Sonntag, 11. Januar 2026

Mortellaro wegzüchten!

Mortellaro ist der umgangssprachliche Begriff für Dermatitis Digitalis und ist sehr bekannt weil bei Rindern eine weit verbreitete Klauenerkrankung.
 
Ende letzten Jahres hatte ich im Internet von einem Milchbauern gelesen, der meinte, er wäre Mortellaro losgeworden. Durch den konsequenten Einsatz von Bullen mit hohem DDc und Selektieren von Jungvieh mit niedrigem DDc. Vor zehn Jahren hätte er sich das nicht vorstellen können.
DDc (Dermatitis Digitalis Control) ist der Zuchtwert für die Anfälligkeit für DD. Umso höher, desto weniger, also besser.
 
Die Bullen bekommen bei guten Zuchtwerten ein Label: Ein blaues Klauensymbol mit Haken. Die besten 25 % (= ab DDc 108) bekommen dazu den grünen Schriftzug "DD control" und die obersten 10 %  (= ab DDc 115) in orange "DD premium".
Siehe hierzu auch beim Bundesverband Rind und Schwein: https://www.rind-schwein.de/brs-rind/mortellaro.html 
 
Diese Erfolge in der Zucht mit DDc haben mich überrascht, weil das bei der Auswahl unserer Besamungsbullen nie eine Rolle spielte und man das Problem ja im Griff hat mit regelmäßigen Klauenbädern und wöchentlicher Klauenpflege. So langfristige Gesundheitstendenzen sind auch schwer zu erkennen, wenn es langsam abnimmt. Hat man mit einer Sache in der Haltung ein Problem, ist das hoffentlich bekannt und es wird daran gearbeitet. Wenn man das Problem im Griff hat wird weiter daran gearbeitet, aber es ist auch ein weiter Weg bis man für sich selbst dann erkennt, dass das kein Problem mehr ist. Das konnte ich bisher nur über Kälberflechte in Boberow sagen.
 
Einen persönlichen Bezug zum DDc habe ich auch, weil die Pinnower Kühe 2015 mit dabei waren für die Datenerhebung auf dann deren Basis der Zuchtwert entwickelt wurde. Siehe die Posts vom 08.10.2015 und 28.10.2015. Der Zuchtwert wurde dann 2018 in der deutschen Holsteinzucht eingeführt und ist für mich das Paradebeispiel für die Erfolge der Testherdenprogramme von RBB und RinderAllianz.
 
Symbolfoto für DD, das ich mal gemacht habe, weil man in diesem Fall sehr schön sieht, warum auch "Erdbeerkrankheit" dazu gesagt wird:
 



























Benjamin


1516

Sonntag, 4. Januar 2026

Photovoltaikanlage - Teil 2

Erstmal wünsche ich allen Lesern des Kuhblogs ein gesundes neues Jahr 2026!

Als erster Post kommt die Jahresauswertung der Photovoltaikanlage (siehe Post vom 12.08.2023) für 2025, die ich dieser Tage gemacht habe.
Photovoltaik gehört für mich zur Landwirtschaft dazu und auf das Dach eines Kuhstalls (siehe auch Posts vom 03.05.2017 und 21.04.2020).
 
Mein Nachbar hat eine Volleinspeisung-Anlage von 2014 auf seiner Scheune und seit gut zwei Jahren für den Privatverbrauch ein Balkonkraftwerk und meinte: "Wenn man die ganzen Zahlen fast live sieht kriegt man erst ein Gefühl für den Strom." Für mich waren die PV-Anlagen immer da, aber eine andere Abteilung, von denen man nichts mitbekam. Aber privat gesehen ändert sich dann der Blickwinkel doch sehr.
 
Die Photovoltaikanlage ist seit 2023 in Betrieb und hat jetzt mit 2024 und 2025 zwei volle Betriebsjahre. Ist ein Stück weit mit einem Melkkarussell vergleichbar, man kann jeden Tag nach der Produktion schauen.
Über die beiden Wechselrichter und einer installierten Leistung von 22,55 kW wurden
2024 24.126 kWh = 1.070 Volllaststunden bei 1.972 Sonnenstunden
2025 27.322 kWh = 1.212 Volllaststunden bei 2.353 Sonnenstunden
produziert.
Bei langjährig 2.079 Sonnenstunden lag es 2024 darunter und 2025 darüber.
 
