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Dienstag, 4. November 2025
Wasserversorgung
Wie für alle Lebewesen ist für Rinder Wasser das wichtigste Lebensmittel und die Wasserversorgung hat ein entsprechenden Stellenwert.
Mein Blick auf Wasser wurde sehr durch eine Anekdote geprägt, die mal mein damaliger Tierarzt erzählt: Bei ihm im Studium fragte in einer Vorlesung der Professor was eine Kuh zum Milchgeben bräuchte. Es kamen alle mögliche Antworten, bloß nicht Wasser.
Wasser macht 87 % der Milch aus und sämtliche Rindern brauchen neben den Stoffwechselprozessen auch für die Pansenverdauung Wasser. Beim Pansen kann man sogar über die Wasseraufnahme den Entwicklungsstand beim Kalb feststellen (siehe auch Post vom 23.11.2016).
Die Wasserversorgung ist ein fast so großes Thema wie die Fütterung, bloß zur Futtermittelauswahl und der Rationsberechnung gibt es keinen entsprechenden Gegenpart:
- Bedarfsmengen
- Qualität (ggf. Aufbereitung)
- Hygiene
- Technik (Leitungen, Tränken, Frostschutz)
- Reinigung
Die DLG hat dieses Jahr ein neues Merkblatt "Wasserversorgung für Rinder" erstellt mit einem umfangreichen Inhalt:
Ein passendes Symbolfoto für eine Tränke habe ich gar nicht sondern eher solche:
Das ist auch ein wichtiges Kriterium für eine Tränke: Sie muss es aushalten wenn eine Kuh darin steht um ihre Vorderfüße abzukühlen. Das sind zwar nur wenige Spezialistinnen, aber dann regelmäßig.
Benjamin
1510
Donnerstag, 28. Juli 2022
Vorschub im Silo
Vor zweieinhalb Wochen hatte ich mit einem meiner Kollegen eine Diskussion über die richtige Entnahme im Silo. Er war der Meinung relativ dicke Schichten auf einmal zu entnehmen aus Gründen der Arbeitseffektivität, weil es schneller geht. Ich war dagegen der Meinung, möglichst dünne Schichten zu entnehmen, dass man schneller vom ganzen Silostock im Querschnitt entnommen hat und der Sauerstoff erneut anfangen muss einzudringen.
Die Diskussion blieb erstmal ohne Ergebnis und ich beschloss mal wieder den Silovorschub zu ermitteln. Das habe ich schon paar Mal gemacht, nachdem ich das 2015 beim Fütterungslehrgang in Iden gelernt hatte: Man malt mit Fettstift in regelmäßigen Zeitabständen Striche an die Silomauer.
Zur Silierung siehe Post vom 19.09.2021.
Der Vorschub ist wichtig, denn von der Anschnittsfläche aus dringt Sauerstoff in den Silostock ein und stört die stabilen Verhältnisse. So kriegen dann Mikroben Sauerstoff die die Silage verderben und die wird warm, daher der Begriff Nacherwärmung. Man muss quasi schneller die Silage entnehmen als der Sauerstoff eindringt.
Faustzahlen sind im Sommer 2,5 m Vorschub pro Woche, im Winter 1,5 m. Für das "Sommerhalbjahr" April bis Oktober wären das 75 m, für das "Winterhalbjahr" November bis März 33 m. Maissilage und Grassilage, vielleicht noch mehrere Schnitte oder noch andere Silagen, da werden es schnell viele Silometer. Und Silos sind meistens zu breit und hoch, hoch daher weile Höhe relativ günstig ist. Der letzte Meter an Höhe braucht nur Silomauer. Und die Breite zum bequem Abladen, bei 20 - 24 m Breite kann man mit einem Zug aus 2 HW80 direkt im Silo abkippen, was schneller geht als allen anderen Verfahren.
Meine Markierungen sind auf dem Foto nicht zu sehen, daher habe ich sie nachgemalt. Die sind jeweils 40 cm vor der Anschnittsfläche weil am Rand immer nicht bündig abgeschlossen werden kann. Beim letzten "Strich" stand noch bisschen mehr und da habe ich eine Markierung in die Silage geritzt. Unten liegt der Zollstock als Größenvergleich. Vom 13. bis 21.Juli waren es rund 2,5 m, vom 21. bis 28. Juli rund 2,3 m. Also etwas unter den empfohlenen 2,5 m.
Benjamin
Montag, 22. November 2021
Kraftfutter - Energie
- zur Übersicht der Fütterungsserie -> hier -
Neben dem Grundfutter gibt es das Kraftfutter, das sind die Futtermittel die in Form von Energie und Eiweiß zusätzliche Kraft für die Leistung - bei unseren Milchkühen die Milchleistung bringen.
Der große Unterschied zum Grundfutter ist der, dass Kraftfutter alleine ein Rind nicht ernähren kann da es zu wenig Rohfaser für die Pansentätigkeit enthält. Es kann bei ausreichender Rohfaserversorgung durch das Grundfutter zusätzliche Energie und Eiweiß liefern.
