Freitag, 28. Februar 2020

Nach Ranzig - Teil 1

Letzte Woche bei der Milchtour ging es zur Betriebsbesichtgung zur Agrargenossenschaft Ranzig eG auf die Milchviehanlage Stremmen. Für mich die erste Exkursion in diesem Jahr und auch eine schon lange geplante. Der Produktionsleiter ist ein Studienkollege von mir und da stand ein Besuch schon seit 2012 auf der Liste, wenn auch fast am anderen Ende Brandenburgs schon etwas weiter weg. Nun war die Milchtour endlich ein Anlass dafür.

Die AG Ranzig ist eine der Genossenschaften die sich nicht auf eine einzelne Tierart oder sogar reinen Ackerbau spezialisiert sondern sich breiter aufgestellt hat. Es werden Rinder und Schweinehaltung in ihrem ganzen Umfang betrieben, dazu Schlachtung und Direktvermarktung in mehreren Fleischerläden. Mehr Infos unter www.agrar-ranzig.de und www.landfleischerei-ranzig.de.

Der Milchviehbereich ist in den letzten Jahren in die Spitzengruppe in Brandenburg aufgerückt mit über 11.500 kg Jahresleistung und auch von der Zucht her. So wird intensiv Embryotransfer betrieben und einige Färsen stehen auf der ET-Station in Nückel, wo wir sie auch bei der letzten Testherdentagung gesehen haben (vgl. Post vom 11.06.2019). 

Die weiblichen Tiere werden im Programm KuhVision alle genomisch typisiert, wobei das genetische Niveau im Vergleich zu allen KuhVision-Betrieben in Deutschland durchschnittlich ist bei weit überdurchschnittlichen Kennzahlen. Das ist der Unterschied zwischen Genotyp und Phänotyp, was genetisch vorhanden ist und was daraus gemacht wird, denn die Genetik macht nur 10 - 20 % aus, Haltung, Fütterung und Management haben einen viel größeren Einfluss.

Der Kuhstall für die melkenden Kühe wurde 2003 umgebaut, ursprünglich zwei Typenställe L203 (siehe auch Post vom 09.01.2017), die miteinander verbunden wurden und auf beiden Seiten noch angeschleppt. Von den ursprünglichen Ställen sind nur noch die Ständer und Dachkonstruktionen übrig und der Innenraum komplett umstrukturiert, auf gut 70 m Breite 12 Liegeboxenreihen und 3 Futtertische. Durch die große Breite ist die Querlüftung im Sommer problematisch, sodass viele Lüfter und in einigen Gruppen auch eine Berieselungsanlage installiert sind.
Standard-Futterisch-Perspektive am mittleren Futtertisch:




















Quer vor dem Stall ist die Futterhalle. Als Futtergrundlage dienen Gras-, Mais- und Luzernesilage. Mit den typischen Brandenburger Standortbedingungen - Sandböden mit durchschnittlich 24 Bodenpunkten und Vorsommertrockenheit - wird neben dem Maisanbau insbesondere auf Ackergras gesetzt mit einem Umfang von 300 ha. Ziel ist es für 2020 damit so viel Silage im ersten Schnitt zu ernten, dass davon die Milchkühe das ganze Jahr gefüttert werden können, durchgehend mit höchster Qualität und ohne Leistungseinbußen durch Fütterungsumstellungen. Die ganze restliche Grassilage der Folgeschnitte vom Ackergras sowie vom Dauergrünland geht dann an die Mutterkühe, Jungvieh und Mastrinder. Ein wirklich interessanter Ansatz.
Gefüttert wird mit zwei Personen, eine ist der eigentliche Fütterer und die andere holt die Silage von den Silos in die Futterhalle. Der Mischwagen (Trioliet Solomix 2-1600, 2-Schnecken Vertikalmischer mit 16 m³, und Claas Arion 430 davor) macht pro Tag 25 Mischungen für sämtliche Rinder der Genossenschaft und auch die Boxeneinstreu. Nach drei Jahren ist der nun verschlissen, mal wieder ein Beispiel für hohe Maschinenauslastungen:




















Farbtupfer in der Herde sind einige Jerseys, mit knapp 1.000 Kühen in Brandenburg sind die noch seltener als Rotbunte. Ganz typisch neugierig und gleich vorne am Gatter:




















Fortsetzung folgt!

Benjamin

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