden verfolgten und es da zwischen den Betrieben eine immense Bandbreite gibt, was so auch auf Deutschland übertragbar wäre.
Lahmheiten sind pauschal auf wenige Ursachen zurückzuführen:
Nichtinfektiöse Klauenerkrankungen durch Druck, wegen langem Stehen, falscher Belastung bei zu langen Klauen bzw. zugewachsener Hohlkehlung und bei Kühen mit niedriger Kondition weil die Fettpolsterung in der Klaue auch eingeschmolzen wird.
Infektiöse Klauenerkrankungen resultieren aus Schmutz und schlechter Hygiene.
Dabei auch die Biosicherheit gegen die Verschleppung z.B. von Mortellaro von Kühen zu Jungrindern und Desinfektion von den Werkzeugen zur Klauenpflege zwischen den einzelnen Kühen.

Mal wieder eine schöne Veranstaltung für neuen "Input".

Benjamin

Freitag, 1. Februar 2019

Mal von oben

Wenn man einen neuen Milchtank samt Aufstiegsleiter und Plattform hat nutzt man das natürlich auch mal um sich die Anlage von oben anzuschauen.

Also Blick auf die MVA Boberow von oben. Die einzelnen Gebäude lassen sich nicht interaktiv mit Fotos in Nahaufnahme/Innenaufnahme verlinken, aber trotzdem wird das jetzt eine Linksammlung quer durch den Kuhblog!

Blick über den vorderen Hof. Links die alten Garagen als Lager und die rechte das "Wasserhaus", der zentralen Wasserverteilung für die ganze Anlage mit den Druckkesseln.
Daneben die V-Halle mit den Frühtrockenstehenden Kühen am ersten Futtertisch und den hochtragenden Färsen am zweiten Futtertisch (siehe Post vom 14.12.2014).
Außerhalb des Hofes sieht man das ehemalige Wiegehäuschen (siehe Post vom 27.12.2015) und im Hintergrund das Dorf mit der Spitze vom Kirchturm (siehe Post vom 03.08.2013). Was bei diesem Foto auffällt ist, wie flach doch die Prignitz ist. Im Alltag "von unten" sieht man das kaum, weil man meist nur so 2 km weit bis zum nächsten Wald kucken kann:





















Und in die andere Richtung über die Kuhställe:

Ganz links am Rand mit der Photovoltaikanlage auf dem Dach der Jungviehstall (siehe Post vom 15.11.2018), darunter das Dach vom Durchgang (siehe Post vom 24.12.2014), wo sich Futtertisch und Fressgang von Gr. 4 (Altmelkende Kühe) befinden, sowie die Fressgitter für Besamung, Trächtigkeitsuntersuchungen usw. Dann der kleine Stall mit den Liegeboxen von Gr.4 (siehe Post vom 01.06.2014). Am linken Bildrand fehlt ein Lüftungskamin, der war beim Sturm im Oktober 2017 (siehe Post vom 09.10.2017) abgerissen. Dahinter das Lager für das Gärresteseparat mit dem Separator (siehe Post vom 16.05.2014), daneben das Pumpenhäuschen (siehe Post vom 12.09.2016). Dahinter mit der Photovoltaikanlage die Heulagerhalle (siehe Post vom 18.05.2014), weiter rechts der Fermenter der Biogasanlage mit der Gasspeicherblase im blauen Container (siehe Post vom 27.02.2017). Im Vordergrund das Melkhaus mit dem Lichtfirst vom Vorwartehof, direkt darüber ist die Futterhalle (siehe Post vom 29.08.2015) zu erkennen und am rechten Bildrand dann der große Stall mit den Kuhgruppen 1 - 3 (siehe Post vom 02.10.2013):

Benjamin




Mittwoch, 30. Januar 2019

Die Stunden-Monster

Ist ein Schnappschuss, weil mal die beiden großen Valtras zusammen in Pinnow auf der Anlage standen und ich mir dachte: "So viele tausend Betriebsstunden auf einen Blick."
Links ist der Mega 8550 mit 7,4 l-Motor und original 120 kW, aber das sollen eher 140 sein. Das ist der Stammtraktor vor dem Futtermischwagen. Aber da der Allradantrieb nicht mehr geht kommt im Winter der Mega 8150 davor um die Rampen zu den Futtertischen hochzukommen. Der hat den 6,6 l-Motor mit 90 kW. Aber da musste wieder getauscht werden weil der Kleinere einen Reifenschaden hatte.
Beide dürften so Baujahr 1998/99 sein. Das vermute ich wegen der Lackierung in Saatengrün ("Claasgrün"). Valtra hat in den 1990er als erster und bis heute einziger Traktorenhersteller eine breite Farbpalette eingeführt, sodass man das ursprüngliche Valmet-Rot kaum noch sieht (die Valmet 900 in Boberow und Garlin haben es). Und da damals Claas noch keine eigenen Traktoren hatte wurden von den Claas-Händlern auch saatengrüne Valtras verkauft; wobei diese beiden vom Valtra-Händler stammen.

Als robuste Traktoren sind die entsprechend alt geworden und haben schon viel geleistet. Im Studium rechneten wir nach KTBL Abschreibungen von Traktoren über 10.000 h in 12 Jahren. Also 833 h pro Jahr Auslastung. Weniger ist unwirtschaftlicher; wo der typische Traktor in Westdeutschland bei 400 - 500 h im Jahr liegen dürfte. Bei mehr als die 833 h stellt sich dann die Frage ob sich durch die hohe Auslastung alle Arbeiten termingerecht erledigen lassen und nicht dabei wieder Verluste entstehen.
Das ist soweit die Theorie und dann gibt es Brandenburg...

Jetzt die Schätzfrage: Wieviele Betriebsstunden haben diese beiden Traktoren zusammen auf dem Stundenzähler?

Benjamin


Montag, 28. Januar 2019

Demonstration Enthornung

Der letzte  Programmpunkt des Milchrindtags war eine praktische Vorführung auf der LVAT in Groß Kreutz zum Thema Enthornung.

