Montag, 1. Februar 2016

Nach Dedelow - Teil 3

Bei der großen Herde in Dedelow fällt auch die Melktechnik entsprechend größer aus.
Mit dem Bau des neuen Stalls wurde 2013 auch ein neues Melkzentrum gebaut, das das 60er Innenmelkerkarussell von Westfalia ersetzte - größere Innenmelker sind glaube nie gebaut worden.
Das neue Karussell ist wie in dieser Größenklasse heute üblich ein Außenmelker und zwar ein Boumatic Xcalibur 360EX mit 72 Plätzen. Und das ist schon extrem groß; wie mich im Sommer einer unserer ehemaligen Lehrlinge besuchte und wir im Subway in Pinnow standen meinte er man würde den Größenunterschied zu ihrem 52er Karussell daheim deutlich sehen, immerhin machen 8 Plätze mehr 2 Meter mehr Durchmesser.
Bei 72 sind es dann noch einmal 3 Meter im Vergleich zu 60. Am deutlichsten sieht man es wenn man außen steht, da ist man derart auf die Krümmung der Plattform bei 60 Plätzen geeicht.

Blick von der "Tribüne" oberhalb des Melkmateriallagers. Das komplette Melkhaus wird mit Abwärme der Biogasanlage geheizt, bei -2 Grad Außentemperatur bringt das komfortable Arbeitsbedingungen und keine technischen Probleme. Ist dann etwas neblig:

















 

Am Ende der Plattform werden die Kühe von einem Roboter gedippt. Dies ist ein Boumatic SR-1, der im Gegensatz zum TSR von DeLaval hydraulisch funktioniert und der eigentliche Arm sich nur in zwei Dimensionen bewegen kann und in der dritten Dimensionen komplett am Boden verschoben wird und somit am Karussell immer hin und her fährt. Ganz klassisch als Vorführeffekt hatte der Roboter Probleme mit den Kameras, da war draufgeschissen worden und mussten erst vom Treiber geputzt werden - ist überall doch das Gleiche.
Hier sieht man, dass die Melkzeuge nach der Abnahme heruntergelassen werden und unterhalb der Plattform hängen und somit beim Rein- und Rausgehen nicht im Gefahrenbereich sind. Gleichzeitig werden sie zur Säuberung ein Stück vor dem Roboter durch Wannen mit Wasser und Desinfektionsmittel gezogen.
Und unten rechts ist der Anschluss für den Schlauch der Melkanlagenspülung:



















Ein Blick auf die andere Seite, dem Melkerbereich mit zwei Plattformen. Die erste für zwei Personen zum Vormelken und Abputzen der Euter und links - außerhalb des Bildes - der Ansetzbereich. Das Besondere hier ist aber der dazwischen montierte Kärcherroboter, der nach der letzten Kuh der Schicht die vorbeifahrende Plattform säubert:

























Auch wenn ich vorletztes Jahr in Idaho von der Kuhzahl weitaus größere Höfe gesehen habe, bleibt Dedelow doch eine Liga für sich. Es war eine sehr interessante Besichtigung!

Benjamin

Samstag, 30. Januar 2016

Nach Dedelow - Teil 2

In Dedelow wurde auf der Milchviehanlage in Verlängerung der alten Ställe 2013 ein weiterer Stall gebaut, um den Kühen einfach mehr Platz zu bieten. Eigentlich ein normaler Doppel-Dreireiher mit planbefestigten Laufgängen und Tiefboxen (Seperat-Häckselstroh-Gemisch als Einstreu). Die Besonderheit ist hier die Bandfütterung, die an die bestehende Fütterungsanlage angebaut wurde, um nicht mit verschiedenen Verfahren arbeiten zu müssen.
Hier ist es aber als Überkopffütterung ausgeführt, wo dann mit dem Hoflader das Restfutter rausgeschoben wird. Im Gegensatz zu üblichen Systemen mit einem fixen Förderband und einem beweglichen Pflug zum Abwerfen ist das Förderband beweglich und fährt den Trog entlang. Und wo früher die Fütterungsanlagen vom Kombinat Takraf mit der Erfahrung aus der Braunkohleförderung gebaut wurde ist diese Anlage auch von einem Konstruktionsbüro für Bergbautechnik entworfen worden - was man sofort sieht, denn alles ist extrem robust ausgelegt.
Etliche Neugierige haben sich versammelt:



















Und ein spontan entstandenes Foto, weil diese Kuh noch aufmerksamer die am Stall vorbeilaufende Besuchergruppe beobachtete. Nur 1,0 % der brandenburger Kühe sind rotbunt, also nur an die 1.600 insgesamt und einige davon stehen auch in Dedelow. Im linken Ohr sieht man den Transponder für die Tiererkennung im Melkkarussell - dazu mehr im nächsten Post!
Halt durch das Windschutznetz mit 20 mm Maschenweite fotografiert:




















Fortsetzung folgt!

Benjamin

Donnerstag, 28. Januar 2016

Nach Dedelow - Teil 1

Zwei Wochen nach dem Testherdentag kommt nun endlich der Bericht über den Besuch in Dedelow. Es wird immer ein in der Nähe zum Tagungsort liegender Testherdenbetrieb besucht. Und für mich war das der Anlass, den weiten Weg nach Pasewalk gar nicht in Frage zu stellen.

