Freitag, 31. Mai 2024

Zwillingsträchtigkeiten vermeiden - Teil 2

Letztes Jahr habe ich einen Post (27.11.2023) darüber geschrieben, wie man versuchen kann Zwillingsträchtigkeiten zu vermeiden.
Ein Ansatz sah ich in der verlängerten Laktation, dass wenn die Kühe nach der negativen Energiebilanz besamt werden sie auch in einem homonell stabileren Zustand sind.

Mit den Daten meiner "ewigen Abkalbeliste", die mehrere tausend Abkalbungen umfasst, habe ich eine Auswertung gemacht. Es kam nicht viel dabei raus...
Ich hatte vermutet, dass die durchschnittliche Zwischenkalbezeit niedriger ist, weil die Kühe bei einer frühen Besamung wahrscheinlicher Zwillinge bekommen. Die Zwischenkalbezeit ist sogar um zwei Tage höher. Da habe ich dann vermutet, das wäre durch Ausreißer mit sehr langen Zwischenkalbezeiten bedingt, die den Mittelwert hochziehen. Daher habe ich noch den Median berechnet. Und der unterscheidet sich gerade mal um einen Tag. 
Unterschiedlich ist der Besamungsindex, wo für eine Zwillingsträchtigkeit 0,2 Besamungen mehr nötig sind und der Anteil der Trächtigkeiten aus Erstbesamungen geringer. Das könnte bedeuten, dass Kühe die tendenziell eine schlechtere Fruchtbarkeit haben öfter Zwillinge bekommen.

Der erste Teil der Tabelle ist eine Auswertung zur Häufigkeit von Zwillingsträchtigkeiten. 4 bis 5 % von den gesamten Trächtigkeiten und bei Färsen mehr als bei Mehrkalbskühen wusste ich schon, aber nicht die Verteilung der Totgeburten. 
Die Totgeburten über alle Kalbungen nach Färsen und Kühen hat man zwar im Blick, weil das im Milchkontrollbericht ausgewiesen wird. 
Bei den Zwillingskalbungen sind die abartig hoch trotz dem wachsamen Auge bei anstehenden Zwillingen. Das war mir gar nicht so klar, hätte ich mal früher auswerten sollen... Zwillinge kommen zwar häufig vor und auch Totgeburten dabei, aber dann sind es im Verhältnis zu wenige um da mehr als ein Bauchgefühl dafür zu entwickeln.
Bei Drillingen hingegen kann man sich dann an alle einzelnen Kalbungen erinnern und da sind es dann 50 % Totgeburten und daher auch die Freude wenn alle leben (siehe Post vom 26.04.2023).
Und wieder gilt: Nur was man dokumentiert kann man managen. Quod scriptum est manet - Was geschrieben steht das bleibt, dem Motto des ICAR, dem Weltdachverband der Milchkontrolle































Auch wenn ich meine Theorie nicht bestätigen konnte war das Arbeiten mit der Liste auch eine Zeitreise durch den Kuhblog weil mir bei einigen der Zwillingskalbungen sofort passende Posts dazu eingefallen sind.
- Nr. 1109, das Einhorn, dass sie gleich zweimal Zwillinge hatte. Siehe Post vom 17.09.2013. Da stand sie als Jungkuh zum ersten Mal trocken vor der zweiten Kalbung. Bei der dritten und vierten Kalbungen hatte sie dann Zwillinge.
- Nr. 1237 (Siehe Post vom 24.05.2015). Die beim Transensortieren auf dem Weg in den Abkalbestall und nach der Kalbung auf dem Weg zum Melkstand zweimal durch die Ballenschnur als Treibwegbegrenzung rannte. Als eine der ältesten Kühe konnte sie sich wahrscheinlich nicht mehr an ihre erste Begegnung mit dem Elektrozaun erinnern.
- Nr. 1389 Truxa bei ihrer dritten Kalbung mit Kaspar und Truxi. Siehe Post vom 25.09.2015.

Benjamin
 
 
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Dienstag, 14. Mai 2024

Neue Literatur

Mal über meine neuste Anschaffung von Fachliteratur.
"Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Milchkühen" der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE).
Autoren sind eigentlich sämtliche Tierernährungs-Professoren der deutschen Agrarunis.
Darin sind die ganzen Bedarfsformeln. Ich hatte auf eine Aktualisierung schon länger gewartet, da die letzte Ausgabe von 2001 war und in der Zwischenzeit ist die durchschnittliche Jahresleistung der deutschen Milchkuh von so 7.000 auf 9.000 kg gestiegen. Man bewegte sich da jetzt immer am oberen Ende des Gültigkeitsbereichs.
Neben den Kapiteln Energie, Protein, Faser, Mineralstoffe gibt es auch eins zur Schätzung des Methanausstoßes von Rindern.

Die neuen Formeln werde ich für meine alltägliche Arbeit jetzt adaptieren, vor allem solche die ich auswendig weiß für schnelle Überschlagsrechnungen.

Das Buch ist im DLG-Verlag erschienen und kostet 79,90 €. Ich mache keine Werbung dafür.

Benjamin
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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