Zuerst die Theorie: Das Enthornen von Rinder ist praktizierter Arbeits- und Tierschutz, weil die Hörner nunmal Waffen sind. Arbeitsschutz, weil der Umgang mit behornten Rindern ein zusätzliches Gefahrenpotential bietet; so hatte ich damals Angst davor, dass die 1326 - das letzte Boberower Zweihorn - nach der Kalbung Milchfieber kriegt und man nicht rankommt um eine Infusion zu legen. Und dann Tierschutz, weil die Hörner auch gegen anderen Kühe eingesetzt werden, sei es auch nur um eine schönere Liegebox frei zu räumen. Zu meinem Kieler Zeiten erzählte Prof. Schallenberger immer gern, dass man die ganzen Narben und Verwachsungen bei der Beschau am Schlachtkörper unter der Haut wiederfindet. Solange der Prozess der Zucht auf Hornlosigkeit noch nicht abgeschlossen ist führt kein Weg am Enthornen vorbei!

Haben lange Zeit mit Kaliumhydroxid enthornt, einer Paste die auf die Hornknospen aufgetragen wird und diese wegätzt. Also nicht rauchend und zischend sondern so unauffällig, dass das gemacht wurde wenn die Kälber am Tränkeautomaten angelernt wurden und beim Saufen den Kopf still hielten. So viel zur Beeinträchtigung! Das Verfahren hat lauter Vorteile: Einfach zu handhaben, schnell, stört die Kälber nicht besonders und sehr effektiv. Wäre damit erste Wahl wenn da nicht ein gravierender Nachteil wäre: Das ist nicht mehr erlaubt.
Bleibt nur die Variante übrig das Gewebe rund um die Hornknospe mit einem Brenner zu veröden.

Früher hätte man die LVAT als "Schrittmacherbetrieb für die Überführung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts in die Praxis" bezeichnet, heute in diesem Zusammenhang schlicht als Demonstrationsbetrieb: Stehen rund um die Kälberbuchte so 30 Leute und schauen zu und diskutieren.
Demonstriert wurde das Verfahren wie es in Groß Kreutz aktuell nach vielem Ausprobieren und ständiger Weiterentwicklung angewandt wird.
Die Kälber werden meist in der dritten Lebenswoche enthornt, weil dann die Hornknospen noch recht klein sind und nicht die Gefahr besteht, dass der Kopf des Brenners nicht mehr draufpasst. Zwei Stunden vorher wird der Tränkeautomat gesperrt und sämtliches Festfutter aus den Trögen und Raufen entfernt um die Kälber auszunüchtern, dass es während der Schlafphase zu keinen Aufblähungen kommen kann. Eine Stunde vorher bekommen sie Schmerzmittel gespritzt. Dann werden sie sediert, mit relativ hoher Dosis, weil es Probleme gab, dass manche mittendrin schon aufgewacht sind. 
Wenn sie tief schlafen werden die Hornknospen freigeschnitten und dann noch geschoren, dass man sie auch genau sieht und es sind dann so wenig Haare dabei dass es auch kaum noch stinkt. Zum Enthornen selber wird ein gasbetriebener Brenner (Gas-Buddex) verwendet. Danach wird die Wunde mit Zinksalben-Spray, Zeolith-Pulver zur Aufnahme von Wundsekreten und Blauspray behandelt. Zum Schluss bekommt es noch eine Kälberdecke angezogen, dass es bei den Temperaturen um den Gefrierpunkt rum während der Aufwachphase nicht auskühlt:

Benjamin


Samstag, 26. Januar 2019

Götz 2019 - Teil 2

Vierter Vortrag in Götz war von Dr. Steinhöfel vom sächsischen LfULG aus Köllitsch über Kälber- und Jungrinderaufzucht. Zur Kälberaufzucht über Ansätze zur Verringerung von Kälberdurchfällen aus Versuchsergebnissen in Sachsen. Zur Jungrinderaufzucht die bekannte Aussage: "Erst powern, dann bremsen!" Das erste halbe Lebensjahr eine sehr intensive Aufzucht, um die Phase der Zellvermehrung auszuschöpfen, bevor es ins alleinige Zellwachstum übergeht. In diesem Alter verschiebt sich auch das Verhältnis vom Protein- zum Fettansatz hin, wodurch es sinnvoll ist viel Wachstum zu erfüttern wenn noch viel Protein angesetzt wird und weniger wenn eh die Hälfte Fett ist und dadurch eine Verfettung zu vermeiden, die sich dann negativ auf die Fruchtbarkeit auswirkt und zu Geburtsproblemen führen kann.
Und ein recht vager Kommentar zur muttergebunden Kälberaufzucht, wozu Versuche in Köllitsch laufen, dass es dabei "Management- und Stressprobleme" gäbe.

Als fünfter Vortrag Hr. Hufe über erste Zwischenergebnisse aus dem Projekt KUH-mehr-WERT-Navigator. Es gab Auswertungen zu Abgängen in der Jungviehaufzucht. Dabei wurden Totgeburten mit eingerechnet und auch Abgänge von Jungkühen im ersten Monat nach der Kalbung z.B. wegen Geburtsverletzungen oder Melkbarkeitsstörungen. Wenn in der Primus Rind (jetzt Agrar heute) bei den Betriebsbeschreibungen als z.B. "Kälberverluste inkl. Totgeburten: 4,5%" standen stufte ich das immer als total unrealistisch ein. Aber wenn man alles zusammenzählt von der Geburt bis zur fertigen Kuh die ordentlich Milch gibt sind Ausfälle von über 20 % eher üblich! Was gleichzeitig das enorme Potential aufzeigt, dass es durch eine weitergehende Professionalisierung und Konzentration der Milchviehhaltung zu erschließen gilt.

Letzter Vortrag war von Fr. Harms und Dr. Losand von der Landesforschungsanstalt MV über ökonomische Aspekte der Jungrinderaufzucht. Als Beispiel, dass am Gut Dummerstorf, die viel Auftragsforschung machen, der Jungviehbestand drastisch reduziert wurde und es eigentlich nur eine Kopfsache ist mit einem Drittel weniger nachrückenden Kühen auch auszukommen. Dazu die Aussage, dass nicht intensiv gefüttert werden muss, sondern die Kälber bei guter Gesundheit eh von alleine intensiv wachsen und "bei unter 900 g Tageszunahmen macht man was falsch". Auch Überlegungen zur Verlängerung von Tränkeperioden und Zwischenkalbezeiten (extended lactation) sowie die Rentabilität von strikten Wiegeroutine zur Überwachung und Steuerung des Wachstums; bei 6 Wiegungen als Kalb und drei als Färse würde es je nach Betriebsgröße zwischen 10 und 25 € pro Kuh und Jahr kosten. Zum Schluss noch Punkte zur vertraglichen Regelung bei der Auslagerung der Jungviehaufzucht zu anderen Betrieben.

