Donnerstag, 24. März 2022

Im Schwarzwald

Letzte Woche war ich digital im Schwarzwald. 
Das war eine Olnline-Veranstaltung des Projekts EIP Rind. Die Koordination liegt bei der Hochschule Nürtingen und dem LAZBW Aulendorf. EIP Agri sind von der EU geförderte Projekte im Agrarbereich, in denen Innovationen durch die Zusammenarbeit von Forschung, Praxis und Industrie umgesetzt werden und als Schrittmacher wie es früher hieß zu wirken.
Es geht um Stallbau mit innovativen Lösungen für Tierwohl, Nachhaltigkeit  und Umweltschutz, vor allem Kuhkomfort und Reduktion von Ammoniakemmissionen.

Jeden Monat gibt es bei einem der teilnehmenden Betriebe eine virtuelle Stallbesichtigung. Gastgeber im März war Familie Hermann, die Bio-Milchviehhaltung im Südschwarzwald betreiben. Für mich ganz ungewohnte Dimension. Auf 1.000 Höhenmeter gelegen mit fünf Monaten Schnee im Jahr wo es außergewöhnlich ist, dass jetzt im März keiner lag. Ein reiner Grünlandbetrieb mit möglichst viel Weidehaltung. Als Rasse Vorderwälder, auch wenn man zwei Braunvieh im Jungviehbereich sah. 

Der Juniorchef machte eine Führung durch den Stall die gefilmt und im Meeting gezeigt wurde, über ein Headset mit der Moderatorin verbunden konnte er Fragen beantworten und auf Details näher eingehen. Richtig interessant und so war es trotz rund 100 Teilnehmern wie eine private Stallführung. Ein klasse Format!

Das Projekt war eine Stallerweiterung auf 40 Kuhplätze. Der ursprüngliche Stall war alles unter einem Dach: Der Heuboden, Tiefsilos für Silage, Kuhstall mit dem Futtertisch quer durch das Gebäude und Melkstand. Die Erweiterung wurde in Verlängerung des Futtertischs gebaut. 
Wichtige Punkte waren der Fesskomfort durch Platzteiler alle zwei Fressplätze, dass sich die Kühe nicht gegenseitig verdrängen können. Unüblich die Ausführung mit kurzen freitragenden Brettern von 50 cm Länge, dass der Spaltenroboter (Lely Discovery 90SW) unten durch fahren kann. 
Dann Stehkomfort, dass die Kühe in Ruhe mit allen vier Füßen in den Liegeboxen stehen können. Das ist eine ganz andere Herangehensweise, weil auch ich immer den Blick darauf gerichtet habe, dass die Kühe sich hinlegen, weil die stehende Kuh die Hinterklauen stärker belastet und die auf dem Gang im Dreck stehen. Das gilt aber nicht für die Kühe die mit allen vier Füßen in der Box stehen. Dafür haben die Boxen eine Nackenkette und das Querrohr wurde auf 1,60 m hochgesetzt. Die Liegeboxen sind als Tiefboxen ausgeführt mit den Gummimatten Kraiburg Polsta in der vorderen Hälfte um den Einstreubedarf zu senken. Da Einstreu auf einem Grünlandbetrieb eh knapp ist, aktuell werden Dinkelspelzpellets verwendet, die recht teuer sind aber eine sehr gute Saugkraft haben.
Laufkomfort durch die Verwendung von Gummimatten auf allen Stallböden, auch in der Abkalbebox unter der Einstreu. Auf den Gängen sind es drei verschiedene Spaltenbodenbeläge von Kraiburg: Die Standardvariante, dann die PediKURA mit Korund zum stärkeren Klauenabrieb und die KURA SB, bei der durch die Oberflächenform Urin merklich schneller abfließt, was auch die Ammoniakemissionen reduziert.
Für Emissionsreduzierte Spalten, dass Ammoniak nicht aus den Güllekanälen ausgast hat Familie Hermann ein eigenes System entwickelt; unter den Spalten sind dachförmige Kunststoffplatten angebracht, die mit Gummilippen abgedichtet werden. So kann Kot und Urin nach unten durchrutschen, Gase aber nicht nach oben entweichen.

Ein Screenshot mit Blick von der Empore (Projektteil Öffentlichkeitsarbeit) am Heuboden über den Futtertisch. Das ist ein Stichfuttertisch hinter dem sich ein Quergang befindet über den die Kühe die Futtertischseite wechseln können. Vor dem Quergang parkt der Futtermischwagen der nur im Winter benutzt wird. Im Sommer sind die Kühe auf der Weide und werden im Stall mit Frischgras und Heu zugefüttert. Es ist ein elektrischer Mischwagen von Kuratli. Die Stromversorgung erfolgt über ein Schleppkabel, da der Mischwagen sich nur auf dem Futtertisch bewegt bis zur Einfüllöffnung vom Heuboden; das ist auch dem Winterwetter angepasst:
 
Benjamin
 

 


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