Dienstag, 31. Januar 2017

Neumühle 1/2017

Am Sonntag war ich wieder auf meinem Stammbetrieb LVAV Hofgut Neumühle. Habe mal nach Ewigkeiten wieder zusammen mit dem Produktionsleiter gemolken. 
Sein aktuell neuster Erfolg: Unter 100.000 Zellzahl im Tank - ist halt eine andere Liga.

Vier Generationen auf einem Foto auch wenn zwei davon fehlen: Rechts Leonie und in der Mitte ihre Urenkelin Mai (2.), die Plätze dazwischen sind symbolisch freigehalten für ihre Tochter München (Braunie) und ihre Enkelin Mai (1.), die es beide leider nicht mehr gibt:





















Leonie war raussortiert worden weil sie lahm ging und auf den Klauenstand musste. Hatte an der Außenklaue hinten links eine tiefsitzende Eitrig-hohle Wand, eine Entzündung unterhalb der Klauenwand. Da ist richtig viel Eiter rausgelaufen, untypisch wässrig-dünn. Auf die andere Klaue hat sie dann zur Entlastung noch einen Klotz geklebt bekommen. "Dass Du auch die 100.000 voll machst!" So vier Jahre wird sie noch dafür brauchen.

Benjamin

Freitag, 27. Januar 2017

Nachruf auf zwei Giganten

Dieser Tage kam die aktuelle Milchrind. Ich sag ja immer, dass das eine Zeitschrift für den Hobbyzüchter ist mit den vielen Berichten von Tierschauen und Vorstellung neuer Besamungsbullen und nicht so in Richtung meines Zuchtverständnis mit den Testherdenprogrammen geht. Entsprechend ist nur ein Drittel des Heftes interessant und daher schnell gelesen.
In der aktuellen Ausgabe waren die wichtigsten Auszüge des Jahresberichts des DLQ über die Ergebnisse des Milchkontrolljahres 2015/16 veröffentlicht. Darunter die Betriebe und einzelnen Kühe mit den höchsten Jahresleistungen und auch die höchsten Lebensleistungen zum 30. September.
Vom Namen her mir natürlich bekannt Heyke, mit knapp 190.000 kg die Kuh mit der höchsten Lebensleistung in Deutschland.
Auf dem 4. Platz mit 179.396 kg Carlotta, die Starkuh vom LLG Iden, die höchste Lebensleistung in Sachsen-Anhalt und dem Zuchtgebiet der RinderAllianz.
Auf dem 14. Platz Bressi (siehe Post vom 14.04.2015), ebenfalls vom LLG Iden mit 169.719 kg, die aber Ende 2015 abgegangen ist.
Bei den Rotbunten auf dem ersten Platz Rugby (siehe Post vom 01.07.2016) mit 172.665 kg, die zwar am Ende des Kontrolljahres schon als Rentnerkuh trocken stand, aber trotzdem noch in die Milchleistungsprüfung einfloss, auch wenn ihre Lebensleistung nicht mehr stieg. Und im Text stand dabei, dass sie im November ebenfalls abgegangen ist. Da bin ich schon froh, dass ich sie im Juni nochmal besucht hatte.
Natürlich ganz andere Dimensionen als daheim, wo ich darauf spekuliere bald vielleicht drei lebende 100.000l-Kühe gleichzeitig zu haben.

Benjamin

Mittwoch, 25. Januar 2017

Absprung

Manchmal kommt es blöder als man überhaupt denken kann. So am Montagabend bei der allerletzten Kuh Nr. 1780 des Tages auf dem Karussell in Pinnow: Ob sie nun selber brünstig war oder die Kuh daneben, jedenfalls hat sie versucht auf dem Karussell sie zu bespringen. Als sie schräg drauf hing ist sie nicht nach rechts zurück auf ihren Platz sondern nach links über den äußeren Begrenzungsring gesprungen/gestürzt. Dachten zunächst, dass sie sich am Euter verletzt hat, dem war dann aber nicht so.
Auf dem Foto steht sie vor dem Dipproboter und weiß nicht wohin. Wie kriegt man eine Kuh aus dem Melkbereich wieder weg? Treppe hoch, durch die Tür und das Personaltor in den Nachwartebereich zurück:

Benjamin

Dienstag, 24. Januar 2017

Tiefste Provinz

Mal was für die fleißigen Kuhblogleser aus dem Südwesten, wo sich die Menschen tottreten.
Der Nordosten ist zwar dünn besiedelt, aber in Grabow an der Bundesstraße und Bahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin gelegen sowie seit einem Jahr mit Autobahnanschluss ist man mitten in der Zivilisation.
Obwohl ich die Weite und Ruhe meiner Brandenburger Heimat so schätze, bekam ich doch am Sonntag einen kleinen Kulturschock. War noch ganz knapp auf Mecklenburger Seite. Beim Feuerwehrdienst waren wir zur OTS - Operativ-Taktischen Schulung - in den südlichsten Stadtteilen von Grabow unterwegs, die mit der Eingliederung der ehemaligen Gemeinde Steesow Anfang letzten Jahres hinzugekommen waren. Begutachtung besonderer Objekte und Löschwasserentnahmestellen. 
Da war ich erstmals überhaupt in Zuggelrade, 20 km von der eigentlichen Stadt Grabow entfernt. Nur wenige hundert Meter von der Landesgrenze zu Brandenburg entfernt, vielleicht 4 km nördlich der Elbe und auch nur 2 km von der Straße Grabow - Lenzen, aber trotzdem total abgelegen. Früher ein Dutzend großer Gehöfte sind heute mehr als die Hälfte Ruinen und vielleicht eine Handvoll Einwohner. Feuerwehrtechnisch gesehen keine Hydranten sondern nur ein einziger, aber leistungsstarker Brunnen.
Da gingen die Meinungen von "Hier darf man weder krank noch alt werden" bis "Schon romatisch und vor allem ruhig: Kein Durchgangsverkehr, keine Eisenbahn." Ich würde sagen: Hier sagen sich nicht mal mehr Fuchs und Hase Gute Nacht, hier kacken am hellichsten Tag die Wölfe auf die Straße.