Fortsetzung folgt!

Benjamin

Donnerstag, 24. Januar 2019

Götz 2019 - Teil 1

Vorletzte Woche war ich auf dem diesjährigen Tag des Milchrindhalters in Götz. Das jährliche "Familientreffen" der brandenburger Milchviehbranche. Wir waren mit dem Kuhauto voll aus der Prignitz angereist.
Diesjähriges Thema war die Jungviehaufzucht.

Erster Vortag war von Fr. Buchholz von der RBB. Neben den aktuellen Entwicklungen im Zuchtverband auch mit Zahlen aus dem Testherdenprogramm wieviel kg mehr Milch eine intensive Kälberaufzucht an Jahres- und Lebensleistung wieder einspielt.
Daneben über die Neuerungen zur nächsten Zuchtwertschätzung im April. Es werden extra ausgewiesene Zuchtwerte (vgl. mit RZRobot oder RZfit) für Kälberfitness und Kuhgesundheit eingeführt die auf den Daten aus den Testherden basieren. Außerdem wird die Gewichtung von Fett zu Eiweiß im Milchzuchtwert von 1 : 4 auf 1 : 2 verringert. Dieser geringe Wert für das Milchfett war jahrzehntelang durch die Milchquote krass verzerrt worden, da die nur auf den Fett-Kilo basierte und so die Richtung vorgab Fett aus der Milch herauszuzüchten.

Als zweiter Vortrag Dr. Nebel vom Landeskontrollverband über Abkalbung und Erstversorgung von Kuh und Kalb im Allgemeinen.

Dritter Vortrag war von Dr. Fischer vom LLG Iden über fachgerechtnes Kolostrummanagement. Den Großteil davon hatte ich schon auf einem Vortrag bei unserem Besamungsverein gehört. Die wichtigsten Punkte dabei: Nicht nur die Immunglobuline sind wichtig sondern auch die anderen Abwehrzellen in der Biestmilch. Die Kuh ist zeitnah nach der Kalbung zu melken, weil die weiter gebildete Milch die Konzentration stetig verdünnt. Größten Wert ist auf das hygienische Ermelken der Biestmilch zu legen, dass die Kälber nicht mit der ersten Mahlzeit schon große Mengen an Keimen aufnehmen. Das wichtigste Kriterium zur ausreichenden Kolostrumversorgung ist wieviel in den ersten 24 Lebensstunden gesoffen wurde.

Fortsetzung folgt!

Benjamin

Freitag, 18. Januar 2019

Fotos Kälberstall - Teil 2

Noch weitere Fotos aus dem Kälberstall.

Direkt neben den Einzelboxen steht die Waage zum Wiegen der neugeborenen Kälber. Ganz wichtig für das Testherdenprogramm, denn in den Zuchtwert Kalbung-plus fließen neben den Geburtsverläufen auch die Geburtsgewichte ein. Von den lebenden Kälbern, aber auch totgeborene und Verkalbungen:





















Die Wärmelampenwagen. Ab und zu braucht ein schwaches Kalb etwas mehr Wärme. Wärmelampen sind bei der Stroheinstreu halt ein Sicherheitsriskio, daher werden sie auch nur eingeschaltet wenn der Kälberstall besetzt ist. Dazu noch die sichere und auch einfache Positionierung mit den standfesten Wärmelampenwagen, die die Werkstatt dazu gebaut hat. In dieser Box ist ein "Koppelkalb", ein Fleischrindkalb aus den Mutterkuhherden, das als eines der ersten in dieser Saison geboren und von seiner Mutter nicht angenommen wurde. Es wird jetzt zusammen mit den schwarzbunten Kälbern aufgezogen:





















Die neue Kälberküche. Die beiden hinteren Fenster sind vom ehemaligen Herdenmanagerbüro, dem "Dreieecksbüro". Das hieß so, weil in einem quadratischen Melkhaus mit dem runden Melkkarussell vier Ecken frei bleiben und in einer davon war das Büro mit grob dreieckigem Grundriss. Das war aber nicht mal halb so groß wie die jetzige Kälberküche.
Von links die Ausstattung: Warmwasserboiler, Spültisch mit dem Ausguss für die nicht gesoffene Milch, dass die nicht in den Gully geschüttet werden muss und alls zukäst. Trockenregal für die Eimer, rechts der Kühlschrank für die Biestmilch, Schrank für Material und Tisch für die Schreibarbeit. Der Schrank mit dem Computer für die Verbindung der Tränkeautomaten kommt nicht mehr in die Kälberküche, weil es günstiger ist statt einem neuen Computer eine Richtfunkstrecke über den Hof zum Melkhaus einzurichten und den KalbManager auf einem der dortigen Server zu installieren:

Benjamin



Mittwoch, 16. Januar 2019

Fotos Kälberstall - Teil 1

Jetzt wo der Kälberstall in Betrieb ist und sich die alltäglichen Prozesse langsam einlaufen hier mal einige Fotos.

Die Kälber in der Gruppenbox haben sich an den Spaltenboden und die neue Tränkestation gewöhnt:



















Zwei der Kälber in den Einzelboxen. Aus diesem Blickwinkel von oben sieht man den Fortschritt deutlich: Während die alten Kälberboxen aus Holz die Mindestanforderungen der Kälberhaltungsverordnung mit 0,8 x 1,2 m für Kälber bis 2 Wochen gerade so erfüllten sind die CalfTel-Boxen mit 1,2 x 1,35 m deutlich größer. Die Kälber können sich darin bequem umdrehen.





















Und der erste Mist auf der Mistplatte. Hier kommt nur der Mist aus den Einzelboxen hin. Die Gruppenboxen sollen ja mit dem großen Radlader ausgemistet und der Mist direkt auf die Anhänger geladen werden. Hier war früher der Treibweg der Kühe zum Vorwartehof im alten Melkhaus, links an der Wand erkennt man am helleren Blech wo das Tor zugemauert wurde. Gerade außerhalb des Bildausschnitt befinden sich vorne und rechts die Jaucherinnen, die Anschluss an das Güllesystem des weiterhin benutzten Treibwegs zum jetzigen Melkhaus haben:

Fortsetzung folgt!

