Donnerstag, 30. Juni 2022

Größenklassen

Als ich noch in den Alten Bundesländern war hatte ich eine ganz andere Größeneinschätzung von Milchkuhbetrieben als ich es heute habe.

Die Höfe in Rheinland-Pfalz haben eine durchschnittliche Herdengröße von 70 Kühen, in den Neuen Bundesländer sind es um die 400. In den staatlichen Statistiken sind es als etwas mehr als 200, aber die sind nicht nachvollziehbar.

Der Landeskontrollverband Rheinland-Pfalz-Saar unterteilt seine Mitgliedsbetriebe in die Klassen 20 bis 50, 50 bis 100, 100 bis 250 und über 250 Kühe.
Der Landeskontrollverband Mecklenburg-Vorpommer dagegen unterteilt in die Klassen bis 200, 200 bis 500, 500 bis 1.000 und über 1.000 Kühe. 
Solche Klasseneinteilungen sind halt nicht universell anwendbar.
 
Vor vielleicht zwei Jahren hatte ich mir mal an einem ruhigen Samstagnachmittag bei einer Kontrollrunde Gedanken zu einer Größeneinteilung gemacht und bin von der organisatorischen Seite heran gegangen.

Bis 50 Kühe: Kleinstbetrieb; Nebenerwerb oder kleiner Betriebszweig. Jeder muss alle Arbeiten können. Sehr viele Kompromisse.
50 bis 300 Kühe: Kleinbetrieb; gewisse Spezialisierung der Arbeitskräfte.
300 bis 1.000 Kühe: Mittlerer Betrieb; Spezialisierung der Arbeitskräfte, Ansätze von Schichtarbeit, Terminierte Arbeiten.
1.000 bis 3.000 Kühe: Großbetrieb; Schichtarbeit, (fast) 24-h Tierbetreuung.
Mehr als 3.000 Kühe: Sehr großer Betrieb; mehrere parallele Stalleinheiten.
 
Benjamin

Sonntag, 26. Juni 2022

Neuntes Jubiläum

Heute ist der 26. Juni und da ist als das Jubiläum des Kuhblogs. Mittlerweile das Neunte.

Diese neun Jahre waren ereignisreich und so ist dies heute der 1387. Post.

Zu den Statistiken des letzten Jahres:
 
Die beliebtesten Posts waren:
 
Die ausgekugelte Hüfte ist damit auf den zweiten Platz der ewigen Liste der beliebtesten Posts vorgerückt und INRA 95 steht auf dem 8. Platz.
 
Suchanfragen die ich einzelnen Posts zuordnen konnte:
"INRA 95" in allen möglichen Schreibweisen; Posts vom 07.08.2021 und 19.12.2021
"Milchviehanlage Gressow"; Posts vom 22.03.2016 und 23.03.2016
"Alte Melkmaschine"; Post vom 02.07.2018

Benjamin

 

 



Donnerstag, 23. Juni 2022

Wachstum steuern

Dieser Post ist über eine Zukunftsvision, bei denen es bisher nur an der praktischen Umsetzung gescheitert ist. Das Konzept ist ausgearbeitet und nichts Großartiges, aber in der breiten Praxis und auch bei uns eine nicht übliche Verfahrensweise.
 
Jungvieh in größerem Stil wiegen und auch im BCS (Body Condition Score) einzustufen kenne ich nur von meinem Stammbetrieb Hofgut Neumühle. In Sargleben werden die Färsen meist nur ein einziges Mal gewogen ob sie schwer genug (> 400 kg) sind für die Zulassung zur Besamung.
 
Im Nordosten wird man sehr von der Landesforschungsanstalt Mecklenburg-Vorpommern geprägt, die insbesondere ihre Untersuchungen auf die Daten des ProFit-Testherdenprogramms  beziehene. Also eine breite Grundlage und für mich unter passenden Bedingungen.
Aus dem Datenmaterial abgeleitet die Empfehlungen für die Tageszunahmen in der Jungviehaufzucht:
- Bis 6 Monate Alter: Keine Limitierung, alles was geht, denn hier findet das Organwachstum statt und es wirkt die metabolische Programmierung, dass ein gut versorgter Körper sich grundsätzlich darauf einstellt und so für Höchstleistungen bereit ist.
- 6 bis 12 Monate Alter: 850 g pro Tag. Darüber geht die Energie in Fett, das nicht nur mit dem hohen Energiegehalt sehr teuer erfüttert ist sondern auch zu Problemen führen kann (Fruchtbarkeit, enge Geburtswege). Dieser Umstieg auf Fettansatz kann man tierindividuell am BCS feststellen, ich sage dazu "wird speckig". Aber da ist es eingentlich schon zu weit.
- ab 12 Monate 750 g pro Tag.
 
Das Wachstum ist am besten mit regelmäßigen Wiegungen zu kontrollieren. Das wird auch empfohlen, ist aber nur wenig verbreitet.

Von den Zunahmen aus kann man dann nach oben oder unten steuern.
Vom Verdauungsystem her können Rinder eine bestimmte Menge fressen, begrenzender Faktor ist die Kapzität des Pansens, was er an Faser verdauen kann. Das ist relativ konstant und beträgt pro 100 kg Lebendmasse ("Körpergewicht") 500 - 600 g Rohfaser bzw. 1.000 - 1.200 g NDF aus dem Grobfutter am Tag.
Hat das Futter weniger Faser (z.B. Maissilage) fressen die Rinder mehr kg davon, hat es mehr Faser (z.B. Stroh) fressen sie weniger. Da Faser und Energie ziemlich gegenläufig sind lässt sich ein Optimalpunkt finden bei dem zur benötigten Faser auch die benötigte Energie passt. 

In der praktischen Umsetzung ist das meist die Veränderung des Strohanteils in der Ration. Das berechnen wir aber (aktuell noch...) nicht anhand der Futteraufnahme und dem ermittelten Bedarf sondern nach Gefühl. Wobei da die Reaktionszeiten sehr lang sind und man das erst an der Entwicklung der Färsen in die falsche Richtung bemerkt.
Höherer Strohanteil --> mehr Gehalt an XF/NDF --> geringere Futteraufnahme und geringerer Energiegehalt --> geringere Energieaufnahme --> weniger Wachstum.
Geringerer Strohanteil --> geringerer Gehalt an XF/NDF --> höhere Futteraufnahme und höherer Energiegehalt --> höhere Energieaufnahme --> mehr Wachstum. 

Mit der genauen Einstellung auf ein Wachstum soll dann mein zukünftiges Systen für die optimale Anzahl der Trächtigkeiten (siehe auch Post vom 12.06.2022) bei jeder Färse mit bekanntem Gewicht und bekanntem Zyklus den optimalen Zeitpunkt für die Erstbesamung bestimmen.

