Samstag, 22. März 2025

Stallkarte

Die Stallkarte ist eine analoge Arbeitsmittel für das Herdenmanagement.
In der Anbindehaltung hatte jede Kuh über ihrem Platz eine Stalltafel mit den wichtigsten Daten zur Fruchtbarkeit. Da sie im Laufstall dann umherliefen wurden im Büro Karten geführt, die auch von der Information umfangreicher sind. Mit dem Aufkommen der Kuhplaner für den PC sind sie mehr und mehr außer Gebrauch gekommen, auch wenn sie es heute noch gibt.
 
Die Stallkarte hat ungefähr das Format DIN A4 und besteht aus gelbem, starken Papier (300 g/m² ?), dass sie auch ein Kuhleben lang hält.
 
Mit Stallkarten hatte ich erst in Boberow zu tun, ob es die im Westen überhaupt gibt weiß ich gar nicht. Jedenfalls habe ich an meinem ersten Arbeitstag einen ganzen leeren Milchpulversack voller alter Stallkarten weggeworfen. Die waren anderthalb Jahre nicht mehr geführt worden und auch keine neuen mehr geschrieben; also unbrauchbar bzw. nur mit großem Aufwand zu aktualisieren.
Die Agrar Boberow hat früher mit Agrocom Superkuh als Kuhplaner und den Stallkarten als analoge Variante gearbeitet und dann das System der Landgenossenschaft Pröttlin übernommen mit HERDE und den Besamungsbüchern, die quasi eine abgespeckte Form der Stallkarte in Buchform statt Kartei sind.
 
Im HERDE und HERDEplus gibt es immer noch einen Button "Stallkarte" mit dem die Daten der Kuh im Stil der Stallkarte angezeigt werden können. Diese Funktion verwende ich in der Ausbildung, da die Stallkarte zum Lernstoff gehört.
 
Vorne auf der Stallkarte sind die Informationen zur Kuh. Oben links die Ohrmarkennummer, Stallnummer und Geburtsdatum. Darunter die Ansicht von beiden Seiten, auf der mit schwarzem oder rotem Stift die Fellzeichnung gemalt werden kann. Das ist eine Art primitives Kuhortungssystem, dass man sich die Fellzeichnung von der Stallkarte einprägen kann um die Kuh in der Gruppe schneller finden zu können.
Im HERDEplus gibt es sogar die Funktion im Programm ein Foto der Kuh einzufügen, das wird aber hier in der Stallkarte nicht ausgegeben.
 
Oben in der Mitte ist die Abstammung, die Vorfahren der Eltern-, Großeltern- und Urgroßelterngeneration, wichtig für die Anpaarungsplanung.
Das sind Aufkleber, die es mit dem monatlichen Milchprüfbericht nach der Milchkontrolle vom LKV gibt. Für jedes im letzten Monat geborene und unter Zuchttier gemeldete Kuhkalb gibt es einen Aufkleber, dass für das Kalb eine Stallkarte angelegt werden kann.
 
Darunter ist der Leistungsnachweis, auf dem die bisher abgeschlossenen Laktationen aufgeführt sind mit den jeweiliegn Daten.
Diese Aufkleber gibt es auch monatlich für alle Kühe die ihre aktuelle Laktation abgeschlossen haben, entweder wegen Trockensteller oder auch Abgang.
 
 


 














 
Auf der Rückseite sind die Fruchtbarkeitsdaten vermerkt. 
Oben sind die Monate aufgeführt und links die Jahre. Wenn eine Färse erstmals zur Besamung zugelassen wird fängt man in der oberen Zeile an. Wird dann alles zur Fruchtbarkeit eingetragen: Brunsten, Besamungen, Trächtigkeitsuntersuchungen, Kalbungen usw.
Da die Stallkarten noch aus der Zeit stammt, als jedes Jahr ein Kalb pro Kuh geplant war ergibt würden dann alle Kalbungen, Besamungen und TUs jeweils in einer Spalte untereinander stehen.
 






















Benjamin
 
 
1487

Sonntag, 16. März 2025

Genetische Streuung

Genetische Streuung ist umgangssprachlih, weil es die phönotypische Streuung betrifft. 

Michael hatte zum Post über die Kreuzung mit INRA 95 (vom 07.08.2021) folgenden Kommentar geschrieben:
"Aufgrund der vielen verschiedenen Rassen im Stammbaum dürfte es bei den Kälbern zu einer starken Streuung in den Merkmalen kommen. Wie sind die Erfahrungen ?"
 