Benjamin



Sonntag, 13. Januar 2019

Letzte 1000er

Nachdem vor über drei Jahren begonnen wurde die Halsbandnummern der Boberower Kühe von 1000er auf 2000er Nummern umzustellen (siehe Post vom 26.10.2015) wurde das heute früh abgeschlossen. Hintergrund war, dass das Pinnower Karussell keine zweistellige Kuhnummern verarbeiten kann (siehe Post vom 28.07.2015), daher bekamen die Pinnower Kühe alle eine zusätzliche 1 vor die dreistelligen (bzw. 10 vor die zweistelligen) Halsbandnummern. Dass es keine doppelt gibt wurden die Boberower Kühe auf 2000er Nummern umgestellt.

Nr. 2205, die Mutter von Anja (siehe Post vom 04.12.2015) bzw. Großmutter von Antje (siehe Post vom 08.02.2018) war die erste gewesen und danach wurden nach und nach die Halsbänder geändert. Sobald eine Kuh abging oder verkauft wurde haben wir das Halsband auf eine 2000er Nummer geändert und dann erst an neue Jungkühe bzw. hochtragende Färsen wieder vergeben. Dazu wenn Halsbänder eh zu reparieren waren, weil Ziffern fehlten oder die Aktivitätsmesser kaputt waren. Ingesamt hat das sich über drei Jahre hingezogen bis in den letzten Monaten nur noch wenige übrig waren, dass die auch extra nur zum Abändern der Nummer raussortiert wurden und heute dann die letzten acht.

Die beiden allerletzten Halsbänder mit 1000er Nummern waren Nr. 1287 03945 AGB Brama und Nr. 1071 28318 AGB Jana die jetzt 2287 bzw. 2071 heißen.

Benjamin

Freitag, 11. Januar 2019

Kälberstall in Betrieb!

Heute ist nach nunmehr gut zwei Jahren Bauzeit endlich der neue Kälberstall in Pinnow in Betrieb gegangen. Morgens die Frühschicht wurde noch im alten Kälberstall gefüttert, nachmittags die Spätschicht schon im Neuen. In der Zwichenzeit wurden die Kälber umgesetzt und auch der erste Tränkeautomat. Der Tränkeautomat selbst und die Antennen für die Halsbandtransponder an den Abrufstationen. Das wurde dann aber eine Aktion von zweieinhalb Stunden, denn vom Computer getrennt wollte der Automat die Daten der eingespeicherten Kälber nicht behalten. Soviel zu Stand-Alone. Die Monteure haben dann bei Förster angerufen, die auch eine dreiviertel Stunde in ihrem Archiv für die Lösung suchen mussten. Und das beim Weltmarkführer von dem die Hälfte aller Tränkeautomaten stammt... Es brauchte eine Widerstand am Signalkabel, dass das als getrennt erkannt wird.
Das eigentliche Umsetzen in der Schaufel vom Hoflader ging schnell und das Anschließen im neuen Automatenhäuschen auch.

Die ersten Kälber in den CalfTel-Boxen:





















Für die Kälber in der Gruppe war die Station komplett neu und auch der Spaltenboden mit der Stufe zum Liegebereich; bisher waren sie nur die ganz mit Stroh eingestreute Box gewohnt:

Benjamin



















Dienstag, 8. Januar 2019

Kabel suchen

Demnächst sollen die ersten Kälber in den neuen Kälberstall kommen, die Neugeborenen in die Einzelboxen und einer der Tränkeautomaten mit einer Kälbergruppe.

Aktuell stehen im alten Kälberstall in Pinnow ein Förster-Tränkeautomat der aktuellen Generation für die Kälber von 2 - 5 Wochen und im „unteren“ Kälberstall zwei baugleiche Automaten für die älteren Tränkekälber.
Diese drei Tränkeautomaten sollen alle in den neuen Kälberstall kommen und dafür die beiden aus der Garliner Anlage (auch von Förster, knapp 20 Jahre alt) wenn dort die Kälberaufzucht eingestellt wird nach Pinnow in den unteren Kälberstall.

Die Tränkeautomaten in Pinnow werden über die Handterminals bedient, aber es gibt einen zentralen PC auf dem das Programm KalbManagerWIN von Förster läuft; der wird aber nur verwendet um Kälber von Automat zu Automat umzustellen. Der Computer ist etwas altersschwach, hat als Betriebssystem Windows XP und der KalbManagerWIN ist von 2011, bzw. damals das letzte Update.
Dann war die Frage wie die ganzen Tränkeautomaten an den Computer anzuschließen sind, der neue Kälberstall und der untere Kälberstall liegen an den entgegengesetzten Enden der Anlage. Plan ist nun das Kabel bis zum alten Kälberstall an den bisherigen Standort des Computers zu nutzen. Von dort ein Kabel bis zum neuen Kälberstall ziehen, das geht recht gut an den Mauern entlang und über die Zwischendecke des alten Kuhstalls und braucht lediglich eine 3 m lange Kabelbrücke über den Treibweg. In die neue Kälberküche kommt dann der Computer und die dortigen Automaten werden angeschlossen, als weiteres geplant ist eine Richtfunkstrecke zum Büro.

Jetzt wird erst mal gekuckt ob man die Software modernisieren kann und dabei alles kompatibel bleibt.
Der Tränkeautomat aus dem alten Kälberstall soll als erstes umgesetzt werden und da gerade passend eine Abkalbeflaute ist gibt es auch nicht den Druck, dass die Automaten alle gleich angeschlossen werden müssen um die Kälber dazwischen umstellen zu können.

Immer wieder eine Herausforderung an einem laufenden System umzubauen, was es ja mit der Weiterverwendung der bisherigen Tränkeautomaten ist.