Benjamin
 

Sonntag, 19. Juni 2022

Zelldifferenzierung

Die Zelldifferenzierung ist ein Analyseverfahren das der LKV mittlerweile im Rahmen der Milchkontrolle routinemäßig anwendet.

Dabei wird die Zellen in der Milch noch einmal differenziert um neben der Zellzahl an sich noch weitere Rückschlüsse auf die Eutergesundheit zu ziehen.

Es wird unterschieden in Makrophagen sowie Granulozyten und Lymphozyten. Die Makrophagen sind die Fresszellen die überall im Körper die erste unspezifische Immunabwehr gegen eindringende Erreger stellen. Im Euter machen sie die übliche Abwehr und erst bei größeren Infektion kommen die spezialisierten Granulozyten und Lymphozyten dazu, die die Euterenzündung als sichtbaren Teil ausmachen und in ihrer großen Anzahl für die Flocken in der Milch sorgen.

Mit der Zelldifferenzierung wird dieses Verhältnis zueinander ermittelt, angegeben im DSCC (Difference Somatic Dell Count), also Zellzahldifferenz. Das ist eine Prozentzahl wieviel % der Zellzahl Granulozyten und Lymphozyten sind. Über 65 gilt es als Entzündungsprozess.

Der DSCC wird in unter und über 65 % unterteil und die Zellzahl in unter und über 200.000, weil das der international üblichere Wert für eutergesunde Kühe ist als die 100.000 in Deutschland. Angesichts der Bandbreite der möglichen Zellzahlen bei Euterentzündungen ist dieser Unterschied aber nicht besonders relevant.
Es ergeben sich vier Felder:
A (grün): Zellzahl unter 200.000, DSCC unter 65%: eutergesunde Kühe
B (orange): Zellzahl unter 200.000, DSCC über 65 %:  beginnende Entzündungen
C (rot): Zellzahl über 200.000, DSCC über 65 %: akute Entzündung
D (blau): Zellzahl über 200.000, DSCC unter 65 %, abklingende Entzündung, chronische Mastitis, bei der mehr Makrophagen anwesend sind.
 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
In der praktischen Anwendung kann man damit ableiten wo eine Kuh im Prozess einer Euterentzündung bei der Milchkontrolle ist.
Das finde ich schon etwas schwierig, da von den Kühen mit über 200.000 Zellen der Großteil in Feld C landet und von denen unter 200.000 auch ein Teil in Feld B. Da erscheint gut ein Viertel der Kühe als beginnend/momentan/abklingen/chronisch euterkrank. 

Als Schluss habe ich aber daraus nach mehreren Monaten Datensammeln gezogen das Schema des selektiven Trockenstellens (siehe auch Post vom 27.02.2019) anzupassen. Drei Mal unter 100.000 Zellen ist der Versuch eine stabile eutergesunde Kuh zu definieren. Wenn ich stattdessen eine Kuh aus dem Feld A nehme ist sie nach der Zelldifferenzierung eutergesund. Mit der Zellzahlgrenze von 200.000 dabei ergibt sich gegenüber den 3x 100.000 Zellen eine Einsparung von antibiotischem Trockenstellen von noch einmal einem Drittel. Bedenken habe ich dabei keine, denn wenn man sich die Zellzahlverläufe der Kühe anschaut sehen die in Ordnung aus, aber oft die 100.000 Grenze nicht alle drei Mal erreicht.

Benjamin

Mittwoch, 15. Juni 2022

Aktuelles vom Mais

Nach Raps und Gerste fehlt noch die wichtigste Ackerkultur für unsere Kühe: Der Mais. Robust und Ertragsstark. Für mich als Herdenmanager ist der Mais erstmal aus pflanzenbaulicher Sicht wichtiger als das Gras, weil nur eine Ernte pro Jahr und damit gravierendere Folgen durch die Qultät möglich.
Die Ertragsstärke kommt vom Stoffwechsel als C4-Pflanze, die bei der Photosynthese Verbindungen mit vier Kohlenstoffatomen aufbauen statt mit dreien bei den C3-Pflanzen, die fast alle anderen Kulturpflanzen stellen.
Der C4-Weg ist eine Art Turbolader der diese Pflanzen sehr effizient macht, so braucht (nicht verbrauch!) Mais für die Bildung eines kg Trockenmasse 250 l Wasser, Getreide (C3) 450 - 550 l, Luzerne und Klee (beide auch C3) 600 - 800 l.
Ein Nachteil gibt es aber weshalb die C4-Pflanzen nicht die ganze Welt erobert haben: Der Temperaturanspruch. Mais keimt erst ab 8 °C und ist in der frühen Entwicklung frostempfindlich (Eisheiligen). Bei Herbstfrösten stirbt er gleich ab, was eigentlich nicht so das Problem ist.

Mais kann auch bei trocken-heißen Bedingungen länger Stoffwechsel betreiben als andere Pflanzen, wenn der Mais aber die Blätter einrollt ("Yuccapalme") ist es schon starker Trockenstress.

Dieses Jahr ist der Mais gut gestartet und hat jetzt um die 6 Blätter. Nach den BBCH-Stadien die die Pflanzenentwicklung einstufen ist das BBCH 16. Da ich damit nicht tagtäglich zu tun habe verwende ich dafür den Agrar-Bestimmer von Bayer.
Das Wettrennen gegen das Unkraut hat er schon gewonnen und braucht nur noch Wasser bis zur Ernte.

Benjamin 
 

 

Sonntag, 12. Juni 2022

Zukünftiges Konzept

Wo ich mich in letzter Zeit wieder etwas mehr mit der verlängerten Laktation beschäftigt habe kam mir dabei der Gedanke dass man das "Laufenlassen" von brünstigen Kühen nicht gegeneinander abwägen könnte. Auf der einen Seite die Kühe nicht mehr krampfhaft tragend bekommen wollen und auf der anderen Seite die mit einer schlechteren Persistenz zu bevorzugen.

Hintergedanke dabei sind die gleichmäßigen Abkalbungen über das ganze Jahr verteilt. Also strikt asaisonal, keinerleit Abkalbespitzen im Jahresverlauf. Diesen Ansatz habe ich damals vom Herdenmanagerlehrgang mitgenommen: Wenn Abkalbeflaute ist gewöhnt man sich an diesen Zustand und schafft es bei der nächsten Abkalbespitze nicht mehr ordentlich. Oder man freut sich wenn im Kälberstall mal etwas Luft ist und dann gibt es wieder Zeiten in denen in jede Gruppe ein zusätzliches Kalb muss, Verkürzung der Tränkedauer, überfüllte Transitgruppe usw.
Also gleichmäßige Abkalbungen über das ganze Jahr um mit gleichbleibender Qualität und Effizienz arbeiten zu können.

