Freitag, 14. Juni 2019

Nach Bevern - Teil 1

Zweiter Teil des Exkursionsprogramms bei der Testherdentagung war der Besuch bei der Benninghoff Milch-Energie in Bevern.
Ein großer Name: Mit mehr als 1.000 Kühen und mit über 12.000 kg Jahresleistung einer der größten und besten Betriebe in Niedersachsen.
2005 hatte der Betrieb gerade mal 80 Kühe und ist seitdem stetig gewachsen. Aus dem Nordwesten hört man oft, dass solch rasant gewachsenen Betriebe scheitern, weil das Management und die ganze Organisation nicht mitwächst. Familie Benninghoff ist dafür das krasse Gegenbeispiel, da ist das Management schneller gewachsen als die Herde und hat neben der Expansion auch das außerordentlich hohe Niveau ermöglicht.
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Das Melkhaus und ein Stall sind der älteste Teil der Anlage, gebaut 2005. Gerade mal zwei Jahren jünger als das alte Melkkarussell und der große Stall in Pinnow, aber gefühlt zwei Generationen moderner und vor allem immer noch zeitgemäß.
Der Melkstand ist ein Doppel-16er-Fischgräte mit Schnellaustrieb von Boumatic (Xcalibur) auf dem mit zwei Melkern und einem Treiber zum Küheholen pro Schicht in der Stunde 160 Kühe gemolken werden. Eine immense Durchsatzleistung, die in der Größenordnung von Doppel-24er-Side-by-Side oder 40er Melkkarussellen liegt.
Hier gerade beim Trockenstellen zu Schichtende:





















In Verlängerung des Melkhauses ist der Stall der frisch abgekalbten Kühe. Zweiflächenbuchten mit Tiefstreu im Liegebereich und planbefestigtem Fressgang mit Fressfanggittern für die Arbeit an der Kuh (Frischabkalberkontrolle etc.). Auf der anderen Seite ist ein Treibgang, über den die Kühe einfach ein- und ausgestallt werden können. Auf der Kuh im Vordergrund sieht man die für jeden deutliche Markierung mit dem Abkalbedatum; 18 = 18. Mai (Foto vom 22. Mai). Was mir vor Ort gar nicht so deutlich aufgefallen war sondern erst beim Durchklicken der Fotos: Die vielen Lüfter in den Ställen. Wo wir wieder beim Thema Hitzestress sind. Auf diesem Leistungsniveau ist eine Kühlung der Kühe unabdingbar bzw. andersrum auch nur mit Kühlung zu erreichen, dass sie den Sommer ohne Einbrüche mit Milchgeben "durchziehen":






















Der eigentliche Abkalbestall ist recht überschaubar. Es wird mit der amerikanischen Just-in-Time-Abkalbung gearbeitet; die Kühe der Transitgruppe sind in einem normalen Liegeboxenstall und werden erst wenn die Fruchtblase zu sehen ist in den Abkalbestall gebracht. Mit den drei Melkschichten und der 24 h besetzten Anlage kann die dafür nötige engmaschige Kontrolle der Transitkühe geleistet werden.
Als Besonderheit ist der Stall mit Sonnenblumenschalen eingestreut die extrem saugfähig sind, neben dem Glattharken nach den Kalbungen wird der Stall nur alle sechs Wochen ausgemistet und wieder neu eingestreut:






















Der jüngste der Ställe für die "normal" melkenden Kühe ist als Doppel-Zweireiher ausgeführt. Gegenüber den dreireihigen Ställen ist bei gleicher Futteraufnahme - die für das Management konsequent bestimmt wird - die Milchleistung um knapp vier Liter höher. In dem Stall sind keine speziellen Kühe/Laktationsstadien, die kommen in die Gruppen in denen gerade Plätze frei sind. Ich vermute, dass die höhere Leistung durch eine bessere Futtereffizienz bedingt ist wenn die Kühe beim geringeren "Verkehr" im zweireihigen Stall sich schneller hinlegen und mehr wiederkauen. Die Laufgänge werden dreimal täglich wenn die Kühe zum Melken sind mit dem Hoflader abgeschoben, das erspart Probleme mit den Schiebern:




















Fortsetzung folgt!

Benjamin 

Dienstag, 11. Juni 2019

Nach Nückel - Teil 2

In Nückel und drei Außenstandorten stehen gut 1.200 Jungrinder; in Quarantäne, zur Aufzucht, als Empfängertiere und ausschließlich in Nückel gut 300 Spendertiere für Embryotransfer und Ovum-Pick-Up. Die meisten dieser sind im Rahmen des NOG-Zuchtprogramms, wofür Färsen genommen werden die einen Gesamtzuchtwert (RZG) von mindestens 152 (4,3 Standardabweichungen über Mittel) haben. Daneben gibt es auch Pensionstiere, die von ihren Besitzern auf die Station gebracht werden, weil für diese die Embryonen interessant sind, meist sind das solche Färsen die die RZG 152 knapp verpasst haben. Und aktuell ist es eine einzige Kuh. Wurde früher der Embryotransfer für die Zucht hauptsächlich bei Kühen durchgeführt, die aufgrund ihrer hohen Milchleistung ausgewählt worden waren (Bullenmütter) so hat sich seit der Einführung der genomischen Selektion 2010 der Zuchtfortschritt so stark beschleunigt, dass fast nur noch die jüngsten Färsen konkurrenzfähig sind.
Der größte Teil der Färsen sind Holstein, daneben aber auch einige Fleischrinder, darunter auch Wagyus.

Die Kälber kommen kurz nach dem Absetzen schon auf die Außenstandorte, wo sie sehr intensiv aufgezogen werden um zügig das Zuchtgewicht zu erreichen. Dabei liegen die Zunahmen so 200 - 250 g/Tag über den Empfehlungen. Ganz schlüssig bin ich mir nicht wie dabei die Verfettung vermieden wird; weil fette Färsen sah man nicht.

Die Empfängertiere werden als einjährige, besamungsfähige Färsen als normales Zuchtvieh gekauft. Maximal fünf Übertragungen mit Embyronen werden versucht und wenn keine erfolgreich war dann zur Besamung übergegangen und sie gehen später als niedertragende Färsen in den Export. Das wäre aber nur ein kleiner Anteil.

Die Färsen werden in kleinen Gruppen gehalten mit Fressgittern zur Fixierung für die ganzen Arbeiten: Hormonprogramme, zuchthygienische Untersuchungen und Embryonenübertragungen. Zur Brunsterkennung haben Heatime-Halsbänder um:





















Letztes Jahr wurden im größten der Ställe Lüfter und Sprinkler eingebaut um Einbrüche in der Fruchtbarkeit durch Hitze zu vermeiden:





















Aus dem RBB-Gebiet stammend waren einige der Färsen auf die Treibwege gesperrt, unter anderem eine von der Agrargenossenschaft Karstädt, auch zu erkennen an den Einkerbungen an den Ohrmarken zur Markierung des Hornstatus. Das müsste homozygot hornlos sein (PP):

Benjamin




Donnerstag, 6. Juni 2019

Nach Nückel - Teil 1

Der Höhepunkt der Testherdentagung war der Besuch auf der Biotechnologiestation der Masterrind in Nückel. Landläufig Embryotransfer-Station genannt, aber es wird dort auch Ovum Pick-Up (OPU) gemacht, d.h. unbefruchtete Eizellen aus Rindern entnommen.
Die Station gehört zur Masterrind, aber im Rahmen der NOG (Nord-Ost-Genetik) sind dort auch Tiere aus den Gebieten von RSH (Schleswig-Holstein), RinderAllianz (MV und Sachsen-Anhalt) sowie unserer RBB aufgestallt. Aus dem RBB-Gebiet sind es aktuell 29 Färsen.
Insgesamt stammen mehr als 50 % der Besamungsbullen die im NOG-Gebiet gezüchtet werden als Embryo aus Nückel.
Auch aus Pröttlin waren schon mehrmals Färsen in Nückel gewesen, wo ich eher nur am Rande damit zu tun hatte und dann zwischendrin das Verladen im Pröttliner Kälberstall machte.