Für Deutschland sagt man als Faustzahl 1.000 Volllaststunden pro Jahr. Im Südwesten ist es sonniger und die Ausrichtung der PV-Anlage günstig. Richtung Südsüdwest und 40° Dachneigung, wie man halt in den 1930er Jahren mit deckenlastiger Lagerung baute. Bei einem modernem Kuhstall sind meist 24° üblich, wo bei man bis auf 10° runter gehen kann, dass die Thermik für die Lüftung noch funktioniert.
 
Jahreszeitlich ist es im Sommer rund viermal so viel Ertrag wie im Winter. Und von Ende März bis Ende September ist man dann Energie-autark, da gibt es immer genug Strom. Während der Heizsaison ist der Ertrag niedriger und der Verbrauch mit der Wärmepumpe höher, aber den Spruch "Wärmepumpe und Photovoltaikanlage passen nicht zusammen" kann ich nicht bestätigen. In einem modernen Haus mit niedrigem Heizbedarf stimmt das nicht. 70 % des Strombedarfs für die Wärmepumpe kann die Solaranlage decken, im Sommerhalbjahr für die Warmwasserbereitung komplett, zu Beginn und Ende der Heizsaison größtenteils und im tiefen Winter noch teilweise. Insgesamt deckt die Photovoltaikanlage rund 75 % des gesamten Stromverbrauchs. Rechnet man den Haushaltsstromverbrauch komplett auf den PV-Ertrag an bleiben immer noch 45 % Anteil bei der Wärmepumpe übrig.
 
Beim Akku kann ich sagen, dass "einen großen Speicher kriegt man im Sommer nicht leer und im Winter nicht voll" zutrifft. Der Akku ist ein Lithium-Eisenphosphat-Akku mit 5,0 kW Leistung und 5,1 kWh Kapazität, für heutige Maßstäbe klein, aber bei der Planung vor dreieinhalb Jahren die übliche Größe. Von Ende März bis Ende September reicht der Akku neben seiner Pufferfunktion für Produktion und Verbrauch tagsüber für den Verbrauch über Nacht. Im Winter bleibt mit dem höheren Verbrauch durch die Wärmepumpe an den meisten Tagen nicht genug Strom übrig um den Akku komplett zu laden.
 
Hybrid-Wechselrichter, an dem auch der Akku angeschlossen ist. Der Drucker unten im Bild steht auf dem Akku, der ist ca. 60 cm hoch:

 
 
 
 























Sungrow iSolarCloud-App. So sehen an einem sonnigen Wintertag die Stromflüsse aus. Quasi das Äquivalent zum Karussell-Bildschirm:

 
 
 
















Benjamin

 

1515 

Freitag, 26. Dezember 2025

Grippe-Boosterimpfung

Letztens bekam ich von Boehringer Ingelheim die aktuelle Ausgabe der „Tiergesundheit und mehr“ zugeschickt. Das ist die Kundenzeitschrift für die Landwirte; auch daran zu erkennen, dass keinerlei Produktnamen genannt werden, obwohl man häufig weiß, was gemeint ist.
 
Ein Teil ist Rindvieh und ein Teil Schwein. Die Schwerpunkte sind entsprechend dem Produktprogramm von Boehringer Mastitismedikamente für Milchkühe und Impfstoffe für Schweine.
Der Schweineteil interessiert mich nicht so, da kenne ich mich zu wenig mit aus.
 
Im Rinderteil ging es unter anderem über selektives Trockenstellen, wo ein Tierarzt aus dem Allgäu über seine Erfahrungen berichtete. Die Bayern sind da wieder einiges hintendran, ich sehe das schon lange als gute fachliche Praxis und habe darüber mehrfach im Kuhblog geschrieben (siehe Posts vom 27.07.2023 und 27.02.2019).
Denr antibiotische Trockensteller von Boehringer ist für mich der Beste auf dem Markt, er deckt ein breites Erregerspektrum ab und ist sehr wirksam. 
 