Theoretisch wären das gleich viele Abkalbungen jeden Tag. Die Tragedauer streut aber um mehrere Wochen. Bei reinrassigen Holsteins (Holsteinkuh mit Holsteinbulle) sind es bei uns im Durchschnitt 278 Tage, innerhalb von +/- 3 Tagen liegen um die 53 %. So müsste man hinkommen jede Woche die gleiche Anzahl Kalbungen zu schaffen. 

Die folgenden Zahlen habe ich auf eine Herde von 1.000 Kühen bezogen, da ich in diesen mittlere bis großen Dimensionen unterwegs bin und es zudem nicht zu viele Stellen hinter dem Komma werden.
Mit der verlängerten Laktation nehme ich mal 950 Kalbungen im Jahr für die 1.000 Kühe an. Bei einer Remontierungsrate von 25 % sind davon 250 Kalbungen von Färsen.
950 Kalbungen im Jahr sind durchschnittlich 2,6 pro Tag, davon 0,7 von Färsen und 1,9 von Kühen. Insgesamt 0,9 weibliche Kälber für die Nachtzucht und 1,7 Mastkälber.
Die Färsen bilden den Grundstock der Abkalbungen. Dass jeder Tag zusätzliche Zwischenkalbezeit bei den Kühen 2 € kostet ist längst überholt, bei den Färsen kostet jeder Tag zusätzliches Erstkalbealter aber definitiv, denn sie geben noch keine Milch und nehmen auch Platz in der Jungviehaufzucht weg. 
Bei den Färsen ist der Zyklus bei entsprechender Brunstbeobachtung und Dokumentation bekannt und mit Wiegungen und Steuerung des Wachstums (dazu könnte ich auch mal einen Post schreiben) kann der Besamungszeitpunkt vorhergesagt werden.
Die Kühe füllen dann die Trächtigkeiten bis zu den 2,6 pro Tag auf. Da sie sich bei der verlängerten Laktation in der "Warteschleife" in einem stabilen Zyklus befinden können sie aus den anstehenden brünstigen Kühen ausgewählt werden. Mit zu berücksichtigten Faktoren wie Persistenz (Vorlaktation, Zuchtwert wenn es ihn dann gibt), Besamungserfolg, Abortrtae und Bedarf an weiblicher Nachzucht, dass man nicht die Trächtigkeiten für einen Tag alle gesext besamt und dann wieder der Kälberstall überlastet ist.
Und da das zu umfangreich bis unübersichtlich wird aus den ganzen anstehenden Brunsten gerade die richtigen Kühe und Färsen auszuwählen muss das computerbasiert erfolgen. Als Basis ein modernes Brunsterkennungssystem das über 95 % der Brunsten erfasst und dann Datenvernetzung mit Allem was es gibt. Künstliche Intelligenz wird es dafür wahrscheinlich nicht brauchen, aber entsprechende Algorithmen und lineare Programmierung.

Als Beispiel wie ich mir das so vorstelle:

3 Färsen sind brünstig und haben das passende Gewicht, bei 70 % Besamungserfolg wird mit 2,0 Trächtigkeiten zur Abkalbung gerechnet.
6 Kühe nach Ablauf der freiwilligen Wartezeit sind in der "Warteschleife" brünstig, bei einem Besamungserfolg von 55 % und 0,6 benötigten Abkalbungen werden dann 2 davon ausgewählt, nach Abwägung der Laktationskurven zueinander.
Eine Kuh wegen ihrer guten Eigenleistung und eine Färse wegen ihres genomischen Zuchtwerts werden mit weiblich gesextem Sperma besamt, die anderen mit Fleischrindersperma. 
Im Wochenmittel mit den Besamungen der anderen Tage geht es wieder auf mit 18 Trächtigkeiten, davon 6 Zuchtkälber.
 
Der Zeitrahmen für die Verwirklichung wird eher Jahrzehnte als Jahre dauern. Wobei ich mich natürlich auch total verschätzen kann. Zweite Hälfte der 2030er peile ich mal an.
 
Benjamin

Mittwoch, 8. Juni 2022

Verlängerte Laktation - Teil 5

Mein Versuch zur verlängerten Laktation hatte ich 2017 vorzeitig abgebrochen (siehe auch Post vom 15.06.2020).
Aus heutiger Sicht war das vorschnell aufgegeben und als Fazit kam dann doch was dabei raus: Es hätte mehr Vorbereitung gebraucht wo die Herde bezüglich Rastzeiten und Güstzeiten überhaupt steht, was ich im Nachhinein dann gemacht habe. Den Zeitrahmen wie lange der ganze Versuch überhaupt dauern wird, nach vier Monaten war nicht mal eine Tendenz auszumachen. Und als wichtigste Erkenntnis: An der Puerperalkontrolle kommt man nicht rum. Das war die Jahre zuvor nicht aufgefallen als die Kühe mit 65 Tagen schon zur Sterilitätsuntersuchung gingen und halt noch unsauber waren. Wenn man sie aber für einen späteren Zeitpunkt "parken" will muss vorher von der Fruchtbarkeit her alles in Ordnung sein.
 
Das Thema hat mich aber trotzdem nicht losgelassen, ich sehe dabei fast nur Vorteile. Die letzten Jahre war es eher bei der Brunstbeobachtung Kühe noch mal drei Wochen "laufen" zu lassen bis zur Besamung oder bei Sterilitätsuntersuchungen wenn sie gesund waren, wie z.B. keine Zysten.
 
Allgemein hat sich durchgesetzt die Freiwillige Wartezeit nicht fix über alle Kühe zu erhöhen sondern individuell. 
Bei meinem Versuch hatte ich die Formel: Spitzenleistung in kg x 2 = Freiwillige Wartezeit in Tagen. Dabei hatte ich den Fehler am 30. Tag die bis dahin höchste Tagesleistung als Spitzenleistung anzunehmen. Eigentlich um am 40. Tag, der damals üblichen Freiwilligen Wartezeit die individuelle schon zu haben. Die allermeisten Kühe erreichen ihre Spitzenleistung aber später, oft zwischen dem 50. und 60. Tag. Dürfte eine bis anderthalb Wochen ausgemacht haben..
 