Zur Geschichte der Station: Dort wurde in den 1970ern als einem von zwei Standorten in Deutschland mit Embryotransfer begonnen. Der andere wäre Neustadt a.d. Aisch (BVN - Besamungverein Neustadt a.d. Aisch; Bayern; für Milch-Fleckvieh) gewesen. Dummerstorf (das heutige FBN) hatten sie da in ihren Ausführungen glatt vergessen, wirkte schon unprofessionell.

Zum Unterschied zwischen Embryotransfer (ET, siehe auch Post vom 07.02.2015) und Ovum Pick-Up: Beim Embryotransfer werden die Eizellen in der Kuh/Färse befruchtet und dann die Embryonen rausgesült und übertragen; beim Ovum Pick-Up werden die Eizellen direkt aus den Eierstöcken entnommen, im Labor befruchtet und dann die entstandenen Embryonen übertragen.

2014/2015 wurden neue Labore und Arbeitsbereiche gebaut, die davor noch aus den Anfangszeiten gestammt hatten.
Für das Ovum Pick-Up gibt es drei Labore, je eines für die Reifung der entnommenen Eizellen, eines für die Befruchtung und eines für die Reifung der Embryonen. Daneben ein weiteres für die Arbeit mit den Embryonen aus Embryotransfer, weil das aus rechtlichen Gründen getrennt sein muss. Sowie noch ein Labor zur Geschlechtsbestimmung und Typisierung. Bei allen Embryonen wird das Geschlecht bestimmt, die weiblichen werden nicht weiter untersucht sondern werden direkt übertragen, von den männlichen wird Zellmaterial entnommen und nach Schönow zum IFN zur Typisierung geschickt.
Die meisten Embryonen werden direkt übertragen, auf die Trägerfärsen in Nückel und dem Außenstandort in Rodenkirchen oder in den Betrieben aus denen die Spenderfärsen stammen, bis hin in den sächsischen Teil des Zuchtgebiets.
Letztes Jahr wurden 7.800 Embryonen gewonnen, für dieses Jahr sind 10.000 angestrebt. Gut Halbe-Halbe zwischen Embryotransfer und Ovum Pick-Up, das hängt davon ab für welche Maßnahme sich die einzelnen Färsen besser eignen.

Befruchtungs-Labor:





















Im Arbeitsbereich werden die Eizellen entnommen bzw. Embryonen gespült. Bei den Färsen wird im Alter von 6 bis 7 Monaten schon mit dem Ovum Pick-Up begonnen, wenn sie so groß sind dass man rektal reinkommt. Wenn sie später zwei Brunstzyklen durchlaufen sind gehen sie zum Embryotransfer und wenn sie dann tragend sind (bzw. bleiben gelassen werden) wieder zum Ovum Pick-Up bis zum 3 - 4 Trächtigkeitsmonat. OPU hat keinen negativen Einfluss auf die Trächtigkeit und der Gelbkörper am Eierstock wird dadurch auch nicht gefährdet aber das Kalb ist in der Gebärmutter dann so groß, das man nicht mehr dran vorbei kommt.

Zwei der vier Fangstände, höhen- und längenverställbar für die unterschiedlichen Tiergrößen. Die Räume sind auf 22 Grad klimatisiert, dass die entnommenen Eizellen keinen Kälteschock bekommen:




















Das Ovum Pick-Up wird mit transvaginaler ultraschallgeleiteter Follikelpunktion gemacht. Zuerst wird die Färse im hinteren Teil leicht sediert, dass sie still hält und es zügig ablaufen kann. Ein Arm ist dabei im Enddarm und hält durch die Darmwand den Eierstock passend fest. Mit der anderen Hand wird die Ultraschallsonde in die Scheide geschoben, vor dem Gebärmutterhals wird mit einer Kanüle durch das Scheidendach gestochen und die Eizellen aus den Follikeln abgesaugt. Das sind meist um die 15, können aber auch bis zu 60 sein, dann aber eher von geringerer Qualität. Das ganze dauert gut 5 - 6 Minuten:




















Fortsetzung folgt!

Benjamin

Montag, 3. Juni 2019

Testherdentagung 2019 - Teil 2

Jetzt geht es weiter über die diesjährige Testherdentagung der RBB.

Den 3. Vortrag hielt Dr. Pott von der Masterrind über die internationalen Entwicklungen in der Holsteinzucht.
Erstaunlich fand ich, dass bei den Einschätzung aktueller und sich abzeichnender Trends die Verlängerung der Zwischenkalbezeiten und der Anstieg von Fleischrinderkreuzungen zur Mast aufgezählt wurden, was bisher von den Zuchtorganisationen eher klein geredet wurde.
Die Dominanz der Nordamerikaner nimmt seit Jahren stetig zu, weil diese deutlich früher mit der Typisierung weiblicher Rinder angefangen hätten und mittlerweile schon 3 Millionen hätten. Wie ich 2014 in Idaho war typisierte die Aardema Group routinemäßige ihre ganzen weiblichen Kälber (so 15.000 pro Jahr...) wo wir gerade mal mit ersten Projekten angefangen hatten (KuhL).Zudem würden sie die Spitze der Genetik intensiver nutzen und mehr Embryotransfer machen als ganz Europa zusammen.
Die Selektionsrate ist aber viel schärfer: Bei einer deutlich größeren Population ist es eine sehr vergleichbare Anzahl an Besamungsbulle damit auch mit höheren Zuchtwerten. Die haben halt eine größere Auswahl um sehr gute Bullen zu finden.
In Nordamerika gäbe es in den letzten Jahren eine starke Konzentration der Zuchtorganisationen, dass die sich nach und nach gegenseitig aufkaufen. Und auch in andere Bereiche der Rinderhaltung expandieren wie Futtermittellabore und Software. Und ganz extrem auch Zoetis, die ebenfalls an der Gesundheitszuchtwertschätzung arbeiten. Wenn die Bauern gesunde Kühe züchten wollen und dann die Pharmaindustrie nichts mehr hat wechseln sie einfach zuvor die Seite.

Daneben über diverse Entwicklungen, z.B. dass SexingTechnologies (die das Spermasexen entwickelt haben) jetzt ein Verfahren hat um Embryonen in der Kuh zu typisieren. Als Hintergründe vermutet, dass die Embryonen nicht mehr so empfindlichen sind und man nicht mehr alle typisieren muss sondern nur die die auch angewachsen sind.
Über das Gedankenexperiment eines niederländischen Wissenschaftlers warum man nicht 20 Millionen Embryonen typisiert statt 4 Millionen Kälber und nur noch die besten überträgt und daraus abgeleitet die Vision mit Embryotransfer die künstliche Besamung abzulösen. Was aber halt eine Kostenfrage sei. Neben den hohen Kosten und dem ganzen Aufwand halte ich davon nicht viel, weil man die Typisierung und Auswahl noch eine Stufe vorher machen könnte und zwar welche Kühe und Färsen man überhaupt als Mütter zur Zucht nimmt.
Außerdem habe ich den Eindruck, dass der Embryotransfer an sich in den letzten zehn Jahren mit der genomischen Zuchtwertschätzung eher an Bedeutung verloren hat weil man damit quasi überall genetisch wertvolle Tiere finden kann (die Legende vom Fleckviehbullen aus dem Mastbetrieb).

Anschließend gab es noch eine Diskussion darüber, warum es keine "extremen" Bullen mit herausragenden Einzelmerkmalen in die Besamung schaffen würden. Die läge auch an den Bauern, die Bullen mit einzelnen starken Schwächen ablehnen, dabei wäre es ja gar kein Problem einen Bullen der z.B. sehr kurze Zitzen vererbt mit dem Drittel der Kühe der Herde mit den längsten Zitzen anzupaaren. Da sehe ich ein großen Potential für die Herdentypisierung, dass man die Stärken und Schwächen sowohl auf Bullen-als auch Kuhseite kennt und entsprechende Anpaarung machen kann ohne dass was "Unbrauchbares" dabei rauskommt.