Einfach die Bedeutung der Milchviehanlage in Dedelow, mit an die 2.500 Kühen nicht nur der größte der Testherdenbetriebe und mehr als doppelt so groß wie unsere drei Herden zusammen sondern auch die Historie des Betriebes:
1968 wurde hier der Prototyp der MVA 2000 gebaut, quasi die Vorgängerserie der weitverbreiteten MVA 1930 ("1930er-Anlage"), wie sie auch unsere Nachbarn in Karstädt haben (siehe Post vom 22.02.2014) oder mein Bruder in Kolochau leitete (siehe Post vom 09.12.2013).
Mitte der 1960er, als mein Urgroßvater wie hundertausende andere auch vier Kühe angebunden hielt, das ganze Leben mit Blick an die Wand, nicht einmal mit einer Tränke wurde hier ein Konzept entwickelt, das dem damals technisch Möglichen entsprach: Ein Liegeboxenlaufstall mit Vollspalten für 2000 Kühe und die zugehörigen Tränkekälber, automatische Fütterung über Futterbänder und ein 40er-Innenmelkerkarussell (Impulsa M 691).
Wie zukunftweisend diese Auslegung war zeigt sich daran, dass Dutzende von Ställe dieses Konzepts 50 Jahre nach Entwicklung und über 30 Jahre nach Ende der Bauserien Anfang der 1980er immer noch in Betrieb sind mit wenigen Veränderungen, insbesondere modernisierter Melktechnik.
In Dedelow wurde 1973 nochmal der gleiche Stall daneben gebaut, sodass die erste MVA 3750 mit dann 3745 Plätzen entstand.
Hinzu kam das zentrale Ausbildungszentrum für "industriemäßige Rinderhaltung", wo als "Schrittmacherbetrieb" der "wissenschaftlich-technische Fortschritt" von der Forschung in die breite Praxis überführt wurde.

Charakteristisch ist die Bandfütterung. Am insgesamt rund 300 Meter langen Hauptband zweigen die Nebenbänder für die einzelnen Kuhgruppen ab. Beschickt wird das Hauptband von zwei Seiten, auf der einen die Kraft- und Mineralfutterkomponenten und von der anderen das Grobfutter aus fünf Dosierern (Pressschnitzelsilage, Maissilage, Luzernesilage, zwei verschiedene Grassilagen). Da braucht es keinen Futtermischwagen, durch die Programmierung fährt es dann im richtigen Mischungsverhältnis vor die Kuh.
Die Aufgabe des Fütterers ist es das Futter von den Silos mit dem Radlader zu den Dosierern zu fahren:




















Das zweite Foto zeigt einen Blick in eine leerstehende Gruppe, das charakterisch ist. Bei der Breite des Stalls von über 100 Metern fällt das meiste Licht über die Lichtbänder im Dach ein; genauso wie die große Anzahl an Lüftern für das entsprechende Stallklima. Hier ist es eine Stahlkonstruktion, die spätere MVA 1930 war dann aus Stahlbeton. Links ist einer der Tröge, später wurden obenliegende Bänder gebauert, wo ein seilgezogener Pflug das Futter in den Trog wirft, wodurch fast beliebig oft am Tag gefüttert werden kann. Hier wurden Krippeneinzugsbänder gebaut, wo das Band mit dem Futter drauf den Trog entlang gezogen wird. Das hat zwar den Nachteil, dass nur zweimal am Tag gefüttert werden kann, weil bei jeder Fütterung das ganze Band zuerst wieder aufgerollt werden muss, aber dabei wird das Restfutter abgekratzt und läuft mit einem eigenen Band zu einem Auswurf an der Stallseite - sehr komfortabel!




















 
Weitere Infos:
A.G.U. Agrargesellschaft Uckermark AG

Fortsetzung folgt!

Benjamin

Mittwoch, 27. Januar 2016

Angels Geburtstag

Angel, eines von Fabiennes Lieblingskälber und Giselas jüngere Schwester, ist mittlerweile ein ordentliches Jungrind und wurde heute ein Jahr alt.

Hier das Geburtstagsfoto, mit einer schönen Perspektive:

Benjamin

Dienstag, 26. Januar 2016

Testherdentag - Teil 2

Zum Testherdentag gibt es neben den Berichten zum aktuellen Stand auch immer Vorträge, was mit den erhobenen Daten herausgefunden wurde.
Fr. Kopke von der Uni Halle stellte die Ergebnisse des Mortellaromonitorings (siehe auch Posts vom 08.10.2015 und 28.10.2015) an 6.000 Kühen aus mecklenburger und brandenburger
Testherden vor. Dabei waren dreimal im dreiwöchigen Abstand die Hinterfüße auf Mortellaro bonitiert worden. Dabei waren es fast nur Höfe mit Außenmelkerkarussellen, weil ein hoher Durchsatz bei bester Sicht. Bei der Berechnung der Erblichkeiten waren wir ausgeschlossen worden, weil die zu diesem Zeitpunkt vielen akuten Mortellarofälle (hatten aber auch die beste Entwicklung über die drei Termine!) das Gesamtbild verzerrten. Die Erblichkeiten lagen mit 12 - 42% bei den einzelnen Merkmalen höher als vorher gedacht und nun schließt sich eine genomische Studie an, wo es schon einige vielversprechende Genorte für die Mortellaroanfälligkeit zu geben scheint.
Prof. Swalve von der Uni Halle, quasi der "Vater" des Testherdenprogramms stellte eine Masterarbeit vor, in der der Einfluss verschiedener Exterieurmerkmale auf die Nutzungsdauer aus dem Datenmaterial von 11.000 Testherdenkühen untersucht wurde. Dabei war das Ergebnis, dass meist die extreme Ausprägung von Merkmalen schlecht für die Nutzungsdauer ist. Als wichtige Merkmale wurden die Sprunggelenke und viele der Eutermerkmale gefunden, im Gegensatz zu Körpermerkmalen, die kaum Einflüsse zeigten.
Dr. Boldt stellte Ergebnisse von der Berechnung des Einflusses von Exterieurmerkmalen auf Gesundheitsparameter vor. Dabei kam heraus, dass die Beckenneigung einen Einfluss auf die Totgeburtenrate hat, die Beckenbreite aber nicht. Und tiefe und sehr milchtypische Kühe
haben häufiger Stoffwechselprobleme, was vor allem bei der Körpertiefe überraschte. Dagegen war es ganz plausibel, dass Kühe mit schlechten Beinen häufiger Klauenerkrankungen haben.