Als sehr praktikable Variante mache ich es zur Zeit folgendermaßen: Wenn ich eine brünstige Kuh sehe schaue ich im HERDE mobil nach. Wenn sie schon mal besamt war wie lange her, dass es vom Zyklus her passen könnte. Wenn sie noch nicht besamt ist nach den Laktationstagen und der aktuellen Milchleistung. Dabei aktuelle Milchleistung x 2,5 = freiwillige Wartezeit, bei Erstkalbskühen x 3,5. Die 2,5 entsprechend recht gut Sptzenleistung x 2. Die Jungkühe x 3,5 auch wieder wegen der niedrigeren Spitzenleistung und besseren Persistenz.
 
Fortsetzung folgt!
 
Benjamin


Samstag, 4. Juni 2022

Reifende Gerste

Der Raps ist seit gut zwei Wochen verblüht und es folgt für mich jetzte Anfang Juni der nächste optische Höhepunkt im Pflanzenbaujahr: Die reifende Wintergerste.
 
Die Pflanzen sind längst "fertig", jetzt reifen nur noch die Körner. Die Halme sind noch flexibel und bei Wind wiegt das gesamte Feld hin und her, mit den Grannen wirkt das dann irgendwie samtig.

Gerste ist für die Kühe eine sehr wichtige Pflanze, einmal das Futtergetreide schlechthin, auch wenn in Brandenburg wegen der leichten Böden ganz klar der Roggen dominiert.
Gerstenstroh ist das beste Futterstroh vor allem wegen der Hygiene, denn bei Gerste gibt es im Vergleich zu Weizen viel weniger Pilzbelastungen, deren Gifte dann die Pansenmikroben stören können.
 
Benjamin



Mittwoch, 1. Juni 2022

Große Erfindungen - Melkmaschine - Teil 3

Zur Melkmaschine gehören auch die Bauformen. Die kann man in verschiedene Gruppen unterteilen: Für Anbindehaltung, Einzelmelkstände, Gruppenmelkstände und Roboter.
 
Klassisch für Anbindeställe bzw. Heute eher in Laufställen für im Fressgitter fixierte Kühe:
- Mobile Melkmaschine
Diese von National hatte mein Großvater von 1967 bis 1972 im Einsatz. Die langen Milch- und Pulsschläuche waren extra verlängert worden, dass alle vier Kühe von einer Position aus gemolken werden konnten. Man beachte das für die damaligen Milchmengen ausgelegte Sammelstück:



 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- Eimermelkanlage (EMA)
- Rohrmelkanlage (RMA)

Einzelmelkstände, bei denen die Kühe hintereinander gemolken werden:
- Durchtreibemelkstand
- Tandemmelkstand/Autotandem (AT)

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Die Melkkarusselle sind da vom Ablauf her auch dabei.
Innenmelkerkarusselle mit den Bauarten
- Tandemkarussell
- Fischgrätenkarussell

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- Radialkarussell
- Außenmelkerkarussell in Side-by-Side

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Gruppennelkstände:
- Fischgrätenmelkstand

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- Side-by-Side bzw. Parallel (SbS)

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Dabei sind Schnellaustrieb und Swing-Over Ausstattungsvarianten.
 
Roboter:
- Einzelbox

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- Doppel- und Mehrbox

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- Roboterkarusselle, Innenmelker in Fischgrätenform oder Außenmelker in Side-by-Side. 



 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Benjamin

Samstag, 28. Mai 2022

Große Erfindungen - Melkmaschine - Teil 2

Über die Bestandteile der Melkmaschine:

Die Vakuumpumpe erzeugt das Vakuum um die Milch abzusaugen und die Zitzengummis zu bewegen. Meist ist es eine Drehschieberpumpe wie bei einem Kompressor-Güllefass. 
Dazu gehören ein Vakuumregelventil und ein Pufferbehälter um Schwankungen in der Vakuumhöhe z.B. durch Lufteinbrüche an den Melkzeugen auszugleichen. Sowie ein Manometer zur Kontrolle.
 
Pulsatoren, die das Vakuum quasi ein und ausschalten und sich so die Zitzengummis im Zitzenbecher bewegen . Vakuum - Zitzengummi öffnet sich und Milch fließt, Normaldruck - Zitzengummi schließt sich. Öffnen und Schließen verläuft in vier Phasen was eine Wissenschaft für sich ist. Diese vier Phasen dauern ca. 1 Sekunde, diesen Takt hört man deutlich am Klacken der Pulsatoren. Das empfinde ich als entspanndes Geräusch beim Melken weil einer ruhigen Herzfrequenz entsprechend.

Die Melkzeuge mit den Zitzengummis:
 
Zitzengummi. Die gibt es in rund, dreieckig und viereckig, in Silikon oder Gummi mit unterschiedlichen Kopfweiten. Als Monoblock, bei dem Zitzengummi und der kurze Milchschlauch zum Sammelstück aus einem Stück bestehen oder als klassischer Zitzengummi mit separatem kurzen Milchschlauch, bei denen sich dann ein Schauglas zur Kontrolle des Milchflusses dazwischen befindet.
Auf dem Foto ist ein runder Monoblock aus Gummi von DeLaval (glaube bei denen gibt es gar keine Zitzensilikone). Das Maßband daneben dient als Größenvergleich.


 



 

 

 

 

 

 

 

 

Melkzeug in Melkposition damals bei meiner simulierten Kuh (vergleiche auch Post vom 02.05.2017), weil sauber und schön ausgerichtet.

1 - Zitzenbecher, hier aus Kunststoff, weil dadurch ca. 200 g leichter, was am Tag über eine halbe Tonne ausmacht.
2 - kurzer Pulsschlauch
3 - kurzer Milchschlauch mit dem dazwischen gefügten Injektor für die Melkzeugzwischendesinfektion.
4 - Pulsverteiler zu den einzelnen Zitzenbechern
5 - Sammelstück, auch Zentrale genannt
6 - langer Milchschlauch vom Sammelstück zur Milchleitung
7 - zwei lange Pulsschlüche vom Pulsator zum Pulsverteiler
8 - Abnahmekette, häufiger eine Abnahmeschnur
9 - hier ist bei separatem Zitzengummi statt Monoblock das Schauglas


 




 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Milchleitung die zur Milchschleuse bzw. Milchabscheider führt, bei der die Milch im Vakuumstrom nach unten fällt zur Milchpumpe die sie zum Milchfilter transportiert.
Über der Milchschleuse ist das Ausdehnungsgefäß in dem die Milch bei überfließender Milchschleuse fließt, weil z.B. einfach zu viel Milch auf einmal kommt oder der Milchfilter mit zu viel Stroh und Dreck bei schlecht gereinigten Eutern verstopft ist und die Milchpumpe nicht gegen den Widerstand ankommt. Im Ausdehnungsgefäß schwimmt dann ein Ball auf und sperrt die Vakuumversorgung ab. So kann keine Milch dahin gelangen und die Piulsatoren und Vakuumpumpe verunreinigen/beschädigen. 
 