Als 4. Vortrag war von Dr. Simon von der RBB über betriebsindividuelle Zuchtstrategien auf der Basis der Herdentypisierung. Dass man mit den Daten des Betriebs einen Zuchtindex aufstellen kann wie es mit dem RZG als Gesamtzuchtwert für alle Kühe in Deutschland gemacht wird. Für die einzelnen Merkmale werden die Grenzgewinne genommen, z.B. was bringt ein Liter zusätzliche Milch (futterkostenfreie Erlöse), was kostet ein Tag Zwischenkalbezeit, was ein Totgeburt usw. Entsprechend dieser Zahlen werden im Zuchtindex die einzelnen Merkmale gewichtet. Dann  kann man diesen Betriebs-Zuchtwert auch für die typisierten Färsen/Kühe berechnen und danach selektieren, wo man nochmal genauer die wirtschaftlichsten Kühe trifft weil direkt auf die betrieblichen Gegebenheiten abgestimmt. Den einzigen Nachteil sehe ich darin, dass man die ganzen ökonomischen Kennzahlen herausbekommen und auch aktuell halten muss.

Benjamin

Dienstag, 28. Mai 2019

Testherdentagung 2019 - Teil 1

Letzte Woche war ich auf der diesjährigen Testherdentagung der RBB. Als Jubiläum 10 Jahre RBBplus Testherdenprogramm und die Tagung erstmals außerhalb Brandenburgs. Und zwar in Bremerhaven aufgrund der Nähe zur ET-Station in Nückel, die besichtigt wurde (dazu mehr in einem späteren Post!).
Neben den Besichtigungen gab es wie immer den Tagungsteil mit den Fachvorträgen, auch wenn diesmal von etwas geringerem Umfang.

Hr. Dalle von der RBB stellte das Aktuellste aus dem Zuchtprogramm vor.
Brandenburg hat vorzeitig seinen Anteil am KuhVisions-Projekt erfüllt mit 20.000 typisierten weiblichen Rinder wovon 6.500 mehr als ein halbes Jahr in Milch sind und entsprechend Daten geliefert haben. KuhVision läuft Ende Juni nach drei Jahren aus, wird aber verlängert, weil nun die Datenerfassung für die Zuchtwertschätzung in großem Stil routinemäßig läuft.
Weiter geht es auch mit der Herdentypisierung, die nun günstiger angeboten werden kann, da mittlerweile in großem Stil läuft (hohe fünfstellige Anzahl pro Jahr). Wo genau die momentanen Kosten für die Typisierung liegen weiß ich nicht, dürfte zwischen 20 und 30 € sein. Mit der dadurch möglichen genaueren Anpaarung und der besseren Selektionsmöglichkeiten (Gesundheit, Lebensdauer, Leistung etc.) armortisiert sich das schon in der ersten Laktation.

Zweiter Vortrag war von Dr. Rensing vom VIT über die Gesundheitszuchtwerte, vor allem aus statistischer Sicht. 
Die Stoffwechselkrankheiten (RZMetabol) haben nur 10 % Anteil am RZGesund weil die Erblichkeiten gering sind und die Datengrundlage nicht so umfangreich im Promille/niedrigen Prozent-Bereich.
Die Gesundheitszuchtwerte gibt es genomisch für die typisierten Tiere, aber nur wenige töchtergeprüfte für Bullen. Wenn einmal der genomische Zuchtwert entwickelt ist kann er auf alle Tiere der Rasse angewandt werden, für töchterbasierte Zuchtwerte braucht es aber die erfassten Gesundheitsdaten der Töchter der Bullen. Und diese Gesundheitsdatenerfassung fand bis zum Start von KuhVision nur in den Testherden von RBB und RinderAllianz in nennenswertem Umfang statt. 

Die genomischen Gesundheitszuchtwerte erreichen eine Sicherheit von 47 %; knapp die Hälfte der Ausprägung kann der Zuchtwert vorhersagen. Da das VIT aber seit rund 20 Jahren im Rahmen der Milchleistungsprüfung die Abgangsursachen von über 10 Millionen Kühen als "harte" Gesundheitsdaten erfasst hat - nur auf Vorrat ohne expliziten Verwendungszweck - konnten diese mit einbezogen und die Sicherheit der Zuchtwertschätzung auf 57 % gesteigert werden.

Zusammenhänge zwischen den Zuchtwerte sind immer interessant. So korrelieren die einzelnen Zuchtwerte des RZGesund untereinander, auch positiv zu allen "klassischen" Zuchtwerten. Die einzigen Ausnahmen sind die Milchleistung zum RZEuterfit, genau 0 Korrelation. Sowie eine negative Korrelation des RZGesund zu den Exterieurkomplexen Typ und Körper. Die deutliche Aussage dazu "Die Zucht auf den kanadischen Typ ist gesundheitsbedingt nicht förderich." Was sich auch mit meiner Erfahrung deckt, dass die großen, scharfen Kühe mehr Probleme haben/machen.

Dann noch ein internationaler Vergleich zu Gesundheitszuchtwerten. Da hat man in Deutschland recht spät damit angefangen, hat die aber nun flächendeckend eingeführt und kommt mit großen Zuwachsraten in der Datenerfassung voran. Einzig vergleichbar sind die Niederlande, die wegen ihrer kleinen Population nicht so schnell sind, aber im Bereich der Klauengesundheit besser aufgestellt sind, da die Verbindung mit den Klauenpfleger zur Datenerfassung besser funktioniert.

Grob zusammengefasst: Auf Gesundheit züchten und alles andere kommt dann von alleine.

Fortsetzung folgt!

Dienstag, 21. Mai 2019

200.000 Leser - Teil 2

Aus den aktuellen Statistiken des Kuhblogs.

Seit dem 1000. Post (siehe Post vom 19.11.2018) hat sich in der Allzeit-Bestenliste der beliebtesten Post nicht viel getan, die Reihenfolge ist weiterhin die gleiche:
1. Mit noch größerem Abstand ist weiterhin der Post über die Kompakt-TMR der Beliebteste (Post vom 16.08.2018).
2. Der Post über das letzt Pegelmessen der Bewässerungssaison 2014 (Post vom 12.12.2014).
3. Der erste Post über das Agrident-Transponderlesegerät (Post vom 02.01.2017).
4. Über die Gerstenernte 2016 in Sichtweite der Pinnower Anlage (Post vom 08.07.2016).
5. Wie ich mit der Boberower Herde erstmals über den Brandenburger Durchschnitt gekommen bin (Post vom 02.10.2014).

Und auch wieder beliebte Suchbegriffe über die Leser zum Kuhblog gekommen sind und welchen Post ich sie zuordnen konnte. Immer wieder erstaunlich nach was die Leute im Internet so alles suchen.
- Natürlich alle möglichen Schreibweisen von Benjamins Kuhblog, Kuhblock usw., die den Großteil der Suchbegriffe ausmachen.
- Besamer. Wie Gerd Gisela besamt hat (Post vom 11.01.2017)
- Dazu passend Besamungshandschuh. Kommt auch ab und zu vor, darüber hatte ich schon mal geschrieben (Post vom 25.12.2015).
- Wieviel frisst eine Kuh am Tag. Wie wir in Pinnow mal die Trockenmasseaufnahme bestimmten (Post vom 10.12.2015).
- MTS 82 Typenschild. Habe ich auch ein Foto davon im Kuhblog im Angebot und zwar in der Überbleibselserie zu 25 Jahre Deutscher Einheit (Post vom 26.11.2015).
- DeLaval MM15 Waage. Das Milchmengenmessgerät wie es in den Boberower Melkständen verbaut ist und früher auch im alten Pinnower Melkkarussell. (Post vom 24.12.2015).
- Und in diesem Frühjahr im Gegensatz zu den ganzen Vorjahren: Webcam Rapsfelder. Extra dafür gab es vor vier Jahren eine ganze Serie: Die Raps-Webcam. Die wichtigsten Posts davon mit blühendem Raps: 24.04.2015, 29.04.2015, 03.05.2015, 08.05.2015 und 17.05.2015.

