Montag, 28. September 2026

EuroTier-Medaillen 2026

Letzte Woche gab die DLG die Träger der Medaillen der diesjährigen EuroTier bekannt. Seit einigen Jahren heißt das Innovation Award. Der einzige Unterschied ist, dass nicht mehr so viele Goldmedaillen vergeben werden.

Dieses Jahr wurden von 176 eingereichten Neuheiten vier mit einer Gold- und 27 mit einer Silbermedaille ausgezeichnet. Ganz grob die Hälfte im Rinderbereich und die andere Hälfte im Schweinebereich.  
Hauptsächlich wurden Neuheiten im Bereich Sensorik und KI gezeichnet. Wobei ich wieder die inflationäre Benutzung des Begriffs KI für Algorithmen kritisiere. 
 
Im Rinderbereich gab es unter anderem:
Die Liste ist nicht vollständig, weil ich manche Preisträger nicht einschätzen kann:
 
Eine Goldmedaille für Smaxtec und Lock zur Sensorfusion von Klimasteuerung und Tierüberwachung. Wenn der Smaxtec-Psnsenbolus eine beginnende Kalbung erkennt werden im Abkalbestall wenn nötig die Curtains geschlossen um Zugluft zu vermeiden. Da muss man keine Kompromisse mehr eingehen zwischen einem gut durchlüfteten Stall für die Kuh und zugluftfrei für das neugeborene Kalb.

Silbermedaille gab es u.a. für:

Sveawerken für eine Spaltenroboter mit Lidar-Steuerung. Das ist die gleiche Technik wie beim Futterschieberoboter.

Wasserbauer für einen Entmistungsroboter mit Lidar-Steuerung. Das ist aber ein Saug-Roboter für planbefestigte Flächen. 

Lely für eine Kamera mit Bildauswertung zur Abkalbeüberwachung, die bei stockendem Geburtsverlauf Alarm gibt.

Rosensteiner für eine automatisches Zutreibesystem für den Klauenstand. Ähnlich wie das Lostre-System von Defi, aber auf Knopfdruck wird die Kuh in den Klauenstand "geschoben".

Anka Hoof Care aus Spanien für ein ähnliches System zum Zutrieb von Kühen zum Klauenstand.

CowManager für ihren Milchsensor, der in den kurzen Milchschläuchen vom Melkzeug viertelindividuell Leitwerk und Milchtemperatur zur Mastitiserkennung misst.

Förster Technik für ihre FeedCam, eine Kamera mit Bilderanalyse, die das Verhalten der Kälber am Futtertisch rund um die Uhr beobachtet und daraus Handlungsempfehlungen ableitet. 

MSD (also Allflex, also SCR) für eine Echtzeit-Milchanalyse für die Integration in Melktechnik, die neben den üblichen Inhaltsstoffen den Zellzahlgehalt innerhalb von zwei Minuten bestimmen kann und da noch beim Melken Alarm geben.

Nedap für ein Kamerasystem für die Tierbeobachtung zur Lahmheitserkennung. Auch im Sesnsorverbund mit der Aktivitätsmessung per Halsband/Pedometer. 

Die Obuda-Universität für einen Impfroboter für Kühe. Mit nadelfrier Injektion und kameragesteuert um die passende Injektionsstelle zu finden.

Wasserbauer mit einem Trockensubstanzsensor für ihren Fütterungsroboter, der die Trockensubstanz der geladenen Silagen bestimmt. Es wird zwar nicht nach Trockenmasse geladen, aber entsprechend Wasser zugegeben für einen konstanten Trockensubstanzgehalt in der fertigen Mischung. 

Benjamin 

1541 

Mittwoch, 16. September 2026

Shamonda-Virus

Das Shamonda-Virus ist aktuell ein großes Thema in der Rinderhaltung. Ein präziserer Name ist Shamonda-like Orthobunyavirus. Zu den Verwandtschaftsverhältnissen siehe im Wikipedia-Artikel (-> Link).
 
Zuerst traten Erkrankungen in der Schweiz auf und wanderten nach Norden, mittlerweile sind es zwei verschiedene Varianten, eine in der Schweiz und Süddeutschland, eine in Nord- und Ostdeutschland bis nach Schleswig-Holstein.
 
Das Krankheitsbild sind hauptsächlich starkes Fieber und Milchabfall. Ob das Virus ungeborene Kälber schädigen kann ist noch unklar. Das Schmallenbergvirus ist nämlich auch ein Orthobunyavirus und da könnte es zu änlichen Auswirkungen kommen.
 
