Donnerstag, 12. Dezember 2024

ZWS 2412

Letzte Woche wurde die Dezemberzuchtwertschätzung der Deutschen Holsteins für 2024 (ZWS 2412) veröffentlicht.
Es war mal "nur" eine Zuchtwertschätzung ohne die Einführung neuer Zuchtwerte. Davon gab es bei den letzten Zuchtwertschätzungen einige:
August 2023 RZÖko - Zuchtwert für ökologische Milchviehhaltung
April 2024 RZFE - Zuchtwert Futtereffizienz
August 2024 RZRobot - Überarbeitung Zuchtwert Robotereignung mit neuen Merkmalen und Gewichtungen
 
Aber es fand nun zum zweiten Mal die Zuchtwertabschreibung im 4-Monats-Rhythmus statt. Da die Abschreibungen nicht veröffentlicht werden habe ich mich wieder meinem Trick bedient die jeweiligen Zuchtwerte von Hype zu vergleichen. Mit seinen mittlereweile über 4.500 Töchtern und einer Sicherheit von 99 % in den wichtigsten Zuchtwerten kommen bei ihm die Änderungen nicht mehr durch weitere Töchterinformationen sondern durch die Abschreibung zustande.
Ich habe schon mehrfach geschrieben, dass Hype züchterisch "durch" ist, jetzt werden schon mehr seiner Enkelinnen als seine Töchter in den Herden sein.
Seit der letzten Zuchtwertschätzung im August sind noch einmal 15 Töchter in der Milchleistungsprüfung dazu gekommen und 3 mit Exterieureinstufung.
Erkenntnis: Die Abschreibungen fallen niedriger aus als im August, der Zuchtfortschritt scheint über das Jahr nicht gleichmäßig verteilt zu sein: 
 
 
 
Benjamin


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Samstag, 30. November 2024

Eurotier 2024 - Teil 2

Im Kuhblog habe ich schon mehrfach über Landtechnik mit Elektroantrieben geschrieben (siehe auch Post vom 08.11.2023). Elektrische Antriebe bieten mit der Möglichkeit der Nutzung selbsterzeugten Stroms von Photovoltaikanlagen auf den Stalldächter und von Biogasanlagen für die Güllevergärung die Milchviehhaltung unabhängiger von fossilen Treibstoffen mit ihren Sanktionen und Boykotten zu machen.

Mit dem Fortschritt in der Batterietechnik werden es immer mehr Anwendungen und Fabrikate, die dann auch auf der Eurotier ausgestellt werden.

Von Faresin der Leader PF Full Electric ein selbstfahrender Futtermischwagen und der 6.26 Full Electric, ein Teleskoplader der wie ich sie nenne 2x2-Klasse - 2 m breit, 2 m hoch. Der Leader ist aktuell aber nur was für kleinere Betriebe mit 14 m³ und 4 Mischungen pro Akkuladung:



 













 

Sgariboldi Koala 2,5 Cart. Ein elektrisch angetriebener Mischwagen mit 2,5 m³ Inhalt, der von einem Weidemann e-Hoftrac geschoben wird - die vorderen Stützräder sieht man auf dem Foto nicht:



 









 

Westermann CM2 Pro E-Lectric. Die elektrische Ausführung des Spaltenschiebers Cleanmeleon, der normalerweise einen Benzinmotor hat. Für die Arbeit im Stall ist der Elektroantrieb ohne Abgase und vor allem wegen der weit geringeren Lautstärke ideal:












 
 
 
Benjamin
 
 
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Sonntag, 24. November 2024

Eurotier 2024 - Teil 1

Auf der diesjährigen Eurotier war ich nicht gewesen. Dafür aber mein Bruder, von ihm stammen die Fotos. 
Einen Überblick über die Neuheiten und Medaillen hatte ich schon halbwegs, was man so aus der Presse mitbekommt.
 
Der Trend ist weiterhin ganz klar die Digitalisierung, Alles was unter Künstlicher Intelligenz verkauft wird, Automatisierungstechniken und was mir aufgefallen ist: Verstärkt Aktivitätsmessungssysteme für Jungrinder.