Die Spülleitung mit den Spülaufnahmen. Dabei werden zur Reinigung der Melkmaschine die Melkzeuge statt an die Euter an die Spülleitung angeschlossen und die Reinigungslösung im Kreis gemolken. Über einen Spülautomaten eird das Reinigungsprogramm abgespielt mit Vorspülen, Hauptspülen und Nachspülen. Mit saurem oder alkalischen Reinigungsmittel oder als Kochenwasserreinigung.
 
Es gibt eine Reihe weiterer Ausstattungsmöglichkeiten für Melkmaschinen. 

Automatische Melkzeugabnahme, die bei nachlassendem Milchfluss zum Melkende das Vakuum abschaltet, sodass das Melkzeug nicht mehr am Euter haften bleibt und es mit einer Schnur (oder Kette) wegzieht.

Milchmengenmessgerät, hier der linke zylindrische Behälter, der rechte ist der Probennehmer für die Milchkontrolle. Das ist das DeLaval MM15 (Milkmeter), funktioniert als "Wiegetasse" über die Gewichtskraft. Es gibt auch welche mit Infrarottechnik. Für mich ist die Milchmengenmessung schon immer Standard gewesen und das wichtigste Managementwerkzeug, weil man daraus so viel über Gesundheit und Fütterung ableiten kann.


 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tiererkennung und Melkplatzterminals. Die Tiererkennung mit Halsband/Fuß/Ohrmarkentransponder. Damit kann man die Milchleistung einer Kuh zuordnen und an den Terminals auch Informatioenn zu jeder gerade gemolkenen Kuh anzeigen lassen.

Stimulation. Es dauert ca. 45 Sekunden bis die Kuh das Oxytocin ausschüttet und die Milch in die Euterzisterne einschießt. Beim Melkkarussell ist es recht einfach weil die Kuh diese Zeit braucht vom Vormelken bis zum Ansetzender Melkzeuge zu fahren. Im Fischgräten/Side-by-Side-Melkstand kann man nicht nacheinander bei einer Kuh Vormelken, Abputzen und Ansetzen, weil dann das Melkzeug schon am Melken ist, aber noch keine Milch fließt was schädlich für das Euter ist. Also entweder mehrere Kühe nacheinander Vorbereiten oder eine Stimulation. Dabei wird die Freuquent der Pulsatoren erhöht (so 150 pro Minute) was ein flatterndes Geräusch gergibt. Die Zitzenbecher bleiben am Euter haften, aber es fließt keine Milch weil sich die Zitzengummis zu schnell öffnen und schließen. Wenn der Milchfluss einsetzt bzw. nach eine bestimmten Zeit wird auf die normale Melkpulsation umgeschalten.

Zwischendesinfektion der Zitzenbecher nach jeder Kuh um Übetragungen von Krankheitserregern von Kuh zu Kuh zu vermeiden. Da gibt es verschiedene Systeme, Backflush das über den langen Milchschlauch das Sammelstück und die Zitzenbecher durchspült und bei Airwash von DeLaval mit deutlich weniger Wasser in die kurzen Milchschläuche einspritzt.

Automatische Dippsysteme, die beim Abnehmen der Melkzeuge die Zitzen gleich dippen. Ausführlicher im Post vom 14.03.2019.

Benjamin

Dienstag, 24. Mai 2022

Große Erfindungen - Melkmaschine - Teil 1

Jetzt kommen die letzten Folgen der Miniserie über die großen Erfindungen für die Milchkuhhaltung.

Das Melken ist die grundlegende und auch heute noch zeitlich umfangreichste Arbeit in der Milchproduktion. Daher ist die Melkmaschine die wichtigste Erfindung.

Beim Handmelken sind der Melkleistung biologische Grenzen gesetzt. Einmal die Oxytocinausschüttung im Gehirn, wenn die Kuh nach dem Vormelken die "Milch laufen lässt" analog dem Säugen des Kalbes. Das wirkt nur so 7 bis 8 Minuten, ungefähr was ein Kalb an Zeit für eine Mahlzeit braucht.
Beim Handmelken muss der Melker die Kuh in dieser Zeit ausgemolken haben. Früher bei den Zootechnikern war das Ausbildungsziel 1 kg pro Minute,das war schon ambitioniert und für mich persönlich sehe ich es als unerreichbar an. Einerseits habe ich "nur" Vormelken gelernt und nie auf Leistung und andererseits sind die Euter der heutigen Kühe auf das Melken mit der Melkmaschine gezüchtet mit deutlich kürzeren und dünneren Zitzen, die schwerer von Hand zu melken sind.
 
Die Melkmaschine kann deutlich schneller melken, auf allen vier Strichen gleichzeitig und mit entsprechender Auslegung auch so schnell wie die Kuh die Milch hergibt. Im Testherdenprogramm wird für die Melkbarkeit (RZD) bei Erstkalbskühen nach 50 Tagen rum das Minutengemelk erfasst, das liegt meist um die 2,5 kg/min. Bei älteren Kühen mit höherer Leistung können es auch 4 - 5 kg/min sein. Das wurde züchterisch so bearbeitet als man die Melkmaschinen zur Verfügung hatte.
Und die Melkmaschine kann mehrere Kühe gleichzeitig melken, der größte Melkstand den ich bisher gesehen habe hatte 100 Plätze.
 
Melkmaschinen wurden schon Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt, mit allen möglichen Verfahren wie man versuchte die Milch aus der Kuh zu bekommen. Wovon viele nicht erfolgreich waren und auch nicht der Gesundheit der Kuh zuträglich.
Irgendwann setzte sich das bis heute verwendete Saugmelkverfahren durch, bei dem die Bewegung beim Handmelken bzw. die Zunge des saugenden Kalbs nachgeahmt wird.
Die Zitze wird in den Zitzenbecher aus Stahl oder Kunststoff gesteckt. Im Zitzenbecher ist der Zitzengummi (aus Gummi oder Silikon) Über die Pulsation im Melkbecherzwischenraum mit Unterdruck (ca. 40 kPa bzw. 0,6 bar absolut) und Normaldruck bewegt sich der Zitzengummi und führt an der Zitze eine Melkbewegung aus. Im Innenraum des Zitzengummis bzw. im fortführenden Milchschlauch liegt auch der Unterdruck an und saugt die ermolkene Milch ab.
In den 1950er bis 1970er Jahren verbreiteten sich die Melkmaschinen, was für Arbeitserleichterung und einen Produktivitätssprung sorgte. 
Das kann man leicht ausrechnen: Bei ca. 35 Mrd. kg Milch die die deutschen Kühe im Jahr geben wären bei trainierten Handmelkern 500 Mio. Arbeitsstunden nötig, macht knapp 300.000 Melker, die aber ausschließlich melken und die es bei Weitem nicht gibt. In Zeiten vor der Melkmaschine gab es einfach genug Leute für das Handmelken.