Wie beim Grundfutter auch wird beim Kraftfutter in energie- und proteinreich unterschieden. Energiereiche Kraftfuttermittel sind hauptsächlich verschiedene Getreidearten die Stärke als pansenverfügbare Kohlenhydrate liefern:
Geschrotet oder gequetscht aus den ganzen Körnern mit Mehlkörper, Schale und Keimen:
- Gerste
- Weizen
- Roggen
- Triticale
- Hafer
Mais ist wirklich vielseitig einsetzbar, neben der Hauptverwendung als Maissilage auch als
- geschroteter Körnermais
- Lieschkolbenschrot (LKS), die ganzen Maiskolben werden samt Spindel und den Lieschblättern außenrum gehäckselt und einsiliert
- Corn-Cob-Mix (CCM) bzw. Korn-Spindel-Gemisch; die ganzen Maiskolben, aber ohne die Lieschblätter werden zermahlen und einsiliert
CCM und vor allem LKS haben wegen den Spindel bzw. den Lieschblättern dann etwas mehr Rohfaser als purer Körnermais.
Beispiel: Gerste
Einordnung: Kraftfuttermittel, energiereich.
Trockensubstanz: 86 - 88 %.
Energie: 8,1 MJ NEL
Eiweiß: 12 %
Rohfaser: 6 %
Stärke: 60 %
Die Inhaltsstoffe sind auf die Trockenmasse bezogen, häufig wird es beim Kraftfutter auch auf die Frischmasse bezogen, denn der Wassergehalt ist recht gering und hat im lager- und handelsfähigen Zustand keine großen Schwankungen. Dienstag, 16. November 2021
Saftfutter
- zur Übersicht der Fütterungsserie -> hier -
Saftfutter sind die Futtermittel die nicht so recht in die Einteilung Grundfutter und Kraftfutter passen. Meist haben sie eine höhere Energiekonzentration als Grundfutter und eine geringere Trockensubstanz als Kraftfutter. Von der geringen Trockensubstanz her auch der Name Saftfutter.
Hauptsächlich sind es Nebenprodukte aus der Lebensmittelverarbeitung, die so über das Rind verwertet und in weitere Lebensmittel umgewandelt werden können. Da in vielen dieser Verarbeitungsprozessen die Kohlenhydrate gewonnen/benötigt werden ist das Saftfutter dann meist proteinreich.
- Rübenpressschnitzel aus der Zuckergewinnung
- Biertreber vom Bierbrauen
- Schlempe aus der Alkoholproduktion
- DDGS (Dried Distillers Grains with Solubles), Trockenschlempe; bei uns meist das Protigrain aus Weizen. In Idaho damals habe ich viel Mais-DDGS gesehen, in den USA als größten Körnermaisproduzent wird viel Ethanol aus Mais gewonnen.
- Kartoffelpülpe aus der Produktion von Kartoffelstärke.
- Zitrustrester aus der Orangensaftpressung
Außerdem zählen Futterrübe, Zuckerrübe und Kartoffel dazu.
Auf den Fotos ist Pressschnitzelsilage (im Fahrsilo silierte Pressschnitzel) zu sehen. Vom Silostock her sieht es von Weitem wie Maissilage aus, ist aber weißlich statt gelb-braun von der Farbe:
Benjamin
Donnerstag, 4. November 2021
Stroh und Heu
Zum Grundfutter gehört auch Stroh und Heu.
Die Definition ist landläufig nicht besonder beskannt, aber sehr einfach: Die gesamte Pflanze getrocknet ist Heu, die Pflanze ohne Samen ist Stroh. Als Beispiel las ich mal in einer Studie im Journal of Dairy Science von Haferheu als Futter und bei der Grasvermehrung bleibt nach dem Dreschen Grasstroh übrig.
Heu und Stroh sind die ältesten konservierten Futtermittel, da die Trocknung leichter zu beherrschen ist als die Silierung. Zudem ist Heu und Stroh besser handelbar, Silage allenfalls als Wickelballen, die dann wegen dem höheren Wassergehalt eine geringere Transportwürdigkeit haben und wegen der Folie anfälliger sind. So wird Luzerneheu in größerem Stil aus den USA in den arabischen Raum verschifft.
Es gibt zwei Einsatzzwecke: Einmal zur Versorgung mit Rohfaser und dann zur "Verdünnung", denn der Rohfasergehalt ist vergleichweise hoch und der Energie- und Proteingehalt niedriger. So kann in der Jungviehaufzucht das Wachstum über den Strohanteil gesteuert werden: Mehr Stroh ist weniger Energiegehalt und dazu weniger Futteraufnahme, denn die absolute Rohfaser (genauer die NDF, siehe hier) ist der limitierende Faktor für die Pansenkapazität, das Wachstum nimmt dann ab.
Die Partikellänge ist sehr wichtig, denn alles über 2 cm Länge können die Rinder aussortieren. Das habe ich 2013 erlebt, als in die Kuhrationen Rapsstroh kam. War halt da. Bloß Rapsstroh ist auch mit der Strohmühle sehr schwer zu häckseln, sodass viele Partikel von 5 bis 10 cm Länge dabei waren. Der Futterrest bestand dann zum größten Teil aus diesen; schön sauber geleckt.
Üblich ist Wiesenheu vom Dauergrünland und beim Stroh die häufigen Getreidearten, Gerste wird aber bevorzugt genommen, da mit der höchste Nährwert im Vergleich und Gerste ist gegenüber Weizen doch ein gutes Stück krankheitsunanfälliger. Denn die ganzen Pilze die Weizen befallen können hinterlassen auch Pilzgifte und das muss man den Pansenmikroben nicht unbedingt antun.
Einordnung: Grundfuttermittel
Getreidestroh :
Trockensubstanz: > 85 %.
Energie: 3,5 MJ NEL
Eiweiß: 4 %;
Rohfaser: 40 - 45 %
keine Stärke und Zucker
Benjamin
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