Silbermedaillengewinner Easyfill von Hiko. Im Deckel für den Tränkeeimer ist ein ventilartige Öffnung, dass man den Eimer mit der Dosierpistole vom Milchtaxi nachfüllen kann ohne den Deckel abnehmen zu müssen:























Silbermedaillengewinner Atmowell von SKW Piesteritz zusammen mit Betebe. Ein Mistschieber der Ureaseinhibitor auf die Laufgangflächen sprüht um Ammoniakemissionen zu reduzieren:
 























Melkroboter von Afimilk, bei dem ein Roboterarm im Side-by-Side-Melkstand an der Grubenkante entlang fährt und wie ein Melker die Kühe vormelkt und die Melkbecher ansetzt. Ein Roboter kann bis zu sieben Melkplätze bedienen, maximal wäre ein Doppel-30er Melkstand möglich. Also dann 10 Roboter. Es wird aber trotzdem ein Melker benötigt, der gegebenfalls eingreifen kann, so wie beim Robotersystem. Das System soll in bestehende Melkstände nachrüstbar sein und in Deutschland dann von Lemmer Fullwood vertrieben werden:































Kuhn Aura, autonomer Futtermischwagen. Ein selbstfahrender Fräsmischwagen, der ohne Fahrer unterwegs ist. Der ganze Fräsarm ist seitenverschiebbar, um ohne Rangieren am Silostock mehrere Bahnen nebeneinander abfräsen zu können:
 























Peecon/USA Equipment Vierschnecken Vertikalmischwagen mit Quadremfahrwerk und 60 m³ bzw. 2200 Kubikfuß, was aber 62 m³ wären. Mit drei NIR-Sensoren in der Wanne. Leergewicht 25 t und 30 t Zuladung und mindestens 300 PS Leistungsbedarf. Bei der Studienreise in Idaho vor zehn Jahren habe ich dort einige Peecons mit 3 Schnecken und 45 m³ gesehen:
 



 

 









Von Urban das Messemodell eines EcoProtector UV-C (vgl. Post vom 09.01.2024) ohne MilkShuttle hinten dran. Weil da gäbe es Nachfrage nach der UV-Desinfektion als alleiniges Gerät ohne das Milchtaxi immer dafür nehmen zu müssen:





 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fortsetzung folgt!

Benjamin


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Dienstag, 12. November 2024

Prüfverfahren

Seit Oktober gibt es in Rheinland-Pfalz (bzw. LKV Rheinland-Pfalz-Saar) bei der Milchleistungsprüfung auch die Prüfmethode B zur Auswahl. (-> Link). Das hat mich gewundet, dass die bisher ausschließlich mit der Prüfmethode A gearbeitet haben.
 
Das Prüfverfahren steht oben rechts auf dem Milchkontrollbericht. Das Eigene kennt man halt und kann es auch erklären: BL42. Betriebseigene Prüfer, konstante Probe, Vier-Wochen-Rhythmus und zweimaliges Melken. Diese Informationen sind wichtig für den LKV zur Hochrechnung der Leistung. Die Milchleistungsprüfung gibt es seit Ende des 19. Jahrhunderts und da sind mittlerweile Milliarden an geprüften Gemelken zusammen gekommen, sodass mit Hilfe dieser Datengrundlage aus den relativ wenigen Gemelken (ein Tag pro Monat) sehr sicher die Jahresleistung errechnet werden kann.

Vom Bundesverband Rind und Schwein die Richtlinie zu den Verfahren für die Durchführung der Milchleistungsprüfung. Da steht dann Alles detailiert drin, wovon ich nur einen Bruchteil wusste.

Vier Stellen des Prüfverfahrens.
1. Prüfmethode
 A - durch Prüfbeauftragte des LKV
 B - durch betriebseigene Probennehmer; das sind in den Neuen Ländern um die 75 %
 C - Kombination von A und B, da habe ich noch nie davon gehört
2. Prüfschema
 Da gibt es sehr viele Verschiedene. Häufige sind:
 S - anteilige Probe; vom Gemelk wird eine proportionale Probe genommen. z.B. 15 Liter  
 morgens werden 10 ml Probe genommen und abends bei 20 Liter dann 13,3 ml oder bei
 12 Liter 8 ml.
 B - konstante Probe; von jedem Gemelk wird eine gleich große Probe genommen, z.B. je 10  
 ml.
 M - alternierende Probe; es wird nur eine Probe bei einer der Melkzeiten genommen, einen 
 Monat morgens, einen Monat abends.
 E - beim Roboter werden 24 h lang Proben anteilig von allen Gemelken genommen, 
 wodurch die Anzahl der Gemelke aus der die Probe genommen wurde zwischen den Kühen 
 schwanken kann.
3. Prüfintervall; das geht von D für täglich und die Zahlen von 1 bis 9 für Wochen. 4 für alle vier Wochen (einmal im Monat bzw. 11 mal im Jahr bei einem Monat Pause) sind üblich. Das ist ein guter Kompromiss aus Aufwand und Genauigkeit.
4. Melkfrequenz; Melkungen pro Tag; 2, 3 oder R für Melkroboter.

