Nun der letzte Post über die Weinlese in Rheinhessen.
Eine gute Stunde bin ich selber mit dem Grapeliner im Weinberg gefahren. Mitten in der Reihe ist es recht einfach: Mit Lenkautomatik über die Ultraschallsensoren und Tempomat kann man sich auf die "Arbeitshöhe" und die Seitenneigung der Maschine konzentrieren. Das Umdrehen sind dann aber extrem viele Arbeitsschritte auf einmal. Maschine anheben, Schüttelwerk abschalten, Förderbänder abschalten, auf Rückfahrkamera umschalten, wenden meist mit sehr wenig Platz, wieder auf die Frontkamera umschalten, in die nächste Reihe einfädeln, Maschine absenken, Förderbänder einschalten, Schüttelwerk einschalten. Ob die neueren Modelle eine Art Vorgewendemanagement haben weiß ich nicht.
Die Kameras sind aber eine echte Hilfe, einmal nach hinten beim Wenden, dass man nicht auf der anderen Seite vom Weg etwas umfährt und die vordere, wo man schräg von vorne auf den Einzug sieht und beim Einfahren in die Reihe einen zweiten Blickwinkel hat neben dem Glasboden der Kabine.
In diesem Weinberg wurde die Sorte Regent gelesen, eine Rotweinsorte die als Besonderheit einige Pilzresistenzen hat, also mit einem geringeren Pflanzenschutzaufwand auskommt. Der Ertrag war sehr gut, dürfte an die 200 hl Maische/ha gewesen sein.
Bei 3,5 km/h Fahrgeschwindigkeit, 190 m Reihenlänge und 2 m Reihenabstand dauerte eine Runde hin und zurück inklusive Umdrehen und Auskippen ziemlich genau 9 min; bei mir waren es dann etwas mehr... Macht eine Stundenleistung von 0,5 ha.
Aus der Fahrerperspektive:
In Rheinhessen dürften über 95 % der Trauben mit dem Vollernter gelesen werden; Handlese gibt es auch bei einigen Weingütern, die damit versuchen über gezielte Auswahl der Trauben am Stock eine höhere Qualität zu erzielen. Dies rechnet sich aber allenfalls als Flaschenwein in der Direktvermarktung.
Für mich ist die Handlese Folklore.
Gelesen wurde ein Teil eines Weinbergs, der nicht mit dem Vollernter befahren werden kann, weil aufgrund des unregelmäßigen Flächenzuschnitts drei Reihen ineinander zulaufen. Da dachte mein Großonkel bei der Anlage in den 1970ern nicht an die künftigen Vollernter, die nicht nur den Platz zwischen zwei sondern drei Reihen brauchen. Der erste Vollernter - eine Krieger K1 - kam dann zur Saison 1980 und seitdem müssen zwei der drei Reihen weiterhin mit der Hand gelesen werden.
Es handelt sich um die Rotweinsorte Portugieser, die die häufigste in Rheinhessen ist. Für die 35 Stöcke der beiden Reihen brauchten wir zu viert rund 20 Minuten, der Grapliner hätte es mit Umdrehen trotz der langsamen Geschwindigkeit von 2,5 km/h bei dieser widerspenstigen Sorte in vielleicht zweineinhalb geschafft:
Zur Vermarktung noch: Der Großteil wird nicht als Wein sondern wenige Tage nach dem Keltern als Saft verkauft. Die Ernte erfolgt meist passend zur Abholung. Die Kellereien als Abnehmer werden über die Weinkommissionen als Händler und Dispatcher für die Speditionen beliefert. Die Kellereien bauen den Wein dann unter ihrem Namen aus und füllen ihn in Flaschen ab. Der Saft darf noch nicht begonnen haben zu gären um den Gärverlauf wie gewünscht steuern zu können, daher werden teilweise mit Schwefeldioxid die Hefen inaktiviert, also steril gemacht ("stumm machen").
Benjamin
Dienstag, 1. Oktober 2019
Samstag, 28. September 2019
Grapeliner - Teil 3
Jetzt bin ich wieder aus dem Urlaub in der alten Heimat zurück im alltäglichen Wahnsinn und es ist noch ein großer Rückstand im Kuhblog aufzuholen.
Nun der dritte Teil der Serie über den Grapliner: Das Funktionsprinzip eines Traubenvollernters. In Rheinhessen lernt man das zwar nicht in der Grundschule, aber es gehört zum Allgemeinwissen, dagegen ist es in anderen Gegenden absolut unbekannt.
Auf dem Foto sieht man den Traubenvollernter beim Einfahren in die Reihe, der fährt über die Reihe hinweg und umschließt sie vollständig. In dem langen silbernen Schacht befindet sich das Förderband:
Blick ins Innere während der Ernte. Aber bei Stillstand, weil wegen einer Störung angehalten werden musste. Man erkennt den Aufbau der Reihen aus Pfählen und Drähten, an den unteren beiden werden die Reben angebunden und die beiden oberen Drahtpaare drücken die Triebe nach oben, sodass eine schmale Laubwand entsteht. Alles was zur Seite wächst wird im Sommer mit dem Laubschneider regelmäßíg abgeschnitten. Diese schmale Reihe können die Schüttelstäbe für die Ernte "greifen":
Das Ganze in Reinigungsposition. Dafür ist hinten der Spritzschutz abgebaut, der normal verhindert, dass die Trauben nach hinten rausspringen. Sowie eine Plane, die sich über dem Gebläse befindet. Man schaut auf dem Foto in Fahrtrichtung. Ganz vorne sind die schwarzen Platten des Zeilenstabilisators zur erkennen, recht stabile, aber trotzdem etwas flexible Kunststoffplatten, die die Reihe der Reben während der Ernte in Position hält. Dann kommen die Schüttelstäbe, die wie im Bild oben zu sehen die Reihe von beiden Seiten greifen und mit 400 - 500 Schlägen pro Minute in Schwingung versetzen. Dadurch fallen die Trauben vom Hängel ab. Das ist eine Einstellungssache, das alle Trauben abfallen, aber gleichzeitig nicht zu viele Blätter und Holz bis hin zu Beschädigung der Rebstöcke. Hinzu kommt der Einfluss der Geschwindigkeit, weil mehr Laub pro Zeit ein Polster bildet. Alles vergleichbar mit der Dreschtrommel beim Mähdrescher. Unten sind die Schuppen, die mit Federn vorgespannt sind und für die Rebstöcke und Pfähle zur Seite schwenken können und ansonsten einen geschlossenen Boden bilden, auf dem die Trauben nach rechts auf das grüne Förderband rutschen. Das Förderband ist umlaufend, kommt von vorne oben und läuft nach hinten oben. Oben auf dem Vollernter fallen die Trauben auf das Querförderband, das sie in den Behälter oder den Entrapper befördert. Links ist der Schlauch vom Querluftgebläse, dessen Luft auf der ganzen Länge über den Schuppen unter der schwarzen Verkleidung austritt und abgeschlagene Blätter wegbläst, die der spiralförmige Laubrechen rechts über dem Förderband aus der Maschine schafft. Rechts sitzt das untere Sauggebläse, das über dem Förderband Blätter absaugt. Dann gibt es noch ein oberes Sauggebläse das oben auf der Maschine am Querförderband nochmals Blätter absaugt:
Den Entrapper haben nicht alle Traubenvollernter, ist aber in den letzten beiden Jahrzehnten nach und nach zur Standardausrüstung geworden. Er kann zugeschaltet werden um die Trauben noch einmal zu reinigen; von letzten Blättern, kleinen Holzstücken und den namensgebenden Rappen, den Stängeln der Traubenhängel, wenn diese nicht am Stock hängen bleiben sondern komplett abfallen. Außen ist ein rotierender Korb, auf dem oben eine Bürstenwalze zur Reinigung mitläuft und innen eine Fingerwelle. Die Trauben fallen durch den Korb und werden mit einer Schnecke in den Behälter gefördert, der Rest wandert durch den Korb und fällt am Ende raus. Der ganze Entrapper kann angewinkelt werden, dass durch eine längere Verweildauer die Reinigungswirkung erhöht wird und keine Trauben mit rauswandern:
Fortsetzung folgt!
Benjamin
Nun der dritte Teil der Serie über den Grapliner: Das Funktionsprinzip eines Traubenvollernters. In Rheinhessen lernt man das zwar nicht in der Grundschule, aber es gehört zum Allgemeinwissen, dagegen ist es in anderen Gegenden absolut unbekannt.
Auf dem Foto sieht man den Traubenvollernter beim Einfahren in die Reihe, der fährt über die Reihe hinweg und umschließt sie vollständig. In dem langen silbernen Schacht befindet sich das Förderband:
Blick ins Innere während der Ernte. Aber bei Stillstand, weil wegen einer Störung angehalten werden musste. Man erkennt den Aufbau der Reihen aus Pfählen und Drähten, an den unteren beiden werden die Reben angebunden und die beiden oberen Drahtpaare drücken die Triebe nach oben, sodass eine schmale Laubwand entsteht. Alles was zur Seite wächst wird im Sommer mit dem Laubschneider regelmäßíg abgeschnitten. Diese schmale Reihe können die Schüttelstäbe für die Ernte "greifen":
Das Ganze in Reinigungsposition. Dafür ist hinten der Spritzschutz abgebaut, der normal verhindert, dass die Trauben nach hinten rausspringen. Sowie eine Plane, die sich über dem Gebläse befindet. Man schaut auf dem Foto in Fahrtrichtung. Ganz vorne sind die schwarzen Platten des Zeilenstabilisators zur erkennen, recht stabile, aber trotzdem etwas flexible Kunststoffplatten, die die Reihe der Reben während der Ernte in Position hält. Dann kommen die Schüttelstäbe, die wie im Bild oben zu sehen die Reihe von beiden Seiten greifen und mit 400 - 500 Schlägen pro Minute in Schwingung versetzen. Dadurch fallen die Trauben vom Hängel ab. Das ist eine Einstellungssache, das alle Trauben abfallen, aber gleichzeitig nicht zu viele Blätter und Holz bis hin zu Beschädigung der Rebstöcke. Hinzu kommt der Einfluss der Geschwindigkeit, weil mehr Laub pro Zeit ein Polster bildet. Alles vergleichbar mit der Dreschtrommel beim Mähdrescher. Unten sind die Schuppen, die mit Federn vorgespannt sind und für die Rebstöcke und Pfähle zur Seite schwenken können und ansonsten einen geschlossenen Boden bilden, auf dem die Trauben nach rechts auf das grüne Förderband rutschen. Das Förderband ist umlaufend, kommt von vorne oben und läuft nach hinten oben. Oben auf dem Vollernter fallen die Trauben auf das Querförderband, das sie in den Behälter oder den Entrapper befördert. Links ist der Schlauch vom Querluftgebläse, dessen Luft auf der ganzen Länge über den Schuppen unter der schwarzen Verkleidung austritt und abgeschlagene Blätter wegbläst, die der spiralförmige Laubrechen rechts über dem Förderband aus der Maschine schafft. Rechts sitzt das untere Sauggebläse, das über dem Förderband Blätter absaugt. Dann gibt es noch ein oberes Sauggebläse das oben auf der Maschine am Querförderband nochmals Blätter absaugt:
Den Entrapper haben nicht alle Traubenvollernter, ist aber in den letzten beiden Jahrzehnten nach und nach zur Standardausrüstung geworden. Er kann zugeschaltet werden um die Trauben noch einmal zu reinigen; von letzten Blättern, kleinen Holzstücken und den namensgebenden Rappen, den Stängeln der Traubenhängel, wenn diese nicht am Stock hängen bleiben sondern komplett abfallen. Außen ist ein rotierender Korb, auf dem oben eine Bürstenwalze zur Reinigung mitläuft und innen eine Fingerwelle. Die Trauben fallen durch den Korb und werden mit einer Schnecke in den Behälter gefördert, der Rest wandert durch den Korb und fällt am Ende raus. Der ganze Entrapper kann angewinkelt werden, dass durch eine längere Verweildauer die Reinigungswirkung erhöht wird und keine Trauben mit rauswandern:
Fortsetzung folgt!