Benjamin

Samstag, 23. Januar 2016

Testherdentag - Teil 1

In der letzten Woche waren wir von der Leitung der Milchproduktion auf dem Testherdentag 2016 der RinderAllianz in Pasewalk. Vorpommern ist eine der von uns aus entferntesten Ecken des Zuchtgebiets, sodass wir 300 km quer durch MV fuhren.
Nachdem vor zwei Jahren die RSA und RMV zur RinderAllianz fusioniert sind kommen jetzt zum Jahr 2016 15 Betriebe aus Sachsen-Anhalt zum ProFitplus-Testherdenprogramm hinzu und die Zahl der einbezogenen Kühe steigt auf gut 35.000 an.
Zusammen mit dem Brandenburger Testherdenprogramm, die zusammen verrechnet werden, sind mittlerweile über 2.700.000 Datensätze angefallen, was über 2/3 aller in Deutschland erhobenen Gesundheitsdaten von Milchkühen entspricht. Ursprünglich mal für eine genauere Datengrundlage im klassischen Testbulleneinsatz vor der Zeit der genomischen Selektion begonnen ist mittlerweile daraus die Spitze der deutschen Holstein-Zucht geworden.
Und als Erfolge des fleissigen Sammelns von Daten gibt es seit der August-Zuchtwertschätzung die Zuchtwerte Kalbungplus und Mastitisplus, die auf der Mela vorgestellt wurden (siehe Post vom 14.09.2015 und bei der RinderAllianz). Nun wird zur nächsten Zuchtwertschätzung im April der nächste auf dem Testherdenprogramm basierende Zuchtwert eingeführt, Klauenplus. In diesen fließen die ganzen Daten aus der Klauenpflege ein, kurzum welche Bullen Probleme mit den Füßen vererben und welche nicht.
In Zukunft soll es die Quartalsberichte mit den betriebsindividuellen Auswertungen dann auch auf einer Online-Plattform geben, dann schön zum Benchmarking geeignet.

Benjamin

Freitag, 22. Januar 2016

Schnappschuss am Freitag

Mal ein sehr besonderes Foto: Wenn man ein Melkkarussell hat, das 17 h am Tag stillsteht und es draußen -10 Grad sind kann man schon auf manch schräge Idee kommen.
Heute musste eine Kuh mit Labmagenverlagerung operiert werden. Der Nachwartehof ist zwar windgeschützt und eisfrei aber dann doch recht kalt, der Melkbereich mit der Dämmung und den Heizlüftern dagegen über 0 Grad, dass die Technik nicht einfriert.
Also den Vorhang zum gedämmten Bereich geöffnet und die Kuh über den Bipass des Selektionstors in den Ausgang vom Karussell gebracht und dort auf einem Melkplatz festgebunden. Kann da nicht groß rumzappeln und man kommt gut ran.
Platz 12 für die Kuh, Platz 13 als Arbeitsbereich und Platz 14 mit dem Material:

Benjamin



Dienstag, 19. Januar 2016

Weizen Webcam - Teil 5

- zur Übersicht der Weizen-Webcam -> hier

Endlich mal wieder ein Foto mit Schnee. Nachdem es letzte Woche tagsüber taute ist jetzt wieder durchgehend Dauerfrost mit bis zu -10 Grad. Am Wochenende hat es etwas geschneit, bei der trockenen Luft ist aber das meiste schon wieder verdunstet.

18.01.; 13:06:

Benjamin

 

Sonntag, 17. Januar 2016

Wir machen Euch satt!

Wenn zur Internationalen Grünen Woche die ganze agrarpolitische Aufmerksamkeit auf Berlin gerichtet ist und Landwirtschaftsgegner, deren Essen aus dem Supermarkt kommt und Spendensammelkonzerne daraus Kapital schlagen wollen müssen wir Bauern ein Zeichen dagegen setzen.
Daher sind wir gestern mit einer kleinen Abordnung gemeinsam mit Kollegen von den Nachbarhöfen zur Demonstration nach Berlin gefahren. Wir machen Euch satt! - Redet mit uns statt über uns! Für Diskussion über die Landwirtschaft ohne Diffamierungen, ohne Ideologien, sachlich und wissenschaftlich fundiert. Denn die Bauern machen tagtäglich die Bevölkerung satt.


Vor der Demonstration war noch Platz paar Fotos zu machen, die Emsländer waren sehr stark vertreten:




 
















Und aus dem Berliner Umland waren genau 30 Traktoren gekommen, mehr hatte die Polizei aus Platzgründen nicht erlaubt:



 
















Wieviel Bauern da waren kann ich nicht sagen, lässt sich bei der Menge schlecht schätzen, von 500 bis 4000 hat man alle möglichen Zahlen gehört. Aber es stehen eine dreiviertel Million daheim bei der Arbeit gebliebenen dahinter und über 80 Millionen Mitbürger, die täglich essen.
Eine super Stimmung mit viel Applaus bei den Reden, Trillerpfeifen und Sprechchören; den Zusammenhalt zu spüren zwischen den Bauern aus ganz Deutschland und den unterschiedlichsten Produktionsrichtungen:

Benjamin





Sonntag, 10. Januar 2016

Planerfüllung 2015

Nun sind die Zahlen zur Planerfüllung der Leistung nach abgelieferter Milch in Boberow für das Jahr 2015 berechnet. 
Mit der Menge wurde der Plan übertroffen, aber der Milchfettgehalt erreicht nicht die doch ambitionierten Ziele:
                                   Plan       Ist    Differenz  % von     
                                                                         Plan   
l/Kuh                          8.578    8.643     + 65      100,8   
kg/kuh                        8.750    8.816     + 66      100,8   
Fett-%                          4,10      3,99    - 0,11       97,3   
Eiweiß-%                      3,55      3,53    - 0,02       99,4   
kg fettkorrigiert             8.969    8.793    - 176       98,0   
kg energiekorrigiert       8.935    8.879      - 56       99,4   
F+E-kg                          669       663        - 6       99,0     