Ein Artikel handelte von einer Boosterimpfung gegen Rindergrippe für Kälber. Nach der intranasalen Grippeimpfung wird später noch einmal geimpft zur Auffrischung. Bei einem Versuch am ZTT Iden wären damit super Aufzuchtergebnisse erzielt worden. 49 Kälber in einer Versuchs- und einer Kontrollgruppe. In Iden als größtem deutschen Versuchsbetrieb dürften das die Kälber eines viertel Jahres gewesen sein. Vom Versuchsdesign ist das auch einfach: Immer abwechselnd mit und ohne Boosterimpfung.
Die Kälber der Versuchsgruppe waren zum Absetzen mit 10 bis 12 Wochen durchschnittlich 1,8 kg schwerer und nach fünf Monaten 7,9 kg.

Benjamin 
 
 
1514 

Sonntag, 7. Dezember 2025

Zuchtwertschätzung Dezember 2025

Diese Woche wurde die Zuchtwertschätzung Dezember 2025 für die Deutschen Holsteins veröffentlicht. Im April 2023 hatte ich geschrieben, dass ich Hype schon länger als für den Zuchteinsatz abgeschlossen einstufe und ich seine weitere Zuchtwertentwicklung nur noch von der Basisabschreibung beeinflusst sehe. Sein züchterischer Einsatz ist nicht mehr der Besamungseinsatz sondern auf der weiblichen Seite über seine Töchter, Enkelinnen, Urenkelinnen und Ururenkelinnen als Muttervater, Muttermuttervater usw.
 
Seit der Zuchtwertschätzung im August sind gerade noch 6 Töchter neu in der Leistungsprüfung hinzugekommen. Was mich aber erstaunt, dass da zwei neue Betriebe dabei sind, die noch gar keine Hype-Töchter hatten.
Die Töchterzahl wird vielleicht noch die 4.600 knacken und damit doch mehr als ich 2016 geschätzt hatte mit 2.500 - 3.000. Ich hatte auch damals gesagt, dass es unwahrscheinlich ist, dass er es in den Wiedereinsatz als töchtergeprüfter Bulle schaffen wird. Im Dezember 2020 bekam er seinen Töchterzuchtwert, die Besamungen danach sind dann Wiedereinsatz, also die Kälber ab September 2021 geboren und als melkende Jungkuh ab der Zuchtwertschätzung Dezember 2023 als Tochter eingeflossen. Das schätze ich sind ungefähr 170 der 4.581 Töchter und damit nur knapp 4 %, die Übrigen sind alle aus dem Einsatz als genomischer Bulle.
 
Sein Gesamtzuchtwert (RZG) liegt bei 118, bei seiner Typisierung im Juni 2016 waren es 160 gewesen. In knapp 10 Jahren sind 42 Punkte abgeschrieben worden. Das sind seitdem auch gut drei Rindergenerationen Zuchtfortschritt gewesen. 
  
 


























Benjamin


1513

Sonntag, 30. November 2025

Durchfallfrei

Am Mittwoch nahm ich am Elite-Stallgespräch der Elite teil. Es war abends eine Onlin-Veranstaltung, dass auch die Einzelbauern nach dem Melken teilnehmen konnten.
Thema war "Durchfall den Kampf ansagen", in der Vorankündingung hieß es "Durchfallfreie Kälberaufzucht", was mein Interesse weckte. Weil eigentlich unrealistisch bis utopisch. Andererseits braucht man ja Ziele und Kälberdurchfall hat mit der intensiven Tränke einen Teil seines Schreckens verloren, da die gut versorgten Kälber ein stärkeres Immunsystem haben und nach einem Tag ohne Saufen nicht gleich dehydriert umfallen.
 
Insgesamt gab es nichts Neues, eher eine Wiederholung Altbekanntem, Gute fachliche Praxis.
 