Benjamin

Samstag, 18. Mai 2019

200.000 Leser - Teil 1

Jetzt gibt es wieder ein Jubiläum für den Kuhblog!

Und zwar hatte gestern Abend der Kuhblog seinen 200.000. Leser.

Seit dem Start Ende Juni 2013 sind es jetzt 1064 Posts und jede Woche knapp 1.000 Leser.

Im nächsten Post werde ich dann mal wieder was über die aktuellen Statistiken vom Kuhblog schreiben.

Fortsetzung folgt!

Benjamin

Donnerstag, 16. Mai 2019

Drenchen - Teil 3

Zum Ablauf des Drenchens.
Zuerst muss die Drenchsonde in die Kuh rein; ich stehe dabei meist frontal vor der Kuh, seltener - bei eher Unkooperativen - daneben und den Kopf in den Arm genommen.
Dann greift man seitlich ins Maul, ganz wichtig zwischen den Eck- und Backenzähnen um nicht gebissen zu werden. Da kann man das Maul ein Stück weit öffnen um das Beißschutzrohr reinzuschieben, dabei ist drauf zu achten, dass es genau mittig liegt und nicht zwischen den Zähnen festklemmt. Dann die Nasenklammer einhaken was mitunter bisschen Fummelarbeit sein kann bis die richtig sitzt. Jetzt kann der eigentliche Schlauch eingeschoben werden, wobei die Kuh meistens mit schluckt. 
Durch Horchen am Schlauchende ob man es Blubbern hört und am Geruch - der charakteristisch ist - des ausströmenden Gases kann man sicher gehen, dass die Sonde im Pansen und nicht in der Lunge liegt.
Noch den Schlauch an die Pumpe anschließen und das eigentliche Drenchen kann beginnen.
Zuerst mache ich 10 l klares Wasser, auch nochmal zur Sicherheit wenn es doch in die Lunge gehen sollte. Dann 20 l mit den Drenchmitteln und zum Schluss noch mal 10 l klares Wasser zum Nachspülen/Durchspülen der Pumpe.
Wenn alles gedrencht ist mit der Pumpe Luft nach drücken und den Schlauch hochhalten, dass möglichst alles noch in den Pansen fließt. Den Schlauch dann schnell rausziehen, dass nichts eingeatmet wird.


Kuh bereit zum Drenchen. Das ist das Drenchbesteck von Dr. Pieper ohne Beissschutzrohr das wie ein Kälberdrencher direkt eingeschoben wird. Der Drencher ist eigentlich in Boberow, aber da gerade die Pumpenmembran vom Drenchmate in Pinnow kaputt war hatte ich den in meinem Kuhauto liegen um immer einen funktionsfähigen Drencher dabei zu haben. An der Speichelbildung sieht man, dass die Kuh kaut und schluckt, was das Drenchen erleichtert und rein physiologisch dem Saufen nahe kommt:



















Jeff beim Drenchen mit der Edelstahlpumpe. Das Drenchen hat er bei uns in Brandenburg kennen gelernt und routiniert gemacht.  Der Drenchmate hatte zwischenzeitlich von der Werkstatt eine neue Membran bekommen (für 80 €...), die war aber nach drei Kühen verzogen und funktionierte wieder nicht. Daher mit der unbeliebten Edelstahlpumpe, wo so 30 Sek. nach dem Foto wieder der Griff abriss: 

Benjamin

















Montag, 13. Mai 2019

Drenchen - Teil 2

Zur Ausrüstung für das Drenchen: Es wird ein Drencher benötigt, mit dem man dann bis in den Pansen kommt.
Hier meine kleine Marktübersicht und meine Erfahrungen dazu.

Das erste Modell mit dem ich gearbeitet habe ist ein Drencher aus Edelstahl (von Wahl für 300 €), eine Hubkolbenpumpe, an die der Drenchschlauch angeschlossen wird. Dass die Kuh den Schlauch während des Drenchens nicht kaputtbeißt gibt es ein Beißschutzrohr das bis in den Rachen reicht und mit einer Nasenklammer in den Nasenlöchern "eingehakt" wird. Mit dem Drencher waren wir überhaupt nicht zufrieden, weil extrem schwergängig bzw. ständig mit Silikonöl gangbar zu halten und dann ist mehrfach oben der Griff abgerissen, wobei man jedes Mal nass wird. Daher wurden dann die beiden anderen Drencher angeschafft:




 






















Das schnellste Modell ist der Drench-Mate aus Wisconsin. Gibt es bei Wahl für 440 €. Der hat einen integrierten Eimer und eine Membranpumpe. Am Schlauch ist eine rote Markierung, wenn die vorne am Beißschutzrohr angekommen ist muss man im Pansen sein, weil die Lunge nicht so tief reicht. Dann kann der Schlauch mit einem Klemmverschluss am Rohr fixiert werden, dass er nicht zurückrutscht. Das Pumpen geht sehr leicht, man muss bloß zum Schluss den Eimer etwas schräg halten. Dieses "entspannte" Pumpen ist der große Vorteil. Nachteile sind die schlechte Verarbeitungsqualität (amerikanisch halt), die umständliche Reinigung, Restmengen im Schlauch wenn man ihn wieder aus der Kuh zieht und das Beißschutzrohr aus Kunststoff das selber verbissen wird und mit der Zeit scharfkantige Spuren hat:




 

Und das beste Modell mit dem ich bisher gearbeitet habe: Das Drenchbesteck von Dr. Pieper (350 €). Es hat keinen Kunststoffschlauch mit einem Beißschutzrohr sondern einen gepanzerten. Am vorderen Ende sitzt eine schwere  Olive, die verhindern soll dass es in die Luftröhre geht und sich auch gut reinschieben lässt. Statt dem starren Rohr ist es mit der biegbaren Sonde leichter das Maul der Kuh zu treffen, wenn sie nicht brav stillhält, man muss nur die Olive in die Backentasche bekommen. Besonders bei den beengten Platzverhältnissen in Boberow mit gerade einmal 1,1 m zwischen Fressgitter und der Wand ist das von Vorteil. Mit einem Schnellverschluss wird ein weicher Gummischlauch angeschlossen, der zur Pumpe geht. Das ist ebenfalls eine Hubkolbenpumpe, Hubvolumen ungefähr 0,5 l.
Vorteile ist die gute Handhabung, dazu flexibel, so kann man zuerst sicherheitshalber mit klarem Wasser anfangen und zum Schluss mit klarem Wasser aufhören und schon mal damit die Pumpe durchspülen. Entsprechend einfach ist die Reinigung. Beim anderen Drencher kam das irgendwie nicht zum Tragen, weil das alles viel zu schwer ging. 

Einziger Nachteil ist hier das Pumpen, das zwar recht leicht geht, aber dauert; wenn man morgens 3 Kühe mit jeweils 40 Liter gedrencht hat weiß man was man getan hat:










 
















Von Holm&Laue gibt es eine Drenchsonde für an das Milchtaxi, mit der habe ich noch keine Erfahrungen gemacht. Das ist dann auf Knopfdruck elektrisch ohne jede Kraftanstrengung. Aber dürfte ein größerer Reinigungsaufwand sein wenn man es nicht in die tägliche Tränkereihenfolge integriert bekommt.

Und natürlich gibt es noch von anderen Herstellern Drencher.



Fortsetzung folgt!

Benjamin

Freitag, 10. Mai 2019

Drenchen - Teil 1

Schon vor über einem Jahr war ich auf „Drenchlehrgang“ in Stüdenitz gewesen (siehe Post vom 22.04.2018). Mit der Entwicklung seitdem wird es jetzt mal Zeit für die Drench-Serie hier im Kuhblog.