Im Dorfzentrum von Zuggelrade:

Benjamin

Montag, 23. Januar 2017

Wenig Struktur

Am Donnerstag war die erste Versammlung unseres Besamungsvereins für dieses Jahr. Neben der Vorstellung des Programms für die nächsten Monate gab es auch wie immer einen Fachvortrag.
War ein Berater von der Firma HCS Herdenmanagement, die ich von Namen her kannte, von denen hatte ich nämlich mal ein Angebot über Kälberboxen, woraus aber nichts geworden ist.
Titel des Vortrages: "Welche Aufgaben übernimmt der moderne Herdenmanager in Zukunft?" Mit meiner eigenen Einschätzung der aktuellen Situation 'Alle Kuhbehandlungen ohne Klauenpflege und komplette Organisation' lag ich nahe bei der üblichen Zwitterfunktion zwischen Arbeiten an der Kuh und Management. Wobei sich in Zukunft das eher in Richtung des Managements verlagern wird, das ist klar, aber die Arbeiten an der Kuh als reine Ausführung ohne Entscheidungen zur delegieren ist mir dann schon zu sehr in die Richtung der antrainierten Unselbstständigkeit, über die ich mich oft ärgere.
Aber ganz eindeutig wurde es bei der Erläuterung von Beispiel-Organigrammen zur Zuständigkeitsaufteilung, dass wir mit unserer sehr flachen Hierachie Vorstand - Produktionsleitung - restliche Mannschaft doch arg wenig Struktur und enstprechendes Potential für klare Zuständigkeiten und Kommunikationswege haben.
Habe gleich mal mit dem Referenten die Kontaktdaten ausgetauscht.

Benjamin

Freitag, 20. Januar 2017

Kampf um Talente

Der Nachwuchs in der Landwirtschaft ist knapp und die guten Leute noch viel mehr. 
Bestes Beispiel ist momentan meine "Assistentin" Fabienne; letzte Woche macht sie von der Schule aus ein Praktikum - natürlich auf einem Milchviehbetrieb.
Dort war die gesamte Mannschaft von ihrem Fleiß und vor allem ihrem bereits vorhandenen Wissen schwer beeindruckt und die Chefin sagte schon was in Richtung Ausbildungsplatz.
Da werden wir uns anstrengen müssen, um dagegen anzukommen, die bisherigen Inhalte Silagefahren und Steinesammeln wird dann nicht ausreichen.

Benjamin

Samstag, 14. Januar 2017

Bericht aus Götz

Am Donnerstag war ich auf dem diesjährigen Tag des Milchrindhalters in Götz; meine Kollegen waren parallel dazu auf der Testherdentagung der RinderAllianz in Schwerin. Dass die das nicht in hinkriegen sich abzustimmen...
Habe viele Bekannte getroffen und als wirkliche Überraschung auch meinen Bruder, der aus der Suhler Gegend bis nach Götz gekommen war.

Was es zu hören gab:
- Einleitend wie immer Minister Vogelsänger; gutes Wetter bei den Bauern machen.
- Dr. Börgermann vom Milchindustrieverband über Strategien zu den Volatilitäten der Milchmärkte.
- Dr. Jung vom IFN Schönow (bei denen auch die Genomanalysen für das KuhVision-Projekt laufen, siehe Post vom 04.10.2016) über Fortbildungsangebote für Herdenmanager.
- Dr. Hammel vom LKV BB über neue Projekte, wie ZellDiX zur genaueren Untersuchung der Zellzahlen und KLAUENfitnet zur Monitoring der Klauengesundheit.
- Dr. Reents vom VIT über KuhWert, ein Rechenmodul im neuen HERDEplus, bei dem der monetäre Wert einer Kuh oder nachrückenden Färsen errechnet wird um dort keine Bauchentscheidungen mehr treffen zu müssen
- Dr. Boldt von der LFA MV über den Einfluss des Exterieurs auf die Gesundheit, den Vortrag hatte ich mit meckelnburger statt brandeburger Kuhdaten schon in Pasewalk gehört (siehe Post vom 26.01.2016).
- Dr. Pieper von der Dr. Pieper Technologie- und Produktentwicklung über seine Milchproduktion ohne jeglichen Medikamenteneinsatz. Hochinteressant, aber in den Konsequenzen abschreckend.
- Fr. Buchholz vom RBB über den aktuellen Stand der Zucht. In der Krise sind viele Herdbuchkühe verloren gegangen und erstmals unter 100.000 Schwarzbunte in Brandenburg.
Die Erwähnenswerte Kühe:
In Brandenburg sind es jetzt bisher 5 150.00l-Kühe gewesen.
Die älteste produzierende Kuh Mara (den Betrieb hab ich vergessen...) wurde im Dezember 20 (!) Jahre alt und hat bisher in 14 Laktationen 122.000 kg mit 4,38%  Fett und 3,71% Eiweiß gemolken (kurz vorm 10-Tonner).
Und als Höhepunkt wurde die Urkunde für die 800. 100.000l-Kuh in Brandenburg überreicht, Marla von der Agrargenossenschaft Uckro.

Benjamin

Freitag, 13. Januar 2017

Aufruf zur Wir machen Euch satt!

Am nächsten Samstag, dem 21. Januar findet ab 09:00 wieder die Kundgebung "Wir machen Euch satt! 3.0 Dialog statt Protest" in Berlin auf dem Washingtonplatz vor dem Hauptbahnhof statt (Zwischen Südseite Hauptbahnhof und Spreeufer).

Es geht um einen Dialog zwischen Verbrauchern und Bauern über die Landwirtschaft ohne Diffamierungen, ohne Ideologien, sachlich und wissenschaftlich fundiert. Denn die Bauern machen tagtäglich die Bevölkerung satt.

Link zur Aktion --> https://www.wir-machen-euch-satt.de

Dieses Jahr werde ich leider nicht dabei sein, da ich an dem Wochenende Leitungsdienst für die Milchproduktion habe, aber eine Abordnung unsrer Genossenschaft wird teilnehmen.

Die meisten Kuhblog-Leser werden nicht so nahe an Berlin sein wie wir hier, aber der ein oder andere wird schon hinkommen und ansonsten: 

WEITERSAGEN!