Zuerst ein Video einer Betriebsvorstellung eines Milchviehbetriebs in Nordrhein-Westfalen, der mal ein größeres Problem mit Kryptosporidien hatte und seine Maßnahmen gegen Durchfall. Wobei ich nicht bei allen Maßnahmen verstanden habe, ob die schon zuvor Standard waren oder erst eingeführt wurden:
- Saubere Abkalbebox (Transitgruppe), regelmäßiges Ausmisten von Anzahl der eingestallen Kühe abhängig, vor dem Einstreuen Kalken
- alle Kälber kriegen 2 - 2,5 l Kolostrum von der Mutter gedrencht, nur so wenig weil der Drencher nicht mehr fasst. Der Drencher wird danach mit Heißwasser gewaschen.
- Kälber bekommen bis zum 4. Tag muttergebunden Transitmilch, dann Umstellung auf Vollmilch.
- Rein-Raus-Prinzip in der Einzelhaltung. Sind für geschätzte 130 Kälber im Jahr vier 7er-Reihen überdachter Einzelboxen im Freien.Die Boxen werden bei der Reinigung eingeweicht, mit Schaumreiniger eingesprüht, gekärchert und nach dem Abtrocken mit einem gegen Kryptosporidien wirksamen Mittel desinfiziert.
- Jedes Kalb hat seinen festen Eimer, der nach dem Ausstallen komplett zerlegt, greinigt und desinfiziert wird. 
- Mutterschutzimpfung gegen Rota-Corona
- Stiefel reinigen zwischen Kuhstall und Kälbern 
 
Danach gab es eine Diskussion mit einer Tierärztin, die regelmäßig für die Elite schreibt.
- Desinfektionswirkung der UV-Strahlung, Sonnenschein hat bei längerem Leerstand schon eine Wirkung.
- Auf den Durchfallerreger kann man nicht aus der Kotfarbe schließen, Schnelltests sind für eine schnell Abklärung zu empfehlen.
- große Kolostrummengen zu drenchen sind kein Problem, denn wenn der Labmagen überläuft geht es in den Darm, wo das Kolostrum eh hin soll.
 
Zum Schluss gab es ein schönes Sinnbild für die Prävention von Kälberdurchfall: Eine Pyramide; die Kolostrumversorgung ist das Fundament, dann folgt die Hygiene und die Spitze ist die Mutterschutzimpfung. 
 
Benjamin
 
 
1512 

Sonntag, 23. November 2025

Agritechnica 2025

Auf der diesjährigen Agritechnica war ich nicht gewesen, das schaffe ich körperlich nicht mehr. Aber in den Medien habe ich von den ganzen Neuheiten gelesen und mein Bruder hat mir einige Eindrücke und Fotos mitgebracht.

Eine von zwei Goldmedaille (DLG Innovation Award) gab es für die Claas Cubix für das Gesamtkonzept einer Quaderballenpresse die einen Durchsatz von 70 t Stroh pro Stunde schaffen soll:



 






















Stellvertretend für den Trend bestehende Maschinen mit Sensoren für autonomes Arbeiten nachzurüsten bei Claas ein Torion 955, der neben ganz normalem "bemannten" Arbeiten autonom den Dosierer einer Biogasanlage befüllen kann:

























So ein großes Freigelände gibt es auf der Messe Hannover nicht, aber wie auch schon vor zwei Jahren standen Maschinen zwischen den Hallen. Unter anderem dieser Versatile 620 Deltatrac. Versatile war mit einem großen Stand und ihrer gesamten Produktpalette vertreten, nachdem sie 2023 nicht dabei waren. Damals wurden sie gerade wegen den Sanktionen von Rostselmash verkauft:



























Benjamin
 
1511 

Dienstag, 4. November 2025

Wasserversorgung

Wie für alle Lebewesen ist für Rinder Wasser das wichtigste Lebensmittel und die Wasserversorgung hat ein entsprechenden Stellenwert.
Mein Blick auf Wasser wurde sehr durch eine Anekdote geprägt, die mal mein damaliger Tierarzt erzählt: Bei ihm im Studium fragte in einer Vorlesung der Professor was eine Kuh zum Milchgeben bräuchte. Es kamen alle mögliche Antworten, bloß nicht Wasser.
Wasser macht 87 % der Milch aus und sämtliche Rindern brauchen neben den Stoffwechselprozessen auch für die Pansenverdauung Wasser. Beim Pansen kann man sogar über die Wasseraufnahme den Entwicklungsstand beim Kalb feststellen (siehe auch Post vom 23.11.2016).  
 