Ich hatte auch vorher schon Kühe gedrencht, es aber dann konsequent angegangen, die passende Ausrüstung angeschafft (dazu mehr im nächsten Post) und Arbeitsroutinen eingeführt. Mittlerweile ist es eines meiner „Hobbies“ in Stall - lieber einmal mehr gedrencht als nicht.

Technisch gesehen ist es eine Magensonde in Kuh-Kaliber die bis in den Pansen reicht. Wo anders kommt man damit auch nicht hin; in die Luftröhre vielleicht, die Bronchien sind dann zu eng (siehe Post vom 18.02.2019).
Im Pansen ist die flüssige Phase mit hauptsächlich Wasser und darin die Fermentation, in der die Pansenmikroben das schwer verdauliche Futter zersetzen. Da schwimmen Unmengen Mikroben, Futter, Abbauprodukte dessen und Mineralien umher. Beim Drenchen wird in die Zusammensetzung eingegriffen wenn der ganze Prozess nicht rund läuft, z.B.:
- Ketose, Energiemangel, bei dem die Kuh zu wenig frisst (kommt nochmal ein separater Post dazu)
- Acidose, der Pansen übersäuert ist und die dadurch geschwächten Mikroben zersetzen das Futter nicht mehr richtig
- Verdauungsstörungen, bei denen sich der Panseninhalt nicht mehr richtig durchmischt.

Dazu eine Skizze zur Funktionsweise:




















Unser Standardpräparat zum Drenchen war als Digestasin Pansenstimulans, das Puffersubstanzen, Kräuterextrakte und Hefen enthält. Das Zeug ist aber recht teuer, um die 7 € pro 200 g-Beutel der für eine Kuh reicht, in 20 bis 40 Liter aufgelöst.

Daher die Suche nach günstigeren Mittel, wenn öfter gedrencht wird.
Mein „entwickelter“ Standard-Mix für 40 Liter.
- 250 g Josera DairyPilot (siehe auch Post vom 14.12.2018). Von der Zusammensetzung ähnlich dem Digestasin, aber nicht so hoch konzentriert. Kostet rund 1 €/kg.
- 750 g Milkivit Milki Kuhtrank. Der ganz normale Kuhtrank für nach der Kalbung bringt auch beim Drenchen schnell Mineralien und Energie.
- 300 ml Schaumann Tirsana BSK. Eine Mischung aus Propylengykol und Glycerin als Energieträger.

Daneben aber auch noch ab und zu für spezielle Fälle explizite Drench-Präparate, z.B. mit Glaubersalz gegen Durchfall.

Und es gibt auch noch einige Anwendungen des Drenchens die mit der Verdauung nichts zu tun haben:
Drenchen von Kuhtrank. Im seltenen Fall wenn die Kuh nach der Kalbung gar nichts saufen will.
Bei akuter Mastitis mit E. Coli klares Wasser zur Abkühlung des hohen Fiebers und durch die große Wassermenge (bis zu 80 Liter) zur Ausschwemmung der Toxine.



Fortsetzung folgt!


Benjamin

Dienstag, 7. Mai 2019

Über Hitzestress

Noch den zweiten Teil über das Praxisseminar des RBB zum Thema Hitzestress.

Zur Einführung gleich die Zahlen des RBB, das bei der Hitze im letzten Jahr quer durch Brandenburg bei den Kühen die Fruchtbarkeit schlechter war.

1. Vortrag war von Hrn. Tober von der Landesforschungsanstalt Meckelenburg-Vorpommern. War der gleiche Vortrag, wie er ihn auch auf dem Milchrindtag in Güstrow gehalten hat (vgl. Post vom 23.03.2019).
Bei Hitze erhöhen die Kühe erstmal ihre Körpertemperatur und wenn das nicht mehr reicht fressen sie weniger, um die Wärmeproduktion im Pansen zu reduzieren.
Es gibt eine untere und obere kritische Temperatur, im Bereich daszwischen müssen die Kühe keine Energie aufwenden um ihre Körpertemperatur zu halten. Die Grenzen sind stark leistungsabhängig, weil mit steigender Stoffwechselleistung der Pansen mehr Wärme produziert.
Die obere Grenze sind 24 °C und sinkt pro 10 kg Milchleistung um 4 °C.
Die untere Grenze sind 0 °C und sinkt pro 10 kg Milchleistung um 8 °C.
Daraus ergibt sich ein nur schmales Band von 4 - 5 °C für die theoretische Optimaltemperatur für Kühe aller Leistungsklassen.
Und es passt auch dazu, dass in dem Versuch in Dummerstorf bei einer durchschnittlichen Herdenleistung von 41 Liter zwischen 7 und 8 °C begann die Körpertemperatur zu steigen, ab 9 °C erhöhte sich schon die Herzfrequenz.

Die Empfehlung ist daraus folgend automatisch temperaturgesteuerte Lüfter, die ab 10 °C, besser sogar ab 5 °C beginnen die Kühe zu kühlen.

Dazu noch ein Foto von meinem "Bürothermometer", weil für den Stall das gänzlich ungeeignet ist. 20 °C als obere Grenze für Milchkühe entspricht 10 kg Milchleistung, für den Herdendurchschnitt ist das auf dem Niveau der 1960er. Also doch ziemlich veraltet. Bei allen anderen dürfte es halbwegs passen, weil die keinen Pansen haben bzw. bei den Kälbern erst noch beginnt solch große Wärmemengen zu produzieren:




 























2. Vortrag war von Hrn. Beyer vom IFN Schönow über Auswirkungen des Hitzestress auf die Fruchtbarkeit. Bei Hitze gehen alle Fruchtbarkeitskennzahlen um 20 - 30 % zurück. Einmal sind die ganzen Geschlechtsorgane überhitzt und die dortigen Prozesse laufen nicht mehr optimal ab und als Zweites durch die verringerte Futteraufnahme herrscht Energiemangel, der auch die Hormonbildung beeinträchtigt.
Zudem führt Hitzestress bei der Kalbung zu mehr Totgeburten und Nachgeburtsverhaltungen.

Zur Forschungsarbeit des IFN, dass es momentan Ansätze gibt die Körpertemperatur der Besamungsbullen auf den Stationen mit Thermometerboli im Pansen zu überwachen.

3. Vortrag von Hrn. Taschitzki von der Firma Cowkühlerz aus den USA über technische Möglichkeiten zur Kühlung von Kühen.
Das System der Firma sind Lüfter mit variabler Drehzahl, die bei 10 °C beginnen zu drehen und ihre Maximalleistung bei 21 °C erreichen, darüber wird dann zusätzlich mit feinzerstäubenden Wasserdüsen im Luftstrahl zusätzlich gekühlt. Dass die Kühe und die Liegeboxen nicht klatschnass werden. Die in den USA üblichen Sprinklerdüsen (oben im Banner vom Kuhblog das Rohr oberhalb der Fressgitter) hätten einen Durchfluss von 30 Liter (!) in der Minute und das würde in Deutschland schon alleine wegen der Güllemengen problematisch.

Als Empfehlung für den Einsatz von Lüftern:
1) im Vorwartehof. Eine Kuh hat eine Heizleistung von 1.500 Watt. Und im Vorwartehof stehen sie dicht an dicht und heizen sich gegenseitig auf, sodass es schon im Februar und März zu Hitzestress kommt. Die Körpertemperatur braucht nach dem Melken 4 h bis sie auf das normale Niveau abgesunken ist. Im Pinnower Vorwartehof stehen im Durchschnitt 150 Kühe über eine Dauer von 3 h pro Melkzeit (die Gruppen nacheinander), das sind mehrere 100 kWh Heizenergie. 

