Montag, 2. März 2026

Tierkörperbeseitigung

Im letzten Post hatte ich beschrieben, wie ich eine tote Kuh an den Teleskoplader binde um sie ins Kadaverhaus zu bringen.
Damit bin ich beim Thema Tierkörperbeseitigung, das wirklich nicht schön ist und daher auch im Hintergrund belassen wird. Im Rinderbereich fallen darunter gestorbene und eingeschläferte Tiere sowie Totgeburten. Einzelbetrieblich ist es meist eine Randerscheinung, aber mit rund 10 Mio. Rindern sind das dann in Deutschland mehrere Hunderttausend im Jahr.
 
Die Tierkörperbeseitigung ist gesetzlich vorgeschrieben und geregelt. Das dient hauptsächlich zur Seuchenprophylaxe, dass nicht Krankheiten von Kadavern auf andere Tiere oder Wild überspringen. Die Organisation unterscheidet sich zwischen den Bundesländern, meist sind es Zweckverbünde, in Brandenburg ist es mit der Secanim GmbH ein Privatunternehmen, das damit beauftragt wurde. Vergleichbar mit den kommunalen Ausschreibungen für die Müllabfuhr.
Die Tierkörperbeseitigungsanstalt befindet sich in Herzberg bei Neuruppin.
 
Eine Tierkörperbeseitigungsanstalt (TBA) habe ich noch nicht besichtigt; ist im Agrarstudium als ein beliebtes Exkursionsziel. Eigentlich ist es eine Tierkörperverwertung: Zuerst wird die Haut abgezogen, die in die Lederindustrie geht, dann der Körper ausgekocht und das Fett abgeschieden, das für technische Fette oder Biodiesel verwendet wird. Der Rest wird zu Fleisch- und Knochenmehl gemahlen. Das Fleischmehl wird verbrannt, das Knochenmehl als Dünger genommen.
Neben der Tierkörperbeseitigung sind aber für Lebensmittel ungeeignete Schlachtabfälle und Speisereste die Hauptrohstoffe für die TBAs.
 
Der Transport der toten Tiere erfolgt mit LKWs der Tierkörperbeseitigung, umgangssprachlich Kadaverauto genannt. Die Anmeldung von Tieren zur Abholung erfolgt über eine App, in der für die Zuordnung der Betrieb hinterlegt ist. Zuvor, bis ca. 2019, als die Telekom den Dienst einstellte, ging das über ein telefonisches Wahlsystem für das die Zuordnung über eine betriebsindividuelle Rufnummer erfolgte.
Die Ansage kann ich nach so langer Zeit immer noch auswendig, das klang ungefähr so:
"Dies ist die automatische Auftragsannahme der Secanim GmbH. Bitte geben Sie ein was abzuholen ist. Die Hauptgruppen lauten: Eins Schwein, zwei Rind" 2 Da ich dann immer die 2 gedrückt habe weiß ich nicht mehr genau die anderen Hauptgruppen, das müssten Pferd, Geflügel, Wild, Heimtiere und Zootiere gewesen sein. "Die Untergruppen lauten eins Kalb, zwei Rind jünger zwölf Monate, drei Rind älter zwölf Monate."  "Bitte geben Sie nun die Anzahl der abzuholenden Tiere ein."  1"Ihr Aufrag lautet: Ein Kalb. Ist diese Angabe korrekt drücken Sie die Eins, ist diese Angabe falsch drücken Sie die Zwei." 1 Mit Zwei kam man wieder zurück zu den Hauptgruppen, mit Eins müsste noch eine Frage zu weiteren Tieren gekommen sein, dass man z.B. ein totes Kalb und eine tote Kuh anmelden kann. Das kam aber zum Glück so selten vor, dass ich das auch nicht mehr weiß.
 
Die Tiere werden bis zur Abholung im Kadaverhaus aufbewahrt, dass keine Katzen, Füchse oder Vögel daran fressen oder andere (Wild)Tiere sich mit möglichen Krankheiten infizieren. Das ist eine ostdeutsche Besonderheit, denn zu DDR-Zeiten wurde hoher Wert auf die Biosicherheit gelegt (siehe auch Post vom 21.03.2020). In Westdeutschland gibt es für Schweine und Gefügel spezielle Container, aber Rinder legt man an einer abgesprochenen Stelle vom Hof hin und in Dänemark muss es auf eine Palette gelegt werden. Das wäre laut Erzählungen ein Problem bei den ersten Audits für Arlagarden gewesen, dass eine Palette ins Kadaverhaus müsste, weil ja vorgeschrieben. Dass in Deutschland mit einer viel höherwertigen Variante gearbeitet wird hat denen gar nicht ins System gepasst. 
Das Kadaverhaus liegt idelerweise am Rand des Hofes, auf der der Hauptwindrichtung abgewandten Seite. Wenn noch beidseitig Türen vorhanden sind, kann man vom Betriebsgelände aus das Tier reinlegen und das Kadaverauto von außerhalb das Tier dann entnehmen.
Genau so war es ursprünglich in den 1980er Jahren in der Pinnower Milchviehanlage gebaut worden, bloß die Anlage wuchs über die Jahrzehnte in diese Richtung, sodass es heute mitten drin liegt.
Das Kadaverhaus wird mit Kalk eingestreut, der gegen Ungeziefer wirkt und austretende Flüssigkeiten bindet. Und regelmäßig wird ausgekärchert, was eine klassische Lehrlingsarbeit ist.  
 
Benjamin 
 
 
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