Die Wasserversorgung ist ein fast so großes Thema wie die Fütterung, bloß zur Futtermittelauswahl und der Rationsberechnung gibt es keinen entsprechenden Gegenpart:
- Bedarfsmengen
- Qualität (ggf. Aufbereitung)
- Hygiene 
- Technik (Leitungen, Tränken, Frostschutz)
- Reinigung 
 
Die DLG hat dieses Jahr ein neues Merkblatt "Wasserversorgung für Rinder" erstellt mit einem umfangreichen Inhalt:
 
Ein passendes Symbolfoto für eine Tränke habe ich gar nicht sondern eher solche:

 
 
 
 
 























Das ist auch ein wichtiges Kriterium für eine Tränke: Sie muss es aushalten wenn eine Kuh darin steht um ihre Vorderfüße abzukühlen. Das sind zwar nur wenige Spezialistinnen, aber dann regelmäßig.
 
Benjamin
 
 
1510

Dienstag, 21. Oktober 2025

Zwillingsträchtigkeiten vermeiden - Teil 3

Hier gehts zu den ersten beiden Teilen: -- > Teil 1 ; -- > Teil 2 
 
Bei meinen Überlegungen zur Vermeidung von Zwillingsträchtigkeiten habe ich ganz auf einen stabilen Stoffwechselzustand zur Besamung gesetzt. Der Genetik habe ich wenig beibemessen, auch wenn in meinen Abkalbelisten mehrere Kühe mit zwei Zwillingskalbungen und eine sogar mit dreien dabei ist. Von Zucht auf oder gegen Zwillingsträchtigkeiten habe ich nur einmal im Zuchtziel des SMR gelesen, da dürfte es aber mehr der Wunsch nach mehr Kälbern gewesen sein. Waren damals halt andere Zeiten, wo auch überlegt wurde beim Embryotransfer gleich zwei Embryonen einzusetzen...
Insgesamt war ich aber einer genetischen Bearbeitung von Zwillingsträchtigkeiten eher abgeneigt, aus "Zuchtwertsparsamkeit". Je mehr Merkmale man ins Zuchtziel aufnimmt umso geringer fällt der Zuchtfortschritt aus, weil man immer weniger scharf selektieren kann. 
 
In der letzten Ausgabe der Rind und Wir war zu dem Thema ein Artikel vom VIT. Mit ihrem großen Datenschatz aus der deutschen Milchkontrolle und Herdbüchern haben sie die Grundlage für umfangreiche Berechnungen. 2015 zum 50-jährigen Jubiläum des Rechenzentrums in Verden hieß es: "VIT - wo sich 100 Millionen Tiere treffen". Mittlerweile dürften es 110 Millionen sein.
 
Erstmal ging es über Behauptung es gäbe zunehmend mehr Zwillingsgeburten. Da stellte sich nach der Analyse sämtlicher Abkalbungen von 2000 bis 2024 heraus dass da nicht der Fall ist. Also gab es auch keine Tendenzen durch die Zucht, sowohl positiv durch züchterische Bearbeitung als auch negativ durch Korrelationen zu beabeiteten Merkmalen.
 
Die Häufigkeit der Zwillingsgeburten war in der Auswertung deutlich geringer als bei meinem Datenmaterial: Für die erste Kalbung 0,9 gegenüber 1,6 % und ab der zweiten Kalbung 3,8 zu 4,9 %.
Man hat sich dann auf die Zwillingshäufigkeit ab der zweiten Kalbung konzentriert, da diese bei gut Zweidrittel aller Kalbungen 90 % der Zwillingskalbungen ausmachen.
 
Mit Genomweiter Assoziationsanalyse wurde ein Zuchtwert für die Zwillingshäufigekeit entwickelt. Die Erblichkeit (Heritabilität) ist wie bei Fruchtbarkeitsmerkmalen allgemein sehr gering, aber die Streuung in der Population recht groß. Zur Darstellung solcher werden als die Bullen in Gruppen zu je einem Viertel nach Zuchtwert rangiert eingeteilt. Und da haben dann die Töchter des Viertels mit den höchsten Zuchtwerten eine mehr als zweieinhalb mal so hohe Zwillingshäufigkeit wie die des Viertels mit den niedrigsten Zuchtwerten.
Korrelationen von Zwillingshäufigkeit zu anderen Merkmalen gäbe es kaum und dann eher positive.
 
