Samstag, 22. März 2025

Stallkarte

Die Stallkarte ist eine analoge Arbeitsmittel für das Herdenmanagement.
In der Anbindehaltung hatte jede Kuh über ihrem Platz eine Stalltafel mit den wichtigsten Daten zur Fruchtbarkeit. Da sie im Laufstall dann umherliefen wurden im Büro Karten geführt, die auch von der Information umfangreicher sind. Mit dem Aufkommen der Kuhplaner für den PC sind sie mehr und mehr außer Gebrauch gekommen, auch wenn sie es heute noch gibt.
 
Die Stallkarte hat ungefähr das Format DIN A4 und besteht aus gelbem, starken Papier (300 g/m² ?), dass sie auch ein Kuhleben lang hält.
 
Mit Stallkarten hatte ich erst in Boberow zu tun, ob es die im Westen überhaupt gibt weiß ich gar nicht. Jedenfalls habe ich an meinem ersten Arbeitstag einen ganzen leeren Milchpulversack voller alter Stallkarten weggeworfen. Die waren anderthalb Jahre nicht mehr geführt worden und auch keine neuen mehr geschrieben; also unbrauchbar bzw. nur mit großem Aufwand zu aktualisieren.
Die Agrar Boberow hat früher mit Agrocom Superkuh als Kuhplaner und den Stallkarten als analoge Variante gearbeitet und dann das System der Landgenossenschaft Pröttlin übernommen mit HERDE und den Besamungsbüchern, die quasi eine abgespeckte Form der Stallkarte in Buchform statt Kartei sind.
 
Im HERDE und HERDEplus gibt es immer noch einen Button "Stallkarte" mit dem die Daten der Kuh im Stil der Stallkarte angezeigt werden können. Diese Funktion verwende ich in der Ausbildung, da die Stallkarte zum Lernstoff gehört.
 
Vorne auf der Stallkarte sind die Informationen zur Kuh. Oben links die Ohrmarkennummer, Stallnummer und Geburtsdatum. Darunter die Ansicht von beiden Seiten, auf der mit schwarzem oder rotem Stift die Fellzeichnung gemalt werden kann. Das ist eine Art primitives Kuhortungssystem, dass man sich die Fellzeichnung von der Stallkarte einprägen kann um die Kuh in der Gruppe schneller finden zu können.
Im HERDEplus gibt es sogar die Funktion im Programm ein Foto der Kuh einzufügen, das wird aber hier in der Stallkarte nicht ausgegeben.
 
Oben in der Mitte ist die Abstammung, die Vorfahren der Eltern-, Großeltern- und Urgroßelterngeneration, wichtig für die Anpaarungsplanung.
Das sind Aufkleber, die es mit dem monatlichen Milchprüfbericht nach der Milchkontrolle vom LKV gibt. Für jedes im letzten Monat geborene und unter Zuchttier gemeldete Kuhkalb gibt es einen Aufkleber, dass für das Kalb eine Stallkarte angelegt werden kann.
 
Darunter ist der Leistungsnachweis, auf dem die bisher abgeschlossenen Laktationen aufgeführt sind mit den jeweiliegn Daten.
Diese Aufkleber gibt es auch monatlich für alle Kühe die ihre aktuelle Laktation abgeschlossen haben, entweder wegen Trockensteller oder auch Abgang.
 
 


 














 
Auf der Rückseite sind die Fruchtbarkeitsdaten vermerkt. 
Oben sind die Monate aufgeführt und links die Jahre. Wenn eine Färse erstmals zur Besamung zugelassen wird fängt man in der oberen Zeile an. Wird dann alles zur Fruchtbarkeit eingetragen: Brunsten, Besamungen, Trächtigkeitsuntersuchungen, Kalbungen usw.
Da die Stallkarten noch aus der Zeit stammt, als jedes Jahr ein Kalb pro Kuh geplant war ergibt würden dann alle Kalbungen, Besamungen und TUs jeweils in einer Spalte untereinander stehen.
 






















Benjamin
 
 
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Sonntag, 16. März 2025

Genetische Streuung

Genetische Streuung ist umgangssprachlih, weil es die phönotypische Streuung betrifft. 

Michael hatte zum Post über die Kreuzung mit INRA 95 (vom 07.08.2021) folgenden Kommentar geschrieben:
"Aufgrund der vielen verschiedenen Rassen im Stammbaum dürfte es bei den Kälbern zu einer starken Streuung in den Merkmalen kommen. Wie sind die Erfahrungen ?"
 
INRA 95 ist eine synthetische Rasse, d.h. zu Beginn wurden die ganzen Ausgangsrassen gekreuzt und dann in Reinzucht mit den gleichbleibenden Blutanteilen weiter gezüchtet.
In der Mastanpaarungen ist es vergleichbar mit anderen Fleischrinderrassen. 

Da Charolais der größte Anteil der Ausgangsrassen war sind die Kreuzungskälber vergleichbar mit solchen von Uckermärkern und Charolais selbst.
 
Benjamin
 
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