INRA 95 ist eine synthetische Rasse, d.h. zu Beginn wurden die ganzen Ausgangsrassen gekreuzt und dann in Reinzucht mit den gleichbleibenden Blutanteilen weiter gezüchtet.
In der Mastanpaarungen ist es vergleichbar mit anderen Fleischrinderrassen. 

Da Charolais der größte Anteil der Ausgangsrassen war sind die Kreuzungskälber vergleichbar mit solchen von Uckermärkern und Charolais selbst.
 
Benjamin
 
1486

Sonntag, 23. Februar 2025

400.000 Leser

Diese Woche hat der Kuhblog die Marke von 400.000 Lesern überschritten!

Ein Herzliches Dankeschön an alle Leser!

Daher gibt es jetzt mal wieder einen Statistik-Post. 
Speziell beziehe ich mich dabei auf die letzten 12 Monate, weil als längeren Zeitraum gibt es nur noch die gesamte Zeit vom Anfang an und bei über 11 Jahren hat sich da nicht allzu viel im Vergleich zu den letzten Statistiken geändert.
 
Verweisende Links die Google-Seiten von den verschiedensten Ländern und erst um den 10. Platz rum kommt der Kuhblog selbst.
Weitergeleitete Suchbegriffe sind eigentlich nur noch welche von mir selbst in der Liste wenn ich explizit nach einem Posts gegoogelt habe, weil ich in den letzten Jahren so langsam doch nicht mehr an jeden einzelnen mit Veröffentichungsdatum mehr erinnern kann.  

Die beliebtesten Posts in den vergangenen 12 Monaten:
1. Proteinverdauung im Pansen (siehe Post vom 04.06.2021). Das ist bei Google der Toptreffer für "Proteinverdauung Rind" und "Proteinverdauung Pansen".
2. Ausgekugelte Hüfte (siehe Post vom 03.03.2019). Toptreffer für "ausgekugelte Hüfte Rind" und "ausgekugelte Hüfte Kuh". Zudem noch mit Foto.
3. 100.000er Serie - L203 (siehe Post vom 09.01.2017). Toptreffer für "Stall L203". Die L203 sind nach 60 Jahren immer noch eine feste Größe in der ostdeutschen Milchviehhaltung.
4. Trockensubstanz (siehe Post vom 21.05.2021). Eine wichtige Grundlage in der Fütterung. 
5. Horn absägen (13.03.2021). Auch wieder ein Toptreffer für "Horn absägen".
 
Als Screenshots die Aufschlüsselungen der Zugriffe, wo ich nur die ersten sieben ausgewiesenen Plätze drauf habe, weil man den Rest eh nicht erkennen kann.
 
Nach Betriebssystem.

 
 














Das Verhältnis Android zu Iphone war vor 10 Jahren noch halb - halb gewesen.



Nach Browser.



 














Chrome hat mittlerweile mehr als dreiviertel Anteil, das ist kontinuierlich gestiegen.



Nach Ländern.


 









Die allermeiste Zeit war die USA auf dem zweiten Platz, wegen Google, den wichtigen Internetknoten und ganzen Geheimdiensten. 2014 zu Beginn des Ukrainekriegs war die Ukraine eine Zeit lang vorne dabei. Singapur und Hongkong sind erst im letzten Jahr so stark vertreten, da nehme ich an, dass da die Zugriffe aus China drüber laufen.


Benjamin 

1485

Sonntag, 19. Januar 2025

Maul- und Klauenseuche

Eigentlich wollte ich heute mal wieder meinen Stammbetrieb Hofgut Neumühle besuchen. Aber das habe ich wegen der Maul- und Klauenseuche abgesagt. Akut ist zum Glück gar nichts, bloß in der aktuell angespannten Situation für die Biosicherheit muss man sehr vorsichtig sein.
 
Die Maul- und Klauenseuche (MKS) ist die Tierseuche schlechthin und im Alltag gar nicht präsent. Natürlich ist man sich der Bedeutung der Biosicherheit (siehe Posts vom 18.03.2020 und 21.03.2020) bewusst und bemüht. Man kennt auch die Notfallpläne für den Tierseuchenfall, die sind gut für Albträume. Man weiß, was da auf einen zukäme, aber es ist zum Glück immer weit weg gewesen.
Größte Gefahr ist die extrem hohe Ansteckungsgefahr. Die Viren können gefühlt über sämtliche Wege übetragen werden und sind dazu sehr dauerhaft.
 