2) Die Trockensteher wegen des großen Einfluss auf einen erfolgreichen Start in die nächste Laktation (kein Einbrechen der Futteraufnahme) und auch die  Vitalität der Kälber.
3) die Liegenboxen der melkenden Kühe.
4) der Fressbereich wäre in Deutschland nicht nötig, weil es keine 24h-Kühlung bräuchte.

Zusammengefasst eine sehr interessante Veranstaltung, die deutlich gemacht hat wo es ordentlich Potenzial gibt. Bisher war es immer nur das Hoffen, dass es nicht ganz so heiß wird und der Stall über Nacht etwas abkühlt.

Benjamin

Freitag, 3. Mai 2019

Nach Brunne

Letzte Woche war ich auf dem diesjährigen Praxisseminar der RBB. Gastgebender Betrieb war die Agrargenossenschaft Ländchen Bellin eG mit der Milchviehanlage in Brunne. 
Die Milchviehherde ist von der Größe und Leistung typisch für Brandenburg, auch die Unterbringung in zwei Ställen vom Typ L203 (vgl. Post vom 09.01.2017), die aber vor zehn Jahren jeweils mit einer Anschleppung verbreitert und zu Doppel-2-Reihern mit gegenständigen Liegeboxen umgebaut wurden; also für diese alten Ställe recht viel Platz bieten. Dazwischen das Melkhaus mit zwei Doppel-6er-Fischgrätenmelkständen von DeLaval nebeneinander, genau wie in Boberow (vgl. Post vom 18.11.2014) und wie es Anfang der 1990er modern war.
Das Jungvieh wird auf der Jungrinderanlage im benachtbarten Lentzke aufgezogen.
Nicht ganz so typisch für den brandenbuger Durchschnittsmilchviehbetrieb ist die Teilnahme am Testherdenprogramm RBBplus und der Herdentypisierung KuhVision und als kleines Detail das mir auffiel die Maxi-Ohrmarken bei den weiblichen Kälbern, bei denen eine der Ohrmarken zwecks besserer Lesbarkeit eine größere Vorderseite hat.

Wiederum typisch für Brandenburg ist die Mutterkuhhaltung mit Uckermärkern bzw. einem Teil Fleckvieh in Verdrängungszucht zu Uckermärkern.

Der Betrieb liegt am Rande des Rhinluchs, einem Nierdermoorgebiet, was entsprechende Auswirkungen auf den Pflanzenbau hat. Einmal wird wegen den niedrigem Ertrag im dortigen extensiven Grünland recht viel Futterbau (Luzerne, Ackergras, Grünroggen) betrieben. Zum anderen hat es mit dem Wasser Vor- wie auch Nachteile. Bei den hohen Niederschlägen 2017 gab es arge Probleme mit Überschwemmungen, dafür gab es gute Maiserträge auf den mineralischen Böden. Dort gab es dann aber 2018 bei der Dürre große Ertragsaufälle, wo die organischen Böden gut zu bewirtschaften waren.

Weitere Informationen unter: www.ag-lentzke.de

Fortsetzung folgt!

Benjamin

Samstag, 27. April 2019

Rohrschwingel

Heute geht es im Kuhblog um Kuhfutter - und zwar um Rohrschwingel.

Erstmals sah ich Rohrschwingel als Ackergras 2015, als südlich von Boberow ein halber Acker damit angesät war, die andere Hälfte war Welsches Weidelgras, die mit Abstand verbreiteste Gräserart im Ackerfutterbau. Bei der üblichen  Vorsommertrockenheit in der Prignitz sah man nach dem zweiten Schnitt auf den ersten Blick die Unterschiede durch die tiefer reichenden Wurzeln des Rohrschwingels.

Und auch bei der extremen Trockenheit des letzten und jetzt auch wieder diesen Jahres zeigt sich der Rohrschwingel in einer verhältnismäßig guten Verfassung.
Die Mischung ist Greenstar Struktur II von Barenbrug aus den Niederlanden, die von Schaumann vertrieben wird. Darin sind drei verschiedene Rohrschwingelsorten enthalten. Die Vorteile von Rohrschwingel sind neben der besseren Trockentoleranz die Inhaltsstoffe: Im Vergleich zu Welschem Weidelgras mehr Faser und vor allem mehr Eiweiß, aber weniger Energie. Wobei die hohen Energiegehalte beim Weidelgras vom vielen Zucker kommen und hohe Restzuckergehalte das Nacherwärmungsrisiko am Silo erhöhen können. Beim Bestreben aus Kostengründen grundfutterlastig zu füttern ist die Kombination aus Mais (Stärke -> Energie) und Rohrschwingel (Eiweiß und Struktur) für mich sehr sinnvoll. 

Noch besser wäre Luzerne, was aber nicht auf allen Standorten funktioniert.

Dieser Tage wurde der erste Schnitt gehäckselt. Der Bestand sah gut aus, sieht man auch am Glanz, was ein Merkmal der wertvollen Futtergräser ist. Die Wuchshöhe betrug aber nur 20 - 25 cm, mit der Faustformel 1 cm = 1 dt/ha Trockenmasse waren es grob geschätzt 1,5 t Trockenmasse bzw. so 4 t angewelkt Ertrag pro Hektar gewesen:

Benjamin


 

Montag, 22. April 2019

Wieder nach Iden - Teil 2

Beim Tag des Milchviehhalters ging es mit zwei Vorträgen nach der Mittagspause weiter:
4. Fr. Denißen von der Landwirtschaftskammer NRW über einen Versuch zur Nass-TMR auf Haus Riswick. Angelehnt an die Komapkt-TMR nach Kristensen aus Dänemark, aber ohne das lange Einweichen und das Zermusen, weil die Annahme, dass die Kühe keine Struktur sondern nur Faser brauchen sehr gewagt ist. Daher eine normale TMR mit Wasser versetzt, wie ich auch schon dazu  experimentiert habe (siehe Post vom 16.08.2018) Im Gegensatz zu meinen Versuchen wurde aus technologischen Gründen (Vertikalschneckenmischer) das Wasser zum Schluss hinzugegeben. Das waren dann zwischen 12,5 und 14,5 l Wasser pro Kuh am Tag und die gefütterten Rationen hatten einen Trockensubstanzgehalt von 37 bis 42 %.
Das Ganze mit wissenschaftlichem Versuchsdesign und die Fütterung mit den Wiegekübeln. Die Futteraufnahme und Milchleistung war in einem der beiden Durchgänge tendenziell höher. Das zusätzlich Wasser im Futter gleichen die Kühe durch weniger Saufen aus. Größter Effekt war aber die stark verminderte Selektion des Futters, die über die Schüttelbox nach bestimmten Zeitabschnitten im Tagesverlauf bestimmt wurde. Die Nacherwärmung ist bei täglicher Futtervorlage auch im Sommer kein Problem, zweitägig geht aber nicht. 

Und auch nach dem Versuch wird auf Haus Riswick weiterhin Wasser in die Ration gegeben, so 5 - 6 Liter pro Kuh und Tag.
5. Hr. Engelhard über den aktuellsten Versuch in Iden zur DCAB. Darüber hatte ich schon in einem ersten Bericht gelesen und auch mit einer der Beteiigten darüber gesprochen (Gruß an die fleißigen Kuhblog-Leser!). Vor allem mit dem Hintergrund der verstärkten Fütterung von Raps durch das Gentechnikfrei nehmen die Kühe mehr Schwefel auf, der die Kationen-Anionen-Bilanz durcheinander bringen kann. Beim Versuch wurden die Kühe auf verschiedene DCAB-Level eingestellt. Einflüsse auf Futteraufnahme und Milchleistung waren nicht nachzuweisen, aber auf Stoffwechselparamter. Aus Sicherheitsgründen waren auch nur altmelkende Kühe genommen worden und nur für einige Wochen. Als Empfehlung wurde abgeleitet die DCAB als Parameter in der Rationsberechnung zu berücksichtigen, um kritische Zustände vermeiden zu können. Zudem wurde mit den parallel durchgeführten Futtermitteluntersuchungen festgestellt, dass die DCAB über die Mineralstoffgehalte aufgrund von Boden, Düngung, Wachstum usw. in einer extremen Bandbreite schwankt und erheblich von Literaturwerten abweichen können.