Internetseite des Friedrich-Löffer-Institus zum Shamonda-Virus: https://www.fli.de/de/aktuelles/tierseuchengeschehen/shamonda-virus/ 
 
Überträger des Virus sind Gnitzen, genau wie bei Blauzunge und der Lumpy Skin Disease (LSD). So kommen mit dem Klimawandel lauter neue Krankheiten auf uns zu. Da bin ich für eine großangelegt Gnitzenbekämpfungskampagne, vergleichbar mit der "Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage" (KABS e.v. -> Link) am Rhein. Das dürfte aber wegen der übermächtigen Naturschutzindustrie leider nichts werden.

Benjamin

1540 

Montag, 7. September 2026

Mastitis wegzüchten

Mastitis wegzuzüchten hört sich fast zu schön an, aber die Genetik spielt dabei auch eine Rolle, wie anfällig die Kühe dafür sind. Melk-, Stall- und Futterhygiene haben einen höheren Stellenwert, aber die Zucht kann genau wie die Mastitisimpfung ein weiterer Baustein sein. 
 
Wie groß der züchterische Einfluss ist finde ich schwer zu sagen in der Praxis. Man hat Zahlen die (Tankmilch)zellzahl und den Eutergesundheitsbericht der Milchleistungsprüfung. Verbesserungen über längere Zeit schreibt man dann eher Managementmaßnahmen zu.
 
Umso interessanter ist es valide Zahlen zu bekommen: In der aktuellen Ausgabe der Blickpunkt Rind (2.2026) war einen Auswertung mit den Daten der Brandenburger Testherden (RBBplus) mit gut 30.000 Kühen dahinter.
 
Allgemein steigt der RZGesund der typisierten Kälber um 2 Punkte jedes Jahr an, durch die dreimalige Zuchtwertabschreibung kriegt man das so direkt nicht mit, sondern erst wenn man den Durchschnitt der Jahrgänge vergleicht.
 
Dann der Vergleich zwischen Zuchtwertklassen. Dafür werden als die ausgewerteten Kühe nach dem Zuchtwert in vier gleich große Klassen eingeteilt: Höchstes, 2., 3. und schlechtestes Viertel.
Bei der Mastitisinzidenz (Krankheitshäufigkeit) in der ersten Laktation liegen die Kühe des höchsten Viertels nach den Zuchtwerten der Typisierung als Kalb bei 24,8 %, die des schlechtesten 39,7 %. Das ist ein Unterschied des Faktors 1,6. 
Dann am Ende der ersten Laktation nach den dann aktuellen Zuchtwerten sortiert, in die auch die Eigenleistungen eingeflossen sind, liegt das höchste Viertel bei 18,2 %, das schlechteste 45,4 %. Der Faktor ist auf 2,5 gestiegen, das zeigt aber deutlich, dass sich das schon an den Zuchtwerten erst weniger Wochen alter Kälber ablesen lässt.
 
In wirtschaftliche Zahlen umgerechnet gab es ein Diagramm wieder mit den vier Zuchtwertvierteln und dazu die Nutzungsdauer und die Kosten durch Mastitis über das ganze Kuhleben.
Das höchste Viertel nach RZEuterfit lag bei 1.359 Tagen (44,7 Monate) und 383 €, das schlechteste Viertel bei 939 Tagen (30,9 m) und 892 €. 
Ich überschlage das in Cent pro kg Milch und da komme ich durch die niedrigeren Krankheitskosten und Remontierungskosten wegen der längeren Nutzungsdauer auf 5,0 Cent niedrigere Kosten für das höchste Viertel. Für das zweite Viertel sind es 3,3 Cent und für das dritte Viertel 2,2 Cent.
 
Ein riesiger Hebel für die Wirtschaftlichkeit!  
Da liegt es natürlich nahe das schlechteste Viertel auszusortieren. Wie 2016 Kuhvision begann sagte Prof. Swalve, dass ab einer Selektionsrate von 30 % Effekte zu erwarten wären. Das war mir damals schon zu viel, denn wer kauft schon aussortierte Zuchtkälber, die dem Ursprungsbetrieb zu schlecht sind?
Meine Lösung: "Qualität wird nicht sortiert sondern produziert!" Indem man die Selektion einen Schritt nach vorne verlagert bei der Selektion der potentiellen Kuhmütter. Mit Typisierung und gesextem Sperma kann man da nämlich 70 % der verfügbaren Kühe und Färsen aussortieren. Und dann mit BAP und der ausgleichenden Anpaarung theoretisch nur noch Kälber mit RZEuterfit des höchstens (und 2.) Viertels bekommen. 
 
Benjamin 
 
1539