Am Freitag letzter Woche gab es einen Ausbruch in Brandenburg, nur wenige hunderte Meter vom östlichen Stadtrands Berlin entfernt. Eine kleine Herde an Wasserbüffeln in Freilandhaltung war betroffen, die Infektion ist da leichter möglich.
Eigentlich war das ein Glück im Unglück, denn im Berliner Speckgürtel gibt es nicht so viel Landwirtschaft. Daher mussten im angeordneten Sperrkreis nur rund 250 Tiere getötet werden.
Im 10 km-Beobachtungsradius liegt nur ein Milchviehbetrieb; das ist der Standort Werneuchen der Stadtgut Berlin Birkholz (siehe auch Post vom 24.03.2018) und dort müssen sie laut Medienberichten jeden Tag 33.000 l Milch wegschütten, weil die wegen einer möglichen Ansteckungsgefahr nicht zur Molkerei transportiert werden darf.

Letztmals war in Deutschland die Maul- und Klauenseuche 1988, das war aber in Westdeutschland gewesen (NIedersachsen). 2001 - lange vor meiner Kuhzeit - kann ich mich dran erinnern; gefühlt in den Medien die Nachfolge von BSE. Das waren in Deutschland jedoch nur Verdachtsfälle und in England, Niederlande und Frankreich große Ausmaße.
 
Für Brandenburg wurden zunächst bis Montag und dann noch zweimal verlängert bis Freitag ein Transportverbot für Klauentiere verhängt. Nächste Woche kann es jetzt mal wieder normal laufen, nachdem es keine neuen Fälle und nur einen negativen weiteren Verdachtsfall gegeben hat.
Wegen des nun für ganz Deutschland verloren gegangen Tierseuchenfreiheitsstatus für MKS  kommen Einschränkungen im Export. Als erstes war Südkorea dran mit Schweinfleisch, dann die Niederlande mit einem Einfuhrverbot für Kälber. Da jährlich mehrere hunderttausend Kälber dorthin exportiert werden wird das den Kälberpreis sicher drücken.
Insgesamt wird der bevorstehende Schaden für die Landwirtschaft auf Milliardenbeträge geschätzt. Das System von Import und Export funktioniert sehr gut, bloß wenn kein Export mehr möglich ist gerät das aus den Fugen.

Benjamin
 


1484

Donnerstag, 12. Dezember 2024

ZWS 2412

Letzte Woche wurde die Dezemberzuchtwertschätzung der Deutschen Holsteins für 2024 (ZWS 2412) veröffentlicht.
Es war mal "nur" eine Zuchtwertschätzung ohne die Einführung neuer Zuchtwerte. Davon gab es bei den letzten Zuchtwertschätzungen einige:
August 2023 RZÖko - Zuchtwert für ökologische Milchviehhaltung
April 2024 RZFE - Zuchtwert Futtereffizienz
August 2024 RZRobot - Überarbeitung Zuchtwert Robotereignung mit neuen Merkmalen und Gewichtungen
 
Aber es fand nun zum zweiten Mal die Zuchtwertabschreibung im 4-Monats-Rhythmus statt. Da die Abschreibungen nicht veröffentlicht werden habe ich mich wieder meinem Trick bedient die jeweiligen Zuchtwerte von Hype zu vergleichen. Mit seinen mittlereweile über 4.500 Töchtern und einer Sicherheit von 99 % in den wichtigsten Zuchtwerten kommen bei ihm die Änderungen nicht mehr durch weitere Töchterinformationen sondern durch die Abschreibung zustande.
Ich habe schon mehrfach geschrieben, dass Hype züchterisch "durch" ist, jetzt werden schon mehr seiner Enkelinnen als seine Töchter in den Herden sein.
Seit der letzten Zuchtwertschätzung im August sind noch einmal 15 Töchter in der Milchleistungsprüfung dazu gekommen und 3 mit Exterieureinstufung.
Erkenntnis: Die Abschreibungen fallen niedriger aus als im August, der Zuchtfortschritt scheint über das Jahr nicht gleichmäßig verteilt zu sein: 
 
 
 
Benjamin


1483


Samstag, 30. November 2024

Eurotier 2024 - Teil 2

Im Kuhblog habe ich schon mehrfach über Landtechnik mit Elektroantrieben geschrieben (siehe auch Post vom 08.11.2023). Elektrische Antriebe bieten mit der Möglichkeit der Nutzung selbsterzeugten Stroms von Photovoltaikanlagen auf den Stalldächter und von Biogasanlagen für die Güllevergärung die Milchviehhaltung unabhängiger von fossilen Treibstoffen mit ihren Sanktionen und Boykotten zu machen.