Benjamin

Mittwoch, 17. April 2019

Wieder nach Iden - Teil 1

Gestern war ich wieder mal in Iden zum 47. Tag des Milchviehhalters.
War eine schöne Fahrt in die Altmark bei allerbestem Frühlingswetter: Wolkenlos, strahlender Sonnenschein und die ganze Natur am Blühen und Ergrünen.

Zum gastgebenden Zentrum für Tierhaltung und Technik in Iden: Mittlerweile sind sie weltweit die absolute Spitze, kein anderer Betrieb hat mehr 100.000-Liter-Kühe hervorgebracht. Die genaue Zahl weiß ich gar nicht, die dürfe jeden Monat steigen, aktuell müssten es so um die 120 sein.

1. Vortrag war von Dr. Taffe von der Tierseuchenkasse Sachsen-Anhalt über systematische Eutergesundheitsverbesserung. Dass die Milchleistungsprüfung ein unerlässliches Managementinstrument ist, weil man damit von jeder Kuh den Stand der Eutergesundheit bekommt. Und über die Aussagekraft der durchschnittlichen Zellzahl der Herde, dass die nur bedingt geeigent ist, weil es hauptsächlich ein Qualitätsparameter der Molkereien ist, bei welcher Milch es Abzüge gibt.
Aussagekräftiger ist der Anteil der eutergesunden Kühe an der Herde.

Und da dreht sich in den Statistiken der Einfluss der Herdengröße um 180 Grad: Kleinere Herde = niedrigere Zellzahl, größerer Herde = höhere Zellzahl; kleinere Herde = niedrigerer Anteil eutergesunder Kühe, größerer Herde = höherer Anteil eutergesunder Kühe.

2. Vortrag war von Fr. Harms von der Landesforschungsanstalt MV über ökonomische Themen. Einmal ob alte oder junge Kühe ökonomischer sind. Vom Gedankengang her die vereinfachte Produkion mit gesunden, leistungsstarken und arbeitsextensiven Kühen und dabei die These, dass alte Kühe öfter krank sind und mehr Arbeit machen und daraus schlussfolgernd junge Kühe als Ziel. 

Mit den Leistungs- und Krankheitsdaten von zwei großen Herden durchgerechnet kam dabei heraus, dass der "optimale Ersatzzeitpunkt" einer alten Kuh durch eine junge Kuh irgendwo nach dem achten Kalb liegt, weil die alten Kühe ihre Jungviehaufzuchtkosten (aktuell rechnet man mit 1.800 € pro Kuh) schon abbezahlt haben und dadurch richtig Geld verdienen. 
Als zweites die Umstellung von dreimal auf zweimaliges Melken um Kosten zu sparen. Das hängt einzelbetrieblich sehr stark vom Milchpreis, dem zu erwartenden Milchrückgang und vor allem den Arbeitserledigungskosten ab. Insgesamt ist es aber vor allem eine organisatorische Frage mit der Schichteinteilung und dem Tagesablauf. Es macht keinen Sinn wenn halbe Arbeitskräfte eingespart werden. Der Milchrückgang von Umstellung von dreimaliges auf zweimaliges Melken beträgt in der Praxis nur 1 bis 6 %, andersrum ist die Leistungssteigerung 10 - 15 % weil bei dreimaligem Melken das Management ausgeklügelter wird und die Betriebe die wieder nach vielen Jahren auf zweimaliges Melken zurückgegangen sind das beibehalten haben. Aus eigener Erfahrung kann ich dazu sagen, dass als in Pinnow Anfang 2013 von dreimaligem auf zweimaliges Melken umgestellt wurde der Leistungsrückgang 3 Prozent betrug und das vorherige Niveau 2016 wieder erreicht war.

3. Vortrag war von Hr. Reimer von der RinderAllianz über die neuen Gesundheitszuchtwerte. Neben einem Abriss über die bisherigen Ergebnisse des Testherdenprogramms in den letzten Jahren und dass die Daten nun so umfangreich sind, dass damit die Zuchtwerte für Gesundheit entwickelt werden konnten, deutschlandweit und auch für genomische getestete Rinder. Und darunter fallen auch die Weiblichen, sodass es bei einem typisierten Kalb im Alter weniger Wochen schon entschieden werden kann es aufzuziehen oder lieber zu mästen, weil es z.B. einen schlechten Eutergesundheitszuchtwert hat und die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass sie häufiger mit Eutererkrankungen zu tun haben wird. Das Projekt KuhVision zur genetischen Typisierung weiblicher Rinder wächst stetig, sodass mittlerweile 12 % der aller Herdbuchkühe in Deutschland typisiert werden. Das entwickelt sich deutlich dynamischer als ich es damals zu Beginn der genomischen Typisierung 2010 eingeschätzt hatte.
Weiteres zum RZGesund im Post vom 23.03.2019 und unter www.richtigzuechten.de.

Fortetzung folgt!

Benjamin

Montag, 15. April 2019

Beginn Rapsblüte 2019

Es ist fast schon eine alte Tradition, dass ich im Kuhblog über den Beginn der Rapsblüte berichte. Weil der optische Höhepunkt im Pflanzenbaujahr, Raps(extraktionsschrot) ein bedeutendes Futtermittel für Milchkühe ist und an sich ist der blühende Raps sehr fotogen.

Hatte ich noch vor einer Woche geschrieben, dass endlich Frühling ist so hat er sich die letzten Tage ziemlich rar gemacht bei einstelligen Temperaturen und am Samstagmorgen schneite es sogar ein wenig.

Aber heute war die Sonne wieder da und bei 15 Grad ging es mit der Rapsblüte weiter. Der Raps blüht dieses Jahr so früh wie selten, die ersten Knospen öffneten sich schon am 30. März. Wegen den kalten Temperaturen war es dann aber ins Stocken geraten.






 

















Der Vergleich zu den letzten Jahren, wann ich anhand der Fotos ähnliche Entwicklungsstadien als erreicht schätze:
2014: 17. April (siehe Posts vom 09.04.2014 und 25.04.2014)
2015: 2. Mai (siehe Posts vom 29.04.2015 und 08.05.2015)
2016: 1. Mai (siehe Post vom 05.05.2016)
2017: 23. April (siehe Post vom 13.04.2017)
2018: 3. Mai (siehe Post vom 09.05.2018)


Benjamin

Mittwoch, 10. April 2019

Neumühle 1/2019

Wie ich nun ein verlängertes Wochenende in der alten Heimat gewesen bin stand auch wieder ein Besuch bei meinem Stammbetrieb Hofgut Neumühle an.

Erster Eindruck im Melkstand: Die Kühe melken alle 25 kg pro Melkzeit; das war zwar die Hochleistungsgruppe aber geschätzt liegt der Melkdurchschnitt bei 37 kg.

Im Jungviehbereich laufen jetzt zwei Braunviehfärsen zwischen den Schwarzbunten. Die wurden aus dem Allgäu angeschafft als "Anschauungsmaterial", dass es auch noch andere Rinderrassen gibt:





















Nr. 413 Kanada (siehe Post vom 05.07.2016) ist mit knapp 15 Jahren und 13 Kälbern die älteste Kuh der Herde und die letzte von denen, die 2010/11 beim Luzerneversuch dabei war, über den ich meine Abschlussarbeit geschrieben habe. 
Und sie hat Ende Februar als erste Kuh überhaupt auf Hofgut Neumühle die 100.000 Liter Lebensleistung geschafft!