Benjamin

Freitag, 20. Mai 2022

Schalmtest

Die letzten Tage habe ich viele Schalmtests gemacht bei Kühen die in der letzten Milchkontrolle sehr hohe Zellzahlen hatten aber keine akuten Euterentzündungen.

Der Schalmtest heißt auch California Mastitis Test, kurz CMT, was eine schöne Abkürzung ist. Kann man gut auf eine voruntersuchte Kuh mit Fettstift draufschreiben "CMT iO".

Beim Schalmtest reagieren die Zellen in der Milch mit der Testflüssigkeit und anhand der Reaktion kann man die Zellzahl abschätzen. Nicht in absoluten Zahlen sondern in relativen Größenordnungen.

Zuerst wird die Kuh vorgemolken, um wie beim normalen Melken den Dreck aus den Strichkanäle rauszuspülen. Dann wird jedes Viertel auf die Schalmtestplatte gemolken, mit der Testflüssigkeit versehen und geschwenkt, dass es sich vermischt und reagiert.

Das Ergebnis unterteile ich in meiner Arbeit in vier Stufen:
CMT 0 = nur Farbänderung durch die Testflüssigkeit.
CMT + = Schlierenbildung, leicht erhöhte Zellzahl
CMT ++ = wird zäh, stark erhöhte Zellzahl
CMT +++ = verklummt, das sind Millionen Zellen und sieht man aber meist schon beim Vormelken.

Benjamin


Montag, 16. Mai 2022

Umfrage zum RZRobot

Vor 7 Jahren, zur Zuchtwertschätzung Dezember 2014 (ZWS 1412) führte der Deutsche Holstein-Verband (DHV) als Dachorganisation der Holsteinzucht in Deutschland den RZRobot ein. Der Relativzuchtwert Robotereignung berechnet für Besamungsbullen die Tauglichkeit der Töchter für automatische Melksysteme.

Melkroboter gibt es nun seit 30 Jahren und haben sich in der Landwirtschaft etabliert Wieviel Prozent der Kühe mit Robotern gemolken werden weiß ich nicht, aber seit vielen Jahren werden mehr Melkanlagen mit Roboter als mit konventionellen Melksystemen gebaut (Anzahl, nicht Kapazität). Und wie der Umstieg von Handmelken auf Melkmaschinen neue Anforderungen an die ideale Kuh stellte so sind es beim Melkroboter wieder andere. Dies ist vor allem das Ansetzen der Zitzenbecher, denn der Melker ist da bei der Erkennung und Korrekturbewegungen extrem leistungsstark.
Damals war ich aber schon der Auffassung dass Melkroboter nicht nur die Zukunft sein werden sondern auch robotertaugliche Kühe im Melkstand leichter zu melken sind. Mein Maßstab ist da das Euter bei dem man die Zitzenbecher blind ansetzen kann weil sich die Zitzen dort befinden wo man sie erwartet.

Den Weg andersrum kann man auch gehen, als Beispiel das Milchgut Görlsdorf die für ihr Melkkarussell jahrzehntelang leicht melkbare Kühe gezüchtet haben und davon extrem beim Umstieg auf das Roboterkarussell profitierten (siehe auch Post vom 04.06.2018).

So ist der RZRobot aus Einzelzuchtwerten zusammengesetzt:






 
 
 
 
 
 
Melkbarkeit (RZD) ist der Milchfluss pro Minute, denn wenn die Kühe schneller Melken kann der Roboter am Tag mehr Kühe bedienen.
Fundament ist der Exterieurkomplex als Hilfsmerkmal wie gut die Kühe zu Fuß sind, denn sie müssen ja selbstständig zum Melken laufen und werden nicht abgeholt.
 
Jetzt will der BRS (Bundesverband Rind und Schwein, in dem der DHV aufgegangen ist) den RZRobot überarbeiten und macht hierfür eine Umfrage unter Landwirten mit Melkroboter bzw. Perspektive auf Melkroboter.


Meine Hauptverbesserungsvorschläge sind die Exterieurmerkmale Fundament und Euter durch die zeitgemäßen und genaueren Gesundheitszuwerte RZKlaue und RZEuterfit zu ersetzen und die Mindestanforderung von 100 Punkten RZRobot für die Veröffentlichung aufzuheben. Denn "ohne RZRobot" ist eine große Masse an Bullen von RZRobot 70 bis 99 und einer mit 98 oder 99 käme schon in Frage wenn er andere Stärken hat.

Benjamin

Donnerstag, 12. Mai 2022

Wieder was Neues

In der Milchviehhaltung in mittleren bis großen Maßstäben kriegt man doch über die Jahre einige seltene Sachen mit.
 
Diese Woche war es eine Kuh die in der Milchleistung stark eingebrochen war und wir keine Ursache dafür finden konnten. Sie wurde bei der Trächtigkeitsuntersuchung unserem Tierarzt mit vorgestellt und er hatte schnell eine Diagnose: Gebärmutterverdrehung. Da war ich etwas ungläubig weil die Kuh erst 180 Tage tragend war. Das ist dann eine Torsio uteri ante partum - Verdrehung der Gebärmutter vor der Geburt. Mit meinen verbleibenden Lateinkenntnissen kann ich mit dem Begriff etwas anfangen.
Gebärmutterverdrehungen sind meist ein Geburtsproblem und recht selten, kann mich gut an eine 2015 erinnern, das war zwar bei den Umständen zum Glück kein traumatisches aber sehr prägendes Erlebnis.
Aus Interesse habe ich mal reingefasst und rektal konnte ich nur ertasten, dass was Hartes drin ist, ob das die Verdrehung selber war kann ich nicht sagen. Rektalisieren habe ich im März 2011 auf der Neumühle gelernt um Kotproben für den Luzerneversuch zu nehmen. Mehr als "Füllstand" Enddarm und Kotkonsistenz kann ich da nicht bestimmen.
Vaginal (Handschuh gereinigt!) war es eindeutig, nicht gerade zum Muttermund hin sondern hat zwischendrin ein Knick nach rechts weg gemacht.