Benjamin
Sonntag, 22. September 2019
Grapeliner - Teil 2
Der Grapeliner zieht seine Bahnen bzw. Reihen.
Paar Fotos und Berichte aus der diesjährigen Lese bei spätsommerlichen Wetter, aber mit schon recht kühlen Nächten, sodass es keine Probleme mit schnell gärenden Trauben gibt.
Entleeren von Dornfelder in den Maischewagen. Auf dem Foto erkennt man gut die grundsätzliche Bauweise eines Traubenvollernters, die sich aber je nach Modell im Detail unterscheidet. Der untere Teil ist zweigeteilt, sodass die Hälften jeweils zwischen der zu erntenden Reihe und der nebendran fährt. Jeder Teil besteht vorne und hinten aus einer Stütze mit einem Rad mit hydraulischen Radmotor, das vordere gelenkt und gebremst. Die Stützen sind hydraulisch höhenverstellbar, das geht von so - 5 cm im Parkposition, dass das Ernteaggregat aufsetzt, über ein paar cm bei der Ernte, ca. 20 cm für den Transport und 50 cm ganz ausgefahren wie hier zum Entleeren. Dann beträgt die Gesamthöhe ca. 4,2 m. Auf der linken Seite zwischen den Stützen befindet sich der Motor und darunter der Dieseltank, rechts der Behälter für 2.400 l Trauben, die für knappe 1000 m reichen, je nach Ertrag natürlich. Oben drauf ist die Fahrerkabine, dahinter die Übergabe vom Förderband zum Behälter und der Entrapper, dazu aber mehr in einem anderen Post.
Unten am Ernteaggregat sieht man die zwei weißen Tastbügel für die Richtungsanzeige:
Blick vom Beifahrersitz aus. Beim Grapeliner sitzt der Fahrer zentral über der zu erntenden Reihe. Vorne sieht man das Lenkgestänge, das so ausladend wirkt, da ein Lenkeischlag von 85 ° möglich ist, damit kann auf einem der Hinterräder stehend gewendet werden. Unten sieht man zwei der Fußtaster für die Höhenverstellung der Stützen, damit werden die Stützen einer Seite hochgefahren. Darunter sind noch die Taster zum Runterfahren und daneben der Taster zum Aktivieren des Autopilots, der mit jeweils zwei Ultraschallsensoren an den vorderen Stützen die Maschine entlang der Reihe führt. An der Lenksäule kann man die Richtungsanzeige erkennen, die einem die Lenkrichtung bei manueller Lenkung vorgibt:
Das Terminal zur Bedienung der Maschine, darüber läuft die ganze Einstellung und alle Anzeigen. Das dürfte der größte Computer von Müller Elektronik von Anfang der 2000er sein. Über 50 Tasten und so viele Untermenüs für die Einstellungen im Detail. Da wurde auch der Service von Ero deutlich, während der Saison gibt es eine 24-Stunden-Hotline. Die Frequenz des Schüttelwerks blieb nicht konstant und fiel während der Fahrt ab. Am Handy wurde erklärt, wo im Terminal die Basiswerte für die Sensoren korrigiert werden müssen und dann funktionierte es auf Anhieb wieder. Wirklich beeindruckend wenn ich das mit DeLaval vergleiche, wo abends niemand mehr zu erreichen ist und man nur hoffen kann, dass man es der für wirklich alles zuständigen Servicemonteur des lokalen Händlers besser hinkriegt als man selbst:
Fortsetzung mit der Funktionsweise folgt!
Benjamin
Paar Fotos und Berichte aus der diesjährigen Lese bei spätsommerlichen Wetter, aber mit schon recht kühlen Nächten, sodass es keine Probleme mit schnell gärenden Trauben gibt.
Entleeren von Dornfelder in den Maischewagen. Auf dem Foto erkennt man gut die grundsätzliche Bauweise eines Traubenvollernters, die sich aber je nach Modell im Detail unterscheidet. Der untere Teil ist zweigeteilt, sodass die Hälften jeweils zwischen der zu erntenden Reihe und der nebendran fährt. Jeder Teil besteht vorne und hinten aus einer Stütze mit einem Rad mit hydraulischen Radmotor, das vordere gelenkt und gebremst. Die Stützen sind hydraulisch höhenverstellbar, das geht von so - 5 cm im Parkposition, dass das Ernteaggregat aufsetzt, über ein paar cm bei der Ernte, ca. 20 cm für den Transport und 50 cm ganz ausgefahren wie hier zum Entleeren. Dann beträgt die Gesamthöhe ca. 4,2 m. Auf der linken Seite zwischen den Stützen befindet sich der Motor und darunter der Dieseltank, rechts der Behälter für 2.400 l Trauben, die für knappe 1000 m reichen, je nach Ertrag natürlich. Oben drauf ist die Fahrerkabine, dahinter die Übergabe vom Förderband zum Behälter und der Entrapper, dazu aber mehr in einem anderen Post.
Unten am Ernteaggregat sieht man die zwei weißen Tastbügel für die Richtungsanzeige:
Blick vom Beifahrersitz aus. Beim Grapeliner sitzt der Fahrer zentral über der zu erntenden Reihe. Vorne sieht man das Lenkgestänge, das so ausladend wirkt, da ein Lenkeischlag von 85 ° möglich ist, damit kann auf einem der Hinterräder stehend gewendet werden. Unten sieht man zwei der Fußtaster für die Höhenverstellung der Stützen, damit werden die Stützen einer Seite hochgefahren. Darunter sind noch die Taster zum Runterfahren und daneben der Taster zum Aktivieren des Autopilots, der mit jeweils zwei Ultraschallsensoren an den vorderen Stützen die Maschine entlang der Reihe führt. An der Lenksäule kann man die Richtungsanzeige erkennen, die einem die Lenkrichtung bei manueller Lenkung vorgibt:
Das Terminal zur Bedienung der Maschine, darüber läuft die ganze Einstellung und alle Anzeigen. Das dürfte der größte Computer von Müller Elektronik von Anfang der 2000er sein. Über 50 Tasten und so viele Untermenüs für die Einstellungen im Detail. Da wurde auch der Service von Ero deutlich, während der Saison gibt es eine 24-Stunden-Hotline. Die Frequenz des Schüttelwerks blieb nicht konstant und fiel während der Fahrt ab. Am Handy wurde erklärt, wo im Terminal die Basiswerte für die Sensoren korrigiert werden müssen und dann funktionierte es auf Anhieb wieder. Wirklich beeindruckend wenn ich das mit DeLaval vergleiche, wo abends niemand mehr zu erreichen ist und man nur hoffen kann, dass man es der für wirklich alles zuständigen Servicemonteur des lokalen Händlers besser hinkriegt als man selbst:
Fortsetzung mit der Funktionsweise folgt!
Benjamin
Donnerstag, 19. September 2019
Grapeliner - Teil 1
Mangels Kühen gibt es jetzt aus meinem Urlaub in det alten Heimat Posts über andere Bereiche der Landwirtschaft, auch wenn diese kleine Serie schon lange geplant war.
Der Grapeliner heißt vollständig Ero SF 200 Grapeliner und ist ein selbstfahrender Traubenvollernter, im rheinhessischen Dialekt (Trauwe)Lesmaschin.
Hersteller ist die Firma Ero aus Simmern im Hunsrück, ein gutes Stück abseits der Weinbaugbiete gelegen, aber zusammen mit der Tochterfirma Binger Seilzug Marktführer in Deutschland für Weinbautechnik.
Der SF 200 löste 2003 den SF 190 ab und wurde wiederum 2013 von der 6000er Serie abgelöst. Es war der erste Traubenvollernter mit Computersteuerung und der erste mit 40 km/h Transportgeschwindigkeit, in der Entwicklung ein echter Meilenstein. Und ist nach wie vor im südlichen Rheinhessen der vorherrschende Typ.
Für mich ist es aus zwei Gründen eine besondere Maschine:
1. Wurde ich Mitte der 1990er Jahre sehr durch die Traubenvollernter geprägt, damals die Ero SF 190 und Fiatagri Braud 5720. Den ganzen Oktober über ging die Weinlese und parallel dazu die gnzen Traktoren, die die Rüben zur Zuckerfabrik fuhren, da kam man einfach nicht um die Landwirtschaft rum.
2. War der Grapeliner 2007 der erste Traubenvollernter an dem ich rumschraubte als ich Praktikum auf einem Weingut machte; wieder mangels Kühen in der Gegend.
Ein dritter Grund ist jetzt hinzugekommen. Mein Onkel (genauer gesagt der Cousin meiner Mutter) hat all die Jahre mit einem gezogenen Vollernter - einer Krieger K3 gearbeitet (siehe auch Post vom 17. 09.2014). Baujahr 1989 und der Verschleiß und die Reparaturen nahmen immer mehr zu, sodass ein Ersatz her musste. Für die gezogenen Vollernter aus den 2000er reichen die 40 kW des Dexheimer 345 als Zugschlepper nicht aus, das müssen eher 60 sein. Diese Traktoren sind dann aber so breit, dass sie nicht mehr durch die alten Weinberge passen. Daher fiel die Entscheidung auf einen selbstfahrenden Vollernter. Zusammen mit einem Arbeitskollegen, der ebenfalls Weinbau im Nebenerwerb betreibt, sowie dann auch im Lohnbetrieb für andere Winzer um auf die nötige Auslastung zu kommen
Angeschafft wurde ein Grapeliner Baujahr 2005 der generalüberholt wurde.
Fortsetzung folgt!
Benjamin
Der Grapeliner heißt vollständig Ero SF 200 Grapeliner und ist ein selbstfahrender Traubenvollernter, im rheinhessischen Dialekt (Trauwe)Lesmaschin.
Hersteller ist die Firma Ero aus Simmern im Hunsrück, ein gutes Stück abseits der Weinbaugbiete gelegen, aber zusammen mit der Tochterfirma Binger Seilzug Marktführer in Deutschland für Weinbautechnik.
Der SF 200 löste 2003 den SF 190 ab und wurde wiederum 2013 von der 6000er Serie abgelöst. Es war der erste Traubenvollernter mit Computersteuerung und der erste mit 40 km/h Transportgeschwindigkeit, in der Entwicklung ein echter Meilenstein. Und ist nach wie vor im südlichen Rheinhessen der vorherrschende Typ.
Für mich ist es aus zwei Gründen eine besondere Maschine:
1. Wurde ich Mitte der 1990er Jahre sehr durch die Traubenvollernter geprägt, damals die Ero SF 190 und Fiatagri Braud 5720. Den ganzen Oktober über ging die Weinlese und parallel dazu die gnzen Traktoren, die die Rüben zur Zuckerfabrik fuhren, da kam man einfach nicht um die Landwirtschaft rum.
2. War der Grapeliner 2007 der erste Traubenvollernter an dem ich rumschraubte als ich Praktikum auf einem Weingut machte; wieder mangels Kühen in der Gegend.
