Mittwoch, 20. Dezember 2017

Auf Lehrgang - Teil 2

Zum gestrigen zweiten Tag des Herdenmangerlehrgangs ging es Nachmittags zur Besamungsstation nach Schmergow, zwei Orte nördlich von Groß Kreutz. Ich war dort zum allerersten Mal gewesen, aber für einen Brandenburger Kuhbauern ist das der Weltmittelpunkt der Rinderzucht. Die Besamungsstation ist die einzige in Brandenburg, wo früher einmal die drei Bezirke Potsdam, Frankfurt und Cottbus jeweils drei hatten, wovon nur noch Schmergow und Falkenberg/Elster übrig sind, wobei dort nur Wartebullen gehalten werden, die nach dem Prüfeinsatz auf den Wiedereinsatz warten.
Im Gegensatz zu den Bayern, die nicht nur ihre Kühe sondern auch Bullen anbinden, leben sie hier in Einzelboxen draußen und haben nur ein Dach als Witterungsschutz darüber. Die Vorteile durch die viele Bewegung und frische Luft überwiegen das Stechmückenproblem in der Nähe der Havelauen.
Aus Gründen des Seuchenschutzes standen wir außen am Zaun und blickten auf das Stallgelände. „In der vordersten Box ist Suran“ Den kenne ich gut, war er schon als genomischer Bulle zu meinen Boberower Anfangszeiten im Einsatz. Er hat als Antwort passend gemuht und ein ausgewachsener Holsteinbulle ist ein beeindruckend großes Vieh.
Etwas über die Fütterung, die sich stark von den Kühen unterscheidet: Hauptsächlich Heu und Stroh, weil die alten Bullen nicht mehr wachsen müssen und ja eigentlich nichts arbeiten sonst schnell fett werden. Die Jungbullen die noch nicht ausgewachsen sind kriegen etwas mehr Energie. Dabei immer die Qualität im Auge, dass keine Toxine die Spermien negativ beeinflussen.
Dann im Spermalabor wovon man in den Sprungraum kucken kann, in dem extra noch zwei der Bullen gegen Schichtende abgesamt wurden. Alles extrem sauber und die Bullen werden vorher auch gewaschen. Die springen ausschließlich auf Unterstellbullen der Rasse DSN, weil die stabiler sind als  die Holsteins. Mit der Genreserve Deutsches Schwarzbuntes Niederungsrind, die „alten Schwarzbunten“ werden diese in Brandenburg noch in einem Zuchtprogramm geführt. Dafür sind immer ein paar Bullen im Besamungseinsatz und danach als weitere Laufbahn als Unterstellbulle. Dass alte Bullen wählerisch werden, auf manche Bullen nicht springen wollen oder manche Bullenpfleger nicht mögen, dazu die Anekdote, dass Guarini, der Vater meiner Gisela als eine Prozedur von einer Dreiviertelstunde gebraucht hätte.
Danach die Untersuchung des Spermas im Labor und die weiteren Schritte für das Einfrieren und die ganze Qualitätssicherung; da ist es in Brandenburg halt preußische Aufrichtigkeit.
Zum Abschluss noch im Konferenzraum - standesgemäß dekoriert mit zwei Bullenköpfen - eine Präsentation und Diskussion zum Einsatz von gesextem Sperma und Frischsperma aus verfahrenstechnischer Sicht. Unter anderem auch über den Frischspermaversuch der FU Berlin, wo ich mein Insiderwissen hatte.
Über das Besamungswesen und die dort eingesetzten Technologien hat man alles Grundsätzliche im Studium - aber in Bingen - gelernt, nun ganz anschaulich und sehr ins Detail war es eine umfangreiche Erweiterung des Wissens.
Und auch wieder mal die Erkenntnis, dass RBB bzw. RZB ganz oben in der Zucht sind.

Der Lehrgang geht nach einem E-Learning-Abschnitt im Januar weiter.

Benjamin


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