Benjamin

Sonntag, 6. Januar 2019

Kälberkiste

Die Vorbereitungen für die Inbetriebnahme des neuen Kälberstalls schreiten voran. 
Wenn die Kälber von der Abkalbebox in den neuen Kälberstall gebracht werden müssen ist das eine Wegstrecke von gut 200 m. Dafür hat die Werkstatt eine Transportkiste gebaut.
Pröttliner Bauart: Aus dickem Stahl geschweißt, dass das auch die nächsten 50 Jahre hält. Charakteristisch der Anstrich mit roter Grundierung und oben der aufstellbare Deckel aus schwarzem Kunststoff.
Auf der Rückseite ist die Aufnahme für die Konsole vom Teleskoplader:




















Blick ins Innere mit aufgestelltem Deckel:


























Was uns nicht gefällt ist die Größe: Die Innenmaße sind 1,2 x 1,45 m - für ein oder zwei neugeborene Kälber eigentlich schon zu unhandlich, andererseits kriegt man von den vier Wochen alten Kälber nur so fünf rein um sie in den zweiten Kälberstall (K2) zu fahren. Beim Umstallen der Gruppen werden wir also weiterhin auf die Mutterkuhabteilung mit dem Viehanhänger angewiesen sein.

Benjamin

Freitag, 4. Januar 2019

Aktuelles von Swantje

Mal der aktuelle Stand bei Nr. 1764 Swantje, Langversion 84201 AGB Swantje. Eine der Kühe vom 2013er Jahrgang aus Boberow. Und eine der wenigen, die ich schon von weitem erkenne wegen der markanten Blesse in Form eines Fragezeichens in ihrem Gesicht (siehe auch Post vom 16.04.2017).
Und gestern bei der Zuchthygiene sah ich sie natürlich sofort raus wie sie durch das Selektionstor lief und dann die Reihe entlang:






















Sie hat am 23. Oktober zum dritten Mal gekalbt, ein Bullenkalb von Hype (siehe Post vom 09.08.2017). Mitte November hatte sie schon mit knapp 50 Liter ihre Laktationsspitze erreicht, momentan gibt sie rund 40 Liter Milch am Tag.
Am 10. Dezember bei der Puerperalkontrolle hatte sie eine Gebärmutterentzündung (Pyometra), wo sie erstmal Prostaglandin gespritzt bekommen hat, dass sich die Gebärmuttermuskulatur zusammenzieht und den Eiter rausschmeißt. Hat gut geklappt, sodass die Reste davon am 17. Dezember mit einer Spüllösung rausgespült werden konnten.
Gestern war sie dann zur Sterilitätsuntersuchung dran, weil soweit ja alles in Ordnung ist und sie trotzdem nicht in Brunst kommt. Wurde beim Ultraschall (vgl. Post vom 08.01.2016) ovariale Inaktivität diagnostiziert - dass die Eierstöcke gar keinen Zyklus haben. Sie kam daher ins OvSynch-Programm, dass wir nur bei solchen Fällen nach klarer Diagnose machen und nicht wie in anderen Herden blind bei allen Kühen. Dafür bekam sie jetzt GnRH gespritzt, wodurch die Hormone ausgeschüttet werden, die auf die Eierstöcke wirken. Entweder kommt sie davon alleine in den Zyklus und wird brünstig oder sie bekommt dann am 14. Prostaglandin gespritzt, worauf sie dann doch in Brunst kommen sollte.

Benjamin

Dienstag, 1. Januar 2019

Start in 2019

Allen Lesern des Kuhblogs wünsche ich ein gesundes neues Jahr 2019! Viel Gesundheit, fleißige Kühe und Alles was noch dazugehört.

Ein Foto zu Neujahr wird es mal wieder nicht geben, mangels winterlichem Wetters.

Große Vorsätze für den Kuhblog wird es ebenfalls nicht geben, mit der Frequenz von drei Posts pro Woche gefällt mir soweit und die angestiegenen Leserzahlen im letzten Jahr und die ganzen positiven Rückmeldungen bestätigen mich im Gesamtkonzept.
Den Fokus will ich im neuen Jahr aber trotzdem etwas in Richtung des alltäglichen Herdenmanagements und den damit verbundenen Arbeiten ausweiten, um den Kuhbloglesern mit eigenen Kühen Anregungen zu geben und mir welche in Diskussionen zu holen. Und vom Aussenrum bisschen mehr vom Brandenburger Lebensgefühl.

Benjamin

Montag, 31. Dezember 2018

Neumühle 5/2018

Heute an Silvester war ich noch mal in diesem Jahr auf meinem Stammbetrieb Hofgut Neumühle, nach dem ich bisher nur viermal dort gewesen war und auch noch den Tag der offenen Tür verpasst hatte.
Dieses Jahr lief es bei ihnen richtig rund, im Jahresabschluss der Milchkontrolle kamen sie auf 11.579 kg pro Kuh und Jahr mit 840 Fett-Eiweiß-Kilo. Betriebsrekord und in Rheinland-Pfalz in der Spitzengruppe.
Da stand ich mit dem leitenden Ingenieur vor dem Melkstand und wir diskutierten über die ausgehängten Kennzahlen. Dafür habe ich mittlerweile doch ein recht gutes Gefühl aus Brandenburg welche Zahlen realistisch sind und welche nicht. In Rheinland-Pfalz scheitert ist es an der Genauigkeit der Datenerfassung in der Breite aller Betriebe. Da kommt dann raus dass z.B. bei den Schwergeburten das obere Viertel (+ 25%) nur 1,6 % hat. Erinnerte mich daran wie ich in meiner Anfangszeit in Pinnow mit der Auffassung zu tun hatte, dass "Schwergeburten nur sind wenn das Kalb tot ist".

Mit Braunies Familie läuft es nicht so gut, ihre Enkelin Mai wird zwar im Februar zum dritten Mal kalben und ihre Schwester Leonie im Januar zum zweiten Mal, aber ihre Nichte "Bale" ist im September im Alter von neun Monaten abgegangen. Näheres stand im Computer nicht drin aber es scheint so als hatte sie sich ein Bein gebrochen.