Mein Verfahren ist das oben erwähnte BL42 - Betriebseigene Prüfer, konstante Probe, Vier-Wochen-Rhythmus und zweimaliges Melken.
Die Probenflaschen werden in der Vorbereitung den Kühen zugeordnet und wenn man die Probe der Kuh hat dann in die jeweilige Flasche.
Vollautomatische Anzeige der Flaschennummer: siehe Post vom 23.06.2015.
 
Wie ich das Probennehmen im Studium auf meinem Stammbetrieb LVAV Hofgut Neumühle gelernt habe, da kann ich mich nicht an die genaue Bezeichung des Prüfverfahrens erinnern. Ich würde sagen es war BS12. Die Doktorandin machte die nachmittägliche Melkzeit und ich als angegliederter Bachelorand die morgendliche. Es wurden jeden Sonntag/Montag Proben genommen um im Fütterungsversuch genügend Werte und auch Entwicklungen in der Leistung bzw. Milchinhaltsstoffen abdecken zu können. Seit einigen Jahren machen sie das auf der Neumühle immer wöchentlich, davor wurde während den Versuchen wöchentlich und außerhalb normal vierwöchig gemacht.
Bei der anteiligen Probe lief das damals mit einem alten Palm (16 MB-SD-Karte!) in dem die Kuhnummer und die Milchmenge (von der Anzeige des Terminals) eingegeben wurde. Abends wurden die Probenflaschen fortlaufend vergeben. Das waren kleine Kästen mit 50 Flaschen und 42 Kühe im Versuch zu beproben. Jede Probe waren 10 ml. Morgens wurde wieder die Kuhhnummer und Milchmenge eingegeben und dann angezeigt wieviel in welche Probenflasche gegeben werden musste.

Benjamin


1480

Samstag, 26. Oktober 2024

Uhr umstellen

Heute Nacht wird die Uhr wieder auf Normalzeit umgestellt. Das wird auch höchste Zeit, denn der Sonnenstand passt gar nicht mehr. Noch spätsommerliche Temperaturen, aber es wird erst um halb acht hell.
 
Bei der Zeitumstellung gab es ja vor einigen Jahren das Vorhaben der EU die abzuschaffen, aber dann kam Corona dazwischen usw. usf. Die damalige Hoffnung auf eine Verbesserung habe ich nicht mehr.

Für Milchkühe ein Stressfaktor ist die verlängerte (bzw. im Frühjahr verkürzte) Zwischenmelkzeit.
Die Lehrbuchmeinung ist die Zeitumstellung daher über mehrere Tage schrittweise zu verteilen, z.B. 4x je eine viertel Stunde.
 
Ein einziges Mal (Okt. 2013) habe ich das gemacht, Sonntagmorgen eine halbe Stunde früher um 2:30 Normalzeit und dann Nachmittags wieder die üblichen 14:00.
Und danach nie wieder, sondern in einem Schwung, weil sobald einer von der Mannschaft nicht an die stückweise Verschiebung denkt gibt es schon Chaos.

Das ganze Jahr über nach Normalzeit zu arbeiten wäre die auf den ersten Blick die sinnvollste Lösung. Da könnte man sich den Umstellungsstress alle halbes Jahr sparen. Bloß dann muss man alle halbes Jahr die Zeit für die Umwelt anpassen: Wie Futteranlieferung, Milchauto oder Kollision Schichtbeginn und Kindergarten.

In den letzten Tagen war zur Zeitumstellung viel in der Agrarpresse zu lesen, der Haupttenor war, dass das mit Melkrobotern kein Problem ist und Futter gibt es eh immer. Mit den Melkrobotern ist natürlich richtig, denn da jede Kuh ihren eigenen Melkrhythmus hat und nicht auf die Uhr schaut. Beim Futter sehe ich es doch als Problem, weil es üblicherweise mit den Melkzeiten abgestimmt ist und auch die Menge für eine Stunde mehr angepasst werden muss.

