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Dienstag, 5. Oktober 2021

Roter Uckermärker

Keine Sorge, ich bin nicht vom Kurs abgekommen und habe jetzt Fleckvieh im Stall. 
Es handelt sich um ein Kreuzungskalb. Der Vater ist auch der Uckermärkerbulle Magnum PP. Bloß die Mutter hat einen Rotfaktor mitgebracht und so ist das Kalb nicht graubraun sondern rot gescheckt.
"Rote Belgier" (Rotbunt x Weißblaue Belgier) hatte ich schon paar mal, zum ersten davon siehe Post vom 09.08.2018.
Die Farbenlehre der reinrassigen Holsteins ist relativ einfach; siehe auch Post vom 06.02.2015. Bei Kreuzungen wird es mit der Dominanz, Kopplung usw. schwieriger. Da gehe ich davon aus, dass der Uckermärker als Vater die Fellzeichnung - eher Fleckvieh oder eher Charolais - vererbt und die Mutter die Farbe - schwarzbunt oder rotbunt. Magnum scheint reinerbig die Fleckviehzeichnung zu vererben, alle seine bisherigen Kälber bei uns sahen vor allem mehr als weniger nach seinem Fleckviehanteil aus.
 
Benjamin
 

 

Dienstag, 10. August 2021

Masthybriden

Im letzten Post hatte ich über die INRA 95 als Rasse für Anpaarungen an Milchkühen geschrieben. Heute ein dritter Post zu dem Thema.
 
Noch mal die Ausgangssituation für die Mastanpaarungen: Es kommen mehrere Sachen auf einmal zusammen. Durch bessere Aufzuchterfolge (niedrigere Totgeburtenrate, geringere Kälberverluste) stehen immer mehr Kälber für die Nachzucht zur Verfügung, gleichzeitig durch die längere Nutzungsdauer werden weniger neue Kühe benötigt. Ein Auweg ist die verlängerte Laktation um die Gesamtzahl der Kälber zu verringern. Hinzu kommt die geringere Mastfähigkeit der Holsteinbullen/färsen im Vergleich zu Fleischrindern und daher auch niedrigere Kälberpreise. Die Holsteins sind als milchbetontes Zweinutzungsrind seit Jahrhunderten auf hohe Milchleistung gezüchtet, was auch absolut sinnvoll ist sich auf wenige Merkmale zu beschränken und sich nicht noch in Fleischleistungszucht zu verzetteln. Da bietet sich dann die Erzeugung von Masthybriden an: Die Mutter ist absolut auf Milch ausgerichtet, der Vater absolut auf Fleisch und das Kalb liegt in der Mastleistung im guten Mittelfeld dazwischen.

Ein Foto das ich vor drei Jahren auf meinem Stammbetrieb LVAV Hofgut Neumühle aufgenommen habe, in dem Tretmiststall in dem ich 2008 so richtig Hoflader fahren gelernt habe. Links ein reinrassiger Holsteinbulle, rechts eine Kreuzung Holstein x Weißblauer Belgier. Beide dürften ein knappes Jahr alt gewesen sein:
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Die Problematik ist aber, dass die Weißblauen Belgier zwar schöne Kreuzungskälber machen aber den Kühen dann doch mehr zusetzen. Belastbare Zahlen habe ich keine, aber gefühlt sind die Kühe mit Belgier-Kalbungen unter den Problemtieren überrepräsentiert.
Dazu eine Tabelle, die letztes Jahr in der Blickpunkt Rind veröffentlicht wurde mit den Daten aus mehreren Zehntausend Kalbungen:
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Also der Ansatz auf alternative Rassen auszuweichen; erstmal ein Überblick über Rassen die auf Holstein für Masthybriden eingekreuzt werden:
 
Fleischrassen mit denen ich mehr oder weniger Kreuzungserfahrung habe.
Weiß-Blaue Belgier; halt der Standard in Deutschland
Uckermärker; die Fleischrinderrasse schlechthin hier im Nordosten, wo auch Herden umgestellt werden, z.B. in Lentzke (siehe auch Post vom 03.05.2019)
Fleischfleckvieh; in der Mutterkuhhaltung recht stark weil hohe Milchleistung und dadurch schwere Absetzer, die aber in der Endmast zurückfallen. Auch in der Kreuzung kommt noch viel von der ursprünglichen Zweinutzung durch. Meine Erfahrung mit dem Fleckviehbullen Samson war, dass die Kälber extrem stur waren und tagelang kaum saufen wollten.
Charolais

weitere Rassen die sich im Kreuzungseinsatz befinden:
INRA 95, weil leichtkalbiger als die Weiß-Blauen Belgier
Angus, auch wegen Leichtkalbigkeit, z.B. bei Benninghoff Milch-Energie (siehe Post vom 16.06.2019)
Piemonteser, war vor längerer Zeit mal bei Braunvieh recht häufig
Limousin
Hereford
British Blue, ist ein Projekt der Rinderunion Baden-Württemberg
Wagyu, für spezielle Vermarktungswege wegen der Fleischqualität mit dem hohen intramuskulären Fettanteil
Chianina, habe ich einmal ein Kreuzungskalb gesehen.         

Von Kreuzungen mit Blonde d' Aquitaine habe ich noch nichts gehört aber würde die auch in die Liste mit aufnehmen.