Benjamin

Mittwoch, 11. Januar 2017

100.000er Serie - Besamer

"Besamer" ist ein wirklich beliebter Suchbegriff. Bloß von Besamungen habe ich eigentlich gar keine Fotos; ein Einziges aus dem Jahre 2008... Also musste jetzt ein Aktuelles her.
Und genau passend war Gisela jetzt brünstig, dass sie mit aufs Foto konnte. Hatte sich natürlich vorbildlich am ersten Platz im Nachwartehof fest gemacht.
Habe ihr mit Fettstift "B1" draufgeschrieben, das steht für "zur Besamung, danach zurück in Gruppe 1", wobei wir normalerweis die Gruppennummer vornean schreiben. Ich war da aber schon zu sehr damit beschäftigt ihren Namen drunter zu schreiben, dass man es auf dem Foto auch sieht, um wen es sich handelt.
Und sie ist während der ersten Laktation noch ordentlich Stück gewachsen, da fiel mir schon beim Fiebermessen nach der Kalbung auf.
Der eingesetzte Bulle war Lopedo (--> Bullenkarte), von dem wir aktuell das Frischsperma haben, das ja fruchtbarer ist (vgl. Post vom 03.11.2016). 
Bei Gisela war es aber möglicherweise schon bisschen zu spät mit der Besamung, bei der Nachkontrolle heute früh hatte sie schon Blut am Schwanz. Das Abbluten ist so anderthalb bis zwei Tage nach dem optimalen Besamungszeitpunkt zu sehen. Also wird sie in 19 Tagen wieder vorgestellt, halt Lieblingskuhbonus, dass auch dran gedacht wird.

Benjamin

 

Dienstag, 10. Januar 2017

Gisela ist brünstig!

Mal eine Livemeldung aus dem Pinnower Kuhstall:
Meine Gisela ist heute brünstig.
Habe sie heute Vormittag zusammen mit Nr. 1041 rammeln sehen. Da musste ich natürlich meinem aktuell zugeteilten Lehrling zeigen, dass man sich nicht alleine auf die Aktivtätsmessung verlassen kann sondern auch klassiche Brunstbeobachtung wichtig ist. Also zwischen den anderen Kühen durch und als mich die beiden ankucken sticht mir ihr "84 170" auf den Ohrmarken sofort ins Auge, noch vor ihrer herzförmigen Blässe (die ja auch einige andere Kühe haben). "Ach, Du bists Gisela!" 
Sie wird heute Nachmittag nach dem Melken zur Besamung vorgestellt.

Benjamin

Montag, 9. Januar 2017

100.000er Serie - L 203

Ein häufiger weitergeleiteter Suchbegriff ist "L 203". Dies ist die Bezeichnung einer Bauserie an Typenställen, die in den gesamten Neuen Bundesländern weit verbeitet ist und wir auch zwei davon haben.

Über die Jahrzehnte wurden viele verschiedene Serien an Typenställen gebaut, so auch die Typen L 201, L 202 und L 203, die sich in der Breite unterscheiden. Ein Foto von der schmalsten Ausführung L 201 gibts im Post vom 16.06.2016.

Die L 203 sind 21,25 m breit, in Stahlbetonbauweise mit Stützen von 24 x 24 cm, dazwischen Wände aus Leichtbetonplatten, die oft herausgerissen wurden, aber bei unseren noch vorhanden sind. Die Dachkonstruktion besteht aus Nagelbindern mit darunter abgehängter Decke bei einer lichten Innenhöhe von 3,6 m.
Unseren beiden L 203 wurden als 80 m lange fünfreihige Anbindeställe mit Bandfütterung (Unteneinzugsbänder) für 315 Kühe gebaut; dahinter ein Futterhaus zur Beschickung der Bänder.
Die frühen Ausführungen hatten drei Stützenreihen, die späteren nur noch zwei an den Außenwänden was den Innenraum bei Umbauten frei aufteilbar machte und entsprechend zur Langlebigkeit beitrug. So hat eigentlich jeder, der keine 1930er oder 1232er Anlage hat ein oder zwei L 203.

Die beiden Prototypen der L 203 wurden 1965 in Iden gebaut (siehe Post vom 11.04.2015; da sieht man auch die mittlere Stützenreihe). Damals noch mit Sheddachfirst, was aber wegen der aufwändigen Konstruktion nicht für den Serienbau übernommen wurde. Dies waren zudem die ersten einstreulosen Ställe überhaupt mit Gummimatten.

Der L 203 in Garlin, wurde wie die meisten L 203 in einen 1 + 3-Reiher Laufstall umgebaut, als Besonderheit dabei ist die Entmistung nicht einheitlich, rechts bei den 3 Reihen mit Spaltenböden, links bei der einen Reihe ein planbefestigter Fressgang mit Gummimatten und Gülleschieber, der auch schon mal ein Kalb in den Abwurfschacht geworfen hat (siehe Post vom 25.11.2016). Vorne mit dem höheren Dach ist das ehemalige Futterhaus. Gut zu sehen auch die abgehängte Decke und die originalen Fensterelemente, wenn auch heute ohne Scheiben sondern mit Curtains davor:








 















Der Pinnower L 203. Hier sieht man schön die Stützenreihen, rechts dahinter der "Anbau", da wurde in den 1980ern auf halber Länge eine sechste Reihe angebaut, um Platz für gut 30 weitere Kühe zu schaffen. Dies erleichterte die Planerfüllung ungemein...
Statt der gut 345 Plätze von damals sind es heute einschließlich dem ausgebauten Futterhaus 312 und nochmal 4 in Abkalbeboxen, wenn auch meistens der Stall mit 260 bis 300 Kühen nicht voll belegt ist:

Benjamin


Sonntag, 8. Januar 2017

Rebecca tragend!

Am Freitag waren die erste Trächtigkeitsuntersuchungen für dieses Jahr in Boberow. Bei - 15 Grad nicht so komfortabel, vor allem weil ich das als rumstehe und nur die Ergebnisse aufschreibe. Wurden 24 Kühe vorgestellt und davon waren 17 tragend, was akzeptable 71% macht.
Unter ihnen war auch Rebecca (siehe auch Post vom 21.10.2016), die von der Besamung am 30. Oktober tragend ist. Ein Erstbesamungserfolg; sie wird dann voraussichtlich um den 4. August rum zum zweiten Mal kalben. Der Bulle ist Medon, ein genomisch geprüfter Jungbulle der RBB, der bei uns im Rahmen vom RBB-plus-Testherdenprojekt eingesetzt wurde.

Benjamin

Samstag, 7. Januar 2017

100.000er Serie - Palpation Rail

Der Suchbegriff bezieht sich auf den Post vom 14.05.2014, über die Palpation Rail bei Familie Collas, wo mein Bruder damals arbeitete.

Palpation ist der englische Begriff für Rektalisieren zur Besamung oder Trächtigkeitsuntersuchung. Rail dann für das entsprechende Gestell, eingedeutscht als Behandlungsstrasse. Die Kühe stehen schräg nebeneinander drin, wie in einem Fischgrätenmelkstand.