Und die Umstellung auf einmal hat zumindest im Oktober den Vorteil, dass man wirklich eine Stunde länger schlafen kann.
 
Benjamin
 

 
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Dienstag, 1. Oktober 2024

Scheitel-Steiß-Länge

Habe ich letztens von einer Diskussion gelesen bzgl. Aborten durch Blauzunge. Wenn man eine abgestoßene Frucht im Stall findet und man diese keiner Kuh zuordnen kann. Über die Scheitel-Steiß-Länge (SSL) kann man die Dauer der Trächtigkeit abschätzen und damit die betroffene Kuh finden.
Bei Kleinst- und Kleinbetrieben mag das gut klappen, wenn man es auf einige wenige Kühe einengen kann. In unseren Größenordnungen aber eher weniger. Der Großteil der Arbeit wäre zunächst mal einfach: Zollstock raus (immer dabei!), Kalb messen, passende Kühe der Gruppe im HERDE suchen und in die Selektion eingeben. Bloß dann hat man bestimmt 30 - 50 Kühe im Nachwartehof stehen...

Wie man von der Scheitel-Steiß-Länge auf die Trächtigkeitsdauer kommt:


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Benjamin

 

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Mittwoch, 18. September 2024

Neumühle 2024/2

Am vergangenen Sonntag war ich mal wieder auf meinem Stammbetrieb LVAV Hofgut Neumühle, wo es im Sommer beim Tag der offenen Tür die Kühe nur von außen zu sehen gab.

Hier sieht man gut wie die Kühe in den letzten 15 Jahren seit der Inbetriebnahme des Stalls 2009 größer geworden sind. Nr. 1840 (eine der Fistelkühe) frisst hier gerade am Wiegetrog und steht dabei mit den Hinterfüßen auf der Schieberbahn, weil der Fressstand zu kurz ist. Das machen mittlerweile so gut wie alle Kühe:


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nr. 1802 in der Trockenstehergruppe. Eine riesige Kuh; von der Kondition, der Stärke und vor allem der Tiefe. Das Halsband ist im letzten Loch auch sehr eng. Als Trockensteher geht sie natürlich nicht zum Melken und danach nicht über die Waage. Das Gewicht werde ich noch nachliefern:


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine "Glubschi" auf der Neumühle. Nr. 2157. Kühe mit Glubschaugen kommen ab und zu vor und die kennt dann auch jeder, weil sehr auffällig. Sie schielt dazu noch extrem:


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Noch was Technisches: Am Mischwagen ist jetzt ein HarvestLab von John Deere verbaut. Der dient aber vorerst nur zum reinen Datensammeln. Da will John Deere wohl in diesem Anwendungsbereich der Nahinfrarotspektroskope Fuß fassen:

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Benjamin

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Sonntag, 25. August 2024

Dreschfest

Kulturprogramm am Wochenende: Ich war unterwegs zum Dreschfest paar Dörfer weiter. Für den Ingenieur im Agraringenieur und mein technisches Interesse allgemein, schließlich bin ich über die Landtechnik damals zur Landwirtschaft gekommen.

Es wurden fünf alte Dreschmaschinen vorgeführt und dazu eine Oldtimerausstellung; bis auf zwei Trabbis ausschließlich Traktoren.

Das älteste Gespann: Eine Lokomobile von Clayton & Shuttleworth aus England, die mal in Siebenbürgen lief. Baujahr um 1905 rum. Die Dreschmaschine ist von Lanz (Heinrich Lanz Mannheim, heute John Deere):


 



 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zwei Dreschmaschinen beim Dreschen im Komplex. Links eine Speiser (heute Claas), angetrieben von einem Deutz, rechts eine Ködel & Böhm (heute Deutz-Fahr), angetrieben von einem Lanz Bulldog. Dazwischen ein Ackerwagen mit den Garben. Das war nicht ganz stilecht, weil moderner Weizen, einfach von einem Acker abgemäht. Richitg authentisch wäre ein extra angebauter, langstrohiger 2-Tonnen-Weizen gewesen:


 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die modernste und größte der Dreschmaschinen, eine Buschhoff mit integrierter Strohpresse. Buschhoff baut heute vor allem Technik für die Getreidelagerung und -reinigung, für den Kuhbauer sind sie eher mit ihren mobilen Mahl- und Mischanlagen ("Schrotauto") ein Begriff:


 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mähbinder von Lanz, gezogen von einem Lanz Bulldog. Über Zapfwelle angetrieben die letzte Entwicklungsstufe vor den Mähdreschern. Rechts ist ein Lanz Selbstfahrmähdrescher aus den 1950ern zu sehen:


 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und zum Schluss noch ein moderner Mähdrescher, ein John Deere C670i mit Biso Crop-Ranger 650-Schneidwerk. Das ist der erste Hybridmähdrescher von John Deere den ich gesehen habe. Viele gibt es von denen nicht und gebaut werden die auch nicht mehr:




 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Benjamin

 

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Samstag, 17. August 2024

Neuer RZRobot

Zur Zuchtwertschätzung im August wurde jetzt der RZRobot, der Zuchtwert speziell für robotertaugliche Kühe überarbeitet. Der war im August 2014 eingeführt worden (dachte das wäre länger her gewesen...) und jetzt sind die Erfahungen aus zehn Jahren Arbeit damit eingeflossen.

Schwerpunkte waren damals der Zellzahlzuchtwert (RZS), da Betriebe mit Melkrobotern tendenziell höhere Zellzahlen hatten. Dann der Milchfluss (RZD), als wichtigster Faktor für die Leistungsfähigkeit der Melkroboter wie schnell die Kuh leer ist und Exterieurmerkmale, allgemein das Fundament, dass die Kuh gut freiwillig zum Roboter laufen kann und die Euterform mit gut zu findenden Zitzen.

Ohne Melkroboter hatte der RZRobot nie für mich eine größere Bedeutung, bei guten Werten war das eher ein Bonus, denn auch roboterzaugliche Kühe lassen sich im koventionellen Melkstand besser melken. Mein Anspruch dabei ist immer, dass man das Melkzeug blind ansetzen kann, weil man keine Zitzen suchen muss, denn die sind dort wo man sie erwartet.

Präsentation vom VIT zur Überarbeitung des RZRobot:

Das sind die neuen Merkmale bzw. ihre Gewichtung:



 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Es fand jetzt die erste Zuchtwertabschreibung bei einer Augustzuchtwertschätzung (vgl. Post vom 17.04.2024) statt. Eigentlich wollte ich jetzt nicht extra die Abschreibung der einzelnen Zuchtwerte anhand derer von Hype ermitteln, aber als ich drüber geschaut habe waren die dann teilweise schon ordentlich. Deswegen wurde es ja auch auf die Abschreibung dreimal im Jahr umgestellt....

  
Benjamin
 
 
1475

Sonntag, 11. August 2024

Blauzunge

Die Ausbreitung der Blauzungenkrankheit in Deutschland ist aktuell das bestimmende Thema im Rinderbereich. Täglich gibt es neue "Wasserstandsmeldungen".

Es handelt sich um eine Krankheit bei Wiederkäuern die durch das Blauzungenvirus verursacht wird. Vom englischen Namen Blue Tongue Virus leitet sich die übliche Abkürzung BTV ab. Blauzunge bezieht sich auf das charakteristische Symptom der geschwollenen, blau angelaufenen Zunge. Daneben sind es Ödeme im Kopfbereich, Fieber, Leistungsabfall, Fruchtbarkeitsprobleme, Aborte und Todesfälle.

Größtes Problem mit der Krankheit ist ihre Übertragung durch Gnitzen, einer Art Stechmücken, von infizierten auf gesunde Tiere. Daher ist die Krankheit sehr mobil und nur schwer zu bekämpfen.
Auch über Sperma kann das Virus übertragen werden, daher ist die zertifizierte BTV-Freiheit von Besamungsbullen auch so wichtig. Deshalb wurde der neue Bullenstall der Besamungsstation Schmergow in der Nähe der Havellauen auch geschlossen gebaut (vgl. Post vom 31.10.2019).

Mit der Blauzungenkrankheit hatte ich zum Glück noch nie etwas zu tun, ich wusste nur, dass das vor meiner aktiven Rinderzeit ein Thema war. Und dass dagegen als geimpft wurde. Man hat nur ab und zu von Fällen gelesen und seit letzem Jahr war Deutschland offiziell anerkannt BTV-frei.