Mit dem Fortschritt in der Batterietechnik werden es immer mehr Anwendungen und Fabrikate, die dann auch auf der Eurotier ausgestellt werden.

Von Faresin der Leader PF Full Electric ein selbstfahrender Futtermischwagen und der 6.26 Full Electric, ein Teleskoplader der wie ich sie nenne 2x2-Klasse - 2 m breit, 2 m hoch. Der Leader ist aktuell aber nur was für kleinere Betriebe mit 14 m³ und 4 Mischungen pro Akkuladung:



 













 

Sgariboldi Koala 2,5 Cart. Ein elektrisch angetriebener Mischwagen mit 2,5 m³ Inhalt, der von einem Weidemann e-Hoftrac geschoben wird - die vorderen Stützräder sieht man auf dem Foto nicht:



 









 

Westermann CM2 Pro E-Lectric. Die elektrische Ausführung des Spaltenschiebers Cleanmeleon, der normalerweise einen Benzinmotor hat. Für die Arbeit im Stall ist der Elektroantrieb ohne Abgase und vor allem wegen der weit geringeren Lautstärke ideal:












 
 
 
Benjamin
 
 
1482

Sonntag, 24. November 2024

Eurotier 2024 - Teil 1

Auf der diesjährigen Eurotier war ich nicht gewesen. Dafür aber mein Bruder, von ihm stammen die Fotos. 
Einen Überblick über die Neuheiten und Medaillen hatte ich schon halbwegs, was man so aus der Presse mitbekommt.
 
Der Trend ist weiterhin ganz klar die Digitalisierung, Alles was unter Künstlicher Intelligenz verkauft wird, Automatisierungstechniken und was mir aufgefallen ist: Verstärkt Aktivitätsmessungssysteme für Jungrinder.

Silbermedaillengewinner Easyfill von Hiko. Im Deckel für den Tränkeeimer ist ein ventilartige Öffnung, dass man den Eimer mit der Dosierpistole vom Milchtaxi nachfüllen kann ohne den Deckel abnehmen zu müssen:























Silbermedaillengewinner Atmowell von SKW Piesteritz zusammen mit Betebe. Ein Mistschieber der Ureaseinhibitor auf die Laufgangflächen sprüht um Ammoniakemissionen zu reduzieren:
 























Melkroboter von Afimilk, bei dem ein Roboterarm im Side-by-Side-Melkstand an der Grubenkante entlang fährt und wie ein Melker die Kühe vormelkt und die Melkbecher ansetzt. Ein Roboter kann bis zu sieben Melkplätze bedienen, maximal wäre ein Doppel-30er Melkstand möglich. Also dann 10 Roboter. Es wird aber trotzdem ein Melker benötigt, der gegebenfalls eingreifen kann, so wie beim Robotersystem. Das System soll in bestehende Melkstände nachrüstbar sein und in Deutschland dann von Lemmer Fullwood vertrieben werden:































Kuhn Aura, autonomer Futtermischwagen. Ein selbstfahrender Fräsmischwagen, der ohne Fahrer unterwegs ist. Der ganze Fräsarm ist seitenverschiebbar, um ohne Rangieren am Silostock mehrere Bahnen nebeneinander abfräsen zu können:
 























Peecon/USA Equipment Vierschnecken Vertikalmischwagen mit Quadremfahrwerk und 60 m³ bzw. 2200 Kubikfuß, was aber 62 m³ wären. Mit drei NIR-Sensoren in der Wanne. Leergewicht 25 t und 30 t Zuladung und mindestens 300 PS Leistungsbedarf. Bei der Studienreise in Idaho vor zehn Jahren habe ich dort einige Peecons mit 3 Schnecken und 45 m³ gesehen:
 



 

 









Von Urban das Messemodell eines EcoProtector UV-C (vgl. Post vom 09.01.2024) ohne MilkShuttle hinten dran. Weil da gäbe es Nachfrage nach der UV-Desinfektion als alleiniges Gerät ohne das Milchtaxi immer dafür nehmen zu müssen:





 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fortsetzung folgt!

Benjamin


1481

Dienstag, 12. November 2024

Prüfverfahren

Seit Oktober gibt es in Rheinland-Pfalz (bzw. LKV Rheinland-Pfalz-Saar) bei der Milchleistungsprüfung auch die Prüfmethode B zur Auswahl. (-> Link). Das hat mich gewundet, dass die bisher ausschließlich mit der Prüfmethode A gearbeitet haben.
 