Aufdrehen geht in dem Stadium nicht und das Kalb ist bereits tot weil die ganzen Blutgefäße abgeschnürt sind. Da das Kalb aber noch "frisch" war konnte die Kuh noch geschlachtet werden, dafür braucht es aber ein veterinärmedzinisches Begleitschreiben mit der Diagnose weil sie nahe an der rechtlichen Grenze vom zweiten zum dritten Trächtigkeitsdrittel war.

Mittlerweile bin ich nach "8.000 Kuhjahren Erfahrung" soweit, dass ich solche Ereignisse als schlimm aber glücklicherweise recht selten einordne.

Benjamin

Montag, 9. Mai 2022

Rapsblüte 2022

Wie jedes Jahr gibt es im Kuhblog ein Foto von der Rapsblüte.

Und auch wie jedes Jahr zur Bedeutung des Raps: Die wichtigste Ölfrucht im deutschsprachigen Raum und nach Gras die zweitwichtigste Proteinquelle in der Rinderfütterung.

Eigentlich dachte ich dass dieses Jahr nach dem nicht übermäßige strengen aber dafür sehr langem Winter mit Nachtfrösten bis weit in den April hinein die Blüte sehr spät ist. Wie ich aber jetzt nachgeschaut habe wann es in den letzten Jahren als soweit war ist der 7./8. Mai gar nicht so selten; letztes Jahr war es nach dem ebenfalls langen Winter um den 11. Mai rum.

Gestern am Sonntag, den 8. Mai. Bei dem tollen Wetter ist es eindeutig eines der besseren Rapsblütenfotos geworden:

Benjamin
 

 

Donnerstag, 5. Mai 2022

Neues Fressgitter

Auf dem St. Wendelinhof der TH Bingen gab es jetzt für die melkenden Kühe ein neues Fressgitter. 
 
Die Modernisierung im Kuhstall läuft seit nunmehr fast zwei Jahren. Im Herbst 2020 gab es neue Liegeboxenbügel und Kuhmatratzen (siehe Post vom 02.10.2020) und  kurz darauf die Stallbeleuchtung (siehe Post vom 28.08.2021). Das Fressgitter hatte sich so verzögert weil die Montage nicht dierekt von der Technischen Hochschule beauftragt wurde sondern über den Landesbetrieb für Immobilien lief.

Bisher war das ein Schwedenfressgitter mit Fangvorrichtung gewesen (siehe auch Post 20.07.2019), das stammte von 2001 als der Stall von Anbindestall auf Laufstall mit Melkroboter umgebaut worden war. Der Vorteil vom Schwedenfressgitter ist die Eignung für Kühe mit Hörnern, da sie den Kopf nicht "durchfädeln" müssen. Nachteil ist die untenliegende Verriegelungsstange die damit deutlich schmutzanfälliger ist.

Das ist das neue Fressgitter. Genauer ein Sicherheits-Selbstfangfressgitter. Selbstfang ist der Mechanismus mit dem sich die Kühe selber Einfangen wenn sie den Kopf durchstecken. Bei der entsprechenden Halsweite können sie nicht mehr raus, weil der Kopf hinter den Ohren breiter ist.
Sicherheit bedeutet die Kuh kann den Kopf oben und unten rausziehen wenn das Gitter geöffnet wird, so kann eine gestürtzte Kuh den Kopf rausziehen ohne Aufstehen und den Kopf bis zur oberen Öffnung heben zu müssen.
Dann kommt noch der Einfädelschutz dazu und zwar unten das Blech und über dem Schanier der gebogene Stab die verhindern dass sich Kühe mit dem Halsband im Gitter verfangen können.
Das Gitter ist geschweißt und die senkrechten Rohre sind geschraubt, so kann man die Halsweite auf die Herde einstellen. Wenn Kühe mit dickerem Hals sich nicht einfangen oder solche mit kleinem Kopf rausschlüpfen können. Beides zugleich in der Herde kommt bei Kühen eigentlich nicht vor.
 
Hersteller ist die Firma Agritubel aus Frankreich, Typ ist Fiabilis.
 
Benjamin



Sonntag, 1. Mai 2022

Nach Diera

Diese Woche war ich bei einer Veranstaltung des IVM (Interessenverband Milcherzeuger) und zwar eine Exkurion zur Milchhof Diera KG in Diera bei Meißen in Nordsachsen.

Landschaftlich bei strahlendem Sonnenschein und beginnender Rapsblüte sehr reizvoll, mit dem Weinanbau an der Elbe und auf der gegenüberliegenden Elbseite die Lommatzscher Pflege, ein Ackerbaugebiet mit Lössböden hat es mich schon an meine alte Heimat in Rheinhessen erinnert; aber halt mit Kühen.

Der Milchhof Diera ist recht bekannt (z.B. hier ein Artikel in der Elite); mit einer Jahresleistung von knapp 13.000 kg pro Kuh bzw. 968 Fett-Eiweiß-Kilo der zweitbeste Betrieb in Sachsen. Also ein Name den man kennt.
Entstanden ist der Betrieb nicht als LPG-Nachfolger sondern als Wiedereinrichter durch drei Familien in einer GbR und später von zwei der Familien in eine KG umgewandelt.
Der Betrieb ist über die letzten 30 Jahre schrittweise gewachsen, sodass der Hof deutlich breiter als lang ist mit vier Ställen mit fünf Futtertischen und insgesamt 25 Liegeboxenreihen nebeneinander.

Der neuste Stall von 2021 ist der Reprostall für Trockensteher und Abkalber. Auf der einen Seite des Hauptreibewegs der alle vier Ställe verbindet drei Reihen Liegeboxen für die Trockensteher und auf der anderen Seite zehn Abkalbeboxen.
Jede der Abkalbeboxen ist für sechs Kühe vorgesehen mit Platz für bis zu acht bei Abkalbespitzen. In den ersten beiden Boxen werden die gerade abgekalbten Kühe gesammelt bis sie in die Frischmelkergruppe können oder auch mal eine Kuh die nicht über das Karussell (Lemmer Fullwood 50er Außenmelker mit Inline-Milk-Analyser) gehen kann.