Braunies Familie wird immer kleiner. Ihre jüngste Schwester Leonie (2.) ist im Februar abgegangen. Bleibt nur noch ihre Enkelin Mai (2.) übrig, sie soll am Wochenende zum dritten Mal kalben. Und erfreut sich bester Gesundheit, in ihrer zweiten Laktation hat sie einen wahren Start-Ziel-Sieg auf der Überholspur hingelegt: In 366 Melktagen gab sie 15.704 kg, das sind durchschnittlich 43 kg am Tag, bei mehr als ordentlichen Inhaltsstoffen von 4,51 % Fett und 3,53 % Eiweiß. Auf die 305-Tage-Leistung umgerechnet waren es 13.773 kg mit 4,36 % Fett und 3,43 %, macht 1072 Fett-Eiweiß-Kilo. Ich habe da nicht den Vergleich, aber vielleicht kommt sie damit in die rheinland-pfälzische Bestenliste.
Einen Milchzuchtwert hat sie von nur leicht überdurchschnittlichen 108, bei sogar negativer Milchmenge. Soviel wieder zum Unterschied Genotyp und Phänotyp; dass die Genetik das Eine ist, aber was die Kuh aufgrund der Fütterung und Haltungsbedingungen dann leistet das Andere.

Im Versuchsbereich ist ein kleiner Teil für Trockensteher abgegrenzt, für Versuche wo die Futteraufnahme vor der Kalbung auch erfasst wird. Daher ein Foto von ihr am Wiegetrog.
Wie die meisten der Kühe mittlerweile trägt sie drei Halsbänder. Von links:
Das grüne Halsband mit dem Gewicht unten dran ist ein ganz Normales von Kerbl, auf der anderen Seite ist der Sensor vom InnoCow.
Das schwarz-blaue ist das Halsband von Heatime für die Brunsterkennung. 
Das weiße Halsband mit der Stallnummer und dem Transponder von Insentec für die Wiegetröge.
Dazu kommt noch am Vorderbein der Transponder von Nedap (in GEA-Grün) für die Erkennung im Melkstand und an den Selektionstoren.
Als Forschungskuh hat sie halt ganze vier Identitäten:

Benjamin


Montag, 8. April 2019

Richtiger Frühling

Wo es Mitte Februar schon frühlingshaftes Wetter gab ist der Frühling nun richtig da und es hat die letzten Tage mehrfach an der 20-Grad-Marke gekratzt:






















In Brandenburg in der Nähe zur Elbe ist das Wetter nicht so stark kontinental geprägt. Und da ich jetzt in der alten Heimat war ein Vergleich zu Rheinhessen, das am Rhein gelegen zu den wärmsten und sonnigsten Gegenden Deutschlands zählt. Im Vergleich zu Brandenburg ist das Wetter doch recht ähnlich, bloß ist es im Jahresschnitt 2 Grad kühler, hauptsächlich durch kältere Winter und kühlere Sommer bedingt.

Aber wenn ich es am Entwicklungszustand des Raps vergleiche ist dieses Jahr Rheinhessen keine zwei Wochen früher dran, zumindest momentan. Die Reben sind für die Wachstumsperiode fertig geschnitten und angebunden, aber treiben noch nicht aus:

Benjamin



Freitag, 5. April 2019

Nach Südhessen

Momentan bin ich mal wieder auf Urlaub in der alten Heimat und da war ich gestern bei meinem Studienkollegen in Südhessen auf Besuch.
Wieder die anderen Strukturen und Standortbedingungen und was sich daraus für den Betriebsalltag ergibt.

Arla hat Anfang des letzten Jahres die Milchmengenplanung von Seiten der Landwirte abgeschafft nachdem sie bemerkt hatten, dass ihre interne Mengenschätzung der Milchproduktion besser zutrifft. Ich hatte auch immer gesagt, dass es unmöglich ist auf bis zu drei Jahre im Vorraus die Produktion zu planen, weil man aus ökonomischer Sicht noch in keinster Weise weiß, wo der Milchpreis liegen wird und auch die Witterungseinflüsse (Futtersituation, Hitzestress usw.) nicht kalkulieren kann. Bei Hochwald gibt es noch diese Planungen und da wird die Milchtankstelle zu einem nicht unerheblichen Ungenauigkeitsfaktor, da die geplante Milchmenge schnell deutlich unterschritten wird wenn die Direktvermarktung gut läuft.

Die Futtersituation dort unten ist nicht ganz so angespannt wie bei uns. Als Glücksgriff hat sich erwiesen, dass letztes Jahr Kooperationen mit Gemüsebaubetrieben in der Gegend eingegangen wurden um über Flächentausch Luzerne anzubauen, die dann als Leguminose für das Greening bei deren Antrag der Ausgleichszahlungen angerechnet werden. Also eine echte Win-Win-Situation.
Es wurde auch einiges an Ackerfutter ausgesät, wie dieses Gemenge aus Welschem Weidelgras und Alexandrinerklee. Vorfrucht auf dem Acker war Weizen wie man deutlich sah, aber das ist auch kein Problem, so ist doch in Israel Weizen-GPS eines der gängigen der knappen Grobfuttermittel:





















Und noch was Trauriges: Am Dienstag ist Mikesch, ihr Chef-Kater im Alter von 12 Jahren gestorben. Ein schöner Kater, von der Farbe ein Kathäuser-Einschlag und sehr verschmust. Ich kam seit Dezember 2008 regelmäßig dorthin und er war immer da; wie auf dem Foto, im September 2017 aufgenommen - abends beim Melken auf der Stallgasse:

Benjamin

 

Montag, 1. April 2019

Mal Fisch

Soweit ich mich erinnern kann habe ich im Kuhblog noch nie explizit über die Fische geschrieben, auch weil ich mit der Abteilung gar nichts zu tun habe und kein einziges Foto davon hatte.
Die Fischanlage in Pinnow steht direkt neben der Biogasanlage, von der ein Teil der Wärme für die Heizung der Becken benutzt wird. Es ist eine Indoor-Aquakultur im Kreislaufsystem, bei der das Wasser zirkuliert und durch Absetzbecken und Biofilter gereinigt wird.
Die Fische sind Afrikanische Welse; die keine Gräten haben. 

Oft wird der Vergleich zum Zander gezogen, der recht häufig in Kreislaufanlagen gehalten wird. Die Welse sind aber nicht ganz so empfindich bei den Bedingungen wie Sauerstoffgehalt oder pH-Wert. Zudem können oder sogar müssen pro Wasservolumen deutlich mehr Fische gehalten werden: Denn die Welse haben ein äußerst agressives Revierverhalten, das bis hin zum Kanibalismus führt. Sind sie aber von so vielen Artgenossen umgeben können sie ihre Revieransprüche nicht mehr durchsetzen und verhalten sich friedlich. Daher müssen auch alle Welse aus einem Becken zugleich abgefischt werden, etappenweise klappt nicht, weil dann die nötige Besatzdichte unterschritten wird.

Auf dem Foto ist die Fütterung zu sehen, wo aus dem Futterautomaten intervallgesteuert Pellets gefüttert werden und sich das ganze Becken in Bewegung setzt. Normal ist die Wasseroberfläche still aber dann kommen alle Fische nach oben.
Eine vermeintliche Besonderheit dabei ist die Futterverwertung: Die Welse machen aus einem Kilo Futter mehr als ein Kilo Fleisch. Physikalisch ist das möglich weil Fleisch mehr Wasser enthält als das Futter und biologisch weil Fische wechselwarm sind und keine Energie zum Aufrechterhalten der Körpertemperatur brauchen. Diese Energie stammt nicht aus dem Futter sondern aus dem umgebenden Wasser, also von der Biogasanlage.

Ein Teil des Fisches wird über Direktvermarktung vertrieben; filetiert oder geräuchert. Der Großteil aber über die Erzeugergemeinschaft Fischgut Nord eG, die auch Fischkonserven herstellt. Denn auch wenn es mit 30 t Jahreskapazität - die nicht komplett ausgeschöpft werden - eine recht kleine Anlage ist lässt sich diese Menge im ländlichen Brandenburg nicht regional absetzen.

Benjamin