Das Prüfverfahren steht oben rechts auf dem Milchkontrollbericht. Das Eigene kennt man halt und kann es auch erklären: BL42. Betriebseigene Prüfer, konstante Probe, Vier-Wochen-Rhythmus und zweimaliges Melken. Diese Informationen sind wichtig für den LKV zur Hochrechnung der Leistung. Die Milchleistungsprüfung gibt es seit Ende des 19. Jahrhunderts und da sind mittlerweile Milliarden an geprüften Gemelken zusammen gekommen, sodass mit Hilfe dieser Datengrundlage aus den relativ wenigen Gemelken (ein Tag pro Monat) sehr sicher die Jahresleistung errechnet werden kann.

Vom Bundesverband Rind und Schwein die Richtlinie zu den Verfahren für die Durchführung der Milchleistungsprüfung. Da steht dann Alles detailiert drin, wovon ich nur einen Bruchteil wusste.

Vier Stellen des Prüfverfahrens.
1. Prüfmethode
 A - durch Prüfbeauftragte des LKV
 B - durch betriebseigene Probennehmer; das sind in den Neuen Ländern um die 75 %
 C - Kombination von A und B, da habe ich noch nie davon gehört
2. Prüfschema
 Da gibt es sehr viele Verschiedene. Häufige sind:
 S - anteilige Probe; vom Gemelk wird eine proportionale Probe genommen. z.B. 15 Liter  
 morgens werden 10 ml Probe genommen und abends bei 20 Liter dann 13,3 ml oder bei
 12 Liter 8 ml.
 B - konstante Probe; von jedem Gemelk wird eine gleich große Probe genommen, z.B. je 10  
 ml.
 M - alternierende Probe; es wird nur eine Probe bei einer der Melkzeiten genommen, einen 
 Monat morgens, einen Monat abends.
 E - beim Roboter werden 24 h lang Proben anteilig von allen Gemelken genommen, 
 wodurch die Anzahl der Gemelke aus der die Probe genommen wurde zwischen den Kühen 
 schwanken kann.
3. Prüfintervall; das geht von D für täglich und die Zahlen von 1 bis 9 für Wochen. 4 für alle vier Wochen (einmal im Monat bzw. 11 mal im Jahr bei einem Monat Pause) sind üblich. Das ist ein guter Kompromiss aus Aufwand und Genauigkeit.
4. Melkfrequenz; Melkungen pro Tag; 2, 3 oder R für Melkroboter.

Mein Verfahren ist das oben erwähnte BL42 - Betriebseigene Prüfer, konstante Probe, Vier-Wochen-Rhythmus und zweimaliges Melken.
Die Probenflaschen werden in der Vorbereitung den Kühen zugeordnet und wenn man die Probe der Kuh hat dann in die jeweilige Flasche.
Vollautomatische Anzeige der Flaschennummer: siehe Post vom 23.06.2015.
 
Wie ich das Probennehmen im Studium auf meinem Stammbetrieb LVAV Hofgut Neumühle gelernt habe, da kann ich mich nicht an die genaue Bezeichung des Prüfverfahrens erinnern. Ich würde sagen es war BS12. Die Doktorandin machte die nachmittägliche Melkzeit und ich als angegliederter Bachelorand die morgendliche. Es wurden jeden Sonntag/Montag Proben genommen um im Fütterungsversuch genügend Werte und auch Entwicklungen in der Leistung bzw. Milchinhaltsstoffen abdecken zu können. Seit einigen Jahren machen sie das auf der Neumühle immer wöchentlich, davor wurde während den Versuchen wöchentlich und außerhalb normal vierwöchig gemacht.
Bei der anteiligen Probe lief das damals mit einem alten Palm (16 MB-SD-Karte!) in dem die Kuhnummer und die Milchmenge (von der Anzeige des Terminals) eingegeben wurde. Abends wurden die Probenflaschen fortlaufend vergeben. Das waren kleine Kästen mit 50 Flaschen und 42 Kühe im Versuch zu beproben. Jede Probe waren 10 ml. Morgens wurde wieder die Kuhhnummer und Milchmenge eingegeben und dann angezeigt wieviel in welche Probenflasche gegeben werden musste.

Benjamin


1480

Samstag, 26. Oktober 2024

Uhr umstellen

Heute Nacht wird die Uhr wieder auf Normalzeit umgestellt. Das wird auch höchste Zeit, denn der Sonnenstand passt gar nicht mehr. Noch spätsommerliche Temperaturen, aber es wird erst um halb acht hell.
 