Vorteile:
- Einfach und billig, ist ein Gestell mit zwei Toren. Der ehemalige Werkstattleiter in Boberow hätte mir eine für 20 Kühe in einem Tag bauen können.
- Die Kühe müssen sich nicht einfangen sondern laufen einfach rein.

Nachteile:
- Die Kühe können nur der Reihe nach rausgelassen werden, kann bei der Rücksortierung auf verschiedene Stallgruppen aufwändig werden.
- Es können keine Kühe zurückbleiben bzw. müssen am Ende wieder angestellt werden.
- Man nur von vorne oder hinten an die Kuh; Euter und die Seiten (Abhorchen Pansen/Lunge) sind schwer zugänglich
- Wenn eine Kuh hinfällt, können die anderen darüber drängen oder gerade mitten bei der Besamung an der hinteren Stange den Arm brechen.

Das System ist in Deutschland nicht so weit verbreitet; unter anderem habe ich es in Dedelow (siehe Post vom 01.02.2016) gesehen oder bei Familie Rueben (siehe Post vom 15.05.2014): Sie verwenden aber eine andere Verfahrensweise: Hinter dem Selektionstor ist ein Wartebereich, der mit Hubtoren für die einzelnen Gruppen unterteilt wird. Fr. Rueben nimmt dann die Kühe gruppenweise zur Besamung in die Palpationrail. Auf dem Weg zurück in den Stall werden sie dann automatisch über ein weiteres 4-Wege-Selektionstor in ihre Gruppen sortiert.

Und wir arbeiten mit einem ganz anderen System: Mit Fressgittern wie es sich bei uns seit vielen Jahrzehnten bewährt hat. In den allerersten Planungszeichnungen für das Melkhaus waren im Nachwartehof zwei Palpationrails anstatt der Fressgitterreihen vorgesehen; links eine für Linkshänder und rechts eine für Rechtshänder. Wegen den guten Erfahrungen mit den Fressgittern bzw. schlechten von meinem Kollegen bei der Besamungen in Palpation Rails wurde das damals einstimmig ohne Diskussion im Plan abgeändert, war eine Sache von nicht mal 10 Sekunden:

Benjamin

Freitag, 6. Januar 2017

Richtiger Winter

Jetzt ist der "richtige" Winter über die Prignitz hereingebrochen. Zweistellige Minustemperaturen und Schnee. Also so, dass Schnee geräumt werden muss, die Ställe verschlossen sind und trotzdem frieren die exponierten Tränken ein und der Mist auf den Spalten/Gängen fest.
Am Mittwochabend das Sturmtief mit der Sturmflut an der Ostseeküste, die als flaches Brackwassermeer dort üblicherweise nur geringe Gezeiten hat. Dann ganze 1,5 m über Normalhoch und die schwersten Überschwemmungen seit 1995. Bei uns kam davon nur ein heftiger Schneesturm an, was 5 cm Neuschnee in kurzer Zeit brachte. 
Am Donnerstag und heute dann klares Wetter mit gleisendem Sonnenschein. Mit den verschneiten Weiten der Landschaft zeigte sich Brandenburg wieder von seiner allerschönsten Seite. Dazu entsprechend kalt, heute morgen kurz vor Sonnenaufgang waren es - 16 Grad. Wo ich meinen Kollegen wieder erzählte, dass es im südlichen Rheinhessen von Januar 1997 bis Dezember 2009 nie unter - 8 Grad gegeben hatte.

Am Donnerstagmorgen zwischen Zapel und Pröttlin: Allee, Pflasterstraße (zwar nicht zu sehen) und weite Äcker, der perfekte Ort für DAS Foto dieses Winters. Wie man sieht kam der Schneesturm aus Nordwest:




















Und noch einmal in Blickrichtung Pröttlin, rechts ist der Acker, auf dem letztes Jahr Rüben waren (siehe auch Post vom 18.10.2016) und hinten links der Acker, auf dem die Phacelia stand bzw. jetzt abgefroren ist (siehe auch Post vom 09.10.2016).

Benjamin 



Mittwoch, 4. Januar 2017

Planerfüllung 2016

Jetzt gibts die Zahlen zur Planerfüllung in Boberow 2016:

                                    Plan           Ist           Differenz         % von 
                                                                                            Plan
l/Kuh                            8.824       8.809          - 15               99,8
kg/kuh                          9.000        8.985         - 15                99,8
Fett-%                           4,05          4,04         - 0,01             99,8
Eiweiß-%                       3,55          3,49         - 0,06             98,3
kg fettkorrigiert              9.113       9.073          - 40                99,6
kg energiekorrigiert        9.138       9.076          - 62                99,3
F+E-kg                           684          676          - 8                  98,8


Zwar konnte der Plan in keinem einzigen Punkt erfüllt werden, lag aber immer über 98 %.

Die Entwicklung über die letzten Jahre:

Jahr                             2013    2014     2015       2016       Differenz
                                                                                       2015 - 2016
l/Kuh                           8.080    8.380    8.643    8.809        + 166
kg/kuh                         8.242    8.548    8.816     8.985       + 169
Fett-%                          3,97      4,09      3,99       4,04       + 0,05
Eiweiß-%                      3,52      3,51      3,53       3,49        - 0,04
kg fettkorrigiert             8.172    8.742    8.793    9.073        + 280
kg energiekorrigiert       8.272    8.698    8.879    9.076        + 197
F+E-kg                          617       650       663       676        + 13


Und auch wieder der neue Plan für das Jahr 2017, mit 9.250 kg abgelieferter Milch pro Kuh, die 250 kg Steigerung pro Jahr haben sich als Ziel bewährt. Fett- und Eiweißgehalt bleiben unverändert,  um beim Eiweiß wieder über die 3,5 % zu kommen.

l/Kuh                            9.069 
kg/kuh                          9.250  
Fett-%                           4,05  
Eiweiß-%                       3,55  
kg fettkorrigiert             9.366
kg energiekorrigiert       9.392
F+E-kg                           703   
 

Dienstag, 3. Januar 2017

100.000er Serie

Nachdem ich schon von eifrigen Lesern gefragt wurde wenn endlich die Serie anlässlich des 100.000. Lesers beginnt, hier ist der erste Post:

Ein sehr häufig in der Statistik vorkommender Suchbegriff ist "Ultraschall". Die Ultraschalluntersuchung scheint ein Synonym für professionelles Fruchtbarkeitsmanagement zu sein. Es bezieht sich vor allem auf dem Post vom 08.01.2016.