Ein dritter Grund ist jetzt hinzugekommen. Mein Onkel (genauer gesagt der Cousin meiner Mutter) hat all die Jahre mit einem gezogenen Vollernter - einer Krieger K3 gearbeitet (siehe auch Post vom 17. 09.2014). Baujahr 1989 und der Verschleiß und die Reparaturen nahmen immer mehr zu, sodass ein Ersatz her musste. Für die gezogenen Vollernter aus den 2000er reichen die 40 kW des Dexheimer 345 als Zugschlepper nicht aus, das müssen eher 60 sein. Diese Traktoren sind dann aber so breit, dass sie nicht mehr durch die alten Weinberge passen. Daher fiel die Entscheidung auf einen selbstfahrenden Vollernter. Zusammen mit einem Arbeitskollegen, der ebenfalls Weinbau im Nebenerwerb betreibt, sowie dann auch im Lohnbetrieb für andere Winzer um auf die nötige Auslastung zu kommen
Angeschafft wurde ein Grapeliner Baujahr 2005 der generalüberholt wurde.
Fortsetzung folgt!
Benjamin
Sonntag, 15. September 2019
Rassenkunde
Diesen provokanten Begriff verwende ich gerne, halte ich doch von der ganzen Political Correctness nicht viel... Es geht um Rinderrassen.
Bei den Milchviehrassen und damit im Kuhblog vorherrschend sind natürlich die Deutschen Holsteins; meist Schwarzbunte und ab und zu Rotbunte. Daneben gibt es aber auch noch Braunvieh, Angler, Jersey, die schwarzbunten Niederungsrinder (DSN) usw.
Bei den Fleischrinderrassen sind es viel mehr und zudem auch noch die Kreuzungszucht weit verbreitet, sodass ich bei der großen Bandbreite an ausgestellten Rindern auf der MeLa mal einige Fotos für den Kuhblog gemacht habe. Für den Blick abseits der schwarzweißen Milchkuh.
Fleckvieh. Eine der bedeutenden Rassen in Deutschland. Ursprünglich aus dem schweizer Simmental stammend, daher international auch als Simmental bezeichnet. Charakteristisch sind die weißen Füße und der weiße Kopf, am Körper gibt es oft auch weiße Flecken:
Uckermärker. Die Fleischrindrasse schlechthin hier im Nordosten. Systematisch als Kreuzung aus den Rassen Fleckvieh und Charolais gezüchtet, ursprünglich zur Mastanpaarung mit Milchkühen, später auch als Mutterkuh:
Wagyus sind den Kuhbloglesern insbesondere mit Hokkaido bekannt. Aus Japan stammend und erst in den letzten 10 Jahren in Deutschland in kleinem Rahmen etabliert ist es die bislang letzte Rasse die in den Rasseschlüssel aufgenommen wurde (WAG, 94). Im Gegensatz zu den europäischen Rinderrassen wachsen sie extrem langsam und haben sehr fein marmoriertes Fleisch mit viel intramuskulärem Fett:
Gelbvieh. Farblich mit dem Glanrind zu verwechseln. Ein klassisches Dreinutzungsrind (Milch, Fleisch, Zugtier); aus Franken stammend. Dort gibt es noch eine kleine Population in der Milchproduktion, die auch vom LKV in Bayern separat ausgewiesen wird. Ansonsten ist die Rasse wie viele andere in die Mutterkuhhaltung übergegangen:
Pustertaler Schecken. Aus dem Pustertal in Tirol stammend und hier im Norden sehr selten, die erste die ich überhaupt gesehen habe. Kleiner als die farblich ähnlichen Pinzgauer, die aber eine großflächigere Fellzeichnung haben:
Deutsche Angus. Mittelgroß und meist mit intensiver roter Fellfärbung. In Westdeutschland in den 1950ern in aufgegebenen Milchkuhhaltungen durch Einkreuzung von schottischen Aberdeen Angus in vor allem Rotbunte entstanden:
Galloway. Aus Schottland stammend und die klassische Robustrasse für exentsive Haltungbedingungen. Die typische "Arzt-Kuh" der 1990er Jahre. Mit Abstand die wuscheligste Rinderrasse:
Benjamin
Bei den Milchviehrassen und damit im Kuhblog vorherrschend sind natürlich die Deutschen Holsteins; meist Schwarzbunte und ab und zu Rotbunte. Daneben gibt es aber auch noch Braunvieh, Angler, Jersey, die schwarzbunten Niederungsrinder (DSN) usw.
Bei den Fleischrinderrassen sind es viel mehr und zudem auch noch die Kreuzungszucht weit verbreitet, sodass ich bei der großen Bandbreite an ausgestellten Rindern auf der MeLa mal einige Fotos für den Kuhblog gemacht habe. Für den Blick abseits der schwarzweißen Milchkuh.
Fleckvieh. Eine der bedeutenden Rassen in Deutschland. Ursprünglich aus dem schweizer Simmental stammend, daher international auch als Simmental bezeichnet. Charakteristisch sind die weißen Füße und der weiße Kopf, am Körper gibt es oft auch weiße Flecken:
Uckermärker. Die Fleischrindrasse schlechthin hier im Nordosten. Systematisch als Kreuzung aus den Rassen Fleckvieh und Charolais gezüchtet, ursprünglich zur Mastanpaarung mit Milchkühen, später auch als Mutterkuh:
Wagyus sind den Kuhbloglesern insbesondere mit Hokkaido bekannt. Aus Japan stammend und erst in den letzten 10 Jahren in Deutschland in kleinem Rahmen etabliert ist es die bislang letzte Rasse die in den Rasseschlüssel aufgenommen wurde (WAG, 94). Im Gegensatz zu den europäischen Rinderrassen wachsen sie extrem langsam und haben sehr fein marmoriertes Fleisch mit viel intramuskulärem Fett:
Gelbvieh. Farblich mit dem Glanrind zu verwechseln. Ein klassisches Dreinutzungsrind (Milch, Fleisch, Zugtier); aus Franken stammend. Dort gibt es noch eine kleine Population in der Milchproduktion, die auch vom LKV in Bayern separat ausgewiesen wird. Ansonsten ist die Rasse wie viele andere in die Mutterkuhhaltung übergegangen:
Pustertaler Schecken. Aus dem Pustertal in Tirol stammend und hier im Norden sehr selten, die erste die ich überhaupt gesehen habe. Kleiner als die farblich ähnlichen Pinzgauer, die aber eine großflächigere Fellzeichnung haben:
Deutsche Angus. Mittelgroß und meist mit intensiver roter Fellfärbung. In Westdeutschland in den 1950ern in aufgegebenen Milchkuhhaltungen durch Einkreuzung von schottischen Aberdeen Angus in vor allem Rotbunte entstanden:
Galloway. Aus Schottland stammend und die klassische Robustrasse für exentsive Haltungbedingungen. Die typische "Arzt-Kuh" der 1990er Jahre. Mit Abstand die wuscheligste Rinderrasse:
Benjamin
Freitag, 13. September 2019
MeLa 2019
Die MeLa - Mecklenburgische Landwirtschaftsausstellung - wirbt mit dem Slogan "Das Beste im September". Und ist für mich auch ein fester Termin im Kalender. Von den Landwirtschaftsmessen finde ich ist sie die Beste, nicht so groß und überlaufen wie die DLG-Messen in Hannover und nicht so auf das Stadtpublikum ausgerichtet wie die Grüne Woche.
Heute war ich auf der diesjährigen MeLa. Bei den ganzen Geschäftspartnern vorbei schauen und sich durchfuttern. Es ist einfach der Branchentreff für die Landwirtschaft im Nordosten und man trifft mehr Leute als gefühlt im Rest des Jahres zusammen.
Vor vier Jahren wurden die Holstein-Kühe im Rinderzelt erstmals nicht mehr angebunden wie es auf Ausstellungen üblich ist sondern in einer stallähnlichen Buchte mit Liegeboxen ausgestellt. Dieses Jahr ist es zu einem richtigen "Ministall" erweitert worden mit Melkroboter. Wo dann neben den Kühen auch das Melken gezeigt werden kann und vom LKV auch die Probennahme für die Milchleistungsprüfung:
Paar Fotos von der Maschinenausstellung. Bei der MeLa ist das als vergleichweise bodenständig. Nicht immer das allergrößte, das zweitgrößte reicht auch, aber ohne große Show dabei, die Größenordnungen ist man einfach gewohnt.
Erstaunt war ich, dass Raiffeisen den neuen Claas Lexion ausstellte. Der war gerade im Juli präsentiert worden und steht als Neuheit im November auf der Agritechnica und da rechnete ich nicht damit, dass der auch schon auf der MeLa dabei ist. Claas Lexion 7700 TerraTrac mit Vario 1080-Schneidwerk (10,8 m). Das größte Modell der schmalen Hybrid-Baureihe. Schlechter Winkel mit dem aufgebockten Mähdrescher (der einzige auf der Messe) und gegen die Sonne, aber es ging mir hauptsächlich um die Beschriftung:
Von Hawe-Wester ein Überladewagen mit Bandlaufwerk. Eher untypisch die Größe von "nur" 25 m³, meistens kriegen nur die größten Ausführungen überhaupt Raupen, wenn die Gewichte über Räder gar nicht mehr auf den Boden zu bringen sind. Und zudem ein Laufwerk von Claas, die im angehängten Bereich selten sind. TerraTrac mit 890 mm breiten Bändern:
Zumindest draußen auf den Äckern mehr als selten zu sehen sind die Versatile aus Kanada; in Thüringen soll es einige geben. Lange Tradition mit vielen wechselnden Besitzern, gehört mittlerweile zu Rostselmash und seit einigen Jahren wieder in der rot-goldenen Lackierung der 1970/80er Jahre:
Wo nach ich mich wirklich umsehen wollte waren Melkpullover, die an den Ärmeln und am Bauch wasserdicht sind, weil wir mit dem Gedanken spielen die für den Winterbetrieb einzuführen. Fand aber nichts dergleichen; Jagd- und Reitkleidung gab es dagegen Unmengen.
Benjamin
Heute war ich auf der diesjährigen MeLa. Bei den ganzen Geschäftspartnern vorbei schauen und sich durchfuttern. Es ist einfach der Branchentreff für die Landwirtschaft im Nordosten und man trifft mehr Leute als gefühlt im Rest des Jahres zusammen.
Vor vier Jahren wurden die Holstein-Kühe im Rinderzelt erstmals nicht mehr angebunden wie es auf Ausstellungen üblich ist sondern in einer stallähnlichen Buchte mit Liegeboxen ausgestellt. Dieses Jahr ist es zu einem richtigen "Ministall" erweitert worden mit Melkroboter. Wo dann neben den Kühen auch das Melken gezeigt werden kann und vom LKV auch die Probennahme für die Milchleistungsprüfung:
Paar Fotos von der Maschinenausstellung. Bei der MeLa ist das als vergleichweise bodenständig. Nicht immer das allergrößte, das zweitgrößte reicht auch, aber ohne große Show dabei, die Größenordnungen ist man einfach gewohnt.