Bei der Zeitumstellung gab es ja vor einigen Jahren das Vorhaben der EU die abzuschaffen, aber dann kam Corona dazwischen usw. usf. Die damalige Hoffnung auf eine Verbesserung habe ich nicht mehr.

Für Milchkühe ein Stressfaktor ist die verlängerte (bzw. im Frühjahr verkürzte) Zwischenmelkzeit.
Die Lehrbuchmeinung ist die Zeitumstellung daher über mehrere Tage schrittweise zu verteilen, z.B. 4x je eine viertel Stunde.
 
Ein einziges Mal (Okt. 2013) habe ich das gemacht, Sonntagmorgen eine halbe Stunde früher um 2:30 Normalzeit und dann Nachmittags wieder die üblichen 14:00.
Und danach nie wieder, sondern in einem Schwung, weil sobald einer von der Mannschaft nicht an die stückweise Verschiebung denkt gibt es schon Chaos.

Das ganze Jahr über nach Normalzeit zu arbeiten wäre die auf den ersten Blick die sinnvollste Lösung. Da könnte man sich den Umstellungsstress alle halbes Jahr sparen. Bloß dann muss man alle halbes Jahr die Zeit für die Umwelt anpassen: Wie Futteranlieferung, Milchauto oder Kollision Schichtbeginn und Kindergarten.

In den letzten Tagen war zur Zeitumstellung viel in der Agrarpresse zu lesen, der Haupttenor war, dass das mit Melkrobotern kein Problem ist und Futter gibt es eh immer. Mit den Melkrobotern ist natürlich richtig, denn da jede Kuh ihren eigenen Melkrhythmus hat und nicht auf die Uhr schaut. Beim Futter sehe ich es doch als Problem, weil es üblicherweise mit den Melkzeiten abgestimmt ist und auch die Menge für eine Stunde mehr angepasst werden muss.

Und die Umstellung auf einmal hat zumindest im Oktober den Vorteil, dass man wirklich eine Stunde länger schlafen kann.
 
Benjamin
 

 
1479

Dienstag, 1. Oktober 2024

Scheitel-Steiß-Länge

Habe ich letztens von einer Diskussion gelesen bzgl. Aborten durch Blauzunge. Wenn man eine abgestoßene Frucht im Stall findet und man diese keiner Kuh zuordnen kann. Über die Scheitel-Steiß-Länge (SSL) kann man die Dauer der Trächtigkeit abschätzen und damit die betroffene Kuh finden.
Bei Kleinst- und Kleinbetrieben mag das gut klappen, wenn man es auf einige wenige Kühe einengen kann. In unseren Größenordnungen aber eher weniger. Der Großteil der Arbeit wäre zunächst mal einfach: Zollstock raus (immer dabei!), Kalb messen, passende Kühe der Gruppe im HERDE suchen und in die Selektion eingeben. Bloß dann hat man bestimmt 30 - 50 Kühe im Nachwartehof stehen...

Wie man von der Scheitel-Steiß-Länge auf die Trächtigkeitsdauer kommt:


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Benjamin

 

1478

Mittwoch, 18. September 2024

Neumühle 2024/2

Am vergangenen Sonntag war ich mal wieder auf meinem Stammbetrieb LVAV Hofgut Neumühle, wo es im Sommer beim Tag der offenen Tür die Kühe nur von außen zu sehen gab.

Hier sieht man gut wie die Kühe in den letzten 15 Jahren seit der Inbetriebnahme des Stalls 2009 größer geworden sind. Nr. 1840 (eine der Fistelkühe) frisst hier gerade am Wiegetrog und steht dabei mit den Hinterfüßen auf der Schieberbahn, weil der Fressstand zu kurz ist. Das machen mittlerweile so gut wie alle Kühe:


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nr. 1802 in der Trockenstehergruppe. Eine riesige Kuh; von der Kondition, der Stärke und vor allem der Tiefe. Das Halsband ist im letzten Loch auch sehr eng. Als Trockensteher geht sie natürlich nicht zum Melken und danach nicht über die Waage. Das Gewicht werde ich noch nachliefern:


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine "Glubschi" auf der Neumühle. Nr. 2157. Kühe mit Glubschaugen kommen ab und zu vor und die kennt dann auch jeder, weil sehr auffällig. Sie schielt dazu noch extrem:


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Noch was Technisches: Am Mischwagen ist jetzt ein HarvestLab von John Deere verbaut. Der dient aber vorerst nur zum reinen Datensammeln. Da will John Deere wohl in diesem Anwendungsbereich der Nahinfrarotspektroskope Fuß fassen:

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Benjamin

1477

 

Sonntag, 25. August 2024

Dreschfest

Kulturprogramm am Wochenende: Ich war unterwegs zum Dreschfest paar Dörfer weiter. Für den Ingenieur im Agraringenieur und mein technisches Interesse allgemein, schließlich bin ich über die Landtechnik damals zur Landwirtschaft gekommen.