Es besteht demnach die Möglichkeit auch mit der Zucht auf weniger Zwillingskalbungen hinzuarbeiten.
 
Benjamin 
 
 
 
1509

Montag, 6. Oktober 2025

Im Museum

Gestern gab es Kulturprogramm. Und zwar war ich im Stadtmuseum in Worms zur Sonderausstellung zu 500 Jahren Bauernschlacht Pfeddersheim. Direkt hat es nicht mit der Landwirtschaft zu tun, aber für das Standesbewusstsein als Bauer erachte ich es als wichtig.
 
Vom 500. Jahrestag des Deutschen Bauernkrieges hat man dieses Jahr nicht viel mitbekommen. Deutschland hat eine sehr eingeschränkte Erinnerungskultur und die Politik ist auch nicht besonders gewillt Menschen zu gedenken, die sich gegen die Herrschenden aufgelehnt haben. Und die Berufsvertretung ist auch eher darum bemüht sich mit der Politik gut zu stellen.
 
Pfeddersheim ist von meinem Heimatdorf Gundheim zwei Dörfer weiter. Dort fand am 23. Juni 1525 eine der großen Schlachten des Bauernkrieges statt mit tausenden Toten. Diese und die anderen Niederlagen im Bauernkrieg bedeuteten dann fast 400 weitere Jahre Knechtschaft unter Kirche und Adel.
 
Die Ausstellung umfasst drei Teile:
1. Dier zeitliche Kontext zu Beginn der Neuzeit mit der politischen Verfassung de Heiligen Römischen Reiches mit Kaiser und Fürsten, den Städten und der Reformation.
2. Der Bauernkrieg, mit Schwerpunkt in Südwestdeutschland und der Bauernschlacht in Pfeddersheim.
3. Die Rezeptionsgeschichte des Bauernkrieges im Laufe der Jahrhunderte mit einem Dokumentationsfilm über die Entstehung des großen Bauernkriegspanorama im Panorama-Museum in Bad Frankenhausen
 
Screenshot vom Ausstellungsplakat: 































Benjamin


1508

Donnerstag, 25. September 2025

Kreuzung mit Angus

Dieser Tage war mein Bruder in Sachsen auf einer Veranstaltung der Masterrind.

Beim Spernaabsatz haben hornlose Bullen inzwischen 47 % Anteil, gesextes Sperma 10 % und Fleischrassebullen 22 %. 
Davon sind je ein Drittel Weißblaue Belgier und INRA95, ca. 15 % Fleischfleckvieh, 12 % Angus; Limousin und Uckermärker noch ein paar Prozent.
Angus liegt dabei voll im Trend. 

Selbst habe ich keine Erfahrungen mit der Kreuzung Holstein x Angus, aber manche Kollegen setzten sie ein. Wegen der Leichtkalbigkeit aufgrund der kleineren Kälber auch oft als "letzte Chance" bei Färsen.

Dort würden manche Betriebe neben den Färsen auch Kühe ab der 3. Laktation bei Mastanpaarungen ausschließlich mit Angus besamen, da die älteren Kühe besonders von leichten Geburtsverläufen profitieren und andere Betriebe wiederum bei allen Besamungen mit Fleischrassen. Das ist entsprechend dem Motto "Kuh vor Kalb".

Die Viehhändler würden am liebsten ausschließlich Belgierkreuzungen kaufen, weil die Mäster diese bevorzugt nehmen würden. Dazu waren die Meinungen, dass die Mäster auch Anguskreuzungen kaufen, wenn es keine anderen Kälber gibt. Und den Zahlen nach sind auch nach wie vor 60 % der Nutzkälber reinrassige Holsteins. 

Benjamin

 

1507 

Dienstag, 2. September 2025

Im Sauerland

Am Samstag war ich wieder unterwegs gewesen zum Kühe schauen, und zwar im Sauerland bei Philipp.
Ihn habe ich über den Kuhblog kennen gelernt, er ist einer der frühen Leser. Damals war er in Mecklenburg und ich in Brandenburg und ab und zu gemeinsam unterwegs als "Exkursonsteam". Vor acht Jahren ist er in seine Heimat im Sauerland zurückgekehrt.  
 