Erstaunt war ich, dass Raiffeisen den neuen Claas Lexion ausstellte. Der war gerade im Juli präsentiert worden und steht als Neuheit im November auf der Agritechnica und da rechnete ich nicht damit, dass der auch schon auf der MeLa dabei ist. Claas Lexion 7700 TerraTrac mit Vario 1080-Schneidwerk (10,8 m). Das größte Modell der schmalen Hybrid-Baureihe. Schlechter Winkel mit dem aufgebockten Mähdrescher (der einzige auf der Messe) und gegen die Sonne, aber es ging mir hauptsächlich um die Beschriftung:
Von Hawe-Wester ein Überladewagen mit Bandlaufwerk. Eher untypisch die Größe von "nur" 25 m³, meistens kriegen nur die größten Ausführungen überhaupt Raupen, wenn die Gewichte über Räder gar nicht mehr auf den Boden zu bringen sind. Und zudem ein Laufwerk von Claas, die im angehängten Bereich selten sind. TerraTrac mit 890 mm breiten Bändern:
Zumindest draußen auf den Äckern mehr als selten zu sehen sind die Versatile aus Kanada; in Thüringen soll es einige geben. Lange Tradition mit vielen wechselnden Besitzern, gehört mittlerweile zu Rostselmash und seit einigen Jahren wieder in der rot-goldenen Lackierung der 1970/80er Jahre:
Benjamin
Sonntag, 8. September 2019
11 kg Gras
Mal wieder ein Post mit Bezug auf die Statistiken des Kuhblogs. Bei den Suchbegriffen, über die Leser zum Kuhblog kommen ist ein Begriff immer wieder dabei: "Wieviel Gras frisst eine Kuh pro Tag."
Gras ist nun mal das Kuhfutter schlechthin, auch wenn Wildrinder eine doch rechte große Bandbreite haben, was sie alles (an)fressen so ist Gras die eindeutige Hauptnahrungsquelle. Und das ist der große Vorteil der Rinder (und Wiederkäuer allgemein): Sie können mit ihren Pansenmikroben das für andere Tierarten nicht nutzbare Gras verdauen.
An sich brauchen Rinder kein Gras als Futter, es kommt nur auf die Inhaltsstoffe des Futters an: Energie, Eiweiß und Faser. Im Gras ist das alles vorhanden, sogar im mehr oder weniger richtigem Verhältnis. Im Studium gab es mal die schöne und einprägsame Aussage: "Man kann eine Kuh mit Zeitungspapier und Harnstoff füttern." Zeitungspapier ist Cellulose, also Faser und die Pansenbakterien können daraus auch Energie machen und aus dem Stickstoff im Harnstoff Eiweiß bilden. Aber das ist rein theoretisch, weil auf Dauer Vitamine, Mineralstoffe usw. fehlen.
Wieviel kg Gras frisst nun eine Milchkuh am Tag? Das geht von bis. Auf der einen Seite gibt es Kühe die gar kein Gras fressen, z.B. wie ich damals in Idaho war, dort sind die hauptsächlichen Futtermittel Maissilage und Luzerneheu. Auf der anderen Seite die Kühe in Neuseeland mit Vollweide, da können es schon 60 kg am Tag sein.
Mit so einer schwammigen Aussage gebe ich mich natürlich nicht zufrieden und möchte eine Menge berechnen, die man als Mittelwert annehmen kann.
Als Ausgangspunkt nehme ich Stallhaltung mit Silagefütterung. In Deutschland ist das über alle Kühe hinweg gesehen die häufigste Fütterung, bei vielen das ganze Jahr über, bei anderen mit Weidehaltung oder Grünfütterung im Sommer zumindest im Winter.
In der Fütterung wird nach Trockenmasse gerechnet, da der Wassergehalt sehr stark schwanken kann und das Wasser keinen Nährwert hat.
Faustzahl sind 20 kg Trockenmasse die eine melkende Kuhe am Tag frisst. Trockenstehende Kühe fressen um einiges weniger, aber machen nur 10 - 15 % der Kühe aus und daher beachte ich sie für die Durchschnittskuh jetzt nicht.
Weiter geht es mit dem Grundfutter-Kraftfutter-Verhältnis. Grundfutter sind faserreich, z.B. Silagen, Heu, Stroh usw., Kraftfutter ist energierreich, z.B. Getreide, Rapsextraktionsschrot usw. Das Verhältnis kann je nach Milchleistung und Futtermitteln schwanken, ein üblicher Durchschnittswert ist 60 : 40.
Grundfutter, zu dem Gras zählt sind dann 12 kg am Tag.
Von den 12 kg setzte ich 1 kg für "Sonstiges" an: Heu, Stroh und Saftfutter (Rübenschnitzel, Biertreber, Pülpe...) die bei der Einteilung in Grundfutter und Kraftfutter irgendwie nicht so reinpassen und in der Berechnung zu gleichen Teilen aufgeteilt werden.
Von den verbleibenden 11 kg nochmal aufgeteilt halb Maissilage und halb Grassilage, die beiden Grundnahrungsmittel der Milchkuh. Auch das ist regional sehr unterschiedlich, von überwiegend Gras z.B. am Niedrrhein, Allgäu, Nordseeküste bis überwiegend Mais bei uns in Brandenburg.
Wobei Grassilage nicht ganz korrekt ist, vielmehr ist es Anwelksilage, also angewelktes Grünfutter das siliert wurde. Anwelksilage kann rein aus Gras bestehen, wie dem Rohrschwingel als Ackergras (siehe Post vom 27.04.2019), aber auch aus Luzerne oder Klee. Die meiste Anwelksilage kommt vom Dauergrünland und ist dabei ein Gemisch aus verschiedenen Gräsern, Klee und Kräutern.
Von den 5,5 kg Anwelksilage nehme ich 75 % als Gras an. Sind wir bei 4,125 kg Gras.
Und diese 4,125 kg Gras sind die Trockenmasse, die wir noch in Frischmasse für die Antwort auf unsere Frage umrechnen müssen. Hier gibt es wieder eine große Variabilität in der Trockensubstanz, als Mittelwert nehme ich 38 % (= 62 % Wasser) an.
Macht 10,86 kg Gras, die eine Kuh am Tag frisst. Gerundet 11 kg. Geschätzt, im Durchschnitt für Deutschland.
Benjamin
Gras ist nun mal das Kuhfutter schlechthin, auch wenn Wildrinder eine doch rechte große Bandbreite haben, was sie alles (an)fressen so ist Gras die eindeutige Hauptnahrungsquelle. Und das ist der große Vorteil der Rinder (und Wiederkäuer allgemein): Sie können mit ihren Pansenmikroben das für andere Tierarten nicht nutzbare Gras verdauen.
An sich brauchen Rinder kein Gras als Futter, es kommt nur auf die Inhaltsstoffe des Futters an: Energie, Eiweiß und Faser. Im Gras ist das alles vorhanden, sogar im mehr oder weniger richtigem Verhältnis. Im Studium gab es mal die schöne und einprägsame Aussage: "Man kann eine Kuh mit Zeitungspapier und Harnstoff füttern." Zeitungspapier ist Cellulose, also Faser und die Pansenbakterien können daraus auch Energie machen und aus dem Stickstoff im Harnstoff Eiweiß bilden. Aber das ist rein theoretisch, weil auf Dauer Vitamine, Mineralstoffe usw. fehlen.
Wieviel kg Gras frisst nun eine Milchkuh am Tag? Das geht von bis. Auf der einen Seite gibt es Kühe die gar kein Gras fressen, z.B. wie ich damals in Idaho war, dort sind die hauptsächlichen Futtermittel Maissilage und Luzerneheu. Auf der anderen Seite die Kühe in Neuseeland mit Vollweide, da können es schon 60 kg am Tag sein.
Mit so einer schwammigen Aussage gebe ich mich natürlich nicht zufrieden und möchte eine Menge berechnen, die man als Mittelwert annehmen kann.
Als Ausgangspunkt nehme ich Stallhaltung mit Silagefütterung. In Deutschland ist das über alle Kühe hinweg gesehen die häufigste Fütterung, bei vielen das ganze Jahr über, bei anderen mit Weidehaltung oder Grünfütterung im Sommer zumindest im Winter.
In der Fütterung wird nach Trockenmasse gerechnet, da der Wassergehalt sehr stark schwanken kann und das Wasser keinen Nährwert hat.
Faustzahl sind 20 kg Trockenmasse die eine melkende Kuhe am Tag frisst. Trockenstehende Kühe fressen um einiges weniger, aber machen nur 10 - 15 % der Kühe aus und daher beachte ich sie für die Durchschnittskuh jetzt nicht.
Weiter geht es mit dem Grundfutter-Kraftfutter-Verhältnis. Grundfutter sind faserreich, z.B. Silagen, Heu, Stroh usw., Kraftfutter ist energierreich, z.B. Getreide, Rapsextraktionsschrot usw. Das Verhältnis kann je nach Milchleistung und Futtermitteln schwanken, ein üblicher Durchschnittswert ist 60 : 40.
Grundfutter, zu dem Gras zählt sind dann 12 kg am Tag.
Von den 12 kg setzte ich 1 kg für "Sonstiges" an: Heu, Stroh und Saftfutter (Rübenschnitzel, Biertreber, Pülpe...) die bei der Einteilung in Grundfutter und Kraftfutter irgendwie nicht so reinpassen und in der Berechnung zu gleichen Teilen aufgeteilt werden.
Von den verbleibenden 11 kg nochmal aufgeteilt halb Maissilage und halb Grassilage, die beiden Grundnahrungsmittel der Milchkuh. Auch das ist regional sehr unterschiedlich, von überwiegend Gras z.B. am Niedrrhein, Allgäu, Nordseeküste bis überwiegend Mais bei uns in Brandenburg.
Wobei Grassilage nicht ganz korrekt ist, vielmehr ist es Anwelksilage, also angewelktes Grünfutter das siliert wurde. Anwelksilage kann rein aus Gras bestehen, wie dem Rohrschwingel als Ackergras (siehe Post vom 27.04.2019), aber auch aus Luzerne oder Klee. Die meiste Anwelksilage kommt vom Dauergrünland und ist dabei ein Gemisch aus verschiedenen Gräsern, Klee und Kräutern.
Von den 5,5 kg Anwelksilage nehme ich 75 % als Gras an. Sind wir bei 4,125 kg Gras.
Und diese 4,125 kg Gras sind die Trockenmasse, die wir noch in Frischmasse für die Antwort auf unsere Frage umrechnen müssen. Hier gibt es wieder eine große Variabilität in der Trockensubstanz, als Mittelwert nehme ich 38 % (= 62 % Wasser) an.
Macht 10,86 kg Gras, die eine Kuh am Tag frisst. Gerundet 11 kg. Geschätzt, im Durchschnitt für Deutschland.
Benjamin
Dienstag, 3. September 2019
Agroneum - Teil 3
Wurden nach der Wende viele Museen als politisch unbequem eingestampft ist die Ausstellung unverändert erhalten geblieben und ein "Museum im Museum".
Von der ganzen Konzeption her ist das Design mit den Schaubildern und Schaukästen typisch 80er Jahre, wie ich es noch von etlichen Museen vor 15 - 20 Jahren kenne und im Vergleich zu den heutigen, eher kargen Ausstellungskonzepten sehr reichhaltig.
Schwerpunkt dabei ist die Entwicklung des Dorfes und Gutes Alt Schwerin in den jeweiligen geschichtlichen Zusammenhängen.
Flora und Jolanthe (um 1960) waren auch damals schon was fürs Museum:
Der letzte Raum stellte die damals gegenwärtige Situation Ende der 1980er Jahre dar. Die Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft wird durch einen Schaukasten mit dem wöchentlichen Nahrungsmittelbedarfs einer Person demonstriert. Merke: Damals waren Bier und Butter die Grundnahrungsmittel:
Topaktuell waren die Exponate eines Platzes des Melkkarussells (wahrscheinlich Impulsa M500) und der Fahrerkabine eines Fortschritt E524, des damals modernsten Mähdreschers und des ersten mit computerunterstützter Steuerung.