Es wurden fünf alte Dreschmaschinen vorgeführt und dazu eine Oldtimerausstellung; bis auf zwei Trabbis ausschließlich Traktoren.

Das älteste Gespann: Eine Lokomobile von Clayton & Shuttleworth aus England, die mal in Siebenbürgen lief. Baujahr um 1905 rum. Die Dreschmaschine ist von Lanz (Heinrich Lanz Mannheim, heute John Deere):


 



 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zwei Dreschmaschinen beim Dreschen im Komplex. Links eine Speiser (heute Claas), angetrieben von einem Deutz, rechts eine Ködel & Böhm (heute Deutz-Fahr), angetrieben von einem Lanz Bulldog. Dazwischen ein Ackerwagen mit den Garben. Das war nicht ganz stilecht, weil moderner Weizen, einfach von einem Acker abgemäht. Richitg authentisch wäre ein extra angebauter, langstrohiger 2-Tonnen-Weizen gewesen:


 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die modernste und größte der Dreschmaschinen, eine Buschhoff mit integrierter Strohpresse. Buschhoff baut heute vor allem Technik für die Getreidelagerung und -reinigung, für den Kuhbauer sind sie eher mit ihren mobilen Mahl- und Mischanlagen ("Schrotauto") ein Begriff:


 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mähbinder von Lanz, gezogen von einem Lanz Bulldog. Über Zapfwelle angetrieben die letzte Entwicklungsstufe vor den Mähdreschern. Rechts ist ein Lanz Selbstfahrmähdrescher aus den 1950ern zu sehen:


 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und zum Schluss noch ein moderner Mähdrescher, ein John Deere C670i mit Biso Crop-Ranger 650-Schneidwerk. Das ist der erste Hybridmähdrescher von John Deere den ich gesehen habe. Viele gibt es von denen nicht und gebaut werden die auch nicht mehr:




 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Benjamin

 

1476

Samstag, 17. August 2024

Neuer RZRobot

Zur Zuchtwertschätzung im August wurde jetzt der RZRobot, der Zuchtwert speziell für robotertaugliche Kühe überarbeitet. Der war im August 2014 eingeführt worden (dachte das wäre länger her gewesen...) und jetzt sind die Erfahungen aus zehn Jahren Arbeit damit eingeflossen.

Schwerpunkte waren damals der Zellzahlzuchtwert (RZS), da Betriebe mit Melkrobotern tendenziell höhere Zellzahlen hatten. Dann der Milchfluss (RZD), als wichtigster Faktor für die Leistungsfähigkeit der Melkroboter wie schnell die Kuh leer ist und Exterieurmerkmale, allgemein das Fundament, dass die Kuh gut freiwillig zum Roboter laufen kann und die Euterform mit gut zu findenden Zitzen.

Ohne Melkroboter hatte der RZRobot nie für mich eine größere Bedeutung, bei guten Werten war das eher ein Bonus, denn auch roboterzaugliche Kühe lassen sich im koventionellen Melkstand besser melken. Mein Anspruch dabei ist immer, dass man das Melkzeug blind ansetzen kann, weil man keine Zitzen suchen muss, denn die sind dort wo man sie erwartet.

Präsentation vom VIT zur Überarbeitung des RZRobot:

Das sind die neuen Merkmale bzw. ihre Gewichtung:



 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Es fand jetzt die erste Zuchtwertabschreibung bei einer Augustzuchtwertschätzung (vgl. Post vom 17.04.2024) statt. Eigentlich wollte ich jetzt nicht extra die Abschreibung der einzelnen Zuchtwerte anhand derer von Hype ermitteln, aber als ich drüber geschaut habe waren die dann teilweise schon ordentlich. Deswegen wurde es ja auch auf die Abschreibung dreimal im Jahr umgestellt....

  
Benjamin
 
 
1475

Sonntag, 11. August 2024

Blauzunge

Die Ausbreitung der Blauzungenkrankheit in Deutschland ist aktuell das bestimmende Thema im Rinderbereich. Täglich gibt es neue "Wasserstandsmeldungen".