So sieht der Vergleich zu den Vorjahren aus, wo die Steigerungen vom Vorjahr nicht wiederholt werden konnten, was auch der schlechten Futtersituation im zweiten Halbjahr 2013 geschuldet war, die leichter überboten werden konnte:

Jahr                             2013    2014     2015  Differenz
                                                                    2014 - 2015
l/Kuh                          8.080    8.380    8.643    + 263
kg/kuh                        8.242    8.548    8.816    + 268
Fett-%                          3,97     4,09      3,99    - 0,10
Eiweiß-%                      3,52      3,51     3,53    + 0,02
kg fettkorrigiert             8.172    8.742    8.793      + 51
kg energiekorrigiert       8.272    8.698    8.879    + 181
F+E-kg                          617       650       663      + 13


Und der neue Plan für das Jahr 2016, der von 9.000 kg abgelieferter Milch pro Kuh ausgeht, man muss ja schließlich auch Ziele haben. Der geplante Fettgehalt wurde etwas gesenkt, weil zwar 2014 fast erreicht, aber doch etwas zu unrealistisch eingeschätzt:

l/Kuh                          8.824  
kg/kuh                        9.000  
Fett-%                          4,05  
Eiweiß-%                      3,55  
kg fettkorrigiert            9.113  
kg energiekorrigiert      9.138  
F+E-kg                          684    




Benjamin
 

Samstag, 9. Januar 2016

Schwanzamputation

Kuh Nr. 1183, Samone - benannt nach ihrem Vater Samburu, was man an den Dalmatinerflecken sieht - hatte echt Pech: Eine andere Kuh muss ihr unglücklich auf den Schwanz getreten sein, sodass sich die Verletzung entzündete und ein eitriger Abszess entstand, der ins Rückenmark zog. Daher musste nun der Schwanz amputiert werden. 
Zum Ablauf: Der Schwanz wird unter Lokalanästhesie gesetzt, unterhalb der Stelle der Abtrennung in einen Besamungshandschuh gepackt - also ein weiteres Einsatzgebiet dafür (vgl. Post vom 25.12.2015) - , der Rest gewaschen und kahlrasiert und oben fest abgeschnürt, dass nicht zu viel Blut verloren geht. Die Lache auf dem Foto stammt aus dem unteren Teil des Schwanzes, was zurück lief. Dann werden zwei Hautlappen freigeschnitten, mit denen nach dem Abtrennen des Schwanzes zwischen zwei Wirbeln die Querschnittsfläche abgedeckt und vernäht wird, dass das neue Schwanzende auch von Haut umschlossen ist. Danach wird noch ein Verband umgelegt, dass es ungestört verheilen kann.
Meine Aufgabe war dabei den Schwanz passend zu halten bzw. später den Stummel möglichst weit vom schmutzigen Rest der Kuh weg.
Und sie war die ganze Zeit über extrem ruhig bis sogar desinteressiert und fing irgendwann an wiederzukauen.

Das Foto nach erfolgreicher Operation. Da der Abszess, als Verdickung am linken Schwanzstück zu sehen, ziemlich in der Mitte saß musste recht viel amputiert werden, sodass nur noch ein ungefähr 20 cm langer Stummel übrig blieb:

Benjamin

Freitag, 8. Januar 2016

Ultraschall

Wieder ein Post in Bezug auf die Statistik: Letztens war ein Suchbegriff aufgelistet "Ultraschalluntersuchung". Der bezog sich wahrscheinlich auf meinen Ausflug nach Neulewin (siehe Post vom 25.02.2015).
Aber es gibt auch Interessantes über die Ultraschalluntersuchungen bei uns in Pinnow und Postlin (siehe auch Post vom 19.05.2014) zu erzählen
In der Pinnower Milchviehherde wird Ultraschall eingesetzt neben den Trächtigkeitsuntersuchung für die Sterilitätsuntersuchungen bei Kühen die nicht in Brunst kommen wollen wegen verschiedenster Beeinträchtigungen im Fruchtbarkeitszyklus und der Puerperalkontrolle in der vierten oder fünften Woche nach der Kalbung, um zu überprüfen ob die Gebärmutter sich richtig zurückgebildet hat.

Vom Ablauf her greift der Tierarzt wie bei der manuellen Trächtigkeitsuntersuchung in den Enddarm; also Rektalisieren, kommt von Rectum, lateinisch für Enddarm. Beim Manuellen wird durch die Darmwand nach unten getastet, ob in den Gebärmutterhörnern die Verdickung einer Frucht (= komplett alles von Embryo bis Plazenta) zu fühlen ist. Beim Ultraschall wird stattdessen die Sonde nach unten gehalten, um die Gebärmutter abzuhorchen.

Ein schematische Ansicht dazu:


















So sieht es dann von außen aus mit dem eigentlichen Ultraschallgerät:





 




















Und die Aufnahmen aus dem Inneren von Kuh 523, die am 20. November vom Vertretungsbesamer der RinderAllianz besamt wurde, der meinen Kollegen vertritt, wenn dieser frei hat. Der Bulle ist Anamur, ein genomischer schwarzbunter Holstein.
Es ist ein Kalb drin und es lebt, wird dann ihr viertes sein und war auch ein Erstbesamungserfolg - mit der ersten Besamung in dieser Laktation trächtig geworden. Nach 48 Tagen ist es ungefähr 2 cm groß. Die Ansicht war auf dem Display auf die doppelte Größe herangezoomt . Mal die Spiegelungen von den Flutlichtstrahlern und den Dreck nicht beachtet ist alles in Graustufen dargestellt, weil das Echo der Ultraschallwellen halt keine Farbe hat. Grau ist Gewebe und schwarz Flüssigkeit, hier das Fruchtwasser, wo dann gesucht wird ob darin was schwimmt. 
Links ist der Kopf zu sehen, dann die Ansätze der Vorderbeine, mit denen es eifrig gestrampelt hat und dann der hintere Rumpf, der noch nicht so stark differenziert ist.
In diesem Stadium kann man das Geschlecht noch nicht erkennen. 
Und ich bleibe dran an "523/4", um den 25. August rum soll es Geburtstag haben!