Von der Konzeption her die Umsetzung meiner perfekten Abkalbebox (siehe auch Posts vom 29.03.2021 und 31.03.2021). Von der Traufseite her voll befahrbar zum Ausmisten; zwischen zwei Boxen sind abwechselnd massive Mauern (rechts zu sehen) oder Abtrennungen mit integriertem Fangplatz für Geburtshilfe (links). Im Fressbereich ist durchgehend eine Rohrmelkanlage über dem Fressgitter und unten am Barren eine Sprühleitung um den Laufgang anzufeuchten dass sich kein Schmierfilm bildet. Im Fressgang sind keine Zwischentore sondern Hubschranken, das vereinfacht das Umstellen zwischen den Boxen:
 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Besonderheiten des Betriebs:
- Alle Liegeboxen als Tiefboxen die mit Strohpellets eingestreut werden. Vor dem Einstreuen werden die Pellets eingeweicht, quellen dann auf und zerbröseln. Von der Optik liegt das irgendwo zwischen feinem, sehr trockenem Gärrest, Sonnenblumenschalen und Sand.
- Alle Ställe sind mit Fressgittern ausgerüstet. Das ist bei der Herdengröße schon ungewöhnlich aber aus der Geschichte des Betriebs entstanden, dass immer mit Fressgittern gearbeitet und nie ein Selektionsbereich benötigt/gebaut wurde.
- Im Sommerhalbjahr wird Frischfutter gemäht und einmal am Tag in die Ration eingemischt und nicht sparat gefüttert um den Effekt der TMR nicht zunichte zu machen. Ursprünglich mal aus Futtermangel begonnen ist es heute auch wegen der positiven Effekte auf die Fruchtbarkeit (Art Flushfütterung).
- Ein kleiner Teil der Herde sind Jerseys, die genau wie die Altmelker nur zwei statt dreimal täglich gemolken werden und die Milch wird separat erfasst und unter einer eigenen Lieferantennummer an die Molkerei verkauft.
- Die tragenden Färsen sind auf einen Zweigbetrieb 45 km weit entfernt ausgelagert.
- Eine Milchtankstelle am Melkhaus. Original Dieraer Kuhmilch.
- Als Detail ist mir der intensive Einsatz von Karabinerhaken für verschiedenste Anwendungen aufgefallen wie verbiegesichere Sturmhaken an den Stalltoren und jerseytaugliche Lecksteinhalter.

Ein Foto mit gleich drei der Besonderheiten: Jerseys im Fressgitter und TMR mit eingemischtem Grünfutter:
 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Noch einmal vielen Dank an Hrn. Schlunke für die tolle Führung!
 
Benjamin

Mittwoch, 27. April 2022

Agra 2022 - Teil 2

Das Schöne an der Agra ist die Kombination aus Tierhaltung und Pflanzenbau, es gibt beides zu sehen.

Bei den Mähdreschern habe ich ausschließlich Bandschneidwerke (Draper) gesehen, man hatte fast den Eindruck es gebe keine Schneckenschneidwerke mehr. Da wollten alle Hersteller zeigen dass sie mittlerweile welche im Angebot haben. Mal abgesehen von John Deere mit einem 45 Fuß (13,7 m) am X9 waren die anderen für die Mähdreschergrößen aus Platzgründen als die schmalsten Ausführungen.
Hier ein Case-IH AxialFlow mit einem MacDon FlexDraper von 9 m. Das hat einen flexiblen Messerbalken der sich der Bodenkontur anpassen kann für Kulturen mit tiefem Fruchtansatz wie Sojabohnen oder Erbsen:
 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Nach zweieinhalb Jahren Messepause waren sehr viele Maschinen für mich neu, die hatte ich noch nicht live gesehen sondern nur auf Fotos. Besonders fiel mir das bei dem aktuellen "Gesicht" der Case-Traktoren auf. 
Richtig überrascht war ich darüber dass die neue Dammann ProfiClass Tridem ausgestellt war, die erste Anhängespritze mit Tridem-Fahrwerk und 20.000 l Fassinhalt. Von der hatte ich bisher nicht mal Fotos gesehen sondern nur CAD-Grafiken. Und dann steht man vor dem Riesenteil. Dieses Exemplar wird beim Agro-Team Unseburg in der Magdeburger Börde zum Einsatz kommen:
 

 
 
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Ein Nachtrag noch zum vorletzten Post: Blick in einen Sgariboldi Gulliver 6014. Das ist ein selbstfahrender Fräsmischwagen, ein Paddelmischer mit integriertem Strohhäcksler und Behälterdeckel. Oben links im Bild sieht man das Förderband das von der Fräse (bzw. Strohhäcksler) kommt. Sgariboldi hat eigentlich auf jeder Messe an einem der ausgestellten Mischwagen eine Plattform stehen, dass man reinschauen kann.

Benjamin
 

 

Sonntag, 24. April 2022

Agra 2022 - Teil 1

Am Freitag war ich auf der diesjährigen Agra in Leipzig. Die fand letztmals 2019 statt und damals war ich nicht dort weil es wegen der Arbeitseinteilung nicht geklappt hatte. So ist es halt mit Kühen, die brauchen 365 Tage im Jahr Betreuung. Letztmals war ich also 2017 dort, auch schon wieder 5 Jahre her...

Und die letzte Messe überhaupt die ich besucht habe war die Agritechnica 2019 (siehe auch Posts vom 27.11.0219 und 30.11.2019). Nach zweieinhalb Jahren "Endlich wieder Messe!" wie es letztens die DLG geschrieben hatte.

In den Hallen waren einige Flächen frei, wahrscheinlich genauso zur Seuchenprophylaxe wie die aufgedrehte Lüftung, die merkte man deutlich. 

Zur aktuellen Stimmung in der Landwirtschaft fiel mir vor allem auf, dass die Vertreter der (Mineral-)Futterfirmen der Meinung waren, dass die Milchpreise ja so kräftig gestiegen wären.
Zwar waren im März die Milchpreise im Durchschnitt so + 35% zum Vorjahr, aber:
Kraftfutter + 55 %
Diesel + 50 % 
Mineraldünger + 100 - 200 %
Es ist aktuell nur eine abartig hohe Inflation und man kann nur hoffen, dass die EZB mal den Arsch hochkriegt...
 
Bei der Tierausstellung war nach der langen Zeit der Geruch der Holzhackschnitzel ungewohnt und auch dass die Rinder auf der Agra immer noch angebunden gezeigt werden, auf der Mela sind sie seit 2015 freilaufend (siehe Post vom 14.09.2015).
Im Tierschauring wurden hier Fleischrinder verschiedener Rassen gezeigt. Leider kein gutes Foto habe ich vom Limousin-Deckbullen Famos vom LVG Köllitsch, wo wie auf eine Lebendmasse von 1.200 kg geschätzt haben; aber dann wurde gesagt, dass er 1.580 kg wiegt:
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Die Aufstellung der verschiedenen Schafrassen; in der Mitte der Reihe sieht man ein Lamm entlang rennen, die waren frei laufend bei ihren Mutten dabei. Bei Kälbern kann man sowas nicht machen, die müsste man dann auf dem Freigelände einfangen...
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Fortsetzung folgt!
 
Benjamin