Es handelt sich um eine Krankheit bei Wiederkäuern die durch das Blauzungenvirus verursacht wird. Vom englischen Namen Blue Tongue Virus leitet sich die übliche Abkürzung BTV ab. Blauzunge bezieht sich auf das charakteristische Symptom der geschwollenen, blau angelaufenen Zunge. Daneben sind es Ödeme im Kopfbereich, Fieber, Leistungsabfall, Fruchtbarkeitsprobleme, Aborte und Todesfälle.

Größtes Problem mit der Krankheit ist ihre Übertragung durch Gnitzen, einer Art Stechmücken, von infizierten auf gesunde Tiere. Daher ist die Krankheit sehr mobil und nur schwer zu bekämpfen.
Auch über Sperma kann das Virus übertragen werden, daher ist die zertifizierte BTV-Freiheit von Besamungsbullen auch so wichtig. Deshalb wurde der neue Bullenstall der Besamungsstation Schmergow in der Nähe der Havellauen auch geschlossen gebaut (vgl. Post vom 31.10.2019).

Mit der Blauzungenkrankheit hatte ich zum Glück noch nie etwas zu tun, ich wusste nur, dass das vor meiner aktiven Rinderzeit ein Thema war. Und dass dagegen als geimpft wurde. Man hat nur ab und zu von Fällen gelesen und seit letzem Jahr war Deutschland offiziell anerkannt BTV-frei.

Kurz darauf im letzten Herbst ist in den Niederlanden wieder Blauzunge aufgetreten und dann auch nach Deutschland eingedrungen, daher auch der bisherige Schwerpunkt am Niederrhein.
Mittlerweile sind es über 2.000 bestätigte Fälle, so grob Hälfte Rinder - Hälfte Schafe/Ziegen in den Bundesländern:
Nordrhein-Westfalen
Niedersachsen
Rheinland-Pfalz
Hessen
und in den letzten Tagen dazugekommen:
Mecklenburg-Vorpommern
Sachsen-Anhalt
Schleswig-Holstein
Baden-Württemberg

Aktuell gibt es noch keine Fälle in Brandenburg, aber außenrum in den Landkreisen Salzwedel, Lüneburg und Ludwigslust-Parchim.

Das einzige sinnvolle Mittel dagegen ist die Impfung, wo es gegen den aktuell auftretenden Serotyp auch schon zugelassene Impfstoffe gibt.
Die ständige Impfkommission (StiKo) der Robert-Koch-Instituts (RKI) empfiehlt die Impfung. Bisher war man da wegen den Nebenwirkungen der Impfung (auch Aborte) und den Kosten eher zurückhaltend gewesen, aber man wird wohl nicht drum herum kommen...

Benjamin

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Dienstag, 16. Juli 2024

Insektenprotein

Dieser Post hat direkt nicht so viel mit Rindern zu tun, ganz am Ende etwas, aber mit Tierhaltung allgemein.
 
Auf dem Tag der offenen Tür des LVAV Hofgut Neumühle war neben Futtermittelindustrie und Landtechnik auch die Technische Hochschule Bingen mit einem Stand vertreten. Neben Postern zu abgeschlossenen Forschungsprojekten im Bereich Tierernährung waren zur Dekoration Eier aus dem aktuellen Legehennenversuch ausgestellt und drei Plexiglaszylinder mit Fliegenlarven.
Dabei handelt es sich um Larven der Schwarzen Soldatenfliege (hermetia illucens).
Nur der mittlere Zylinder enthält die Larven pur, der rechte Larven in ihrem Nährsubstrat in denen sie gehalten werden und der hinten links verdeckte Larvenpresskuchen, nachdem das Fett abgepresst wurde:
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Insektenprotein ist ein seit einigen Jahren - in meinen Augen gehyptes - Thema. Da geht es vor allem um den Ersatz von importiertem Soja, also wieder zur Eiweißlücke. Aber nicht für Rinder, denn seit BSE ist das Verfüttern von tierischen Protein an Wiederkäuer verboten. Sondern für Schweine und Geflügel.
Für Rinder wäre es als Fett in Milchaustauscher möglich, wo aktuell ein Versuch dazu auf Neumühle läuft. Ein Teil des pflanzlichen Fetts im Milchaustauscher wird durch das Larvenfett ersetzt, wofür die getrockneten Larven abgepresst werden. Zurück bleibt proteinreicher Larvenpresskuchen (grob mit Soja- oder Rapsschrot vergleichbar), der dann an Nichtwiederkäuer verfüttert werden kann. Vom Fettsäuremuster wäre es ähnlich zu Kokosfett, das häufig für Milchaustauscher verwendet wird.
 
Benjamin
 
 
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