Benjamin

Sonntag, 30. Dezember 2018

Neuer Milchtank - Teil 3

In Boberow wird nach dem Aufstellen des Milchtanks nun an der Erweiterung der Milchkammer gebaut. Das wurde abgeändert, dass die Milchkammer auf der gesamten Breite der bisherigen Tür nach vorne verlängert wird; mit trapezförmigem Grundriss und abgeschrägter Vorderwand, dass es mit dem Wenderadius des Milchautos auch passt:

Benjamin



Samstag, 29. Dezember 2018

Baufortschritt Dezember - Teil 5

Der aktuelle Baufortschritt am neuen Kuhstall. Foto in einer "isländischen Sommernacht"; wie es in Island im Sommer nachts nicht richtig dunkel wird, so wird es in Norddeutschland im Winter tagsüber bisweilen nicht richtig hell.
Mit Bau des Auslaufes wurde begonnen, der ist jetzt zum Schluss erst dran, weil der Platz vorher als Rangierfläche beim Setzen der Seitenmauern, beim Betonieren, dem Dachdecken usw. gebraucht wurde:






















Im Stall sind jetzt die ganzen Nackenrohre an den Liegeboxen montiert. Im Großen und Ganzen fehlen drinnen noch die Bugschwellen der Boxen, die Futtertischbrücke und die Mistschieber:

Benjamin


Mittwoch, 26. Dezember 2018

Baufortschritt Dezember - Teil 4

Die Front des neuen Kälberstalls mit den Leitplanken als Anfahrschutz. Da mit dem großen 15-t-Radlader (siehe auch Post vom 12.02.2014) ausgemistet werden soll und mit der Kraft von 200 PS so manches schon weggeschoben worden ist gibt es den Anfahrschutz. Mein Kommentar: "Die Leitplanken kommen bestimmt von der A14, bei dem wenigen Verkehr merkt das auch niemand, wenn da bisschen was fehlt.":






















So sieht es momentan im Teil mit den Gruppen aus. Milchpulver ist auch schon da - das steht links außerhalb des Blickwinkels. Was noch fehlen sind die Tränkeautomaten. Letzte Planung waren die zwei aus Garlin und den einem im Pinnower ältesten Kälberstall umzusetzen, weil die dann an ihrer bisherigen Position auch nicht mehr gebraucht werden. Muss dann alles in einer Blitzaktion über die Bühne gehen, weil die Kälber mit umziehen müssen und solange nicht saufen können oder halt mit Milchbars überbrücken. Der endgültige Plan steht noch nicht fest:

Benjamin


Dienstag, 25. Dezember 2018

Frohe Weihnachten!

Allen Lesern des Kuhblogs wünsche ich Frohe Weihnachten!

Dass Ihr hoffentlich genauso schwarz-weiße Weihnachten habt wie wir in der Prignitz.

Benjamin

Sonntag, 23. Dezember 2018

Fallenstellen

Als Bauer sehe ich mich entwicklungsgeschichtlich fortgeschrittener als die Jäger und Sammler. Aber manchmal kommt es dann doch zu einem Rückfall in die Altsteinzeit: Auf Nutria-Jagd.
Am Mittwoch hatten wir eine Nutira im Pinnower Melkhaus. Die Frühschicht sah sie morgens und am Abend habe ich sie dann selbst gesehen.
In Brandenburg ist halt alles etwas größer: Melkkarussell XXL und Ratten XXL.

Loswerden wollten wir sie natürlich sofort, nicht dass die noch Kabel am Karussell anknabbert und wird genau zu den Weihnachtsfeiertagen ohne funktionsfähige Melktechnik dastehen.
Erste Maßnahme war eines der Sektionaltore ein stückweit aufzulassen als Ausgang, dass sie selber wieder rausgeht.
Rattengift schlossen wir aus, zwar haben wir für die vorgeschriebene Schadnagerbekämpfung genügend auf Lager, ob die das fressen konnten wir uns aber nicht vorstellen. Außerdem direkt am Melkkarussell bei der Lebensmittelproduktion war das ein KO-Kriterium.

Also hat Uwe bei unserem ehemaligen Kollegen, der mittlerweile mehr Berufsjäger als Rentner ist eine Lebendfalle organisiert. Für eine Nutria entsprechend so groß, dass ich die mit meinem Kuhauto abholen musste.
Mit etwas Gemüse prepariert haben wir sie in den Tunnel unter dem Ein-/Ausgangsbereich vom Karussell geschafft. Das ist der ungestörteste Bereich im Melkhaus und ein potentielles Versteck.
Oben sieht man die Betonkante und ganz rechts in der Ecke den Rand der Karussellplattform:




 

















Heute habe ich die Falle wieder rausgezerrt, weil immer noch leer, aber total zugeschissen, was von oben durch den Spalt an der Plattform runtergefallen war. Die Nutria scheint wohl doch freiwillig gegangen sein, sie wurde auch seit Mittwochabend nicht mehr gesichtet.

Benjamin


Samstag, 22. Dezember 2018

Tablet und Transponderlesegerät

Diese Woche wurde für Herde Plus aufgerüstet und die neue Hardware eingerichtet, die der Arbeitserleichterung durch mehr elektronische Dokumentation dient.
Einmal das Tablet für die Klauenpflege. Darauf läuft KLAUE, ein Programm zur Dokumentation der Klauenpflege, dass man nicht mehr unleserliche Schrift auf verschissenen Zetteln entziffern muss und dann alles in den Computer eingeben, sondern direkt ins Tablet und das wird auf Knopfdruck in Herde plus eingespielt. Da sind dann auch alle Erfassungen für das Testherdenprogramm schon erledigt und die Liste für die nächste Klauenpflege wird automatisch (die muss aber noch angelegt werden) erstellt.
 
So sieht das Programm aus. Oben wird einfach die Stallnummer eingetippt und für die jeweilige Kuh alle vier Füße mit jeweils Innen- und Außenklaue. Rechts ist das Diagnosemenü ausgeklappt mit allen möglichen Klauenkrankheiten die in vier Stufen ausgewählt werden können: leicht, mittel, schwer und allgemein. Mit einem Handy gekoppelt kann man sogar Fotos davon einspielen.
Ist das gleiche Programm wie Findeisen Klauenpflege (siehe Post vom 29.08.2013) auch verwendet, bloß dass die mehrere Betriebe damit verwalten können:




















 
Als Zweites das Transponderlesegerät (siehe Post vom 02.01.2017), das für HERDE mobil auf dem Handy die Transponderohrmarken abliest und gleich die jeweilige Kuh aufruft. Damit können z.B. die Trächtigkeitsuntersuchungen ohne den Umweg über Ausdruck der Listen gemacht werden.
Leider klappte die Kopplung mit den I-Phones nicht (Kompatibilität von Apple mal wieder...), dafür aber sofort mit dem Tablet wie wir das ausprobiert haben. Es ging dann erstmal zurück zu DSP nach Dresden:

Benjamin 



Mittwoch, 19. Dezember 2018

Neuer Milchtank - Teil 2

Am Montag wurde der neue Milchtank in Boberow aufgestellt nachdem das Fundament ausgehärtet war; nicht dass noch der Tank mit der Masse von 30.000 l Milch alles auseinanderdrückt.
Vorne kommt ein Anbau aus Sandwichplatten dran als Einhausung des Anschlusses und Verbindung zur bestehenden Milchkammer.
Im Gegensatz zu den Tanks in Pinnow hat der oben drauf eine Plattform mit einer Aufstiegsleiter, um sicher an das Rührwerk zu kommen. Habe aber Bedenken wie lange es dauert bis mal ein Milchauto die Leiter abreißt, weil die ungefähr so 30 cm über das Fundament hinausragt.