Diese Fixierung auf Forschung und Fortschritt ist geradezu wohltuend im Vergleich zum heutigen Populismus und Dilettantismus in der Agrarpolitik. Eine Vergangenheit mit einer besseren Zukunft, die nie so eingetreten ist.
Ein Besuch im Agroneum ist wirklich zu empfehlen!
Weitere Infos unter www.agroneum-altschwerin.de
Benjamin
Samstag, 31. August 2019
Agroneum - Teil 2
Eine Besonderheit in der Landwirtschaftsgeschichte der Neuen Bundesländer ist der Agrarflug der Interflug zur Düngung und Pflanzenschutz.
In einer Halle des Agroneums sind zwei Agrarflieger ausgestellt: Aero L-60 Brigadier und Let Z-37 Cmelak. Daneben zur Düngung über das Liebigsche Minimumgesetz, das Haber-Bosch-Verfahren und die ACZ (Agrochemisches Zentrum), die in der DDR überbetrieblich die Mineraldüngung, Kalkung und den Pflanzenschutz durchführten.
Die Wirtschaftsflugplätze als Landeplätze für die Agrarflieger zum Auffüllen und Tanken während der Arbeit kenne ich von den Feuerwehrkarten, wo diese noch verzeichnet sind. Unter den Exponaten war eine Karte der Agrarflieger von der Griesen Gegend mit den Landeplätzen. Wie alt kann ich nicht sagen, aber das ehemalige Gut Holdseelen bei Steesow ist noch eingezeichnet, von dem heute nur noch ein Gewannenamen übrig ist:
Let Z-37 mit dem Düngerstreuer unter dem Rumpf, wie sie laut Erzählungen auch in den 1980ern in der Prignitz flogen und von den Kindern als Doppeldecker bezeichnet wurden:
Fortsetzung folgt!
Benjamin
In einer Halle des Agroneums sind zwei Agrarflieger ausgestellt: Aero L-60 Brigadier und Let Z-37 Cmelak. Daneben zur Düngung über das Liebigsche Minimumgesetz, das Haber-Bosch-Verfahren und die ACZ (Agrochemisches Zentrum), die in der DDR überbetrieblich die Mineraldüngung, Kalkung und den Pflanzenschutz durchführten.
Die Wirtschaftsflugplätze als Landeplätze für die Agrarflieger zum Auffüllen und Tanken während der Arbeit kenne ich von den Feuerwehrkarten, wo diese noch verzeichnet sind. Unter den Exponaten war eine Karte der Agrarflieger von der Griesen Gegend mit den Landeplätzen. Wie alt kann ich nicht sagen, aber das ehemalige Gut Holdseelen bei Steesow ist noch eingezeichnet, von dem heute nur noch ein Gewannenamen übrig ist:
Let Z-37 mit dem Düngerstreuer unter dem Rumpf, wie sie laut Erzählungen auch in den 1980ern in der Prignitz flogen und von den Kindern als Doppeldecker bezeichnet wurden:
Fortsetzung folgt!
Benjamin
Donnerstag, 29. August 2019
Agroneum - Teil 1
An einem freien Tag gab es mal wieder Kulturprogramm und zwar war ich im Agroneum in Alt Schwerin, einem agrarhistorischem Museum bei Plau am See. Da wollte ich schon seit längerer Zeit mal hin und war auch schon öfters dran vorbei gefahren, denn es liegt direkt an der A19 nach Rostock.
Thema der Ausstellung ist die Agrargeschichte in Mecklenburg-Vorpommern. Für mich sehr interessant, da sich diese mit der späteren Sesshaftwerdung, der Ostkolonisation, der Gutsherrschaft und der Kollektivierung doch deutlich von der Rheinhessens unterscheidet.
Ausgestellt sind eine für die Güter typische Feldbahn mit 600 mm Spurweite, Werkstätten der für den landwirtschaftlichen Bedarf tätigen Gewerke, Landmaschinen hauptsächlich aus der ersten Hälfte des 20. Jhd., Traktoren aus den 1950ern, Agrarflieger, eine beeindruckende Sammlung an Eigenbautraktoren, ein Querschnitt aus der Produktpalette von Fortschritt uvm.
Eines der ältesten Exponate ist eine Holländerwindmühle die ursprünglich in Jarmen in Vorpommern stand und Anfang der 1970er nach Alt Schwerin umgesetzt wurde. Sie repräsentiert die letzte verbreitete Entwicklungsstufe der Windmühle mit Windrose und Jalousieflügeln:
Zwei Hochsilos HS091 dienen als Aussichtsturm. Der Typ HS091 wurde in den 1960er entwickelt und ist der Vorgänger der HS25; die Unterschiede sind die Bauweise aus Betonfertigteilen gegenüber Ortbeton, das Volumen (900 zu 2000 m³) und die Beschickung mit Fördergebläse statt Förderband. Die ganze weitere Befüll- und Entnahmetechnik ist identisch, nur in kleinerem Maßstab. Siehe dazu den Post über die HS25M in Zarnekow (Post vom 25.08.2016). Und im Gegensatz zu den HS25, die man noch ab und zu in Benutzung, umfunktioniert als Getreidelager oder leerstehend sieht, hatte ich noch keines der HS091 in natura gesehen.
Fortsetzung folgt!
Benjamin
Thema der Ausstellung ist die Agrargeschichte in Mecklenburg-Vorpommern. Für mich sehr interessant, da sich diese mit der späteren Sesshaftwerdung, der Ostkolonisation, der Gutsherrschaft und der Kollektivierung doch deutlich von der Rheinhessens unterscheidet.
Ausgestellt sind eine für die Güter typische Feldbahn mit 600 mm Spurweite, Werkstätten der für den landwirtschaftlichen Bedarf tätigen Gewerke, Landmaschinen hauptsächlich aus der ersten Hälfte des 20. Jhd., Traktoren aus den 1950ern, Agrarflieger, eine beeindruckende Sammlung an Eigenbautraktoren, ein Querschnitt aus der Produktpalette von Fortschritt uvm.
Eines der ältesten Exponate ist eine Holländerwindmühle die ursprünglich in Jarmen in Vorpommern stand und Anfang der 1970er nach Alt Schwerin umgesetzt wurde. Sie repräsentiert die letzte verbreitete Entwicklungsstufe der Windmühle mit Windrose und Jalousieflügeln:
Zwei Hochsilos HS091 dienen als Aussichtsturm. Der Typ HS091 wurde in den 1960er entwickelt und ist der Vorgänger der HS25; die Unterschiede sind die Bauweise aus Betonfertigteilen gegenüber Ortbeton, das Volumen (900 zu 2000 m³) und die Beschickung mit Fördergebläse statt Förderband. Die ganze weitere Befüll- und Entnahmetechnik ist identisch, nur in kleinerem Maßstab. Siehe dazu den Post über die HS25M in Zarnekow (Post vom 25.08.2016). Und im Gegensatz zu den HS25, die man noch ab und zu in Benutzung, umfunktioniert als Getreidelager oder leerstehend sieht, hatte ich noch keines der HS091 in natura gesehen.
Fortsetzung folgt!
Benjamin
Montag, 26. August 2019
Fetotom
Letztens habe ich in den "Katakomben" etwas Besonderes gefunden und zwar ein Fetotom, genauer ein Thygesen-Röhrenfetotom. Das ist ein chirurgisches Instrument zum Durchführen der Fetotomie, dem Zersägen eines ungeborenen Kalbes um es aus der Kuh herauszubekommen. Das ist der Fall, wenn es zu groß ist (was ich einmal mitbekommen habe) oder die Geburt an sich nicht richtig stattfindet, was ich im Fall eines nach einer Blutvergiftung abgestorbenen und in die Verwesung übergehenden Kalbes auch schon mal erlebt habe. Mehr als diese zwei Fälle gabe es in meiner mittlerweile über elfjährigen Kuhlaufbahn nicht und daher ist es mit eines der seltensten Vorkommnisse.
Das Fetotom an sich dient dazu den Sägedraht bis in die Gebärmutter zu bekommen und dabei nicht die Scheide und den Gebärmutterhals zu verletzten. Mit dem Haken unten im Bild wird der Sägedraht durch die beiden Röhren gezogen, sodass man dann auf der einen Seite die Drahtschlinge zum Sägen hat und an der anderen Seite die beiden Drahtenden, an denen die Griffe zu Betätigen der Säge angebracht werden. Der Handgriff am Fetotom dient der leitenden Person zur Ausrichtung, dass es sich mit den Sägebewegungen nicht verdreht.
Woher das Fetotom stammt weiß ich nicht, aber vom Zustand her war es schon sehr lange nicht mehr in Gebrauch. Wahrscheinlich stammte es aus einer Zeit in der man den Tierarzt nur als Kostenfaktor sah und man alles selbst machen wollte und sich sogar solch speziellen Instrumente besorgte.
Benjamin
Das Fetotom an sich dient dazu den Sägedraht bis in die Gebärmutter zu bekommen und dabei nicht die Scheide und den Gebärmutterhals zu verletzten. Mit dem Haken unten im Bild wird der Sägedraht durch die beiden Röhren gezogen, sodass man dann auf der einen Seite die Drahtschlinge zum Sägen hat und an der anderen Seite die beiden Drahtenden, an denen die Griffe zu Betätigen der Säge angebracht werden. Der Handgriff am Fetotom dient der leitenden Person zur Ausrichtung, dass es sich mit den Sägebewegungen nicht verdreht.
Woher das Fetotom stammt weiß ich nicht, aber vom Zustand her war es schon sehr lange nicht mehr in Gebrauch. Wahrscheinlich stammte es aus einer Zeit in der man den Tierarzt nur als Kostenfaktor sah und man alles selbst machen wollte und sich sogar solch speziellen Instrumente besorgte.
Benjamin
Samstag, 24. August 2019
Oxytocin
Oxytocin ist das "Alltagshormon" der Milchkuh, denn es ist für die Milchabgabe (Ejektion) zuständig. Die Milch wird in den Drüsenzellen im Euter gebildet, die um die Alveolen herum gruppiert sind, in denen die produzierte Milch gespeichert wird. Nur ein kleiner Teil der Milch wird in der Euterzisterne gespeichert.
Beim Vormelken (Anrüsten) wird auf den Reiz an den Zitzen hin in der Hypophyse Oxytocin ausgeschüttet das über die Blutbahn ins Euter gelangt und dort die Kontraktion der feinen Muskeln der Alveolen bewirkt - die Milch wird abgegeben.
Der Transport über das Blut braucht eine gewisse Zeit und die ist es wichtig für eine ausreichende Stimulation einzuhalten.
Beim Vormelken, Abputzen und gleich das Melkzeug ansetzen kommt es zur Bimodalität - der Milchflusskurve mit zwei Gipfeln. Zuerst wird die Zisternenmilch ermolken, dann sinkt der Milchfluss und steigt wieder an wenn das Oxytocin wirkt und die Alveolenmilch kommt. Gegenüber der normalen Milchflusskurve, bei der der Milchfluss erst mit der Wirkung des Oxytocins einsetzt dauert so das Melken länger und belastet das Eutergewebe mehr. Die Zeit lässt sich einhalten über die Melkroutine, z.b. im Gruppenmelkstand immer jeweils dreo oder vier Kühe Vormelken, Abputzen und dann erst Ansetzen oder beim Karussell der Abstand an Plätzen zwischen Vormelken und Ansetzen wo die Kühe in der Zeit hinfahren. Oder die technische Variante mit der Stimulation, dass die Pulsation so lange erhöht wird. Die Zitzengummis "flattern" dann, eine Melkbewegung findet nicht statt aber das Melkzeug fällt auch nicht ab. Nach einer gewissen Zeit, teilweise auch kuhindividuell wird auf die normale Pulsation (1 pro Sekunde) umgeschaltet. Hier im Nordosten ist diese Technik unter dem Namen Physiomatic bekannt, mit dem Impulsa die in den 1970ern einführte.