Benjamin  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nachtrag: Dies ist der Übersichtspost zur Serie 523/4. 
Die weiteren Posts der Serie:
Neugeborenes Kalb 523/4, Post vom 31.08.2016
Fiebermessen bei 523, Post vom 03.09.2016
523/4 am Tränkeautomat, Post vom 11.09.2016

Mittwoch, 6. Januar 2016

Heizvieh

Mit Beginn diesen Jahres ist doch noch der Winter gekommen.
War es an Weihnachten nachts +13° C, so waren es am Montag -11° C. Beim momentan vorherrschenden trockenen Ostwind waren es sogar gefühlte -18° C. Und dann die Rheinhessen, die kein Kontinentalklima gewohnt sind, wo ja auch noch der letzte Winter ausgefallen war.
Gestern Nachmittag und heute Nacht hat es zudem etwas geschneit, aber zum Glück nicht soviel, dass geräumt werden musste.
Probleme haben wieder die Tränken im Boberower Abkalbestall ("Bullenstall") gemacht. Das massive Mauerwerk ist eine ideale Kältebrücke, woran die Wasserleitung entlang läuft (halbwegs zu sehen im Post vom 25.01.2015). Mit 4 Trogtränken und 4 Schalentränken ist es für jede abzutrennbare Buchte ausgerüstet und es würde für rechnerisch 150 Kühe reichen. Bloß waren nur 14 eingestallt, die das Wasser nicht am laufen halten konnten und zu wenig heizten.
Nachdem die Technische Abteilung die Tränken wieder gangbar gemacht hatte wurde Heizvieh eingestallt. Neben den wöchentlichen Umstallungen in die Abkalbebucht - Transen holen - wofür 5 dran waren alle leerstehenden Buchten mit Trockenstehern aufgefüllt, was nochmal 19 waren. Diese 24 zusätzlichen Kühe brachten genug Heizleistung, bestimmt 15 kWKuh-thermisch, sodass heute Nacht nichts mehr einfror. Dafür steht jetzt bei zu wenig Lüftung im verschlossenen Stall die Luft. Tausche Durst gegen Schadgasbelastung... aber der aktuelle Plan sieht für Freitag bei ansteigenden Temperaturen vor, wieder die zusätzlichen Kühe auszustallen und tagsüber die Tore zu öffnen.

Benjamin

Sonntag, 3. Januar 2016

62 kg am Tag

Für 2015 habe ich keinen Jahresendbesuch bei Braunies Familie auf Hofgut Neumühle gemacht sondern einen Neujahrsbesuch für 2016.
Am Montag hat Mais Alterskameradin Sonne gekalbt, auch wieder ein Bullenkalb. Der Vater ist der Bulle Mahuva von CRI, wobei das Sperma über die RUW gekauft wurde. (-> hier gibts die Bullenkarte)
Mai selbst bricht alle Rekorde. Hatte ich bei ihr schon in der ersten Laktation gesagt, dass sich der Zuchtfortschritt deutlich zeigt, so ist sie nun in ihrer vierten in der Spitzengruppe angelangt. Im Wochenmittel liegt sie bei 62 kg Tagesleistung und am Montag waren es sogar 64,65 kg gewesen. In den 45 Melktagen seit ihrer letzten Kalbung (siehe Post vom 23.11.2015) hat sie 2.253 kg gemolken und dürfte damit die 100-Tage-Leistung von 5.000 kg knacken. Insgesamt lag sie in den letzten beiden Jahren in keiner Milchleistungsprüfung, auch kurz vor dem Trockenstellen, unter 20 kg bei einer Zellzahl von stets unter 60.000 und das auch in der dritten Laktation!
Zum Zuchtfortschritt: Ihre Grossmutter Leoni hat es in bisher knapp neuneinhalb Jahren auf durchschnittlich 6.875 kg Jahresleistung geschafft, ihre Mutter München (= Braunie) in knapp viereinhalb Jahren auf 7.380 kg und Mai selbst in bisher etwas über drei auf 11.220 kg.

Im Liegebereich des Versuchsabteils, die komfortablen Tiefboxen mit Pferdemist- und Häckselstroheinstreu, sowie die extra robusten Doro-Boxenbügel, bei denen die Kühe "den Kopf frei haben". Vorne in der linken Reihe Mai und die vierte in der rechten Reihe, die herkuckt ist Leoni.

Benjamin

Start in 2016

Allen Lesern des Kuhblogs wünsche ich ein gesundes neues Jahr 2016!

Es wird rund um meine Kühe bestimmt wieder viele interessante Dinge geben, über die es sich zu schreiben lohnt.

Benjamin

Sonntag, 27. Dezember 2015

Überbleibsel - Teil 7

- zur Übersicht der Überbleibsel-Serie -> hier - 

Heute über ein Überbleibsel, von dem vor nicht allzu langer Zeit noch mehr übrig war: Dem Wiegehäuschen mit der Brückenwaage am Boberower Mühlenweg, direkt vor der Milchviehanlage.

Das erste Foto ist im Juli 2013 aufgenommen, obwohl es momentan auch sehr warm und sonnig ist.
Damals war noch die Wiegebrücke vorhanden, die im Februar 2014 entfernt wurde, weil die Holzbohlen nach jahrelangem Nichtgebrauch stark verwittert waren. Dies war einer der wenigen Einsätze für unseren Bagger (siehe Post vom 14.02.2015) in letzter Zeit.