Benjamin 

Dienstag, 18. Dezember 2018

Baufortschritt Dezember - Teil 3

Letzte Woche hat das Innere des neuen Kuhstall Gestalt angenommen. Während oben der Lichtfirst montiert wurde waren es unten die ganzen Liegeboxenbügel, Tränken und Fressgitter:






















Bei einem Teil der Boxen wurden auch schon die Nackenrohre vorbereitet, müssen dann noch die Schrauben festgezogen werden wenn es auf die richtigen Maße ausgerichtet ist:

Benjamin 

 

Freitag, 14. Dezember 2018

Josera Fress-Express

Die Adventszeit ist immer die stressigste Zeit im Jahr, denn von Weihnachten bis Neujahr steht draußen die Welt quasi still und die Milchproduktion läuft ganz normal weiter. Je nachdem wie die Wochenenden fallen können das bis zu zwei Wochen sein.
Ende November beginnen die Vorbereitungen dafür: Zurechtschieben der Routinearbeiten (vor allem die Trächtigkeitsuntersuchungen), Bestellung von Kraft- und Mineralfutter, Verbrauchsmaterial und auch die ganze Personaleinteilung. Bis danach alles wieder nach dem gewohnten Rhythmus verläuft dauert es bis Ende Januar.

In dem Stress kriegt man aber die zuckerangetriebenen Herdenmanager mit Schokolade.
Der Adventskalender ist Werbung für DairyPilot von Josera.

Da die Internetseite über den Inhalt nicht viel hergibt; was hauptsächlich enthalten ist: Weizengrießkleie, aufgeschlossener Weizen; Calciumcarbonat, Magnesiumoxid und Salz
als Puffersubstanzen für den Pansen-pH-Wert, Lebendhefen und FlavoVital, was Pflanzenextrakte sind die Flavonoide enthalten. Diese haben antioxidative Wirkung und unterdrücken subklinische Entzündungsprozess auf Zellebene.

Diese Wirkung wurde unter anderem auf der Neumühle erforscht im "Traubentresterversuch", weil Trester besonders hohe Gehalte an Flavonoiden hat. DairyPilot ist dann eine komerzielle Anwendung der Ergebenisse.
Davor hieß es noch PansenPilot wegen dem Zielort der Pansentätigkeit, aber mit dem Zusatz der Flavonoide wurde es umbenannt zwecks internationaler Vermarktbarkeit.

Ich verwende DairyPilot hauptsächlich zum Drenchen, als "Starthilfe" bei einer gestörten Pansenverdauung.



Das steht drauf: "Futter auf Rädern - Der Fress-Express für entspannte Kühe"

Auf der linken Seite eine Yoga-Kuh:























...und rechts die Kuh in der Hängematte, wie sie auch als auf den Anzeigen abgebildet ist:

Benjamin



Montag, 10. Dezember 2018

Besuch aus Luxemburg

Am Samstag hatten wir Besuch aus Luxemburg. Und zwar waren am Wochenende Mutter und Schwester unseres dritten Herdenmanagers Jeff zu Besuch. Der Rest der Familie musste sich daheim um die eigenen Kühe kümmern; wie das halt bei Einzelbauern mit der Arbeit verteilt wird.
Es standen die Besichtigungen der Milchviehanlagen in Boberow und Pinnow auf dem Programm, wovon in beim Wochenenddienst am Rande mitbekam. Vor allem von den Dimensionen in Pinnow waren sie beeindruckt, insbesondere das Melkkarussell, das größer ist als alle die es in Luxemburg gibt (und auch im weiteren Umkreis). 

Jeff selbst ist seit nun drei Wochen bei uns und macht seine Praxisphase am Ende des Studiums. Das Erlernte eines fast fertig ausgebildeten Ingenieurs in der praktischen Arbeit umzusetzen, was auch super funktioniert.
Wie er an uns als Betrieb gekommen ist: Ich habe noch sehr gute Kontakte zur TH Bingen, speziell das Institut für Tiererährung. Da ich einer der wenigen Absolventen in den neuen Ländern bin, zähle ich dann als Referenz für Studenten, die "Kühe mal richtig" bzw. im großen Stil machen wollen.

Und auf diesem Niveau macht es natürlich Spaß!

Benjamin

Sonntag, 9. Dezember 2018

Baufortschritt Dezember - Teil 2

So sieht der neue Kuhstall mittlerweile aus nachdem das Dach gedeckt ist und die seitlichen Verkleidungen und Tore montiert wurden. Auf dem Futtertisch stehen die Plexiglasplatten für den Lichtfirst.
Der Sand, der über Sommer total ausgetrocknet war ist nach dem Regen der letzten Woche fast schon Matsch:





















Im Inneren; jetzt hat man auch das Gefühl im Stall zu stehen. Auf dem Foto fällt auf wie hell es drinnen ist bei dem doch so trüben Wetter. Rechts ist eine der drei Türen zu sehen die dann zum Auslauf führen:

Benjamin 



Dienstag, 4. Dezember 2018

Baufortschritt Dezember - Teil 1

So sieht es im neuen Kälberstall zur Zeit aus. Alle Kälberboxen sind jetzt da und aufgebaut. Und diesen Anblick wird es nur ganz am Anfang geben, später werden nie alle gleichzeitig aufgebaut sein, denn wenn die Kälber ausgestallt sind werden die jeweiligen Boxen auseinander genommen und gereinigt. Wenn dann die nächsten Kälber kommen werden sie dafür wieder aufgebaut.