Eine weitere Funktion des Oxytocins ist die Wirkung auf die Gebärmuttermuskulatur für die Wehen während der Kalbung.
Milchejektionsstörungen können bei Kühen nach der ersten Kalbung auftreten, dass die Stimulation und die Ausschüttung des Oxytocins noch nicht so richtig funktioniert und sie erst das Melken lernen müssen. Dies kann durch die Injektion von Oxytocin erfolgen, wo man es bei der Dauer nicht übertreiben darf sonst hat man einen "Oxytocinjunkie" die gar nicht mehr ohne kann... Eine andere Variante ist die Stimulation der Gebärmutter rektal von oben, was die Kopplung zwischen Gebärmutter und Alveolen nutzt. Und dann sind das meistens auch noch die die ganz fest zukneifen. Geschätzt tritt das bei vielleicht 5 % der Erstkalbenden auf und bei über 90 % kriegt man es auch hin, dass sie es lernen.
Dieser Zusammenhang wurde mir in der Situation wieder bewusst in der ich das unten stehende Foto machte. Eine frisch abgekalbte Jungkuh hatte noch Nachgeburtsverhaltung und ich nahm die Nachgeburt ab. Obwohl sie doch einiges an Milch gegeben hatte ließ sie nach der Stimulation durch das Rumhantieren in der Gebärmutter auf allen vier Strichen die Milch laufen. Und zwar so stark, dass sie auf dem Weg zurück in den Stall mit der Milch vier Linien malte:
Benjamin
Beim Vormelken (Anrüsten) wird auf den Reiz an den Zitzen hin in der Hypophyse Oxytocin ausgeschüttet das über die Blutbahn ins Euter gelangt und dort die Kontraktion der feinen Muskeln der Alveolen bewirkt - die Milch wird abgegeben.
Der Transport über das Blut braucht eine gewisse Zeit und die ist es wichtig für eine ausreichende Stimulation einzuhalten.
Beim Vormelken, Abputzen und gleich das Melkzeug ansetzen kommt es zur Bimodalität - der Milchflusskurve mit zwei Gipfeln. Zuerst wird die Zisternenmilch ermolken, dann sinkt der Milchfluss und steigt wieder an wenn das Oxytocin wirkt und die Alveolenmilch kommt. Gegenüber der normalen Milchflusskurve, bei der der Milchfluss erst mit der Wirkung des Oxytocins einsetzt dauert so das Melken länger und belastet das Eutergewebe mehr. Die Zeit lässt sich einhalten über die Melkroutine, z.b. im Gruppenmelkstand immer jeweils dreo oder vier Kühe Vormelken, Abputzen und dann erst Ansetzen oder beim Karussell der Abstand an Plätzen zwischen Vormelken und Ansetzen wo die Kühe in der Zeit hinfahren. Oder die technische Variante mit der Stimulation, dass die Pulsation so lange erhöht wird. Die Zitzengummis "flattern" dann, eine Melkbewegung findet nicht statt aber das Melkzeug fällt auch nicht ab. Nach einer gewissen Zeit, teilweise auch kuhindividuell wird auf die normale Pulsation (1 pro Sekunde) umgeschaltet. Hier im Nordosten ist diese Technik unter dem Namen Physiomatic bekannt, mit dem Impulsa die in den 1970ern einführte.
Eine weitere Funktion des Oxytocins ist die Wirkung auf die Gebärmuttermuskulatur für die Wehen während der Kalbung.
Milchejektionsstörungen können bei Kühen nach der ersten Kalbung auftreten, dass die Stimulation und die Ausschüttung des Oxytocins noch nicht so richtig funktioniert und sie erst das Melken lernen müssen. Dies kann durch die Injektion von Oxytocin erfolgen, wo man es bei der Dauer nicht übertreiben darf sonst hat man einen "Oxytocinjunkie" die gar nicht mehr ohne kann... Eine andere Variante ist die Stimulation der Gebärmutter rektal von oben, was die Kopplung zwischen Gebärmutter und Alveolen nutzt. Und dann sind das meistens auch noch die die ganz fest zukneifen. Geschätzt tritt das bei vielleicht 5 % der Erstkalbenden auf und bei über 90 % kriegt man es auch hin, dass sie es lernen.
Dieser Zusammenhang wurde mir in der Situation wieder bewusst in der ich das unten stehende Foto machte. Eine frisch abgekalbte Jungkuh hatte noch Nachgeburtsverhaltung und ich nahm die Nachgeburt ab. Obwohl sie doch einiges an Milch gegeben hatte ließ sie nach der Stimulation durch das Rumhantieren in der Gebärmutter auf allen vier Strichen die Milch laufen. Und zwar so stark, dass sie auf dem Weg zurück in den Stall mit der Milch vier Linien malte:
Benjamin
Mittwoch, 21. August 2019
Spirale
Jetzt geht es im Kuhblog mal über Hormone, im ersten Teil sind die Progesteron-Spiralen dran.
Mit den Spiralen können die Fruchtbarkeitszyklen synchronisiert und gesteuert werden. Das ist eher die amerikanische Variante des Fruchtbarkeitsmanagements; in Europa setzt man da eher auf klassische Brunstbeobachtung und richtet sich nach dem natürlichen Hormonhaushalt der Kühe. Und z.B. auch Arla erlaubt den Lieferanten keine Hormonprogramme. Daher der Einsatz der Spiralen nach klarer tierärztlicher Indikation bei Fruchtbarkeitsstörungen.
Zwei verschiedene Spiralen habe ich bisher benutzt, die Unterschiede sind der Hersteller, die Wirkstoffmenge und die Form.
PRID Delta; PRID steht für Progesteron release intravaginal device - auf Deutsch System zu Progesteronfreisetzung in der Scheide. Delta wegen der Form eines gleichseitigen Dreiecks wie ein griechisches Delta.
CIDR; hat etwas weniger Progesteron und ist T-förmig.
Hergestellt sind sie aus Plastik, das das Progesteron enthält. Hinten dran ist eine Schnur um sie wieder aus der Scheide rausziehen zu können, die wir aber immer vorher entfernen. Denn wenn bei einer Kuh hinten die Schnur rausguckt ist das für die anderen furchtbar interessant und da wird so lange dran rumgeleckt bis sie die vorzeitig rausgezogen haben.
Spirale heißen sie deshalb weil ursprünglich es eine Spiralform war und dann auf andere Formen umgestellt wurde mit der Absicht die Kontaktfläche zur Scheidenschleimhaut zu reduzieren um die Eiterbildung als Abwehrreaktion zu verringern, was aber nicht so geklappt hätte.
Der Ablauf der Anwendung der Spirale ist fest vorgegeben, dass es mit den Prozessen in der Kuh zusammenpasst. Der Beginn ist so gewählt, dass die einzelnen Arbeiten nicht auf das Wochenende fallen.
Woche 1:
Montags oder Dienstags bei der Sterilitätsuntersuchung per Ultraschall werden vom Tierarzt die zu behandelnden Kühe vorgeschlagen. Dies ist bei zwei verschiedenen Zyklusstörungen der Fall; einmal dauerhafte Zysten ("steckengebliener Einsprung") oder Azyklie/ovarielle Inaktivität wo mit den Eierstöcken gar nichts los ist, weder Gelbkörperphase noch Follikelreifung.
Dienstags wird dann die Spirale eingesetzt. Dafür gibt es spezielle Eingeber, die PRID wird dazu an der Basis zusammengeknickt, bei der CIDR die "Flügel" angeklappt. Natürlich wird die Kuh vorher hinten gründlich sauber gemacht und dann die Spirale eingesetzt. Wenn man sie aus dem Eingeber rausdrückt faltet sie sich wieder auf und verkeilt sich in der Scheide.
Die Spirale setzt das Progesteron frei und wirkt damit genauso wie der Gelbkörper, der nach dem Einsprung aus dem Follikel entsteht.
Woche 2:
Montags wird Prostaglandin (PGF2a) gespritzt. Das wird normalerweise von der Gebärmutterschleimhaut gebildet wenn keine Befruchtung stattgefunden hat um den Gelbkörper aufzulösen, dass ein neuer Zyklus beginnen kann.
Dienstags wird die Spirale entnommen, sozusagen der künstliche Gelbkörper entfernt. Wenn nennenswert Eiter gebildet wurde wird die Scheide ausgespült. Die Spirale wird gewaschen, mit der Kuhnummer beschriftet und im Medikamentenschrank weggeschlossen.
Das ist auch der Zeitpunkt der Synchronisation des Zyklus, er befindet sich jetzt bei der Auflösung des Gelbkörpers, zwei Tage vor der Brunst. Nun laufen im Eierstock das Follikelwachstum und -reifung ab.
Donnerstags und Freitags ist die Kuh in Brunst und wird an beiden Tagen besamt. Donnerstags wird ihr dazu GnRH gespritzt, dass FSH und LH ausschüttet, die zum Eisprung führen.
Woche 3:
Dienstags wird wieder die Spirale eingesetzt um mit dem verbleibenden Progesteron den jetzt entstandenen Gelbkörper bei der Vorbereitung der Gebärmutter auf die Einnistung des Embryos zu unterstützen.
Woche 4:
Freitags wird die Spirale entfernt, jetzt soll der Gelbkörper die Trächtigkeit alleine erhalten können.
Das Programm mit der Spirale ist ein anschauliches Beispiel für den Sexualzyklus, weil durch die einzelnen Schritte die entsprechenden Prozesse verstärkt/unterstützt/ersetzt werden.
In rund der Hälfte der Fälle wird die Kuh durch die Spirale tragend und bei fast Allen anderen läuft dann wenigstens der Zyklus normal ab.
Ein Foto von der Spirale habe ich nicht, da bin ich bei Medikamenten immer vorsichtig. Dagegen eines von der Verpackung, die ich mal fotografiert hatte weil auf holländisch "für Tiere" sehr viel präziser beschrieben ist:
Benjamin
Mit den Spiralen können die Fruchtbarkeitszyklen synchronisiert und gesteuert werden. Das ist eher die amerikanische Variante des Fruchtbarkeitsmanagements; in Europa setzt man da eher auf klassische Brunstbeobachtung und richtet sich nach dem natürlichen Hormonhaushalt der Kühe. Und z.B. auch Arla erlaubt den Lieferanten keine Hormonprogramme. Daher der Einsatz der Spiralen nach klarer tierärztlicher Indikation bei Fruchtbarkeitsstörungen.
Zwei verschiedene Spiralen habe ich bisher benutzt, die Unterschiede sind der Hersteller, die Wirkstoffmenge und die Form.
PRID Delta; PRID steht für Progesteron release intravaginal device - auf Deutsch System zu Progesteronfreisetzung in der Scheide. Delta wegen der Form eines gleichseitigen Dreiecks wie ein griechisches Delta.
CIDR; hat etwas weniger Progesteron und ist T-förmig.
Hergestellt sind sie aus Plastik, das das Progesteron enthält. Hinten dran ist eine Schnur um sie wieder aus der Scheide rausziehen zu können, die wir aber immer vorher entfernen. Denn wenn bei einer Kuh hinten die Schnur rausguckt ist das für die anderen furchtbar interessant und da wird so lange dran rumgeleckt bis sie die vorzeitig rausgezogen haben.
