Samstag, 30. November 2024

Eurotier 2024 - Teil 2

Im Kuhblog habe ich schon mehrfach über Landtechnik mit Elektroantrieben geschrieben (siehe auch Post vom 08.11.2023). Elektrische Antriebe bieten mit der Möglichkeit der Nutzung selbsterzeugten Stroms von Photovoltaikanlagen auf den Stalldächter und von Biogasanlagen für die Güllevergärung die Milchviehhaltung unabhängiger von fossilen Treibstoffen mit ihren Sanktionen und Boykotten zu machen.

Mit dem Fortschritt in der Batterietechnik werden es immer mehr Anwendungen und Fabrikate, die dann auch auf der Eurotier ausgestellt werden.

Von Faresin der Leader PF Full Electric ein selbstfahrender Futtermischwagen und der 6.26 Full Electric, ein Teleskoplader der wie ich sie nenne 2x2-Klasse - 2 m breit, 2 m hoch. Der Leader ist aktuell aber nur was für kleinere Betriebe mit 14 m³ und 4 Mischungen pro Akkuladung:



 













 

Sgariboldi Koala 2,5 Cart. Ein elektrisch angetriebener Mischwagen mit 2,5 m³ Inhalt, der von einem Weidemann e-Hoftrac geschoben wird - die vorderen Stützräder sieht man auf dem Foto nicht:



 









 

Westermann CM2 Pro E-Lectric. Die elektrische Ausführung des Spaltenschiebers Cleanmeleon, der normalerweise einen Benzinmotor hat. Für die Arbeit im Stall ist der Elektroantrieb ohne Abgase und vor allem wegen der weit geringeren Lautstärke ideal:












 
 
 
Benjamin
 
 
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Sonntag, 24. November 2024

Eurotier 2024 - Teil 1

Auf der diesjährigen Eurotier war ich nicht gewesen. Dafür aber mein Bruder, von ihm stammen die Fotos. 
Einen Überblick über die Neuheiten und Medaillen hatte ich schon halbwegs, was man so aus der Presse mitbekommt.
 
Der Trend ist weiterhin ganz klar die Digitalisierung, Alles was unter Künstlicher Intelligenz verkauft wird, Automatisierungstechniken und was mir aufgefallen ist: Verstärkt Aktivitätsmessungssysteme für Jungrinder.

Silbermedaillengewinner Easyfill von Hiko. Im Deckel für den Tränkeeimer ist ein ventilartige Öffnung, dass man den Eimer mit der Dosierpistole vom Milchtaxi nachfüllen kann ohne den Deckel abnehmen zu müssen:























Silbermedaillengewinner Atmowell von SKW Piesteritz zusammen mit Betebe. Ein Mistschieber der Ureaseinhibitor auf die Laufgangflächen sprüht um Ammoniakemissionen zu reduzieren:
 























Melkroboter von Afimilk, bei dem ein Roboterarm im Side-by-Side-Melkstand an der Grubenkante entlang fährt und wie ein Melker die Kühe vormelkt und die Melkbecher ansetzt. Ein Roboter kann bis zu sieben Melkplätze bedienen, maximal wäre ein Doppel-30er Melkstand möglich. Also dann 10 Roboter. Es wird aber trotzdem ein Melker benötigt, der gegebenfalls eingreifen kann, so wie beim Robotersystem. Das System soll in bestehende Melkstände nachrüstbar sein und in Deutschland dann von Lemmer Fullwood vertrieben werden:































Kuhn Aura, autonomer Futtermischwagen. Ein selbstfahrender Fräsmischwagen, der ohne Fahrer unterwegs ist. Der ganze Fräsarm ist seitenverschiebbar, um ohne Rangieren am Silostock mehrere Bahnen nebeneinander abfräsen zu können:
 























Peecon/USA Equipment Vierschnecken Vertikalmischwagen mit Quadremfahrwerk und 60 m³ bzw. 2200 Kubikfuß, was aber 62 m³ wären. Mit drei NIR-Sensoren in der Wanne. Leergewicht 25 t und 30 t Zuladung und mindestens 300 PS Leistungsbedarf. Bei der Studienreise in Idaho vor zehn Jahren habe ich dort einige Peecons mit 3 Schnecken und 45 m³ gesehen:
 



 

 









Von Urban das Messemodell eines EcoProtector UV-C (vgl. Post vom 09.01.2024) ohne MilkShuttle hinten dran. Weil da gäbe es Nachfrage nach der UV-Desinfektion als alleiniges Gerät ohne das Milchtaxi immer dafür nehmen zu müssen:





 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fortsetzung folgt!