Mein längerfristiger Plan wäre eine eigene Rassenprüfung zu machen, welche sich denn am besten eignet: Befruchtung, Kalbeverlauf, Kälbergesundheit, Kälberwachstum, Gesundheit der Kühe. 
Die Vermarktungsmöglichkeiten sind natürlich auch wichtig, da fällt Wagyu für den breiten Einsatz gleich raus. Bei den anderen Rassen haben es wahrscheinlich die "mittleren" Rassen Angus, Limousin und Hereford schwer; Chianina ist auch zu speziell. 
Laut einem meiner Viehhändler gehen die Kreuzungen mit Weißblauen Belgiern halt immer, die beste Alternative wären INRA 95 und Uckermärker gehen auch noch.
Andererseits hatte es mein Bruder in seiner Thüringer Zeit geschafft dort die Uckermärkerkreuzungen als neue "Rasse" zu etablieren, noch oberhalb der Belgierkreuzungen.

Jetzt mal wieder "Kuhblog interaktiv": Liebe Leser, welche Erfahrungen habt ihr mit Fleischrassen in der Kreuzung? Schreibt es als Kommentar drunter oder per E-Mail an kuhblog(at)gmail.com. Oder für die Insider auch mit Signal oder WhatsApp.
 
Benjamin

Samstag, 7. August 2021

INRA 95

Weiter zu den Masthybriden. INRA 95 ist eine französische Fleischrinderrasse. Für mich vereinfacht gesagt "französische Uckermärker". Da von der Geschichte, der Bedeutung und ein Stück weit der Genetik ähnlich. Gesehen habe ich aber bisher weder reinrassige noch Kreuzungen. Die Bedeutung in Deutschland ist als Fleischrasse zur Anpaarung mit Holsteins für Masthybriden. 
 
INRA 95 wurde Ende der 1960er Jahre in Frankreich unter de Leitung des damaligen INRA gezüchtet. INRA heißt Institut national de la recherche agronomique. Mit meinen nicht vorhandenen Französischkenntnissen übersetze ich das mal mit "Nationalem Agrarforschungsinstitut". In Deutschland am ehesten mit der ehemaligen Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR zu vergleichen.
Hauptzweck war die Erstellung einer synthetischen Rasse als Kreuzungspartner für Milchkühe. Also ähnlich dem Genotyp 67/Uckermärker.

Ursprungsrassen der INRA 95:
größter Anteil 
Charolais (Zentralfrankreich),
dann  
Blonde d' Aquitaine (Südfrankreich),
Weiß-Blaue Belgier (Belgien),
sowie kleinere Anteile von
Maine Anjou (Westfrankreich),
Limousin (Zentralfrankreich),
Piemonteser (Nordwestitalien).
 
In kleinerem Maßstab werden die INRA 95 in Frankreich und Belgien als Mutterkühe gehalten sowie auf vielen französischen Besamungsstationen für die Anpaarung von Milchkühen.
 
Die RUW (Rinder Union West, unter anderem in Rheinland-Pfalz) importiert auch INRA 95-Sperma aus Frankreich.
Davon hat mein Bruder einige Portionen für Mastanpaarungen eingesetzt und die ersten Kühe sind daraus tragend und werden Anfang Dezember kalben. 
 
Fortsetzung folgt!
 
Benjamin

Mittwoch, 4. August 2021

Wieder Uckermärker

Aus aktuellem Anlass gibt es eine Mini-Serie zum Thema Masthybriden, denn heute hatte ich mal wieder nach einigen Jahren ein Kreuzungskalb Holstein x Uckermärker. Hatten die längere Zeit nicht im Besamungseinsatz und da habe ich mich auf den Ersten besonders gefreut und das Geburtsdatum ist bis auf wenige Tage genau bekannt, sodass ich die Serie vorbereiten konnte.
Die sind jetzt Fleischrind-Testbullen die in den Testherden von RBB und RinderAllianz eingesetzt werden um genau wie bei den Holsteins schnell Nachkommen mit guter Datengrundlage zu bekommen für die Zuchtwertschätzung. Bei den Fleischrindern für die Kreuzungseingnung und werden dann mit dem Label "Beef on Dairy"  ausgewiesen. Wir müssen dafür auch das Verkaufgewicht mit 2 Wochen erfassen. Dieses Testprogramm war schon bei der Vorstellung der Phönix-Group letztes Jahr angekündigt worden (siehe auch Post vom 18.09.2020).

Masthybriden, also die Gebrauchskreuzung von Milchrind mal Fleischrind, dass das Kalb bessere Fleischleistung bekommt als ein reinrassiges Holstein hatte ich erstmals im Frühjahr 2009 in Südbrandenburg gesehen. Das waren auch Holstein x Uckermärker. Im Südwesten für mich damals völlig unbekannt.

In den letzten Jahren haben die Mastanpaarungen deutlich zugenommen, einerseits steigt die Nutzungsdauer unserer Kühe langsam aber stetig in den letzten Jahrzehnten und andererseits verringern sich die Aufzuchtverluste (ad libitum-Tränke usw.) Also werden über die gesamte Population weniger neue Kühe benötigt, aber es gebe noch mehr. Der Export von Zuchtvieh ist kaum eine Möglichkeit, denn auch wenn die Zuchtverbände das immer hoch halten sind das keine 100.000 pro Jahr, also vielleicht so 5 %. 

Neben der verlängerten Laktation sind dann Masthybriden eine mittlerweile weit verbreitete Möglichkeit die Nachzucht zu verringern, denn sowohl die männlichen als auch die weiblichen Kälber gehen in die Rindermast.

War heute früh ein Bullenkalb von 52 kg, Mutter ist Gandhi, die zum fünften Mal kalbte. Vater ist Magnum PP von der RBB. Typisch für die Uckermärkerkreuzungen sind die starke Streuung in der Fellfärbung der Kälber; da kommen wieder die beiden Ursprungsrassen Fleckvieh und Charolais nach so vielen Generationen in Reinzucht wieder durch. Sie reicht von "sehr blassem" Fleckvieh bis komplett grau wie Charolais-Kreuzungen.

Fortsetzung folgt!

Benjamin