 















Die Waage ist eine mechanische Laufmassenwaage, wo die Gegenmasse auf dem Hebelarm verschoben wird bis es sich im Gleichgewicht befindet, der Wert kann dann an der angebrachten Skala abgelesen werden:



 















Auf dem Typenschild steht die Höchstlast: 15 t; das erscheint erstmal nicht viel für eine Fahrzeugwaage, aber schließlich ist die Baujahr 1962 und damals gab es im landwirtschaftlichen Gebrauch auch nichts Schwereres. Ganz genau weiß ich es nicht, aber die Errichtung der Waage düfte gemeinsam mit dem ersten Bauabschnitt der Milchviehanlage nach der Kollektivierung zur LPG Typ 3 (= gemeinsame Tierproduktion) erfolgt sein. Damals wurde der 80er-Anbindestall mit Bandfütterung gebaut, heute der alte Kälberstall (siehe Post vom 25.01.2014).






 












Die Plakette mit dem Logo des VEB Oschatzer Waagenfabrik, darauf stilisiert die Frontansicht der St.-Aegidien-Kirche als Oschatzer Wahrzeichen.
Heute heißt die Firma Oschatzer Waagen GmbH und baut vor allem Dosierwaagen: http://www.oschatzer-waagen.de

Benjamin

Samstag, 26. Dezember 2015

Weizen Webcam - Teil 4

- zur Übersicht der Weizen-Webcam -> hier -

Zu Weihnachten wäre ein Foto von den verschneiten Weiten der Prignitz schön gewesen, aber auch auf das Foto "Bullen im Schnee" musste ich lange warten (siehe Post vom 05.02.2015) und so gibt es aktuell bei Nachttemperaturen im zweistelligen Bereich kein Schnee und nicht mal Winter sondern arg später Frühherbst.

In Rheinhessen sagte ich als zu dem Wetter "Braune Weihnachten", in Bezug auf die brachliegenden Äcker, auf die im nächsten Jahr die Zuckerrüben kommen. Und daher nun ein Foto von den "Grünen Weihnachten" mit dem Weizenfeld:

25.12.; 13:01:

Benjamin




Freitag, 25. Dezember 2015

Besamungshandschuh

Mal wieder was mit Bezug auf die Statistik.
Und zwar war letztens unter den aufgelisteten Suchbegriffen "Besamungshandschuh".
Da zur Besamung in den Enddarm (Rectum) gegriffen wird um dann von "Außen" die Besamungspipette durch den Gebärmutterhals zu schieben, zieht man dafür Handschuhe an.
Sind dünne Einmalhandschuhe, die bis zur Schulter reichen.
Obwohl ich keine Kühe besame habe ich immer ein paar Stück einstecken, weil man die meist braucht wenn man nicht dran denkt. Auf dem Foto beim Abnehmen einer festsitzenden Nachgeburt zwei Tage nach der Kalbung. Die Melkerhandschuhe lasse ich dabei an, der Besamungshandschuh kommt erst nach dem äußerlichen Saubermachen der Kuh nur für das Reingreifen drüber.
Und auch bei der Geburtshilfe gibts die Handschuhe, dann aber beidseitig und die Melkerhandschuhe nach dem Saubermachen oben drüber gezogen, weil die enger anliegen und man so besser greifen kann.

Benjamin



Donnerstag, 24. Dezember 2015

Nachtrag zur Milchleistungsprüfung

Noch ein Nachtrag zur Milchleistungsprüfung (siehe auch Post 16.12.2015) vom mit paar Fotos .

Als erstes der Probennehmer, der an das Milchmengenmessgerät (MM15 mit Wiegetasse) angeschlossen wird und ein Teil des Milchstroms - ungefähr 200 ml - über die gesamte Dauer des Gemelks ableitet. Das sind dann die Proben, aus denen dann die eigentlichen 10 ml pro Melkzeit für die Analyse entnommen werden:


















 

Die Arbeitslisten mit der Zuordnung der Kühe zu den Probenflaschen. Die Kästen haben fünfstellige Nummer, von denen wir eine passende Ziffer (roter senkrechter Strich) raussuchen, die zur Reihenfolge passt, hier 22706 vom zweiten Kasten und 20380 vom dritten Kasten, dass man weiß in welchem Kasten die Kuh muss ohne die langen Nummern lesen zu müssen. Der rote Querstrich ist nochmal eine Markierung für den Beginn des nächsten Kastens. So kann man recht einfach ohne langes Suchen den Überblick über fast 300 Probeflaschen behalten:

Benjamin



Sonntag, 20. Dezember 2015

Überbleibsel - Teil 6

- zur Übersicht der Überbleibsel-Serie -> hier - 

Die "tote Elektrik" stellt den größten Teil der Überbleibsel; der Legende nach wurden im Boberower Melkhaus immer nur neue Leitungen gezogen und alte nie entfernt sondern nur stillgelegt, sodass heute niemand mehr den Überblick hat.

Im Melktechnikraum hängt über den Spülautomaten diese alte Zeitschaltuhr (Elektronischer Zeitschalter). Durch die Sichtscheibe konnte man die Drehscheibe mit 24h-Teilung sehen, womit die Uhrzeit eingestellt wurde.
Auf dem Typenschild ist der Schaltplan dargestellt, der aber nicht mehr zu lesen ist und der Hersteller: VEB Zeitschaltelektronik Frauenstein (was für ein Firmenname!) aus Frauenstein im Erzgebirge, in unmittelbarer Nähe zur tschechischen Grenze.

Benjamin


























Freitag, 18. Dezember 2015

Giselas erste Runde

Heute wurden wieder einmal Jungkühe von Garlin nach Pinnow umgesetzt. Ich war nicht dabei, weil ich mit der letzten Trächtigkeitsuntersuchung für dieses Jahr in Boberow zu tun hatte.
Nachmittags steht dann eine so schief auf dem Karussell, dass ich aus dem Augenwinkel die Halsbandnummer erkennen konnte: 1275 - meine Gisela! Ist sie jetzt schon nach Pinnow gekommen und nicht erst über Boberow zu Einzug in den künftigen Stall. Da war sie wohl einfach zu gut für Boberow gewesen...
Nach dem Umzugsstress wollte sie auch nicht so recht melken, lag in acht Minuten bei nur 8,8 kg.