An die Türen der Boxen wurden oben kleine Kunststofftafeln angeschraubt, auf denen dann die Daten der Kälber angeschrieben werden. Mit der bisherigen Variante klassischer Stalltafeln an einem Drahtseil funktioniert es nämlich nicht, entweder zu hoch und man kommt nicht dran oder zu niedrig und man kann mit dem Hoflader zum Ausmisten nicht drunter durchfahren:

Benjamin

Montag, 3. Dezember 2018

Tilly - Teil 2

Ein aktuelles Foto von Tilly. Sie ist jetzt 19 Tage alt und sollte heute eigentlich verkauft werden als künftige Mastfärse. Das klappte nicht, denn sie hat noch keinen Rinderpass, nachdem ihre Geburtsmeldung bei einem Serverausfall der HIT-Datenbank verloren gegangen war. 
Normalerweise werden die weiblichen Kreuzungskälber (mit Uckermärker, Charolais oder Fleckvieh als Vater) behalten und werden später zu Mutterkühen. Das hat den Vorteil, dass sie mehr Milch geben als die Fleischrassekreuzungen und wenn sie anderthalb Jahre in der Jungviehaufzucht mitgelaufen sind zahmer sind als die Halbwilden von der Koppel.
Aber Kreuzungen aus Holstein und Weißblauen Belgiern wie Tilly werden dafür nicht verwendet. Denn das extreme Muskelwachstum der Belgier geht nicht nur nach außen sondern auch nach Innen und führt zu engen Geburtswegen, was das Risiko von Schwergeburten extrem erhöht. Auch wenn es in Tillys Fall dann nur sie als "halber Belgier" und das Kalb als "viertel Belgier" wären, ist es für unsere Mutterkuhhaltung mit Kalbung draußen bei Wind und Wetter nicht vertretbar.
Zudem könnte sie sich möglichweise bei Tina doch mit Paratuberkulose infiziert haben und das wieder in die Mutterkuhherden einschleppen.

Benjamin

Samstag, 1. Dezember 2018

EuroTier 2018

Es fehlte noch der Bericht zur Eurotier dieses Jahr. Hier ist er!
Ich war traditionell am Donnerstag runter gefahren, da ist als der Andrang nicht ganz so groß und es passt am besten in unseren wöchentlichen Arbeitsrhythmus.
Gesamteindruck: Die Digitalisierung der Landwirtschaft schreitet weiter voran. Für gefühlt Alles gibt es Apps und Clouds; wo ich vor allem das Cloud-Computing kritisch sehe, weil man dafür faktisch die ganzen Anlagen flächendeckend mit WLAN ausstatten müsste, wo Fr. Karliczek meint, dass nicht jede Milchkanne 5G braucht...

Ansonsten der übliche Branchentreff, ich habe viele Geschäftspartner und Bekannte getroffen, darunter auch Studienkollegen, die ich schon Ewigkeiten nicht mehr gesehen hatte.
Bei Boehringer Ingelheim war ich auch (hiermit grüße ich die fleißigen Kuhblog-Leser!), die als neues Produkt den Bolus Bovicalc dry vorstellten. Dieser Bolus wird zum Trockenstellen eingesetzt und verschiebt im Stoffwechsel der Kuh die Kationen-Anionen-Bilanz was zur physiologisch Verringerung der Milchproduktion führt und Druck vom Euter nimmt.

Einzig wirklich konkretes Ziel zu Informationsbeschaffung war über Hefe zum Drenchen. In Stüdenitz (siehe Post vom 22.04.2018) wird viel mit Backhefe gearbeitet, was ich aber für uns ausschloss weil mir das schnell zu umständlich werden schien. Zuerst war ich bei Diamond V, die mir aber die Hefe tonnenweise verkaufen wollten, dass es erst gar nicht zu akuten Verdauungsstörungen kommt. Hilft mir aber wenig wenn eine Kuh dann doch eine hat... Danach war ich bei Leiber Bierhefe, die mich sehr kompetent und freundlich berieten, so stelle ich mir das vor! Und sie sagten auch gleich, dass es mit der Formulierung ihrer Produkte in wasserunlöslicher Pulverform nicht funktioniert. Propylenglykol als Energieträger wie wir es schon verwenden wäre aber ein guter Ansatz.

Noch zwei Fotos.
Cow Body Scan von DSP Agrosoft, das eine Silbermedaille gewann. Eine Kamera die am Ausgang des Melkstandes/-karussells montiert wird und von oben die vorbeilaufenden Kühe vermisst. Dabei wird aus den Daten vor allem das Gangbild und die Kondition errechnet. Da dies vollautomatisch erfolgt liegen für jede Kuh 2 oder 3 Werte pro Tag vor und aus deren zeitlicher Entwicklung können beginnende Lahmheiten und Gewichtsverluste erkannt werden, mit Alarmmeldungen und vollintegriert in HerdePLUS und Klaue. Dass die Kühe schon auf die Klauenpflegeliste gesetzt werden, die sich noch nichts anmerken lassen wenn man gerade hinschaut.
Am Stand war für die Kooperationspartner auch das Logo von Hölscher + Leuschner aufgeführt; von denen ich 2011 im Studium einen Vortrag zum Precision Animal Farming gehört hatte wo es unter anderem um die Entwicklung eines Systems für die Konditionsmessung bei Kühen ging. Der Ansatz war aber noch nicht eine 3D-Kamera sondern eine Umrisserkennung nach dem Schema rund = fett, spitze Knochen = mager:




TSR von DeLaval. Hatte einer unserer Servicemonteure erzählt, dass DeLaval in ihrer Werkstatt Messemodelle für die Eurotier gebaut hat. Die Deutschland-Zentrale von DeLaval samt dem Ersatzteillager zog im Frühjahr um - irgendeine Industrieansiedlungs-Subventions-Geschichte. Das merkten wir nicht nur an der über Wochen schlecht laufenden Ersatzteilversorgung sondern dabei wären auch die eingelagerten Messemodelle "verlorengegangen". Und da wurde auch ein neues Modell für den Dipproboter gebaut, der jede Kuh dippen kann, weil die nicht schief steht, tritt, auf die Linse kackt oder der Roboter die Verbindung zu seiner Kamera verliert oder einfach zwischendrin abstürzt und über den Notaus das Karussell blockiert:

Benjamin