Ein anderer häufiger Suchbegriff ist "Außenmelker", was sich auf die unzähligen Posts zum Pinnower Melkkarussell bezieht: Es ist ein DeLaval PR3100 HD mit 60 Plätzen und Dipproboter.
Zum Außenmelkerkarussell an sich; es ist die "modernste" Entwicklungsform des Melkkarussells, zuerst kamen Tandemkarusselle, dann Fischgrätenkarusselle (die heute geläufige Form des Innenmelkers) und dann die Außenmelker als Side-by-Side.
Vorteil ist der höhere Durchsatz, da die Kühe gerade reinlaufen und sich nicht auf ihren Platz drehen müssen. Ich wüsste von keinem Innenmelkerkarussell, das dadurch mehr als 250 Kühe pro Stunde melken kann. Beim Außenmelker sind mehr als 300 möglich (siehe auch Post vom 12.11.2015). 
Zudem braucht das Karussell weniger Platz als ein Innenmelker, so dürfte unser 60er Außenmelker so groß sein wie ein 48er Innenmelker, da die Kühe "platzsparender" auf der Plattform stehen.
Dass die Melker außen und nicht innen stehen ist von Vorteil, dass sie schnell zum Vorwartehof etc. können und von Nachteil, dass sie von ihrer Postition aus weniger Überblick über die Kühe haben.
Würde es so einschätzen, dass heute Innenmelker von 24 - 32 Plätzen für mittlere Herdengrößen gebaut werden und Außenmelker mit 40 bis 80 Plätzen für große Herden. 

Benjamin

Montag, 2. Januar 2017

Transponderlesegerät

In Sachen HERDEplus geht es vorwärts!
Ein Funktion dabei ist HERDEplus RFID. Dafür wird ein Transponderlesegerät mittels Bluetooth mit dem Handy verbunden auf dem Herde Mobil läuft mit den ganzen Tierdaten und Arbeitslisten. Damit müssen die Tiere nicht mehr per Hand eingetippt werden sondern können schnell und zuverlässig abgescannt werden.
Die Frage dabei war, ob das Lesegerät (Agrident AWR300) für unsere Transponder geeignet ist. Daher schickte ich Ohrmarkentransponder aus Pinnow und Halsbandtransponder aus Boberow sowie einen Aktivitätsmesser wegen möglicher Störeinflüsse zu DSP nach Dresden.
Heute kam dann die Antwort, dass nur die Ohrmarkentransponder gelesen werden können, die anderen nicht und haben auch keinen negativen Einfluss, schön mit diesem Foto dargestellt:


























Da kann es für Pinnow in Richtung der vollelektronischen Dokumentation gehen, wie ich es erstmals in Idaho bei Familie Kroes gesehen hatte (siehe auch Post vom 16.10.2014).

Benjamin

Sonntag, 1. Januar 2017

Start in 2017

Allen Lesern des Kuhblogs wünsche ich ein gesundes neues Jahr 2017!

Auch in diesem Jahr wird es wieder interessante, informative und auch kuriose Geschichten geben und ich werde mich bemühen regelmäßiger zu schreiben.

Ein winterliches Foto aus der Prignitz gibt es mangels Schnee leider nicht, dafür eins von den vereisten Weinbergen in Rheinhessen:

Benjamin

Samstag, 31. Dezember 2016

Hormone zum Frühstück

Ein Schnappschuss aus Benjamins Arbeitsalltag, amüsant und erschreckend unprofessionell zugleich. Wenn ich morgens als in Boberow bin mache ich alle anfallenden Arbeiten irgendwie parallel und dabei kommt dann auch sowas raus wie auf dem Foto unten zu sehen, wenn sich alles auf meinem Schreibtisch stapelt.

Die Büchsen mit dem Müsli fürs Frühstück. Wenn ich sowohl abends als auch morgens zu faul bin zum Stullenschmieren packe ich mir Müsli ein und zapfe vom kleinen Tank in Boberow Milch dazu ab. In Pinnow mit dem Hochsilo und dem Druck dahinter geht das nicht.

Dann in den kleinen Fläschenchen Milchproben für den Hemmstofftest von Nr. 2230 Silma - die mit ihrem verkürzten Unterkiefer immer die Zunge raushängen lässt - und Nr. 2271 Mia, beide 5 Tage nach der Kalbung, ob sie nach der Kolostralmilchphase in den Tank gemolken werden können.

Vorne im Probenröhrchen eine Milchprobe von Nr. 1059 Capri, die euterkrank war, für die Analyse im Labor, was für ein Erreger das ist.

Und in der Spritze und daneben noch im Fläschchen Dinolytic, das ist das Hormon Prostaglandin PGF2a, das die Kontraktion der Gebärmutter fördert. In diesem Fall für Nr. 1027 vorgesehen, die an Nachgeburtsverhaltung litt und danach Gebärmutterentzündung, dass der ganze Dreck und Eiter rauskommt.
Dies erinnerte mich an eine Anekdote aus den Anfängen meiner Arzneimitteldokumentation, wo ich nicht die genauen Zahlen zu Dinolytic wusste und im Internet danach suchte. In Deutschland kommt da das Heilmittelwerbegesetz ins Spiel, dass man nix findet. Da darf keinerlei Werbung dafür gemacht werden, es könnte ja sonst sein, dass die Bauern jegliche wirtschaftliche Erwägungen über Bord werfen und Unmengen Medikamente kaufen. Jedenfalls war dann der Toptreffer über Bodybuilder, die sich über die (Neben-)Wirkungen des Dopings mit Dinolytic austauschten - von "Wundermittel" bis "pures Gift". Und ich dachte mir nur: "Bekloppte Leute gibts!" - Also Hormone zum Frühstück:

Benjamin


Freitag, 30. Dezember 2016

Jahresendbesuch bei Braunies Familie

Gestern früh machte ich den Jahresendbesuch bei Braunies Familie auf der LVAV Hofgut Neumühle. Als Staatsbetrieb läuft es zwischen den Jahren auf kompletter Grundbesetzung nur für Melken und Füttern.

Beim Melken habe ich gleich zwei euterkranke Kühe gefunden, habe ich mich gleich fast wie zuhause gefühlt, wo es in den vergangenen neun Jahren zusammen auch gerade mal zwei gewesen waren!