Dort ist er als Herdenmanager/Produktionsleiter auf einem Gemischtbetrieb tätig. Neben der Milchviehhaltung wird eine Biogasanlage betrieben und ein landwirtschaftliches Lohnunternehmen mit den Schwerpunkten Futterernte und Gülleausbringung.
 
Das Sauerland ist der nordöstliche Teil des Rheinischen Schiefergebirges. Entsprechend sind es Mittelgebirgsstandorte in meist 300 bis 450 m Höhe und teilweise herausfordernder Topographie. 
 
Der Jahresniederschlag beträgt 1.100 mm und ermöglicht 5 Grasschnitte. In der Gegend sind Grasanteile von 75 % des Grundfutters üblichen, bei ihnen mit 55 % aber niedriger. Es wird auch Biertreber gefüttert, der mit dem LKW des Lohnunternehmens selbst bei Veltins abgeholt wird.
 
Futtertischfoto aus der Standardperspektive, an dem man die Baugeschichte des Stalls erkennen kann. Der vordere Teil mit den Leimbindern ist der ursprüngliche Stall von 1986, an den auf drei Seiten angebaut wurde:
 


 
 




















Blick in den Melkstand, ein Doppel 10er Fischgräte mit Schnellaustrieb und ebenerdigem Eingang zur Melkgrube und entsprechend beidseitigem Rücktrieb. Das Melkhaus mit außenstehendem Milchsilo wurde 2004 neben den Stall gebaut:
 


 
 
 



















Benjamin
 
 
1506 

Dienstag, 26. August 2025

Neue Futterwerttabellen

Ein Hinweis zur Fütterung.
Der Arbeitskreis Futter und Fütterung der DLG hat die Futterwerttabellen für Wiederkäuer überarbeitet:
 
Hintergrund sind die neuen Bedarfsnormen für Milchkühe (siehe auch Post vom 14.05.2024) und die damit einhergehenden Änderungen bei der Berechnung des Futterwerts.
Für die einzelnen Futtermittel sind neben den Rohnährstoffen und Mineralstoffen jetzt auch Aminosäuren und Abbauparameter aufgeführt. 
 
Als neue Trends würde ich es nicht bezeichenen, aber so sind jetzt auch der DCAB angegeben und Futtermittel wie Trockenschlempen (DDGS) und stabilisierte Extraktionsschrote enthalten.
 
Hier können die Futterwerttabellen bei der DLG heruntergeladen werden:
 
Benjamin
 
 
1505 

Mittwoch, 20. August 2025

Zuchtwertschätzung August 2025

Letzte Woche wurde die Zuchtwertschätzung im August für die Deutschen Holsteins veröffentlicht.
 
Als neuer Zuchtwert ist nicht für die Holsteins direkt sondern für die Gebrauchskreuzung mit Fleischrindbullen (Masthybriden) ein Zuchtwert Beef-on-Dairy eingeführt. 
Das sind separate Zuchtwerte für Fleischrindbullen, der ihre Kreuzungseignung abbilden sollen.
Es gibt Zuchtwerte für Geburtsverlauf; Kälbergewicht und Verkaufserlös.
 
Links zum VIT:
 
Wieder der Vergleich für Hype die Zuchtwerte von April zu August. Das ist jetzt seine 15. Zuchtwertschätzung mit Töchterinformation. Die erste war die ZWS Dezember 2020 gewesen (siehe Post vom 03.12.2020).
Viele neue Töchter kommen nicht mehr hinzu, jetzt waren es 31 in der Milchleistungsprüfung und eine Einzige im Exterieur:
 

 
 


























Und da vor einem Jahr von einmal auf dreimal jährliche Zuchtwertabschreibung umgestellt wurde und jetzt ein ganzer "alter Abschreibungszeitraum" mit neuen voll ist ein Vergleich der Augustwerte von 2023, 2024 und 2025:
 

 
 


























Benjamin
 
 
1504 

Donnerstag, 14. August 2025

Erbsenernte im Hunsrück

Es wurde auch Weizen geerntet, aber Erbsen hören sich aufgrund ihres vergleichweise geringen Anbauumfangs halt nach etwas Besonderem an. Zudem ist damit auch der Kuhbezug hergestellt, denn die Erbsen werden an Milchkühe verfüttert werden.
 