Hätte mir jemand vor sieben Monaten gesagt bei 280 Kühen pro Stunde könnte man mal zwischendurch ein Foto machen, ich hätte es nicht geglaubt. Aber es geht! Halt mit dem Handy und man sieht so gut wie nix, aber das ist Gisela:

Benjamin

Donnerstag, 17. Dezember 2015

Getrennte Wege

Gestern mussten Hokkaido und Yamamoto ihr Gruppeniglu in Pinnow verlassen, da sie mit mittlerweile 6 bzw. 5 Monaten einfach zu groß dafür geworden waren.
Hokkaido wurde nach Boberow gebracht und ist dort in den Kälberstall gekommen zu den schwarzbunten Kälber, die aber deutlich jünger sind und sie daher von der Größe her nicht untergeht.
Yamamoto kam auf die Jungrinderanlage nach Pröttlin in die Gruppe der zukünftigen Deckbullen.
Wiedersehen werden sie sich nicht mehr, weil sie ja Vollgeschwister sind und die Rindviecher haben eine allgemein lockere Einstellung zur Inzucht...
Hokkaido in ihrem neuen Zuhause in Boberow:

Benjamin


Mittwoch, 16. Dezember 2015

Ende eines Mythos

Der Mythos hatte sich ganze zweieinhalb Jahre gehalten: Laut meiner Boberower Mannschaft war die monatliche Milchleistungsprüfung immer ein stressiger Großkampftag. 
Heute habe ich erstmals nicht nur die Vorbereitung sondern auch vertretungsweise das eigentliche Probennehmen gemacht. Hatte extra ausgeschlafen, um voll konzentriert zu sein.
Und dann war es ganz entspannt, ich musste mich gar nicht hetzen und im Melkstand war es ruhig wie selten, man hörte nur die Pulsatoren.
Dabei hätte ich mir doch denken müssen, dass das nicht allzu schwer wird. Zu meinen Studienzeiten auf der Neumühle waren bei der MLP zwar nur 60 Kühe in der Versuchsgruppe, aber vom Durchsatz des Melkstands ähnlich; jedoch musste ich jede Probe einzeln vom Platz holen und die Milchmenge in den Palm eingeben.
Heute hatte ich 284 Kühe, aber die Proben werden immer reihenweise für 6 Kühe geholt und die die Flaschen werden nicht nach der morgendlichen Melkreihenfolge vergeben sondern sind schon vorher nummerisch sortiert. Von Samanta (Nr. 1001, siehe Post vom 03.12.2013) Flasche 1 im ersten Kasten bis Gerba (Nr. 2388) Flasche 84 im dritten Kasten. 

Abends habe ich dann auf Tempo gemacht und bei Leerlauf auch als paar Kühe abgeputzt oder gedippt, sodass es von der reinen Melkzeit genauso schnell war wie normal.

Ein Foto wie der Arbeitsbereich des Leistungsprüfers aussieht: Links auf dem Stuhl stehen die Becher, womit die Proben aus dem Melkstand geholt werden, daneben die Milchkanne mit der die überschüssige Milch der Proben wieder zurückgebracht wird. Daran hängen der Messbecher mit der Pipette für das eigentliche Entnehmen der Probe. Dann die Kisten mit den Probenflaschen und oben drüber auf dem Pult die Listen, welche Kuh zu welcher Flasche gehört. 
Im Hintergrund steht das Heizgebläse und der silberne Luftschlauch, womit im Winter die Melkstände frostfrei gehalten werden; bei momentan teilweise sogar nachts zweistelligen Temperaturen wird das natürlich nicht gebraucht.

Benjamin

Furie und Bestie

Auf der Milchviehanlage in Boberow hat von den Katzenjahrgängen 2014 und 2015 nur eine einzige überlebt, die ganzen anderen sind hauptsächlich den Kühen zum Opfer gefallen, wie Weißgesicht (siehe Post vom 02.08.2014). Da im gleichen Zeitraum die Hälfte der Altkatzen abhanden gekommen ist wurde es allmählich eng mit der Ausstattung für die Schadnagerbekämpfung.
Gleichzeitig gibt es ja im Pinnower Kälberstall Unmengen an jungen Katzen (siehe Posts vom 26.07.2015 und 20.08.2015), da lag der Gedanke nahe davon einige umzusetzen. Rinder fahren wir recht viele durch die Gegend zwischen den Anlagen, da wäre es mit Katzen doch was Leichtes.
So organisierte ich für Montag mir eine Transportkiste. Die Katzen waren aber untergetaucht und es ließen sich auch mit Futter nur drei Kleine anlocken und natürlich die Großen.
Und da musste ich die Erfahrung machen, dass ich bisher in meinem ganzen Leben es nur mit lieben Katzen zu tun hatte. Schafften es die doch mir durch zwei paar Handschuhe übereinander die Finger blutig zu beißen. Aber wenigstens zwei habe ich nach Boberow geschafft, wo sie laut der Aussage meiner Kollegen sich scheinbar im Kälberstall angesiedelt haben.
Ich werde die jetzt Furie - schwarzer Kater - und Bestie - getigerte Katze - nennen.

Benjamin

Nachtrag vom 18.12.:
Heute habe ich die beiden im Kälberstall auf einem Strohbund gesehen; sind aber sehr nachtragend und sofort abgehauen.

Freitag, 11. Dezember 2015

Überbleibsel - Teil 5

- zur Übersicht der Überbleibsel-Serie -> hier - 

Ein Überbleibsel, das wir tagtäglich in den Händen halten: Die Kälberbücher.
Gedruckt wurden sie im Vordruckbetrieb Demos Osterwieck. Dort müssen früher viele Formulare gedruckt worden sein, denn die Urlaubsantragszettel stammen auch daher und die Originale der inzwischen unzählige Mal kopierten Stundenzettel.