Braunies Mutter Leonie hat jetzt endlich die 70.000 kg Lebensleistung (70.600) geschafft, wenn auf mit gut 5.640 FEK. Und ich bin immer wieder begeistert wie gut sie mit mittlerweile fast 13 Jahren aussieht:




















Braunies Enkelin Mai (Junior):




















Und Sonne, Alterskameradin von Braunies Tochter Mai. Sieht ist kurz vor dem Trockenstellen und mit knapp sechs Jahren doch auch recht groß geworden, wo sie immer recht zierlich gewesen ist:

Benjamin

Dienstag, 27. Dezember 2016

Doppelter Stromausfall

Am gestrigen zweiten Weihnachtstag merkte man wieder mal, dass die Weiten Brandenburgs nicht nur große Freiheit bedeuten sondern eine bisweilen schwache Infrastruktur. Das Sturmtief brachte nachts schon ordentlich Regen und ich war noch froh, dass das bei fast zehn Grad nicht als Schnee runterkam. Der Sturm braute sich aber schon zusammen; im Radio wurde die Einstellung der Fähre Rostock - Gedser gemeldet. Um halb drei schüttete es heftig und um drei als die erste Gruppe gemolken war und ich gerade die nächste Gruppe holte gingen alle Lichter und die Melkmaschinen aus. Da das Licht nochmal aufflackerte war es ein Stromausfall und nicht nur der FI-Schalter rausgeflogen. Also Kühe zurück in den Stall bringen und es musste das Notstromaggregat organisiert werden. Seit Anfang des Jahres haben wir in Boberow eine Notstromeinspeisung wie von Arlagarden gefordert. Was Vernünftiges im Vergleich zu dem vielen Schwachsinn was da alles drinsteht.
Bloß Telefon ging nicht mehr und Handyempfang ist eh immer schlecht, außer eine kleine Stelle neben dem Tränkeautomat. Erreichte jedoch niemanden und fuhr nach Pinnow, dort lief aber alles normal. Dann erreichte ich meinen Kollegen von der Biogasanlage, der das Notstromaggregat organisierte. Das stand dann vor dem Elektrohäuschen (Rückseite vom Wiegehäuschen) und sprang tadellos an. Aber das Anschlusskabel war nicht dabei und konnte nicht aufgetrieben werden. Nach anderthalb Stunden gab es wieder Strom und es konnte weitergehen. Als ich die letzte Gruppe im Vorwartehof hatte fiel wieder der Strom aus. Da habe ich dann Feierabend machen lassen, es hätte sonst bis nach Mitternacht gedauert.

Das Stromaggregat stammt noch aus Armeebeständen, ist komplett in Olivgrün lackiert und ist in einem super Zustand:

Benjamin

Samstag, 24. Dezember 2016

Scheenschdes Lewe

"Scheenschdes Lewe" oder "Katz misst mer soi!"

Hier liegt Weißspitze im Vorraum des Boberower Melkstands und lässt sich vom Heizgebläse warme Luft ins Fell blasen. Dazu kriegt sie beim Melken noch Milch hingestellt und so kann man den Tag dann auch rumkriegen.

Mittlerweile ist sie durch die Nähe beim Melken auch wieder zutraulicher geworden, wo sie sich zwischenzeitlich nicht mehr anfassen ließ.

Benjamin


Donnerstag, 22. Dezember 2016

"Gut kalkuliert"

Beim Vorstellen von Kühen zur Besamung bin ich bei uns der Einzige, der neben der klassischen Brunstbeobachtung und Aktivitätsmessung den Kalender nutzt. Da schreibe ich dann die Kühe in den Besamungskalender rein, die im nächsten Brunstzyklus besamt werden dürfen. Die 21 Tage haben sich sehr bewährt, das trifft für die Zykluslänge ziemlich genau hin, bei fast allen Kühen ist es zwischen 19 und 22 Tagen, bloss in Boberow hatte mal eine vor zwei Jahren in dieser Laktation einen 25-Tage-Zyklus.
Dabeu habe ich drei Kategorien, die ich als dazuschreibe, dass man dann weiss, warum die Kuh wiedervorgestellt wird:
KalBlut: Die Kuh hatte nach der letzten Brunst abgeblutet und war daher zu spät zur Besamung. Schon nach 19 Tagen wieder.
KalEit: Die Kuh hatte bei der letzten Brunst trüben (leicht eitrigen) Brunstschleim und bei der jetzigen Brunst sollte er klar sein.
KalRZ: Die Kuh war bei der letzten Brunst noch in der Rastzeit (Freiwillige Wartezeit). Da haben wir eine leistungsunabhängige von nur 40 Tagen nach der Kalbung. Mit dem neuen HERDEplus hoffe ich dann ein kuhindividuelles Wartezeitmanagement einführen zu können.

Wie schön das bisweilen funktioniert sah man erst kürzlich wieder bei Kuh Nr. 899. Die hatte am 29. November gerindert mit 35 Tagen nach der Kalbung. Daher wurde sie für Dienstag mit "KalRZ" aufgeschrieben. Als ich um halb drei die Liste der Aktivitätsmessung durchging stand sie mit Aktivitätsalarm eine Stunde zuvor drauf. Um neun Uhr war es dann der optimale Besamungszeitpunkt und mein Kollege, der das "Kal" immer als "Brunst kalkuliert" liest, meinte: "Gut kalkuliert!"

Montag, 19. Dezember 2016

100.000 Leser

Irgendwie habe ich das verpasst: Nun zurückgerechnet hatte am vergangenen Mittwoch der Kuhblog seinen 100.000. Leser!

Aus diesem Anlass gibt es eine kleine Serie in Bezug auf die Statistiken, über welche Suchbegriffe neue Leser zum Kuhblog kommen.

Benjamin

Sonntag, 18. Dezember 2016

Prignitzer Winteridylle

Da zur Zeit irgendwie gar nichts los ist paar Fotos als Lückenfüller.
Die winterliche Prignitz, aufgenommen am 4. Dezember, am gleichen Tag wie das letzte Foto der Triticale-Webcam. Dieses Wochenende war neblig und kalt (- 5 °C), sodass alles mit Raureif überzogen war und weiß glitzerte. Als Kuhbauer habe ich mich über diese Art von Winter gefreut: Nur einige wenig frequentierte Tränken eingefroren und kein Schnee zu räumen. Aber der Raps hat ohne schützende Schneedecke bei den Temperaturen doch gelitten.