Am vergangenen Samstag war ich wieder unterwegs, bei meinem Studienkollegen Johannes im Hunsrück, um mal auf seinem "neuen" Mähdrescher mitzufahren. Es ist ein Claas Tucano 430 (ca. Baujahr 2009), der den Claas Dominator 88 Maxi (BJ 98) ersetzt hat, der ungefähr das Vorgängermodell drei Generationen früher war.
 
Gemäht wurden für einen Nachbarbetrieb Winterweizen und Erbsen, die als Eiweißfuttermittel für dessen Milchkühe eingesetzt werden.
 
Zuerst im Weizen mit Schwadablage des Strohs.
Die Winräder im Hintergrund sind Enercon E-82:E2 mit jeweils 2.300 kW: 
 






















Das Schneidwerk ist ein 5,4 m breites Vario-Schneidwerk (V540) der erste Generation, wo für den Rapsdrusch noch Zwischenbleche eingesetzt werden müssen. Die Varioschneidwerke waren eine bedeutende Neuerung beim Tucano, bei den Vorgängern Medion und Mega gab es nur die Classic-Schneidwerke mit fester Tischlänge. 
In den Erbsen:
 

 
 
 
 




















Benjamin
 
 
1503 

Sonntag, 10. August 2025

Septfontaines 2025 - Teil 2

Jetzt kommt der zweite Post zum Besuch bei Jeff am letzten Wochenende. Und zwar über die Melkroboter.

An Stelle des alten Melkstands wurden die beiden Melkroboter installiert, links davon steht das automatische Klauenbad und der Klauenstand. Hinter den Melkroboter ist die Abkalbebox; auf die Abkalbewiese wurde der neue Kälberstall gebaut und aus dem altem Kälberstall wurde die Abkalbebox. Auf dem Dach werden Strohballen gelagert, mit denen dann die Box nachgestreut werden kann:



 
 
 


















Die Melkroboter stehen beiderseits der ehemaligen Grube des Melkstands. Der Umbau erfolgte im laufenden Betrieb. An einem Tag wurde der erste Roboter eingebaut und noch auf der verbliebenen Melkstandseite gemolken und am nächsten Tag dann der zweite Roboter. Da sich die Roboter an der gleichen Stelle wie der Melkstand vorher befindet haben sich die Wege der Kühe nicht geändert und die Umstellung lief daher sehr gut:
 


 




















 
Hinter den Robotern steht das automatische Klauenbad. Normal laufen die Kühe nach den Melkroboter direkt zum Fressgitter, dort wo gerade die linke Kuh reinschaut. Für das Klauenbad laufen sie dann gerade aus bzw. die Kühe vom anderen Roboter biegen nochmal rechts ab. Wichtig für die Entscheidung für das automatische Klauenbad war die einfache Bedienung. Das geht schnell und einfach per Knopfdruck. Zuerst wird die Wanne aus der senkrechten Parkposition nach unten geschwenkt. So ist sie wenn in einem normalen Rücktrieb genutzt wird nicht im Weg und wird auch nicht vollgeschissen. Mit einem weiteren Knopfdruck wird die Wanne befüllt, wobei das Klauenmittel aus einem Behälter im Technikraum zudosiert wird.
Wo eine Klauenbadfüllung so für 300 Kühe reicht sind das alle Melkungen eines ganzen Tags und die Kühe laufen zwei bis dreimal durch.
 



 





















Im Stallbüro die Roboteransicht im Delpro. Die viertelindividuelle Anzeige kenne ich so vom Karussell nicht. Fahrtrichtung ist links. Die hinteren Viertel geben mehr Milch, aber hier sieht man es dann mal sehr schön. Für jedes Viertel wird die erwartete und erreichte Milchmenge sowie der Milchfluss angezeigt:



 





















Benjamin
 
 

1502