Am gestrigen Dienstag nahm ich an einem Webinar zum Thema Mastitisimpfung teil. Der Post kommt erst heute, weil es Abends um 19:30 Uhr stattfand, dass die Einzelbauern nach dem Melken teilnehmen können. Und da es bis 21:00 Uhr ging reichte es natürlich nicht für die Veröffentlichungs-Uhrzeit um 20:00.
Für mich mal wieder ein theoretischer Ausflug zu den Kühen und auch etwas Neues dabei, von Mastitisimpfungen hatte ich zwar schon oft gehört, aber weder eigene Erfahrungen noch mich näher damit beschäftigt.
Veranstalter war Boehringer Ingelheim. Die jetzt auch einen Mastitis-Impfstoff im Angebot haben. Für mich doch fast naheliegend, das sie im Rinderreich stark bei Impfstoffen und Eutermedikamenten aufgestellt sind. Gleich zu Beginn der Hinweis auf das Heilmittelwerbegesetzt und man solle sich bei näheren Fragen zum Impfstoff an seinen Tierarzt wenden. Da verweise ich auf die Internetseite, wo es die Packungsbeilage mit den entsprechenden Informationen gibt.
Es gab zwei Vorträge zu Mastitis:
1. Dr. Exner von Boehringer über die Mastitisimpfung; "Mastitis-Prävention anders denken"
Mastitis ist das Haupteinsatzgebiet von Antibiotika in der Milchviehhaltung und der ökonomisch bedeutenste Krankheitskomplex.
Wobei die verminderte Milchleistung den größten Anteil ausmacht. Das beginnt schon bei 50.000 Zellen/ml, also niedriger als die 100.000, die in Deutschland die Grenze für eutergesund sind und erst recht die internationalen 200.000.
Dazu der Zellzahlrechner von Boehringer: https://www.vetmedica.de/mastitis-zellzahlrechner
wie viel Milch und Geld durch erhöhte Zellzahelen (= subklinische Mastitis) verloren geht. Die genaue Formel dahinter habe ich nicht ermittelt. Aber es wird einfach auf 305 Melktage hochgerechnet und nach Laktationsnummer und Zellzahl Verluste an Milch angesetzt, gestaffelt von 0 % bei unter 50.000 Zellen bis 9 % bei Mehrkalbs-Multimillionären.
Die Eutergesundheit der deutschen Kühe verbessert sich langsam. Die aktuellen Zahlen des nationalen Tierwohlmonitorings (Q-Check): https://q-check.org/monitoring/
Die Mastisimpfung gibt es gegen verschiedene Erreger, entsprechend muss der Leitkeim im Betrieb bekannt sein.
Sie ist keine Therapie und kein Allheilmittel sondern ein weiterer Baustein für die Vorbeugung. Was zu weniger und leichter verlaufenden Mastitiden führen kann, die Zellzahl senken und den mit Mastitis verbundenen Stress für Kuh und Mensch.
Die Impfung soll vor Hochrisikophasen für Mastitiden erfolgen, nicht einmal die ganze Herde komplett, sondern am besten immer in der Trockenstehphase, dass der Impfschutz für die Frühlaktation besteht.
In den USA wären Impfungen gegen E. coli weit verbreitet, als Schwelle gilt dort, wenn im Jahr 1 % der Herde an schweren Coli-Mastitiden erkrankt. Diese Inzidienz kann ich nicht recht einschätzen, weil der Großteil der Coli-Mastitiden bei normalen Erreger-Nachweis entdeckt werden. Aber von der Häufigkeit könnte es hinkommen bei den Fällen, in denen die Melker gleich kommen um Bescheid zu sagen, dass man schon parat steht wenn die Kuh vom Karussell läuft.
Dass allein ein bis zwei vermiedene Todesfälle schon sehr viel Impferei bezahlen können.
2. Dr. Scheu, Tierärztin auf meinem Stammbetrieb Hofgut Neumühle
"Mastitiskontrolle anders denken"
Dabei ging es gar nicht um die Mastitisimpfung sondern um Mastitis und Prophylaxe allgemein, denn der Fokus würde viel zu sehr auf der Therapie liegen.
Sie zitierte viel Grundlegendes zur Mastitis von Prof. Krömker, dem deutschen "Euterpabst".
Eutergesundheit ist eine strategische Risikoanalyse, ein kontinuierlicher Prozess und vor allem im Handeln eine Kontinuität wichtig, also wie immer bei Kühen.
Vier Beispiele zur Eutergesundheit von der Neumühle:
1) Die Aureussanierung. Da erinnere ich mich z.B. daran, dass es im Melkstand für die Aureus-Gruppe zum Schluss einen extra Dippbecher gab, der auch mit einem gelben Fesselband markiert war.
2) Fütterungseinfluss auf das Immunsystem und damit die Eutergesundheit. Bei einem Fütterungsversuch, bei dem die Kühe im Bereich subklinischer Pansenacidose (SARA) lagen verdoppelten sich die Coli-Mastitiden.
3) Liegeboxenpflege, weil Kühe die meisten Zeit liegen und damit das Euter Umweltkeimen ausgesetzt ist. Wobei auf Neumühle in den Tiefboxen unten drin mit Pferdemist als Grundmatratze gearbeitet wird und darauf Kalk-Stroh-Gemisch.
4) Kontinuierliche Überwachung als nach dem Wechsel der Melkbecherhülsen von Stahl auf Kunststoff die Einstellungen nicht mehr passten und die Hyperkeratosen an den Zitzen zunahmen.
Benjamin
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