Kurz darauf im letzten Herbst ist in den Niederlanden wieder Blauzunge aufgetreten und dann auch nach Deutschland eingedrungen, daher auch der bisherige Schwerpunkt am Niederrhein.
Mittlerweile sind es über 2.000 bestätigte Fälle, so grob Hälfte Rinder - Hälfte Schafe/Ziegen in den Bundesländern:
Nordrhein-Westfalen
Niedersachsen
Rheinland-Pfalz
Hessen
und in den letzten Tagen dazugekommen:
Mecklenburg-Vorpommern
Sachsen-Anhalt
Schleswig-Holstein
Baden-Württemberg

Aktuell gibt es noch keine Fälle in Brandenburg, aber außenrum in den Landkreisen Salzwedel, Lüneburg und Ludwigslust-Parchim.

Das einzige sinnvolle Mittel dagegen ist die Impfung, wo es gegen den aktuell auftretenden Serotyp auch schon zugelassene Impfstoffe gibt.
Die ständige Impfkommission (StiKo) der Robert-Koch-Instituts (RKI) empfiehlt die Impfung. Bisher war man da wegen den Nebenwirkungen der Impfung (auch Aborte) und den Kosten eher zurückhaltend gewesen, aber man wird wohl nicht drum herum kommen...

Benjamin

1474

Dienstag, 16. Juli 2024

Insektenprotein

Dieser Post hat direkt nicht so viel mit Rindern zu tun, ganz am Ende etwas, aber mit Tierhaltung allgemein.
 
Auf dem Tag der offenen Tür des LVAV Hofgut Neumühle war neben Futtermittelindustrie und Landtechnik auch die Technische Hochschule Bingen mit einem Stand vertreten. Neben Postern zu abgeschlossenen Forschungsprojekten im Bereich Tierernährung waren zur Dekoration Eier aus dem aktuellen Legehennenversuch ausgestellt und drei Plexiglaszylinder mit Fliegenlarven.
Dabei handelt es sich um Larven der Schwarzen Soldatenfliege (hermetia illucens).
Nur der mittlere Zylinder enthält die Larven pur, der rechte Larven in ihrem Nährsubstrat in denen sie gehalten werden und der hinten links verdeckte Larvenpresskuchen, nachdem das Fett abgepresst wurde:
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Insektenprotein ist ein seit einigen Jahren - in meinen Augen gehyptes - Thema. Da geht es vor allem um den Ersatz von importiertem Soja, also wieder zur Eiweißlücke. Aber nicht für Rinder, denn seit BSE ist das Verfüttern von tierischen Protein an Wiederkäuer verboten. Sondern für Schweine und Geflügel.
Für Rinder wäre es als Fett in Milchaustauscher möglich, wo aktuell ein Versuch dazu auf Neumühle läuft. Ein Teil des pflanzlichen Fetts im Milchaustauscher wird durch das Larvenfett ersetzt, wofür die getrockneten Larven abgepresst werden. Zurück bleibt proteinreicher Larvenpresskuchen (grob mit Soja- oder Rapsschrot vergleichbar), der dann an Nichtwiederkäuer verfüttert werden kann. Vom Fettsäuremuster wäre es ähnlich zu Kokosfett, das häufig für Milchaustauscher verwendet wird.
 
Benjamin
 
 
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Dienstag, 9. Juli 2024

TdoT Neumühle 2024

Am Sonntag war ich auf dem diesjährigen Tag der offenen Tür meines Stammbetriebs LVAV Hofgut Neumühle.
 
Normalerweise findet der alle zwei Jahre in den geraden Jahren im Sommer statt:
2008 war ich während meiner Praktikumszeit als Helfer dabei.
2010 ist es wegen Q-Fieber im Kuhstall ausgefallen.
2012 und 2014 war ich nicht dort.
2016 war ich wieder dort (siehe Posts vom 04.07.2016 und 05.07.2016).
2018 war ich wieder nicht dort.
2020 und 2022 ist es wegen Corona (also beim Menschen...) ausgefallen.
und jetzt 2024 wieder.

Gefühlt trifft man dort die Hälfte der Bauern aus der Pfalz und auch die gesamte Mannschaft der Neumühle, von denen ich viele schon jahrelang nicht mehr gesehen habe. Sind eigentlich bei meinen Besuchen nur die vom Kuhstall, die sonntagsmorgens da sind.