Vorne steht "Kälberregister für 824 Tiere" drauf. Irgendwann habe ich mal nachgezählt und es ist Platz für 4.120 Kälber drin. Nach Plan hatte eine Kuh halt 5 Kälber zu schaffen und nicht 3,x. Bis man über 4.000 Kälber zusammen hat dauert es natürlich und entsprechend ramponiert sind die Bücher gegen Ende ihrer Nutzung.
Ganz links ist das alte Kälberbuch der Milchviehanlage Garlin, von Oktober 2005 bis September 2015 in Gebrauch, zwischenzeitlich habe ich es mal mit Klauenklebeband geflickt, dass der Deckel nicht abfällt. In der Mitte das aktuelle Kälberbuch der Milchviehanlage Pinnow, seit Dezember 2010 und rechts das neue Kälberbuch für Garlin, seit September diesen Jahres. Und statt sich auf die neumodischen Kälberbücher der Zuchtverbände aus den 2000ern umstellen zu müssen hatte unsere Verwaltung doch noch neuwertige Exemplare des bewährten Typs auf Lager! In den Tüten sind die Ohrstanzen für die BVD-Untersuchung, die nach dem Einziehen der Ohrmarken zweimal wöchentlich ans Labor geschickt werden.





















So sieht es dann im Buch aus. Was ursprünglich mal eingetragen werden sollte steht zwar abgekürzt oben drüber aber es wird schon seit Ewigkeit anders gemacht. Auf die linke Seite kommen die Färsenkälber, auf die rechte die Bullenkälber. Vorne stehen die letzten fünf Stellen der Ohrmarke, dann Geburtsdatum, Geburtsgewicht, Geschlecht, Ohrmarke der Mutter, wenn eine Erstkalbende, bei Mehrkalbskühen freigelassen, Geburtsverlauf, Stallnummer der Mutter, Besamungsdatum und Bulle. Zum Schluss der rote Haken für die erfolgte Anmeldung. DB steht für Deckbulle, da meist auf der Weide gedeckt muss für die Eingabe am Computer ein plausibles Datum für die Bedeckung (- 279 Tage) und der zugehörige Bulle rausgesucht werden.

Benjamin




Donnerstag, 10. Dezember 2015

Wieviel frisst eine Kuh?

Irgendwann lernt man mal die Faustzahl 20 kg Trockenmasse pro Tag für eine melkende Kuh. Zum groben Überschlagen ganz gut geeignet, aber die Abweichungen davon sind doch erheblich. Eine Kuh mit Vollweide und wenig Zufütterung wird das nicht schaffen, dafür hat das frische Gras einfach zu viel Wasser. Eine trockenstehende Kuh, die gibt zwar keine Milch, liegt bei 12 - 13 kg TM, vor allem weil man die mit viel "stopfendem" Stroh füttert, dass sie nicht fett wird. Und eine Kuh die an den 70 l Milch am Tag kratzt wird eher Richtung 30 kg TM fressen.

Weil momentan auf der Milchviehanlage in Pinnow im Gegensatz zu Boberow und Garlin nicht so recht zusammenpasst was wir vorne bei der Rationsberechnung errechnen und hinten im Milchtank ankommt (Menge, Inhaltsstoffe) soll jetzt wöchentlich die Futteraufnahme bestimmt werden. Was vom Mischwagen vorgelegt wird und das Restfutter wiegen, wenn es in den Feststoffdosierer der Biogasanlage kommt.
Dazu werde ich dann mit dem Koster-Tester (siehe Post 28.09.2015) die Trockensubstanz der Mischungen bestimmen, weil nur in der Trockenmasse und nicht im Wasser die Nährstoffe sind.
Als Ergebnis soll dann rauskommen, wie viel die Kühe tatsächlich fressen und ob die Fütterung dahingegend angepasst werden muss.

Benjamin

Samstag, 5. Dezember 2015

Mack

Heute nun über das jüngste Kalb, das auch ein Besonderes ist.

Mack ist das dritte Kalb von Laura (Nr. 1054), aus der damals ersten Färsengruppe, die unter meiner Zuständigkeit im Sommer 2013 abkalbte. Genau wie Schecke (Nr. 1408).

Gestern früh gegen 6 Uhr wurde er geboren. Im Vorfeld durfte schon wie im letzten Jahr beim zweiten Kalb (siehe Post vom 17.12.2014) ihre Taufpatin die möglichen Namen raussuchen - Lauren für ein Kuhkalb und Mack für ein Bullenkalb, nach dem Vater Macperl.

Benjamin




Freitag, 4. Dezember 2015

Anja

Über das aktuelle drittjüngste Kalb in Boberow, das am Montag geboren und Anja genannt wurde.

Ihre Mutter ist Nr. 2205, übrigens die erste Kuh, die die führende 2 ans Halsband bekommen hatte (siehe Post vom 26.10.2015), nachdem sie ihres verloren hatte und ein neues gemacht werden musste.

Die Abstammung ist Kayne x Jurus x Laudan x Dixie-Ned x Blacky
Da habe ich im Archiv vom Superkuh, das als Vorgänger-Kuhplaner vom Herde immer noch auf dem Computer ist bis tief in die 1990er gesucht und doch nicht mehr als 5 Generationen gefunden.

Für die züchterisch Interessierten hier die Daten ihrer Mutter:

4 abgeschlossene Laktationen
4. Lak. 8.966 kg Milch; 3,61%  Fett, 3,18% Eiweiß
3. Lak. 10.446 kg Milch; 3,79%  Fett, 3,19% Eiweiß
2. Lak. 8.374 kg Milch; 4,02%  Fett, 3,37% Eiweiß
1. Lak. 7.350 kg Milch; 3,84%  Fett, 3,15% Eiweiß
38.582 kg Lebensleistung;  16,2 kg Lebenstagsleistung

Zuchtwerte:
RZG 95
RZM 91; -68 kg Milch; +0,06% Fett, + 3 kg Fett; -0,07% Eiweiß, -9 kg Eiweiß
RZE 89; Typ 97, Körper 82, Fundament 95, Euter 97
RZS 107
RZN 106
RZR 105

Benjamin