Spirale heißen sie deshalb weil ursprünglich es eine Spiralform war und dann auf andere Formen umgestellt wurde mit der Absicht die Kontaktfläche zur Scheidenschleimhaut zu reduzieren um die Eiterbildung als Abwehrreaktion zu verringern, was aber nicht so geklappt hätte.
Der Ablauf der Anwendung der Spirale ist fest vorgegeben, dass es mit den Prozessen in der Kuh zusammenpasst. Der Beginn ist so gewählt, dass die einzelnen Arbeiten nicht auf das Wochenende fallen.
Woche 1:
Montags oder Dienstags bei der Sterilitätsuntersuchung per Ultraschall werden vom Tierarzt die zu behandelnden Kühe vorgeschlagen. Dies ist bei zwei verschiedenen Zyklusstörungen der Fall; einmal dauerhafte Zysten ("steckengebliener Einsprung") oder Azyklie/ovarielle Inaktivität wo mit den Eierstöcken gar nichts los ist, weder Gelbkörperphase noch Follikelreifung.
Dienstags wird dann die Spirale eingesetzt. Dafür gibt es spezielle Eingeber, die PRID wird dazu an der Basis zusammengeknickt, bei der CIDR die "Flügel" angeklappt. Natürlich wird die Kuh vorher hinten gründlich sauber gemacht und dann die Spirale eingesetzt. Wenn man sie aus dem Eingeber rausdrückt faltet sie sich wieder auf und verkeilt sich in der Scheide.
Die Spirale setzt das Progesteron frei und wirkt damit genauso wie der Gelbkörper, der nach dem Einsprung aus dem Follikel entsteht.
Woche 2:
Montags wird Prostaglandin (PGF2a) gespritzt. Das wird normalerweise von der Gebärmutterschleimhaut gebildet wenn keine Befruchtung stattgefunden hat um den Gelbkörper aufzulösen, dass ein neuer Zyklus beginnen kann.
Dienstags wird die Spirale entnommen, sozusagen der künstliche Gelbkörper entfernt. Wenn nennenswert Eiter gebildet wurde wird die Scheide ausgespült. Die Spirale wird gewaschen, mit der Kuhnummer beschriftet und im Medikamentenschrank weggeschlossen.
Das ist auch der Zeitpunkt der Synchronisation des Zyklus, er befindet sich jetzt bei der Auflösung des Gelbkörpers, zwei Tage vor der Brunst. Nun laufen im Eierstock das Follikelwachstum und -reifung ab.
Donnerstags und Freitags ist die Kuh in Brunst und wird an beiden Tagen besamt. Donnerstags wird ihr dazu GnRH gespritzt, dass FSH und LH ausschüttet, die zum Eisprung führen.
Woche 3:
Dienstags wird wieder die Spirale eingesetzt um mit dem verbleibenden Progesteron den jetzt entstandenen Gelbkörper bei der Vorbereitung der Gebärmutter auf die Einnistung des Embryos zu unterstützen.
Woche 4:
Freitags wird die Spirale entfernt, jetzt soll der Gelbkörper die Trächtigkeit alleine erhalten können.
Das Programm mit der Spirale ist ein anschauliches Beispiel für den Sexualzyklus, weil durch die einzelnen Schritte die entsprechenden Prozesse verstärkt/unterstützt/ersetzt werden.
In rund der Hälfte der Fälle wird die Kuh durch die Spirale tragend und bei fast Allen anderen läuft dann wenigstens der Zyklus normal ab.
Ein Foto von der Spirale habe ich nicht, da bin ich bei Medikamenten immer vorsichtig. Dagegen eines von der Verpackung, die ich mal fotografiert hatte weil auf holländisch "für Tiere" sehr viel präziser beschrieben ist:
Benjamin
Mittwoch, 14. August 2019
Ketose - Teil 2
Zur praktischen Bedeutung der Ketose im alltäglichen Herdenmanagement. Am siebten Tag nach der Kalbung werden die Ketonkörper im Blut gemessen, ob eine subklinische Ketose vorliegt. Die subklinische Ketose kann sich dann zu einer akuten Ketose entwickeln, wo man dann vorher eingreift.
Eine klinische Ketose kann man riechen, Aceton als einer der Ketonkörper hat einen charakteristischen Geruch in der Atemluft; apfelartig. Einige Kollegen können das schon in sehr geringen Konzentrationen riechen wenn die Kuh bloß den Melkstand betritt. Für mich sage ich, dass ich das für meine Vorstellungen zur Diagnose nicht früh genug riechen kann.
Das Ketose-Messen hat sich bewährt, andere Vaianten habe ich als unpraktikabel wieder verworfen. Eine davon war der Kot-Wurf-Test. Bei der Voruntersuchung einer kranken Kuh zur Eingrenzung meiner bauernmedizinischen Diagnose gehört auch eine Überprüfung der Kotkonsistenz. Und wenn man dann hinten reinfasst und es sich anfühlt wie ein Haufen Murmeln (Rheinhessisch Klicker) anfühlt ist das ein deutliches Zeichen für Ketose. Der Kot ist recht fest und trocken und den kann man auch wegwerfen, teilweise 20 Meter weit. Die Wurfweite kann man aber nicht auf den Schweregrad der Ketose beziehen, weil die Dauer der Ketose auch einen verstärkenden Einfluss hat.
Mal als Beispiel was mir so am Samstagmorgen bei der Arbeit an Gedanken kommen.
Daher blieb es bei der Standardmethode über das Blut. Mit einer Kanüle wird an der Schwanzvene ein Tropfen Blut entnommen. Am Ohr geht es auch, aber da halten sie nicht so schön still und vor allem werden die Ohrmarken vom Blut ganz zugesaut. Am Schwanz ist es einfacher; hochgedrückt und reingestochen, auch wenn es doch einiges an Übung braucht um auch Blut rauszukriegen:
Ein Tropfen Blut wird auf den Teststreifen vom Ketose-Messgerät gegeben. Das Testgerät ist ein BHB-Check. Hergestellt ist es in Taiwan (ROC) und wird von WDT vertrieben und haben wir es dann über unsere Tierärztin bezogen. Grund war, dass bei diesem Gerät die Teststreifen als Verbrauchsmaterial am günstigsten sind.
BHB steht für Beta-Hydroxybutyrat, einen anderen Ketokörper. Es wird die Konzentration in Millimol pro Liter Blut gemessen.
Bis 0,7 ist alles in Ordnung, 0,8 bis 1,2 ist subklinische Ketose. Dann bekommt sie für drei Tage jeweils 350 ml Propylenglykol (Schaumann Tirsana BSK NG) mit einer Drenchpistole eingegeben. Ab 1,3 ist es eine Ketose und es wird eine Infusion mit Invertzucker gemacht um schneller den Blutzuckerspiegel anzuheben. Das ist aber zum Glück selten der Fall.
Nach dem Messen wird auf der linken Seite mit Fettstift ein Strich gemacht (siehe Post vom 12.02.2019), wurde die Kuh wegen einem zu hohen Wert behandelt findet am 10. Tag nach der Kalbung noch mal eine Messung statt (und rechts ein Strich).
Da aber Ketose auch später auftreten kann werden ab und zu auch Kühe gemessen, bei denen der Verdacht naheliegend ist. Wieder wegen der Kotkonsistenz oder auch Fett-Eiweiß-Quotient, Abmagerung, Milchleistung... Den bisher höchsten Wert den ich gemessen hatte war dabei 5,2 mmol/l, der Kuh ging es aber erstaunlich gut dabei.
Ketosemessgerät im Einsatz:
Benjamin
Eine klinische Ketose kann man riechen, Aceton als einer der Ketonkörper hat einen charakteristischen Geruch in der Atemluft; apfelartig. Einige Kollegen können das schon in sehr geringen Konzentrationen riechen wenn die Kuh bloß den Melkstand betritt. Für mich sage ich, dass ich das für meine Vorstellungen zur Diagnose nicht früh genug riechen kann.
Das Ketose-Messen hat sich bewährt, andere Vaianten habe ich als unpraktikabel wieder verworfen. Eine davon war der Kot-Wurf-Test. Bei der Voruntersuchung einer kranken Kuh zur Eingrenzung meiner bauernmedizinischen Diagnose gehört auch eine Überprüfung der Kotkonsistenz. Und wenn man dann hinten reinfasst und es sich anfühlt wie ein Haufen Murmeln (Rheinhessisch Klicker) anfühlt ist das ein deutliches Zeichen für Ketose. Der Kot ist recht fest und trocken und den kann man auch wegwerfen, teilweise 20 Meter weit. Die Wurfweite kann man aber nicht auf den Schweregrad der Ketose beziehen, weil die Dauer der Ketose auch einen verstärkenden Einfluss hat.
Mal als Beispiel was mir so am Samstagmorgen bei der Arbeit an Gedanken kommen.
Daher blieb es bei der Standardmethode über das Blut. Mit einer Kanüle wird an der Schwanzvene ein Tropfen Blut entnommen. Am Ohr geht es auch, aber da halten sie nicht so schön still und vor allem werden die Ohrmarken vom Blut ganz zugesaut. Am Schwanz ist es einfacher; hochgedrückt und reingestochen, auch wenn es doch einiges an Übung braucht um auch Blut rauszukriegen:
Ein Tropfen Blut wird auf den Teststreifen vom Ketose-Messgerät gegeben. Das Testgerät ist ein BHB-Check. Hergestellt ist es in Taiwan (ROC) und wird von WDT vertrieben und haben wir es dann über unsere Tierärztin bezogen. Grund war, dass bei diesem Gerät die Teststreifen als Verbrauchsmaterial am günstigsten sind.
BHB steht für Beta-Hydroxybutyrat, einen anderen Ketokörper. Es wird die Konzentration in Millimol pro Liter Blut gemessen.
Bis 0,7 ist alles in Ordnung, 0,8 bis 1,2 ist subklinische Ketose. Dann bekommt sie für drei Tage jeweils 350 ml Propylenglykol (Schaumann Tirsana BSK NG) mit einer Drenchpistole eingegeben. Ab 1,3 ist es eine Ketose und es wird eine Infusion mit Invertzucker gemacht um schneller den Blutzuckerspiegel anzuheben. Das ist aber zum Glück selten der Fall.
Nach dem Messen wird auf der linken Seite mit Fettstift ein Strich gemacht (siehe Post vom 12.02.2019), wurde die Kuh wegen einem zu hohen Wert behandelt findet am 10. Tag nach der Kalbung noch mal eine Messung statt (und rechts ein Strich).
Da aber Ketose auch später auftreten kann werden ab und zu auch Kühe gemessen, bei denen der Verdacht naheliegend ist. Wieder wegen der Kotkonsistenz oder auch Fett-Eiweiß-Quotient, Abmagerung, Milchleistung... Den bisher höchsten Wert den ich gemessen hatte war dabei 5,2 mmol/l, der Kuh ging es aber erstaunlich gut dabei.
Ketosemessgerät im Einsatz:
Benjamin
Montag, 12. August 2019
Ketose - Teil 1
Die Ketose ist eine der bedeutendsten Stoffwechselkrankheiten bei Milchkühen. Man hat mir ihr zwar nicht dauernd in ihrer akuten Form zu tun, aber die Prävention ist ein wichtiger Punkt im Management und der Fütterung.
Eine Ketose entsteht durch den Fettabbau infolge eines Energiemangels, wenn der Körper auf die Reserven zurück greift. Dies ist bei jeder Kuh nach der Kalbung mehr oder weniger der Fall. Das ist die negative Energiebilanz (NEB). Es wird weniger Energie mit dem Futter aufgenommen als für die Milchproduktion gebraucht wird, Die Differenz wird aus dem Körperfett gedeckt.