Wie ich schon vorher gehört hatte, ist die Schweinehaltung eingestellt worden. 2008 waren das zu meinen Praktikantenzeiten 55 Sauen im Dreiwochen-Rhythmus, mit geschlossenem System und gut 1.300 gemästeten Schweinen pro Jahr. Die Ställe aus den 1970er bis Anfang der 1990er gebaut und 2008 dürfte das renovierte Flatdeck die letzte Baumaßnahme gewesen sein.
Ich war als Prakikant 3 Wochen dort in der Sauenhaltung und Schweinemast und habe doch einen praktischen Gundstein für Schweine bekommen. Später im Studium war ich noch mal dort und danach nicht mehr, weil die Kühe interessanter waren und auch wegen den Hygienevorschriften (Foto der Schleuse im Post vom 21.03.2020).
Da die Schweinehaltung in Rheinland-Pfalz von allen Bundesländern pro Fläche die geringste Bedeutung hat und der Bezirksverband Pfalz als Träger auch kein Geld wurde der Neubau einer zeitgemäßen und zukunftsfähigen Lehrwerkstaatt Schweinehaltung aufgegeben.

Dagegen wird momentan am Hauptgebäude und bei den Kälberställen gebaut.

Gibt nur zwei Fotos, weil einfach viel los war und immer jemand im Weg stand. Ausnahme war da der Kuhstall, dort war außenrum mit Flatterband abgesperrt, dass man nicht an die Kühe und Kälber dran kam.

Über den Futtertisch zu den Abkalbeboxen. Der Stall und die Kühe sind normal schon sehr sauber, aber für den Tag der offen Tür dann noch mal extra sauber.
Die rote Fläche auf dem Futtertisch ist als Markierung um die Futteraufnahme rund um die Kalbung besser im Blick zu haben:





















Das ist von der Durchfahrt zwischen Kuh- und Jungviehbereich aus, zur Demonstration gleich vorne Nr. 1840, eine der Fistelkühe (siehe Post vom 09.01.2024).

Benjamin
























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Freitag, 5. Juli 2024

Kalb auf links

Missbildungen kommen bei Kälbern leider ab und zu vor. Zum Glück selten; umso schwerwiegender, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Kalb tot geboren wird.

Harmlose Sachen sind Stummelschwänze oder gar kein Schwanz (siehe Post vom 14.10.2013).

An welche schlimmen Sachen ich mich erinnere:
- Kalb mit acht Beinen
- Kalb mit offenem Rücken
- Kalb mit offenem Bauch, wo die ganzen Därme raushingen
- Total krumm gewachsenes Bein und offener Gaumen. Das war schon belastend, weil es
  lebte und munter war.. (siehe Post vom 22.06.2020)

Als Kuriosum die Steinfrucht mit Fell (siehe Post vom 09.07.2020).

Jetzt hatte mein Bruder gestern ein Kalb, das auf "links" war. Die Bauchwand umgeschlagen und oben verwachsen, dass die Wirbelsäule unten war. Im Inneren dann die Beine und der Kopf und außerhalb die Organe, quasi als "Äußereien".
In den Form konnte das Kalb nicht geboren werden und ein Kaiserschnitt war nötig.
Sie haben die Haut aufgeschnitten und auf rechts gedreht. Es war alles dran:

Benjamin
 
Nachtrag: 
Diese Art der Missbildung hat aufgrund ihrer relativen Häufigkeit einen eigenen medizinischen Namen: Schistosoma reflexum.

 

 
 
 
 
 


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 
 
 
 


 

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Freitag, 14. Juni 2024

Ramses

Heute Nachmittag hat meine Lieblingskuh Lulu zum dritten Mal gekalbt. Und zum dritten Mal war es ein Bullenkalb.

In ihrer zweiten Laktation hat sie in 346 Melktafeb 9.002 kg Milch mit 4,14 % Fett und 3,49 % Eiweiß gegeben. Das sind 372 Fett-kg und 314 Eiweiß-kg, zusammen 686 FEK.
Die Zwischenkalbezeit betrug 424 Tage, wovon sie die letzten 78 trocken stand. 

Lulu hatte zwei Besamungen für die dritte Trächtigkeit.
2. Rambo PP (HB-Nr. 587537), die dann auch erfolgreich war.

Nach seinem Vater wurde er Ramses genannt.

Benjamin



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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