Die Wiese gegenüber dem Triticaleacker, ein ähnlicher Blickwinkel wie im Post vom 01.09.2015:



















Drei Rehe auf einem Rapsacker unseres Nachbarn:



















Das Pinnower Melkhaus im Nebel, so dicht, dass man den Wald dahinter in Mecklenburg-Vorpommern nur erahnen kann. Vorne sind die Trockensteher vom Nachbarn:



















Über dem Teich an der Einfahrt zur Pinnower Milchviehanlage geht die Sonne auf:

Benjamin

 

Sonntag, 11. Dezember 2016

Selektieren

Das Konzept der TMR (Total-Misch-Ration) ist neben der effizienten Mechanisierbarkeit recht einfach: Alles durchmischen und gleichzeitig zum Fressen geben um so ungewünschte Beeinträchtigungen der Pansentätigkeit durch einzelne Futtermittel auszuschließen. Dies betrifft vor allem Getreide, das zu viel auf einmal gefressen den pH-Wert im Pansen zu stark absenken kann, was den Pansenmikroben nicht bekommt. Bei der TMR fressen die Kühe gleichzeitig aber auch Gras und Heu, was den pH-Wert wieder anhebt. So werden die pH-Wert-Schwankungen geglättet und die Verdauung läuft besser. Die TMR-Fütterung ist damit ein bedeutender Grund für den Leistungsanstieg der letzten Jahrzehnte.

Daher sieht man es auch nicht gerne, wenn die Kühe im Futter selektieren und somit dem Konzept der TMR entgegen arbeiten. Gründe dafür können zu lange Gras- und Strohhalme sein, schlechte Durchmischung etc.

Eine Ausnahme bei uns ist die Verwendung von Getreideschrot als Lockfutter auf die TMR drauf, wie z.B. in Pinnow um die Frischabgekalbten Kühe zum Fiebermessen im Fressgitter einzufangen.

Aufmerksame Kuhblog-Leser erkennen wer hier im Futter rührt:

Benjamin


Samstag, 10. Dezember 2016

Dusty

Da es schon mittlerweile zwei Wochen her ist, wird es nun allerhöchste Zeit über Giselas zweites Kalb zu schreiben: Dusty. Wieder ein Bullenkalb. Er wurde am Samstag vor zwei Wochen geboren, ganze sechs Tage später als ich geschätzt hatte (vgl. Post vom 31.03.2016). Unbeobachteter Geburtsverlauf und 46 kg schwer.

Überraschenderweise ist er rotbunt, zwar ist sein Vater Dylan auch rotbunt, aber Gisela schwarzbunt und ich wusste nicht, dass sie einen Rotfaktor hat. Laut meinem Bruder könnte er auch ein Umfärber sein der später mal schwarzbunt wird, die Nasenpigmentierung ("wie Jersey") deute darauf hin.

Benjamin

Mittwoch, 7. Dezember 2016

30.000 kg Lebensleistung!

Gestern wurden in Boberow erstmals die 30.000 kg Lebensleistung der in den letzten 12 Monaten abgegangenen Kühe erreicht.
Somit liegen wir nun ein gutes Stück über Landes- und Bundesschnitt. Die 30.000 sind eine magische Grenze, weil man die darüber als zu den Besseren zählt. Aber trotzdem von den Allerbesten mit jenseits der 50.000 kg (z.B. Meutes oder Iden) noch weit entfernt.

Auf dem Tag des Milchrindhalters 2014 in Götz stellte Dr. Rensing vom vit die neusten Erkenntnisse zur Lebensleistungsentwicklung vor. Anhand der Zuchtwerte der gerade angepaarten Bullen können die Statistiker ausrechnen, wie alt die daraus geborenen Kühe irgendwann einmal werden und wie sich in Zukunft die Lebensleistung der abgegangenen Kühe entwickelt. Bei damals knapp 26.000 kg im Bundesschnitt schätze er einen Anstieg auf 30.000 kg im Jahr 2020.
Damals in Boberow: 24.401 kg, 34,9 Monate Nutzungsdauer, 13,0 kg Lebenstagsleistung.
Ich setzte mir als Ziel 2019, um früher als der Durchschnitt zu sein.

Im Laufe des Jahres 2015 dachte ich mehrfach, dass die Lebensleistung der abgegangenen Kühe irgendwann stark ansteigen müsste, denn von 2013 zu 2015 hatte sich die Lebensleistung des lebenden Bestandes von knapp 20.000 auf über 24.000 kg erhöht und auch die Anzahl der Kühe mit über 50.000 kg Lebensleistung war stark angestiegen.

Bei unserem betriebsbezogenen Auswertung zum Testherdenprogramm im Frühjahr 2016 hatte ich es mit Dr. Römer von der Landesforschungsanstalt MV über die Entwicklung der Lebensleistung, da sie in der TopAgrar vom März 2016 dazu ein Interview gegeben hatte und einen Anstieg auf 31.000 kg im Jahr 2020 prognostizierte.
Damals in Boberow: 27.861 kg, 37,3 Monate Nutzungsdauer, 14,1 kg Lebenstagsleistung.
Mein Ziel für die 30.000 kg hatte ich mittlerweile auf 2018 vorverlegt.

Und nun im Dezember 2016, fast zwei Jahre vor Plan ist das Ziel erreicht worden.
Heute in Boberow: 30.191 kg, 39,7 Monate Nutzungsdauer, 14,7 kg Lebenstagsleistung. Die Lebenstagsleistung ist wegen unserem zu hohen Erstkalbealter so niedrig, bei 24,0 statt 27,6 Monaten der abgegangenen Kühe wären es 15,6 kg.

Die nächste magische Grenze sind dann die 15 kg Lebenstagsleistung. Einen Zeitplan habe ich aber noch nicht dafür.

Benjamin

Dienstag, 6. Dezember 2016

Triticale Webcam - Teil 4

- zur Übersicht der Triticale-Webcam -> hier - 

Der Triticaleacker mal ganz anders. Am Sonntagmorgen kurz nach Sonnenaufgang komplett mit Raureif überzogen.
Leider sieht man in dieser Auflösung nicht die drei Rehe am rechten Bildrand und den Schwarm Gänse der gerade vorbeiflog; da war das Bild vom winterlichen Brandenburg einfach perfekt.

04.12., 08:30:

Benjamin



Freitag, 2. Dezember 2016

Bestenliste!