Benjamin


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Dienstag, 12. November 2024

Prüfverfahren

Seit Oktober gibt es in Rheinland-Pfalz (bzw. LKV Rheinland-Pfalz-Saar) bei der Milchleistungsprüfung auch die Prüfmethode B zur Auswahl. (-> Link). Das hat mich gewundet, dass die bisher ausschließlich mit der Prüfmethode A gearbeitet haben.
 
Das Prüfverfahren steht oben rechts auf dem Milchkontrollbericht. Das Eigene kennt man halt und kann es auch erklären: BL42. Betriebseigene Prüfer, konstante Probe, Vier-Wochen-Rhythmus und zweimaliges Melken. Diese Informationen sind wichtig für den LKV zur Hochrechnung der Leistung. Die Milchleistungsprüfung gibt es seit Ende des 19. Jahrhunderts und da sind mittlerweile Milliarden an geprüften Gemelken zusammen gekommen, sodass mit Hilfe dieser Datengrundlage aus den relativ wenigen Gemelken (ein Tag pro Monat) sehr sicher die Jahresleistung errechnet werden kann.

Vom Bundesverband Rind und Schwein die Richtlinie zu den Verfahren für die Durchführung der Milchleistungsprüfung. Da steht dann Alles detailiert drin, wovon ich nur einen Bruchteil wusste.

Vier Stellen des Prüfverfahrens.
1. Prüfmethode
 A - durch Prüfbeauftragte des LKV
 B - durch betriebseigene Probennehmer; das sind in den Neuen Ländern um die 75 %
 C - Kombination von A und B, da habe ich noch nie davon gehört
2. Prüfschema
 Da gibt es sehr viele Verschiedene. Häufige sind:
 S - anteilige Probe; vom Gemelk wird eine proportionale Probe genommen. z.B. 15 Liter  
 morgens werden 10 ml Probe genommen und abends bei 20 Liter dann 13,3 ml oder bei
 12 Liter 8 ml.
 B - konstante Probe; von jedem Gemelk wird eine gleich große Probe genommen, z.B. je 10  
 ml.
 M - alternierende Probe; es wird nur eine Probe bei einer der Melkzeiten genommen, einen 
 Monat morgens, einen Monat abends.
 E - beim Roboter werden 24 h lang Proben anteilig von allen Gemelken genommen, 
 wodurch die Anzahl der Gemelke aus der die Probe genommen wurde zwischen den Kühen 
 schwanken kann.
3. Prüfintervall; das geht von D für täglich und die Zahlen von 1 bis 9 für Wochen. 4 für alle vier Wochen (einmal im Monat bzw. 11 mal im Jahr bei einem Monat Pause) sind üblich. Das ist ein guter Kompromiss aus Aufwand und Genauigkeit.
4. Melkfrequenz; Melkungen pro Tag; 2, 3 oder R für Melkroboter.

Mein Verfahren ist das oben erwähnte BL42 - Betriebseigene Prüfer, konstante Probe, Vier-Wochen-Rhythmus und zweimaliges Melken.
Die Probenflaschen werden in der Vorbereitung den Kühen zugeordnet und wenn man die Probe der Kuh hat dann in die jeweilige Flasche.
Vollautomatische Anzeige der Flaschennummer: siehe Post vom 23.06.2015.
 
Wie ich das Probennehmen im Studium auf meinem Stammbetrieb LVAV Hofgut Neumühle gelernt habe, da kann ich mich nicht an die genaue Bezeichung des Prüfverfahrens erinnern. Ich würde sagen es war BS12. Die Doktorandin machte die nachmittägliche Melkzeit und ich als angegliederter Bachelorand die morgendliche. Es wurden jeden Sonntag/Montag Proben genommen um im Fütterungsversuch genügend Werte und auch Entwicklungen in der Leistung bzw. Milchinhaltsstoffen abdecken zu können. Seit einigen Jahren machen sie das auf der Neumühle immer wöchentlich, davor wurde während den Versuchen wöchentlich und außerhalb normal vierwöchig gemacht.
Bei der anteiligen Probe lief das damals mit einem alten Palm (16 MB-SD-Karte!) in dem die Kuhnummer und die Milchmenge (von der Anzeige des Terminals) eingegeben wurde. Abends wurden die Probenflaschen fortlaufend vergeben. Das waren kleine Kästen mit 50 Flaschen und 42 Kühe im Versuch zu beproben. Jede Probe waren 10 ml. Morgens wurde wieder die Kuhhnummer und Milchmenge eingegeben und dann angezeigt wieviel in welche Probenflasche gegeben werden musste.

Benjamin


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