Die ganzen biochemischen Prozesse auf molekularer Ebene sind recht umfangreich. Entscheidend ist dabei aber dass die aus dem Körperfett stammenden Fettsäuren in der Leber verstoffwechselt werden und was zu viel ist in Ketonkörper umgewandelt wird. Daher die Bezeichnung Ketose. Hohe Konzentrationen an Ketonkörpern reduzieren zudem die Futteraufnahme. Und das ist die Gefahr der Ketose: Die Kuh gerät in einen Teufelskreis und magert sehr schnell ab.
Zu unterscheiden sind die primäre Ketose bei negativer Energiebilanz, wo es einen akuten und einen subklinischen Verlauf gibt. Der subklinische Verlauf ist nicht so stark ausgeprägt und die Kuh wird damit wenn auch bei größeren Leistungseinbussen und gesundheitlichen Folgen (z.B. Klauen) alleine fertig. Subklinische Ketose ist aber ein Spiegel für die Energieversorgung der Herde. Parameter dafür ist im Milchleistungsbericht der Fett-Eiweiß-Quotient in den ersten 30 Melktagen. Da für die Eiweißbildung Energie fehlt und gleichzeitig die langkettigen Fettsäuren aus dem Fettabbau bevorzugt zur Milchfettbildung genommen werden ist der Eiweißgehalt niedrig und der Fettgehalt hoch. Der FEQ liegt dann über 1,4; darunter ist subklinische Ketose kein größeres Problem.
Daneben gibt es die sekundäre Ketose, die durch andere Krankheiten bedingt ist und die Kuh daher zu wenig frisst und einen Energiemangel hat.
Wichtige Maßnahmen gegen Ketose sind:
Die Futter- und Energieaufnahme der Kuh in der Transitphase und nach dem Abkalben sicherstellen. Wie "schmackhafte" Ration, Fressplatzverhältnis, Futteranschieben usw.
Die richtige Körperkondition (BCS) zum Trockenstellen, der sollte bei Holstein-Kühen zwischen 3,5 und 4,0 liegen. Denn zu fette Kühe befinden sich vom Fettansatz in der Spätlaktation her in einer Stoffwechsellage in der sie meist schon vor der Kalbung mit dem Fettabbau beginnen. Verkürzt gesagt, weil ja eh genug Energie da ist. Dazu passend der Werbespruch für ein Ketose-Medikament von Elanco: "Fett Kuh ist keine Beleidigung sondern eine Gefahr!"
Wichtige Maßnahmen gegen Ketose sind:
Die Futter- und Energieaufnahme der Kuh in der Transitphase und nach dem Abkalben sicherstellen. Wie "schmackhafte" Ration, Fressplatzverhältnis, Futteranschieben usw.
Die richtige Körperkondition (BCS) zum Trockenstellen, der sollte bei Holstein-Kühen zwischen 3,5 und 4,0 liegen. Denn zu fette Kühe befinden sich vom Fettansatz in der Spätlaktation her in einer Stoffwechsellage in der sie meist schon vor der Kalbung mit dem Fettabbau beginnen. Verkürzt gesagt, weil ja eh genug Energie da ist. Dazu passend der Werbespruch für ein Ketose-Medikament von Elanco: "Fett Kuh ist keine Beleidigung sondern eine Gefahr!"
Fortsetzung folgt!
Benjamin
Montag, 5. August 2019
Kühe Treiben
Mal was über das Treiben von Kühen bzw. Rindern, wo ich geschrieben hatte, dass das Führen am Strick sehr aufwändig ist. Einzige Ausnahme sind führige Rinder, aber bis dahin ist es ein weiter Weg des Trainings und somit für die Breite nicht praktikabel.
Die Grundlagen dazu: Rinder sind Fluchttiere und beobachten ihre Umgebung genau. Von der Kopfform mit den seitlich liegenden Augen haben sie fast einen Rundumblick. Dafür können sie nur in einem schmalen Winkel mit beiden Augen sehen und vor der Nase haben sie einen toten Winkel. Das merkt man daran, dass Kühe Abstand halten, dann herankommen um zu riechen und wieder zwei Schritte zurück treten. Auf der anderen Seite bzw. ihrer Rückseite sehen sie in einem recht weitem Bereich und haben nur direkt dahinter einen toten Winkel:
Zudem sehen Kühe weniger scharf als Menschen, dafür Bewegungen deutlicher und auch Kontraste, bestes Beispiel sind die Hell-Dunkel-Übergänge nach Prof. Grandin.
Beim Treiben ist es so, dass die Rinder einem ausweichen und weg laufen wollen. Je nach Winkel gehen sie in die entgegengesetzte Richtung (von hinten) oder biegen ab (von der Seite). In Höhe der Schulter ist die Balancelinie, wenn man dahinter ist läuft die Kuh vorwärts, in gleicher Höhe bleibt sie stehen und davor geht sie zurück bzw. dreht sich um. Rückwärts laufen sie ungern, weil hinten der tote Winkel ist. Dass sie so problemlos vom Melkkarussell runtergehen ist reine Routine.
Das Standardkonzept zum Kühe Treiben ist das Low Stress Stockmanship, zu deutsch stressarmer Umgang mit Vieh. Mittlerweile wird es auch in der Berufsschule behandelt. Entwickelt wurde es ursprünglich von Bud Williams in den USA, müsste in den 1970/80er gewesen sein für die Arbeit mit den dortigen großen Mutterkuhherden. Für so Sachen wie Einfangen, Sortieren usw. Am besten lässt sich damit auf der Weide arbeiten, aber im Stall geht es ebenfalls, auch wenn da der Platz beengter ist.
Die Bereiche rund um die Kuh sind der Beobachtungsbereich, in dem Eindringlinge beobachtet werdern, dann der Bewegungsbereich in dem ausgewichen wird und der Individualbereich, in den möglichst niemand hineingelassen wird (also weglaufen). Diese Bereiche sind sehr tierindividuell, Mutterkühe haben meist größere Bereiche als Milchkühe, Färsen eher größere als Kühe und als Extremfall Truxa eigentlich gar keine, die muss man fast schon wegschieben:
Beim Low Stress Stockmanship wird an der Grenze zwischen Beobachtungs- und Bewegungsbereich gearbeitet, man geht immer nur so weit, dass die Rinder gerade anfangen zu laufen. Wenn sie stehen bleiben geht man wieder ein Stück heran und sie laufen wieder. Da man genügend Abstand hat sind die Tiere nicht zu schnell und hektisch und man trifft viel leichter den passenden Winkel für die gewünschte Richtung. Zudem läuft meist nach kurzer Zeit die ganze Gruppe und man treibt sie wie ein einzelnes Tier, wobei man je nachdem wie man läuft dabei auch einzelne Tiere in eine anderen Richtung treiben und absonderm kann.
Das Ganze möglichst alleine, dass die Rinder nur auf eine einzelne Person reagieren und es kein Durcheinander gibt. Zudem ruhig, also sowohl nicht Rufen als auch nicht hektisch sein und auch die Körpersprache, weil sie ganz besonders auf die kleinen Zeichen achten. Da muss man schon ausstrahlen: "Ich bin der Chef und ihr lauft da hin wo ich es will!"
Das hört sich komplizierter an als es ist. Ich hatte das mal einfach so auf der Boberower Trockensteherweide ausprobiert: 25 Kühe von einem Hektar einsammeln und in den Stall bringen zum Transen raussortieren. Es hat nicht nur auf Anhieb weitaus besser geklappt als erwartet sondern ging auch noch viel schneller und meine Kollegen waren wie ich auch selber sehr beeindruckt von der Lässigkeit.
Benjamin
Die Grundlagen dazu: Rinder sind Fluchttiere und beobachten ihre Umgebung genau. Von der Kopfform mit den seitlich liegenden Augen haben sie fast einen Rundumblick. Dafür können sie nur in einem schmalen Winkel mit beiden Augen sehen und vor der Nase haben sie einen toten Winkel. Das merkt man daran, dass Kühe Abstand halten, dann herankommen um zu riechen und wieder zwei Schritte zurück treten. Auf der anderen Seite bzw. ihrer Rückseite sehen sie in einem recht weitem Bereich und haben nur direkt dahinter einen toten Winkel:
Zudem sehen Kühe weniger scharf als Menschen, dafür Bewegungen deutlicher und auch Kontraste, bestes Beispiel sind die Hell-Dunkel-Übergänge nach Prof. Grandin.
Beim Treiben ist es so, dass die Rinder einem ausweichen und weg laufen wollen. Je nach Winkel gehen sie in die entgegengesetzte Richtung (von hinten) oder biegen ab (von der Seite). In Höhe der Schulter ist die Balancelinie, wenn man dahinter ist läuft die Kuh vorwärts, in gleicher Höhe bleibt sie stehen und davor geht sie zurück bzw. dreht sich um. Rückwärts laufen sie ungern, weil hinten der tote Winkel ist. Dass sie so problemlos vom Melkkarussell runtergehen ist reine Routine.
Das Standardkonzept zum Kühe Treiben ist das Low Stress Stockmanship, zu deutsch stressarmer Umgang mit Vieh. Mittlerweile wird es auch in der Berufsschule behandelt. Entwickelt wurde es ursprünglich von Bud Williams in den USA, müsste in den 1970/80er gewesen sein für die Arbeit mit den dortigen großen Mutterkuhherden. Für so Sachen wie Einfangen, Sortieren usw. Am besten lässt sich damit auf der Weide arbeiten, aber im Stall geht es ebenfalls, auch wenn da der Platz beengter ist.
Die Bereiche rund um die Kuh sind der Beobachtungsbereich, in dem Eindringlinge beobachtet werdern, dann der Bewegungsbereich in dem ausgewichen wird und der Individualbereich, in den möglichst niemand hineingelassen wird (also weglaufen). Diese Bereiche sind sehr tierindividuell, Mutterkühe haben meist größere Bereiche als Milchkühe, Färsen eher größere als Kühe und als Extremfall Truxa eigentlich gar keine, die muss man fast schon wegschieben:
Beim Low Stress Stockmanship wird an der Grenze zwischen Beobachtungs- und Bewegungsbereich gearbeitet, man geht immer nur so weit, dass die Rinder gerade anfangen zu laufen. Wenn sie stehen bleiben geht man wieder ein Stück heran und sie laufen wieder. Da man genügend Abstand hat sind die Tiere nicht zu schnell und hektisch und man trifft viel leichter den passenden Winkel für die gewünschte Richtung. Zudem läuft meist nach kurzer Zeit die ganze Gruppe und man treibt sie wie ein einzelnes Tier, wobei man je nachdem wie man läuft dabei auch einzelne Tiere in eine anderen Richtung treiben und absonderm kann.
Das Ganze möglichst alleine, dass die Rinder nur auf eine einzelne Person reagieren und es kein Durcheinander gibt. Zudem ruhig, also sowohl nicht Rufen als auch nicht hektisch sein und auch die Körpersprache, weil sie ganz besonders auf die kleinen Zeichen achten. Da muss man schon ausstrahlen: "Ich bin der Chef und ihr lauft da hin wo ich es will!"
Das hört sich komplizierter an als es ist. Ich hatte das mal einfach so auf der Boberower Trockensteherweide ausprobiert: 25 Kühe von einem Hektar einsammeln und in den Stall bringen zum Transen raussortieren. Es hat nicht nur auf Anhieb weitaus besser geklappt als erwartet sondern ging auch noch viel schneller und meine Kollegen waren wie ich auch selber sehr beeindruckt von der Lässigkeit.
Benjamin
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