Jetzt wurden vom LKV die ersten Listen zum Jahresabschluss des Kontrolljahrs 2015/16 veröffentlicht. Am interessantesten ist da natürlich immer die Liste der besten Betriebe.
Erster Eindruck über die Veränderung in der Top 20 im Vergleich zum Vorjahr: Das Leistungsniveau ist deutlich gestiegen!
Aber wir haben es trotzdem noch unter die besten 100 geschafft:
Auf dem 83. Platz die Landgenossenschaft Pröttlin mit 747 Fett-Eiweiß-Kilo bei 9.796 kg Milch mit 4,05 % Fett und 3,57 % Eiweiß.
Und auf dem 95. Platz die Agrar GmbH Boberow mit 737-Fett-Eiweiß-Kilo bei 9.871 kg Milch mit 3,99 % Fett und 3,47 % Eiweiß.
Dass Boberow es in die Bestenliste des LKVs packt hätte ich vor genau drei Jahren niemals zu träumen gewagt, da war ein Tiefpunkt mit 660 FEK und ich sagte dazu "unterdurchschnittlich in allen Bereichen." Wie es sich mit verbessertem Management und vor allem bedarfsgerechter Fütterung doch ändern kann!

Benjamin


Mittwoch, 30. November 2016

Nach Lübeck

Am Wochenende war ich mal wieder auf Exkursion. Es ging zu Familie Bandholz in Vorrade, einem Stadtteil von Lübeck.

Gar nicht mal so weit weg, aber als Familienbetrieb in der Herangehensweise und Organisation doch Welten entfernt. Wo wir Ingenieure "aus dem Osten" auf Arbeit in ganzen Schichten achten und einen erstaunlichen Blick für Arbeitseffizienz haben.

Auf dem über Jahrzehnten gewachsenen Althof sind das Jungvieh, die Trockensteher - inklusive Transitgruppe ("die gibt es auch für eine einzige Kuh!") - und die Abkalbebox untergebracht. Die melkende Kühe stehen in einem außerhalb des Dorfes gebauten Kuhstall, der im April diesen Jahres bezogen wurde. Es ist ein Doppel-3-Reiher, der aber nur halbseitig ausgebaut ist, die andere Seite dient als Lager und Maschinenunterstand.
Erwähnenswert auf dem Foto sind die Verkleidung sämtlicher Stützen mit Edelstahlblechen, denn der Onkel ist Vollblut-Metaller. Sowie die Beleuchtung mit LEDs; hat mir sehr gefallen, natürlich kann man nicht direkt in die Lampen schauen, aber das Licht ist blendfrei und hat eine sehr natürliche Farbe:




















Herzstück des neuen Stalls ist der Melkroboter. Die Lely Astronaut hat ja quasi jeder und hier sah ich erstmals einen GEA MIone. Ein Einbox-Roboter ist nicht viel mehr als eine Kuh und außenrum eine dreiviertel Tonne Stahl und Plastik, ein Dreibox-Roboter dagegen macht alleine durch seine Größe viel mehr her, das sieht nunmal nach richtig viel Technik aus:



















Mal ein für meine Verhältnisse etwas anderer Milchviehbetrieb: Ein junge Familie die nach dem Generationswechsel durchstartet.

Benjamin


Dienstag, 29. November 2016

Olga & Ola

Mal wieder Kälberfotos, und zwar von zwei besonderen Kälbern: Olga und Ola.
Sind zwei weibliche Masthybriden (Dt. Holstein x Weißblaue Belgier), da ihre Mutter para-tuberkulose-positiv getestet wurde und daher aus der Zucht ausgeschieden ist.

Geboren wurden sie am Freitag vorletzter Woche. Zuerst Olga, die kam uns sehr klein vor (Geburtsgewicht 29 kg). Zwar sind die Kälber von ihrem Vater Olaf kleiner als die vom anderen eingesetzten Weißblauen Belgier Delgado, aber sie war für ein Einzelkalb doch auffällig zu klein, so konnte ich sie problemlos an zwei Beinen nehmen und auf den Futtertisch legen. Also haben wird die Kuh eingefangen und nachkontrolliert, war noch ein Kalb drin und zwar in Hinterendlage. Haben das Material zur Geburtshilfe beigeholt und da merkte ich erst, dass noch die Eihäute komplett geschlossen waren. Laut unserer Tierärztin kommt das in dieser Lage sehr selten vor. Normal gibt es die Regel, dass die Eihäute nie zerstört werden, da durch das dann weglaufende Fruchtwasser die "Schmierwirkung" verloren geht, einzige Ausnahme ist vor der Nase, dass das Kalb nicht erstickt. Aber da brauchte ich die Füße einzeln, um den Geburtsstrick anbinden zu können. Bis ich die Eihaut offen hatte und an den Füßen dran war hat die Kuh aber so stark angefangen zu pressen, dass ich es ohne Probleme mit den bloßen Händen rausziehen konnte. Das war dann Ola, trotz der ungewöhnlichen Lage noch lebend und 32 kg schwer.

Olga, mit einer "7" auf der Stirn:




 














Ola; fast ganz weiß und schwarze Ohren sieht verdächtig nach Laudan aus, aber den hat sie nicht im Stammbaum:

Benjamin

Montag, 28. November 2016

Bluten 2016

Am Mittwoch letzter Woche wurde in Boberow wieder die jährliche Blutung der Kühe für die Untersuchung auf Para-Tuberkulose gemacht. 
Es hat zwar etwas länger gedauert als letztes Jahr, aber wir waren dafür nur zu viert und es lief alles sehr ruhig ab. Ich habe die Ohrmarkennummern der Kühe für die Zuordnung der Blutproben mitgeschrieben und dazwischen als die nächsten (Teil)gruppen geholt. Da das Fressgitter in der Mitte durch den Gülleabwurfschacht unterbrochen wird kann man die Reihen wechselseitig belegen und ist entsprechend zügig am arbeiten.

Beim Mitschreiben der Ohrmarkennummer habe ich gar nicht auf die Halsbandnummern geachtet und so erkennt man dann nur manche Kühe an den Hörneren (die Einhörner) oder an der Fellzeichnung; so auch Renda, die "Falschparkerin" (siehe auch Post vom 20.08.2014). Mittlerweile ist sie in der 3. Laktation:





















Und im Anschluss nachmittags wieder der schönste Teil, das Aufkleben der Probennummern. Die ganzen Zettel sind der Ausdruck des Untersuchungsauftrags an das Landeslabor in Frankfurt. Darauf sind alle Ohrmarkennummer fortlaufen aufgeführt und die Aufkleber der Proben müssen hinter die jeweilige Kuhnummer geklebt werden. Macht einen Haufen Arbeit und dann kann im Labor alles über die Barcodes schnell eingescannt werden. Dazu auf dem Klemmbrett die ganzen mitgeschriebenen Ohrmarkennummer welche Probe zu welcher Kuh gehört und das Handy um vermeintliche Zahlendreher nachkucken zu können. Absolute Sträflingsarbeit.

Benjamin